Länderprofil Malaysia

Malaysia

31
Weltverfolgungsindex
2017
Flagge Malaysia
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Konstitutionelle Wahlmonarchie
Rang Vorjahr
30
ISO
MY
Karte Malaysia
Karte Malaysia
Christen
2,87
Bevölkerung
31.16
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Privatleben: 10.729
Familienleben: 13.862
Gesellschaftliches Leben: 11.298
Leben im Staat: 12.826
Kirchliches Leben: 9.740
Auftreten von Gewalt: 2.037

Berichtszeitraum: 1. November 2015 – 31. Oktober 2016

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

60 Punkte / Platz 31 (WVI 2016: 58 Punkte/ Platz: 30)

Triebkräfte der Verfolgung

Die Triebkräfte der Verfolgung von Christen in Malaysia sind „Islamische Unterdrückung“ (Haupttriebkraft) und in geringerem Maße „Diktatorische Paranoia“ (vermischt mit islamischer Unterdrückung).

Aktuelle Einflüsse

Malaysia gilt immer noch als das beste Beispiel für ein liberales und tolerantes muslimisches Land. Allerdings beginnt dieses Image zu verblassen. Die malaysische Gesellschaft teilt sich immer mehr in die malaiische Mehrheit (die weiterhin von der Regierung klar bevorteilt wird) und die chinesischen und indischen Minderheiten sowie die einheimischen Stammesbevölkerung, die größtenteils im östlichen Teil Malaysias lebt; sie alle werden diskriminiert. In der Tat ist Rassismus eine alltägliche Erfahrung für die ethnischen Minderheiten in Malaysia. Christen sind zum Teil durch diese Spannungen betroffen, da die meisten von ihnen entweder zu den einheimischen Stammesgruppen gehören oder indischer oder chinesischer Abstammung sind.

Betroffene Kategorien von Christen

In Malaysia leben alle vier Kategorien von Christen und alle erleben Verfolgung: Aus Arbeitsmigranten oder ausländischen Christen bestehende Kirchen haben manchmal Schwierigkeiten, rechtlich anerkannt zu werden. Traditionelle Kirchen und protestantische Freikirchen leiden ebenfalls unter bestimmten Formen von Diskriminierung. Die Gruppe der Christen anderer religiöser Herkunft (größtenteils Konvertiten aus dem Islam) leidet am meisten durch ihre Familien, Nachbarn und durch die Behörden.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

  • Der Druck auf Christen bewegt sich generell auf sehr hohem Niveau, ist aber im Berichtszeitraum noch einmal deutlich angestiegen.
  • In den Bereichen Familienleben, Leben im Staat und Gesellschaftliches Leben werden Christen am intensivsten bedrängt. Während der Druck im Bereich Leben im Staat typisch ist für Länder, in denen „diktatorische Paranoia“ großen Einfluss hat, resultiert der Druck im Familienleben, im gesellschaftlichen Leben und im Privatleben hauptsächlich aus dem Glaubenswechsel, den christliche Konvertiten aus dem Islam oder anderen Religionen vollzogen haben.
  • Die Punktwertung für die physische Gewalt bleibt unverändert auf einem niedrigen Niveau. Es gab keine Morde an Christen, aber immer wieder wurden Konvertiten entführt und teilweise von ihren Familien unter Hausarrest gestellt.
  • Die allgemeine Verfolgungssituation wird durch die Regierung angefacht, die sich immer stärker einer konservativen Form des Islam zuwendet, um an der Macht zu bleiben.

Ausblick

Die Jugendorganisation der Regierungspartei UMNO scheint dem Konzept des „friedlichen Salafismus“ folgen zu wollen – für Christen und andere Minderheiten eine besorgniserregende Entwicklung. Der „Islamische Staat“ dringt weiter in Malaysia vor und sein erster Angriff auf ein Café in Selangor im Juni 2016 schickte Schockwellen durch das Land. Obwohl Malaysia einwilligte, zusammen mit Indonesien und den Philippinen gemeinsame See-Patrouillen gegen Aktivitäten von Islamisten zu entsenden und die Polizei Unterstützer des IS verhaftet, wächst die Gefahr. Folglich wird die Situation in Malaysia unberechenbar bleiben, da die Haupttriebkraft der Verfolgung, die Islamische Unterdrückung, weiter aktiv bleibt. Dies wird künftig zu mehr Herausforderungen und Bedrohungen für die christliche Minderheit führen.

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Meldungen zu Malaysia

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Malaysia
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(Open Doors, Kelkheim) – Der 62-jährige Pastor Raymond Koh Keng Joo wurde am 13. Februar von maskierten Männern in der Stadt Petaling Jaya in Malaysia entführt.

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15.000 Bibeln beschlagnahmt

Im südostasiatischen Malaysia wurden in den vergangenen Monaten 15.000 Bibeln von Zollbehörden beschlagnahmt, weil sie das Wort "Allah" enthalten.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 60 Punkten belegt Malaysia Platz 31 auf dem Weltverfolgungsindex 2017. Das entspricht einem Anstieg um 2 Punkte gegenüber dem Jahr 2016 (58), als Malaysia Rang 30 einnahm. Dieser Anstieg liegt in einem höheren Druck auf Christen in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Gesellschaftliches Leben“ begründet.

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2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung: Malaysia gilt immer noch als das beste Beispiel für ein liberales und tolerantes muslimisches Land. Allerdings beginnt dieses Image zu verblassen; im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex (WVI) 2017 hat es weiter Schaden genommen. Das liegt unter anderem an den Bemühungen, das islamische Strafrecht der Scharia (hudud) im Bundesstaat Kelantan einzuführen. Die Einführung setzt zunächst einige Ergänzungen an Bundesgesetzen voraus und hat daher im Jahr 2016 keine weiteren Fortschritte gemacht. Dennoch sind die Bemühungen Beleg eines wachsenden islamischen Konservatismus. Der Verfassung zufolge steht das Scharia-Recht nicht auf einer Stufe mit der Zivilgesetzgebung, aber in der Praxis ist diese Regelung außer Kraft gesetzt. Dies wird besonders bei Sorgerechtsstreitigkeiten sichtbar, in denen Zivilgerichte normalerweise den Müttern das Sorgerecht zusprechen. Deswegen konvertieren manche Väter zum Islam, da sie als Muslime vor einem Scharia-Gericht sicher sein können, dass das Sorgerecht ihnen gewährt wird. Auch die Polizei bevorzugt diese Variante, da sie am wenigsten Unruhe verursacht. Das wirft Fragen nach dem Stellenwert des Gesetzes und den Zustand der Rechtsstaatlichkeit in Malaysia auf. Es gab jedoch einige Ansätze, diese Probleme zu lösen, indem ein Komitee damit beauftragt wurde, Lösungen zu erarbeiten.

In der Öffentlichkeit kaum bekannt ist die Existenz von islamischen Umerziehungslagern in Malaysia. Dort können Muslime, die nicht den Ansprüchen der „umma“ (muslimische Gemeinschaft), ihrer Familien oder dem gesellschaftlichen Umfeld genügen bis zu drei Jahre lang isoliert festgehalten werden. Das kann Muslime betreffen die ihren Familien oder anderen maßgeblichen Personen zufolge zu viel trinken oder zu viel rauchen, aber auch Muslime, die Christen geworden sind. Obwohl es nur wenige öffentliche Informationen über diese Lager gibt, sind wohl psychischer und manchmal auch physischer Missbrauch Bestandteil des dortigen Alltags. Weiter Bestand hat das gegen eine katholische Zeitung verhängte Verbot, das allgemein gebräuchliche Wort „Allah“ für Gott in der malaiischen Sprache zu verwenden. Nach der Bestätigung des Urteils durch den obersten Gerichtshof im Januar 2015 kam es zu einer Reihe weiterer Gerichtsverfahren, unter anderem im Bundesstaat Sabah. Im Dezember 2015 hielt der Malakka Campus der Technischen Universität von Mara ein „Anti-Christianisierungs-Seminar“ nur für Muslime ab, was zu einem öffentlichen Aufschrei führte. Dass der radikale Islam und Konservatismus auf dem Vormarsch sind, zeigte sich erneut im Juni 2016. Bei einem vom sogenannten „Islamischen Staat“ inspirierten Angriff wurden acht Menschen verletzt, die Nation war schockiert.

Diktatorische Paranoia: Während „Diktatorische Paranoia“ in Malaysia derzeit keine aktive Triebkraft der Verfolgung ist, muss man sie dennoch im Blick behalten, um die Situation des Landes voll zu erfassen. Die herrschende Koalition namens UMNO („United Malays National Organisation“) regiert das Land seit seiner Unabhängigkeit 1957. Sie besteht aus einer muslimischen Partei und kleineren chinesischen und indischen Parteien und stand nie einer Opposition gegenüber. Daher kann die Bedeutung der Wahlen von 2008 und 2013 nicht überschätzt werden: Zum ersten Mal erschien eine nennenswerte Opposition auf der Bildfläche, die jetzt sogar einige Bundesstaaten regiert. Dies führte zu panikartigen Reaktionen auf Seiten der Regierung: Sie betonte neu ihre Politik der bevorzugten Behandlung der malaiischen Bevölkerung, anstatt eine Politik der Gleichberechtigung zu betreiben. Premierminister Najib Razak versucht immer noch, die Auswirkungen eines Korruptionsskandals zu überstehen, über den das Wall Street Journal im Juni 2015 berichtete. Der Bericht spricht von Dokumenten, denen zufolge 700 Millionen US-Dollar aus einem staatlichen Fonds auf die Privatkonten des Ministers transferiert worden sein könnten. Aus diesem Grund forderte Razak eine Woche nach Erscheinen des Berichts, der Koran solle als Grundlage der Politik Malaysias dienen. Die UMNO setzt mehr und mehr auf religiöse und radikale Positionen, um an der Macht zu bleiben. Diese Strategie ist sehr riskant, in jedem Fall hat sie die Lage der christlichen Minderheit bereits massiv beeinflusst. Die großen „Bersih“ Proteste gegen die regierende UMNO und mögliche Forderungen nach einer vorgezogenen Neuwahl im Jahr 2017 werden weiter dazu beitragen, diese Triebkraft zu aktivieren.

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3. Aktuelle Einflüsse

Die malaysische Gesellschaft teilt sich mehr und mehr in die malaiische Mehrheit, die weiterhin klar von der Regierung bevorzugt wird, und die chinesischen und indischen Minderheiten sowie die einheimische Stammesbevölkerung, die hauptsächlich im östlichen Teil Malaysias lebt. Die letztgenannten werden allesamt diskriminiert. In der Tat ist Rassismus eine alltägliche Erfahrung für ethnische Minderheiten in Malaysia. Einem Mitglied der Opposition im Bundesstaat Selangor zufolge werden rassenbestimmte Politik und Hass so lange weitergehen, wie rassenbasierte Parteien das Land regieren. Christen sind besonders von diesen Spannungen betroffen, da sie entweder den Stammesgruppen angehören oder chinesischer oder indischer Herkunft sind. Derzeit scheint die herrschende UMNO ihre Macht gefestigt zu haben, der Ausgang der Wahlen 2018 ist allerdings völlig offen. Die Opposition bleibt gespalten und trotz aller Anstrengungen bis hin zur Gründung einer neuen Partei als Abspaltung von der UMNO, konnte sie nicht von den Schwächen der Regierung profitieren.

Der große Skandal um einen Entwicklungsfonds mit dem Namen „1MDB“ überschattet immer noch die politische Szene, besonders da internationale Ermittlungen in der Schweiz und in den USA weitergehen. Der Ruf von Premierminister Razak hat darunter allerdings bislang nicht entscheidend gelitten. Im März 2016 wurde die Online-Nachrichtenseite „The Malaysian Insider“ (MI) durch die Regierung blockiert, auf Grund von Sorgen um die nationale Sicherheit. MI war als eine der größten Nachrichtenseiten in englischer Sprache bekannt für seine kritische Haltung gegenüber Premierminister Razak. Dies geschah zu einer Zeit, als das Wall Street Journal die Anschuldigungen von MI wiederholte, dass mehr als eine Milliarde US-Dollar aus unklaren Quellen auf mehrere Bankkonten Razaks überwiesen worden waren. Die malaiische Nachrichtenseite stellte kurz darauf alle Publikationen ein. Malaysia betreibt eine Förderpolitik, bei der „Bumiputera“ (die „Söhne des Bodens“), bestehend aus Malaien und Stammesangehörigen, in den Bereichen Wohnungsbau, Schulen sowie anderen Regierungsvorhaben bevorzugt werden.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

Es gibt alle vier Kategorien von Christen in Malaysia und alle erleben Verfolgung:

Gemeinschaften ausländischer Christen und Arbeitsmigranten: Nepalesische und vietnamesische Christen treten meist den traditionellen christlichen Kirchen bei. Da es aber Nationalitäten gibt, die ihre eigenen, selbstständigen Gemeinden haben, werden sie als eine eigenständige Kategorie von Christen behandelt. Hin und wieder haben sie Probleme, als legale Gruppierung anerkannt zu werden; im Allgemeinen können sie ihren Glauben aber frei leben, solange dies innerhalb ihrer Privat- bzw. Versammlungsräume geschieht.

Christen aus traditionellen Kirchen: Beispiele sind die Römisch-Katholische Kirche, die Anglikanische Kirche, die Methodistische Kirche sowie lutherische oder protestantische Kirchen in Sabah. Sie sind weniger von Verfolgung betroffen als Christen aus protestantischen Freikirchen oder Gemeinden mit Konvertiten, aber sie leiden unter Benachteiligung.

Christen muslimischer Herkunft: Die Christen muslimischer Herkunft erleiden die stärkste Verfolgung, meist bedingt durch die Familie, Freunde, Nachbarn und die Behörden.

Christen aus protestantischen Freikirchen (wie evangelikale, baptistische und Pfingst- Gemeinden): Beispiele sind die „Assemblies of God“, die Heilsarmee, Sabah Injil Borneo und andere. Sie sind häufig Überwachung, Diskriminierung, Einschüchterungen und Belästigungen ausgesetzt.

Um das Christentum in Malaysia besser zu verstehen, ist eine weitere Erläuterung notwendig. In Malaysia ist es hilfreich, Unterscheidungen anhand von geographischer Lage und Herkunft zu treffen. Die Mehrheit der Christen stammt aus einem „Bumiputra“ Hintergrund, wörtlich übersetzt sind sie die „Söhne des Bodens“. Das bedeutet, dass sie zum Land bzw. zur ethnischen Stammesbevölkerung gehören. Aus Sicht der Regierung haben sie damit Anspruch auf Förderungen wie bezuschusste Häuser, Stipendien usw., aber in der Praxis gilt das nur, wenn die Bumiputra keine Christen sind. Werden sie Christen, führt dies schnell zu einer Einschränkung ihrer Privilegien. Nicht-Bumiputra Christen gehören meist den chinesischen und indischen Minderheiten an und gliedern sich in eine Fülle von unterschiedlichen Denominationen, deren Größe von kleinen Hausgemeinden bis zu Mega-Gemeinden reicht. Auch die geographische Lage spielt eine wichtige Rolle. Die meisten Bumiputra-Christen leben in den Bundesstaaten Sabah und Sarawak, in letzterem sind die Mehrheit immer noch Christen. Diese Bundesstaaten bilden Ost-Malaysia und liegen auf der Insel Borneo (die mit Brunei und Indonesien geteilt wird). Die Situation wird komplizierter, da viele Bumiputra wegen Bildungsfragen und aus wirtschaftlichen Gründen nach West-Malaysia umsiedeln. Malaiische Christen muslimischer Herkunft vervollständigen das Bild der malaysischen Kirche. Diese Konvertiten sind einem hohen Maß an Verfolgung ausgesetzt, da ihre Entscheidung zum Glaubenswechsel als Verrat an ihrer Volksgruppe und ihrer Nation gesehen wird.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 10.729
Familienleben: 13.862
Gesellschaftliches Leben: 11.298
Leben im Staat: 12.826
Kirchliches Leben: 9.740
Auftreten von Gewalt: 2.037

Grafik: Verfolgungsmuster Malaysia

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenspiel der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster Malaysia:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen bleibt auf einem sehr hohen Niveau und stieg im Berichtszeitraum des WVI 2017 von 10,243 (WVI 2016) auf 11,691.
  • In den Bereichen Familienleben, Leben im Staat und Gesellschaftliches Leben werden Christen am intensivsten bedrängt. Während der Druck im Bereich Leben im Staat typisch ist für Länder, in denen „diktatorische Paranoia“ großen Einfluss hat, resultiert der Druck im Familienleben, im gesellschaftlichen Leben und im Privatleben hauptsächlich aus dem Glaubenswechsel, den christliche Konvertiten aus dem Islam oder anderen Religionen vollzogen haben.
  • Die herrschende Islamische Unterdrückung wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus. Dies wird zusätzlich durch die Regierung verstärkt, die sich immer stärker einer konservativen Form des Islam zuwendet, um an der Macht zu bleiben. Gleichzeitig will sie sich dadurch die Unterstützung der ethnischen Malaien sichern, bei denen die Ablehnung gegen die regierende Partei wächst (zum Beispiel wegen Korruption).
  • Die Punktwertung im Bereich des Privatlebens ist niedriger als im Berichtszeitraum des WVI 2016; dies ist jedoch höchstwahrscheinlich auf die geringe Zahl tatsächlich gemeldeter Übergriffe zurückzuführen, denen eine hohe Dunkelziffer gegenübersteht. Die Punktwertung im „Leben im Staat“ und – in einem geringeren Maß – in den Bereichen Familienleben und Gesellschaftliches Leben ist gestiegen. Letzteres liegt besonders an den fortgesetzten Bemühungen, das Scharia-Recht in Bundesstaat Kelantan einzuführen.
  • Die Punktwertung für Gewalt bleibt unverändert auf einem niedrigen Niveau (2,037). In mehreren Fällen wurden Konvertiten entführt und von ihren Familien unter Hausarrest gestellt.

Privatleben: Laut Gesetz ist es malaiischen Muslimen in allen Bundesstaaten außer Sarawak verboten, den Islam zu verlassen. Eine politische Partei, die Pan-Malaysian Islamic Party (PAS), fordert sogar die Todesstrafe für ein solches „Vergehen“. Konvertiten malaiischer Abstammung können sich nicht an öffentlichen Aktivitäten von Kirchen beteiligen. Andernfalls gehen sie und die Kirche, die sie aufgenommen hat, ein hohes Risiko ein. Im Fall einer Entdeckung durch die Behörden drohen beiden schwere Konsequenzen. Daher versammeln sich Christen muslimischer Herkunft für alle christlichen Treffen heimlich in Privathäusern, verborgen vor den neugierigen Augen der Regierung, der Gesellschaft und der registrierten Kirchen. Diese Christen müssen sorgfältig darauf achten, wie sie anbeten, besonders wenn sie in ihrer Familie die einzigen Christen sind. Eine Bibel und andere christliche Literatur muss gut versteckt werden und kann nur mit großer Vorsicht gelesen werden, da streng muslimische Familien dies nicht dulden. Wenn ein Christ, der sich vom Islam abgekehrt hat, seinen neuen Glauben gegenüber seiner Familie bekennt, riskiert er drastische Strafen. Üblich ist eine Form von Hausarrest; zudem besteht die Möglichkeit, dass er in ein islamisches „Reinigungszentrum“ geschickt wird, wo er gezwungen werden soll, wieder zum Islam zurückzukehren. Christen mit muslimischem Hintergrund können von einem Tag auf den anderen verschwinden, ohne dass irgendjemand über ihren Aufenthaltsort informiert ist.

Familienleben: Jeder Malaysier hat einen Personalausweis, auf dem seine Religionszugehörigkeit durch die staatliche Meldebehörde festgehalten wird. Wenn ein Ehepaar, in dem einer der Partner Muslim ist (entweder durch Geburt oder Konversion), ein Kind bekommt, wird dieses Kind laut Gesetz automatisch als Muslim registriert. Falls ein als Muslim registrierter Bürger dies ändern lassen möchte, muss er ein langwieriges Gerichtsverfahren anstrengen – ohne große Aussichten auf Erfolg. Etwas Hoffnung für Betroffene brachte der Fall von Rebit Rooney, den das höchste Gericht von Sarawak im März 2016 positiv entschied. Allerdings muss angemerkt werden, dass nach Einschätzung einiger Beobachter solch ein Fall in West-Malaysia anders ausgegangen wäre. Die Meldebehörde stellt außerdem Sterbeurkunden aus. Wenn die verstorbene Person als Muslim registriert war, wird die Islambehörde informiert. Da Muslime nach islamischem Ritus beerdigt werden müssen, ist die Islambehörde befugt, einer nicht-muslimischen Familie den Leichnam wegzunehmen, um eine „angemessene“ Beerdigung des Verstorbenen zu gewährleisten. Verheiratete Christen muslimischer Herkunft können zudem zur Scheidung gezwungen werden und sie verlieren ihre Erbrechte, wenn sie entdeckt werden. Eine Taufe, eine christliche Hochzeit oder eine Beerdigung zu organisieren kann schwierig oder sogar unmöglich werden. Konvertiten können isoliert und von ihren Familien verstoßen, oder sie können sogar in islamische „Reinigungslager“ (gemeint sind Umerziehungslager) geschickt werden. Kinder von Konvertiten müssen den Islamunterricht in der Schule besuchen und es einigen Berichten zufolge, werden christliche Kinder dort unter Druck gesetzt, zu konvertieren.

Einige Christen aus den Eingeborenenstämmen, besonders in Sabah, werden durch Tricks zu Muslimen gemacht. Um finanzielle Hilfen der Regierung zu erhalten, gaben einige ihre Personalausweise ab und unterzeichneten ein Formular, das sich später als Absichtserklärung entpuppte, zum Islam zu konvertieren. Bei der Rückgabe ihrer Ausweise, bemerkten sie den neuen Eintrag „Islam“ bei der Religionszugehörigkeit. Als sie dies ändern lassen wollten, wurde ihnen von der staatlichen Meldebehörde mitgeteilt, dass ihre Religionszugehörigkeit nur mit Zustimmung der Scharia-Gerichte geändert werden könne –ein absolut undenkbarer Vorgang.

Gesellschaftliches Leben: Christen werden sowohl von staatlichen Behörden als auch von lokalen muslimischen Gruppierungen und malaiischen Gruppen überwacht, die für die Rechte des Islam eintreten (z.B. Perkasa und ISMA). Es gibt einen wachsenden Druck durch die Regierung, sich züchtig zu kleiden. In entlegenen Gebieten in Sabah und Sarawak, haben malaiische Gemeinschaften Zugang zu Wasser und Elektrizität, aber einigen als Christen bekannten Gemeinschaften wird dieser Zugang verweigert. Um für höhere Bildung und Stipendien zugelassen zu werden, müssen Christen weitaus höhere Hürden meistern als Muslime, bedingt durch die Förderungspolitik der Regierung für Malaien. Muslime sind von bestimmten Steuern ausgenommen, da sie Zakat (für Muslime vorgeschriebene Almosenspende) bezahlen; zudem profitieren sie von einer verringerten Einkommenssteuer, während alle anderen die volle Einkommenssteuer bezahlen müssen. Christen mit muslimischem Hintergrund werden von ihrer Familie, Freunden und Nachbarn massiv unter Druck gesetzt, ihren christlichen Glauben zu widerrufen. Auch im geschäftlichen Leben erfahren Christen Diskriminierung und haben keine Aussicht auf höhere Positionen im Regierungsdienst.

Leben im Staat: Die Verfassung definiert ethnische Malaien als Muslime. Daher wird Malaien das Recht verwehrt, den Islam zu verlassen und eine andere Religion anzunehmen. Außerdem verbietet die Verfassung Angehörigen anderer Religionen, ihren Glauben unter malaiischen Muslimen zu verbreiten. Muslimen dagegen ist es erlaubt, den Islam überall im Land zu verbreiten. Das Scharia-Recht hat ebenso Gültigkeit wie das Zivilrecht; darüber hinaus ist das Parlament noch zu keiner Entscheidung über den sogenannten „hudud-Erlass“ gekommen, der die Einführung des islamischen Strafrechts im Bundesstaat Kelantan vorsieht. Auf Webseiten von Islamrechtsgruppen und Medien in Regierungsbesitz werden Christen regelmäßig verleumdet. So sind z.B. Gerüchte verbreitet worden, dass Christen und Juden „Malaysia übernehmen“ wollen. Dies geschah auch in einem Seminar, das auf dem Malakka Campus der Technischen Universität Mara gehalten wurde. Das Thema dort lautete, bezogen auf Malaysia: „Die Gefahr der Christianisierung“.

Die strengen Gesetze des Landes zur Volksverhetzung sind häufig von internationalen Beobachtern verurteilt worden. Allerdings ist es in zahlreichen Fällen, bei denen Hass gegen Christen gesät und rassenbezogene wie auch religiöse Vorurteile gegen Christen verbreitet wurden, nie zu einer entsprechenden Anklage gekommen. Jeder Akt, jede Rede oder Publikation, die als Diskreditierung der Regierung oder der neun wie Königshäuser angesehene Sultane Malaysias aufgefasst wird, sind gesetzlich verboten. Gleiches gilt für das Säen von Hass zwischen Rassen und Religionen – doch die Anwendung der Gesetze geschieht nur sehr einseitig. Die herausgehobene Position der malaiischen Mehrheit und der Einwohner von Sabah und Sarawak in Frage zu stellen, gilt ebenfalls als Volksverhetzung. Auch Regierungskritiker wurden wegen Volksverhetzung angeklagt. Eingeborene sehen sich unterdessen aggressiven Versuchen ausgesetzt, sie zum Übertritt zum Islam zu bewegen. Davon sind besonders diejenigen betroffen, die in den Westen umgesiedelt sind; hier ist es leicht, ihre soziale Isolation und wirtschaftlich schwache Stellung auszunutzen. Auf lange Sicht könnte dadurch die christliche Bevölkerung schrumpfen, besonders in Ost-Malaysia.

Kirchliches Leben: Die meisten protestantischen Freikirchen sind nicht als Kirchen registriert sondern arbeiten als Organisationen oder als Gemeindezentren. Dazu kaufen sie oft Geschäftsräume oder Fabrikgrundstücke, um von dort aus zu arbeiten. Während die meisten Gemeinden überwacht werden, erleben sie keine Beschränkungen ihrer Gottesdienste. Allerdings ist es unmöglich, malaiische Konvertiten offen zu integrieren. Jeder Druck von christlichem Material erfordert eine Zustimmung der Regierung. Der Import von Literatur in malaiischer Sprache ist generell eingeschränkt, dies betrifft besonders die Einfuhr von Bibeln und christlichen Büchern aus Indonesien, von wo die meiste Literatur stammt. Kürzlich hat die Regierung eine Dienstanweisung erlassen, nach der alle importierten christlichen Publikationen (die malaiische Bibel eingeschlossen) durch die Koranabteilung des Heimatministeriums überprüft werden müssen. Trotz Einwänden von Kirchenleitern fuhr die Regierung mit der Umsetzung dieser Anweisung fort. Außerdem ist der Gebrauch des Wortes „Allah“ für Gott den Christen praktisch verboten, nachdem das oberste malaysische Gericht im Jahr 2015 ein entsprechendes Urteil gegen eine katholische Zeitung bestätigte. Das geschah ungeachtet der Tatsache, dass dieser Begriff über hunderte von Jahren in Bibeln und anderen christlichen Publikationen verwendet wurde – und in der indonesischen Bibel weiterhin verwendet wird, die viele malaysische Christen nutzen.

Auftreten von Gewalt: Die Punktwertung für Gewalt bleibt unverändert auf einem niedrigen Niveau. In mehreren Fällen wurden Konvertiten entführt und durch ihre Familien unter Hausarrest gestellt. Einige Christen mit muslimischem Hintergrund fühlten sich derart bedroht, dass sie das Land verließen.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Die Jugendorganisation der Regierungspartei UMNO scheint dem Konzept des „friedlichen Salafismus“ folgen zu wollen – für Christen und andere Minderheiten eine besorgniserregende Entwicklung. Anlass zur Sorge gibt auch die Aussage des Staatsmufti von Pahang, der im Juni 2016 öffentlich den Dschihad gegen die „kafir harbi“ zur Pflicht aller Muslime erklärte; damit sind dem Wortsinn nach die „ungläubigen Feinde“ gemeint. Er versuchte zwar schnell, seine Aussage zu relativieren, in dem er sagte, er haben auf keinem Fall dazu aufrufen wollen, Nicht-Muslime zu töteten. Dennoch ist bemerkenswert, dass er weder öffentlich von den Behörden zurechtgewiesen noch unter dem bereits erwähnten Gesetz gegen Volksverhetzung angeklagt wurde. Dies ist wiederum ein Beispiel für die wachsende diktatorische Paranoia, da das Gesetz nur bei Angriffen gegen die Regierung angewendet wird.

Der „Islamische Staat“ dringt weiter nach Malaysia vor. Im Juni 2016 verübte er seinen ersten Anschlag, bei dem eine Handgranate in einem Café explodierte und acht Menschen verletzte. Die Tat sandte Schockwellen durch die Gesellschaft und die Behörden. Obwohl Malaysia einwilligte, zusammen mit Indonesien und den Philippinen gemeinsame See-Patrouillen gegen Aktivitäten von Islamisten zu entsenden und die Polizei Unterstützer des IS verhaftet, wächst die Gefahr. Folglich wird die Situation in Malaysia unberechenbar bleiben, da die Haupttriebkraft der Verfolgung, die Islamische Unterdrückung, weiter aktiv bleibt. Dies wird künftig zu mehr Herausforderungen und Bedrohungen für die christliche Minderheit führen.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Malaysia:

  • für den Schutz von Treffen der neuen Christen. Beten Sie dafür, dass diese Zeiten der Gemeinschaft ermutigend sind und Einheit schaffen.
  • für die neuen Christen, die oft aus ihrem Zuhause vertrieben werden, von ihren Familien isoliert und manchmal in islamische Umerziehungslager geschickt werden. Beten Sie für Kraft und Mut.
  • Malaysia hat in der letzten Zeit eine wachsende politische, soziale und religiöse Instabilität erlebt. Die Verfassung sieht alle eingeborenen Malaien als Muslime. Deswegen haben Malaien nicht die Freiheit den Islam zu verlassen und diejenigen, die eine andere Religion praktizieren, dürfen ihren Glauben nicht unter Malaien verkündigen. Bitte beten Sie für Veränderung in Malaysia.

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