Länderprofil Kolumbien

Kolumbien

50
Weltverfolgungsindex
2017
Flagge Kolumbien
Hauptreligion
Christentum
Staatsform
Republik
Rang Vorjahr
46
ISO
CO
Karte Kolumbien
Karte Kolumbien
Christen
46,66
Bevölkerung
49.07
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Ethnisch begründete Anfeindungen
Säkulare Intoleranz
Privatleben: 7.292
Familienleben: 7.612
Gesellschaftliches Leben: 11.939
Leben im Staat: 8.464
Kirchliches Leben: 7.656
Auftreten von Gewalt: 10.185

Berichtszeitraum: 1. November 2015 – 31. Oktober 2016

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

53 Punkte / Platz 50 (WVI 2016: 55 Punkte / Platz 46)

Triebkräfte der Verfolgung

Die Triebkräfte der Christenverfolgung in Kolumbien sind „Organisiertes Verbrechen und Korruption“, „Ethnisch begründete Anfeindungen“ und in geringerem Ausmaß „Säkulare Intoleranz“ und „Konfessioneller Protektionismus“. Die Intensität von Organisiertem Verbrechen und Korruption hat aufgrund der Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und den FARC-Rebellen abgenommen.

Aktuelle Einflüsse

Formal gesehen ist Kolumbien ein modernes, demokratisches Land, in welchem Rechtsstaatlichkeit existiert und Religionsfreiheit garantiert wird. Allerdings stehen große Teile des Landes unter der Kontrolle von Drogenkartellen, anderer krimineller Organisationen und paramilitärischen Gruppen. In einem Umfeld mangelnder Strafverfolgung leiden alle Einwohner Kolumbiens unter den Kämpfen, die seit Jahrzehnten andauern und noch kein Ende gefunden haben. Christen stehen jedoch in einem besonderen Maß in der Gefahr, Anfeindungen zu erleben.

Betroffene Kategorien von Christen

In Kolumbien existieren drei Kategorien von Christen: Christen aus traditionellen Kirchen, Christen aus traditionell-indigenen Religionen (Konvertiten) und Angehörige protestantischer Freikirchen. Alle können Opfer von Organisiertem Verbrechen und Korruption seitens krimineller Gruppen werden, am stärksten sind jedoch Christen betroffen, die ihren Glauben offen bezeugen. Ethnisch begründete Anfeindungen treffen alle Kategorien von Christen in indigenen Gemeinschaften und können dazu führen, dass Christen aus ihren Häusern vertrieben werden. Säkulare Intoleranz kann für alle Kategorien von Christen in den größeren Städten, die unter Kontrolle der Regierung sind, zu einem Problem werden. Konfessioneller Protektionismus betrifft Christen, die nicht zu traditionellen Kirchen gehören, insbesondere dort, wo die römisch-katholische Kirche die Entstehung neuer evangelikaler und pfingstlicher Gemeinschaften ablehnt.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

  • Insgesamt ist der Druck auf Christen im aktuellen Berichtszeitraum leicht angestiegen und befindet sich auf einem hohen Level.
  • Organisiertes Verbrechen und Korruption beeinflussen alle Lebensbereiche und führen zu einer Kultur der Angst, die besonders im Bereich Gesellschaftliches Leben zu spüren ist, dessen Werte die der anderen Lebensbereiche deutlich übersteigen.
  • Ethnisch begründete Anfeindungen sind auf indigene Gemeinschaften beschränkt. Diese Triebkraft von Verfolgung wirkt sich vor allem auf die Bereiche Familienleben, Gesellschaftliches Leben und Kirchliches Leben aus. Manchmal geht sie einher mit Organisiertem Verbrechen und Korruption, besonders dann, wenn sich Guerillas mit indigenen Stammesführern gegen Christen verbünden.
  • Säkulare Intoleranz kommt vor allem in den Bereichen Leben im Staat und Kirchliches Leben zum Tragen.
  • Das Niveau an Gewalt ist weiterhin sehr hoch, im Vergleich zum vorangegangenen Berichtszeitraum jedoch zurückgegangen.

Ausblick

Trotz der Friedensgespräche der Regierung mit den FARC-Rebellen und der Guerilla-Bewegung ELN wird die Gewalt in Kolumbien bis auf weiteres ein strukturelles Phänomen bleiben. In Gebieten, wo die Regierung ihre Kontrolle über die öffentliche Sicherheit verloren hat, können Drogenkartelle und illegale, bewaffnete Gruppen weiterhin ungestraft agieren. Das bedeutet, dass Christen auch weiterhin zum Ziel krimineller Banden werden. Die Lage indigener Christen wird extrem schwierig bleiben, da in den indigenen Gebieten Menschenrechte nicht erzwungen werden können. Es ist außerdem besorgniserregend, dass die Triebkraft der Säkularen Intoleranz in Kolumbien immer stärker sichtbar wird. Es wird erwartet, dass sich dieser Trend im bevorstehenden Berichtszeitraum verstärken wird.

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Meldungen zu Kolumbien

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Kolumbien: Drohungen schüchtern Christen nicht ein

 

Trotz anhaltender Drohungen der Guerillas insbesondere der FARC-EP ("Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens") lassen sich die Christen nicht einschüchtern.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 53 Punkten steht Kolumbien auf Platz 50 des Weltverfolgungsindex (WVI) 2017. Im Jahr 2016 nahm Kolumbien mit einer Wertung von 55 Punkten Platz 46 ein. Dieser Rückgang der Wertung ist auf die verringerte Intensität von „Organisiertem Verbrechen und Korruption“ zurückzuführen, was ein Ergebnis der Friedengespräche zwischen der kolumbianischen Regierung und den FARC-Rebellen ist. Die Verfolgung, die sich aus „Ethnisch begründeten Anfeindungen“ speist, ist jedoch nicht zurückgegangen, und der Druck, der von „Säkularer Intoleranz“ stammt, ist angestiegen.

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2. Triebkräfte der Verfolgung

Die Haupttriebkräfte von Verfolgung sind Organisiertes Verbrechen und Korruption, Ethnisch begründete Anfeindungen und in einem geringeren Ausmaß gibt es auch nebeneinander Säkulare Intoleranz und „Konfessioneller Protektionismus“.

Organisiertes Verbrechen und Korruption: In bestimmten Gebieten agieren revolutionäre und konterrevolutionäre paramilitärische Gruppierungen – eng verwoben mit dem organisierten Verbrechen – oftmals in einem Umfeld aus fehlender Strafverfolgung, Korruption, Anarchie, Drogenkriegen und struktureller Gewalt. In diesem Umfeld sind Christen eine gefährdete Gruppe, da sie als Bedrohung für die Vormachtstellung krimineller Organisationen gesehen werden. Christen repräsentieren besonders für junge Menschen eine alternative Lebensweise in der Gesellschaft, womit die Kirche in direkter Konkurrenz zu kriminellen Organisationen steht. Fast die Hälfte der kolumbianischen Landfläche ist unter der Kontrolle von Guerillas und paramilitärischen Gruppen. Dieser Teil des Landes hat jedoch die geringste Bevölkerungsdichte.

Ethnisch begründete Anfeindungen: In Kolumbien treten immer wieder Spannungen innerhalb indigener Gemeinschaften auf, wenn sich einzelne Personen dem christlichen Glauben zuwenden. Diese Christen mit indigenem Hintergrund sind besonders gefährdet. Nachforschungen von Open Doors haben ergeben, dass diesen Christen in der Cauca-Region regelmäßig der Zugang zu grundlegenden sozialen Diensten und die gleichberechtigte Teilnahme an Entscheidungsfindungen verwehrt wird. Sie riskieren zudem, gefoltert oder vertrieben zu werden.

Säkulare Intoleranz: Diese Triebkraft der Verfolgung nimmt in Kolumbien an Einfluss zu. Anzeichen dafür sind wiederholtes Auftreten von Intoleranz gegenüber der Teilnahme von Christen am öffentlichen Leben, insbesondere an staatlichen Universitäten. Konfessionelle Institutionen werden häufig in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt. Im Berichtszeitraum gab es dafür eine signifikante Zahl von Beispielen.

Konfessioneller Protektionismus: Es besteht weiterhin eine Haltung der Ablehnung zwischen einzelnen christlichen Denominationen, insbesondere, wo die römisch-katholische Kirche die Entstehung neuer evangelikaler und pfingstlicher Bewegungen ablehnt. Diese Triebkraft der Verfolgung tritt vor allem in ländlichen Gemeinden auf, in denen evangelikale Christen bedrängt werden, wenn sie nicht an den traditionellen religiösen Veranstaltungen teilnehmen. Aber auch auf nationaler Ebene sind solche Beobachtungen zu machen, da die Gesetzgebung teilweise weiterhin den Katholizismus gegenüber anderen Glaubensrichtungen begünstigt. Allerdings verliert diese Triebkraft der Verfolgung an Einfluss, denn seit 1991 sind durch die Verfassung die meisten rechtlichen Hindernisse für die nicht-traditionellen Formen des christlichen Glaubens abgeschafft worden.

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3. Aktuelle Einflüsse

Kolumbien weist sehr unterschiedliche Gegebenheiten auf. Formal gesehen ist das Land modern und demokratisch, mit Rechtsstaatlichkeit und der Zusicherung von Religionsfreiheit. Allerdings stehen große Teile des Landes unter der Kontrolle krimineller Organisationen, von Drogenkartellen, Revolutionären und paramilitärischen Gruppen. In einem Umfeld von oftmals fehlender Strafverfolgung leiden alle Einwohner Kolumbiens unter den jahrzehntelangen Konflikten. Christen stehen jedoch in einem besonderen Maß in der Gefahr, Anfeindungen zu erleben. Viele Christen sind aufgrund ihrer Aktivitäten als einflussreiche Pastoren, Politiker, Journalisten, Rechtsanwälte, Menschenrechtsaktivisten, Vertreter der Rechte indigener Völker und Umweltschützer eine wichtige Stimme in der öffentlichen Meinung und damit das Ziel von Verfolgung, weil kriminelle Netzwerke sie als Bedrohung für ihre Interessen ansehen. Entgegen den Behauptungen von Präsident Santos, der im Jahr 2014 wiedergewählt wurde, wird die Lage im Land nicht sicherer.

In Kolumbien können zudem Spannungen beobachtet werden, wenn sich Mitglieder von indigenen Gemeinschaften dem christlichen Glauben zuwenden. Christen mit indigenem Hintergrund werden als Bedrohung der Autorität von indigenen Behörden und Traditionen gesehen und häufig werden sie zu Opfern von Menschenrechtsverletzungen. Open Doors liegen Berichte von Christen aus der Cauca-Region vor, denen regelmäßig der Zugang zur sozialen Grundversorgung verwehrt wird und die in Entscheidungsprozessen übergangen werden. Außerdem laufen sie Gefahr, gefoltert oder vertrieben zu werden.

Indigene Territorien sind in Kolumbien durch ein Bundesgesetz geschützt, das ihnen Autonomie garantiert. Aufgrund dieser Autonomie ist es den Sicherheitskräften der Regierung (Polizei und Militär) gesetzlich verboten, diese Gebiete zu betreten. Die Gebiete werden von indigenen Organisationen verwaltet, die aber mancherorts so schwach sind, dass sie von den Guerillas infiltriert werden. Da es dort praktisch keine staatlichen Gesetzeshüter gibt und demnach auch keinen Gesetzesvollzug, haben sich diese Gebiete zu einem sicheren Hafen für den groß angelegten Drogenhandel der Guerillas entwickelt. Einige dieser Aktivitäten sind auf Bündnisse von Teilen der indigenen Bevölkerung und der Guerillas zurückzuführen. Quellen von Open Doors weisen darauf hin, dass die indigene Bevölkerung gezielt materielle Unterstützung vonseiten der Guerillas erhält, um Christen indigener Herkunft zu verfolgen.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

In Kolumbien existieren drei der im WVI unterschiedenen Kategorien von Christen: Christen aus traditionellen Kirchen, Christen aus traditionell-indigenen Religionen (Konvertiten) und Angehörige protestantischer Freikirchen. Alle können Opfer von Organisiertem Verbrechen und Korruption durch kriminelle Gruppen werden, am stärksten sind jedoch Christen betroffen, die ihren Glauben offen bezeugen und eine wichtige Rolle im sozialen sowie öffentlichen Leben spielen oder Leiter auf kommunaler oder nationaler Ebene sind. Säkulare Intoleranz kann für alle Kategorien von Christen in den größeren Städten, die unter Kontrolle der Regierung sind, zu einem Problem werden. Ethnisch begründete Anfeindungen treffen alle Kategorien von Christen in indigenen Gemeinschaften. Konfessioneller Protektionismus betrifft vor allem Christen, die nicht zu traditionellen Kirchen gehören.

Christen aus traditionellen Kirchen: Es existiert eine große traditionell-christliche Gemeinschaft, die größtenteils aus Katholiken besteht. Diese Gruppe ist vor allem anfällig für Verfolgung durch Organisiertes Verbrechen und Korruption und Säkulare Intoleranz.

Christen indigener Herkunft: Christen, die aus den indigenen Religionsgemeinschaften zum Glauben an Jesus Christus gekommen sind, werden als Bedrohung für die Macht der lokalen Autoritäten und für die alten indigenen Traditionen betrachtet. Hier kommen Ethnisch begründete Anfeindungen als Triebkraft der Verfolgung zum Tragen. Open Doors schätzt, dass rund 30 Prozent der gesamten indigenen Bevölkerung (400.000 Personen) Christen sind. Dazu gehören sowohl katholische als auch evangelische Christen. Circa 40 Prozent von ihnen erleben in irgendeiner Weise Verfolgung (165.000 Personen). Da sie als Gefahr für den Fortbestand der indigenen Kultur und Traditionen gesehen werden, werden die Christen unter der indigenen ländlichen Bevölkerung in einigen autonomen Gebieten Kolumbiens (z.B. Gebiete in Cauca, Córdoba und den Putumayo-Gebieten) immer wieder Opfer von Anfeindungen.

Christen aus protestantischen Freikirchen: Kolumbien verzeichnet eine wachsende Anzahl von protestantischen Freikirchen (wie Baptisten-, evangelikale und Pfingstgemeinden). Diese Gruppe erleidet Verfolgung durch das Organisierte Verbrechen und Korruption sowie durch Säkulare Intoleranz; in ländlichen Gebieten auch durch Konfessionellen Protektionismus.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 7.292
Familienleben: 7.612
Gesellschaftliches Leben: 11.939
Leben im Staat: 8.464
Kirchliches Leben: 7.656
Auftreten von Gewalt: 10.185

Grafik: Verfolgungsmuster Kolumbien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenspiel der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster Kolumbien:

  • Insgesamt ist der Durchschnittswert für den Druck auf Christen auf hohem Niveau und im aktuellen Berichtszeitraum von 8,360 (WVI 2016) auf 8,593 leicht angestiegen.
  • Organisiertes Verbrechen und Korruption beeinflussen alle Lebensbereiche und führen zu einer Kultur der Angst, die besonders im Bereich Gesellschaftliches Leben zu spüren ist, dessen Werte die der anderen Lebensbereiche deutlich übersteigen (11,939). Dies ist typisch für diese Triebkraft der Verfolgung, die in lokalen Kommunen am aktivsten ist.
  • Ethnisch begründete Anfeindungen sind auf indigene Gemeinschaften beschränkt. Diese Triebkraft von Verfolgung drückt sich vor allem in den Bereichen Familienleben, Gesellschaftliches Leben und Kirchliches Leben aus. Manchmal überschneidet sie sich mit Organisiertem Verbrechen und Korruption, besonders dann, wenn sich Guerillas mit indigenen Stammesführern gegen Christen verbünden. Dies geschieht in den lokalen Gemeinschaften, wodurch der Wert im Bereich Gesellschaftliches Leben weiter steigt.
  • Säkulare Intoleranz kommt vor allem in den Bereichen Leben im Staat und Kirchliches Leben zum Tragen.
  • Das Niveau an Gewalt ist mit einem Wert von 10,185 weiterhin sehr hoch, im Vergleich zu 12,963 im vorangegangenen Berichtszeitraum jedoch zurückgegangen.
  • Die Situation in Kolumbien für Christen wird von einer Kombination verschiedener Triebkräfte der Verfolgung bestimmt, die zum Teil und in verschiedenen Regionen des Landes miteinander verknüpft sind.

Privatleben: Im privaten Bereich ist der Druck auf Christen vor allem durch Ethnisch begründete Anfeindungen ein Problem, wenn eine Abkehr vom traditionell-indigenen Glauben nicht toleriert wird und als eine Bedrohung für den Erhalt althergebrachter indigener Traditionen gesehen wird.

Familienleben: In Stammesgebieten müssen Taufen und andere symbolische Handlungen des christlichen Glaubens, die die Familie betreffen, im Geheimen durchgeführt werden. Auf der kommunalen Ebene erleben Christen vielfältige Formen von Schikane und Diskriminierung, einschließlich des Ausschlusses von grundlegenden Sozialleistungen. In vielen Familien wird es abgelehnt, wenn sich ein Familienmitglied dem christlichen Glauben anschließt, da dieser als Bedrohung für die Traditionen der Gesellschaft angesehen wird.

Gesellschaftliches Leben: Kriminelle Organisationen und Guerillas bereiten Christen in ihrem Alltagsleben Schwierigkeiten, weil all ihre Aktivitäten beobachtet und jene verhindert werden, die den Interessen dieser Gruppierungen widersprechen. Christen erfahren Einschränkungen, wenn es um den Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und andere soziale Dienste geht. Christliche Schulen werden so gut wie nicht toleriert.

Leben im Staat: Auf staatlicher Ebene werden aufgrund Säkularer Intoleranz einige öffentliche Ausdrucksformen des christlichen Glaubens verhindert oder ins Lächerliche gezogen. Anti-Diskriminierungsgesetze schränken in manchen Fällen Christen ein, frei ihre Meinung zu Ehe und Familie zu äußern. Oft nehmen auf staatlicher Ebene kriminelle Gruppierungen traditionelle Rollen des Staates ein, so dass keine Rechtsstaatlichkeit mehr gegeben ist und Benachteiligungen von Christen ungestraft bleiben.

Kirchliches Leben: Organisiertes Verbrechen und Korruption schränken die Versammlungsfreiheit der Christen ein. Gottesdienste und Predigten werden ständig von kriminellen Gruppen überwacht, um herauszufinden, ob sie eine Bedrohung für die Interessen dieser Gruppierungen darstellen. In indigenen Gemeinschaften ist die Freiheit der Christen ebenfalls sehr eingeschränkt, da jegliche christliche Aktivität als Bedrohung der politischen Macht der indigenen Autoritäten angesehen wird. Es kommt vor, dass Gottesdienste oder christliche Open-Air-Veranstaltungen von andersdenkenden Gruppierungen auf Basis säkularer Intoleranz gestört werden. Außerdem werden christliche Standpunkte im öffentlichen Bildungssystem immer weniger toleriert.

Auftreten von Gewalt: Laut den Berichten des Büros von Open Doors in Kolumbien wurden während des Berichtszeitraums vier Christen ermordet. Guerillas waren für drei dieser vier Morde verantwortlich. Kriminelle Gangs waren für den Tod des vierten Christen verantwortlich, der in einer städtischen Region ermordet wurde. Die Mordopfer waren jeweils Christen, die öffentlich die Verbrechen dieser Gruppen verurteilten. Derzeit gibt es mehr als 400 indigene Christen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Im September 2016 beschlossen die Behörden der Wiwas (eine indigene Gemeinschaft aus der Region La Guajira im Nordosten von Kolumbien), alle christlichen Evangelisten, die zu pfingstlichen oder evangelikalen Missionen gehören, aus ihrem Gebiet auszuweisen.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

  1. Die Autonomie der indigenen Territorien, die diese zu einem Staat im Staat macht, wird wahrscheinlich fortbestehen, da dieses Recht tief in der Verfassung verankert ist. Was auf dem Papier äußerst positiv klingt – das Recht auf Selbstverwaltung der indigenen Gebiete – ist in Wahrheit äußerst undemokratisch, da es vereinzelten, traditionell-indigenen Herrschern uneingeschränkte Macht in diesen Gebieten verleiht. Deshalb wird die Situation für indigene Christen sehr schwierig bleiben, da in diesen Territorien Menschenrechtsstandards nicht durchgesetzt werden können.
  2. Trotz der Friedensgespräche wird die Gewalt in Kolumbien bis auf weiteres ein strukturelles Problem bleiben. In Gebieten, in denen die Regierung ihre Kontrolle über die öffentliche Sicherheit verloren hat, können Drogenkartelle und illegale bewaffnete Gruppen weiterhin ungestraft agieren. Das bedeutet, dass Christen weiterhin zum Ziel krimineller Banden werden.
  3. Entgegen aller Erwartungen stimmten die Kolumbianer laut Berichten der BBC mit einer geringen Mehrheit gegen den Friedensvertrag, auf den die Regierung und die FARC-Rebellen sich geeinigt hatten. 50,2% der Wähler stimmten bei dem am 2. Oktober gehaltenen Referendum mit „Nein“. Die Wahlbeteiligung war mit weniger als 38% der Wahlberechtigten sehr niedrig, aber groß genug, damit das Referendum Gültigkeit besaß. Nach der Ablehnung des Friedensvertrags wurde dem Kongress ein überarbeiteter Vertrag präsentiert. Wie auch immer die Situation sich entwickelt, Kolumbien blickt weiterer Unsicherheit entgegen.
  4. Es ist für die Christen besorgniserregend, dass Säkulare Intoleranz in Kolumbien immer stärker sichtbar wird. Der Trend wird sich im kommenden Berichtszeitraum voraussichtlich verstärken.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Kolumbien:

  • Formell ist Kolumbien eine moderne Demokratie, in der Religionsfreiheit gesichert ist. Allerdings sind große Teile des Landes unter der Kontrolle von kriminellen Organisationen, Drogenkartellen, Revolutionären und paramilitärischen Gruppen. Christen werden leicht angefeindet. Beten Sie um Heilung und Frieden für das Land.
  • Beten Sie für Frieden und Hoffnung für die Christen, die von kriminellen und Guerillagruppen bedroht werden. Beten Sie, dass sie im Angesicht von Verfolgung stark bleiben.
  • Beten Sie, dass der Herr die Angehörigen der Christen tröstet, die um ihres Glaubens willen getötet wurden. Bitte beten Sie, dass Sie ihren Verfolgern vergeben können.

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