Länderprofil Algerien

Algerien

36
Weltverfolgungsindex
2017
Flagge Algerien
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Demokratische Volksrepublik
Rang Vorjahr
37
ISO
DZ
Karte Algerien
Karte Algerien
Christen
37,7 Tsd.
Bevölkerung
41.06
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 12.917
Familienleben: 13.061
Gesellschaftliches Leben: 7.933
Leben im Staat: 11.589
Kirchliches Leben: 10.417
Auftreten von Gewalt: 1.667

Berichtszeitraum: 1. November 2015 – 31. Oktober 2016

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

58 Punkte / Platz 36 (WVI 2016: 56 Punkte / Platz 37)


Triebkräfte der Verfolgung

In Algerien ist die Haupttriebkraft der Verfolgung „Islamische Unterdrückung“. Dahinter kommen „Diktatorische Paranoia” (gemischt mit Islamischer Unterdrückung) und „Organisiertes Verbrechen und Gewalt“.


Aktuelle Einflüsse

Der alternde Präsident Abdelaziz Bouteflika hat sein Amt nun zum vierten Mal in Folge inne und hat vollen Rückhalt bei Militär und Sicherheitskräften. Die Frage, wer ihm eines Tages als Präsident nachfolgen wird, ist für viele Algerier ein Grund zur Sorge. Auch in dieser Region gewinnen islamistische militante Gruppen immer mehr an Bedeutung, sodass Gruppierungen wie „Al-Kaida im islamischen Maghreb“ (AQIM) in Algerien immer stärker zu spüren sind. Darüber hinaus hat die Verordnung Nr. 06-03 von 2006, die nicht-islamische Religionen regulieren soll, eine restriktivere Umgebung für die Christen in Algerien geschaffen. Algerien hat bereits eine problematische Sicherheitslage, doch dazu kommen noch ernste wirtschaftliche Probleme durch fallende Preise auf dem weltweiten Energiemarkt.


Betroffene Kategorien von Christen

Es gibt in Algerien alle im WVI aufgeführten Kategorien von Christen und sie alle erleben unterschiedlich starke Verfolgung. Glaubensgemeinschaften ausländischer Christen, Christen aus traditionellen Kirchen (z.B. römisch-katholische), ehemalige Muslime und Christen aus protestantischen Freikirchen. In katholischen Kirchen, z. B. in Algier, werden Gottesdienste ohne staatliche Einmischung durchgeführt; ebenso in mindestens einer protestantischen Kirche. Auch wenn es gesetzlich verboten ist, sich öffentlich außerhalb der islamischen Religion zu versammeln, um den eigenen Glauben zu praktizieren.


Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

  • Der Druck auf Christen ist insgesamt sehr hoch und im Vergleich zum WVI 2016 leicht gestiegen.
  • Am stärksten ist der Druck mit einem sehr hohen Niveau im „Familienleben“ und „Privatleben“, was für Länder mit der Verfolgungstriebkraft „Islamische Unterdrückung“ typisch ist und ganz speziell die ehemaligen Muslime betrifft.
  • Dahinter kommt mit einem ebenfalls sehr hohen Niveau der Druck im „Leben im Staat“, verursacht durch die Verordnung Nr. 06-03 von 2006.
  • Die Wertung im Bereich „Auftreten von Gewalt“ gegen Christen ist auf niedrigem Niveau, doch im Vergleich zum WVI 2016 stark in die Höhe gestiegen.


Ausblick

Sollte Bouteflika im Amt sterben, ist es sehr wahrscheinlich, dass unter dem Druck einer jüngeren Generation, die sich verzweifelt nach Veränderungen sehnt, soziale Unruhen ausbrechen werden. Sollte es den Islamisten gelingen, aus der allgemeinen Unzufriedenheit in der Gesellschaft Kapital zu schlagen (wie in Tunesien und Ägypten geschehen), wird es der christlichen Kirche unter einer neuen politischen Konstellation möglicherweise noch schlechter ergehen. Es ist bestätigt, dass der Islamismus an Einfluss in Nordafrika gewinnt und die dahinter stehenden Kräfte warten nur auf eine Gelegenheit, den momentanen Zustand des Landes zu stören. Die Armee und Sicherheitskräfte haben die Möglichkeit, die jetzige Lage des Landes zu sichern und so die Kontinuität innerhalb des Landes zu bewahren. Doch diese Aufgabe wird nicht leicht werden, besonders im Hinblick auf die wirtschaftlichen Probleme, mit denen sich Algerien auseinandersetzen muss.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 58 Punkten belegt Algerien Platz 36 auf dem Weltverfolgungsindex 2017. Das entspricht einem Anstieg um zwei Punkte gegenüber dem Jahr 2016 (56 Punkte, Platz 37). Der Druck auf die Christen im „Privatleben“, „Familienleben“ und „Gesellschaftlichem Leben“ ist im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Jedoch hat sich der Druck im Bereich „Kirchliches Leben“ und „Leben im Staat“ verstärkt. Das könnte an dem wachsenden Druck durch das islamistische (oder politisch-islamische) Lager liegen, besonders auf lokaler Ebene.

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2. Triebkräfte der Verfolgung

Die Haupttriebkräfte der Verfolgung in Algerien sind „Islamische Unterdrückung“ und in geringerem Ausmaß „Diktatorische Paranoia“ (vermischt mit Islamische Unterdrückung) sowie „Organisiertes Verbrechen und Gewalt“.


Islamische Unterdrückung: Während der Islam in der Regierung Algeriens immer mehr an Einfluss gewinnt, wird die Freiheit der Christen immer weiter eingeschränkt. Zunehmender Druck auf Regierung und Gesellschaft seitens islamistischer Bewegungen, sowie der Druck von Familienmitgliedern auf Christen muslimischer Herkunft, erklären die Position Algeriens auf dem Weltverfolgungsindex. Vom „Arabischen Frühling“ in anderen nordafrikanischen Ländern ermutigt, haben islamistische Gruppen ihren Druck auf die Regierung, die bereits mit islamischen Parteien zusammenarbeitet, weiter verstärkt. Trotz dieser Zusammenarbeit ist die Islamische Heilsfront (FIS) immer noch verboten. Islamisten treten zunehmend in Erscheinung und beobachten die Aktivitäten der Christen und anderer nicht-muslimischer Minderheiten, wie die der kleinen Gemeinschaften der Juden und Bahai.


Diktatorische Paranoia: Diese Triebkraft muss aufgrund des autokratischen Regierungsstils von Präsident Bouteflika erwähnt werden, und ist ebenso ein ausschlaggebender Grund für die Einschränkungen der Christen.


Organisiertes Verbrechen und Gewalt: Militante islamistische Gruppierungen agieren besonders im Süden Algeriens und finanzieren sich durch Beteiligung am organisierten Verbrechen. Das wird für Christen ein Problem, da sie Opfer von Entführungen werden könnten.

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3. Aktuelle Einflüsse

Algerien hatte früher ein säkulares, sozialistisches Regierungssystem. Im Zusammenhang mit dem wachsenden Einfluss des Islamismus in der Region wurde Algerien zunehmend zum Schauplatz gewaltsamer Übergriffe durch islamistische Bewegungen, insbesondere durch „Al Kaida im islamischen Maghreb“ (AQIM). Der alternde und ernsthaft erkrankte Präsident Abdelaziz Bouteflika hat derzeit zum vierten Mal das Präsidentschaftsamt inne. Militär und Sicherheitskräfte geben ihm vollen Rückhalt. Doch die Frage, wer sein Amtsnachfolger werden wird, bringt große Sorge mit sich. Algerien hat nicht nur durch das Erstarken islamistischer Gruppierungen in der Region ein wachsendes Sicherheitsproblem. Es hat auch ernsthafte wirtschaftliche Probleme durch sinkende Energiepreise auf dem internationalen Markt.

Große Proteste gegen das autoritäre Regime führten 2011 zur Aufhebung des 19 Jahre dauernden Ausnahmezustandes. Dieser wurde in den 1990er-Jahren von algerischen Behörden verhängt, um den beidseitig höchst brutal geführten Kampf gegen islamistische Rebellen erfolgreich zu beenden. Die Proteste, bei denen fünf Menschen getötet und über 800 verletzt worden waren, wurden infolge eines massiven Einschreitens der Polizei nach nur wenigen Monaten beendet. Anders als in Nachbarländern führten sie jedoch zu keinem Regimewechsel. Die Militärregierung unter Präsident Abdelaziz Bouteflika besteht nahezu unverändert weiter und wurde auch durch die Aufhebung des Ausnahmezustandes nicht geschwächt, sondern vielmehr als bedeutsames Symbol seiner Macht gewertet.

Christen in Algerien leben in einer unterdrückenden Umgebung, die ihnen den Genuss von Religionsfreiheit verwehrt. Sie werden sowohl vom Staat, als auch von der überwiegend muslimischen Bevölkerung auf unterschiedliche Art und Weise verfolgt. So dürfen Christen keine öffentlichen Gottesdienste abhalten, da der Staat allen Nicht-Muslimen verbietet, an religiösen Veranstaltungen teilzunehmen, die nicht genehmigt wurden. Außerdem wird es Christen schwer gemacht, eine staatliche Registrierung ihrer Gottesdienststätten oder eine Baugenehmigung ihrer Kirchen zu bekommen. Sie werden auch aufgrund von Gesetzen verfolgt, nach denen es bereits ein Verbrechen ist, einen Muslim dazu zu bewegen, sich von seinem Glauben abzuwenden. Diese nur vage formulierte Strafnorm gegen Missionierung wird auch dann gegen Christen angewandt, wenn sie gar nicht versucht haben, einen Muslim zum christlichen Glauben zu bekehren.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

In Algerien leben vier Kategorien von Christen:

Christen aus traditionellen Kirchen, römisch-katholische und einige protestantische Kirchen unter dem Dachverband der EPA (Eglise protestante d'Algérie oder Algerische Protestantische Kirche). Diese Glaubensgemeinschaften dürfen bestehen, sofern sie registriert sind. Jedoch außerhalb ihrer Versammlungsstätten werden ihnen Beschränkungen auferlegt. Katholische Kirchen, z. B. die Kathedrale in Algier (dem Sitz des Erzbischofs), können Gottesdienste ohne staatliche Einmischung halten; ebenso auch in einer protestantischen Kirche.

Christen muslimischer Herkunft: Fast alle Christen Algeriens sind muslimischer Herkunft und werden verfolgt. Das Gesetz verbietet alle öffentlichen Versammlungen, bei denen ein anderer Glaube als der Islam praktiziert wird. In der Berber-Region gibt es eine große Anzahl an Treffen inoffizieller Gruppen; Nicht-Muslime versammeln sich zum Gottesdienst meist in Privathäusern. Gemeindeleiter geben an, dass Christen konstant unter Druck gesetzt werden. Unabhängigen christlichen Gemeinden wird eine Registrierung häufig verwehrt. Die sehr junge algerische Kirche (sie besteht zumeist aus Christen der ersten Generation) ist in vielfältiger Form Diskriminierungen durch den Staat und Familienmitglieder ausgesetzt.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 12.917
Familienleben: 13.061
Gesellschaftliches Leben: 7.933
Leben im Staat: 11.589
Kirchliches Leben: 10.417
Auftreten von Gewalt: 1.667

Grafik: Verfolgungsmuster Algerien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenspiel der Triebkräfte hervorgerufen werden.


Erläuterung zum Verfolgungsmuster Algerien:

  • Der durchschnittliche Druck auf die Christen ist auf einem sehr hohen Niveau (11,183 Punkte) und im Vergleich zum WVI 2016 leicht angestiegen (11,134 Punkte).
  • Der Druck auf Christen ist am höchsten im Bereich „Familienleben“ (13,061) und im „Privatleben“ (12,917). Das spiegelt die Situation der ehemaligen Muslime wider, die unter der Verfolgungstriebkraft „Islamische Unterdrückung“ zu leiden haben.
  • Die Wertung für „Auftreten von Gewalt“ ist niedrig, doch ist sie von 0,370 im letzten Jahr auf 1,667 angestiegen.
  • Die allgemeine Verfolgungssituation wird von islamistischen Gruppierungen verstärkt, die auf Regierung und Gesellschaft zunehmend Druck ausüben. Dazu kommt der Druck, den Familienmitglieder auf ehemalige Muslime ausüben, die sich zu Jesus Christus bekehrt haben.


Privatleben: Es ist nicht verboten, zu einem anderen Glauben zu konvertieren (keine Straftat im Sinne des Glaubensabfalls), doch es ist gesetzlich verboten, einen Muslim zu einem anderen Glauben zu bekehren. Technisch gesehen wird daher die Person haftbar gemacht, die die Bekehrung zu einem anderen Glauben herbeigeführt hat, nicht aber der Konvertit selbst. Das Hauptproblem dabei ist die Verfolgung innerhalb der Familie, die gefährliche Ausmaße annehmen kann. Kirchenleiter berichten, dass Christen muslimischer Herkunft (besonders Frauen) manchmal von ihren muslimischen Familien zu Hause eingesperrt werden. Sie dürfen keinerlei Kontakt zu anderen Christen haben, geschweige denn sich mit ihnen treffen. Ihnen werden Fernsehen und Radio verboten, da es christliche Sender gibt, die nach Algerien ausstrahlen. Im arabischen Teil des Landes ist die Verfolgung noch bedrohlicher und Christen muslimischen Hintergrunds laufen Gefahr, getötet zu werden. Vielen Gläubigen ist es nicht möglich, anderen Familienmitgliedern oder Gästen von ihrem Glauben zu berichten, oft sind sie häuslicher Gewalt schutzlos ausgesetzt.


Familienleben: Für die algerische Regierung ist jeder Bürger ein Muslim. Es gibt Fälle, in denen muslimische Dorfbewohner den Christen verwehrt haben, ihre verstorbenen Angehörigen zu beerdigen. Christliche Eheschließungen sind nur innerhalb der Kirche gültig, die Behörden registrieren diese Ehen als muslimisch.


Gesellschaftliches Leben: Algerische Christen reden meist nur von „Dorfbewohnern, die nicht mit uns sprechen“, wohingegen christliche Menschenrechtsorganisationen von regelmäßigen verbalen und körperlichen Angriffen berichten. Innerhalb des Berichtszeitraums wurden jedoch keine Drohungen gemeldet. Laut dem „Internationalen Bericht zur Religionsfreiheit“ der US-Regierung aus dem Jahr 2012 werden „Ausländer und Bürger, die eine andere Religion als den Islam praktizieren, im Allgemeinen toleriert. Jedoch haben einige Christen muslimischer Herkunft aus Sorge über ihre persönliche Sicherheit ihren Glauben verschwiegen.“ Die Regierung ist besonders beunruhigt über Berichte von Missionierungen in den konservativeren muslimischen Gemeinden, wie z.B. in Gebieten, die als Basis von extremistisch-islamischen Gruppierungen dienten, die im Bürgerkrieg (1991-1999) gegen die Regierung kämpften. Christen, die dort leben, müssen ihren Glauben geheim halten, weil sie sonst keinen Zutritt zur Universität erhalten und von Lehrern diskriminiert werden.


Leben im Staat: Die konsequente Umsetzung der strengen Verordnung 06-03 schränkt die Freiheit von Christen besonders ein. Das Gesetz, das den Gottesdienst nicht-muslimischer Religionen nur unter Auflagen erlaubt, wurde im Februar 2006 verabschiedet und trat im darauffolgenden September in Kraft. Die Einführung dieses Anti-Konversions-Gesetzes im Jahr 2006 war für die christliche Kirche Algeriens ein Wendepunkt und markierte einen Rückschritt für die Religionsfreiheit. Die Verordnung 06-03 verbietet jede Handlung, welche „einen Muslim zum Übertritt zu einer anderen Religion auffordert, nötigt oder entsprechende Verführungsmethoden einsetzt oder hierfür Unterrichts-, Bildungs-, Gesundheitseinrichtungen oder Einrichtungen gesellschaftlicher oder kultureller Natur oder Schulungsinstitutionen oder irgendeine andere Einrichtung oder finanzielle Mittel nutzt.“ Die Zuwiderhandlung wird mit zwei bis fünf Jahren Gefängnis und einem Bußgeld geahndet. Das Gesetz verbietet auch alle christlichen Veranstaltungen außerhalb eines staatlich anerkannten Kirchengebäudes. Seit November 2007 haben sich Maßnahmen gegen Kirchengemeinden und der Druck auf Christen beachtlich gesteigert. Zwischen November 2007 und Mai 2008 hat die Regierung 26 Kirchengemeinden geschlossen. 16 gehörten zur EPA (Protestantische Kirche von Algerien), 10 waren unabhängige Gemeinden, die auch heute noch geschlossen sind. Seit Januar 2008 wurden etwa fünfzehn Christen verhaftet und angeklagt. Einige von ihnen wurden zu Gefängnisstrafen und hohen Bußgeldern verurteilt. Ein besonders beunruhigender Aspekt der Verordnung 06-03 ist die vage Formulierung, die eine sehr willkürliche Auslegung und Anwendung ermöglicht. Im September 2016 wurde der vom Islam konvertierte Christ Slimane Bouhafs von einem algerischen Gericht wegen „Beleidigung des Islam“ zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.


Kirchliches Leben: Die Freude über die Registrierung der EPA (Protestantische Kirche Algeriens) im Jahr 2011, nach vielen Jahren vergeblichen Wartens, ist mittlerweile in Enttäuschung umgeschlagen. Die erhoffte größere Freiheit der örtlichen Gemeinden blieb aus; jede muss sich weiterhin einzeln registrieren lassen. Auf lokaler Ebene hat sich die Unterdrückung noch verstärkt und keine zur EPA gehörende Kirchengemeinde wurde registriert. Seit Inkrafttreten der Verordnung 06-03 im September 2006 wurde in Algerien keine neue Gemeinde registriert, sodass sich viele Christen weiterhin in inoffiziellen „Hauskirchen“ treffen, bei denen es sich meist um Privatwohnungen, manchmal auch um Geschäftsräume von Gemeindemitgliedern handelt. Rechtlich gesehen legt die Verordnung 06-03 fest, wie ein Kirchengebäude auszusehen hat. Die Versammlung in einem privaten Haus ist verboten. Ein Zuwiderhandeln kann mit bis zu drei Jahren Gefängnis und einem Bußgeld von 300.000 DA (3.000 Euro) bestraft werden. Momentan ist allerdings kein Christ aus diesem Grund im Gefängnis und sie treffen sich nach wie vor in ihren Häusern. Jedoch schwebt dieses Gesetz wie ein Damoklesschwert über ihnen.


Auftreten von Gewalt: Zwar wurden im Berichtszeitraum keine Christen getötet, doch vereinzelt wurden christliche Gemeinden und Medienorganisationen bedroht. Zeitungen druckten negative Artikel über Christen. Die Anzahl von gemeldeten Übergriffen bleibt gering. Polizeibeamte in Zivil wohnen den Gottesdiensten bei und treffen sie dort Gäste aus dem Ausland an, werden die Pastoren dazu befragt.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

  1. Sollte Präsident Bouteflika im Amt sterben (wovon viele Beobachter ausgehen), ist es sehr wahrscheinlich, dass unter dem Druck der jüngeren Generation, die sich nach Veränderungen sehnt, soziale Unruhen ausbrechen werden. Gelingt es den Islamisten, ähnlich wie in Tunesien und Ägypten, aus der gesellschaftlichen Unzufriedenheit Kapital zu schlagen, könnte es der christlichen Kirche weitaus schlechter gehen. Sicher ist, dass die islamische Militanz in Nordafrika an Einfluss gewinnt und der Tod Bouteflikas könnte die Gelegenheit der extremistischen Gruppierungen sein, den gegenwärtigen Zustand des Landes zu stören. Möglicherweise werden Militär und Sicherheitskräfte versuchen, sich dem in den Weg zu stellen und die Kontinuität des Landes zu sichern. Das wird besonders im Hinblick auf den wirtschaftlichen Druck und die Probleme des Landes keine leichte Aufgabe sein. Die Unzufriedenheit innerhalb der Bevölkerung durch hohe Arbeitslosigkeit, eine ernsthafte Wohnungsbaukrise und wegen des politischen Stillstands ist sehr groß.
  2. Die Zukunft des Landes wird auch von Entwicklungen der Nachbarländer und der Region im Allgemeinen abhängen. Fest steht, dass die islamische Militanz in Nordafrika an Einfluss gewonnen hat, was für die Christen in der Region ein Grund zur Sorge ist. Dazu zählen die unaufhörlichen Versuche der extremistischen Muslime, Morde an Sicherheitskräften, Zivilisten und Christen mit ihrer Auslegung des Islam zu rechtfertigen.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Algerien:

  • Die politische Zukunft in Algerien bleibt ungewiss und es sieht so aus, dass die Regierung eine Nachfolge von Präsident Bouteflika vorbereitet. Bitte beten Sie für einen friedlichen Machtwechsel ohne Gewalt. Beten sie außerdem dafür, dass die „neue“ Regierung offener gegenüber Christen wird und ihre Rechte als gesetzestreue Bürger anerkennt.
  • Es ist ein Dankesanliegen, die algerische Gemeinde weiter wachsen zu sehen. Beten Sie für die neuen Christen die in die Gemeinden kommen. Beten Sie, dass sie geistlich wachsen.
  • Bitte beten Sie für die Christen, die von ihren Familien verfolgt werden, was besonders für Christen muslimischer Herkunft gilt. Bitte beten Sie für ihren Schutz und dass sie diejenigen lieben und denen vergeben, die sie verfolgen.

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