Länderprofil Vietnam

Vietnam

17
Weltverfolgungsindex
2017
Flagge Vietnam
Hauptreligion
Buddhismus
Staatsform
Sozialistische Republik
Rang Vorjahr
20
ISO
VN
Karte Vietnam
Karte Vietnam
Christen
8,37
Bevölkerung
95.42
Kommunistische Unterdrückung
Ethnisch begründete Anfeindungen
Privatleben: 12.188
Familienleben: 7.692
Gesellschaftliches Leben: 11.859
Leben im Staat: 14.323
Kirchliches Leben: 13.594
Auftreten von Gewalt: 11.111

Berichtszeitraum: 1. November 2015 – 31. Oktober 2016

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

71 Punkte / Platz 17 (WVI 2016: 66 Punkte / Platz 20)

Triebkräfte der Verfolgung

Die Triebkräfte der Verfolgung von Christen in Vietnam sind „Kommunistische Unterdrückung“ und „Ethnisch begründete Anfeindungen“.

Aktuelle Einflüsse

Kommunismus ist in Vietnam mehr als nur Schein, wie sich im Januar 2016 zeigte, als die neue Führungsriege des Landes bekannt gegeben und damit alle Hoffnungen auf einen mehr reformerischen Ansatz zunichtegemacht wurden. Die katholische Kirche ist bei weitem die größte Gemeinschaft von Christen im Land, doch die Regierung betrachtet sie als mit der ausländischen Macht des Vatikans verbunden und als ein Relikt der französischen Kolonialzeit. Am 18. November 2016 verabschiedete die Regierung ein neues Glaubens- und Religionsgesetz, eine überarbeitete Version des Dekrets 92, welches die Religionsfreiheit erheblich einschränkt.

Betroffene Kategorien von Christen

In Vietnam sind alle Kategorien von Christen (nach der Einteilung des Weltverfolgungsindex) vertreten und von Verfolgung betroffen. Gemeinschaften von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten werden regelmäßig von der Regierung überwacht. Christen aus traditionellen Kirchen erlebten Inhaftierungen und Grundstücksenteignungen durch die Behörden. Christliche Konvertiten mit buddhistischem oder ethnisch-animistischem Hintergrund sind mit der stärksten Verfolgung konfrontiert, welche nicht nur von der Regierung ausgeht, sondern auch von Familie, Freunden und Nachbarn. Christen aus protestantischen Freikirchen versammeln sich häufig in Hausgemeinden; ihre Mitglieder stammen oft (wie auch Konvertiten) aus ethnischen Minderheiten wie den Bergstämmen und erleben Diskriminierung auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

  • Der Druck auf Christen ist insgesamt sehr hoch und stieg im Berichtszeitraum erheblich an. Für diese Entwicklung sind hauptsächlich die Behörden verantwortlich, die verstärkt auf die kommunistische Rhetorik zurückgreifen, und der neue Gesetzesentwurf, der die Freiheit religiöser Gruppen insbesondere durch die Überwachung ihrer Versammlungen einschränkt.
  • Der Druck ist in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ besonders stark, was für kommunistische Länder typisch ist. Doch auch im Privatleben ist der Druck sehr hoch, was die Schwierigkeiten der christlichen Konvertiten aus anderen religiösen Hintergründen widerspiegelt.
  • Kommunistische Unterdrückung und Ethnisch begründete Anfeindungen äußern sich sowohl in den oben angeführten Lebensbereichen als auch im gesellschaftlichen Leben. Der Druck in diesem Bereich rührt daher, dass viele der Christen aus ethnischen Minderheiten stammen.
  • Letztendlich spiegelt sich der steigende Druck auch darin wider, dass sich die Gewalt gegen Christen verstärkt hat und weiterhin sehr hoch ist. Im Berichtszeitraum wurden drei Christen wegen ihres Glaubens getötet.

Ausblick

Die Kommunistische Partei hat statt eines Reformers einen Technokraten als ihren neuen Vorsitzenden eingesetzt. Die wachsenden Spannungen im Verhältnis zu China könnten zu einer Phase der Unsicherheit und Neuorientierung führen und zur Unterdrückung aller abweichenden Ansichten, einschließlich jener der Christen. Obwohl ihnen ein Mitspracherecht im Entstehungsprozess des Religionsgesetzes gewährt wurde, können Christen und andere religiöse Minderheiten keine Erleichterungen davon erwarten – im Gegenteil, das Gesetz wird ihnen in Zukunft Probleme bereiten.

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Vietnam: Erhöhter Druck auf Christen

(Open Doors, Kelkheim) – In Vietnam werden Christen immer stärker unter Druck gesetzt.

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Vietnam: Christen verprügelt und verhaftet

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Vietnam: Leise Hoffnungszeichen trotz harter Verfolgung

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Vietnam: Zwei Kirchen abgerissen

(Open Doors) - Obwohl in Vietnam die Religionsfreiheit in der Verfassung verankert ist, behalten die Behörden alle christlichen Aktivitäten im Lande fest im Blick.

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Vietnam: Mehrere Jahre Gefängnis für Christin

 

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Vietnam: Christen zu Haftstrafen verurteilt

In Vietnam sind zwei evangelische Christen zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. Ihnen wurde angebliche "Propaganda gegen die Sozialistische Republik" zur Last gelegt.

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Vietnam: Verletzten Christen Hilfe verweigert

 

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Christen in Vietnam: Kontrollierter Glaube

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Vietnam: Gemeindegrundstück beschlagnahmt

 

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 71 Punkten belegt Vietnam Platz 17 auf dem Weltverfolgungsindex 2017. Das entspricht einem Anstieg um 5 Punkte gegenüber dem Jahr 2016, als das Land Rang 20 einnahm. Etwa zur Hälfte ist diese Zunahme auf vermehrte Gewalt zurückzuführen, zur anderen Hälfte auf den gestiegenen Druck in allen Lebensbereichen (am stärksten in den Bereichen „Gesellschaftliches Leben“ und „Familienleben“).

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2. Triebkräfte der Verfolgung

Kommunistische Unterdrückung: Vietnam oder – wie der offizielle Name lautet – die „Sozialistische Republik Vietnam“ ist eines der fünf verbliebenen Länder, die von einer kommunistischen Partei regiert werden. Kommunismus ist in Vietnam mehr als nur Schein, wie sich im Januar 2016 zeigte, als die neue Führungsriege des Landes bekannt gegeben und damit alle Hoffnungen auf einen mehr reformerischen Ansatz zunichtegemacht wurden, indem ein Technokrat eingesetzt wurde. Vietnam überwacht alle christlichen Aktivitäten und übt in hohem Maße Druck auf die Christen aus. Die katholische Kirche ist bei weitem die größte Gemeinschaft von Christen im Land, doch die Beziehung zu den Regierungsbehörden ist heikel, da die römisch-katholische Kirche mit dem Vatikan und damit mit einer ausländischen Macht in Verbindung steht und oft als ein Relikt der französischen Kolonialzeit betrachtet wird. Vor allem in ländlichen Gebieten herrschen noch Vorurteile wie „Katholiken sind Franzosen und Protestanten sind Amerikaner“. Besonders misstrauisch ist die Regierung gegenüber den ethnischen Minderheiten, die im zentralen und nördlichen Bergland leben und als „Montagnards“ bekannt sind. Viele von ihnen sind protestantische Christen, und nach vorliegenden Berichten hat sich unter ihnen der christliche Glaube weiter verbreitet.

Ethnisch begründete Anfeindungen: Die genauen Zahlen sind nicht bekannt, doch die Mehrzahl der Christen hat einen Stammeshintergrund und einigen Schätzungen zufolge gehören bis zu 80 % der protestantischen Christen einer ethnischen Minderheit an, viele davon den Hmong oder Bru. Wenn die Dorfältesten oder andere Dorfbewohner herausfinden, dass Leute aus ihrem Stamm Christen geworden sind, werden diese dazu gezwungen, den jahrhundertealten Traditionen und Werten ihrer Gemeinschaft weiterhin zu folgen. Um die Stammeskultur zu bewahren, schließen die Dorfältesten Christen oft aus der Gemeinschaft aus, da diese als Verräter ihrer Kultur und Identität gelten. Oft reagieren die Dorfgemeinschaften gewalttätig auf neue christliche Konvertiten und verbannen sie aus den Dörfern. Dabei arbeiten die Stammesführer mit den lokalen Behörden gegen diese Konvertiten zusammen.

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3. Aktuelle Einflüsse

Vietnam folgt weiterhin der „Doi-Moi“-Politik (wörtlich übersetzt: „Erneuerung“), die im Jahr 1986 mit der Absicht eingeführt wurde, den Wirtschaftssektor zu reformieren und zu verbessern. Dadurch wurden gute Ergebnisse erzielt, das Bruttoinlandsprodukt hat sich binnen zehn Jahren verdoppelt, außerdem wurden die Armut und die Arbeitslosigkeit verringert. Jedoch hat diese Politik auch ihren Preis. Viele der kommunistischen Führer aus Politik und Militär leben in großem Wohlstand, was die Ideologie des Landes in eine Krise stürzte. Gerade in den Städten ist der Kommunismus mehr zu einer bloßen Phrase geworden und hat wenig mit der Lebenswirklichkeit zu tun. Gerade junge Leute haben begonnen, Fragen zu stellen. Allerdings gehen die Behörden immer härter gegen diejenigen vor, die von den Regeln abweichen – besonders gegen Menschenrechtsaktivisten. Viele von diesen sind Christen und wurden schikaniert, zusammengeschlagen, inhaftiert und verurteilt.

Eine weitere Herausforderung in dieser Hinsicht ist die wachsende Spannung mit Vietnams großem Nachbarn China. Obwohl dieses Land ebenfalls kommunistisch ist und die vietnamesische Bevölkerungsmehrheit der Kinh chinesische Wurzeln hat („Viet Nam“ bedeutet wörtlich „Land im Süden“, von China aus gesehen), ist die Beziehung zwischen den beiden Staaten in jüngster Zeit zunehmend angespannt. Der Hauptgrund dafür sind Chinas Aktivitäten im Südchinesischen Meer. China beansprucht das Gebiet für sich allein und ignoriert alle möglichen Ansprüche anderer Staaten, auch wenn diese durch internationales Recht gedeckt sind. China hat in diesen Gewässern nicht nur vietnamesische Schiffe angegriffen, sondern auch Bauten auf Riffen und Felsen errichtet, um seinen Anspruch zu untermauern. Dies führte zu gewaltsamen Angriffen auf chinesische Firmen in Vietnam, und nach dem Urteil eines internationalen Schiedsgerichts, in dem Chinas Forderung abgelehnt wurde, begann Vietnam Berichten zufolge damit, auf seinen Inseln moderne Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite bis zu den chinesischen Inseln aufzustellen. Dies ist ein weiteres Zeichen dafür, dass sich das Verhältnis zu China zunehmend verschlechtert, während sich die Beziehung zum ehemaligen Erzfeind USA verbesserte – ein sichtbares Zeichen dafür war der Besuch des Präsidenten Obama im Mai 2016. Es ist allerdings möglich, dass die neue US-Regierung keinen besonderen Wert auf eine weitere Verbesserung des Verhältnisses zu Vietnam legt; ein Anzeichen dafür ist, dass das Transpazifische Partnerschaftsabkommen nicht weiter verfolgt wird.

Während des 12. Parteikongresses im Januar 2016 wurde eine neue Regierung bestimmt, wobei die Besetzung des wichtigsten und einflussreichsten Postens des Generalsekretärs unverändert blieb. Obwohl Premierminister Dung, der für eine eher liberale Politik stand, weithin als der wahrscheinlichste Kandidat galt, wurde er erfolgreich verdrängt. Die Führung entschied sich für den aus ideologischer Sicht sicheren Weg und wählte Parteichef Trong für eine zweite Amtszeit als Generalsekretär. Dies ist ein klares Zeichen für Kontinuität und es ist deshalb zu erwarten, dass der vergleichsweise liberale wirtschaftliche Ansatz der Regierung von strenger politischer Kontrolle beschränkt sein wird. Bürgerrechte und Religionsfreiheit bleiben ein ferner Traum und es ist noch nicht ersichtlich, ob die neue Regierung eine engere Beziehung zu China anstreben oder die neuen Verbindungen zu den USA stärken wird. In jedem Fall können die Christen weder mehr Freiheit noch ein vorteilhafteres neues Religionsgesetz erwarten.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

In Vietnam sind alle Kategorien von Christen (nach der Einteilung des Weltverfolgungsindex) vertreten und erleben Verfolgung:

Gemeinschaften von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten, darunter Gastarbeiter aus Taiwan, Korea und den Philippinen, werden überwacht und stehen dadurch unter Druck.

Christen aus traditionellen Kirchen wie der Römisch-Katholischen und der Evangelischen Kirche Vietnams sind mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert. Dies zeigt sich in Grundstücksenteignungen durch die Behörden, der Verhaftung katholischer Aktivisten oder der Verhinderung von mindestens zwei katholischen Hochzeiten im Berichtszeitraum; jedoch wurde auch eine katholische Universität eröffnet.

Gemeinschaften von christlichen Konvertiten mit buddhistischem oder ethnisch-animistischem Hintergrund erleben die stärkste Verfolgung, nicht nur vonseiten der Behörden, sondern auch durch ihre Familien, Freunde und Nachbarn. Da die meisten von ihnen aus ethnischen Minderheiten stammen, ist die kommunistische Regierung ihnen gegenüber besonders misstrauisch.

Christen aus protestantischen Freikirchen wie Pfingstgemeinden, Baptisten und Mennoniten und vielen anderen versammeln sich in Hausgemeinden. Sie werden streng überwacht und erleben Diskriminierung auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 12.188
Familienleben: 7.692
Gesellschaftliches Leben: 11.859
Leben im Staat: 14.323
Kirchliches Leben: 13.594
Auftreten von Gewalt: 11.111

Grafik: Verfolgungsmuster Vietnam

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenspiel der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster Vietnam:

  • Der Druck auf Christen ist in allen fünf Lebensbereichen gestiegen, weshalb der durchschnittliche Druck sehr hoch ist. Die Wertung dafür erhöhte sich von 11,440 Punkten auf dem Weltverfolgungsindex 2016 auf 11,931.
  • Der Druck ist am stärksten in den Bereichen „Leben im Staat“, „Kirchliches Leben“ und „Privatleben“. Der Druck auf Konvertiten ist im Privatleben und im gesellschaftlichen Leben besonders intensiv, während alle Christen wachsenden Druck im Leben im Staat und im kirchlichen Leben erfahren. Dieser Druck wird durch eine Rückkehr zur kommunistischen Rhetorik und anhaltendes Misstrauen gegenüber christlichen Konvertiten sowie allen anderen ethnischen und religiösen Minderheiten gefördert.
  • Die Gewalt gegen Christen hat rapide zugenommen, die Wertung dafür stieg von 8,704 (Weltverfolgungsindex 2016) auf 11,111 Punkte. Verursacht wurde dies vor allem durch die Ermordung von drei Christen im Berichtszeitraum und mehrere Entführungen von Pastoren und anderen Christen ohne Lösegeldforderungen.

Privatleben: Da Familien in Vietnam, vor allem in ländlichen Gegenden, normalerweise mit drei Generationen unter einem Dach leben, müssen christliche Konvertiten besonders vorsichtig sein, wie sie ihren Glauben ausleben und mit wem sie ihn teilen. Der christliche Glaube wird von denjenigen Familienmitgliedern als Bedrohung angesehen, die Ahnenkult praktizieren und befürchten, dass sich im jenseitigen Leben niemand um sie kümmern wird. In einigen Fällen wurden christliche Konvertiten von Familienmitgliedern vertrieben und andere christliche Verwandte ausgegrenzt. Christen müssen außerdem sehr vorsichtig sein, was den Besitz von christlichem Material angeht. Unter diesen Umständen können Treffen mit anderen Christen sehr schwierig werden und in vielen Fällen hindern Familienmitglieder neue Konvertiten zum christlichen Glauben daran, Gemeinschaft mit anderen Christen zu haben. Dies trifft nicht nur auf Konvertiten mit buddhistischem oder animistischem Hintergrund zu, sondern auch auf Christen aus Familien mit starken Verbindungen zur Kommunistischen Partei.

Familienleben: Es wurde berichtet, dass Christen aus Minderheitenstämmen in einigen Fällen Geburtsurkunden verweigert wurden oder dass Regierungsvertreter sie zwangen, ihre Vornamen in „Ho“ (nach dem kommunistischen Revolutionsführer Ho Chi Minh) zu ändern. In mindestens zwei Fällen wurden katholische Hochzeiten durch die Behörden verhindert, weil sie durch das Zeigen christlicher Symbole im Dorf „die Einheit zerstören“ würden. In ländlichen Gegenden müssen Taufen im Geheimen stattfinden, wenn Konvertiten daran beteiligt sind. Beerdigungen müssen nach den traditionellen Bräuchen abgehalten werden, vor allem bei Christen aus ethnischen Minderheiten. Kinder von Christen werden in der Schule im Kommunismus unterrichtet und zu Hause werden christliche Familien oft unter Druck gesetzt, sich an der Ahnenverehrung zu beteiligen. Christlichen Konvertiten, die verheiratet sind, kann die Scheidung drohen, und es ist nicht untypisch, dass sie von ihren Familien enteignet, vertrieben und von der Versorgung abgeschnitten werden.

Gesellschaftliches Leben: Dorfgemeinschaften sind oftmals an der Überwachung von Christen beteiligt. Sie werden von den örtlichen Behörden dazu ermutigt, christliche Gruppen in ihrer Tätigkeit einzuschränken, da diese als fremd und gefährlich gelten. Online-Aktivitäten werden ebenfalls streng kontrolliert, genauso wie die Telefonleitungen einiger Kirchenleiter. Es gibt viele Berichte darüber, dass Christen, vor allem aus ethnischen Minderheiten, staatliche Leistungen verwehrt werden, zum Beispiel bei Katastrophennothilfe, landwirtschaftlichen Darlehen oder Stipendien. In der Schule wird von den Schülern erwartet, ein Foto von Ho Chi Minh zu verehren. In ländlichen Gegenden müssen sie an Stammesriten teilnehmen. Es wurde auch von Fällen berichtet, in denen Schuldirektoren Christen damit drohten, sie von der Schule zu verweisen. Christlichen Studenten wird immer wieder gesagt, dass sie gar nicht erst eine höhere Bildung anzustreben sollten, da sie nach ihrem Abschluss aufgrund ihres Glaubens sowieso keine Anstellung bekommen würden. Häufig werden Pastoren und Kirchenleiter von der Polizei vorgeladen und verhört. Ein Pastor sagte, er könne die Menge seiner Vorladungen „in Kilogramm“ angeben.

Leben im Staat: Vietnam folgt der kommunistischen Ideologie und verehrt seinen Staatsgründer Ho Chi Minh (oder „Onkel Ho“, wie er liebevoll genannt wird), wobei sich diese Verehrung jedoch natürlich nicht mit dem Führerkult in Nordkorea vergleichen lässt. Alle anderen Überzeugungen werden abgelehnt. Die Glaubensfreiheit wird durch das Religionsgesetz eingeschränkt, welches als Dekret 92 bekannt ist. Dieses Gesetz wurde überarbeitet und am 18. November 2016 verabschiedet. Auch wenn einige Abschnitte als eine Verbesserung für Christen gesehen werden könnten, werden vor allem die Regelungen bezüglich der Registrierung den Kirchen große Schwierigkeiten bereiten. Insgesamt wird sich nicht viel verändern, doch die neuen Regelungen könnten einen bürokratischen Albtraum für Kirchen bedeuten. Die Personalausweise (wie auch die Familienregister) enthalten eine Angabe zur Religionszugehörigkeit. Konvertiten können diese Angabe nur schwer ändern lassen; bei denjenigen, die es versucht haben, wurde häufig „ohne Religion“ eingetragen oder ihnen wurden ihre Dokumente ganz verwehrt. Christliche Leiter werden überwacht und der Zugang zu Dörfern im nördlichen und zentralen Teil Vietnams ist nur eingeschränkt möglich. Medienberichte über Christen sind verzerrt und häufig werden sie verleumdet. Zum Beispiel werden Christen als Handlanger dargestellt, um die Ideologie der Kolonialzeit wieder einzuführen. Wenn Gewalttaten gegen Christen verübt werden, kommen die Schuldigen so gut wie nie vor Gericht; tatsächlich heuern örtliche Behörden oftmals Schläger an, um Gewalttaten gegen Christen zu verüben. Christen, die vor Gericht standen, bekamen kein faires Verfahren. Beispiele dafür sind die katholischen Blogger, die zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden, oder die Proteste, die durch den Formosa-Fall verursacht wurden, bei dem ein taiwanisches Stahlwerk eine Umweltkatastrophe verursachte und (hauptsächlich katholische) Fischer und Aktivisten anfingen, gegen die Vertuschung durch die Regierung zu protestieren. Als sie versuchten, Gerechtigkeit zu erhalten, ging die Regierung rigoros gegen sie vor.

Kirchliches Leben: Kirchen werden streng überwacht, gelegentlich werden ihre Versammlungen gestört oder verhindert. Die Registrierung von Kirchen verlangt einen hohen bürokratischen Aufwand und es gibt keine Garantie, dass man am Ende eine Genehmigung erhält. Dies ist nur einer der Wege, mit dem die Regierung das Wachstum der Gemeinden kontrolliert und sie unter ihrer kommunistischen Herrschaft hält. Selbst Gemeinden, die an registrierte Kirchen angegliedert sind, haben Schwierigkeiten, von der Regierung und den örtlichen Behörden anerkannt zu werden. Die Vergabe von Baugenehmigungen für Kirchen wird durch das Dekret 92 geregelt und von den Behörden mit vielen Beschränkungen behandelt. Grundstücksenteignungen durch die Behörden kommen weiterhin vor und vor allem die katholische Kirche hat Schwierigkeiten, ihren Grundbesitz behalten zu können. Die katholische Kirche besitzt viele große Grundstücke (mit Kirchen, Schulen und Krankenhäusern), vor allem in den größeren Städten, und es gab mehr als einmal Auseinandersetzungen, da die Behörden wiederholt versuchten, dieses Eigentum zu beschlagnahmen, angeblich zu Entwicklungszwecken. Es gab Berichte darüber, dass Jugendveranstaltungen überfallen wurden. Die Veröffentlichung und Verteilung von christlichem Material ist möglich, jedoch stark eingeschränkt. Jegliches illegale Material wird von der Polizei beschlagnahmt. Es ist außerdem sehr schwierig, eine Genehmigung zu erhalten, um Schulungskurse abzuhalten. Zusätzlich müssen die registrierten Kirchen jeweils im Oktober des Vorjahres eine komplette Liste mit den Themen vorlegen, über die sie im kommenden Jahr predigen wollen. Die überarbeitete Version des Glaubens- und Religionsgesetzes wird die Situation vermutlich nicht grundlegend verändern, da das übergeordnete Ziel der Regierung immer noch Kontrolle ist.

Auftreten von Gewalt: Wie das Verfolgungsmuster zeigt, hat die Gewalt gegen Christen zugenommen. Drei Christen wurden ermordet: Pastor Dang Ba Nham und Phan Thi Thanh Huyen durch einen vorgetäuschten Autounfall am 5. Mai 2016 und Pastor K’sor Kiem (aus einer selbstständigen Montagnard-Kirche aus der Provinz Gia Lai) starb an den Verletzungen, die ihm bei einem brutalen Verhör an Heiligabend 2015 zugefügt wurden, als er sich weigerte, seinen christlichen Glauben zu verleugnen. Im zentralen Hochland wurden im Berichtszeitraum schätzungsweise 35 Kirchen angegriffen und Ländereien von Christen beschlagnahmt. Viele Christen wurden festgenommen, inhaftiert oder körperlich angegriffen und etliche mussten sich wegen ihres Glaubens entweder innerhalb des Landes verstecken oder in ein anderes Land fliehen. Unter letzteren waren auch Montagnards, die nach Kambodscha flohen und dort im Mai 2016 von vietnamesischen Behörden verhört wurden.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Bislang wurde die Doi-Moi-Politik nicht auf die gesellschaftliche und die politische Ebene ausgeweitet und dies ist in absehbarer Zeit auch nicht zu erwarten. Andererseits, wie zuvor bereits erwähnt, haben die Maßnahmen gegen Andersdenkende innerhalb des Berichtszeitraumes zugenommen. Die Doi-Moi-Politik hat jedoch auch dazu beigetragen, dass sich die Lebensbedingungen erheblich verbessert haben, vor allem in den Städten, weswegen Vietnam auch im März 2016 Lob und Anerkennung vom Internationalen Währungsfonds erhielt. Eine offene bürgerliche Gesellschaft, in der politische, wirtschaftliche, soziale und religiöse Themen diskutiert werden können (wie in einer demokratischen Gesellschaft üblich), bleibt jedoch immer noch ein Wunschtraum.

Weiterhin bleibt zu beobachten, wie das neue Glaubens- und Religionsgesetz, welches im November 2016 verabschiedet wurde, umgesetzt werden wird. Auch wenn erfreulicherweise religiöse Gruppen, einschließlich Christen, bei dem Entwurf nach ihrer Meinung gefragt wurden, können Christen und andere religiöse Minderheiten – nach dem Ergebnis zu urteilen – keine Entlastung erwarten. Die Registrierung und Führung von christlichen Kirchen wird weiterhin mindestens so mühsam bleiben wie bisher und wahrscheinlich wird es auch in Zukunft gefährlich sein, anderen von seinem Glauben weiterzuerzählen.

Unter der „neuen“ Führung des Landes werden Bürgerrechte und Religionsfreiheit ein ferner Traum bleiben und es ist noch nicht ersichtlich, ob die neue Regierung eine engere Beziehung zu China anstreben oder die neuen Verbindungen zu den USA stärken wird. Die wachsenden Spannungen im Verhältnis zu China könnten entweder zu einer größeren Offenheit führen oder das Land dazu veranlassen, sich in eine defensive Isolationshaltung zurückzuziehen.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Vietnam:

  • Bitte beten Sie dafür, dass die Angehörigen ethnischer Minderheiten, die in ländlichen Gebieten zum Glauben an Jesus Christus kommen, gut geschult werden können.
  • Beten Sie für die Familienmitglieder, die ihre Angehörigen dazu zwingen wollen, zu den traditionellen Riten zurückzukehren. Bitte beten Sie, dass sie durch ihre christlichen Verwandten Jesus Christus erkennen.
  • Bedingt durch das Wachstum der christlichen Minderheit unternimmt die Regierung große Anstrengungen, um die Gemeinden zu überwachen und die Ausbreitung des christlichen Glaubens zu behindern. Bitte beten Sie für eine Lockerung der Restriktionen und für größere Freiheit.

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