Gottes verborgenes Wirken

Berichte über die andere Seite der Christenverfolgung

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Jesu Hand auf der verwundeten Brust

Ali aus Pakistan

 

Als Sohn aus einer reichen und angesehenen Familie genoss Ali* viele Privilegien, als er aufwuchs. Doch dann lernte der schiitische Muslim bei einem Besuch in England Jesus Christus kennen. Als er sich, zurück in Pakistan, zu Jesus bekannte, nahm sein Leben schlagartig eine dramatische Wendung.

„Nach Schulschluss saß ich noch mit ein paar Freunden vor dem Haupteingang und wir unterhielten uns. Die anderen sprachen darüber, wie man richtig ein Tier opferte, um seine Sünden vergeben zu bekommen. Ich musste unwillkürlich an meine erste Vision dort in England denken – an das helle Licht und die Stimme, die zu mir gesprochen hatte. Was hatte sie noch gesagt? ‘Mein Sohn, du wolltest mich sehen. Hier bin ich. Gehorche mir. Ich werde dir deine Sünden vergeben und dir ewiges Leben schenken.’
 

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Ich sprach, ohne mir meine Worte zu überlegen. ‘Ihr liegt falsch’, sagte ich. ‘Mit Tieropfern kommt man der Sünde nicht bei. Als ich in England war, hatte ich einen Traum, der mir die Wahrheit zeigte. Wenn ihr mit der Sünde fertigwerden wollt, müsst ihr zu Jesus beten.’

Schweigen. Ich spürte, wie sie mich anstarrten. ‘Du lügst’, sagte Yazie, einer der Ältesten von uns. ‘Wie kannst du sagen, dass Jesus Sünden vergeben kann? Was du da sagst, ist selber eine Sünde!’


„Wie kannst du sagen, dass Jesus Sünden vergeben kann? Was du da sagst, ist selber eine Sünde!“
 

‘Ich mach keine Witze, Yazie’, sagte ich. ‘Wenn du willst, kannst du es selber versuchen und zu Jesus beten. Probier’s aus.’ Er stand auf, sichtlich eingeschnappt, und ging, bald gefolgt von den anderen.

Verprügelt

Den nächsten Tag, als der Unterricht vorbei war, war ich allein in einem der Klassenzimmer und damit beschäftigt, Stühle wegzuräumen, als Yazie in der Tür erschien. Er sah er ernst aus. ‘Komm mit’, sagte er.

Ich dachte nichts anderes, als dass ich mit ihm und ein paar Kumpeln mitgehen sollte. Ich folgte ihm durch einen Seiteneingang der Schule nach draußen und sah zwei von seinen Cousins, die in der Nähe standen. Als sie uns sahen, kamen sie direkt auf mich zu.

Sie fingen mit Schubsen und Ohrfeigen an. Ich verteidigte mich tapfer. Ich war zwar kleiner als sie, aber dafür schnell. Keiner von uns sagte ein Wort – ich nicht, Yazie nicht, der hinter mir stand und mich wiederholt von der Tür wegstieß, die zurück in die Schule führte, auch nicht seine beiden Cousins, die von Ohrfeigen zu Boxhieben übergegangen waren. Es war kein Geräusch zu hören, außer dem nächsten Klatschen von Faust gegen Haut und dem Scharren unserer Schuhe im Sand.

Ich weiß noch, wie ich dachte: Die wollen mir bestimmt nur zeigen, wer der Boss ist in einem Land, wo die Sunniten das Sagen haben, und nicht die Schiiten. Gleich haben sie genug und gehen nach Hause. Doch stattdessen gingen sie mit verdoppelter Kraft auf mich los und zwangen mich zu Boden. Ich spürte, wie ein Stein in meinen Rücken riss. Ich biss die Zähne zusammen gegen den Schmerz. Sie pressten meine Arme und Beine in den Dreck.

Der Mann mit dem Messer

Eine Stimme, die ich nicht kannte, brach das Schweigen. Was sagte der da? Ich schaute hoch und sah einen Mann, der alt genug schien, um Yazies Vater oder Onkel zu sein. Er trug ein weißes Salwar kamiz [traditionelles Gewand] und einen langen Vollbart und auf dem Kopf einen großen gelbgrünen Turban, der ihm bis über die Schultern ging. Ich hatte ihn noch nie gesehen, aber der Kleidung nach konnte es nur ein Wahhabit sein. Er sprach Arabisch. ‘Du hast versucht, unsere Kinder zu Kafir zu machen. Der Islam gibt mir das Recht, jeden Ungläubigen, der so etwas tut oder gegen unseren geliebten Propheten spricht, zu töten!’

Kafir. Ungläubiger. Ich spürte, wie die nackte Angst in mir hochstieg. Ich versuchte, sie niederzukämpfen. So redeten die Wahhabiten eben immer; ständig behaupteten sie, dass der Koran ihnen das Recht gab, diesen Mann oder jene Frau zu töten. Aber dann sah ich, wie der Fremde in die Tasche seines Gewandes griff und ein Klappmesser hervorzog. Die Angst schlug wie eine Welle über mir zusammen.

Er trat näher. Die einzigen Geräusche, die ich hörte, waren das Ankämpfen meiner Arme und Beine gegen die Schraubklammerhände von Yazie und seinen Cousins und das Aufklappen des Messers. Der Mann mit dem Turban beugte sich zu mir herunter. ‘Haltet ihn fester’, sagte er. Ich sah, wie seine Augen meine Brust maßen und seine freie Hand auf sie zukam, um sie zu fixieren. Die Hand mit dem Messer schwebte über meinem Herzen.


„Ich sah, wie seine Augen meine Brust maßen und seine freie Hand auf sie zukam, um sie zu fixieren. Die Hand mit dem Messer schwebte über meinem Herzen.“
 

Ich konnte nur eines denken in diesem Augenblick: dass ich noch nicht bereit war zu sterben. Ich musste fliehen! Ich wusste, dass das nicht ging, aber ich nahm die ganze Kraft, die ich noch hatte, zusammen und ruckte und riss mit meinen Schultern, um der herabschießenden Klinge auszuweichen. Ich spürte, wie ein weißes Feuer in meine Brust riss, heiß und grausam. Ich sah, wie der Fremde seine rechte Hand wieder zurückzog und wie das Blut vom Messer troff.

Ich wollte schreien. Es ging nicht, der Schmerz machte mich stumm und nahm mir den Atem. Ich rang nach Luft. Da kam die nächste Schmerzflamme in meiner Brust. ‘Und noch mal’, sagte der Mann, während er ein zweites Mal zustieß. Ich konnte nicht mehr kämpfen, die Kraft war weg. Sie schleiften mich über den Boden und ließen mich unter einem Strauch fallen. Dann das Geräusch von Schritten, die sich entfernten.

Ich versuchte, mich aufzusetzen. Der Schmerz war wie ein schwarzer Nebel um meine Gedanken und Glieder. Ich fiel wieder zurück. Erst jetzt sah ich, dass meine Brust blutverschmiert war. Ich schaute ein letztes Mal zu dem Strauch über mir hoch und sah den Himmel über ihm. Dann schloss ich die Augen.

„Du bist verletzt worden, weil du mich verteidigt hast“

Als ich Jesus das zweite Mal sah, war dies ganz anders als beim ersten Mal. Ich wusste nicht, ob ich tot oder lebendig war. Es begann mit dem Licht. Wieder umgab es mich von allen Seiten. Meine Angst verflog. Es gab nur noch das Licht und mich. Keine Angst, keine Panik, nichts als ein unbeschreiblicher, tiefer Friede.

Ich erkannte Jesus sofort. Es fällt mir schwer, ihn zu beschreiben, denn obwohl er äußerlich wie ein Mensch aussah, mit einem Gesicht, Haar, Händen und allem anderen, waren es nicht diese Dinge, die mir zeigten, dass er es war. So wie ich instinktiv wusste, dass das Licht gut war, so wusste ich mit jeder Faser, dass der, der hier vor mir stand, Jesus war. Er sah mich an. Ich wusste nicht, an welchem Ort oder in welcher Zeit ich war.


„‘Ich lasse nicht zu, dass du stirbst.’ Er streckte seine rechte Hand aus und legte sie auf die Wunde an der linken Seite meiner Brust. ‘Ich beschütze dich.’“
 

Ich hatte die Schmerzen nicht mehr gespürt. Jetzt kamen sie wieder. Aber sie waren nichts im Vergleich zu dem Licht und zu dem Wissen, dass Jesus bei mir war. Ich wusste, dass ich schwer verletzt war, aber irgendwie schien das nicht wichtig zu sein. ‘Du bist verletzt worden, weil du mich verteidigt hast’, sagte Jesus. ‘Ich lasse nicht zu, dass du stirbst.’ Er streckte seine rechte Hand aus und legte sie auf die Wunde an der linken Seite meiner Brust. ‘Ich beschütze dich.’

Das Leben zurückgegeben

Als ich aufwachte, war meine Mutter neben mir. Sie japste, legte die Hand auf ihren Mund und beugte sich über mich, um mir einen Kuss zu geben. ‘Du lebst!’ Sie sagte es wieder und wieder, hielt meine Hand fest, weinte und lächelte wieder. ‘Der Arzt sagt, du hast viel Blut verloren’, sagte sie. ‘Er hat gesagt, dass das Messer dein Herz verfehlt hat, aber dafür in die Lunge gegangen ist.’ Ihre Tränen wurden wieder stärker, sie musste sich kurz unterbrechen. ‘Er hat gesagt, dass sie nichts machen konnten und dass sie nicht genügend Zeit hatten, um dich in ein Krankenhaus zu fahren, wo man dich hätte operieren können. Er sagte, dass du im Sterben lagst.’

Ich musste an Jesus denken – an seine Hand auf meiner Brust und an seine Worte. Und dann wusste ich es: Er war es, der mich gerettet hatte. Er war es, der mich beschützt hatte, gerade so, wie er es mir in dem Traum versprochen hatte. Er hatte mir das Leben zurückgegeben.

Als der Arzt mich später untersuchte, sagte er mir, dass er sich nicht erklären konnte, wo all das Blut, das meinen linken Lungenflügel gefüllt hatte, hin war. Es war einfach verschwunden.“

 


*Name geändert

 

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