Länderprofil Syrien

Syrien

6
Weltverfolgungsindex
2017
Flagge Syrien
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Arabische Republik
Rang Vorjahr
5
ISO
SY
Karte Syrien
Karte Syrien
Christen
0,60
Bevölkerung
18.91
Islamische Unterdrückung
Ethnisch begründete Anfeindungen
Privatleben: 14.375
Familienleben: 14.263
Gesellschaftliches Leben: 14.664
Leben im Staat: 14.584
Kirchliches Leben: 14.896
Auftreten von Gewalt: 13.704

Berichtszeitraum: 1. November 2015 – 31. Oktober 2016

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

86 Punkte / Platz 6 (WVI 2016: 87 Punkte / Platz 5)

Triebkräfte der Verfolgung

Die Triebkräfte, die Christen in Syrien betreffen, sind „Islamische Unterdrückung“ und „Ethnisch begründete Anfeindungen“ (vermischt mit Islamischer Unterdrückung).

Aktuelle Einflüsse

Die Hintergründe des syrischen Bürgerkrieges sind kompliziert, aber der religiöse Konflikt wird in erster Linie zwischen Sunniten und Schiiten (einschließlich der Alawiten) ausgetragen. Die syrische Opposition wird zunehmend „islamisiert“, und der Bürgerkrieg entwickelt sich zu einer Art „Dschihad“ gegen die syrische Regierung. Die geografische Konzentration der Christen in strategisch entscheidenden Gebieten sowie die ihnen unterstellte Sympathie für die Regierung erhöht ihre Verwundbarkeit.

Betroffene Kategorien von Christen

Von den vier im Weltverfolgungsindex unterschiedenen Kategorien von Christen sind drei in Syrien vertreten und dabei unterschiedlichen Ausprägungen von Verfolgung ausgesetzt: Christen aus traditionellen Kirchen, Christen muslimischer Herkunft und Christen aus protestantischen Freikirchen (wie evangelikale und pfingstliche Gemeinden).

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

  • Allgemein ist der Druck auf Christen in Syrien extrem hoch und im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2016 sogar leicht gestiegen. Diese leichte Korrektur nach oben beruht auf einer verbesserten Informationslage. Tatsächlich hat sich die Situation für Christen im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert.
  • Der Druck ist in allen Lebensbereichen extrem hoch und im Bereich „Kirchliches Leben“, „Gesellschaftliches Leben“ und „Leben im Staat“ am höchsten. Dies ist typisch für eine Situation, in der Islamische Unterdrückung, in Kombination mit Diktatorischer Paranoia, die Haupttriebkraft ist.
  • Obwohl das Ausmaß von Gewalt im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2016 zurückgegangen ist, ist es immer noch extrem hoch. Die meisten Christen haben die von islamistischen Kämpfern (einschließlich des „Islamischen Staates“(IS)) kontrollierten Gebiete verlassen, was die geringere Anzahl an gewaltsamen Übergriffen erklärt. Außerdem wurden viele Kirchen bereits im letzten Berichtszeitraum zerstört. Ein weiterer Punkt ist die Schwierigkeit, an zuverlässige Informationen aus einem vom Bürgerkrieg zerrütteten Land zu kommen.
  • Die Gesamtsituation in Syrien ist gekennzeichnet von schwerer Verfolgung in den von dem IS und islamistischen Kämpfern gehaltenen Gebieten, die alle Kategorien von Christen betrifft, und erheblichem Druck auf Christen mit muslimischem Hintergrund im ganzen Land.

Ausblick

Mit der anhaltenden Unterstützung durch Russland und dem Iran wird das syrische Regime wahrscheinlich in der Lage sein, die Macht im westlichen Teil des Landes zu behalten. Es ist anzunehmen, dass islamistische Kämpfer große Teile des Ostens von Syrien kontrollieren werden. Die Lage wird voraussichtlich auch in den nächsten Jahren instabil sein, was sich auf die ansässigen Christen auswirkt und sie dazu veranlasst zu fliehen. Trotzdem entscheiden sich einige Christen bewusst zu bleiben, um ihre Landsleute zu erreichen.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 86 Punkten belegt Syrien Platz 6 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2017. Das entspricht einem Rückgang um einen Indexpunkt gegenüber dem Jahr 2016 (87), als Syrien Rang 5 einnahm. Dies ist dadurch zu erklären, dass von weniger Übergriffen auf Kirchen oder auf Geschäfte/Läden, die von Christen geführt werden, berichtet wurde. Der Druck auf Christen ist in den vom „Islamischen Staat“ (IS) und islamistischen Kämpfern kontrollierten Gegenden besonders hoch. Die meisten Christen sind aus diesen Gebieten geflohen, was zu einer geringeren Zahl an gewaltsamen Übergriffen führt. Außerdem wurden bereits im letzten Berichtszeitraum viele Kirchen zerstört. Ein weiterer Punkt ist die Schwierigkeit, an zuverlässige Informationen aus einem vom Bürgerkrieg zerrütteten Land zu kommen.

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2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung: Die Kämpfer des IS und in geringerem Maß auch die Anhänger von Jabhat al-Nusra (Al Nusra Front) sind gegenwärtig die brutalsten Verfolger der Christen in Syrien. Vor dem Bürgerkrieg genossen Christen in Syrien ein vergleichsweise hohes Maß an Freiheiten. Das änderte sich mit dem Auftreten der islamisch-extremistischen Gruppierungen. Ende Juni 2014 rief der IS sein Kalifat in weiten Teilen Syriens und des Irak aus und führte dort eine strikte Form der Scharia ein. Bereits im Februar 2014 waren Christen im syrischen Rakka gezwungen worden, einen „Dhimmi-Vertrag“ (Dhimmi = „Schutzbefohlener“ des Islam mit eingeschränkten Rechten; der Status verpflichtet zur Zahlung einer – oftmals extrem hohen – Kopfsteuer) zu unterzeichnen, eine deutliche Verletzung ihrer Glaubensfreiheit. Inzwischen sind die meisten Christen aus den vom IS kontrollierten Gebieten geflohen. Der gestiegene Einfluss islamisch-extremistischer Gruppierungen hat dazu geführt, dass sich die Gesellschaft besonders in den von ihnen beherrschten Gebieten zunehmend radikalisiert.

Ethnisch begründete Anfeindungen: Die in Syrien herrschende Stammeskultur ist von der Loyalität dem eigenen Stamm oder der Familie gegenüber bestimmt. Dieses System strebt die Aufrechterhaltung traditioneller Werte und Normen an und ist dabei stark vom Islam beeinflusst. Davon sind besonders Christen muslimischer Herkunft betroffen.

Diktatorische Paranoia: Vor dem Bürgerkrieg waren die von Diktatorischer Paranoia motivierten Verfolger meistens Regierungsbeamte. Der Staat überwachte damals Kirchen beispielsweise, um die Verkündigung auf politische Aussagen zu prüfen. Inzwischen findet diese Beobachtung kaum noch statt, da die Regierung sich ganz dem Kampf gegen die verschiedenen Oppositionsgruppen widmet. Aufgrund der Umstände des Krieges gibt es kaum Anstrengungen, die Glaubensfreiheit der Christen zu schützen. Im heutigen Syrien ist diese Triebkraft hauptsächlich bei bewaffneten Gruppierungen zu beobachten, die Teile von Syrien unter ihre Kontrolle gebracht haben und nun entschlossen sind, mit allen Mitteln an der Macht zu bleiben.

Organisiertes Verbrechen und Korruption: In Syrien gehören Organisiertes Verbrechen und Korruption zum Alltag des Bürgerkrieges, der keine behördliche Strafverfolgung kennt. Menschen nutzen die Gelegenheit, sich selbst zu bereichern, beispielsweise durch Entführungen und Lösegeldforderungen. Als Geiseln werden Angehörige verschiedener Religionsgemeinschaften genommen. Da Christen in dem Ruf stehen, wohlhabend und regimetreu zu sein, werden sie aus finanziellen, politischen und ideologischen Motiven zum Ziel von Entführungen. Hinzu kommt, dass sie Teil einer besonders verwundbaren religiösen Minderheit sind.

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3. Aktuelle Einflüsse

Der syrische Bürgerkrieg begann im Jahr 2011 als ein Volksaufstand, bei dem es um größere politische Freiheiten und wirtschaftliche Reformen ging – ähnlich wie in anderen arabischen Ländern zur selben Zeit. Die Wurzeln dieses Konflikts liegen jedoch tiefer und sind komplexer. Dazu gehören Kämpfe verschiedener sozialer Klassen, Spannungen zwischen Stadt- und Landbevölkerung und Unterdrückung der politischen Freiheit. Darin liegt ein Teil der Erklärung, warum der Konflikt sich so schnell zu einem extrem gewalttätigen Konflikt religiöser Prägung entwickeln konnte, der mittlerweile sechs Jahre andauert. Der religiöse Aspekt besteht hauptsächlich in der Auseinandersetzung zwischen Sunniten und Schiiten (einschließlich der Alawiten).

Die syrische Opposition unterliegt einer stetigen „Islamisierung“, und der Bürgerkrieg entwickelt sich mehr und mehr zum „Dschihad“ gegen die syrische Regierung. Durch diesen Konflikt leiden alle Teile der syrischen Bevölkerung, allerdings sind einige verwundbarer als andere. Ein wesentliches Merkmal der syrischen Christen ist, dass ethnische und religiöse Identität eng miteinander verknüpft sind. Um die Situation der Christen im Zusammenhang des gegenwärtigen Bürgerkrieges zu verstehen, muss man die geografische Konzentration der Christen auf einige strategische Gebiete des Landes berücksichtigen, die von Regierungstruppen und der Opposition stark umkämpft sind. Dazu gehören etwa die Städte Aleppo und Damaskus mitsamt ihrer Umgebung sowie die südlichen Bereiche der Provinz Homs in der Nähe der libanesischen Grenze. Dieser Aspekt trägt maßgeblich zur erhöhten Verwundbarkeit der Christen bei; ihre angebliche Nähe zur Regierung ist ein weiterer Faktor.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

Christen aus traditionellen Kirchen (zumeist Syrisch-Orthodox und Römisch-Katholisch): Als größte christliche Gruppe im Land werden Angehörige der historisch gewachsenen christlichen Gemeinschaften gezielt angegriffen. Sie leben im ganzen Land und damit auch in den Kampfgebieten. Aus dieser Gruppe stehen aufgrund ihrer öffentlichen Präsenz besonders die Leiter im Fadenkreuz der Islamisten. Geistliche der traditionellen Kirchen sind leicht an ihrer Kleidung erkennbar, was sie zu einem einfachen Angriffsziel machen kann. Angehörige dieser Konfessionen sind auch wegen der markanten Kirchengebäude oft leichter zu identifizieren als Christen anderer Kategorien; hinzukommt, dass viele von ihnen engere wirtschaftliche oder soziale Kontakte zu staatlichen Stellen pflegen. Die Intensität der Verfolgung oder Unterdrückung durch Regimegegner hängt zudem maßgeblich von der politischen Reputation einzelner Denominationen, Gemeinden oder Kirchenleiter ab. Entscheidend dafür ist, wie sich eine Gemeinde oder ein Christ in der Vergangenheit in politischer Hinsicht positioniert hat: wurde Präsident Assad offen unterstützt, war man um Neutralität bemüht, hat man sich distanziert oder gar gegen ihn opponiert?

Christen muslimischer Herkunft: Christliche Konvertiten aus dem Islam werden besonders durch ihre Familien unter Druck gesetzt, für die es eine große Schande darstellt, wenn ein Familienmitglied den Islam verlässt. Das trifft besonders in mehrheitlich sunnitischen Gebieten zu, wo Christen muslimischer Herkunft die Verbannung durch ihre Familien oder Schlimmeres droht. Als Folge der wachsenden Radikalisierung des Islam ist die Intensität der Verfolgung von Konvertiten durch die eigene Familie und die Gesellschaft in den von Rebellen kontrollierten Gebieten spürbar gestiegen. In den Kurdengebieten war der Druck im Rahmen der Familie weniger intensiv, da die kurdischen Sunniten in der Regel weniger fundamentalistisch eingestellt sind. Da die Behörden gegenwärtig andere Prioritäten zu setzen haben, wird von ihnen anders als in früheren Jahren kaum noch Druck auf Christen muslimischer Herkunft ausgeübt.

Protestantische Freikirchen: Es handelt sich vor allem um Baptisten sowie evangelikale und pfingstliche Gemeinschaften. Diese Gemeinden sind stark gefährdet, da sie für ihre Nähe zum Westen bekannt sind, oft nur über eine lose Organisation und keine starke Leiterschaft verfügen; zudem haben sie keinen prominenten Fürsprecher im Ausland (wie etwa einen Papst oder Bischof), der ihr Anliegen öffentlich vorbringen kann.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 14.375
Familienleben: 14.263
Gesellschaftliches Leben: 14.664
Leben im Staat: 14.584
Kirchliches Leben: 14.896
Auftreten von Gewalt: 13.704

Grafik: Verfolgungsmuster Syrien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenspiel der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster Syrien:

  • Allgemein ist der Durchschnittswert für den Druck auf Christen in Syrien extrem hoch (14,556 Punkte). Die Punktzahl ist im Vergleich zum WVI 2016 (14,287) leicht gestiegen. Diese leichte Korrektur nach oben beruht auf einer verbesserten Informationslage. Tatsächlich hat sich die Situation für Christen im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert.
  • Der Druck ist in allen Lebensbereichen extrem hoch und in den Bereichen „Kirchliches Leben“ (14,896), „Gesellschaftliches Leben“ (14,664) und „Leben im Staat“ (14,584) am höchsten. Dies ist typisch für eine Situation, in der Islamische Unterdrückung, in Kombination mit Diktatorischer Paranoia, die Haupttriebkräfte sind.
  • Druck durch Islamische Unterdrückung entsteht hauptsächlich durch das soziale Umfeld in den Bereichen „Privatleben“, „Familienleben“ und „Gesellschaftliches Leben“.
  • Obwohl das Ausmaß von Gewalt im Vergleich zum WVI 2016 (15,556) zurückgegangen ist, ist es immer noch extrem hoch (13,704). Die meisten Christen haben die von islamischen Kämpfern (einschließlich des IS) kontrollierten Gebiete verlassen, was die geringere Anzahl an gewaltsamen Übergriffen erklärt. Außerdem wurden viele Kirchen bereits im letzten Berichtszeitraum zerstört. Ein weiterer Punkt ist die Schwierigkeit, an zuverlässige Informationen aus einem vom Bürgerkrieg zerrütteten Land zu kommen.
  • Die Gesamtsituation in Syrien ist charakterisiert von schwerer Verfolgung in den von dem IS und islamistischen Kämpfern gehaltenen Gebieten, die alle Kategorien von Christen betreffen, und erheblichem Druck auf Christen mit muslimischem Hintergrund im ganzen Land.

Privatleben: Der Druck ist besonders groß in den von Islamisten kontrollierten Teilen des Landes. Christen aller Kategorien sind in ihrem Glaubensleben stark eingeschränkt und dürfen beispielsweise keine christlichen Lieder singen. Unter dem Einfluss eines radikalisierten Islam erleben Christen muslimischer Herkunft größeren Druck im Bereich ihrer persönlichen Glaubenspraxis. Das gilt besonders in den von Islamisten kontrollierten Gebieten, weniger in den Kurdengebieten.

Familienleben: Besonders Christen muslimischer Herkunft erleben intensive Verfolgung in diesem Lebensbereich, sobald ihr neuer Glaube bekannt wird. Dies ist in den Kurdengebieten etwas weniger ausgeprägt. Ehemalige Muslime haben keine Möglichkeit, ihre Religionszugehörigkeit in ihren Ausweispapieren ändern zu lassen, so dass sie sich auch weder taufen noch christlich trauen lassen können. In vom IS kontrollierten Gebieten sind solche Themen für alle Kategorien von Christen problematisch. Im ganzen Land wird christlichen Ehepartnern von Muslimen im Falle einer Scheidung meistens das Sorgerecht für die Kinder entzogen.

Gesellschaftliches Leben: In vom IS beherrschten Gebieten ist die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für Christen mit größten Schwierigkeiten verbunden. Wird bekannt, dass sich ein Muslim dem christlichen Glauben zugewandt hat, stößt er im ganzen Land auf diese Schwierigkeiten. Im Herrschaftsbereich des IS gelten die islamischen Kleidervorschriften auch für Christen. Schutzgeldzahlungen, die Beachtung besonderer Vorschriften für den Handel, Ernährungsvorschriften einschließlich eines strikten Alkoholverbots sind weitere Bedingungen, denen Christen sich fügen müssen.

Leben im Staat: Aufgrund der aktuellen Zersplitterung des Landes haben die herrschende Ungerechtigkeit und der Mangel an Strafverfolgung weiter zugenommen. In von der Regierung kontrollierten Gebieten erleben Christen im öffentlichen Leben generell keine unmittelbare Diskriminierung durch die Behörden. Sie müssen jedoch jederzeit damit rechnen, auf gläserne Decken zu stoßen. Besonders Christen muslimischer Herkunft werden häufig benachteiligt, sobald ihr neuer Glaube bekannt wird. Die Weitergabe des Evangeliums und die Abkehr vom Islam sind verboten. In von extremistischen Kräften kontrollierten Gebieten gelten alle Nichtmuslime einschließlich der Christen als Bürger zweiter Klasse.

Kirchliches Leben: In den von Islamisten beherrschten Gebieten sind die meisten Kirchen entweder zerstört oder zu islamischen Zentren umfunktioniert worden. Öffentliche Ausdrucksformen des christlichen Glaubens sind verboten und weder Kirchengebäude noch Klöster dürfen repariert werden. Letzteres gilt unabhängig davon, ob die Beschädigung dem Gebäude absichtlich zugefügt wurde oder nicht. In von der Regierung kontrollierten Gebieten werden Christen aufgrund des Krieges weniger als früher überwacht. Eheschließungen von Christen muslimischer Herkunft sind jedoch nicht vorgesehen und deshalb illegal.

Auftreten von Gewalt: Die gezielte Gewalt gegen Christen hielt während des Berichtszeitraums weiter an. Die religiöse Dimension des Konfliktes hat Christen als religiöse und ethnische Minderheit in besonderem Maße verwundbar gemacht. Extremistische Muslime spielen bei der gegen Christen gerichteten Gewalt eine herausgehobene Rolle. In einer Propagandazeitschrift des IS wurde erklärt, IS-Kämpfer seien berechtigt, versklavte Nichtmuslima zu vergewaltigen. Open Doors liegen zahlreiche Berichte von Christen vor, die entführt, körperlich misshandelt und getötet wurden. Im Februar 2015 entführte der IS eine große Anzahl Assyrer, nachdem assyrische Dörfer in den Provinzen Hassaka und Homs angegriffen wurden. Die Geiseln wurden im aktuellen Berichtszeitraum nach und nach wieder freigelassen, die letzten 40 der 230 Personen erst ein Jahr nach ihrer Entführung, im Februar 2016. Durch Kriegshandlungen wurden zahlreiche Kirchengebäude beschädigt oder zerstört, was in einigen Fällen sehr gezielt geschah. Im Vergleich zum WVI 2016 wurden weniger Übergriffe auf Kirchen berichtet.

Es ist unmöglich, eine vollständige Auflistung aller gewaltsamen Übergriffe gegen Christen in Syrien zu erstellen. Deshalb sind an dieser Stelle nur einige schwerwiegende Vorfälle aus dem Berichtszeitraum des aktuellen WVI aufgelistet: Am 30. Dezember 2015 fand ein koordinierter Bombenangriff auf zwei von Christen betriebene Restaurants statt, in einem Teil von Qamischli, in dem viele Christen leben. 16 Menschen starben und mehr als 50 wurden verletzt. Von den 16 Getöteten waren 13 Christen. Der IS bekannte sich zu dem Anschlag. Am 24. Januar 2016 wurde ein weiterer Anschlag in Qamischli verübt. Zwei Bomben detonierten in einer assyrischen Nachbarschaft und beschädigten das Star Café und die Joseph-Bäckerei stark. Drei Assyrer kamen bei der Explosion um und 20 weitere wurden verletzt. Auch zu diesem Anschlag bekannte sich der IS. Es gab mehrere Anschläge auf Kirchen und Selbstmordattentate in der Nähe von Kirchen: Am 17. Januar starteten militante Gruppen einen Raketenangriff auf mehrere Teile Aleppos, bei dem die Armenisch-Evangelikale Immanuel Kirche stark beschädigt wurde. Berichten zufolge wurde das Gebäude nur wenige Stunden nach dem Sonntagsgottesdienst getroffen und glücklicherweise gab es keine Todesopfer. Am 27. März 2016 wurden mehrere Zivilisten getötet oder verletzt, als eine Selbstmordattentäterin ihren Sprengstoffgürtel vor der Syrisch-Orthodoxen St. Georg-Kirche in Ras al-ʿAin zündete. Am 19. Juni 2016 fand ein weiteres Selbstmordattentat in Qamischli statt, als sich ein Selbstmordattentäter während einer Gedenkfeier anlässlich des osmanischen Völkermords an Assyrern und Armeniern 1916 vor der St. Gabriel-Kirche in die Luft sprengte. Dabei starben vier Menschen, Kurden und Christen, und weitere wurden verletzt. Am 18. Juli 2016 stürmten anonyme Bewaffnete die Assyrisch-Orthodoxe St. Charnel-Kirche in Qamischli und zerstörten ihr Inneres.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Am Ende des Jahres 2016 scheint die syrische Regierung von der anhaltenden Unterstützung Russlands und des Iran profitiert zu haben. Die vom IS gehaltenen Gebiete im Land verkleinern sich. Nach Einschätzung der „Economist Intelligence Unit“ (EIU) der Zeitschrift „The Economist“ wird das Regime höchstwahrscheinlich in der Lage sein „ein zusammenhängendes Gebiet unter seine Kontrolle zu bringen, das den Westen Syriens einschließt und die Islamisten und dschihadistischen Rebellengruppen auf den (weniger bevölkerten) Osten des Landes zu beschränken.“ Obwohl die Intensität des Krieges etwas nachzulassen scheint, gehen EIU-Analysten davon aus, dass die humanitäre Krise noch für Jahre anhalten wird. In einer Reaktion auf die Schlacht um Aleppo zitierte die Agentur Reuters Analysten, die davor warnen, dass „selbst nach Niederschlagung des Hauptaufstandes durch Assad ihm noch Jahre voller Guerilla-Aufständen und Bombenangriffen bevorstehen, wenn er versucht, seine Macht wieder geltend zu machen“.

In dem Chaos und der mangelnden Strafverfolgung eines Bürgerkrieges sind Minderheiten besonders verwundbar. Das trifft auch auf syrische Christen zu, die direkte Ziele von Angriffen wurden. Ausgehend von der Einschätzung der EIU ist anzunehmen, dass die Situation für Christen in Syrien in nächster Zeit nicht sicher sein wird. Dies betrifft vor allem Christen, die entlang der Frontlinien oder in von Rebellen kontrollierten Gebieten leben, und wird sie wahrscheinlich auch weiterhin zwingen, das Land zu verlassen. Die Präsenz von Christen als mögliche Vermittler und Brückenbauer in Gesellschaften mit vielen verschiedenen Facetten des Islam ist von großer Wichtigkeit. Mit dem Rückgang der christlichen Bevölkerungsanteile werden die Instabilität und die Schärfe der Konflikte mutmaßlich weiter zunehmen. Inmitten der Gewalt und Verfolgung gibt es dennoch kleine Hoffnungszeichen. Obwohl viele Christen das Land verlassen haben oder als Flüchtlinge im Land leben und diese Bewegung anhält, gibt es weiterhin viele, die sich bewusst entschlossen haben, in Syrien zu bleiben. Sie wollen gerade in dieser unerträglichen Zeit ihrem Land dienen. Außerdem wächst die Anzahl derer, die sich ungeachtet der Schrecken des Bürgerkrieges dem christlichen Glauben zugewandt haben.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Syrien:

  • Beten Sie für Frieden in Syrien. Die Nachrichten, die tagtäglich aus Teilen Aleppos kommen, sind herzzerreißend. Jeden Tag sterben Menschen durch Bombardierungen durch die syrische oder russische Luftwaffe, unter ihnen viele Frauen und Kinder. Ost-Aleppo ist nahezu vollständig zerstört. Bitte beten Sie für ein Ende der Kämpfe und der Bombardierungen.
  • Beten Sie für die mehr als 4,8 Millionen syrischen Flüchtlinge in den Nachbarländern Syriens und die Flüchtlinge, die noch weiter weg geflohen sind (1,1 Millionen Syrer haben in Europa Asyl gesucht). Bitte beten Sie, dass sie gut in ihren Gastländern aufgenommen werden. Bitte beten Sie, dass die Kirchen in diesen Ländern ihnen die Liebe Jesu zeigen.
  • Bitte beten Sie für die syrische Regierung, dass sie die richtigen Entscheidungen trifft, die gut für das Volk und die Zukunft Syriens sind.
  • Bitte beten Sie für die Christen, die immer noch in Gebieten leben, die unter Kontrolle des Islamischen Staates oder anderer Islamistengruppen sind. Beten Sie, dass sie an Jesus festhalten und dass sie Möglichkeiten finden, sich gegenseitig zu ermutigen und zu stärken.

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