Länderprofil Bangladesch

Bangladesch

26
Weltverfolgungsindex
2017
Flagge Bangladesch
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Volksrepublik
Rang Vorjahr
35
ISO
BD
Karte Bangladesch
Karte Bangladesch
Christen
0,87
Bevölkerung
164.83
Islamische Unterdrückung
Ethnisch begründete Anfeindungen
Religiös motivierter Nationalismus
Privatleben: 11.771
Familienleben: 9.696
Gesellschaftliches Leben: 11.859
Leben im Staat: 9.310
Kirchliches Leben: 8.386
Auftreten von Gewalt: 12.222

Berichtszeitraum: 1. November 2015 – 31. Oktober 2016

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

63 Punkte / Platz 26 (WVI 2016: 57 Punkte / Platz 35)

Triebkräfte der Verfolgung

Die Haupttriebkraft der Christenverfolgung in Bangladesch ist „Islamische Unterdrückung“ in Verbindung mit „Religiös motiviertem Nationalismus“ und „Ethnisch begründeten Anfeindungen“.

Aktuelle Einflüsse

Inspiriert durch international agierende extremistische Gruppierungen wie den „Islamischen Staat“ (IS) haben einheimische islamistische Gruppen mehrfach gewaltsame Anschläge verübt. Dies hat dazu geführt, dass unter der Bevölkerung von Bangladesch wachsende Besorgnis herrscht. Minderheiten wie die Christen sind naturgemäß stärker davon betroffen; zusätzlich zu der gestiegenen Anzahl von Angriffen bringt sie eine zunehmend konservative Gesellschaft unter Druck. Dies betrifft besonders Christen anderer religiöser Herkunft.

Betroffene Kategorien von Christen

In Bangladesch gibt es alle Kategorien von Christen des Weltverfolgungsindex und sie alle erleben Verfolgung. Am wenigsten betroffen sind Gemeinschaften von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten. Christen aus traditionellen Kirchen und Christen aus protestantischen Freikirchen erfuhren stärkere Verfolgung im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2017. Die meiste Verfolgung erleben allerdings Gemeinschaften von Christen anderer religiöser Herkunft. Sie entstammen einem muslimischen, hinduistischen oder buddhistischen Hintergrund. Aus Angst vor Angriffen treffen sie sich häufig heimlich in Gruppen oder Hauskirchen.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

  • Der Druck auf Christen insgesamt ist sehr hoch und im Vergleich zum Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2016 stark angestiegen. Verantwortlich für den Anstieg der Spannungen ist der wachsende Einfluss militanter islamischer Gruppen. Einige darunter sind von international agierenden Gruppen wie dem IS inspiriert.
  • Im gesellschaftlichen und privaten Leben ist der Druck am stärksten. Nur wenig geringer sind die Belastungen des Familienlebens. Derartige Situationen betreffen hauptsächlich Christen anderer religiöser Herkunft, die hier die Hauptlast der Verfolgung tragen müssen.
  • Der Druck in den genannten Lebensbereichen resultiert hauptsächlich aus der dort herrschenden Islamischen Unterdrückung und Religiös motiviertem Nationalismus. Er hat im Berichtszeitraum zugenommen und wird hauptsächlich vom sozialen Umfeld ausgeübt, zum Beispiel von Familie, Nachbarschaft und der Ortsgemeinschaft.
  • Der wachsende Druck wird begleitet von einer deutlichen Zunahme der Gewalt gegen Christen. Sie hat inzwischen ein extremes Niveau erreicht. Das war am deutlichsten daran zu erkennen, dass im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2017 vier Christen aufgrund ihres Glaubens getötet wurden.

Ausblick

Die Führung des Landes hat angekündigt, sich künftig intensiv im Kampf gegen alle extremistischen Gruppen zu engagieren. Allerdings war es ein großer Schock, dass der Angriff auf ein Café in Dhaka am 1. Juli 2016 von jungen, gut situierten Angehörigen der Mittelschicht verübt wurde. Der anhaltende politische Kampf zwischen der (eher säkularen) Awami-Liga und der (eher muslimisch geprägten) Bangladesh National Party (BNP) verheißt nichts Gutes für die Zukunft des Landes. Ein Hoffnungsschimmer für das von zunehmender Gewalt erschütterte Land könnte darin liegen, dass im Führungsteam der BNP ein Christ ist.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 63 Punkten belegt Bangladesch Platz 26 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2017. Im Jahr 2016 nahm Bangladesch mit 57 Punkten Rang 35 ein. Mehr als die Hälfte des Anstiegs ist auf die gestiegene Zahl gewalttätiger Übergriffe zurückzuführen; die andere Hälfte spiegelt den zunehmenden Druck in allen Lebensbereichen wider (wobei der stärkste Anstieg in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Gesellschaftliches Leben“ zu verzeichnen ist).

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2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung: Hiervon sind alle Christen in Bangladesch betroffen, obwohl das Land laut Verfassung sowohl ein säkulares als auch ein islamisches Land ist. Islamische Gruppierungen vor Ort beobachten Minderheiten, insbesondere Christen mit anderer religiöser Herkunft, und erzeugen so Ängste. Viele von ihnen werden von internationalen islamischen Gruppierungen wie dem „Islamischen Staat“ (IS) inspiriert. Dies hat insgesamt zu einem Anstieg der Angst unter der Bevölkerung geführt. Neben den islamischen Gruppierungen sind es Familien und Dorfgemeinschaften, die insbesondere in ländlichen Gegenden die Verfolgung vorantreiben und Aktivitäten von Christen muslimischer Herkunft genau beobachten. Dass die Regierung gegen islamische Gruppierungen mit Verbindungen zur politischen Opposition vorgeht, dient ebenfalls nicht zur Beruhigung der brisanten Situation.

Religiös motivierter Nationalismus: Die Anzahl der Buddhisten in Bangladesch ist doppelt so hoch wie die Zahl der Christen. Die meisten von ihnen sind Stammesangehörige und leben in den Bergregionen der Chittagong Hill Tracts an der Grenze zu Indien und Myanmar. Das Chakma-Volk ist das bekannteste unter diesen Stammesvölkern. In den letzten Jahren sind viele Angehörige der Chakma zum christlichen Glauben konvertiert. Das hat dazu geführt, dass sowohl Buddhisten als auch Stammesführer starken Druck auf diese Christen buddhistischer Herkunft ausüben. Nicht nur Familien, Freunde oder die Gemeinschaft verfolgen die Konvertiten, sondern auch extremistische buddhistische Gruppen. Sie bestärken sowohl Buddhisten als auch andere einheimische Volksgruppen darin, dem christlichen Glauben zu widerstehen.

Ethnisch begründete Anfeindungen: Da die Chakma, Tripura und Marma Stämme sind, vermischt sich bei ihnen Religiös motivierter Nationalismus mit Ethnisch begründeten Anfeindungen. Dadurch geraten die neuen Christen häufig unter Druck, den alten Traditionen und Werten der Gemeinschaft zu folgen, selbst wenn diese mit religiösen Aspekten behaftet sind.

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3. Aktuelle Einflüsse

Zusätzlich zu internen Machtkämpfen muss sich Bangladesch mit einer sehr ernsthaften Bedrohung durch militanten Islamismus auseinandersetzen. Das wurde durch eine Reihe von Mordanschlägen deutlich, die auf Angehörige religiöser Minderheiten (einschließlich Christen), Menschen mit säkularer Weltanschauung und politische Aktivisten verübt wurden. Ob diese Morde – wie von der Regierung stets behauptet – nicht mit dem IS im Zusammenhang standen, sondern ausschließlich lokalen militanten Gruppierungen zugeschrieben werden müssen, ist kaum von Bedeutung. Die größten dieser Gruppierungen, Jamaat-ul-Mujahideen (JMB) und Ansarullah Bangla Team (ABT), haben ihre Treue zum IS bekundet und somit findet der IS Wege nach Bangladesch.

Das massive landesweite Vorgehen gegen Islamisten im Juni 2016 führte zu der Inhaftierung von 145 verdächtigen Islamisten und weiteren 11.000 Personen (andere Berichte sprechen von 14.000). Diese Verhaftungen waren Teil einer viertägigen Aktion gegen Extremismus als Reaktion auf eine Reihe brutaler Morde. Doch wie sich bereits zwei Wochen später zeigte, kann auch ein derartig scharfes Vorgehen die militante islamische Gewalt nicht aufhalten.

Bei einem Angriff auf ein Café in Dhaka am 1. Juli 2016 kamen 22 Personen ums Leben. Da es sich um einen komplexen und gut koordinierten Angriff handelte, muss davon ausgegangen werden, dass die verantwortlichen islamischen Gruppierungen Unterstützung aus dem Ausland hatten. Besonders überraschend war die Tatsache, dass die Angreifer nicht dem Rand der Gesellschaft entstammten, sondern gut situierten Familien. Die Spaltung zwischen Gesellschaft und Politik sorgt in dieser entscheidenden Zeit für zusätzliche Schwierigkeiten bei dem dringend erforderlichen Kampf gegen den gewaltbereiten Islamismus in Bangladesch.

In dieser unsicheren Situation fühlt sich die christliche Minderheit in die Enge getrieben; sie ergreift für niemanden Partei. Christen sind sowohl von Entscheidungen der Regierung betroffen als auch von Aktionen der islamischen Opposition. Die massiven Auswirkungen der islamistischen Aggressionen wurden durch verschiedene Vorfälle im Berichtszeitraum des WVI 2017 deutlich. Blogger mit säkularer Weltanschauung, politische Aktivisten und Angehörige religiöser Minderheiten wurden getötet.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

In Bangladesch sind alle Kategorien von Christen des Weltverfolgungsindex anzutreffen und alle erleben Verfolgung:

Gemeinschaften von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten: Hierzu gehören auch Botschaftsmitarbeiter und Ausländer, die in der für das Land wichtigen Textilindustrie beschäftigt sind. Sie werden beobachtet und von islamisch-extremistischen Gruppierungen bedroht.

Christen aus traditionellen Kirchen, wie zum Beispiel der Römisch-Katholischen Kirche und der Anglikanischen Kirche von Bangladesch werden beobachtet und bedroht.

Christen muslimischer, hinduistischer oder buddhistischer Herkunft (Konvertiten) erfahren die stärkste Verfolgung und treffen sich aus Angst oft heimlich.

Christen aus protestantischen Freikirchen wie z.B. Baptisten- oder Pfingstgemeinden. Die Gemeinden der Assemblies of God etwa versammeln sich zum Gottesdienst hauptsächlich in Hauskirchen. Sie werden bedroht und zeitweise gewaltsam angegriffen.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 11.771
Familienleben: 9.696
Gesellschaftliches Leben: 11.859
Leben im Staat: 9.310
Kirchliches Leben: 8.386
Auftreten von Gewalt: 12.222

Grafik: Verfolgungsmuster Bangladesch

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenspiel der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster Bangladesch:

  • Insgesamt hat der Druck auf Christen in Bangladesch zugenommen: Der Durchschnittswert stieg im Vergleich zum Vorjahr von 9,768 Punkten auf nun 10,204 Punkte.
  • Wie das Diagramm verdeutlicht, ist die Verfolgung in den Bereichen „Privatleben“, „Familienleben“ und „Gesellschaftliches Leben“ am stärksten. Der Druck auf Christen mit einem anderen religiösen Hintergrund ist in den Bereichen „Privatleben“ und „Gesellschaftliches Leben“ besonders hoch, wohingegen alle Christen in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ Druck verspüren. Dieser Druck wird durch die sichtbar wachsende Präsenz islamischer Gruppierungen und die Unsicherheit, wie die Regierung dieser Bedrohung in Zukunft begegnen wird, zusätzlich verstärkt.
  • Die Gewalt gegen Christen ist deutlich angestiegen. Während der Wert im Vorjahr bei 7,963 Punkten lag, beträgt er nun 12,222 Punkte. Im Berichtszeitraum für den WVI 2017 gab es häufiger Gewalt gegen Christen, einschließlich Morde.

Privatleben: Obwohl die Verfassung Religionsfreiheit garantiert, leben Christen mit eingeschränkten Freiheiten. Christen mit anderem religiösen Hintergrund sind am verwundbarsten. Wenn sie ihren christlichen Glauben öffentlich machen, ist es aufgrund des Drucks von Familienangehörigen, Nachbarn und religiösen Führungspersönlichkeiten fast unmöglich für sie, am gleichen Wohnort weiterzuleben. Die genannten Personenkreise kontrollieren die Christen und scheuen keine Mühe, um sie an Gemeinschaft mit anderen Christen zu hindern. Das geht bis zum Blockieren von Häusern oder Straßen. Auch der Besitz einer Bibel oder anderer christlicher Bücher stellt ein Risiko dar. Christen, die nicht aus einem anderen religiösen Hintergrund kommen, haben im privaten Bereich mehr Freiheiten.

Familienleben: Sobald entdeckt wird, dass jemand zum christlichen Glauben konvertiert ist, drohen Scheidung und der Verlust des Erbrechts, besonders in ländlichen Gegenden. Eine Taufe, eine christliche Hochzeit oder Beerdigung zu organisieren, ist oft schwer bis unmöglich. Kinder von Christen werden in der Schule gezwungen, dem christlichen Glauben widersprechende Inhalte zu lernen und islamische Bücher zu nutzen. Sie werden oft von anderen Kindern verspottet. Manche Kinder weigern sich deswegen sogar, zur Schule zu gehen oder das Haus zu verlassen. Konvertiten werden häufig von ihren Familien isoliert oder sogar vollständig vertrieben.

Gesellschaftliches Leben: Christen werden privat ebenso diskriminiert wie in ihrem Arbeitsumfeld. Es liegen verschiedene Berichte von Christen vor, die aufgrund des Drucks der muslimischen Mehrheit oder durch organisierte Boykotte ihre Läden oder Unternehmen schließen mussten. Kinder von Konvertiten müssen sich mit Benachteiligungen und Vorurteilen vonseiten ihrer Lehrer und Mitschüler abfinden. Der Druck auf Konvertiten, dem christlichen Glauben abzuschwören, kann so unerträglich werden, dass sie ihr gewohntes Lebensumfeld verlassen müssen. Im Juli 2016 wurden christliche Eigentümer von Geschäften, Restaurants, Hotels und anderen Unternehmen in einigen Teilen des Landes durch islamisch-extremistische Gruppierungen mit dem Tode bedroht, falls sie eine Liste von acht islamischen Regeln nicht erfüllten:

  1. Über dem Eingang muss die Inschrift „Bismillah Rahman Rahim“ (die Anrufung Allahs, „Im Namen Allahs, des Milden, des Barmherzigen“) stehen;
  2. Sie müssen ein Exemplar des Koran besitzen;
  3. Sie müssen ein Bild von der Kaaba in Mekka haben;
  4. Bilder oder Statuen der eigenen Religion müssen entfernt werden;
  5. Für muslimische Kunden muss ein spezieller Gebetsraum vorhanden sein; es darf kein nach islamischer Auffassung unreines Essen serviert werden (zum Beispiel Schweinefleisch), und wenn muslimische Kunden in einem hinduistischen Restaurant Rindfleisch bestellen (welches von Hindus als heilig angesehen wird) muss ihnen Rindfleisch serviert werden;
  6. Restaurants müssen während des Fastenmonats Ramadan geschlossen bleiben;
  7. Mit Ausnahme islamischer Lieder ist keine Musik erlaubt;
  8. Es ist Frauen generell verboten zu arbeiten. Wenn sie es jedoch müssen, haben sie einen Hijab (Kopftuch) oder eine Burka (Kleid, das den Körper vom Kopf bis zur Zehe bedeckt und nur die Augen freilässt) zu tragen.

Leben im Staat: Bangladesch hat eine säkulare Regierung; dies ist sogar in der Verfassung des Landes festgeschrieben. Dort wird allerdings gleichzeitig erwähnt, dass der Islam die Staatsreligion ist. Christen sind besonders in ländlichen Gegenden regelmäßig übler Nachrede ausgesetzt und erfahren im Umgang mit Behörden Diskriminierungen. Die mediale Berichterstattung über Christen ist oftmals sehr einseitig und geschieht hauptsächlich durch islamische Fernsehkanäle. Christen und andere Nicht-Muslime (wie Blogger mit säkularer Weltanschauung) wurden beschuldigt, den Islam beleidigt zu haben; einige Menschen wurden sogar getötet. In vielen Fällen von tätlichen Angriffen auf Christen waren die Behörden in hohem Maße unwillig, eine ordnungsgemäße Untersuchung der Fälle durchzuführen. Christliche Schulen und andere Einrichtungen werden durch häufige Drohungen seitens extremistischer islamischer Gruppierungen behindert. Selbst wenn die Behörden Schutz gewährt haben, wurden die Einrichtungen durch Überwachungsmaßnahmen oder zeitweilige Schließungen in ihrer Arbeit eingeschränkt.

Kirchliches Leben: Im Allgemeinen sind die Kirchen in der Lage, sich um ihre Mitglieder zu kümmern. Sie sind jedoch in wachsendem Maß der Überwachung durch Behörden und extremistische islamische Gruppierungen ausgesetzt, was besonders auf protestantische Freikirchen zutrifft. Sowohl die genannten Gruppen als auch religiöse Führungspersönlichkeiten der Stämme und ethnischer Minderheiten behindern immer wieder Gottesdienste. Es ist unmöglich, Christen mit anderem religiösen Hintergrund offen in die Kirchen zu integrieren. Berichten zufolge ist auch die Ausbildung christlicher Leiter schwieriger geworden. Das liegt daran, dass misstrauische Dorfbewohner von den Kandidaten Auskunft darüber verlangen, wohin sie gehen und welcher Art ihre Ausbildung ist. Das öffentliche Verteilen von Bibeln wurde verhindert und drei daran beteiligte Pastoren wurden deswegen verhaftet.

Auftreten von Gewalt: Wie das Verfolgungsmuster zeigt, ist das Ausmaß von Gewalt gegen Christen gestiegen. Vier Christen wurden aufgrund ihres Glaubens von Mitgliedern gewaltbereiter islamischer Gruppierungen ermordet. Zwei davon waren Christen mit anderem religiösen Hintergrund. In den meisten Fällen wurden sie erstochen oder erschlagen. Viele christliche Schulen, Kirchen und Wohltätigkeitsorganisation erhielten häufige Drohungen und wurden aufgefordert, ihre Aktivitäten zu beenden. Einige davon mussten zeitweise geschlossen werden. Ein Geschäft wurde von einer lokalen Gruppe niedergebrannt. Mindestens drei christliche Führungspersönlichkeiten der National Christian Fellowship of Bangladesh wurden verhaftet, weil sie humanitäre Hilfe leisteten und in einem Flüchtlingslager in Ukhiya Bibeln verteilten. Viele Christen wurden tätlich angegriffen, es kam zu Entführungen und Vergewaltigungen. Mehrere Christen mussten wegen ihres Glaubens untertauchen (entweder in Bangladesch oder im Ausland).

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Trotz aller Bemühungen ist die Regierung bislang nicht in der Lage, islamisch-extremistischen Gruppen Einhalt zu gebieten. Dabei verliert sie die Unterstützung einiger Bevölkerungsgruppen. Zum anderen steht sie vor zusätzlichen Herausforderungen durch den Zustrom internationaler, islamistischer Gruppierungen und ihren lokalen Ablegern. So lange die regierende Partei damit fortfährt, alle islamistischen Übergriffe mit der Oppositionspartei in Verbindung zu bringen, wird es schwierig sein, eine Lösung zu finden. Weder die Anklage von Oppositionsführerin Zia wegen Volksverhetzung, noch die Verurteilung und Hinrichtung eines islamischen Parteiführers im Mai 2016 aufgrund von Kriegsverbrechen, können die Brüche innerhalb der Gesellschaft überbrücken.

Extremistische Muslime greifen Christen an, weil diese den Säkularismus des Landes befürworten und deshalb als Verbündete der Regierung gesehen werden. Die gebräuchliche Politik beinhaltet den häufigen Einsatz gewaltsamer Mittel, und oft genug werden dadurch Unschuldige in Mitleidenschaft gezogen oder sogar getötet. Besonders besorgniserregend ist die Gewaltbereitschaft der Jugend- und Studentenorganisationen der Partei.

Bangladesch steht vor ernsten Herausforderungen, dessen Ursachen im Medressen-System des Landes zu suchen sind. (Medresse ist die Bezeichnung für Schulen, in denen Kinder hauptsächlich im Islam unterrichtet werden.) Unabhängig davon, ob die offiziell genannte Zahl von 22.000 Medressen zutrifft oder eine andere Schätzung, die von 70.000 Medressen ausgeht – die Probleme bleiben bestehen. In offiziell eingetragenen Medressen werden ungefähr zwei Millionen Schüler unterrichtet, wohingegen man vermutet, dass in den „privaten“ Medressen mehr als vier Millionen Schüler unterrichtet werden. Ähnlich wie in Pakistan bilden diese Medressen einen potenziellen Nährboden, um den Schülern Hass und Gewalt beizubringen. Das zeigt sich deutlich daran, dass neun der Angreifer von Dhaka im Juli 2016 Medressen-Schüler waren.

Die brisante Situation wird wahrscheinlich auch in absehbarer Zukunft bestehen bleiben, so dass die christliche Minderheit sowohl der Bedrohung durch extremistische Muslime als auch der Regierung ausgesetzt ist. Ob sich die vorherrschende Ansicht, dass Christen mit der Regierungspartei verbunden sind, nach der Wahl eines Christen in eine Führungsposition der größten Oppositionspartei im Oktober 2016 ändern wird, bleibt abzuwarten. Wenigstens ist dies ein Hoffnungsschimmer in der unbeständigen Lage dieses Landes, das mit vielen Herausforderungen konfrontiert ist.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Bangladesch:

  • Bitte beten Sie für die Regierung Bangladeschs. Die regierende Koalition, die Awami Liga (AL), geht in das vierte Regierungsjahr der Legislaturperiode. Bitte tragen Sie die AL in ihren Gebeten, damit sie das Land mit Weisheit regiert. Bitte beten Sie auch für die Oppositionspartei, damit sie mit der Regierung zusammenarbeitet, um eine friedliche Nation zu schaffen, anstatt, wie in den vergangenen Jahren, Gewalt anzustacheln.
  • Beten Sie für Christen, die ihr Umfeld verlassen mussten, weil sie unter Druck gesetzt wurden, ihren Glauben aufzugeben. Bitte beten Sie dafür, dass der Herr sie körperlich, emotional und geistlich versorgt.
  • Bitte beten Sie dafür, dass Christen, die mentalen und körperlichen Missbrauch erlebt haben, einen unerschütterlichen Glauben bekommen und Heilung erleben.

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