Länderprofil Jemen

Jemen

9
Weltverfolgungsindex
2017
Flagge Jemen
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Republik
Rang Vorjahr
11
ISO
YE
Karte Jemen
Karte Jemen
Christen
einige Tausend
Bevölkerung
28.12
Islamische Unterdrückung
Ethnisch begründete Anfeindungen
Privatleben: 16.667
Familienleben: 15.305
Gesellschaftliches Leben: 14.503
Leben im Staat: 16.341
Kirchliches Leben: 16.615
Auftreten von Gewalt: 5.926

Berichtszeitraum: 1. November 2015 – 31. Oktober 2016

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

85 Punkte / Platz 9 (WVI 2016: 78 Punkte / Platz 11)

Triebkräfte der Verfolgung

Die Triebkräfte der Verfolgung von Christen im Jemen sind vor allem „Islamische Unterdrückung“ und „Ethnisch begründete Anfeindungen“ (vermischt mit Islamischer Unterdrückung).

Aktuelle Einflüsse

Der Jemen befindet sich in einem komplexen und verheerenden Krieg, der zwischen islamisch-extremistischen Gruppen ausgetragen wird und sich auf verschiedene Stämme ausgebreitet hat. Militante sunnitische Gruppierungen wie Al Kaida und der „Islamische Staat“ (IS) nutzen das Chaos, um ihre Gebiete zu erweitern und der Bevölkerung ihre Ordnungen aufzuerlegen. Die politische Unruhe herrscht seit 2012, als der ehemalige Präsident Ali Abdullah Saleh abgesetzt wurde. Unterdessen befindet sich der Jemen in einer dramatischen Notlage. 80% der Bevölkerung sind auf humanitäre Hilfe angewiesen und mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist von Nahrungsmittelunsicherheit betroffen. Damit ist die Hungerkrise im Jemen eine der schlimmsten der Welt.

Betroffene Kategorien von Christen

Von den vier Kategorien von Christen, die im WVI genannt werden, besteht im Jemen nur noch die Gemeinschaft von Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten). Gemeinschaften von ausländischen Christen oder Arbeitsmigranten (beispielsweise aus dem Westen, Afrika und Asien) haben das Land aufgrund des vernichtenden Kriegs, in dem Zivilisten die Hauptleidtragenden der Gewalt sind, zum Großteil verlassen.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

  • Der Druck gegen Christen im Jemen befindet sich auf einem extrem hohen Level und ist im Vergleich zum Vorjahr erheblich angestiegen. Die hohe Wertung der Verfolgung ist auf den Krieg im Land und die Ausreise des Großteils der ausländischen und eingewanderten Christen zurückzuführen. Infolgedessen konzentrierte sich die Recherche für den Weltverfolgungsindex auf einheimische Christen. Sie erleben die stärkste Form der Verfolgung.
  • Der Druck auf Christen ist in allen Lebensbereichen auf einem extrem hohen Niveau; am stärksten ist er in den Bereichen „Privatleben“, „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“. Dies ist ein typisches Verfolgungsmuster für ein Land, in dem hauptsächlich Christen mit muslimischem Hintergrund leben und in dem Islamische Unterdrückung (vermischt mit Ethnisch begründeten Anfeindungen) die stärkste Triebkraft der Verfolgung ist.
  • Das Maß an Gewalt ist sehr hoch und im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Es wurden mehr Fälle gemeldet, in denen Christen wegen ihres Glaubens getötet wurden und Kirchen oder andere christliche Gebäude angegriffen wurden. Der schwerwiegendste Fall ereignete sich in einem katholischen Heim für Senioren und behinderte Personen, das angegriffen wurde. Hier wurden 16 Menschen getötet, unter anderen vier Nonnen. Ein indischer Priester wurde von den Angreifern entführt.
  • Der Druck im Jemen ist durch eine unbeständige Verfolgungssituation gekennzeichnet, die der gegenwärtigen durch den Krieg chaotischen und rechtsfreien Situation im Land entspricht.

Ausblick

Es ist nicht abzusehen, dass der Krieg in naher Zukunft enden wird. Unterdessen ist die humanitäre und ökonomische Situation im Land katastrophal. Analysten erwarten, dass militante islamistische Gruppierungen in den nächsten Jahren weiter im Land präsent sein werden. Das bedeutet, dass das extrem hohe Maß an Gewalt und Druck für die religiösen Minderheiten im Jemen sich vermutlich nicht vermindern wird. Insbesondere Christen, die größtenteils ehemalige Muslime sind, sind gefährdet. Dennoch zeigen Berichte, dass sich mehr Muslime als jemals zuvor Jesus zuwenden.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 85 Punkten steht der Jemen auf Platz 9 des Weltverfolgungsindex (WVI) 2017. Im Jahr 2016 nahm der Jemen mit 78 Punkten Platz 11 ein. Wie die gesamte Bevölkerung leiden die jemenitischen Christen stark unter dem Krieg, der den Aufstieg extremistischer Muslime mit sich bringt. Der Großteil der ausländischen und eingewanderten Christen hat das Land verlassen, sodass die Kirche im Jemen nun hauptsächlich aus Christen mit muslimischem Hintergrund besteht.

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2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung: Die Verfassung des Jemen erklärt den Islam zur Staatsreligion und bestimmt die Scharia als Rechtsgrundlage. Die Weitergabe des Evangeliums ist verboten. Muslimen ist es verboten, zu einem anderen Glauben überzutreten; Jemeniten, die den Islam verlassen, droht die Todesstrafe. Durch den Krieg ist der Einfluss von militanten islamistischen Gruppierungen wie dem „Islamischen Staat“ (IS) und Al Kaida erheblich gewachsen. Sie treiben Verfolgung am stärksten voran und greifen gezielt Christen an, um sie zu töten.

Ethnisch begründete Anfeindungen: Das Stammesdenken hat im Jemen weiterhin hohe Bedeutung; die Regierung spielt neben der traditionellen Herrschaft durch die Stämme häufig nur eine untergeordnete Rolle. Dementsprechend gibt es im Jemen viele Gebiete, in denen Stammesälteste auf der Grundlage ihrer islamischen Traditionen Gesetze erlassen und Recht sprechen – ungeachtet dessen, was die Verfassung des Landes oder die Regierung sagen. Die Regierung mischt sich meist nicht in Konflikte zwischen den Stämmen ein, nicht einmal, wenn Menschen dabei verletzt oder gefangen genommen werden. Da die Regierung inzwischen die Kontrolle über große Teile des Landes verloren hat, hat sich ihr Einfluss auf die Stämme weiter verringert. Stammesgesetze und -bräuche verbieten es Stammesmitgliedern, den Stamm zu verlassen. Frauen dürfen nicht außerhalb des Stammes heiraten, insbesondere nicht einen Christen. Verstöße gegen diese Regeln können mit Tod oder Verbannung bestraft werden. Ein politischer Beobachter fasst die Situation folgendermaßen zusammen: „Der Islam ist die übergreifende Identität aller Stämme im Jemen und es ist der Stamm, der oft die vergeltende ‚Gerechtigkeit‘ denen gegenüber durchführt, die den Islam verlassen wollen.“

Organisiertes Verbrechen und Korruption: Diese Triebkraft versucht, ein Klima der Straflosigkeit, der Anarchie und Korruption als Mittel zur Selbstbereicherung zu schaffen. Ausländische Christen – die es im Jemen kaum noch gibt – sind durch diese kriminellen Machenschaften gefährdet. Bei Entführungen mit Lösegeldforderungen spielt neben dem Glauben die vermutete Vermögenslage der betroffenen Christen eine Rolle. In dem derzeitigen Chaos und der Gesetzlosigkeit des Bürgerkrieges hat diese Triebkraft nun mehr Raum zur Entfaltung.

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3. Aktuelle Einflüsse

Der Jemen befindet sich in einem komplexen und verheerenden Krieg, der zwischen islamisch-extremistischen Gruppen ausgetragen wird und sich auf verschiedene Stämme ausgebreitet hat. Saudi-Arabien bombardiert das Land aus der Luft und zerstört Wohngebiete, die Infrastruktur, Krankenhäuser und Stätten des Weltkulturerbes. Die Saudis werden dabei von zehn weiteren muslimisch geprägten Staaten unterstützt und vom Westen mit Waffen versorgt. Extremistische sunnitische Gruppierungen wie Al Kaida und der IS nutzen das Chaos, um ihre Gebiete zu erweitern und der Bevölkerung ihre Regeln aufzuerlegen.

Der Jemen ist ein relativ junges Land: Der traditionelle Nordjemen und der kommunistische Südjemen vereinigten sich 1990 nach Jahren des Kampfes. Jedoch ist die Unabhängigkeitsbewegung im Süden weiterhin stark und fordert Unabhängigkeit. Seit der Absetzung des früheren Präsidenten Ali Abdullah Saleh im Jahr 2012 gab es im Jemen politische Unruhen und Gewalt. In dem Machtvakuum kämpfen mehrere Gruppen – darunter Gruppierungen, die Al Kaida und dem IS nahestehen – um die Herrschaft über einzelne Gebiete. Im März 2015 zwang die schiitische Rebellengruppe der Huthis Präsident Abd Rabbuh Mansour Hadi und seine Regierung ins Exil nach Saudi-Arabien, nachdem sie den Flughafen in Jemens Hauptstadt Sanaa sowie wichtige Ministerien eingenommen hatten. Im Juli 2015 gewannen regierungstreue Truppen und Milizen aus dem Süden die Kontrolle über die Großstadt Aden zurück, unterstützt von Truppen und Luftangriffen der saudisch-geführten Koalition, die bereits im März aktiv wurde. Im September 2015 kehrte Präsident Hadi nach Aden zurück. In der Zwischenzeit scheint der Einfluss von Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) weiter zu wachsen, indem sie ihre Herrschaft auf Gebiete im südlichen Jemen ausbaut. Dem IS nahestehende Gruppen sind ebenfalls in dem vom Krieg zerrissenen Land vertreten und haben im März 2015 damit begonnen, sowohl schiitische als auch mit der Regierung in Verbindung stehende Ziele anzugreifen. Laut Al Monitor wird im Jemen der IS „inmitten des sich ausbreitenden Extremismus infolge des Konflikts zwischen den Huthis und der Zentralregierung der Hauptgegner sowohl der Huthis als auch von Al Kaida werden.“

Unterdessen kämpft der Jemen mit einer schlimmen humanitären Krise. Hilfskräfte sagen, das Land sei 100 Jahre in der Zeit zurückgeworfen worden. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung in diesem ärmsten Land auf der Arabischen Halbinsel sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung – ca. 14 Millionen Menschen – hat keine gesicherte Lebensmittelversorgung und 54 Prozent leben unter der offiziellen Armutsgrenze. Nach Zahlen der UNICEF aus dem Dezember 2016 „hat der Hunger unter Kindern im Jemen ein Allzeithoch erreicht; etwa 2,2 Millionen bedürfen dringender Hilfe.“

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4. Betroffene Kategorien von Christen

Gemeinschaften von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten: Bisher waren die meisten Christen im Jemen ausländische Gastarbeiter (aus Nordafrika, dem Westen, Süd- und Ostasien sowie arabischen Ländern) oder Flüchtlinge (hauptsächlich Äthiopier). Der Großteil der Christen war römisch-katholisch oder anglikanisch. Einige der äthiopischen Flüchtlinge waren orthodox. Die meisten Gastarbeiter aus dem Westen und die meisten eingewanderten Christen aus Asien und Afrika haben das Land aus Sicherheitsgründen verlassen. Da es inzwischen kaum noch ausländische Christen im Jemen gibt, hat sich die Recherche für den Weltverfolgungsindex auf einheimische Christen konzentriert.

Christen muslimischer Herkunft: Christen muslimischen Hintergrunds erleiden schwere Verfolgung und müssen ihren Glauben im Verborgenen leben. Die Verfolgung geht von Behörden (bis hin zur Inhaftierung), der Familie und extremistischen islamischen Gruppen aus, die „Abtrünnige“ mit dem Tod bedrohen, wenn sie nicht zum Islam zurückkehren. Die Zahl der einheimischen Christen muslimischen Hintergrunds wird auf nur einige Hundert geschätzt; inmitten von Krieg und Ungewissheit wächst diese Zahl jedoch stetig an. In der derzeitigen Kriegssituation geht die Verfolgung hauptsächlich von militanten islamistischen Gruppierungen und der Familie aus.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 16.667
Familienleben: 15.305
Gesellschaftliches Leben: 14.503
Leben im Staat: 16.341
Kirchliches Leben: 16.615
Auftreten von Gewalt: 5.926

Grafik: Verfolgungsmuster Jemen

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenspiel der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster Jemen:

  • Die durchschnittliche Punktzahl der ersten fünf Bereiche (15,886), die den Druck auf die Christen aufzeigt, ist extrem hoch. Im Vergleich zum Vorjahr (14,600) ist sie stark angestiegen. Diese hohe Wertung ist auf den Krieg und die Ausreise der meisten ausländischen und eingewanderten Christen zurückzuführen. In der Bewertung für den Weltverfolgungsindex stand die Situation der einheimischen Christen im Fokus, die die stärkste Form von Verfolgung erleiden.
  • Der Druck auf Christen ist in allen Lebensbereichen auf einem extrem hohen Niveau; am stärksten ist er in den Bereichen Privatleben (16,667), Kirchliches Leben (16,615) und Leben im Staat (16,341). Dies ist ein typisches Verfolgungsmuster für ein Land, in dem hauptsächlich Christen mit muslimischem Hintergrund leben und in dem Islamische Unterdrückung (vermischt mit Ethnisch begründeten Anfeindungen) die stärkste Triebkraft der Verfolgung ist.
  • Die Wertung für das Auftreten von Gewalt ist sehr hoch, sie ist von 5,371 (WVI 2016) auf 5,926 gestiegen. Es wurden mehr Fälle gemeldet, in denen Christen für ihren Glauben getötet und Kirchen oder andere Gebäude von Christen angegriffen wurden. Am schwerwiegendsten war der Angriff auf ein katholisches Heim für Senioren und behinderte Personen. 16 Menschen wurden getötet, darunter vier Nonnen. Ein indischer Priester wurde von den Angreifern entführt.
  • Die Verfolgungssituation im Jemen ist gekennzeichnet durch die gegenwärtig chaotische und rechtsfreie Lage, verursacht durch den Krieg im Land.

Privatleben: Christen muslimischer Herkunft können ihren Glauben nicht offen leben. Wenn sie in ihrer Umgebung auch nur den kleinsten Verdacht erregen, Christen zu sein, kann dies ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen. Den Glauben im privaten Rahmen zu leben ist besonders riskant für Christen in von extremistischen Muslimen kontrollierten bzw. von sunnitischen Kräften „befreiten“ Gebieten. Große Teile des Landes werden von Al Kaida oder dem IS kontrolliert.

Familienleben: Alle Jemeniten gelten als Muslime. Für eine muslimische Familie ist es eine große Schande, wenn eines der Familienmitglieder den Islam verlässt. Christen muslimischen Hintergrunds laufen Gefahr, einem sogenannten „Ehrenmord“ zum Opfer zu fallen und körperlich misshandelt zu werden, wenn ihre Familien oder Gemeinschaften ihren Glauben entdecken. Im Jemen können öffentlich keine christlichen Hochzeiten gefeiert werden, Christen muslimischen Hintergrunds müssen daher nach islamischem Brauch heiraten. Sie können ihre Kinder nicht als Christen registrieren lassen. In der Schule sind ihre Kinder dazu verpflichtet, am Islamunterricht teilzunehmen. Im Falle einer Scheidung wird Christen mit großer Wahrscheinlichkeit das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen, wenn andere Familienmitglieder Muslime sind.

Gesellschaftliches Leben: Uneingeschränkt alle Christen sind von der islamischen Gesellschaft des Jemen bedroht, besonders durch die AQAP und den IS. Dies hält die Christen davon ab, ihren Glauben in irgendeiner Weise öffentlich bekannt zu machen. Der Glaubenswechsel ist offiziell illegal, wird dieser bei Christen muslimischer Herkunft bekannt, so werden sie von der lokalen islamischen Gemeinschaft gezwungen, ihren Glaubenswechsel bei den Behörden zu melden. Christinnen muslimischer Herkunft werden weiterhin als Musliminnen angesehen und von ihnen wird erwartet, dass sie den Schleier tragen. Sie stehen außerdem in Gefahr, zwangsverheiratet oder unter Hausarrest gestellt zu werden, wenn ihr neuer Glaube entdeckt wird.

Leben im Staat: Muslime haben mehr Rechte als Gläubige anderer Religionen. Das Land hält an der striktesten Interpretation des Islam fest. Der Übertritt vom muslimischen zum christlichen Glauben ist vom Islam und der staatlichen Gesetzgebung verboten. Christen muslimischer Herkunft droht die Todesstrafe, wenn ihr neuer Glaube entdeckt wird. Im Allgemeinen wird diese von der Regierung nicht vollstreckt, teilweise jedoch von radikalen Muslimen, welche die Regierung gewähren lässt. Da die Behörden ihre Aufmerksamkeit während des vergangenen Jahres jedoch vor allem den politischen Ereignissen gewidmet haben, ging die Unterdrückung hauptsächlich von islamischen Extremisten aus, die auch in größerer Freiheit agieren konnten. Diese islamistischen Bewegungen haben die Lage im Land unsicher und instabil gemacht. Gegenwärtig leiden Christen vor allem unter der Gesetzlosigkeit im Land und unter schiitischen Kämpfern oder Al Kaida und dem IS anhängigen Gruppen, die große Teile des Landes beherrschen. Es wird angenommen, dass Christen unter Überwachung durch extremistische Muslime stehen und zu einem besonderen Ziel für die islamistischen Gruppierungen werden können.

Kirchliches Leben: Die vier offiziellen Kirchen im Jemen, die sich alle in Aden befanden und für ausländische Gastarbeiter oder Flüchtlinge (insbesondere aus Äthiopien) gebaut worden waren, wurden während des Bürgerkriegs zerstört, teilweise durch gezielte Angriffe. Es gibt keine funktionsfähige Kirche mehr. Christen muslimischen Hintergrunds ist es nicht erlaubt, ihre eigenen Versammlungen abzuhalten, weshalb sie an geheimen Orten zusammenkommen. Muslimen das Evangelium weiterzugeben ist illegal; biblische Schulungen, die Publikation und der Import von Bibeln und anderer christlicher Literatur in arabischer Sprache sind nahezu unmöglich.

Auftreten von Gewalt: Das Niveau von Gewalt ist im Vergleich zum WVI 2015 angestiegen. Es wurden mehr Fälle gemeldet, in denen Christen für ihren Glauben getötet sowie Kirchen oder andere christliche Gebäude angegriffen wurden. Es gab weniger oder keine gemeldeten Fälle von Entführungen, Zwangsverheiratungen, Beschädigungen von Häusern, Geschäften oder Eigentum sowie von Christen, die gezwungen wurden, ihr Haus zu verlassen und sich zu verstecken. Der Punktwert für Christen, die aus dem Land fliehen mussten oder körperlich angegriffen oder inhaftiert wurden, blieb in etwa gleich. Der schwerwiegendste Fall von Gewalt gegen Christen ereignete sich in einem katholischen Heim für Senioren und behinderte Personen in Aden im Süden von Jemen, das im März 2016 angegriffen wurde. Die Angreifer töteten insgesamt 16 Menschen, darunter vier Nonnen. Der indische Priester Vater Tom Uzhunnalil – der sich zum Zeitpunkt des Angriffs in dem Heim befand – wird noch immer vermisst. Lokale Quellen bestätigen, dass er von den Angreifern entführt wurde. Laut jemenitischen Behörden stehen die Angreifer dem IS nahe. Im Dezember 2015 wurde eine katholische Kirche in Aden durch Sprengstoff schwer beschädigt, den Extremisten innerhalb der Kirche deponiert hatten. Die Kirche war bereits beim Luftangriff der saudisch-geführten Koalition im Mai 2015 beschädigt worden und wurde nicht mehr genutzt.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Der Bürgerkrieg im Jemen hat zu einem erhöhten Maß an Gewalt und Gesetzlosigkeit geführt, wodurch wiederum die Unterdrückung von Minderheiten, zu denen die Christen gehören, zugenommen hat. Nach Aussage des Leiters einer im Land tätigen Nichtregierungsorganisation werden in Gebieten, in denen saudisch geführte Bündnistruppen dominieren bzw. die sie befreit haben, die Christen vor Ort oft von extremistischen Sunniten angegriffen.

Die „Economist Intelligence Unit“ (EIU) sieht in nächster Zeit keine Möglichkeit für einen Friedensvertrag, obwohl der Mangel an Ressourcen und der militärische Druck die Huthis bis Mitte 2017 zu einer Einigung drängen könnten. Unterdessen erlebt das ärmste Land des Nahen Ostens eine humanitäre Katastrophe. Ein Bericht der Vereinten Nationen vom 12. Dezember 2016 besagt, dass alle zehn Minuten ein Kind an Unterernährung oder anderen gesundheitlichen Problemen stirbt. Die humanitäre und wirtschaftliche Lage des Landes ist so schlimm, dass es schwer wird und viel Zeit brauchen wird, bis sich der Jemen von ihr erholt.

Analysten der EIU erwarten, dass dschihadistische Gruppen „auch 2017 eine Bedrohung darstellen werden“. Beobachter bestätigen die Erwartung, dass der IS und Al Kaida in absehbarer Zukunft wahrscheinlich im Land bleiben werden. Da die Verfolgung im Jemen hauptsächlich von extremistischen Islamisten ausgeht, ist dies kein gutes Zeichen für die Situation der religiösen Minderheiten im Land, insbesondere der Christen. Die Situation ist besonders heikel, da die große Mehrheit der Christen aus Einheimischen mit muslimischem Hintergrund besteht. Die Kirche ist durch die Ausreise der ausländischen Christen geschwächt. Auf der anderen Seite wird berichtet, dass sich inmitten der Unsicherheit des Kriegs mehr Muslime als jemals zuvor dem Glauben an Jesus zuwenden.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für den Jemen:

  • Der Krieg, den Saudi-Arabien im Jemen führt, hilft den Islamisten von Al-Kaida und dem IS, sich frei im Jemen zu bewegen. Sie sind Christen gegenüber extrem aggressiv. Bitte beten Sie dafür, dass Gott die Herzen der Extremisten mit seiner Liebe anrührt, damit sie das Evangelium annehmen.
  • Bitte beten Sie dafür, dass Gott durch die heimlichen Versammlungen der Christen muslimischer Herkunft geehrt wird und dass die Christen ihren jemenitischen Landsleuten dienen können.
  • 80% der Jemeniten sind auf Hilfsleistungen angewiesen. Die Nothilfe wird größtenteils durch die Stammes- und Familienstrukturen verteilt, von denen Christen zumeist ausgeschlossen sind. Bitte beten Sie, dass die Christen die benötigte Hilfe erhalten.

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