Länderprofil Kasachstan

Kasachstan

43
Weltverfolgungsindex
2017
Flagge Kasachstan
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Republik
Rang Vorjahr
42
ISO
KZ
Karte Kasachstan
Karte Kasachstan
Christen
4,63
Bevölkerung
18.06
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 12.188
Familienleben: 8.894
Gesellschaftliches Leben: 9.295
Leben im Staat: 11.003
Kirchliches Leben: 13.386
Auftreten von Gewalt: 1.296

Berichtszeitraum: 1. November 2015 – 31. Oktober 2016

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

56 Punkte / Platz 43 (WVI 2016: 55 Punkte / Platz 42)

Triebkräfte der Verfolgung

Die Triebkräfte der Verfolgung von Christen in Kasachstan sind „Diktatorische Paranoia“ und in geringerem Maße „Islamische Unterdrückung“. (Anzumerken ist hierbei, dass „Diktatorische Paranoia“ in Kasachstan ein Resultat der kommunistischen Vergangenheit ist und daher aus der kommunistischen Unterdrückung entstand.)

Aktuelle Einflüsse

Drei Themen beschäftigen Kasachstan derzeit: Die Nachfolge von Präsident Nasarbajew, die beträchtliche russische Minderheit und Hunderte kasachischer Staatsangehöriger, die sich extremistischen Muslimen im Mittleren Osten angeschlossen haben.

Betroffene Kategorien von Christen

In Kasachstan leben Christen aller Kategorien, die alle in unterschiedlichem Ausmaß Verfolgung erleben. Gemeinschaften ausländischer Christen und Arbeitsmigranten sowie Christen aus traditionellen Kirchen erfahren von Seiten der Regierung die wenigsten Schwierigkeiten, da sie normalerweise nicht aktiv das Evangelium verbreiten. Christen muslimischer Herkunft tragen die Hauptlast der Verfolgung sowohl von Seiten des Staates als auch durch Familie, Freunde und die Gesellschaft. Christen protestantischer Freikirchen geben aktiv das Evangelium weiter und werden zum Ziel von Durchsuchungen, Bedrohungen, Festnahmen und Geldstrafen, besonders dann, wenn ihre Kirchen nicht registriert sind.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

  • Insgesamt blieb der Druck auf die Christen in Kasachstan im Berichtszeitraum sehr hoch; er stieg gegenüber dem Vorjahr sogar leicht an.
  • In den Bereichen Privatleben, Leben im Staat und Kirchliches Leben ist der Druck am größten. In den Bereichen Familienleben und Gesellschaftliches Leben ist der Druck nicht ganz so stark. Das ist typisch für eine Situation, in der Diktatorische Paranoia als Triebkraft der Verfolgung wirkt.
  • Der Druck infolge von Islamischer Unterdrückung herrscht vorrangig in den Lebensbereichen Privatleben, Familienleben und Gesellschaftliches Leben; hier übt das soziale Umfeld besonders auf Christen mit muslimischem Hintergrund Druck aus.
  • Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat sich Ausmaß von Gewalt nicht verändert und ist weiterhin auf einem niedrigen Niveau.
  • Insgesamt wird die Verfolgung in Kasachstan hauptsächlich durch repressive Maßnahmen der Regierung verursacht, die danach strebt, immer größere Kontrolle über alle Lebensbereiche zu erlangen.

Ausblick

Die Religionsfreiheit wird bereits durch neue Gesetze beschnitten und die Regierung in Kasachstan arbeitet beständig daran, mehr Kontrolle über die gesamte Gesellschaft zu erlangen. Das bedeutet eine Zunahme der Überwachung, Razzien bei Veranstaltungen und Festnahmen von Christen. Die Regierung nutzt die Bedrohung durch den extremistischen Islam als Vorwand, um immer mehr Freiheiten einzuschränken. Es deutet also alles darauf hin, dass sich die Situation der christlichen Minderheit in Kasachstan zunehmend verschlechtert; ihre Zukunft sieht besorgniserregend aus. Der Druck, den das soziale Umfeld auf Christen (insbesondere mit muslimischem Hintergrund) ausübt, wird sich vermutlich nicht verändern.

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Meldungen zu Kasachstan

Nachrichten Nachrichten
Kasachstan
Kasachstan

Kasachstan: Mehrere Polizeirazzien in Kirchen

(Open Doors, Kelkheim) – Seit einigen Wochen häufen sich unangekündigte polizeiliche Durchsuchungen christlicher Gemeinden in Kasachstan. So wurden am Ostersonntag, dem 16.

Persönliche Berichte Persönliche Berichte
Open Doors Meldungen
Kasachstan

Kasachstan: Jugendliche Mörderin erlebt Wende

(Open Doors) Das zentralasiatische mehrheitlich islamische Kasachstan gibt sich gerne als freiheitlich geprägtes Land. Allerdings hat das Regime mit Inkrafttreten des neuen Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten und Straftaten am 1. Januar 2015 die Religionsfreiheit insbesondere für protestantische Kirchen weiter eingeschränkt.
Nachrichten Nachrichten
Open Doors Meldungen
Kasachstan

Usbekischer Pastor aus kasachischem Gefängnis entlassen

(KELKHEIM, 6. Dezember 2012) — Der usbekische Pastor Makset Djabbarbergenov ist am 4. Dezember aus einem Gefängnis der kasachischen Stadt Almaty entlassen worden. Anschließend wurde er zum Flughafen gebracht, wo er auf seine schwangere Frau und ihre vier Kinder traf.
Persönliche Berichte Persönliche Berichte
Open Doors Meldungen
Kasachstan

Usbekischem Pastor droht Auslieferung

(KELKHEIM, 19. September 2012) – Seit dem 5. September befindet sich Makset Djabbarbergenov, ehemaliger Pastor der usbekischen Hauskirchenbewegung, in einem Gefängnis der kasachischen Finanzmetropole Almaty.
Nachrichten Nachrichten
Open Doors Meldungen
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Kasachstan: Regierung erhöht Druck auf Gemeinden

(Open Doors) - Die Regierung im zentralasiatischen Kasachstan hat ihr Vorgehen gegen religiöse Gemeinschaften verschärft. Gemäß dem "Gesetz zur Religionsausübung und Regulierung religiöser Gemeinschaften" wurden 579 religiöse Gruppen, darunter viele christliche Gemeinden, aufgrund fehlender staatlicher Anerkennung verboten.
Nachrichten Nachrichten
Open Doors Meldungen
Kasachstan

Kasachstan: Pastor drohen bis zu zwei Jahre Haft

 

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 56 Punkten steht Kasachstan auf Platz 43 des Weltverfolgungsindex (WVI) 2017. Im Jahr 2016 nahm Kasachstan mit 55 Punkten Rang 42 ein. Der Anstieg der Punkte lässt sich vor allem durch die wachsende Kontrolle erklären, die das Regime über das gesamte Land, einschließlich religiöser Gemeinschaften, ausübt.

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2. Triebkräfte der Verfolgung

Die Triebkräfte der Christenverfolgung in Kasachstan sind „Diktatorische Paranoia“ und in geringerem Maße „Islamische Unterdrückung“. Anzumerken ist hierbei, dass „Diktatorische Paranoia“ in Kasachstan ein Resultat der kommunistischen Vergangenheit ist und daher aus der kommunistischen Unterdrückung entstand.

Diktatorische Paranoia: Außerhalb der staatlich geleiteten und vom Regime kontrollierten Institutionen sind keine religiösen Aktivitäten erlaubt. Seit dem Jahr 2015 hat sich der Druck der Behörden verstärkt und es gab eine Zunahme von Razzien bei Veranstaltungen sowie Befragungen und Festnahmen von Christen. Es ist üblich, Mitglieder protestantischer Kirchen als Angehörige einer fremdartigen Sekte zu betrachten, deren einzige Ziele das Ausspionieren und die Zerstörung des aktuellen politischen Systems sind. Diese Sichtweise erklärt, warum sie nicht nur unter Kontrolle gehalten werden, sondern bei Bedarf sogar ausgemerzt werden müssen.

Islamische Unterdrückung: Islamische Kreise üben besonders starken Druck auf christliche Konvertiten mit einem muslimischen Hintergrund aus. Wenn Kasachen sich dem Glauben an Jesus Christus zuwenden, erfahren sie vonseiten ihrer Familie, Freunde und Nachbarschaft starken Druck bis hin zu physischer Gewalt. Damit sollen sie gezwungen werden, zu ihrem früheren Glauben zurückzukehren. Manche Christen werden für längere Zeit eingesperrt und geschlagen. Lokale Mullahs wenden sich in ihren Predigten gegen diese Christen und üben so zusätzlichen Druck auf sie aus. Es kommt auch vor, dass Konvertiten aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Dies alles führt dazu, dass Christen muslimischer Herkunft ihren Glauben möglichst geheim halten.

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3. Aktuelle Einflüsse

Präsident Nasarbajew altert zusehends (er wurde am 6. Juli 1940 geboren) und ist Berichten zufolge gesundheitlich angeschlagen. Bislang ist unklar, wer seine Nachfolge antreten wird. Vermutlich wird der künftige Präsident einen ähnlichen Hintergrund wie Nasarbajew haben, so dass keine große Veränderung zu erwarten ist.

Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt ist die große russische Minderheit im Norden des Landes. Laut der Volkszählung aus dem Jahre 2009 sind 23,7 Prozent der Gesamtbevölkerung Kasachstans russischer Herkunft. Diese Tatsache bereitet dem Regime ebenfalls einige Kopfschmerzen, angesichts der machtbewussten Politik der russischen Regierung unter Präsident Putin. Die Geschehnisse auf der Krim und in der Ostukraine zeigen, dass die Sorgen Kasachstans nicht unbegründet sind.

Eine wachsende Gruppe islamischer Extremisten, die im Oktober 2011 kleinere Bombenanschläge verübt hat, verstärkt die Sorgen des Landes zusätzlich. Behördenangaben zufolge kämpfen bereits 300 kasachische Dschihadisten an der Seite des „Islamischen Staates“ (IS) in Syrien und dem Irak. Inoffizielle Quellen sprechen von deutlich höheren Zahlen. Das Regime nutzt diese Informationen und übertreibt die Gefahren, um die zunehmende Kontrolle der Gesellschaft und weitere Einschränkungen von Freiheiten rechtfertigen zu können.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

In Kasachstan leben Christen aller Kategorien, die alle in unterschiedlichem Ausmaß Verfolgung erleben:

Gemeinschaften ausländischer Christen und Arbeitsmigranten: Sie konzentrieren sich eher auf interne Aktivitäten als auf die Verbreitung ihres Glaubens. Aus diesem Grund erfahren sie Verfolgung nur in geringem Ausmaß.

Christen aus traditionellen Kirchen: Diese Gruppen, von denen die Russisch-Orthodoxe Kirche (ROK) mit Abstand die größte Gruppe darstellt, geben das Evangelium nicht unter Kasachen weiter. Da das kasachische Regime sie nicht als Gefahr einstuft, können sie weitgehend ungestört agieren. Darüber hinaus hat die Regierung Kasachstans kein Interesse daran, Russland zu provozieren, indem sie gegen die Russisch-Orthodoxe Kirche vorgeht. Die Vorkommnisse im Osten der Ukraine dienen als warnendes Beispiel.

Christen muslimischer Herkunft: Christliche Konvertiten mit muslimischem Hintergrund bekommen die ganze Wucht der Verfolgung in Kasachstan zu spüren. Abgesehen vom Staat werden sie auch von Familie, Freunden und Gesellschaft unter starken Druck gesetzt.

Christen aus protestantischen Freikirchen: Mitglieder protestantischer Freikirchen (z. B. Baptisten, Evangelikale, Pfingstler) sind die zweite Gruppe, die besonders verfolgt wird. Unter ihnen sind es vor allem die nichtregistrierten Gruppen, die aktiv das Evangelium verbreiten. Sie leiden unter vielen Angriffen, Drohungen, Inhaftierungen und Geldstrafen durch die Behörden.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 12.188
Familienleben: 8.894
Gesellschaftliches Leben: 9.295
Leben im Staat: 11.003
Kirchliches Leben: 13.386
Auftreten von Gewalt: 1.296

Grafik: Verfolgungsmuster Kasachstan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenspiel der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster Kasachstan:

  • Die Durchschnittspunktzahl der ersten fünf Säulen, die den Druck auf Christen in den fünf Lebensbereichen verdeutlichen, ist im Vergleich zum Vorjahr von 10,833 Punkten auf 10,953 Punkte angestiegen.
  • Wie das Diagramm veranschaulicht, ist die Verfolgung in den Bereichen Privatleben, Leben im Staat und Kirchliches Leben am stärksten. In den Bereichen Familienleben und Gesellschaftliches Leben ist die Verfolgung nicht ganz so stark ausgeprägt. Das ist typisch für eine Situation, in der Diktatorische Paranoia die Haupttriebkraft der Verfolgung ist.
  • Der Druck durch Islamische Unterdrückung ist am stärksten in den Bereichen Privatleben, Familienleben und Gesellschaftliches Leben vorhanden und wird vom sozialen Umfeld hauptsächlich auf Christen mit muslimischem Hintergrund ausgeübt.
  • Die Punktzahl im Bereich Physische Gewalt hat sich im Vergleich zur Punktzahl der Vorjahres (1,296 Punkte) nicht verändert und bleibt auf einem niedrigen Stand.
  • Insgesamt wird die Verfolgung in Kasachstan hauptsächlich durch repressive Maßnahmen der Regierung verursacht, die danach strebt immer größere Kontrolle über alle Lebensbereiche zu erlangen.

Privatleben: Die Hinwendung von Menschen zum christlichen Glauben löst oft heftige Reaktionen aus. Konvertierte Christen mit muslimischem Hintergrund vermeiden es, öffentlich christliche Rituale zu praktizieren oder christliche Symbole zu zeigen, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Der Staat ist außerordentlich empfindlich, was die Ausbreitung „nicht-traditioneller“ Religionen ohne staatliche Anerkennung angeht. Protestantische Christen sind das Hauptziel der staatlichen Überwachung und Überprüfung. Es gab Berichte von Razzien gegen Organisationen und Personen aus dem protestantischen Bereich, bei denen die Behörden christliche Materialien und Bücher beschlagnahmten und den Eigentümern Geldstrafen auferlegten. Sobald Christen muslimischer Herkunft in ihrem Verwandtenkreis oder sozialen Umfeld Glaubensthemen ansprechen, entstehen dadurch fast immer Konflikte. Da sie von der Gemeinschaft genau beobachtet werden, ist es schwierig für konvertierte Christen, sich mit anderen Christen zu treffen. Der kasachische Geheimdienst (KNB) überwacht alle Christen, die nicht dem orthodoxen Glauben angehören. Konvertierte Christen laufen Gefahr, von ihrer Familie eingesperrt zu werden (Hausarrest), um sie dazu zu zwingen ihren neuen Glauben zu widerrufen.

Familienleben: Ein äußerst wichtiger Schritt für konvertierte Kasachen ist die Taufe, die sehr häufig zu Konflikten mit muslimischen Verwandten führt. Islamische Friedhöfe erlauben zwar die Beerdigung von Christen, allerdings nur unter der Bedingung, dass die Bestattung nach islamischen Riten abgehalten wird. Die Religionsfreiheit im Land wird immer weiter eingeschränkt und die Überwachung durch Sicherheitskräfte nimmt immer stärker zu. Für protestantische Christen wurde die Situation besonders durch ein Gesetz aus dem Jahr 2011 erschwert, das Aktivitäten von staatlich nicht anerkannten religiösen Gruppen einschränkt. Kinder protestantischer Christen werden aufgrund des christlichen Glaubens der Eltern oftmals belästigt oder diskriminiert. Schulen und Institutionen verwenden staatliche Gelder für die Organisation von Propagandaveranstaltungen zur Bekämpfung von „Sekten“, was evangelikale Gemeinden einschließt. Angeblich ist die Teilnahme an diesen Veranstaltungen freiwillig, allerdings wird jeder Bürger nachdrücklich zur Teilnahme aufgefordert. Wenn konvertierte Christen mit muslimischem Hintergrund sich weigern, ihren neuen Glauben zu widerrufen, kann es passieren, dass die Familien versuchen eine Scheidung zu erzwingen oder ihnen das Sorgerecht für die Kinder zu entziehen. Es gab Gerichtsverfahren, bei denen Konvertierten ihr Erbrecht entzogen wurde.

Gesellschaftliches Leben: In ländlichen Gegenden überwacht die örtliche Gemeinschaft bekannte Christen muslimischer Herkunft; in lokalen Institutionen werden nur Muslime akzeptiert. Damit sie zum „Glauben ihrer Väter“ zurückkehren, wird zeitweise immenser Druck auf Christen mit muslimischem Hintergrund ausgeübt. Es kommt vor, dass christliche Kinder und Jugendliche in der Schule Beleidigungen und Propaganda ausgesetzt sind; bislang wurde jedoch niemand allein aufgrund seines christlichen Glaubens von einer Schule verwiesen. Während es bei einfachen Schulabschlüssen im Allgemeinen keine Probleme gibt, kann es für aktive Christen schwierig sein, Zugang zu Handelsschulen oder höheren Bildungswegen zu erlangen. Auch unter staatlichen Angestellten werden Christen verstärkt diskriminiert, was vor allem einheimische Kasachen betrifft. In Almaty versuchten die Behörden, einer Lehrerin zu kündigen, da sie eine protestantische Kirche besuchte. Solche Vorfälle sind bei Exekutivorganen an der Tagesordnung. Im Januar 2015 wurden Änderungen des Strafgesetzbuches wirksam. Durch diese Änderungen wurden neue Bußgelder und Strafen eingeführt, die unter anderem Strafen bis zu sechs Jahren Gefängnis beinhalten. Gruppen, welche nicht-satzungsgemäße Aktivitäten durchführen, müssen mit derartigen Strafen rechnen. Davon sind auch christliche Versammlungen betroffen.

Leben im Staat: Die Regierung macht durch ihre Praxis deutlich, dass sie den Islam für die kasachische Bevölkerung und den orthodoxen Glauben für die Slawen als angemessen betrachtet und alles andere für überflüssig hält. Obwohl die Religionsfreiheit durch die Verfassung geschützt ist, wird dieser Schutz faktisch nur den Religionen bzw. Gruppen gewährt, die durch das Gesetz von 2011 als „traditionell“ anerkannt werden. Zu diesen Gruppen gehören Sunniten der hanafitischen Schule, die Russisch-Orthodoxe Kirche, die Römisch-Katholische Kirche, Lutheraner und Juden. Protestantische Freikirchen gehören nicht dazu und laufen Gefahr verfolgt zu werden, wenn sie öffentliche Aktivitäten im Zusammenhang mit ihrem Glauben durchführen. Durch das Gesetz von 2011 ist es kleineren religiösen Gruppen deutlich erschwert worden, sich registrieren zu lassen. Die kasachischen Medien sind Christen gegenüber generell negativ eingestellt. Es gab einige Veröffentlichungen, die speziell gegen protestantische Freikirchen und Christen muslimischer Herkunft gerichtet waren. Darin wurde protestantischen Christen vorgeworfen, sie seien keine Kasachen und ihr Glaube sei sowohl anti-islamisch als auch anti-christlich. In den Beiträgen kamen Vertreter der religiösen und ethnischen Gemeinschaften zu Wort, denen die christlichen Konvertiten früher angehört hatten, und beschuldigten ihre ehemaligen Weggefährten der Blasphemie.

Kirchliches Leben: Zur Registrierung einer religiösen Vereinigung sind fünfzig Mitglieder mit kasachischer Staatsangehörigkeit erforderlich. Nicht registrierte Kirchen sind streng verboten. Zusätzlich gibt es spezielle Anforderungen für kirchliche Gebäude und das Land, auf dem sie gebaut werden. Häufig wurden in der Vergangenheit die Gottesdienste oder Versammlungen protestantischer Christen gestört und sie mussten Bußgelder zahlen, da ihre Gotteshäuser nicht offiziell vom Staat anerkannt sind. In der Praxis interpretieren Gerichte alle Arten von religiösen Tätigkeiten als illegale Missionstätigkeit, sobald sie außerhalb eines registrierten kirchlichen Gebäudes stattfinden. Das Gesetz verlangt von registrierte Kirchen, das Einverständnis beider Elternteile von Kindern unter 18 Jahren vorzulegen, damit diese an kirchlichen Veranstaltungen teilnehmen dürfen. Das Drucken, Importieren, Verteilen und Verkaufen aller religiösen Materialien bedarf einer Erlaubnis des Staatlichen Religionsausschusses. Eine solche Erlaubnis können nur registrierte Kirchen beantragen. Nach dem Gesetz dürfen Organisationen, Einrichtungen oder Schulen nicht auf religiöser Grundlage agieren. Religiösen Gruppen ist generell untersagt, gemeinnützige, humanitäre, medizinische, soziale oder kulturelle Einrichtungen bzw. Vereine zu gründen.

Auftreten von Gewalt: Die Verfolgung in Kasachstan scheint nicht sehr gewalttätig zu sein, allerdings wird nicht über alle Vorfälle berichtet, so dass man von einem höheren Maß von Gewalt als dem hier dokumentierten ausgehen kann. Im Berichtszeitraum wurden 20 Christen festgenommen. Yklas Kabduakasov, Mitglied der Siebenten-Tags-Adventisten, leistet eine zweijährige Strafe in einem Arbeitslager ab. Mindestens zwei Christen wurden körperlich angegriffen. Im Juli 2016 verließ Viktor Lim Kasachstan, ihm wurde in den Vereinigten Staaten von Amerika Asyl gewährt.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Die Religionsfreiheit wird bereits durch neue Gesetzte beschnitten und das Regime in Kasachstan arbeitet beständig daran, mehr Kontrolle über die gesamte Gesellschaft zu erlangen. Dies führt zu einer stärkeren Überwachung, Razzien bei Veranstaltungen und Festnahmen von Christen. Die Regierung nutzt die Bedrohung durch den extremistischen Islamismus als Vorwand, um immer weitere Freiheiten einzuschränken. Es deutet also alles darauf hin, dass sich die Situation der christlichen Minderheit in Kasachstan zunehmend verschlechtert; ihre Zukunft sieht besorgniserregend aus. Der Druck, den das soziale Umfeld auf Christen (insbesondere mit muslimischem Hintergrund) ausübt, wird sich vermutlich nicht verändern.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Kasachstan:

  • für diejenigen, die geschlagen und inhaftiert wurden, weil sie den Islam verlassen haben und nun Jesus Christus nachfolgen.
  • für Behörden, die den christlichen Glauben unterdrücken oder auslöschen wollen.
  • dass die christlichen Leiter, die unter Überwachung stehen, in Christus Frieden und Ruhe erfahren können.

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