Israel

Weltverfolgungsindex
2017
ISO
IL/PS

Land unter Beobachtung

Israel

Land unter Beobachtung: Israel

 

In Israel haben Christen, die 2,5% der Landesbevölkerung ausmachen, ein höheres Maß an Religionsfreiheit als in den meisten anderen Ländern des Nahen Ostens. Dennoch ist Israel in erster Linie ein jüdischer Staat, was bedeutet, dass jüdische Bürger anderen ethnischen und religiösen Gruppen gegenüber bevorzugt werden. Die meisten Verletzungen der religiösen Freiheit gehen von einzelnen Extremisten oder kleinen extremistischen Gruppierungen aus. Die zwei Triebkräfte der Christenverfolgung im Land sind „Islamische Unterdrückung“ und „Religiös motivierter Nationalismus“. In beiden Fällen sind vor allem Christen muslimischer Herkunft und messianische (christusgläubige) Juden betroffen. Weniger stark ausgeprägt sind die Triebkräfte „Konfessioneller Protektionismus“ und „Säkulare Intoleranz“.

Christen muslimischer Herkunft erfahren ein hohes Maß an Gewalt in den Bereichen „Privatleben“ und „Familienleben“. Dank der Rechtsvorschriften zum Schutz der Religionsfreiheit ist der Widerstand vonseiten der Familie weniger stark als in anderen Ländern des Nahen Ostens. Dies wirkt sich auch auf den zwischenmenschlichen Umgang in der Gesellschaft aus. Ein anderes Gesetz verbietet jedoch Erwachsenen, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zu evangelisieren. Manchen Christen wurde wegen Verdacht auf missionarische oder politische Aktivitäten die Einreise nach Israel verweigert oder sie wurden aus dem Land ausgewiesen.

Ein weiteres Beispiel für „religiöse Militanz“ sind ultra-orthodoxe jüdische  Organisationen (z.B. Yad Le Achim) oder Personen, die messianische Juden als Verräter und vom Judentum abgefallen sehen. In manchen mehrheitlich von ultraorthodoxen Juden bewohnten Gebieten werden regelmäßig Demonstrationen vor den Gebäuden messianisch-jüdischer Gemeinden abgehalten. Andere Formen von Schikanen sind die Verbreitung von Verleumdungen, das Bespucken von Geistlichen sowie Schriftzüge anti-christlicher Slogans auf Kirchen und Klöstern. Obwohl die führenden israelischen Politiker solche Übergriffe verurteilten und die israelische Polizei eine eigene Einheit zur Verfolgung der Straftäter eingerichtet hat, konnten bisher keine großen Erfolge darin erzielt werden, die Täter zu fassen. Dennoch ist die Zahl der Übergriffe 2016 zurückgegangen. Der Gegenwind, den messianische Juden von ihren (Groß-) Familien und Gemeinschaften erfahren, nimmt sehr unterschiedliche Ausprägungen an. Die Reaktionen reichen von Toleranz (wenn die betreffende  Person ihren Glauben für sich behält)  bis hin zu gesellschaftlichem Ausschluss. Einigen messianischen Juden wurde die permanente Einwanderung nach Israel – Alija – aufgrund ihres Glaubens an Jesus als Messias verwehrt. Zahlreiche Gerichtsverfahren wurden gegen diese illegalen Maßnahmen geführt und gewonnen. Manchmal wurde die Staatsbürgerschaft auch nach der Einwanderung wieder aberkannt. Nachdem das Bildungsministerium die finanziellen Zuschüsse erheblich gekürzt hat, stehen Christen unter Druck ihre Schulen zu verstaatlichen, wodurch sie ihre Unabhängigkeit als christliche Schulen verlieren könnten.

Es herrscht ein gewisses Maß an „Konfessionellem Protektionismus“, z.B. in der Ablehnung traditioneller Kirchen von Mitgliedern, die freikirchliche Gemeinden besuchen. Theologische Unterschiede und die Beschuldigung, die „eigenen Schäfchen zu stehlen“ spielen hier oft eine große Rolle. Christen, die ihre Denomination wechseln, sind oft einem gewissen, unterschiedlichen Maß an Druck vonseiten religiöser Leiter und der eigenen Verwandtschaft ausgesetzt, zu der entsprechenden traditionellen Gemeinde zurückzukehren. Viele Denominationen, meist freikirchliche, werden vom Staat nicht offiziell als „Religionsgemeinschaft“ anerkannt, weshalb sie weniger Grundrechte in Angelegenheiten wie Eheschließung oder Begräbnissen haben.

„Säkulare Intoleranz“ ist in Israel nur in einem Anfangsstadium. Beispielsweise wurde eine Hochzeitslokalität geschlossen, da die christlichen Besitzer sich aufgrund ihres Glaubens geweigert hatten, sie für eine gleichgeschlechtliche Eheschließung zu vermieten. Nach dem israelischen Gesetz ist das verboten. Zurzeit läuft eine Gerichtsverhandlung zu einem Fall eines messianisch-jüdischen Paares, dem die Hochzeit in einer öffentlichen Hochzeitslokalität verwehrt wurde, da der Besitzer meinte, er würde dadurch sein Koscher-Zertifikat verlieren.

Grundsätzlich ist religiös motivierte Gewalt gegen Christen in Israel nicht sehr verbreitet. Trotzdem gibt es seit 2012 Vandalismus, bei dem Eigentum von Christen beschädigt wird, welcher sich auch 2016 fortsetzte. Diese sogenannten „Price-Tag“-Angriffe bestehen aus politisch sowie religiös motiviertem Vandalismus. Meist werden sie von ultra-orthodoxen Juden ausgeführt, als Protest gegen die Terroranschläge der Araber oder die Zerstörung jüdischer Siedlungen im Westjordanland als Teil der israelischen Regierungspolitik. Einige von ihnen wurden daraufhin verhaftet. Dieser Vandalismus wird von der Mehrheit der jüdischen Gemeinschaft verurteilt.

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