Länderprofil Iran

Iran

8
Weltverfolgungsindex
2017
Flagge Iran
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Islamische Republik
Rang Vorjahr
9
ISO
IR
Karte Iran
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Christen
0,80
Bevölkerung
80.95
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 14.063
Familienleben: 14.343
Gesellschaftliches Leben: 14.744
Leben im Staat: 15.625
Kirchliches Leben: 16.459
Auftreten von Gewalt: 10.185

Berichtszeitraum: 1. November 2015 – 31. Oktober 2016

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

85 Punkte / Platz 8 (WVI 2016: 83 Punkte / Platz 9)

Triebkräfte der Verfolgung

„Islamische Unterdrückung“ (Haupttriebkraft), in etwas geringerem Ausmaß „Diktatorische Paranoia“ und „Organisiertes Verbrechen und Korruption“. Die Diktatorische Paranoia ist mit Islamischer Unterdrückung vermischt.

Aktuelle Einflüsse

Der Schah wurde während der Islamischen Revolution von 1979 abgesetzt und der Iran wurde zu einer islamischen Republik. Seitdem haben schiitische islamische Geistliche die politische Kontrolle; die oberste Macht liegt heute bei dem religiösen Oberhaupt Ajatollah Ali Khamenei. In den Augen der heutigen Anführer des Iran ist die Verbreitung des schiitischen Islam im Nahen Osten ein Mittel zur Ausbreitung der Revolution. Der christliche Glaube gilt als verwerflicher westlicher Einfluss, eine unmittelbare Bedrohung für die islamische Identität der Republik. Nicht nur die Rechte der Christen werden verletzt, sondern auch die anderer religiöser Minderheiten wie die der Juden, Bahais, Zoroastrier, Sufis und Sunniten.

Betroffene Kategorien von Christen

Besonders betroffen sind ehemalige Muslime, die sich zu Jesus Christus bekehrt haben. Christen aus protestantischen Freikirchen, die den Muslimen das Evangelium bringen, sind die am zweitmeisten verfolgte Gruppe. Gemeinschaften von ausländischen Christen oder Arbeitsmigranten aus Asien und dem Westen erlebten die angeordnete Schließung ihrer Kirchen. Armenische und assyrische Christen, die der traditionellen Kirche angehören, stehen zwar unter gesetzlichem Schutz, werden aber als Bürger zweiter Klasse behandelt.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

  • Im Allgemeinen ist der Druck auf die Christen extrem hoch und im Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex 2017 sogar noch leicht gestiegen. Der Verfolgungsdruck ist in allen Lebensbereichen auf einem extremen Niveau, am stärksten im „kirchlichen Leben“ und im „Leben im Staat“. In Verbindung mit einer sehr hohen Punktzahl für „Gewalt“ ist dies typisch für eine Situation, in der die Verfolgung vor allem von den Behörden ausgeht und Diktatorische Paranoia (in diesem Fall vermischt mit Islamischer Unterdrückung) die Haupttriebkraft der Verfolgung ist.
  • Verfolgung durch Islamische Unterdrückung ist vor allem im „Privat- und Familienleben“ gegenwärtig. Davon sind vor allem ehemalige Muslime und Christen aus protestantischen Freikirchen betroffen, die sich um ehemalige Muslime kümmern.
  • Alle Kategorien von Christen sind im „gesellschaftlichen Leben“ von Verfolgung betroffen, auch die Mitglieder traditioneller Kirchen.
  • Das Ausmaß von Gewalt ist sehr hoch und im Vergleich zum Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2016 noch gestiegen. So wurden etwa 193 Christen festgenommen.
  • Die Verfolgungssituation im Iran wird insgesamt durch die sehr strikte islamische Regierung verursacht, die es darauf angelegt hat, alle (auch christliche) Einflüsse, die eine Gefahr ihrer Machtposition darstellen könnten, auszumerzen oder einzuschränken.

Ausblick

Das Atomabkommen von Mitte 2015 hat zu einer weiteren Eskalation des Machtkampfes zwischen Reformkräften und konservativen Kräften im politischen Spektrum des Iran geführt. Letztere unterdrücken alle Kräfte, in denen sie eine Bedrohung des islamischen Charakters des Regimes sehen, wie zum Beispiel Iraner mit Verbindungen zum Westen und religiöse Minderheiten wie Christen und Bahai. Diese Situation wird sich wohl so schnell nicht ändern.

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(Open Doors) – Die Gefahr entdeckt und verhaftet zu werden, ist allgegenwärtig. Die Schulungen für die wachsende Zahl iranischer Hauskirchenleiterinnen finden unter permanentem Risiko statt.

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Es war ein ganz normaler Tag im Büro. Das Telefon klingelte und Sepideh* nahm den Hörer ab. "Sepideh, schnell!" Ihre Mutter klang sehr aufgeregt.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 85 Punkten steht der Iran auf Platz 8 des Weltverfolgungsindex (WVI) 2017. Im Jahr 2016 nahm der Iran mit 83 Punkten Platz 9 ein. Der Punktanstieg ist auf einen stärkeren Druck auf Christen zurückzuführen, der sich etwa in einer erhöhten Anzahl von Inhaftierungen zeigt.

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2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung: Der schiitische Islam ist Staatsreligion, alle Gesetze müssen mit der offiziellen Auslegung der Scharia übereinstimmen. Die Hauptakteure der Christenverfolgung sind Regierungsbeamte, nicht-christliche religiöse Leiter, fanatische Bewegungen und revolutionäre sowie paramilitärische Gruppen. Laut staatlicher Anordnung dürfen nur Armenier und Assyrer Christen sein. Geborene Perser müssen laut Definition Muslime sein, dieser Logik folgend sind persischstämmige Christen also „Abtrünnige“ (Apostaten). Somit stellt fast jede christliche Aktivität eine Übertretung des Gesetzes dar, besonders, wenn sie in der persischen Sprache Farsi stattfindet – von Evangelisationen über biblischen Unterricht, vom Predigen bis zur Publikation von Bibeln und christlicher Literatur.

Diktatorische Paranoia: Der unbedingte Wille des Machterhalts geht mit Islamischer Unterdrückung einher. Vor allem anderen will das islamische Regime die Werte der islamischen Revolution von 1979 bewahren.

Organisiertes Verbrechen und Korruption: Inhaftierte Christen – besonders Konvertiten – werden manchmal gegen eine Kaution aus dem Gefängnis entlassen. Dabei geht es oft um hohe Geldbeträge, die Berichten zufolge zwischen 2.000 und 200.000 US-Dollar angesiedelt sind. Die betroffenen Christen oder deren Familien müssen deshalb oft ihre Häuser oder Geschäfte mit Hypotheken belasten. Aus dem Gefängnis entlassen, werden sie häufig dazu gedrängt, das Land zu verlassen, was auch oft geschieht.

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3. Aktuelle Einflüsse

Durch die Islamische Revolution 1979 wurde der Schah entmachtet und der Iran in eine islamische Republik verwandelt. Schiitische Geistliche übernahmen die politische Kontrolle, an der Spitze des Staates steht heute Ajatollah Ali Khamenei. Während seiner Regierungszeit hatte der Schah das Land modernisiert und für Einflüsse aus dem Westen geöffnet. Regimekritiker ließ er jedoch massiv unterdrücken. Daraufhin verlor er den Rückhalt der mächtigen religiösen und politischen Kräfte im Land sowie die Unterstützung des Volkes; der Umsturz war die Folge.

Die heutige iranische Führung sieht in der Ausweitung des schiitischen Islam im Mittleren Osten eine Fortführung der Revolution. Besonders im Irak hat der schiitische Islam seit dem Fall Saddam Husseins und der starken Ausbreitung des „Islamischen Staates“ (IS) in Großteilen des Landes an Einfluss zugenommen, denn schiitisch-islamische Milizen bekämpfen den IS am Boden. Diese Entwicklungen haben die Stellung des Iran als Regionalmacht gefestigt und die Pläne der USA für den Nahen Osten durchkreuzt.

Der christliche Glaube gilt als verwerflicher westlicher Einfluss, eine anhaltende Bedrohung für die islamische Identität der Republik. Dies umso mehr, als die Anzahl der Christen stetig wächst und angeblich auch Kinder von politischen und geistlichen Machthabern zum Glauben an Jesus Christus kommen und den Islam verlassen. Nicht nur die Rechte der Christen werden verletzt, sondern auch die anderer religiöser Minderheiten wie die der Juden, Bahai, Zoroastrier, Sufis und Sunniten. Davon sind besonders Religionen, die in der Verfassung nicht anerkannt sind, wie die Bahai, betroffen.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

Gemeinschaften von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten: Ausländische Christen aus dem Fernen Osten (z.B. von den Philippinen oder aus Südkorea) und dem Westen, darunter viele Angehörige der Katholischen, Lutherischen oder Presbyterianischen Kirche. Einige dieser Kirchen wurden zur Schließung gezwungen, nachdem einheimische ehemalige Muslime zu ihren Gottesdiensten kamen. Jährliche gemeindeübergreifende Gebetstreffen der Kirchenleiter mussten in der Vergangenheit auf Druck des iranischen Sicherheitsapparats bereits abgesagt werden.

Christen aus traditionellen Kirchen: Alteingesessene christliche Volksgruppen wie die Armenier oder Assyrer dürfen ihren eigenen Volksangehörigen in ihrer jeweiligen Muttersprache predigen, es ist jedoch verboten, Menschen muslimischer Herkunft (Farsi-Sprachige) mit einzubeziehen. Sie sind zwar formell vom Staat anerkannt und vom Gesetz geschützt, doch sie werden als Bürger zweiter Klasse behandelt. So gibt es Berichte über Freiheitsentzug, körperliche Misshandlungen, Schikanen und Diskriminierung, wenn sie Muslime mit dem Evangelium erreicht haben.

Christen muslimischer Herkunft: Sie machen die größte Gruppe im Iran aus und werden am stärksten verfolgt. Menschen, die sich vom Islam zu Jesus Christus bekehren, hält man für Abtrünnige. Auch wenn das Apostasie-Gesetz in den letzten 20 Jahren nicht angewendet wurde, riskieren Männer mit der Abwendung vom Islam die Todesstrafe und Frauen lebenslange Haft.

Protestantische Freikirchen: Die zweite Hauptgruppe, die unter Verfolgung zu leiden hat, sind Christen aus evangelikalen oder charismatischen Gemeinschaften; vor allem solche, die den Muslimen aktiv das Evangelium bringen oder Menschen, die noch als Muslime angesehen werden (Konvertiten der 2. Generation). Freikirchliche Christen sind oft armenischer, assyrischer (oder sonstiger traditioneller) Herkunft. Zudem sind davon ehemalige Muslime der dritten Generation betroffen (deren Eltern oder Großeltern Muslime waren und sich zu Jesus Christus bekehrt haben).

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 14.063
Familienleben: 14.343
Gesellschaftliches Leben: 14.744
Leben im Staat: 15.625
Kirchliches Leben: 16.459
Auftreten von Gewalt: 10.185

Grafik: Verfolgungsmuster Iran

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenspiel der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster Iran:

  • Insgesamt hat der Druck auf Christen in allen Lebensbereichen zugenommen und verbleibt auf einem extrem hohen Niveau. Die durchschnittliche Wertung steigt von 14,822 Punkten im Vorjahr auf 15,047 Punkte.
  • Der extreme Verfolgungsdruck ist im „kirchlichen Leben“ (16,459) und „im Leben im Staat“ (15,625) am stärksten. In Verbindung mit einer sehr hohen Punktzahl für „Gewalt“ ist dies typisch für eine Situation, in der die Verfolgung vor allem von den Behörden ausgeht, wobei Diktatorische Paranoia (in diesem Fall vermischt mit Islamischer Unterdrückung) die Haupttriebkraft der Verfolgung ist.
  • Der Druck durch die Haupttriebkraft der Verfolgung, Islamische Unterdrückung, wird vor allem im „Privat- und Familienleben sichtbar“. Das betrifft insbesondere ehemalige Muslime und Christen, die sich um sie kümmern, und die häufig einer protestantischen Freikirche angehören. Im gesellschaftlichen Leben stehen alle Arten von Christen unter Druck, auch Mitglieder traditioneller Kirchen.
  • Die Wertung im Bereich „Gewalt“ ist sehr hoch (10,185 im Vergleich zu 9,260 im Vorjahr), da es viele Verhaftungen gegeben hat, woraus der Anstieg der Punktzahl resultiert.
  • Die Verfolgungssituation im Iran wird insgesamt durch die sehr strikte islamische Regierung verursacht, die es darauf angelegt hat, alle (auch christliche) Einflüsse, die eine Gefahr ihrer Machtposition darstellen könnten, auszumerzen oder einzuschränken.

Privatleben: Konvertiten aus dem Islam können ihren christlichen Glauben nicht öffentlich ausleben. Jeder Hinweis für ihr Umfeld, dass sie Christen sein könnten, hätte ernsthafte Folgen. Wenn außer ihnen niemand anderes aus der Familie an Jesus Christus glaubt, müssen sie sehr darauf bedacht sein, wie sie ihren Glauben ausleben. Für alle Christen kann es gefährlich sein, christliche Literatur in Farsi zu besitzen, besonders eine hohe Anzahl an Kopien kann darauf deuten, dass sie zur Weitergabe an Iraner mit muslimischem Hintergrund gedacht sind. Christen aus traditionellen Kirchen dürfen christliche Literatur ohne Furcht in ihrer Muttersprache (Armenisch oder Assyrisch) besitzen.

Familienleben: Es ist für eine muslimische Familie eine große Schande, wenn einer ihrer Angehörigen den Islam verlässt. Im Falle einer Erbschaft oder eines Sorgerechtstreits wird häufig zum Nachteil christlicher Betroffener entschieden, wenn der Rest der Familie muslimisch ist. In der Schule werden Kinder christlicher Eltern muslimischer Herkunft zu den Muslimen gezählt und verpflichtet, am islamischen Unterricht teilzunehmen. In den weiterführenden Schulen sind alle Kategorien von Christen dazu gezwungen, islamische Kurse zu belegen.

Gesellschaftliches Leben: Durch ständige Benachteiligung werden alle Christen im Iran mehr oder weniger unter Druck gesetzt, ihren Glauben aufzugeben. Christen muslimischer Herkunft werden in ländlichen Regionen, in Dörfern und in den konservativ geprägten Städten des Nordens als unrein angesehen. Extremistische Muslime geben einem Christen nicht die Hand, sie berühren sie nicht und nehmen kein von ihnen zubereitetes Essen zu sich. Alle Christen und ehemalige Muslime, deren christlicher Glaube entdeckt wird, müssen mit Schikane und Diskriminierung am Arbeitsplatz rechnen, sowohl an staatlichen, als auch an privaten Arbeitsstätten.

Leben im Staat: Einem Muslim, der den Islam verlässt, droht die Todesstrafe. Dabei liegt das Augenmerk der Regierung auf denen, die sich um Konvertiten kümmern. Auch gut etablierte Kirchen sind in diesem Fall nicht sicher vor Schikane: Ihre Mitglieder werden verhört, verhaftet, ins Gefängnis geworfen und geschlagen. Viele (wenn nicht alle) öffentlichen Gottesdienste werden geheimdienstlich überwacht. Hassreden gegen iranische Christen, besonders Protestanten, wurden im Berichtszeitraum durch die Regierung multimedial verbreitet und die antichristliche Rhetorik der Imame nahm zu.

Kirchliches Leben: Die Regierung hat ihre Anstrengungen verstärkt, Farsi-sprachige Christen aus dem Land zu vertreiben. In den letzten fünf Jahren wurden viele Kirchengemeinden geschlossen und enteignet oder dazu gezwungen, Gottesdienste in Farsi zu streichen. Auch wurden die Kirchenleiter oft verhaftet. Kirchen dürfen keine neuen Mitglieder muslimischer Herkunft aufnehmen, was zur Überalterung der Gemeinden führt. Die strenge Überwachung von Hauskirchen löst bei den Besuchern zunehmend Furcht aus. Jede Form von Evangelisation, biblischer Unterricht sowie Veröffentlichung oder Import von Bibeln auf Farsi sind illegal.

Auftreten von Gewalt: Bis zum Ende des Berichtszeitraums wurden mindestens 193 Christen wegen ihres Glaubens verhaftet oder ins Gefängnis geworfen. Das ist ein weiterer Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Es scheint einen Zusammenhang zwischen Gemeinden, die in den Untergrund abwandern, und der Anzahl von Verhaftungen zu geben. Die Verhörmethoden im Gefängnis sind brutal und es kann dabei auch zu sexuellen Übergriffen kommen; in zahlreichen Fällen wurden Christen körperlich und psychisch schwer misshandelt. In vielen Fällen wurde inhaftierten Christen eine medizinisch notwendige Versorgung verwehrt, um sie damit noch härter zu bestrafen und zu demütigen oder um ein Geständnis zu erzwingen. Häufig werden inhaftierte Christen erst nach Zahlung einer hohen Kaution freigelassen. Viele Häuser und Geschäfte von Christen wurden vom Staat als Sicherheit für die Kaution oder wegen Nichterscheinens zu ihrer Gerichtsverhandlung enteignet. Im Oktober 2016 hat das iranische Revolutionsgericht die Enteignung eines christlichen Freizeitzentrums in der Nähe von Teheran angeordnet, da es angeblich „von den USA durch die CIA finanziert wurde, um die islamische Welt und insbesondere den Iran durch Missionierungen zu infiltrieren.“ Auch wenn genaue Zahlen nicht vorliegen, kam es bei mehr als zehn Hauskirchen zu Razzien. Es kam zu zwei gemeldeten Vorfällen, bei denen Kirchen beschädigt wurden: Die Kirche der heiligen Maria in Salmas, gelegen in der Provinz West-Aserbaidschan, und die historische armenische Kirche in Sava, in der Provinz Kurdistan. Der zweite Angriff fand Berichten zufolge durch „islamische Hardliner“ statt. Aufgrund von Verfolgung halten sich viele Christen im Land verborgen oder fliehen ins Ausland.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Das Jahr 2016 zeigte mindestens zwei beachtenswerte Entwicklungen auf der politischen Bühne des Iran. Bei den iranischen Parlamentswahlen und den Wahlen zum Expertenrat im Februar 2016 konnten die Gemäßigten einen Sieg erringen. Für den als gemäßigt bekannten Präsidenten Rohani ist dies eine positive Entwicklung. Allerdings wurde bei den Wahlen zum Vorsitzenden des Expertenrats, der für die Ernennung des Revolutionsführers des Iran zuständig ist, ein anti-westlicher Hardliner gewählt. Daran wird erneut deutlich, dass am Ende eines scheinbar demokratischen Prozesses der höchste Revolutionsführer Ajatollah Ali Khamenei die politischen Fäden im Iran in der Hand hält.

Für den Iran war das Atomabkommen mit den sechs Weltmächten Mitte 2015 auch im Jahr 2016 von hoher Bedeutung. Die langfristigen Folgen dieses Abkommens hängen in hohem Maß von verschiedenen Akteuren im politischen Spektrum des Iran ab. Konservative Kräfte wie die mächtigen Revolutionsgarden (eine militärische Organisation zum Schutz des Regimes) unterstützen dieses Abkommen nicht. Wie die Analysten von „Foreign Brief“ vom 5. Februar 2016 erwähnen: „Jeder Versuch, die iranische Wirtschaft zu liberalisieren und ausländische Investitionsgesetze zu reformieren, würde die Aufgabe der Revolutionsgarden in der iranischen Gesellschaft gefährden. Daher ist zu erwarten, dass es konservative Kräfte der iranischen Politik auf einen Streit anlegen werden, um nicht nur die volle Umsetzung des Atomabkommens zu verhindern, sondern auch dem allgemeinen Trend hin zu auftauenden Beziehungen mit dem Westen und einer Öffnung der iranischen Wirtschaft entgegenzutreten.“

Die iranische Führung bangt um ihre Stellung und um jegliche Verletzung von Werten der Islamischen Revolution von 1979. Wahrscheinlich werden sie einer solchen Entwicklung entgegentreten, indem sie jeden Versuch für soziale oder politische Reformen blockieren werden. Eine weitere Möglichkeit, die Botschaft zu kommunizieren, dass das Atomabkommen noch lange nicht das Ende der Werte der Revolution bedeutet, findet sich im scharfen Vorgehen gegen Medien, Menschenrechte und politische Aktivisten. Die Unterdrückung von Iranern mit doppelter Staatsangehörigkeit und Andersdenkenden, zu denen auch die religiösen Minderheiten gehören, hat zugenommen. Diese Gruppen werden als Bedrohung des islamischen Charakters der Republik angesehen. Erstere wegen ihrer Verbindungen zu ausländischen Kreisen und Unternehmen, letztere wegen ihrer politischen oder religiösen Überzeugungen. Ein Teil dieser Unterdrückung wird an der steigenden Zahl von Verhaftungen und Hetzkampagnen gegen religiöse Minderheiten wie Christen und Bahai sichtbar.

Eine verstärkte Zusammenarbeit mit anderen Ländern könnte zu einer größeren Überwachung durch den Geheimdienst führen. Religiöse Minderheiten wie die Bahai und Christen würden noch mehr unter Beobachtung stehen, besonders ihre Kontakte zu westlichen Mitgläubigen. Christliche Medien in persischer Sprache werden bereits stärker beobachtet. Das Atomabkommen hat den internen politischen Machtkampf im Iran weiter angeheizt. Aufgrund dieses Konfliktes, der nicht so schnell beigelegt werden wird, wird das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen im Mai 2017 eine umso wichtigere Rolle spielen.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für den Iran:

  • Die Haupttriebkraft der Verfolgung im Iran ist Islamische Unterdrückung. Wegen des Drucks durch die Regierung wurden nahezu alle Kirchen, die Gottesdienste auf Farsi abhielten, in den letzten fünf Jahren geschlossen und ihre Leiter wurden verhaftet. Bitte beten Sie für die Christen in den iranischen Gefängnissen, dass sie echte Liebe für ihre Wärter und Mitgefangenen haben.
  • Der schiitische Islam ist die offizielle Religion des Iran. Alle Gesetze müssen mit der offiziellen Auslegung der Scharia, des islamischen Rechts, übereinstimmen. Jeder Muslim, der den Islam verlässt, kann zum Tode verurteilt werden. Bitte beten Sie, dass die Gesetze geändert werden, damit es Religionsfreiheit geben kann.
  • Für viele muslimische Familien ist es eine große Schande, wenn ein Familienmitglied den Islam verlässt. Beten Sie für Christen, die von ihren Familien wegen ihres Glaubens verflucht und abgelehnt wurden.

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