Länderprofil Sri Lanka

Sri Lanka

45
Weltverfolgungsindex
2017
Sri Lanka
Hauptreligion
Buddhismus
Staatsform
Unitarische Präsidialrepublik
ISO
LK
Christen
1,93
Bevölkerung
20.91
Religiös motivierter Nationalismus
Privatleben: 9.792
Familienleben: 7.692
Gesellschaftliches Leben: 10.657
Leben im Staat: 10.482
Kirchliches Leben: 9.584
Auftreten von Gewalt: 6.667

Berichtszeitraum: 1. November 2015 – 31. Oktober 2016

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

55 Punkte / Platz 45 (Auf dem WVI 2016 war das Land nicht gelistet.)

Triebkräfte der Verfolgung

Die Haupttriebkraft der Verfolgung, von der die Christen betroffen sind, ist „Religiös motivierter Nationalismus”.

Aktuelle Einflüsse

Im Januar 2015 konnte der Kandidat der Oppositionspartei, Maithripala Sirisena, die Wahlen gewinnen. Er besiegte den Präsidenten, der Ende 2009 den 26 Jahre andauernden Bürgerkrieg blutig beendet hatte. Sowohl die Regierung als auch die (zur hinduistischen Minderheit gehörenden) Tamilen haben Kriegsverbrechen begangen. Ein weiteres großes Thema ist die Entmilitarisierung des Landes. Durch jahrzehntelange Konflikte und stetig wachsende Geschäftsaktivitäten der Armee ist diese mittlerweile 300.000 Mann stark. Viele Armeeangehörige möchten ihre lukrativen Positionen nicht verlieren, besonders im Hinblick darauf, dass sie eine Untersuchung wegen der Beteiligung an Kriegsverbrechen befürchten müssen. Sehr präsent sind auch extremistische buddhistische Gruppen, auch wenn sie momentan ihre Übergriffe gegen religiöse Minderheiten eingestellt haben. Trotzdem unterbrechen Banden, die häufig von buddhistischen Mönchen angeführt werden, immer wieder christliche Gottesdienste. In der neuen Verfassung gibt es eine deutliche Hinwendung zurück zum Buddhismus.

Betroffene Kategorien von Christen

Da die örtlichen Kirchengemeinden meistens auch von den wenigen christlichen Ausländern besucht werden, kann die Kategorie „Gemeinschaften von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten“ nicht als eigenständig betrachtet werden. Die Angehörigen traditioneller Kirchen werden nicht direkt verfolgt, doch sind auch sie von der allgegenwärtigen Vorherrschaft des Buddhismus betroffen. Weitaus stärker haben ehemalige Buddhisten, Muslime oder Hindus, die sich zu Jesus Christus bekehrt haben, unter Verfolgung zu leiden. Sie werden fast immer wie Verräter behandelt und müssen infolgedessen körperliche und verbale Angriffe über sich ergehen lassen. Protestantische Freikirchen werden von buddhistischen Dorfmönchen und örtlichen Regierungsbeamten gesetzlich eingeschränkt.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

  • Insgesamt ist der Druck auf die Christen sehr hoch.
  • Starke Verfolgung im Bereich „Leben im Staat“ ist in Ländern mit der Haupttriebkraft „Religiös motivierter Nationalismus” typisch. Im Bereich „Familienleben“ und „Gesellschaftliches Leben“ erleiden Menschen, die sich von anderen Religionen zu Jesus Christus bekehrt haben, den stärksten Druck.
  • Es gibt ein hohes Maß an Gewalt gegen Christen, doch fällt dieses geringer aus als noch im WVI 2016. Während die größten extremistischen Buddhisten Gruppen ihre Angriffe auf Christen eingestellt haben, gibt es weiterhin Übergriffe von Dorfbewohnern oder Mönchen, die sich zu Banden gruppiert haben. Eine ehemalige Hindu wurde von ihrer eigenen Mutter getötet. Gottesdienste und Gebetstreffen wurden unterbrochen und Kirchengebäude von Banden angegriffen.
  • Die gesamte Verfolgungssituation in Sri Lanka hat ihren Ursprung im Religiös motivierten Nationalismus, angeheizt durch die Vorherrschaft des Buddhismus als Staatreligion in Regierung und Gesellschaft.

Ausblick

Bislang ist es der Regierung nicht gelungen, Schritte zur Integration der muslimischen und christlichen Minderheit in die Gesellschaft zu unternehmen.

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Meldungen zu Sri Lanka

Persönliche Berichte Persönliche Berichte
Sri Lanka
Sri Lanka

Sri Lanka: Bedroht und verjagt

(Open Doors, Kelkheim) – In Sri Lanka kommt es immer wieder zu Übergriffen auf christliche Gemeinden.

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Sri Lanka
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Sri Lanka: Angriffe auf Kirchen nehmen zu

 

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Sri Lanka
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Sri Lanka: Überfälle auf Christen

 

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 55 Punkten steht Sri Lanka auf Platz 45 des Weltverfolgungsindex 2017. Im Jahr 2016 war Sri Lanka mit 53 Punkten nicht im WVI vertreten, stand aber unter Beobachtung. Der Druck auf Christen hat in allen Bereichen zugenommen, außer bei „Auftreten von Gewalt“ und „Kirchliches Leben“, und war besonders bei „Leben im Staat“ erkennbar.

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2. Triebkräfte der Verfolgung

Religiös motivierter Nationalismus: Die Demokratische Sozialistische Republik Sri Lanka ist ein säkularer Staat. Trotzdem hat der Buddhismus laut Verfassung als Staatsreligion einen Sonderstatus. In Kapitel 2 der Verfassung steht: „Die Republik Sri Lanka gibt dem Buddhismus den höchsten Rang und deshalb soll es die Pflicht des Staates sein, die Buddha Sasana (buddhistische Lehren) zu schützen und zu pflegen. Allen Religionen werden die Rechte aus Artikel 10 und 14(1) (e) zugesichert.“ Die Bestimmung aus Artikel 9 wurde im neuen Verfassungsentwurf unverändert stehen gelassen. Die in den Artikeln 10 und 14 beschriebenen Rechte können jedoch eingeschränkt werden, welches mit unterschwelligen Mitteln geschieht, worauf im 5. Punkt „Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt“ noch weiter eingegangen wird.

Die Vorherrschaft des Buddhismus ist ein im Land weit verbreitetes Konzept. Alle Singhalesen werden als Buddhisten angesehen, weshalb tamilische, aber auch singhalesische Christen als Bürger zweiter Klasse behandelt werden. Ihnen wird mit Argwohn begegnet. Sie werden regelmäßig verleumdet und angegriffen. Akteure sind dabei nicht nur Angehörige der Behörde (mit dem bezeichnenden Namen „Amt für religiöse Angelegenheiten und der buddhistischen Sasana“), sondern auch buddhistische Mönche und örtliche Leiter. Extremistische Buddhisten Gruppen, namentlich „Bodu Bala Sena“ (BBS) und „Sinhala Ravaya“ (SR) werden von buddhistischen Mönchen angeführt. Sie waren in der Vergangenheit für Ausschreitungen gegen die christliche Minderheit verantwortlich. Doch im Berichtszeitraum für den WVI 2017 haben sie eine andere Taktik gewählt. Die BBS gründete die „Buddhistische Nationalpartei“, die in den Nationalwahlen im Januar 2015 schlecht abgeschnitten hat. Seitdem ist es um diese Gruppe verdächtig ruhig geworden. Anscheinend sind sie gerade dabei, sich neu zu strukturieren und zu überlegen, wie sie ihre Macht und ihren Einfluss in dieser neuen Situation am besten nutzen können. Das Schweigen der extremistischen buddhistischen Hauptgruppen sollte aber nicht als Zeichen einer verbesserten Gesamtsituation missverstanden werden. Die buddhistische Vorherrschaft ist im Alltag von z.B. muslimischen und christlichen Minderheiten weiterhin deutlich spürbar. Nur wird dies weder von BBS noch SR aktiv betrieben.

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3. Aktuelle Einflüsse

Um den Buddhismus Sri Lankas zu verstehen, muss man das sri-lankische Dreieck verstehen. Das singhalesische Leben hat drei Säulen: Tempel, Dorf und See (damit ist Anbau und Bewässerung gemeint). Nichts, darf dieses Dreieck betreten, alles von Außerhalb Kommende wird mit Argwohn behandelt. Den sri-lankischen Buddhisten geht es daher nicht so sehr um die buddhistische Philosophie, wie sie im Westen bekannt ist, sondern um die Bewahrung und den Schutz dieses traditionellen Dreiecks. Die Handlungen von BBS und SR können daher als Versuche gewertet werden, Angriffe gegen diese gesellschaftliche Sichtweise abzuwenden. Selbst Gewaltausbrüche und Ausschreitungen gegen die muslimische Minderheit (wie 2014 geschehen) und Angriffe gegen Christen lassen sich auf den Wunsch zurückführen, dieses Dreieck zu schützen. Muslimische und christliche Minderheiten werden als Bedrohung angesehen.

In den vergangenen Jahren wurde Sri Lanka von zwei Triebkräften der Verfolgung bestimmt: Religiös motivierter Nationalismus und Diktatorische Paranoia. Bei den unerwarteten Nationalwahlen im Januar gewann überraschend der Oppositionskandidat Sirisena. Er besiegte den Präsidenten, der 2009 das blutige Ende eines 26 Jahre andauernden Bürgerkriegs herbeigeführt hatte, in dem die hinduistische Minderheit der Tamilen (die vor allem in nördlichen und östlichen Provinzen des Landes angesiedelt ist) um ihre Unabhängigkeit kämpfte. Die „Tamilischen Tiger“ (LTTE) brachten es zu weltweiter Bekanntheit. Regierung wie LTTE haben Kriegsverbrechen begangen. Für die heutige Regierung ist die Frage, wie sie damit umgehen soll, eine der stärksten Herausforderungen.

Nach dem Krieg gründete die Regierung eine Kommission (LLRC), die Wege zur Versöhnung aufzeigen sollte, ignorierte jedoch deren bescheidenen Vorschläge zur Einigung weitestgehend. Daraufhin hat die UNO einen Überwachungsmechanismus eingesetzt und einen Bericht dazu im September 2015 veröffentlicht. Dies führte zu zahlreichen Diskussionen u.a. darüber, ob die Kriegsverbrechen auf nationaler Ebene geahndet werden sollen oder eher in Zusammenarbeit mit internationalen Organen. Ein rein innerstaatliches Vorgehen scheint für die ethnischen Minderheiten (besonders für die Tamilen) inakzeptabel zu sein. Sie befürchten, dass dieser Ansatz keine Gerechtigkeit für die begangenen Gräueltaten bringt und somit den Versöhnungsprozess behindert. Eine internationale Vorgehensweise würde die Dinge zunächst verkomplizieren, da erst einmal festgestellt werden müsste, ab wann die brutalen Zusammenstöße die Merkmale eines Kriegsverbrechens erfüllten, um anschießend international anerkannte Strafen zu verhängen.

Eine weitere große Frage ist die der Entmilitarisierung des Landes. Durch den jahrzehntelangen Konflikt und die stetig wachsenden Geschäfte der Armee, sind die Streitkräfte mittlerweile gut 300.000 Mann stark. Es wird nicht einfach werden, diese Soldaten in das zivile Leben zurückzuführen – sehr wahrscheinlich werden einige Angehörige der Armee ihre lukrativen Positionen nicht verlassen wollen und ganz besonders dann nicht, wenn sie anschließend eine Untersuchung wegen Kriegsverbrechen zu befürchten haben.

Schließlich bleibt die Frage, wie sich extremistische Buddhisten Gruppen wie Bodu Bala Sena und Sinhala Ravaya zukünftig verhalten werden. Sie scheinen aus dem Nichts gekommen zu sein und sind innerhalb kürzester Zeit stark gewachsen (die BBS hielt im Juli 2012 ihre erste nationale Versammlung ab). Die meisten Köpfe dieser Gruppen waren schon vorher bekannt und auch politisch aktiv. Ihr Einfluss und ihr radikales Vorgehen gegen religiöse Minderheiten sind beispiellos. Sie konnten ihre Taten ungehindert begehen, weshalb die Behauptung, diese Gruppen würden zumindest stillschweigend von der vorherigen Regierung unterstützt, an Glaubwürdigkeit gewonnen hat. Sie verhalten sich seit der Wahl der neuen Regierung verdächtig ruhig und die Anzahl an Übergriffen auf religiöse Minderheiten ist leicht zurückgegangen. Doch es kommt weiterhin zu Angriffen, die regelmäßig mit der Forderung einhergehen, dass sich Kirchen registrieren lassen sollten und dass die entsprechenden Kirchen ungesetzlich seien. Dabei erfahren die Angreifer oft Hilfe seitens der Lokalregierung, obwohl dies oft gegen die Landesverfassung verstößt.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

In Sri Lanka sind alle Arten von Christen des WVI vertreten. Jedoch werden die Gemeinden ausländischer oder eingewanderter Christen nicht gesondert aufgeführt, denn sie schließen sich den bereits bestehenden Kirchengemeinden an. Alle Christen werden in verschiedenen Bereichen verfolgt:

Christen aus traditionellen Kirchen, wie die römisch-katholische Kirche und die Kirchen unter dem Dachverband des Nationalen Kirchenrats werden nicht so stark verfolgt oder bedroht. Doch sind auch sie von der buddhistischen Vorherrschaft betroffen und werden von Zeit zu Zeit am (Aus-)Bau von Kirchengebäuden gehindert.

„Konvertiten” – Menschen, die vor ihrer Bekehrung zu Jesus Christus dem Buddhismus, Hinduismus oder Islam angehörten. Sie werden oft als Verräter angesehen und dementsprechend schikaniert, körperlich und verbal angegriffen und von ihrem sozialen Umfeld isoliert. Dazu kommt es vor allem in ländlichen Gegenden, dies war in der Vergangenheit überwiegend in den südlichen und nordmittleren Provinzen ein drastisches Problem. Doch mit Ende des Bürgerkriegs hat sich dieser Trend auch auf die nördlichen und östlichen Provinzen Sri Lankas ausgebreitet.

Christen aus protestantischen Freikirchen (evangelikale Gemeinden, Baptisten und Pfingstgemeinden) sind oft von gewalttätigen Übergriffen betroffen. Während des WVI Berichtszeitraums von 2016 wurden die meisten Übergriffe noch von den vorherrschenden extremistischen Buddhistengruppen begangen. Heute kommen die Angriffe hauptsächlich von lokalen buddhistischen Mönchen und örtlichen Regierungsbeamten, die den Christen gesetzliche Auflagen erteilen oder gewalttätige Übergriffe gegen sie vertuschen. Die Triebkräfte der Verfolgung haben sich verändert, doch das Maß an Verfolgung ist im Großen und Ganzen gleich geblieben.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 9.792
Familienleben: 7.692
Gesellschaftliches Leben: 10.657
Leben im Staat: 10.482
Kirchliches Leben: 9.584
Auftreten von Gewalt: 6.667

Grafik: Verfolgungsmuster Sri Lanka

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenspiel der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster Sri Lanka:

  • Der Durchschnittswert für den Druck auf Christen ist sehr hoch (9,641). Im Vergleich zum WVI 2016 ist dieser Wert gestiegen, a) durch Familie und Freunde, die aus anderen Religionen konvertierte Christen unter Druck setzen und b) durch eine Rückbesinnung auf den Buddhismus als vorherrschende Religion, wie in der neuen Verfassung klar und deutlich dargelegt wird.
  • Der Druck auf Christen hat in allen Lebensbereichen zugenommen, außer im „Kirchlichen Leben“. Am höchsten ist der Druck im „Gesellschaftlichen Leben“ (10,657), im „Leben im Staat“ (10,482) und im „Privatleben“ (9,792). Typisch für Länder, in denen „Religiös motivierter Nationalismus“ eine Triebkraft der Verfolgung ist, ist der Druck im Bereich Leben im Staat. Der Druck im privaten und im gesellschaftlichen Leben betrifft vor allem Menschen, die zuvor anderen Religionen angehört und sich zu Jesus Christus bekehrt haben.
  • Der Bereich „Auftreten von Gewalt“ gegen Christen hat sich von 7,704 (WVI 2016) auf 6,667 reduziert, da die extremistischen Buddhisten Gruppen ihre Angriffe auf Christen neuerdings unterlassen. Angriffe von Mönchen und von Dorfbewohnern, die sich zusammenrotten, halten unvermindert an. Im Berichtszeitraum wurde eine ehemalige Hindu von ihrer eigenen Mutter getötet, Gebetstreffen und Gottesdienste wurden gestoppt und Kirchengebäude von Banden angegriffen.
  • Insgesamt wird die Verfolgung der Christen in Sri Lanka durch Religiös motivierten Nationalismus verursacht, der durch die Vorherrschaft des Buddhismus als Staatsreligion angeheizt wird.

Privatleben: Ehemalige Buddhisten erfahren Widerstand von Familie und Freunden. Auch Menschen aus ihrem Ort stellen sich gegen sie, wenn herauskommt, dass sie sich zu Jesus Christus bekehrt haben. Ehemalige Muslime und ehemalige Hindus erleben dasselbe. Bereits christliche geistliche Übungen, die sie für sich alleine abhalten, bergen für sie eine Gefahr vor Angriffen aus den Reihen ihrer eigenen Familie. Christen, die mit nichtchristlichen Familienmitgliedern zusammenleben, bringen sich durch den Besitz christlicher Literatur in Gefahr. Besonders in Gegenden, in denen Buddhisten sehr darauf aus sind, ihre Religion zu schützen. Es ist für Konvertiten gefährlich, mit anderen über ihren neu gefundenen Glauben zu sprechen, besonders für ehemalige Muslime. Versammlungen von Konvertiten (und auch von anderen Christen) stehen in Gefahr, gestört zu werden. Dorfbewohner, Polizei und örtliche buddhistische Mönche haben stets ein Auge auf die Aktivitäten der Christen in ihrem Dorf, damit sie wissen, wann es Zeit wird, die Gläubigen anzugreifen oder um etwas zu finden, für das sie die Gläubigen beschuldigen können.

Familienleben: Konvertiten sind von Diskriminierung und Belästigung betroffen, werden aber für gewöhnlich nicht zur Ehescheidung gezwungen. Auch sind Fragen zur Registrierung kein Problem. Deshalb ist die Wertung für diesen Bereich auch vergleichsweise gering. Es gab einen Fall, in dem ein Hochzeitgottesdienst von der Polizei unterbrochen wurde. Taufen von Erwachsenen können zum Problem werden, besonders dann, wenn sie öffentlich stattfinden. In ländlichen Gebieten dürfen Christen nicht auf dem öffentlichen Friedhof begraben werden. In der östlichen Provinz wurden Christen zu hinduistischen Ritualen gezwungen, damit sie ihre Toten auf öffentlichen Friedhöfen begraben durften. Ein Pastor wurde von der Polizeibehörde zur Unterschreibung einer Erklärung gezwungen, in der er versprechen musste, dass kein Christ auf dem städtischen Friedhof begraben werden würde. Dieses Schreiben wurde anschließend der Behörde übergeben. Christliche Kinder sind an öffentlichen Schulen regelmäßig zum Abhalten von buddhistischen und hinduistischen Ritualen gezwungen worden. Sie wurden auch von Lehrern und Direktoren bestraft und in manchen Fällen sogar mit einem Bußgeld belegt, wenn sie an den religiösen Ritualen der in Überzahl befindlichen Zugehörigen anderer Religionen nicht teilgenommen haben. An Schulen ist Religion ein Pflichtfach. Es ist zwar gestattet, die eigene Religion im Unterricht zu lernen, aber aus Mangel an christlichen Lehrern sind die Kinder meistens dazu gezwungen, stattdessen am buddhistischen Unterricht teilzunehmen. Das führt jedoch zu Schikanen, Mobbing und schlechten Noten.

Gesellschaftliches Leben: Wie bereits erwähnt, ging im Berichtszeitraum des WVI 2017 der größte Druck nicht von den großen extremistischen Buddhisten Gruppen aus, sondern von den örtlichen buddhistischen Mönchen (diese werden von der Ideologie jener Gruppen beeinflusst und wollen die Reinheit ihres buddhistischen Dreiecks beschützen – siehe Teil 3: Aktuelle Einflüsse). In Gebieten mit überwiegend hinduistischer und buddhistischer Bevölkerung sind Christen häufig Ziel von Einschüchterungen in Form sozialer Ausgrenzung. Oft wird ihnen der Zugang zu Gemeinschaftsgütern wie Elektrizität oder Brunnen verwehrt oder erschwert. Während hinduistischen Feiertagen werden Christen von Hindus geächtet, weil sie nicht an den Festlichkeiten teilnehmen. Christen werden durch andere Dorfbewohner regelmäßig beobachtet und behindert und zeitweise auch gewaltsam angegriffen. Sie werden regelmäßig unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzusprechen und manchmal werden Geschäfte, die von Christen geführt werden, boykottiert. Christlichen Schulkindern wurde die Anmeldung an staatlichen Schulen verwehrt, obwohl sie alle Voraussetzungen erfüllten.

Leben im Staat: Obwohl die im Januar 2015 gewählte Regierung die extremistischen Buddhisten Gruppen nicht mehr offen unterstützt, bleibt der Druck auf Christen unverändert hoch. Dem Buddhismus wird in dem Neuentwurf der Verfassung absolute Vorherrschaft eingeräumt und die sehr wenigen Christen, die eine Regierungsposition bekleiden (oder mit der Regierung zusammenarbeiten), werden von Nationalisten diskriminiert. In den Medien wird ein negatives Bild von Christen gezeichnet. Vor gewaltsamen Übergriffen gibt es ein bekanntes Muster: Der Angreifer verbreitet über die Medien falsche Behauptungen (z.B. soll ein Pastor Menschen zur Bekehrung gezwungen haben), welche wiederum die darauf folgenden Angriffe rechtfertigt. Es gibt sogar eine Webseite, die die sogenannten unethischen Bekehrungen in Sri Lanka überwacht: www.unethicalconversionwatch.org, auf der verdächtige Personen und Gruppierungen auf eine Beobachtungsliste gesetzt werden. Angreifer gegen Christen kommen ungestraft davon und in den meisten Fällen werden Christen dazu gedrängt, von einer Gerichtsverhandlung abzusehen und sich gütlich zu einigen. Positiv ist, dass Pastoren sich davon nicht einschüchtern lassen und sich auf ihre verfassungsgemäßen Rechte berufen.

Kirchliches Leben: Banden, Mönche, Polizei und örtliche Behörden unterbrechen weiterhin Versammlungen von Christen, stellen die Gesetzmäßigkeit ihrer Aktivitäten infrage und geben diese Fälle an höhere Behörden weiter. In Dörfern werden Christen häufig dazu aufgefordert, ihre Aktivitäten zu unterlassen und/oder das Dorf zu verlassen. Die Pflicht, sich registrieren zu lassen, wird oft als Druckmittel gegen christliche Kirchen verwendet. Ein 2008 herausgegebenes Rundschreiben des „Ministeriums des Buddha Sasana und für religiöse Angelegenheiten“ wird noch immer angewendet. Darin werden religiöse Gemeinschaften dazu verpflichtet, ihre Gotteshäuser registrieren zu lassen. Außerdem dürfen Neubauten nur nach einem erweiterten Zulassungsverfahren durchgeführt werden. Dieses Rundschreiben hat zwar keine Gesetzeskraft und gilt nur für Kirchengemeinden, die nach 2008 eröffnet wurden, doch wird es von örtlichen Behörden, buddhistischen Mönchen und Banden verwendet, um ihre manchmal auch gewaltsamen Übergriffe auf Christen zu rechtfertigen. Momentan stoßen selbst offizielle Beschwerden von Pastoren gegen den Einsatz dieses Rundschreibens auf taube Ohren vor Gerichten oder Behörden. Im Allgemeinen ist der Bau oder die Renovierung von Kirchengebäuden in ländlichen Gebieten nach wie vor sehr schwierig, da es das sri-lankische Dreieck (näher in Teil 3 beschrieben) stört.

Auftreten von Gewalt: Im Berichtszeitraum des WVI 2017 hat die Gewalt gegen Christen nachgelassen, weil die großen extremistischen Buddhisten Gruppen ihre Übergriffe auf Christen eingestellt haben. Die Angriffe von Banden und Mönchen halten jedoch unvermindert an. Im Berichtszeitraum wurde eine ehemalige Hindu von ihrer eigenen Mutter getötet, Gebetstreffen und Gottesdienste wurden unterbrochen und Kirchengebäude von Banden angegriffen. Zehn Christen wurden von buddhistischen Mönchen tätlich angegriffen und anschließend von der Polizei verhaftet, weil sie ein Straßentheater aufgeführt und evangelistische Traktate verteilt hatten.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Obwohl die Wertung für den Druck auf Christen angestiegen ist, besteht für Sri Lanka die Hoffnung, dass seine Geschichte im Weltverfolgungsindex eine positive Wendung nehmen wird, wenn die neue Regierung Schritte unternimmt, um religiöse Minderheiten (Muslime und Christen) in der Gesetzgebung zu schützen. Christen gehören zu den wenigen Gesellschaftsgruppen, die ungeachtet der enormen ethnischen Kluft Menschen unterschiedlicher Herkunft in sich vereinen. Viele protestantische Kirchen haben singhalesische und tamilische Mitglieder. Darin liegt die große Gelegenheit, Brücken zu bauen und als Vorbild zu dienen. Doch auch Kirchengemeinden sind mitunter von ethnischen Spannungen betroffen.

Eine der größten Herausforderungen des Landes ist die nationale Aussöhnung. Geht man davon aus, dass die meisten sozialen Netzwerke aus religiösen bzw. ethnischen Zusammenschlüssen bestehen, handelt es sich hierbei um eine große Herausforderung. Denn sowohl ethnische als auch religiöse Gruppen müssen ihr Misstrauen überwinden und einen Weg nach vorne finden. Noch ist nicht klar, wer diesen Prozess anführen wird und die Politik der buddhistischen Vorherrschaft hat diesen Prozess sicherlich nicht erleichtert. Außerdem gibt es in der Regierung Parteien wie Jathika Hela Urumaya, die in der Vergangenheit versucht haben, ein Anti-Bekehrungsgesetz zu verabschieden. Das ist besorgniserregend und muss gut beobachtet werden.

Ungewissheit verdunkelt den Horizont Sri Lankas: Wird das Land sich wirklich verstärkt für Aussöhnung einsetzen und religiöse Minderheiten stärker mit einbeziehen? Oder sind das nur leere Worte, um die internationale Gemeinschaft zu besänftigen? Welche Rolle werden extremistische Buddhisten Gruppen bei der Zukunft des Landes spielen? Werden diese Gruppen erneut Teil der politischen Landschaft sein? Insbesondere, da eine neue extremistische Gruppe mit dem Namen Sinha Le (Singalesisches Löwenblut) entstanden ist und von einem Minister der gegenwärtigen Regierung unterstützt wird.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Sri Lanka:

  • Bitte beten Sie für die Pastoren in Sri Lanka, die regelmäßig von Nachbarn verspottet werden und von ihnen bei Gottesdiensten gestört werden. Bitte beten Sie, dass sie in ihrem Glauben nicht nachlassen und dass sie ihre Kraft aus dem Herrn ziehen, wenn sie sich schwach fühlen.
  • Die Verfolgung der Christen in Sri Lanka nimmt auch eine behördliche und rechtliche Form an. Viele Pastoren wehren sich zwar gegen Diskriminierungen und Anschuldigungen und erhalten auch Hilfe von der Polizei. Verfahren vor Gericht verlaufen jedoch häufig im Sande. Bitten wir um Gerechtigkeit für unsere Geschwister und dass sie ihren Nachbarn, die ihnen gegenüber oftmals feindselig eingestellt sind, Liebe und Vergebung entgegenbringen können.
  • In Sri Lanka wird berichtet, dass die radikale politische Gruppierung „Sinha Le“ oder „Das Blut des Löwen“ seit Anfang 2016 an Bedeutung gewonnen hat. Diese Gruppe sät Hass gegen die Minderheiten im Land. Nicht nur Christen, sondern auch muslimische und hinduistische Minderheiten sind betroffen. Bitte treten Sie im Gebet für Sri Lanka ein, dass die Akzeptanz für Minderheiten im Land bestehen bleibt.

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