Länderprofil Nigeria

Nigeria

12
Weltverfolgungsindex
2017
Flagge Nigeria
Staatsform
Bundesrepublik
Rang Vorjahr
12
ISO
NG
Karte Nigeria
Karte Nigeria
Christen
95,92
Bevölkerung
191.84
Islamische Unterdrückung
Ethnisch begründete Anfeindungen
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 11.250
Familienleben: 11.458
Gesellschaftliches Leben: 13.461
Leben im Staat: 12.826
Kirchliches Leben: 12.448
Auftreten von Gewalt: 16.112

Berichtszeitraum: 1. November 2015 – 31. Oktober 2016

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

78 Punkte / Platz 12 (WVI 2016: 78 Punkte / Platz 12)

Triebkräfte der Verfolgung

Die Haupttriebkräfte für die Verfolgung von Christen in Nigeria sind „Islamische Unterdrückung“ (Haupttriebkraft), sowie in geringerem Ausmaß „Exklusives Stammesdenken“ und „Organisiertes Verbrechen und Korruption“.

Aktuelle Einflüsse

Nigeria ist ein föderales Land mit einer christlichen Mehrheit in den südlichen Staaten und einer größtenteils muslimischen Mehrheit in den nördlichen Staaten. Seit 1999 haben 12 Staaten die Scharia teilweise oder gänzlich eingeführt. Seit 2015 Muhammadu Buhari Präsident wurde, waren die Kampagnen des nigerianischen Militärs gegen die Boko Haram relativ erfolgreich, wenn es darum ging, die Gruppen aus den Gebieten zu vertreiben, die sie im Norden des Landes besetzt hatten. Trotz Buharis Vorhaben, die in den vergangenen Jahren für den Großteil der Gewalt gegen Christen verantwortliche Boko Haram zu bekämpfen, hält sich die Regierung jedoch im Kampf gegen die wachsende Gewalt der muslimischen Hausa-Fulani gegen Christen im zentralen Gürtel Nigerias zurück.

Betroffene Kategorien von Christen

Alle Kategorien von Christen haben in den nördlichen Staaten in unterschiedlichem Maße unter Verfolgung zu leiden: Gemeinschaften von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten, Christen aus traditionellen Kirchen, Christen mit muslimischem Hintergrund und Christen aus protestantischen Freikirchen.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

  • Im Allgemeinen ist der Druck auf Christen im nördlichen Teil Nigerias sehr hoch und stieg im Vergleich zum letzten Jahr noch leicht an.
  • Der Verfolgungsdruck ist in den Bereichen „Gesellschaftliches Leben“ und „Leben im Staat“ am größten. Dies ist charakteristisch für alle Kategorien des christlichen Glaubens im Norden Nigerias. Dort erleben Konvertiten enormen Druck, ihren Glauben an Jesus aufzugeben und alle Kategorien von Christen werden in ihrem Zugang zu gemeinschaftlichen Ressourcen eingeschränkt.
  • Der Druck durch Islamische Unterdrückung ist auch im „Privat- und Familienleben“ im Norden Nigerias hoch, besonders in Bezug auf Christen mit muslimischem Hintergrund.
  • Der Wert für das „Auftreten von Gewalt“ ist sehr hoch, wenn auch nicht ganz so hoch wie der Maximalwert, der im Berichtszeitraum 2016 erreicht wurde.
  • Die allgemeine Verfolgungssituation wird durch die Islamische Unterdrückung angeheizt. Aber im Norden sowie im zentralen Gürtel Nigerias verstärken auch teilweise Ethnisch begründete Anfeindungen den Druck. Die Verbreitung von Korruption verschlimmert die Situation ebenfalls, da es eine Kultur der Straflosigkeit für diejenigen fördert, die Christen attackieren.

Ausblick

Islamische Unterdrückung und Ethnisch begründete Anfeindungen werden Nigeria, vor allem die nördlichen Regionen, wahrscheinlich weiterhin zu einem gefährlichen Ort für Christen machen. Präsident Buhari konnte im Kampf gegen die Boko Haram bereits Teilerfolge erzielen. Allerdings hat die Gruppe ihre Angriffe intensiviert und überfällt nun häufiger Nachbarländer wie Niger, den Tschad und Kamerun. Bisher hat die Regierung jedoch noch keine ernstzunehmenden Maßnahmen gegen die Gewalt der muslimischen Hausa-Fulani Viehhirten unternommen, die sich vor allem gegen christliche Farmer der zentralen Landesteile richtet. Dies könnte sich ändern, und die Regierung könnte diesbezüglich aktiver werden, da sich bereits die nächste Wahl ankündigt.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 78 Punkten belegt Nigeria Platz 12 auf dem Weltverfolgungsindex 2017. Damit entspricht die Punktzahl der des Jahres 2016, als Nigeria ebenfalls Rang 12 belegte. Die Situation der Christen in den nördlichen Provinzen ist weiterhin sehr schwierig, denn das Ausmaß an Gewalt und Druck gegen Christen ist nach wie vor sehr hoch. Im Berichtszeitraum waren die Kampagnen des nigerianischen Militärs gegen die Boko Haram relativ erfolgreich, wenn es darum ging, die Gruppen aus den Gebieten zu vertreiben, die sie im Norden des Landes besetzt hatten. Dennoch bleibt die anhaltende Gewalt gegen Christen in den zentralen Landesteilen, ausgeübt von den muslimischen Hausa-Fulani Viehhirten und Siedlern, ein Grund zur Sorge.

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2. Triebkräfte der Verfolgung

„Islamische Unterdrückung“ ist in Nigeria die wesentliche Triebkraft von Verfolgung. Allerdings tragen auch „Ethnisch begründete Anfeindungen“ sowie „Organisiertes Verbrechen und Korruption“ zur Verfolgung bei.

Islamische Unterdrückung: Die Verfolgung von Christen in Nordnigeria wird meistens mit Boko Haram in Verbindung gebracht. Das Verfolgungsmuster ist insgesamt jedoch viel komplexer und darf nicht auf gewaltsame Übergriffe und Ermordungen von Christen (und gemäßigten Muslimen) seitens militanter islamistischer Gruppen reduziert werden. Das trifft besonders auf die 12 nördlichen Scharia-Bundesstaaten zu, in denen lokale Behörden und die Gesellschaft den Christen kaum Raum zum Ausleben ihres Glaubens lassen. Die in den 1980er Jahren begonnene Entwicklung während der gewalttätigen Maitatsine-Aufstände, hat sich 2001 mit der Einführung der Scharia, der islamischen Rechtsprechung, fortgesetzt. Die Christen wurden mehr und mehr Ziel gewalttätiger Übergriffe von Dschihadisten. Davon angetrieben hat Boko Haram in den letzten Jahren einen systematischen Kampf gegen den nigerianischen Staat geführt. Ideologie, Rhetorik und Handlungen waren dabei spezifisch gegen Christen gerichtet. Ihr Ziel war und ist es, einen islamischen Staat zu errichten. Mit der für den extremistischen Islam typischen Rhetorik hat Boko Haram im August 2014 in Gwoza (Bundesstaat Borno) ein Kalifat ausgerufen. Die Ausweitung des Kalifats wurde zwar von Regierungstruppen gestoppt, doch haben noch immer Tausende (besonders Christen) unter der Gewalt von Boko Haram zu leiden. Dadurch wächst in der ganzen Region, wenn nicht sogar im ganzen Land, das gegenseitige Misstrauen zwischen Christen und Muslimen.

Andere islamische Angreifer, die übereinstimmend als Hausa-Fulani Viehhirten identifiziert wurden, verüben Überfälle auf Dörfer, bei denen ebenfalls viele Unschuldige – auch Frauen und Kinder – zu Opfern werden. Berichten zufolge gibt es Bestrebungen der Regierungen in Benue, Kaduna, Nasarawa und Taraba, Weideplätze für die Hausa-Fulani auszuweisen. Damit würden den einheimischen Christen beträchtliche Ländereien genommen. Viele christliche Kommunen würden ihrer Häuser und Felder beraubt.

Ethnisch begründete Anfeindungen: Es gibt Hinweise darauf, dass Ethnisch begründete Anfeindungen zu Gewalt gegen Christen in Teilen Nigerias führten. Berichten zufolge erleiden Christen mit animistischem Hintergrund im Osten des Landes Verfolgung. Aufgrund der Tatsache, dass ethnische Konfliktlinien die religiöse Teilung des Landes widerspiegeln, begünstigen Ethnisch begründete Anfeindungen die allgemeine Verfolgung von und Gewalt an Christen in Nigeria.

Organisiertes Verbrechen und Korruption: Es gibt eine Bedrohung für Christen seitens organisierter krimineller Netzwerke, die unter anderem in Vorfälle von Erpressung und Entführungen involviert sind. Die allgegenwärtige Korruption im Land hat ebenso mit dazu beigetragen, dass nigerianische Sicherheitskräfte nur sehr schwach und uneffektiv auf die Gefahren reagieren, denen sich Christen, die von der Boko Haram oder den Fulani Viehhirten bedroht werden, gegenüber sehen.

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3. Aktuelle Einflüsse

Mit der Einführung der aktuellen nigerianischen Verfassung am 29. Mai 2015 wurde gleichzeitig auch Muhammadu Buhari als Präsident vereidigt. In seiner Rede zum Amtsantritt versprach er, dem Land zu wachsendem Wohlstand zu verhelfen, sowie gegen Korruption und Boko Haram vorzugehen. Diese beschrieb er als „gottlose Gruppe ohne Verstand, die so weit weg vom Islam ist, wie man sich nur vorstellen kann“. Tatsächlich war die nigerianische Armee relativ erfolgreich darin, die von der Boko Haram besetzten Gebiete zurückzuerobern. Trotz des Erfolgs im Kampf gegen Boko Haram, welche maßgeblich für die Gewalt gegen Christen in den letzten Jahren verantwortlich war, bleibt die anhaltende Gewalt gegen Christen im zentralen Gürtel Nigerias ein großer Grund zur Sorge. Wie von der Open Doors-Forschungsabteilung World Watch Research (WWR) berichtet, hat sich im zentralen Gürtel Nigerias im Schatten von Boko Haram eine Gewaltspirale entwickelt: Angriffe der muslimischen Hausa-Fulani Viehhirten und Siedler haben mutmaßlich zum Tod Tausender Christen und zur Zerstörung Hunderter Kirchen und Gemeindegebäude geführt.

Nicht überall in Nigeria erleben Christen Verfolgung durch Islamische Unterdrückung. Unter dem Blickpunkt „Gewalt gegen Christen“ kann Nigeria in verschiedene Gebiete eingeteilt werden:

  • Der Norden (19 Staaten und das erweiterte Gebiet der Hauptstadt Abuja) ist überwiegend muslimisch, wobei die Christen in den Staaten im zentralen Gürtel des Landes in der Mehrheit sind. Große Teile des zentralen Gürtels wurden mittlerweile Teil der zwölf sogenannten „Scharia-Staaten“ des Nordens. In Nord-Kaduna beispielsweise ist die Mehrheit der Bevölkerung muslimisch, in Süd-Kaduna christlich. Die Verwaltung von Kaduna ist allerdings überwiegend muslimisch.
  • Der Süden (17 Staaten) ist überwiegend christlich, wobei der Südwesten (Yoruba) eine große muslimische Bevölkerung hat.

Nigeria ist eines der komplexesten Länder des Kontinents. Die Verfolgung der Christen geht in einigen Staaten mit Kämpfen um Rohstoffe einher. Laut Berichten von Menschenrechtsaktivisten untersucht die Regierung nur selten Morde und Misshandlungen von Christen durch islamische Extremisten-Gruppen oder durch Einzeltäter. Damit vernachlässigt die Regierung ihre unter der UNHDR und ICCPR festgelegten internationalen Verpflichtungen. Hinzu kommt, dass Boko Haram vielen Berichten zufolge alles daran setzt, einen offenen Krieg zwischen Muslimen und Christen auszulösen.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

In Nigeria sind drei Kategorien von einheimischen Christen anzutreffen (ausländische oder zugewanderte Christen bleiben meist unter sich). Die Verfolgung findet vor allem in vielen der nördlichen Staaten statt.

Christen aus traditionellen Kirchen: Dazu gehören die Römisch-Katholischen und protestantische Kirchenmitglieder wie Anglikaner, Methodisten und Lutheraner. Aufgrund der Angriffe von Boko Haram war erwartet worden, dass die Anzahl der Christen abnimmt. Obwohl es zutrifft, dass die meisten der Getöteten, Vertriebenen und Geflohenen Christen sind, gibt es Anzeichen dafür, dass die christliche Bevölkerung dennoch gewachsen ist. So hat die Römisch-Katholische Kirche neue Diözesen gegründet und die Anzahl protestantischer Christen wächst nach Einschätzung eines externen Experten schneller als erwartet.

Christen muslimischer Herkunft: Besonders in den Scharia-Staaten ist eine Abkehr vom Islam hin zum christlichen Glauben gefährlich und kann viele Schwierigkeiten nach sich ziehen.

Christen aus protestantischen Freikirchen: Die Anzahl evangelikaler und pfingstkirchlicher Gemeinschaften wächst. Sie machen mittlerweile gut 20 Prozent der nigerianischen Gemeinde aus, Tendenz steigend. In vielen der nördlichen Staaten erleben sie die gleichen Härten wie andere Christen.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 11.250
Familienleben: 11.458
Gesellschaftliches Leben: 13.461
Leben im Staat: 12.826
Kirchliches Leben: 12.448
Auftreten von Gewalt: 16.112

Grafik: Verfolgungsmuster Nigeria

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenspiel der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster Nigeria:

  • Im Allgemeinen ist der Durchschnittswert für den Druck auf Christen im nördlichen Teil Nigerias sehr hoch (12,289) und im Vergleich zum letzten Jahr (12,271) sehr leicht angestiegen.
  • Verfolgung in Nigeria bedeutet einen relativ gleich hohen Druck in allen Lebensbereichen. Die Wertung im „Gesellschaftlichen Leben“ ist höher als in den anderen Lebensbereichen, da Christen in den nördlichen Regionen des Landes von der sozialen Grundversorgung ausgeschlossen und auch in anderer Weise diskriminiert werden.
  • Der Wert für das „Auftreten von Gewalt“ ist sehr hoch (16,117), wenn auch nicht ganz so hoch wie der Maximalwert, der im Berichtszeitraum 2016 erreicht wurde (16,667).
  • Die Wertung für den Druck auf Christen ist deswegen nicht höher, weil Nigeria eine besondere Konstellation aufweist: Ein Teil des Landes ist von starker Verfolgung betroffen (Teil mit muslimischer Mehrheit), während der andere Teil des Landes diese nicht erlebt (Teil mit christlicher Mehrheit). Dies gilt trotz des extrem hohen Maßes an Gewalt.

Privatleben: Besonders in den Staaten Bauchi, Gombe, Yobe und Borno werden immer mehr Christen unter Druck gesetzt, Symbole ihres Glaubens oder auch Bibeln nicht offen zu zeigen. Im Gebiet Ganye und Jada sowie weiten Teilen von Borno und Yobe kleiden sich Christen mittlerweile sogar wie Muslime und verbergen christliche Gegenstände oder Schriften, um nicht gelyncht zu werden.

Familienleben: Die Unterdrückung aus Glaubensgründen ist in den Scharia-Staaten besonders stark ausgeprägt, findet sich jedoch auch in den benachbarten Staaten. Sie beeinträchtigt das Familienleben und das gesellschaftliche Leben der Christen sehr stark. So dürfen sie ihre Verstorbenen nicht auf dem öffentlichen Friedhof beisetzen. Christliche Mädchen stehen ständig in Gefahr, entführt und zwangsverheiratet zu werden. Berichten zufolge haben einige der Scharia-Staaten sogar Organisationen gegründet, deren Auftrag in der Entführung und Zwangsbekehrung christlicher Mädchen besteht.

Gesellschaftliches Leben: Verfolgung im gesellschaftlichen Leben ist vor allem in den nördlichen Gebieten Nigerias ein Problem, besonders in den Scharia-Staaten. Dort werden Kinder von Christen in staatlichen Schulen gezwungen, besonders in den Grund- und Mittelschulen, am Islamunterricht teilzunehmen. Christlichen Jugendlichen wird der Zugang zu weiterführenden Schulen oder Hochschuleinrichtungen im Norden Nigerias verweigert, besonders wenn diese Einrichtungen einen hohen akademischen Standard haben, gut ausgestattet sind und über ausreichend Geldmittel verfügen. Christen im Norden Nigerias werden in den Ausbildungseinrichtungen oft als Bürger zweiter Klasse betrachtet und dementsprechend behandelt. Christliche Kommunen werden von der Regierung meist links liegen gelassen.

Leben im Staat: Auch in diesem Lebensbereich konzentrieren sich die Probleme vor allem auf die nördlichen Regionen. Auf dem Arbeitsmarkt wird Christen trotz nachgewiesener Qualifikationen die Einstellung verweigert; anderen werden Arbeitsstellen unter der Bedingung angeboten, dass sie ihren christlichen Glauben verleugnen. In den zwölf Scharia-Staaten leben die Christen in ständiger Angst angesichts eines unberechenbaren Umfelds: Vertreter der örtlichen Behörden setzen sie immer wieder unter Druck, manchmal mit Hilfe der „Hisba“ (Scharia-Polizei) und Da’awa (islamische Missionare). In den sieben weiteren Nordstaaten ist der Druck etwas weniger ausgeprägt, doch in manchen herrscht eine stärkere Aktivität islamistischer Extremistengruppen.

Kirchliches Leben: Gemeinden haben erhebliche Schwierigkeiten, Christen muslimischer Herkunft offen zu integrieren. Es besteht immer die Gefahr, dadurch die Aufmerksamkeit der islamischen Kommune zu erregen, was zu Gewaltausbrüchen gegen alle Kirchen im gesamten Umkreis führen könnte. Es gibt vermehrt Übergriffe islamischer Extremisten auf Pastoren, um das Wachstum der Kirchen zu stoppen.

Auftreten von Gewalt: Berichten zufolge sind Tausende Familien in Südkaduna, Benue und Nasarawa vertrieben worden. Schuld daran tragen die muslimischen Viehhirten aus dem Stamm der Hausa-Fulani. Auch im Nordosten wurden Tausende von christlichen Familien vertrieben und leben nun in Flüchtlingslagern. Weitere Tausende von Christen, die durch die Aktivitäten der Boko Haram vertrieben wurden, suchen nun Schutz in Kamerun, dem Tschad oder Niger. Derselbe Bericht zeigt auf, dass Kirchen und christliche Einrichtungen zu Anschlagszielen extremistischer Muslime wurden. Manche Kirchen wurden niedergebrannt und viele andere wurden aus Angst vor weiteren Anschlägen im Nordosten des Landes geschlossen. Des Weiteren wurden Berichten zufolge im Berichtszeitraum mehr als zehn Christen getötet.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

  1. Da die nigerianische Armee im Kampf gegen Boko Haram erfolgreich ist, überfällt die Gruppe nun häufiger Nachbarländer wie Niger, den Tschad und Kamerun. Sollten sich Nigeria und andere Länder der Region zu früh zum Sieg über Boko Haram gratulieren, könnte dies der Gruppe die Möglichkeit verschaffen, sich neu zu formieren und weiterhin Anschläge auf Christen in Nigeria und anderen Ländern der Region auszuüben. Daher ist die Situation von Christen im Norden Nigerias teilweise davon abhängig, ob Nigerias Regierung und die anderer Länder der Region, den Kampf gegen Boko Haram fortführen werden, ohne einzulenken.
  2. Im Norden Nigerias lebt eine hohe Anzahl von Binnenflüchtlingen, unter ihnen viele Christen, die entweder durch die Schreckensherrschaft von Boko Haram oder durch die brutalen Attacken der Hausa-Fulani Viehhirten (die von örtlichen Behörden gedeckt werden) vertrieben wurden. Viele erhalten keinerlei Unterstützung durch nationale oder internationale Hilfsorganisationen. Ihre Lage ist Ausdruck der Übermacht der Verfolger sowie der Schutzlosigkeit der Verfolgten in dieser Region und lädt wegen ausbleibender Strafverfolgung zu weiteren Übergriffen ein. Die Furcht der verfolgten Christen nimmt beständig zu. Diese Spirale der Gewalt kann nur gestoppt werden, wenn die internationale Weltgemeinschaft mit Nothilfe und anderen Maßnahmen eingreift.
  3. Islamische Unterdrückung und Ethnisch begründete Anfeindungen werden wahrscheinlich auch in Zukunft in Nigeria fortbestehen. Die Mischung dieser Triebkräfte der Verfolgung wird den Norden Nigerias auch weiterhin zu einem gefährlichen Ort für Christen machen. Die Regierung war bisher zurückhaltend, was Maßnahmen gegen die Gewalt der muslimischen Hausa-Fulani Viehhirten und Siedler angeht, die um die Kontrolle der zentralen Landesteile kämpfen. Da die nächsten Wahlen 2019 anstehen, wird dies signifikante Auswirkungen auf das Land Nigeria haben. Es besteht die Gefahr, dass Ethnie und Religion für Wahlkampagnen instrumentalisiert werden. Andererseits könnte die Wahl die regierende Partei und den Präsidenten offener für die Nöte und Forderungen der Christen machen.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Nigeria:

  • Bitte beten Sie für den Schutz der nigerianischen Christen, besonders für die Frauen, die in der Gefahr stehen, entführt zu werden und gezwungen werden könnten, muslimische Männer zu heiraten.
  • Beten Sie um Trost für die Tausenden nigerianischen Christen, die durch die gezielte Gewalt gegen sie vertrieben wurden. Bitte beten Sie um Weisheit für die Partner von Open Doors für ihren Dienst an diesen Menschen.
  • In den mehrheitlich muslimischen nördlichen Bundesstaaten Nigerias werden christliche Gemeinschaften vernachlässigt und oft werden ihnen sauberes Wasser, Kliniken und Straßen vorenthalten. Beten Sie, dass der Herr sie versorgt.

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