Länderprofil Myanmar

Myanmar

28
Weltverfolgungsindex
2017
Flagge Myanmar
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Republik
Rang Vorjahr
23
ISO
MM
Karte Myanmar
Karte Myanmar
Christen
4,37
Bevölkerung
54.84
Religiös motivierter Nationalismus
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 9.167
Familienleben: 9.856
Gesellschaftliches Leben: 12.821
Leben im Staat: 10.352
Kirchliches Leben: 11.198
Auftreten von Gewalt: 9.074

Berichtszeitraum: 1. November 2015 – 31. Oktober 2016

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

62 Punkte / Platz 28 (WVI 2016: 62 Punkte / Platz 23)

Triebkräfte der Verfolgung

Die Triebkräfte der Verfolgung in Myanmar sind insbesondere „Religiös motivierter Nationalismus“ und in geringerem Ausmaß „Diktatorische Paranoia“ und „Islamische Unterdrückung“.

Aktuelle Einflüsse

Am 8. November 2015 sah Myanmar bei den ersten freien Wahlen seit 25 Jahren einen überwältigenden Sieg für die Oppositionspartei „National League for Democracy“ (NLD) unter Aung San Suu Kyi. Überraschenderweise ernannte die NLD einen baptistischen Christen, der der Volksgruppe der Chin angehört, zum Vizepräsidenten. Auch das Oberhaus des Parlaments wird ein Christ anführen. Ende August 2016 fand die 21st Century Panglong Conference statt, die jedoch die wichtigste Frage unbeantwortet ließ: Wie Vertrauen zwischen der burmesischen Armee, den ethnischen Minderheiten und den Aufständischen geschaffen werden kann.

Betroffene Kategorien von Christen

Alle im Weltverfolgungsindex untersuchten Kategorien von Christen existieren in Myanmar, aber da ausländische und eingewanderte Christen lokale Kirchen besuchen, werden sie hier nicht als eigene Kategorie aufgeführt. Von der Verfolgung sind auch Christen aus traditionellen Kirchen betroffen, insbesondere jedoch Gemeinschaften von Christen mit muslimischem oder buddhistischem Hintergrund und Mitglieder protestantischer Freikirchen.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

  • Der Druck auf Christen in Myanmar ist auf einem hohen Niveau und im Vergleich zum vergangenen Jahr extrem angestiegen. Der Anstieg lässt sich auf die Einführung des Gesetzes zum Schutz von Rasse und Religion zurückführen und ist durch eine deutlich höhere Zahl an Berichten zur Situation von Christen mit muslimischem oder buddhistischem Hintergrund im aktuellen Berichtszeitraum bedingt.
  • Der Druck zeigt sich in den Bereichen des gesellschaftlichen Lebens und des kirchlichen Lebens am stärksten (sehr hoher Druck), gefolgt vom Bereich Leben im Staat (hoher Druck). Dieses Muster ist nicht typisch für eine bestimmte Verfolgungstriebkraft, es spiegelt aber die Situation der christlichen Minderheit wider, die vom anhaltenden Krieg in mehreren Staaten des Landes stark betroffen ist.
  • Der Wert für Gewalt ist im Vergleich zum vorangegangenen Berichtszeitraum um über sechs Punkte zurückgegangen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass es aufgrund der verstärkten Kämpfe, insbesondere in den Staaten Kachin und Shan, sehr viel schwieriger war, Berichte über getötete Christen und Angriffe auf Kirchen zu erhalten und zu überprüfen.

Ausblick

Myanmar war auch weiterhin positiv in den internationalen Schlagzeilen. Die ersten richtigen Wahlen seit 25 Jahren waren größtenteils frei und fair und geben Hoffnung auf weitere Verbesserungen. Obwohl die extremistisch-nationalistischen Buddhisten der Gruppe Ma Ba Tha kürzlich zurechtgewiesen wurden, hat sich die Regierung auf ihre Seite gestellt und verlangt, dass die muslimische Minderheit der Rohingya nicht weiter Rohingya sondern „Bengali“ genannt werden soll. Dies impliziert, dass sie nicht zur Bevölkerung Myanmars gehören, obwohl die Volksgruppe seit Generationen im Land lebt. Dies ist kein gutes Vorzeichen für die Christen, die oftmals ebenfalls aus ethnischen Minderheiten stammen. Die Triebkraft des Religiös motivierten Nationalismus wird demnach weiterhin für Druck auf sie sorgen.

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Myanmar: Systematische Verfolgung

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 62 Punkten belegt Myanmar auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2017 Platz 28. Im vergangenen Jahr nahm Myanmar mit der gleichen Wertung Platz 23 ein. Obwohl das Level der Gewalt aufgrund von Schwierigkeiten, Berichte aus den Kriegsgebieten zu erhalten, deutlich gesunken ist, hat die Wertung insgesamt nicht abgenommen. Dies bedeutet, dass der Druck in fast allen Lebensbereichen stärker geworden ist. Die größte Zunahme findet sich in den Bereichen des gesellschaftlichen und des kirchlichen Lebens.

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2. Triebkräfte der Verfolgung

Religiös motivierter Nationalismus: Der Buddhismus ist eng mit der nationalen Identität verknüpft und es gibt buddhistische Gemeinwesen, die rein buddhistisch bleiben wollen. Diese Haltung wird im Allgemeinen von extremistischen Buddhisten aufrechterhalten und von der Regierung toleriert – und in gewissem Ausmaß sogar unterstützt. Die Bevölkerungsmehrheit in Myanmar (ca. 60%) ist ethnisch gesehen birmanisch, auch „bama“ genannt. Bama sein heißt buddhistisch sein. Jeder, der von diesem Erbe abweicht, wird als potentiell gefährlich eingestuft. Druck kommt von zwei Seiten: Zum einen von der Gesellschaft, einschließlich der vormals als „969“, jetzt als „Ma Ba Tha“ bezeichneten Bewegung extremistischer buddhistischer Mönche, zum anderen von der Regierung. Diese versucht, ein gutes Verhältnis zu solchen Bewegungen herzustellen, obwohl es inzwischen einige Anzeichen von Rissen in der Beziehung gibt. Das deutlichste Zeichen für den weiterhin starken Einfluss extremistisch-buddhistischer Bewegungen ist die Einführung und Umsetzung der Gesetze „zum Schutz von Rasse und Religion“ (siehe auch Abschnitt 5: Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt).

Diktatorische Paranoia: Myanmar blickt auf eine lange Geschichte von Militärregierungen zurück. Während die neugewählte Regierung nicht als paranoid bezeichnet werden kann, ist Myanmar eines der wenigen Länder, in denen nicht die Regierung von Diktatorischer Paranoia betroffen ist, sondern das Militär. Gemäß der Verfassung des Landes, die von der „Tatmadaw“, der burmesischen Armee, geschrieben wurde, werden ein Viertel der Sitze im Parlament von Armeeangehörigen besetzt und dazu auch die wichtigsten Regierungsstellen. Dazu gehören das Verteidigungsministerium, aber auch das Innenministerium und das Ministerium für Grenzangelegenheiten. Die Tatsache, dass die Armee trotz aller Hoffnungen hinsichtlich Demokratie und Teilnahme von Minderheiten an den Wahlen ihren Kampf gegen die ethnischen Minderheiten, zu denen auch die Christen gehören, fortgesetzt und sogar intensiviert hat – selbst während der Friedenskonferenz im September 2016 – verdeutlicht, wo die wahre Macht in Myanmar liegt.

Das Militär wird alles tun, um die Macht zu behalten, und sich dabei – falls notwendig – auch auf den buddhistischen Nationalismus oder das ethnische Erbe berufen. Die Regierung unterhält weiterhin sogenannte Na-Ta-La-Schulen (Schulen in Grenzgebieten zur Entwicklung Jugendlicher aus einheimischen Volksgruppen), die für Minderheiten der Bevölkerung attraktiv sind, da sie keine Gebühren erheben. Diese Schulen werden genutzt, um junge Menschen zu beeinflussen und sie in den Buddhismus einzuführen. Das Militär setzt seine Taktik der Schwächung aufständischer ethnischer Minderheiten fort, indem Jugendliche aus diesen Minderheiten drogenabhängig gemacht werden. Diese Praxis betrifft auch die Christen in Kachin. Weite Teile der Region Kachin gehören zu einem der zwei größten Anbaugebiete für Opium in Asien (zusammen mit Vietnam, Laos und Thailand). Dieses Gebiet ist weithin bekannt als das „goldene Dreieck“. Weite Teile des Landes sind in der Hand des Militärs. Da viele Rohstoffe wie Erz, Jade und Edelholz in den hauptsächlich von Christen bewohnten Territorien wie im Shan-Staat oder bei den Chin und Kachin vorkommen, erleben die Christen dort einen großen Druck vonseiten des Militärs. Sie werden schikaniert, attackiert und manchmal als Träger missbraucht – nicht nur aus ökonomischen Interessen. Unternehmen werden oftmals vom Militär oder von hochrangigen Politikern geleitet; die Vetternwirtschaft boomt. Es gibt kein Interesse daran, die Reichtümer des Landes mit der Bevölkerung zu teilen. Außerdem will die Regierung die Nation vereint halten.

Islamische Unterdrückung: Erstaunlicherweise spielt diese Triebkraft der Verfolgung in dem buddhistischen Staat weiterhin eine Rolle. Muslime erleben selbst starke Verfolgung durch buddhistische Extremisten. Im Berichtszeitraum kam es in Rakhine dabei sogar zu teils äußerst gewaltsamen Zusammenstößen. Weniger bekannt ist, dass es unter ihnen eine kleine Gruppe von Christen muslimischer Herkunft gibt. Sie werden zunächst aufgrund ihrer ethnischen Herkunft verfolgt, müssen aber zusätzlich vonseiten ihrer muslimischen Familien und Gemeinschaften starken Druck ertragen, ihren christlichen Glauben zu widerrufen.

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3. Aktuelle Einflüsse

Am 8. November 2015 sah Myanmar bei den ersten freien Wahlen seit 25 Jahren einen überwältigenden Sieg für die Oppositionspartei „National League for Democracy“ (NLD) unter Friedensnobelpreisträgerin und Freiheitsikone Aung San Suu Kyi. Dieses Ergebnis wird das Land für Jahre verändern und prägen. Die Regierungspartei USDP und die meisten ethnischen Parteien dagegen schnitten bei den Wahlen sehr schlecht ab und gewannen nur wenige Sitze. Da viele der ethnischen Minderheiten wie die Kachin, Chin und Karen überwiegend dem christlichen Glauben angehören, sind nun deutlich weniger Christen im Parlament vertreten als zuvor. Mit einem überraschenden Schritt ernannte die NLD jedoch einen baptistischen Christen, der der Volksgruppe der Chin angehört, zum Vizepräsidenten. Auch das Oberhaus des Parlaments wird ein Christ anführen. Suu Kyi beschloss, persönlich viele verantwortliche Positionen im Land selbst zu übernehmen, auch wenn die Verfassung es ihr untersagt, selbst als Präsidentin zu agieren. Stattdessen hat sie die Position einer „Staatsberaterin“ geschaffen, faktisch die Rolle einer Premierministerin mit großer Machtfülle. Zudem besetzte sie den Posten der Außenministerin, wodurch sie auch einen Sitz im einflussreichen Rat zur Nationalen Verteidigung und Sicherheit innehat. Zusätzlich ist sie „Ministerin im Büro des Präsidenten“ und war für kurze Zeit als Ministerin für Bildung und Energie im Amt. Einige der hohen Hoffnungen, die an die Wahlen gestellt wurden – mehr Demokratie, ein inklusives Verständnis von Gesellschaft, eine Stimme für ethnische Minderheiten in einem Land, das sich Richtung Föderalismus entwickelt – wurden enttäuscht.

Ein erster ernüchternder Fakt ist, dass das Militär weiterhin eine starke Position im Land behält. Dies basiert unter anderem auf dem in der Verfassung verankerten Recht der Armee auf drei wichtige Ministerien und 25 Prozent aller Sitze im Parlament. Auch während des Wahlkampfes und den Wahlen führte das Militär seine Angriffe gegen ethnische Minderheiten in den Staaten Kachin und Shan unvermindert fort. 2016 hat sich dieser Konflikt noch verschärft und sogar auf weitere Regionen ausgeweitet. Christen sind stark betroffen und das Level an Gewalt ist hoch.

Die Gruppierung „Ma Ba Tha“ unterstützt die USDP, den politischen Flügel des Militärs, und ist sogar so weit gegangen, davor zu warnen, die NLD zu wählen. Die Gruppe hat ihre Kampagnen gegen religiöse Minderheiten ausgeweitet, insbesondere gegen die Rohingya-Muslime. Die NLD stellte nicht einen einzigen muslimischen Kandidaten auf. Suu Kyi hat sich bislang nicht zu der Einführung der Gesetze „zum Schutz von Rasse und Religion“ geäußert, deshalb bleiben ethnische Minderheiten nur vorsichtig hoffnungsvoll. Allerdings sind ihre Erwartungen an Suu Kyi auch nicht allzu hoch, da sie weithin als Vertreterin des myanmarischen Adels wahrgenommen wird.

Aung San Suu Kyi hat angekündigt, dass sie den Versöhnungsprozess mit ethnischen Minderheiten im ganzen Land zu ihrer obersten Priorität machen will. Viele der ethnischen Minderheiten wie die Kachin, Chin und Karen sind mehrheitlich Christen. Im Mai 2016 wurde von der neuen Regierung ein „Nationales Versöhnungs- und Friedenszentrum“ eingerichtet, das das „Myanmar Friedenszentrum“ ersetzen soll, das versucht hatte, Einigungen zwischen den ethnischen aufständischen Gruppen zu erzielen. Am 31. August 2016 startete die fünftägige 21st Century Panglong Conference in der Hauptstadt Naypyidaw. Das Ziel der Konferenz war die Versöhnung zwischen bewaffneten Gruppen ethnischer Minderheiten, politischen Parteien, militärischen Offiziellen und Vertretern der Regierung. Solche Konferenzen sollen in Zukunft alle sechs Monate stattfinden. Zwei politische Parteien aus dem Staat Rakhine sprachen sich jedoch öffentlich gegen den Friedensprozess aus und drei bewaffnete Gruppen erfüllten nicht die geforderten Bedingungen. Diese hatte das Militär gestellt, was erneut ihre Macht über die Regierung zeigt. Die Regierung erwartete zudem offensichtlich keine großen Erfolge von der ersten Friedenskonferenz, was die Ansetzung der weiteren Treffen alle sechs Monate zeigt. Eine Fülle von Fragen muss noch immer geklärt werden, unter anderem die Rückkehr von Binnenflüchtlingen und Personen, die nach China geflohen sind. Viele von ihnen gehören zu christlichen Minderheiten. Noch wichtiger ist es jedoch, so schnell wie möglich einen Prozess der Vertrauensgewinnung zu starten, beispielsweise durch die Umsetzung einer landesweiten Waffenruhe.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

Alle im Weltverfolgungsindex untersuchten Kategorien von Christen existieren in Myanmar, aber da ausländische und eingewanderte Christen lokale Kirchen besuchen, werden sie hier nicht als eigene Kategorie aufgeführt.

Christen aus traditionellen Kirchen: Dazu gehören beispielsweise die Römisch-Katholische Kirche, aber auch traditionelle Kirchen unter den christlichen Minderheiten wie die Kachin Baptist Church. Diese Christen erleben Verfolgung in Form täglichen Drucks, gelegentlich aber auch gewalttätige Angriffe, sei es vom Militär oder von extremistischen buddhistischen Mönchen. Diese errichten in manchen Gegenden Tempel auf Grundstücken von Kirchen.

Christen mit anderem religiösen Hintergrund: Dies können Christen buddhistischer oder muslimischer Herkunft sein oder Christen, die aus dem Umfeld einer animistischen Religion stammen. Sie erfahren die stärkste Verfolgung, sowohl vonseiten der Behörden als auch von ihren Familien, Freunden und Nachbarn. Den Buddhismus zu verlassen, ist für Mitglieder des Bama-Volkes nicht akzeptabel.

Christen aus protestantischen Freikirchen: Hierunter fallen beispielsweise Baptisten, Evangelikale und Christen aus Pfingstgemeinden. Gemeinden wie Assemblies of God, die Methodisten oder Anglikaner sehen sich Verfolgung durch die Gesellschaft, in der sie leben, ausgesetzt, insbesondere in ländlichen Gebieten. Sie werden überwacht und es kommt beispielsweise vor, dass Zusammenkünfte oder das Abhalten der Sonntagsschule verhindert werden.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 9.167
Familienleben: 9.856
Gesellschaftliches Leben: 12.821
Leben im Staat: 10.352
Kirchliches Leben: 11.198
Auftreten von Gewalt: 9.074

Grafik: Verfolgungsmuster Myanmar

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenspiel der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster Myanmar:

  • Der Durchschnittswert für den Druck auf Christen in Myanmar ist auf einem hohen Niveau. Der Wert ist von 9,201 im vergangenen Jahr auf 10,679 angestiegen. Dieser Steigerung ist eine Folge der Einführung der Gesetze zum Schutz von Rasse und Religion, außerdem konnten mehr Berichte über die Situation von Christen mit nichtchristlichem Hintergrund gesammelt werden.
  • Der Druck zeigt sich in den Bereichen des gesellschaftlichen Lebens (12,821) und des kirchlichen Lebens (11,198) am stärksten (sehr hoher Druck), gefolgt vom Bereich Leben im Staat (10,352, hoher Druck). Dieses Muster ist nicht typisch für eine bestimmte Verfolgungstriebkraft, es spiegelt aber die Situation der christlichen Minderheit wider, die vom anhaltenden Krieg in mehreren Staaten des Landes stark betroffen ist.
  • Druck, der von den Triebkräften Religiös motivierter Nationalismus und Islamische Unterdrückung stammt, ist in allen Lebensbereichen spürbar, da die Hinwendung zum christlichen Glauben nicht als persönliche Entscheidung, sondern als Verrat an der Familie, der Gesellschaft und selbst des Landes gesehen wird.
  • Der Wert für Gewalt ist im Vergleich zum vorangegangenen Berichtszeitraum von 15,556 auf 9,074 zurückgegangen. Dies bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass tatsächlich ein geringeres Maß an Gewalt vorhanden ist. Die Wertung ist darauf zurückzuführen, dass es aufgrund der verstärkten Kämpfe, insbesondere in den Staaten Kachin und Shan, sehr viel schwieriger war, Berichte über die Situation der christlichen Minderheiten, getötete Christen in den besagten Regionen und Angriffe auf Kirchen zu erhalten und zu überprüfen. Insgesamt hat sich die Situation für Christen in Myanmar eher verschlechtert, da der Druck in allen Lebensbereichen gestiegen ist. Dieser Anstieg wird durch den Rückgang der Wertung für Gewalt nur teilweise kompensiert, da dieser Bereich aufgrund der oben genannten Problematiken schwierig zu erfassen war.

Privatleben: Die Hinwendung zum christlichen Glauben wird insbesondere von Familien und der lokalen Kommune abgelehnt. Christen buddhistischer Herkunft müssen immer sehr vorsichtig bei der Ausübung ihres Glaubens sein, besonders dann, wenn sie die einzigen Christen in ihrem familiären Umfeld sind und daher nach allgemeiner Ansicht ihrer Familie Schande bringen. Versammlungen mit anderen Christen sind in der Regel nicht gefährlich, doch für Konvertiten können sie eine besondere Herausforderung darstellen. Christen mit nicht-christlichem Glaubenshintergrund, deren Glaube bekannt geworden ist, werden streng überwacht, geächtet und es kann passieren, dass sie unter Hausarrest gestellt werden. Damit soll verhindert werden, dass sie andere Christen treffen. Ein Pastor, der mit seiner Familie in einem Dorf lebte, musste sie Berichten zufolge in eine Stadt schicken, damit er mit seiner Arbeit unter den Christen des Dorfes fortfahren konnte, da es im Dorf zu gefährlich für die Familie geworden war. Christen mit muslimischem Hintergrund betrifft die Verfolgung noch stärker, da sie nicht nur die oben genannten Schwierigkeiten erleben, sondern zudem zu einer verachteten Minderheit gehören.

Familienleben: Es ist nicht zwangsläufig so, dass Konvertiten der Verlust des Sorgerechts oder des Erbrechts droht, insbesondere Frauen droht jedoch häufig die Scheidung, falls sie verheiratet sind. Eine Taufe, eine christliche Hochzeit oder Beerdigung zu organisieren ist oft nur schwer möglich, Christen mit muslimischem oder buddhistischem Hintergrund müssen dies im Geheimen tun. Der muslimischen Minderheit wird außerdem die Staatsbürgerschaft verweigert. Muslimische Rohingya und damit auch die Christen muslimischer Herkunft werden als „Bengalen“ angesehen und nicht registriert. Christliche Eltern erleben es als Herausforderung, ihren Kindern christliche Werte beizubringen, denn sie sehen sich nicht nur dem Druck des buddhistischen Umfeldes in ihrer Nachbarschaft ausgesetzt, sondern häufig auch dem Zwang, ihre Kinder in den buddhistischen Unterricht zu schicken. Dhama-Schulen werden von buddhistischen Mönchen geleitet, die den Kindern buddhistische Prinzipien beibringen sollen. Diese Schulen breiten sich immer mehr im Land aus.

Gesellschaftliches Leben: Es gibt Kommunen, die keine Christen in ihren Dörfern erlauben. Entscheidet sich eine Person in einem solchen Dorf für den christlichen Glauben, ist sie starken Schikanen ausgesetzt, bis sie das Dorf verlässt. In anderen Dörfern werden Christen schikaniert, zu Spenden für buddhistische Tempel gezwungen oder ihnen wird mit dem Ausschluss aus der Dorfgemeinschaft gedroht, wenn sie aufhören, Mönchen Almosen zu geben, sich nicht finanziell an der Renovierung oder dem Bau von Tempeln beteiligen und nicht mehr an buddhistischen Festen teilnehmen. Besonders Christen, die sich in Hauskirchen versammeln, werden beobachtet und unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu verleugnen; sie werden von kommunalen Entscheidungen und Ressourcen ausgeschlossen. Dies wirkt sich auch auf das alltägliche Leben aus, wenn ihnen etwa Hilfe beim Sammeln von Bambus für die Reparatur ihres Hauses verweigert wird oder ihnen der Zugang zu Wasser untersagt wird. Gebiete, in denen viele Christen leben, werden bewusst durch eine schwache Infrastruktur und Gesundheitsfürsorge benachteiligt. In den Konfliktgebieten wird Christen humanitäre Hilfe verweigert oder nur in kleinsten Anteilen gewährt. Kinder von christlichen Konvertiten werden von Lehrern und Mitschülern in der Schule diskriminiert. In einem Fall wurde ein Mädchen wegen ihres Glaubens aus der Klasse geworfen, ein anderes Mädchen durfte sich nicht wie der Rest der Klasse auf einen Test vorbereiten. Kinder von allen Christen (nicht nur den Konvertiten) müssen nichtchristlichen Unterricht besuchen und können gezwungen werden, an buddhistischen Gebeten oder Zeremonien teilzunehmen. Besonders, wenn die Familien arm sind und einer ethnischen Minderheit angehören, werden die Kinder auf die bereits erwähnten Na-Ta-La-Schulen geschickt. Hier finden häufig Diskriminierungen bei der Benotung, Schikanen und Spott über christliche Kinder statt. Ein weiteres Problem für Christen sind Gesetze, die in diversen Gemeinschaften und Dörfern nur mündlich von lokalen buddhistischen Mönchen und Polizisten erlassen werden, mit dem Ziel, Christen einzuschränken.

Leben im Staat: Abschnitt 361 der Verfassung aus dem Jahr 2008 besagt, dass „die Union anerkennt, dass der Buddhismus als der Glaube, der von der großen Mehrheit der Bürger der Union praktiziert wird, eine spezielle Stellung einnimmt“. In Abschnitt 362 wird jedoch auch die Existenz des christlichen Glaubens, des Islam, des Hinduismus und Animismus anerkannt. Diese „spezielle Stellung des Buddhismus“ wird von extremistischen Buddhisten missbraucht. Um zusätzliche Unterstützung von diesen Gruppen und der Mehrheit der Bamar zu erlangen, hat die Regierung im August 2015 vier Gesetzesentwürfe gegen Konversionen verabschiedet. Diese Gesetze zielen darauf ab, den Buddhismus durch Einschränkung interreligiöser Ehen und Bekehrungen, Verbot der Polygamie und die Einführung einer Geburtenkontrolle zu schützen. Laut ihnen müssen buddhistische Frauen eine Erlaubnis von ihren Eltern und von der Behörde vorweisen, wenn sie einen Mann mit einer anderen Religionszugehörigkeit heiraten wollen; der nichtbuddhistische Mann muss zunächst zum Buddhismus konvertieren. Das Gesetz besagt auch, dass jeder, der die Religion wechseln will, von der „Konversions-Registrierungs-Behörde“ die Erlaubnis dazu einholen muss. Diese Behörde besteht aus örtlichen Religions- und Einwanderungsbeamten, einem örtlichen Verwaltungsbeamten, der Vorsitzenden für Frauenangelegenheiten und einem örtlichen Verantwortlichen für Ausbildung. Auch wenn noch abzuwarten bleibt, wie dieses Gesetz praktisch umgesetzt wird, ist allein schon die Verabschiedung des Gesetzes besorgniserregend. In erster Linie richtet es sich gegen die muslimische Minderheit, andere religiöse Minderheiten sind jedoch genauso betroffen. Einige Stämme besitzen zusätzliche traditionelle Gesetze, die von einigen Gemeinschaften dazu genutzt werden, Christen aus ihren Dörfern zu vertreiben. Christen haben außerdem einen schlechteren Zugang zu Krediten oder Zuschüssen als nichtchristliche Geschäftspartner oder Kunden.

Kirchliches Leben: Obwohl man in verschiedenen Teilen Myanmars viele christliche Kirchen finden kann, bleibt es schwer, eine Genehmigung zum Bau einer neuen Kirche zu erhalten, da es viele Einschränkungen gibt. Landraub ist ein weiteres Problem, dem Christen sich gegenübersehen. Deshalb nutzen viele Christen Firmengebäude oder treffen sich in Hauskirchen, um an Sonntagen einen Ort für den gemeinsamen Gottesdienst zu haben. Besonders in stark buddhistischen Gegenden stehen die Kirchen unter Beobachtung. Kirchenleiter und Pastoren werden von extremistischen Buddhisten besonders ins Visier genommen, denn dies ist eine Methode, die Kirchen zu lähmen. Ein Pastor berichtete, dass es sich ständig anfühlt, als würde nur darauf gewartet werden, dass er einen Fehler begehe. Alle religiösen Publikationen im Land werden vom Ministerium für Religion überprüft und zensiert. Einige Kirchen haben angefangen, eigene Materialien zu drucken, aber der Besitz von Druckmaschinen wird ihnen schwer gemacht. Veröffentlichungen in Sprachen der ethnischen Minderheiten kommen nicht infrage und auch für andere Publikationen gelten strenge Zensurregeln. Christliches Material zu importieren ist sehr schwer und Bücher in Sprachen der ethnischen Minderheiten zu importieren ist sogar unmöglich. Die meisten Kirchen dürfen keine Ausländer für religiöse Zwecke einladen. In Gegenden, wo vorrangig ethnische Minderheiten leben, haben die Gemeinden noch größere Schwierigkeiten. Die Kirchen werden häufig als Ort für regierungsfeindliche Treffen oder als Treffpunkte für Aufständische aus ethnischen Minderheiten angesehen. In Gebieten, die vom Bürgerkrieg betroffen sind, wie z. B. Kachin und Shan, werden Kirchen oft angegriffen, da die Menschen dort Zuflucht vor den Kämpfen suchen.

Auftreten von Gewalt: Der Wert für Gewalt ist im aktuellen Berichtszeitraum deutlich zurückgegangen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass tatsächlich ein geringeres Maß an Gewalt vorhanden ist. Die Wertung ist darauf zurückzuführen, dass es aufgrund der verstärkten Kämpfe, insbesondere in den Staaten Kachin und Shan, sehr viel schwieriger war, Berichte über die Situation der christlichen Minderheiten zu erhalten. Open Doors gingen fünf Berichte über Ermordungen von Christen und vier Berichte über Kirchen, die angegriffen oder zerstört wurden, zu. Entführungen, Vergewaltigungen und Zwangsehen finden weiterhin statt, insbesondere als Waffe im Krieg, wenn christliche Frauen in den Gebieten der ethnischen Minderheiten, in denen Christen verwundet und ihre Häuser zerstört werden, mit Armeeoffizieren verheiratet werden. Zehntausende Christen leben weiterhin als Binnenflüchtlinge oder in Flüchtlingscamps in Thailand oder China.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Myanmar erhält weiterhin international positive Schlagzeilen. Die ersten richtigen Wahlen seit 25 Jahren wurden größtenteils frei und fair abgehalten und geben Hoffnung auf weitere Verbesserungen. Ein positives Zeichen ist, dass die extremistisch-nationalistischen Buddhisten der Gruppe Ma Ba Tha kürzlich von der wichtigsten buddhistischen Organisation sowie Vertretern der Regierung zurechtgewiesen wurden. Auf der anderen Seite hat sich die Regierung bezüglich der Situation der muslimischen Minderheit der Rohingya (die 2016 noch stärkere Verfolgung erleiden mussten und nicht einmal als Staatsbürger angesehen werden) auf ihre Seite gestellt und verlangt, dass die Rohingya nicht weiter Rohingya sondern „Bengali“ genannt werden sollen. Dies impliziert, dass sie nicht zur Bevölkerung Myanmars gehören, obwohl die Volksgruppe seit Generationen im Land lebt. Dies ist kein gutes Vorzeichen für die Christen, die oftmals ebenfalls ethnischen Minderheiten angehören. Sie werden weiter unter Religiös motiviertem Nationalismus zu leiden haben, wenn auch ihnen gegenüber vielleicht nicht so gewalttätig wie gegenüber den Rohingya.

Einer der Anführer der Ma Ba Tha und einige hochrangige Mönche haben die Bewegung öffentlich verlassen, da sie eine Allianz mit nur einer Partei eingegangen war – die bei den Wahlen 2015 eine empfindliche Niederlage hinnehmen musste – und nicht mit mehreren Parteien kooperierte. Dies sollte jedoch nicht als Schwächung der Bewegung aufgenommen werden. Nur zehn Tage vor dem Austritt im Juni 2016 wurde berichtet, dass Ma Ba Tha eine private Schule eröffnet hat, die in ihrem Lehrplan einen besonderen Fokus auf „den Schutz von Rasse und Religion“ legt und von großen Firmen unterstützt wird.

Ein anderer wichtiger Faktor in der Entwicklung des Landes ist die Rolle des Militärs. Solange es ein so starker politischer Akteur bleibt und intensiv in überwiegend von Christen (wie Kachin) bevölkerten Regionen sowohl in legalen als auch illegalen Handel involviert ist, sind keine größeren Veränderungen zu erwarten. Insbesondere das Niveau der Gewalt scheint sich nicht zu verringern – trotz aller Fortschritte hinsichtlich der Demokratisierung des Landes und Vereinbarungen zur Waffenruhe. Die Lage könnte sich verändern, sollte das Militär einen Vorteil darin sehen, seinen politischen Einfluss zu verringern. Doch selbst dann gibt es genug andere Probleme, die friedliche Lösungen erschweren: Armeeangehörige und einige der Aufständischen aus den ethnischen Minderheiten sind in Drogenhandel und den Abbau von Rohstoffen wie Jade und Holz involviert. Im September 2016 beendete das Innenministerium (das von der Armee kontrolliert wird) Pläne, einige Rechte von der zentralen Regierung auf regionale Behörden zu übertragen. Die Übertragung des Managements der Polizei, von Spezialeinheiten, der Feuerwehr, Gefängnissen und allgemeiner Verwaltungsaufgaben wäre ein großer Schritt zu einem zukünftigen Föderalismus gewesen. Echte Vertrauensbildung wird jedoch so lange unmöglich sein, wie das Militär die überwiegend christliche Kachin-Region angreift und die Kämpfe in Karen andauern.

Nach einer zweijährigen Verzögerung haben die Behörden des Landes den Teil der Volkszählung des Jahres 2014 veröffentlicht, der die religiöse Zugehörigkeit betrifft. Die Verzögerung fand aufgrund von Befürchtungen statt, dass die Ergebnisse einen Aufruhr auslösen könnten. Die buddhistisch-nationalistischen Ma Ba Tha warnen regelmäßig davor, dass eine wachsende muslimische Bevölkerung eine Bedrohung für das Land darstellt. Laut den Statistiken erfährt der muslimische Glaube jedoch nur ein langsames Wachstum, die Rohingya mit eingeschlossen, die im Zensus nicht berücksichtigt worden waren. Aber die Ma Ba Tha sind nicht nur anti-islamisch, sie sind buddhistische Nationalisten. Es ist wahrscheinlich, dass die Gruppe sich verstärkt auf die christliche Gemeinschaft konzentrieren wird, da diese ein signifikantes Wachstum vorzuweisen hat: Von 4,6 Prozent im Jahr 1973 auf 6,2 Prozent 2014. Laut Berichten sind die Zahlen aus dem umkämpften Kachin sogar deutlich zu niedrig.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Myanmar:

  • Bitte beten Sie für die verfolgten christlichen Minderheiten, dass sie liebevoll den verfolgten Muslimen der Rohingya dienen. Beten Sie dafür, dass viele Herzen für das Evangelium offen sind.
  • Christliche Konvertiten aus dem Islam oder dem Buddhismus stehen starkem Druck gegenüber, ihren Glauben zu widerrufen. Durch die kürzlich eingeführten Gesetze ist der Wechsel des Glaubens kompliziert geworden, wenn er auch nicht verboten worden ist. Beten Sie, dass die Christen Mut und Durchhaltevermögen im Angesicht der Verfolgung beweisen. Bitte beten sie für mehr Religionsfreiheit.

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