Länderprofil Tadschikistan

Tadschikistan

35
Weltverfolgungsindex
2017
Flagge Tadschikistan
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Republik
Rang Vorjahr
31
ISO
TJ
Karte Tadschikistan
Karte Tadschikistan
Christen
0,06
Bevölkerung
8.86
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 12.604
Familienleben: 10.337
Gesellschaftliches Leben: 9.696
Leben im Staat: 10.547
Kirchliches Leben: 12.552
Auftreten von Gewalt: 1.852

Berichtszeitraum: 1. November 2015 – 31. Oktober 2016

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

58 Punkte / Platz 35 (WVI 2016: 58 Punkte / Platz 31)

Triebkräfte der Verfolgung

Die Triebkräfte der Verfolgung von Christen in Tadschikistan sind „Diktatorische Paranoia“ (entstanden aus der „Kommunistischen Unterdrückung“) und in geringerem Ausmaß „Islamische Unterdrückung“.

Aktuelle Einflüsse

Am 1. März 2015 fanden in Tadschikistan Parlamentswahlen statt. Schon bald nach den Wahlen, welche von Präsident Emomali Rahmon gewonnen wurden, traten Veränderungen im Land ein. Immer mehr restriktive Maßnahmen wurden eingeführt – auch im Bereich der Religion. Daraufhin bekamen die Christen mehr Druck vonseiten der Regierung zu spüren.

Betroffene Kategorien von Christen

In Tadschikistan existieren alle vier im WVI unterschiedenen Kategorien von Christen; sie sind in unterschiedlichem Ausmaß von Verfolgung betroffen. Gemeinschaften ausländischer Christen oder Arbeitsmigranten und Christen aus traditionellen Kirchen bekommen zumindest Probleme von der Regierung, auch wenn sie normalerweise nicht aktiv evangelisieren. Gemeinschaften von christlichen Konvertiten – in diesem Fall Konvertiten mit muslimischem Hintergrund – tragen die Hauptlast der Verfolgung sowohl vonseiten des Staates als auch vonseiten der Familie, der Freunde und des sozialen Umfelds. Christen aus protestantischen Freikirchen, die aktiv evangelisieren, erleben Razzien, werden bedroht, eingesperrt oder erhalten Geldstrafen, besonders wenn ihre Kirchen nicht registriert sind.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

  • Durchschnittlich ist der Druck auf Christen im Berichtszeitraum des WVI 2017 sehr gering zurückgegangen, bleibt aber weiterhin insgesamt sehr hoch.
  • Im „Privatleben“, im „Leben im Staat“ und im „Kirchlichen Leben“ ist der Druck sehr hoch. Der Druck im „Familienleben“ und im „Gesellschaftlichen Leben“ ist hoch. Dies ist ein typisches Merkmal für ein Land, in dem Diktatorische Paranoia, angeheizt durch die Regierung, die Haupttriebkraft der Verfolgung darstellt.
  • Islamische Unterdrückung herrscht vor allem im Privatleben, im Familienleben und im gesellschaftlichen Leben und wird hauptsächlich vom sozialen Umfeld auf Christen muslimischer Herkunft ausgeübt.
  • Der Wert für das Auftreten von Gewalt hat sich im Vergleich zum Berichtszeitraum des WVI 2016 verdoppelt, bewegt sich aber trotzdem auf niedrigem Niveau.
  • Im Großen und Ganzen wird die Verfolgungssituation in Tadschikistan hauptsächlich durch eine autoritäre Regierung hervorgerufen, die es darauf abgesehen hat, alle Lebensbereiche zu kontrollieren.

Ausblick

Die Regierung übt starken Druck auf alle „von der Norm abweichenden“ Gruppen aus, Christen eingeschlossen. Indem die Regierung die bereits bestehenden Gesetze verschärft und diese strikt anwendet, übt sie zusätzlichen Druck auf die christliche Minderheit aus. Besonders das Jugendgesetz lässt Christen (und andere betroffene religiöse Minderheiten) in Unklarheit darüber, was erlaubt ist und was gegen das Gesetz verstößt. Das Regime ist anderen autoritären Regierungen in Zentralasien immer ähnlicher geworden – das bedeutet, dass sich die Situation für Christen wahrscheinlich in Zukunft sogar noch verschlimmern wird. Der Druck vonseiten des sozialen Umfelds (meist auf Christen muslimischer Herkunft) wird weiter anhalten.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 58 Punkten steht Tadschikistan auf Platz 35 des Weltverfolgungsindex (WVI) 2017. Im Jahr 2016 nahm Tadschikistan mit ebenfalls 58 Punkten Rang 31 ein. Seit dem WVI 2015 hat sich die Gesamtwertung für Tadschikistan von einer Wertung von 50 Punkten beträchtlich erhöht, seitdem jedoch blieb das Niveau der Verfolgung mehr oder weniger konstant auf diesem höheren Stand. Vor den Parlamentswahlen im März 2015 galt Tadschikistan als schwacher und korrupter Staat, doch nun wurde alle Opposition ausgelöscht. Diese diktatorische Verschiebung wirkte sich auch auf die Kirche aus.

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2. Triebkräfte der Verfolgung

Die Triebkräfte der Christenverfolgung in Tadschikistan sind „Diktatorische Paranoia“ und in geringerem Maße auch „Islamische Unterdrückung“. Die Diktatorische Paranoia in Tadschikistan ist ein Produkt der kommunistischen Vergangenheit und aus der kommunistischen Unterdrückung entstanden.

Diktatorische Paranoia: Außerhalb der vom Staat genehmigten und beaufsichtigten Einrichtungen ist keine religiöse Aktivität erlaubt. 2015 erhöhten die Behörden den Druck noch weiter; es gab mehr Razzien bei Versammlungen und Gläubige wurden verhört. Es kommt sehr häufig vor, dass Mitglieder protestantischer Kirchen pauschal als Anhänger einer fremdartigen Sekte angesehen werden, deren einziges Ziel es ist, die bestehende Regierungsform auszuspionieren und zu zerstören. Aus dieser Perspektive müssen sie nicht nur kontrolliert, sondern wenn nötig ausgerottet werden. Die Überwachung betrifft auch den Religionsunterricht, unabhängig davon, um welche Religion es geht.

Kommunistische Unterdrückung: Der Kommunismus ist das historische Fundament, auf dem das jetzige Regime basiert. Der Kommunismus hat zwar keine Bedeutung mehr für die ideologische Ausrichtung des Regimes, doch zahlreiche Kontrollsysteme und Mechanismen entstammen noch dem kommunistischen System.

Islamische Unterdrückung: Der Druck aus islamischen Kreisen richtet sich vor allem gegen Christen muslimischer Herkunft. Wenn Einheimische zum christlichen Glauben übertreten, sind sie starkem Druck bis hin zu physischer Gewalt von ihren Familien, Freunden und der örtlichen Gemeinschaft ausgesetzt, die sie zwingen wollen, wieder ihren alten Glauben anzunehmen. Einige Christen muslimischer Herkunft werden für lange Zeit eingesperrt und geschlagen. Örtliche Mullahs sprechen sich offen gegen die Christen aus, was zur Folge haben kann, dass diese aus der Gesellschaft verstoßen werden. Viele Christen muslimischer Herkunft halten deshalb ihren Glauben geheim.

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3. Aktuelle Einflüsse

Tadschikistan ist das einzige zentralasiatische Land mit einer persischen Landessprache. Kulturell gesehen hat das Land größere Ähnlichkeit mit dem Iran und Afghanistan als andere zentralasiatische Länder. Tadschikistan ist eines der ärmsten Länder dieser Region. Es lebt sehr stark von den Geldüberweisungen der Arbeitsmigranten aus dem Ausland. Man geht davon aus, dass bis zu zwanzig Prozent der Bevölkerung in Russland oder Kasachstan arbeiten. Dies hat sowohl positive als auch negative Folgen. Auf der einen Seite stellen die Überweisungen der Arbeitsmigranten sicher, dass etwa sechzig Prozent der Bevölkerung mit diesem Geld ihren Alltag bewältigen können. Auf der anderen Seite stehen jedoch die enormen sozialen Auswirkungen – Familien werden auseinandergerissen und viele Kinder wachsen ohne männliche Verwandte auf.

Tadschikistans Grenze zu Afghanistan ist 1.200 km lang. Dies hat mehrere Auswirkungen: a) es gibt einen ausgedehnten Drogenhandel von Afghanistan über Tadschikistan in den Westen; b) Tadschiken (die auch in Afghanistan leben) sind in islamistische Kämpfe verwickelt; c) was auf der anderen Seite der Grenze passiert, hat große Auswirkungen auf Tadschikistan. Da die westlichen Truppen Afghanistan zunehmend verlassen, suchte Tadschikistan Hilfe bei Russland. Dafür hat das Land Militärstützpunkte als Gegenleistung für Grenzkontrollen durch russische Soldaten angeboten.

Am 1. März 2015 fanden in Tadschikistan Parlamentswahlen statt. Bis zu diesem Zeitpunkt war Tadschikistan das einzige Land in der Region, welches eine anerkannte Oppositionspartei hatte – eine religiös fundierte: die „Partei der islamischen Wiedergeburt Tadschikistans“. Schon bald nach den Wahlen, welche, wie erwartet, von Präsident Emomali Rahmon gewonnen wurden, traten markante Veränderungen im Land ein. Innerhalb weniger Monate wurde die Oppositionspartei verboten. Immer mehr restriktive Maßnahmen erfolgten – einschließlich im Bereich der Religion. Derzeit ist die Regierung Tadschikistans viel mehr auf einer Linie mit den anderen diktatorischen Regimen in Zentralasien.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

In Tadschikistan existieren alle vier Kategorien von Christen; sie sind in unterschiedlichem Ausmaß von Verfolgung betroffen.

Gemeinschaften ausländischer Christen und Arbeitsmigranten: Da die meisten dieser Gruppen nach innen ausgerichtet sind und sie sich folglich kaum an evangelistischen Aktivitäten beteiligen, erleben sie vonseiten der Behörden fast keine Schwierigkeiten.

Christen aus traditionellen Kirchen: Sie verbreiten das Evangelium nicht unter Tadschiken, weshalb sie von der Regierung nicht als Gefahr betrachtet werden und in dieser Form weiter bestehen dürfen. Darüber hinaus hat die tadschikische Regierung kein Interesse daran, Russland zu provozieren, indem sie die Russisch-Orthodoxe Kirche angreift.

Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten): Christen muslimischer Herkunft bekommen die volle Wucht der Verfolgung in Tadschikistan zu spüren. Neben einigen staatlichen Restriktionen stehen sie zusätzlich unter enormem Druck vonseiten der Familie, ihrer Freunde und der Gesellschaft, wobei für sie der gesellschaftliche Druck wohl der schlimmste ist. Übertritte zum christlichen Glauben werden als Verrat am Volk, am Staat und an der Religion der Väter angesehen und gelten zudem als Schande für die Familie.

Christen aus protestantischen Freikirchen (wie z.B. Baptisten, evangelikale und pfingstkirchliche Gemeinschaften): Nach Christen mit muslimischem Hintergrund ist diese Gruppe die am zweitmeisten verfolgte Gruppe von Christen (besonders, weil sie aktiv evangelisieren). Sie erleben häufig Razzien, Bedrohungen, Inhaftierungen und Geldstrafen durch die Behörden.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 12.604
Familienleben: 10.337
Gesellschaftliches Leben: 9.696
Leben im Staat: 10.547
Kirchliches Leben: 12.552
Auftreten von Gewalt: 1.852

Grafik: Verfolgungsmuster Tadschikistan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenspiel der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster Tadschikistan:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen hat ganz leicht abgenommen, von 11,337 (WVI 2016) auf 11,147.
  • Der Druck ist am stärksten in den Bereichen „Privatleben“, „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“. Dies ist ein typisches Merkmal für einen Staat, in dem Diktatorische Paranoia die Haupttriebkraft der Verfolgung ist.
  • Islamische Unterdrückung erzeugt derzeit hauptsächlich Druck im Privatleben, im Familienleben und im Gesellschaftlichen Leben und wird besonders auf Christen muslimischer Herkunft durch das soziale Umfeld ausgeübt.
  • Der Wert für Gewalt gegen Christen ist auf niedrigem Niveau und ist von 0,926 (WVI 2016) auf 1,852 angestiegen.
  • Im Allgemeinen gründet die Verfolgungssituation in Tadschikistan auf einer repressiven Regierung, die es darauf abgesehen hat, alle Lebensbereiche zu kontrollieren.

Privatleben: Ein Glaubenswechsel ist gesetzlich nicht verboten, trotzdem bleibt eine Bestrafung für Konvertiten meist nicht aus, besonders durch Familienmitglieder. Für Christen muslimischer Herkunft ist es äußerst riskant, Gottesdienste zu feiern. Es gibt Berichte über Konvertiten, die von ihren Familien stark verfolgt wurden und zur Aufgabe ihres christlichen Glaubens gezwungen wurden. Der Besitz christlicher Literatur und das Tragen christlicher Symbole sind vor allem für Christen muslimischer Herkunft riskant, die diese Dinge aus Angst vor Strafmaßnahmen ihrer Familien üblicherweise verstecken. Doch auch andere Christen bringen sich dadurch in Gefahr, da der Besitz christlicher Literatur und das Zeigen christlicher Symbole als Form der Evangelisation angesehen werden könnten. Konvertiten müssen auch bei der Nutzung von christlichem Radio, Fernsehen oder Webseiten große Vorsicht walten lassen, um nicht von ihren Familien, ihren Freunden oder ihrem sozialen Umfeld entdeckt zu werden. Christen muslimischer Herkunft, die mit Familienmitgliedern oder anderen Personen über ihren neuen Glauben sprechen, müssen befürchten, dass die Familie alles daran setzen wird (manchmal in Form von Hausarrest), den Konvertiten zum alten Glauben zurückzubringen.

Familienleben: Die Religionszugehörigkeit einer Person wird in offiziellen Dokumenten nicht registriert, doch gelegentlich behindern lokale Behörden (die von ortsansässigen Muslimen geführt werden) die Registrierung von Geburten, Hochzeiten oder Todesfällen von Christen muslimischer Herkunft. Auch verhindern muslimische Familien und Behörden Hochzeiten oder Taufen von Christen muslimischer Herkunft. Seit August 2011 ist jede religiöse Aktivität für Jugendliche unter 18 Jahren streng verboten. Christliche Jugendarbeit kann nur noch im Geheimen stattfinden, und es gab Razzien während Kinderfreizeiten im Sommer. Kinder und Teenager dürfen nicht zur Sonntagsschule kommen oder am Religionsunterricht teilnehmen. Islamische Themen hingegen sind Teil des Lehrplans und alle Kinder sind verpflichtet, diesen Unterricht zu besuchen. Oft werden die Kinder von Christen in der Schule vor den anderen Kindern gedemütigt. In einigen Fällen wurden die Ehepartner der Konvertiten durch Drohungen zur Trennung gezwungen und Christen muslimischer Herkunft stehen in der Gefahr, ihr Erbrecht zu verlieren.

Gesellschaftliches Leben: Auf gesellschaftlicher Ebene werden Christen muslimischer Herkunft und Protestanten konstant überwacht. Christen muslimischer Herkunft stehen unter starkem Druck (durch Bedrohungen und Belästigungen), ihren neuen Glauben aufzugeben. Protestanten müssen sehr vorsichtig sein, wenn sie evangelisieren oder ihnen wird Gewalt angedroht. Für Christen muslimischer Herkunft werden Hochzeiten von den Eltern arrangiert. Christliche Frauen muslimischer Herkunft werden immer wieder verschleppt und mit einem Muslim verheiratet. Sie alle stehen unter dem Druck, an islamischen Zeremonien und Festen teilnehmen zu müssen. Kinder von Christen muslimischer Herkunft stehen in der Schule gesellschaftlichem Druck gegenüber, da sie oft von ihren Lehrern und Mitschülern lächerlich gemacht werden. Christen, deren Glaube bekannt ist, haben geringere Karrieremöglichkeiten und eine Anstellung bei lokalen Behörden ist undenkbar. Lokale Einrichtungen und Behörden verhindern, dass Christen (und allen voran Christen muslimischer Herkunft) ein eigenes Geschäft betreiben können. Viele müssen in Tadschikistan Bestechungsgelder und Schutzgelder bezahlen, wobei dies nicht ausschließlich auf Christen zutrifft. Die lokalen Polizeibehörden verhören regelmäßig Christen.

Leben im Staat: Der Staat behauptet von sich selbst, ein säkularer Staat zu sein. Die Verfassung schützt zwar die Religionsfreiheit, doch in Wirklichkeit schränkt die Regierung mit ihrer Politik die Religionsfreiheit ein. Einige lokale und regionale Führungskräfte schaffen bürokratische Barrieren für Christen, welche die Registrierung von Kirchen beeinträchtigen können. Es gibt keine Alternative zum obligatorischen Militärdienst, und wer ihn verweigert, wird inhaftiert. Ein im Juli 2012 erlassenes Gesetz verbietet es tadschikischen Bürgern, ins Ausland zu gehen, um dort eine religiöse Ausbildung zu erhalten, selbst zu unterrichten oder Beziehungen zu ausländischen religiösen Organisationen aufzubauen. Protestantischen Christen werden Posten im öffentlichen Dienst verweigert, da sie als ausländischer Einfluss angesehen werden, welcher die tadschikische Gesellschaft bedroht und dem man nicht trauen darf. Seit März 2015 wurden Restriktionsmaßnahmen gegen alle nichtstaatlichen Organisationen vorgenommen. Alle Tätigkeiten der Kirche in Bezug auf die Gemeindearbeit, einschließlich von Jugendarbeit und der Veröffentlichung christlicher Literatur, wurden eingeschränkt und von der Regierung zensiert. Regierungsangestellte und alle Mitglieder der Gesellschaft können Christen belästigen, festnehmen oder verhören, ohne dafür strafrechtlich belangt zu werden. Christen werden vor Gericht ungerecht behandelt.

Kirchliches Leben: Alle christlichen Aktivitäten werden überwacht. Nur registrierte Gruppen dürfen überhaupt existieren, Gebäude besitzen, Versammlungen abhalten, religiöses Material besitzen etc.; ohne Registrierung gilt die Gruppe als illegal und wird polizeilich verfolgt. Eine Registrierung zu erwirken ist extrem schwierig. Oft werden Versammlungen von Christen durch Razzien gestört. Die Gesetze vom August 2011 verbieten jegliche Art von Jugendarbeit. Da ca. 50% aller Christen in Tadschikistan Jugendliche sind, hat dies weitreichende Konsequenzen. Der „Rat für religiöse Angelegenheiten“ muss alle Predigten sowie christliches Material genehmigen. Schulungen für religiöse Leiter können ebenfalls nur von registrierten Gruppen (von denen es nur sehr wenige gibt) durchgeführt werden. Manchmal können nicht-registrierte Gruppen solche Schulungen unter dem Schirm von registrierten Gruppen durchführen. Die Medien in Tadschikistan werden vom Staat kontrolliert und sind somit für Christen unzugänglich. Zugang zum Internet ist nur über staatliche Anbieter möglich. Die Regierung erlaubt Christen weder, ihre eigenen Schulen, Organisationen oder Einrichtungen zu gründen noch gemeinnützige, humanitäre, medizinische Vereine oder Kulturverbände zu eröffnen. Als Teil der von der Regierung eingeleiteten Maßnahmen gegen die radikale Ausübung von Religion ist jeglicher Kontakt zu religiösen Gruppen im Ausland verboten.

Auftreten von Gewalt: Auf den ersten Blick scheint die Verfolgung in Tadschikistan nicht besonders gewalttätig zu sein, doch dies ist auf die geringe Größe der Kirche und die Angst der Christen zurückzuführen, Vorfälle zu melden. Fest steht, dass die Dunkelziffer der Vorfälle viel höher ist. Im Berichtszeitraum wurden mehr als zehn Christinnen muslimischer Herkunft sexuell belästigt, um sie damit unter Druck zu setzen, zum Islam zurückzukehren. Mindestens 15 Christinnen muslimischer Herkunft wurden gezwungen, Muslime zu heiraten. Mindestens zwei Christen wurden körperlich misshandelt. Mindestens zwei Christen wurden bedroht und mussten daher ihr Zuhause verlassen.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Die Regierung übt starken Druck auf alle „von der Norm abweichenden“ Gruppen aus, Christen eingeschlossen. Indem die Regierung die bereits bestehenden Gesetze verschärft und diese strikt anwendet, übt sie zusätzlichen Druck auf die christliche Minderheit aus. Besonders das neue Jugendgesetz lässt Christen (und andere betroffene religiöse Minderheiten) in Unklarheit darüber, was erlaubt ist und was gegen das Gesetz verstößt. Das Regime wurde in jüngster Zeit immer mehr, wie auch andere repressive Regierungen in Zentralasien sind - das bedeutet, dass sich die Situation für Christen wahrscheinlich in Zukunft sogar noch verschlimmern wird. Der Druck vonseiten des sozialen Umfelds (meist auf Christen muslimischer Herkunft) wird weiter anhalten.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Tadschikistan:

  • Bitte beten Sie für die Christen, die von den Behörden überwacht werden und die durch ihre Familien geschlagen und unter Druck gesetzt werden, ihren Glauben zu widerrufen. Beten Sie dafür, dass sie in dieser Verfolgung stark bleiben.
  • Das Regime in Tadschikistan übt großen Druck auf „abweichende“ Gruppierungen wie Christen aus. Durch die Verschärfung von bereits bestehenden Gesetzen und ihre strikte Durchsetzung setzt die Regierung die christliche Minderheit unter großen Druck. Bitte beten Sie, dass dieser Druck sich lockert, und dass das Land sich mehr und mehr für den christlichen Glauben öffnet.
  • Christen werden als Extremisten angesehen, da sie ihren Glauben außerhalb der vom Staat genehmigten Strukturen leben. Bitte beten Sie, dass sich diese Sicht auf Christen ändert.

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