Länderprofil Aserbaidschan

Aserbaidschan

45
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Aserbaidschan
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Republik
ISO
AZ
Karte Aserbaidschan
Karte Aserbaidschan
Christen
0,32
Bevölkerung
9.97
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 13.100
Familienleben: 9.100
Gesellschaftliches Leben: 9.300
Leben im Staat: 11.100
Kirchliches Leben: 12.400
Auftreten von Gewalt: 2.400
Länderprofil Aserbaidschan

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

57 Punkte / Platz 45 (WVI 2017: 52 Punkte / Platz: nicht auf dem WVI)

Von wem Verfolgung ausgeht

Die Verfolgung von Christen in Aserbaidschan geht meist von Regierungsbeamten auf unterschiedlichen Ebenen aus – angefangen bei der Zentralregierung des Landes, die ihre restriktive Gesetzgebung den örtlichen Behörden und der Polizei vorschreibt. Diese führen daraufhin Razzien bei religiösen Versammlungen durch, nehmen Gläubige fest und beschlagnahmen religiöse Schriften. Außerdem werden Christen von den Menschen in ihrem muslimischen Umfeld verfolgt (Familie, Freunde, Gesellschaft, örtliche Imame), die etwas dagegen haben, dass Christen unter Muslimen evangelisieren.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Alle Christen sind von irgendeiner Art der Verfolgung betroffen. Russisch-orthodoxe Kirchen haben die geringsten Probleme mit der Regierung, da sie für gewöhnlich keinen Kontakt zur aserbaidschanischen Bevölkerung suchen. Die einheimischen Christen mit muslimischem Hintergrund tragen die Hauptlast der Verfolgung, sowohl durch den Staat also auch durch Familie, Freunde und Gesellschaft.

Die Regierung überwacht streng die Aktivitäten religiöser Gruppen. Offiziell gilt Aserbaidschan als säkular und Religion wird toleriert, doch die Überwachung ist so stark, dass die Christen dort nicht mehr wissen, wem sie noch vertrauen können. Nur wenige Informationen gelangen über die Grenzen des Landes hinaus. Ein weiteres Zeichen für das Ausmaß des Drucks vonseiten der Regierung ist die Tatsache, dass es für aserbaidschanische Christen einfacher ist, in Ländern wie Georgien oder dem Iran zu missionieren, als in ihrem eigenen Land.

Beispiele

  • Im November 2016 versammelte sich eine Gruppe von Christen (Männer, Frauen und Kinder) in einem aserbaidschanischen Dorf zu einem nicht angemeldeten Gebetstreffen im Haus des Pastors. Die Polizei stürmte das Treffen und alle Kirchenmitglieder wurden dort für stundenlange Befragungen festgehalten. Die Polizei erhob alle personenbezogenen Daten und machte eine Bestandsaufnahme der im Haus befindlichen Literatur. Vor ihrer Freilassung wurden die Christen noch in die Bezirkspolizeistation verbracht.
  • Im Dezember 2016 mussten zwei Baptisten im nördlichen Bezirk Zakatala Strafe zahlen, weil sie Gottesdienste ohne staatliche Genehmigung abgehalten hatten. Ihnen wurden religiöse Schriften abgenommen, die anschließend für eine angebliche „Prüfung durch Sachverständige“ in die Hauptstadt Baku geschickt wurden.
  • Religiöse Literatur und andere Materialien dürfen einzig durch registrierte Ausgabestellen verkauft oder verteilt werden. Alle religiösen Schriften, die in Aserbaidschan produziert, (auch im Internet) veröffentlicht oder dorthin eingeführt werden, werden zuvor einer obligatorischen Zensur unterzogen. Der Staatsausschuss legt anschließend fest, wie viele Exemplare gedruckt bzw. eingeführt werden dürfen. Religiöse Schriften, die verkauft werden, müssen mit einem Aufkleber versehen sein, der die staatliche Genehmigung bestätigt. Regierungsmitglieder haben wiederholt den Vorwurf von sich gewiesen, es handele sich dabei um Staatszensur.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Die Wertung für Aserbaidschan stieg von 52 Punkten im vergangenen Jahr, als Aserbaidschan noch nicht unter den 50 Ländern des Weltverfolgungsindex (WVI) gelistet war, um 5 Punkte auf 57 Punkte und belegt damit Platz 45 auf dem WVI 2018. Die Zunahme der Punktzahl ist zum einen darauf zurückzuführen, dass mehr Berichte verfügbar waren, und zum anderen auf die Tatsache, dass Gemeinschaften von ausländischen Christen im Land in der Analyse zum WVI nicht mehr länger als eigenständige Kategorie betrachtet werden, da sie nicht unfreiwillig von anderen christlichen Gruppen isoliert sind.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Diktatorische Paranoia

Religiöse Aktivitäten jenseits staatlich geführter bzw. kontrollierter Institutionen sind verboten. Berichten zufolge soll der Staat in alle religiösen Versammlungen Spione eingeschleust haben. Pastoren und andere Kirchenleiter werden regelmäßig zu Gesprächen mit der Polizei vorgeladen. Dies hat zu sehr viel Angst geführt, denn keiner weiß, wem er noch vertrauen kann. Aus diesem Grund trauen sich nur wenige, mit Ausländern zu reden, und es geraten kaum Informationen bezüglich Verfolgung über die Landesgrenze hinaus. Es wurden strenge Gesetze erlassen, die Registrierungen vorschreiben. Von Zeit zu Zeit müssen sich alle registrierten Gruppen wieder neu registrieren lassen – ein Prozess, bei dem es immer weniger Gemeinden gelingt, die Hürden zu überwinden. Die Unterdrückung in Aserbaidschan ist so stark, dass es aserbaidschanische Christen einfacher finden, im Iran zu evangelisieren, als in ihrem eigenen Land.

Islamische Unterdrückung

Der Druck durch islamische Kreise richtet sich vor allem gegen Christen muslimischer Herkunft. Wenn Einheimische zum christlichen Glauben konvertieren, werden sie unter Druck gesetzt und erleben mitunter körperliche Gewalt durch ihre Familien, Freunde und die lokale Bevölkerung, die sie zur Umkehr zu ihrem alten Glauben zwingen wollen. Manche Christen muslimischer Herkunft werden für lange Zeit eingesperrt und geschlagen. Örtliche Mullahs predigen gegen sie und tragen so zu noch stärkerem Druck bei. Letztendlich werden Christen mit muslimischem Hintergrund häufig aus ihrer Gemeinschaft ausgestoßen. Aus diesem Grund geben sie sich alle Mühe, ihren Glauben zu verstecken, was sie zu sogenannten „heimlichen Gläubigen“ macht.

3. Verfolger

Von Regierungsbeamten und politische Parteien geht die Verfolgung aufgrund von Diktatorischer Paranoia aus, sie sind für den Druck von behördlicher Seite verantwortlich. Die (Groß-)Familie, nichtchristliche religiöse Leiter und gewöhnliche Bürger bilden das muslimische Umfeld, von dem aus vor allem auf Christen muslimischer Herkunft Druck ausgeübt wird.

4. Hintergrund

Aserbaidschan grenzt an Russland, Georgien, Armenien, die Türkei und den Iran. Offiziell ist es ein säkularer Staat. Der Großteil der Bevölkerung ist muslimisch. Aserbaidschan ist innerhalb der ehemaligen Sowjetrepubliken einzigartig, da die Schiiten den größten Teil (85 %) der Muslime ausmachen und die Sunniten nur eine kleine Minderheit sind. Die Regierung ist jeder Form von religiösem Fanatismus gegenüber negativ eingestellt; dies trifft auch auf ihre Haltung gegenüber Christen zu. Der fundamentalistische Islam wird von der Landesführung als destabilisierender Faktor angesehen.

Die Regierung achtet sehr darauf, ein positives Bild von Aserbaidschan zu präsentieren. So bezeichnen Repräsentanten das Land bei internationalen Treffen gerne als „das Land der Toleranz“. Kritische Organisationen werden aufgefordert, ihre Berichterstattung zu korrigieren. Ausländische Institutionen werden nach Aserbaidschan eingeladen, um sich ein Bild davon zu machen, wie gut doch alles sei. Natürlich treffen diese Gruppen nur mit sorgfältig ausgewählten Personen zusammen, die bestätigen werden, dass alles gut sei und es keine Verfolgung gebe. Gleichzeitig berichten Menschenrechts- und Presseorganisationen wiederholt davon, dass gegen jede Form unabhängigen oder kritischen Verhaltens in Aserbaidschan schonungslos vorgegangen wird.

Aserbaidschan hat eine sehr effektive Taktik, Religion zu kontrollieren: Alle 6-7 Jahre müssen sich alle religiösen Gruppen erneut um eine Registrierung bemühen. Es kann schwerlich Zufall genannt werden, dass jedes Mal weniger Kirchen eine Neuregistrierung erhalten. Beim letzten Durchlauf mussten sich alle Kirchen und religiösen Gruppen bis zum 1. Januar 2010 registrieren lassen, aber seit dieser Frist wurden keine neuen Kirchen mehr registriert.

Christen sind nicht die einzigen Gläubigen, die von der Regierung verfolgt werden: Alle religiösen Aktivitäten stehen unter Beobachtung. Muslime, Juden und Zeugen Jehovas erleben denselben Druck.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Gemeinschaften ausländischer Christen sind in Aserbaidschan nicht unfreiwillig von anderen Christen isoliert und wurden deshalb für die Analyse zum WVI nicht als separate Kategorie berücksichtigt.

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gruppe ist nicht an der Evangelisation unter Aserbaidschanern beteiligt. Sie können ziemlich unbehelligt ihr Gemeindeleben gestalten, da sie von der Regierung des Landes nicht als Gefahr angesehen werden. Auch werden sie dazu benutzt, die Propaganda des Regimes zu untermauern, nach der Aserbaidschan das „Land der Toleranz“ ist.

Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten)

Christen mit muslimischem Hintergrund tragen die Hauptlast der Verfolgung in Aserbaidschan. Abgesehen von begrenzten Einschränkungen vonseiten des Staats werden sie außerdem von Familie, Freunden und der Gemeinschaft stark unter Druck gesetzt, wobei dieser Druck für sie sehr viel schlimmer ist als der vonseiten des Staats.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese Gruppen stehen auf der Liste der Regierung ganz weit oben. Sie wurden von Spionen infiltriert und alle ihre Aktivitäten werden permanent überwacht. Pastoren und Gemeindeleiter müssen regelmäßig Bericht erstatten. Aufgrund der alle 6-7 Jahre nötigen Neuregistrierung existieren immer weniger dieser Kirchengemeinden. Wenn sie diesen Prozess doch überstehen, dann werden auch sie dazu benutzt, die Propaganda des Regimes zu untermauern, Aserbaidschan sei „ein Land der Toleranz“.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 13.100
Familienleben: 9.100
Gesellschaftliches Leben: 9.300
Leben im Staat: 11.100
Kirchliches Leben: 12.400
Auftreten von Gewalt: 2.400

Grafik: Verfolgungsmuster Aserbaidschan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen in Aserbaidschan, für den alle fünf Lebensbereiche berücksichtigt werden, ist von 10,3 Punkten beim WVI 2017 auf 11,0 Punkte gestiegen.
  • Mit 13,1 Punkten ist der Druck am stärksten im Bereich „Privatleben“ (besonders für Christen mit muslimischem Hintergrund), gefolgt vom Bereich „Kirchliches Leben“ mit 12,4 Punkten. Dieses Ergebnis steht in direktem Zusammenhang mit den beiden Triebkräften der Verfolgung, die in Aserbaidschan vorherrschen: Islamische Unterdrückung und Diktatorische Paranoia.
  • Die Wertung für das Auftreten von Gewalt beträgt beim WVI 2018 2,4 Punkte. Bei der Analyse für den WVI 2017 waren es nur 0,9 Punkte; allerdings hat dies auch damit zu tun, dass weniger Berichte nach außen gelangt waren.

Privatleben

Konversionen zum christlichen Glauben werden von allen sozialen Einheiten – wie Familie, Freunden und Lebensumfeld – mit erheblichem Widerstand beantwortet. Ehemalige Muslime müssen vorsichtig sein, wenn sie christliche Handlungen wie Gebet oder Lobpreis durchführen, da sie vonseiten ihres Umfelds unter ständiger Beobachtung stehen. Da der Staat mehr oder weniger den Gebrauch religiöser Schriften im Land verbietet, wird der Besitz solcher Schriften zu Problemen führen, wenn man damit erwischt wird. Es ist für Christen muslimischer Herkunft riskant, ihren Glauben zu offenbaren, da sie damit unerwünschte Aufmerksamkeit vom Staat, der Familie oder der Gemeinschaft auf sich ziehen würden. Die einzige Gruppe, die mit dem Zugriff auf christliche Quellen ein Risiko eingeht, dabei ertappt zu werden, sind Christen mit muslimischem Hintergrund. Mit Familienmitgliedern oder einem erweiterten Personenkreis über den christlichen Glauben zu sprechen, ist ebenfalls besonders für Christen muslimischer Herkunft riskant. Die Familie oder die Gemeinschaft werden einen Konvertiten zum christlichen Glauben unter Umständen unter Hausarrest stellen, um den Druck auf ihn oder sie zu erhöhen, wieder zum Islam zurückzukehren. In manchen Fällen wird auch körperliche Gewalt angewendet.

Familienleben

Die Registrierung von Geburten, Hochzeiten oder Todesfällen kann durch lokale Behörden behindert werden, da diese starke Verbindungen zur örtlichen muslimischen Gemeinschaft haben. Taufen werden immer mit Evangelisation und Glaubenswechsel in Verbindung gebracht, wogegen der Staat und das soziale Umfeld hauptsächlich vorgehen. Der Staat hindert christliche Familien daran, Pflegekinder aufzunehmen. Es gibt in Aserbaidschan keine religiöse Erziehung. Die Schulbildung ist streng säkular. Eltern dürfen ihren Kindern nur in den eigenen vier Wänden von ihrem Glauben erzählen, aber es gibt keine legal erhältlichen Materialien. Obwohl Aserbaidschan ein säkularer Staat ist, ist Islamunterricht Teil des Lehrplans und alle Schüler müssen daran teilnehmen. Christliche Kinder sind von Mitgliedern der Gemeinschaft beschimpft worden, die außerdem alles daransetzt, muslimische Kinder von christlichen Kindern abzuschirmen. Wenn bekannt wird, dass sich jemand dem christlichen Glauben zugewandt hat, kann es passieren, dass die Familie den Christen einsperrt (Hausarrest). Außerdem wird der Ehepartner durch Familie, Freunde und Gesellschaft unter Druck gesetzt, sich von dem Christen scheiden zu lassen.

Gesellschaftliches Leben

Drohungen sind sehr weit verbreitet. Christen muslimischer Herkunft werden von Familie, Freunden und Gesellschaft bedroht (auch vom örtlichen Imam) und der Staat stellt eine konstante Bedrohung für nichtregistrierte Gläubige dar. Christen mit muslimischem Hintergrund werden von den Menschen in ihrem Umfeld überwacht und es kann passieren, dass sie dazu gezwungen werden, an islamischen Zeremonien und Festlichkeiten teilzunehmen. Der Druck, den die Gemeinschaft auf Christen muslimischer Herkunft ausübt, um sie dazu zu bringen, ihrem neuen Glauben abzuschwören, ist meist sehr stark. Besonders in ländlichen Gegenden werden zahlreiche Methoden angewendet: Schläge, Hausarrest, Zwangsheirat und Verbannung. Auf der lokalen Ebene ist es möglich, dass Kinder von Christen mit muslimischem Hintergrund bei der Schulbildung benachteiligt werden. Protestanten werden stark bei der Ausführung ihrer Geschäfte behindert. Protestantische Kirchen müssen häufig Geldstrafen zahlen – eine bevorzugte Verfolgungsmethode der Behörden, gegen diese Kirchengemeinden vorzugehen, bevor sie zu stärkeren Strafen (Razzien, Inhaftierungen, Zwangsschließungen von Kirchen) übergehen. Von Zeit zu Zeit sind Menschen von der Polizei zu Befragungen vorgeladen worden.

Leben im Staat

Religionsfreiheit ist zwar in der Verfassung verankert, doch wird sie in der Praxis durch andere Gesetze und Regelungen eingeschränkt. Dies betrifft besonders Mitglieder religiöser Minderheiten. Die Religionszugehörigkeit ist nicht in amtlichen Dokumenten wie Pässen oder Personalausweisen vermerkt. Auch wenn Christen ins Ausland reisen können, ohne zu viele Hindernisse überwinden zu müssen, werden Repräsentanten auf internationalen Konferenzen sorgfältig ausgesucht, denn sie sollen ihr Land als „Land der Toleranz“ präsentieren. Christen werden durch alle behördlichen Instanzen ungerecht behandelt. Wenn jemand als Christ bekannt ist, wird diese Person große Schwierigkeiten haben, eine Arbeit zu finden, von einer Stelle bei der Regierung ganz zu schweigen. Christliche Ansichten in der Öffentlichkeit werden für potentiell destabilisierend gehalten und sowohl von der Regierung als auch der islamischen Gesellschaft als ausländischer Einfluss angesehen. Behörden, die Christen verfolgen, können dies völlig straffrei tun. Die Justiz Aserbaidschans ist nicht unabhängig von der Regierung, weshalb Christen keine gerechte Gerichtsverhandlung bekommen werden.

Kirchliches Leben

Aserbaidschan hat eine sehr einfache Methode gefunden, um Kirchen loszuwerden: Sie verlangen einfach eine neue Registrierung. Immer weniger Kirchen bestehen diese Prüfung. Der Staat überwacht alle religiösen Aktivitäten und hat es dabei besonders auf nichtregistrierte Gruppen abgesehen. Registrierte Kirchen dürfen sich in ihren Gebäuden versammeln, brauchen aber eine Sondergenehmigung für Veranstaltungen, die außerhalb der Kirchenmauern stattfinden sollen. Jugendarbeit ist sehr stark eingeschränkt und alle christlichen Schriften müssen vom Amt für religiöse Angelegenheiten vorab freigegeben werden. Praktisch heißt das: Einfuhr, Druck und Verteilung sind blockiert. Es gibt keine Ausbildungsstätten für Christen. Alle Medien werden vom Staat kontrolliert und sind daher für Christen unzugängig. Sozialarbeit ist für Christen begrenzt möglich – zum Beispiel in Gefängnissen (wo es meist eine Kapelle gibt). In der Vergangenheit gab es Berichte über Ausländer, denen die Einreise verwehrt wurde, und die Einfuhr von christlicher Literatur ist ein strafbares Vergehen. Es ist Ausländern gesetzlich verboten, im Land zu predigen.

Auftreten von Gewalt

Im Berichtszeitraum des WVI 2018 wurden keine Fälle von Christen gemeldet, die ermordet wurden. Eine Kirche und ein christlicher Friedhof wurden beschädigt. 26 Mitglieder der Aliabad-Kirche wurden ohne Gerichtsverhandlung festgehalten und verhört, weil sie sich als nichtregistrierte Kirche zum Gottesdienst versammelt hatten. Keine Christen wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt, aber mindestens 40 Christen wurden von der Polizei während Razzien in Kirchen oder im Fall von Christen muslimischer Herkunft von ihrer Familie körperlich bedrängt. Ein christlicher Buchladen musste gezwungenermaßen schließen.

Beispiele:

  • Im November 2016 versammelte sich eine Gruppe von Christen (Männer, Frauen und Kinder) in einem aserbaidschanischen Dorf zu einem nicht angemeldeten Gebetstreffen im Haus des Pastors. Die Polizei stürmte das Treffen und alle Kirchenmitglieder wurden dort für stundenlange Befragungen festgehalten. Die Polizei erhob alle personenbezogenen Daten und machte eine Bestandsaufnahme der im Haus befindlichen Literatur. Vor ihrer Freilassung wurden die Christen noch in die Bezirkspolizeistation verbracht.
  • Im Dezember 2016 mussten zwei Baptisten im nördlichen Bezirk Zakatala Strafe zahlen, weil sie Anbetungsgottesdienste ohne staatliche Genehmigung abgehalten hatten. Ihnen wurden religiöse Schriften abgenommen, die anschließend für eine angebliche „Prüfung durch Sachverständige“ in die Hauptstadt Baku geschickt wurden.
  • Religiöse Literatur und andere Materialien dürfen einzig durch registrierte Ausgabestellen verkauft oder verteilt werden. Alle religiösen Schriften, die in Aserbaidschan produziert, (auch im Internet) veröffentlicht oder dorthin eingeführt werden, werden zuvor einer obligatorischen Zensur unterzogen. Der Staatsausschuss legt anschließend fest, wie viele Exemplare gedruckt bzw. eingeführt werden dürfen. Religiöse Schriften, die verkauft werden, müssen mit einem Aufkleber versehen sein, der die staatliche Genehmigung bestätigt. Regierungsmitglieder haben wiederholt den Vorwurf von sich gewiesen, es handele sich dabei um Staatszensur.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Christinnen mit muslimischem Hintergrund, Frauen und Mädchen, sind stärker als Christinnen, die keine Konvertitinnen sind, der Gefahr ausgesetzt, von ihrer Familie und der muslimischen Gemeinschaft körperlich und verbal misshandelt, bedrängt, bedroht, unter Hausarrest gestellt, diskriminiert und verstoßen zu werden. Bei der Verfolgung von Christen, die nicht konvertiert sind, gibt es keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen.

Der Alltag der einheimischen Bewohner Aserbaidschans ist von der islamischen Kultur geprägt, in der Frauen eine niedrigere Stellung als Männer haben. Von Frauen wird erwartet, dass sie sich ihren Eltern und, falls sie verheiratet sind, ihren Männern völlig unterordnen. Aserbaidschan ist auch ein kaukasisches Land, wo Familientraditionen und Regeln noch strenger sind und Ungehorsam gegenüber einem älteren Familienmitglied als inakzeptabel gilt. Dies führt dazu, dass Christinnen mit muslimischem Hintergrund noch gefährdeter sind, verfolgt zu werden – sowohl als Christen als auch als Frauen, die die bestehende Ordnung infrage stellen.

Männer

Männliche Christen mit muslimischem Hintergrund sind stärker als Christen, die keine Konvertiten sind, der Gefahr ausgesetzt, von ihrer Familie und der muslimischen Gemeinschaft körperlich und verbal misshandelt, bedrängt, bedroht, diskriminiert und verstoßen zu werden. Bei der Verfolgung von Christen, die nicht konvertiert sind, gibt es keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen.

Im Normalfall sind die Leiter der Gemeinde Männer, daneben nehmen diese den Platz des Familienoberhaupts und des Hauptverdieners ein. Wird ein christlicher Mann zur Zielscheibe von Verfolgung, leidet die ganze Familie. Der Verlust der Arbeit zieht die ganze Familie in Mitleidenschaft. Ist der Mann ein Gemeindeleiter, wird seine Verfolgung auch die Gemeinde betreffen und kann dazu führen, dass Ängste wachsen.

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Es ist davon auszugehen, dass die Regierung ihre Kontrolle über jeden Aspekt des Lebens in Aserbaidschan fortsetzen und, wenn möglich, sogar noch verstärken wird. Die Regierung wird Aserbaidschan auch weiterhin als „das Land der Toleranz“ darstellen und alle ins Visier nehmen, die es wagen, dies infrage zu stellen. Die Kirche in Aserbaidschan wird unter einem beträchtlichen Maß von Überwachung und Druck bestehen müssen.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Aserbaidschan

  • Beten Sie für die kleinen Gemeinden in Aserbaidschan, deren Mitglieder wegen ihres Glaubens von der Polizei unter Duck gesetzt werden. In der Regel ist es für Christen in kleinen Dörfern schwieriger, ihren Glauben zu leben, als in größeren Städten, wo mehr Anonymität herrscht.
  • Viele Christen haben wegen ihrer Entscheidung, Jesus nachzufolgen, ihre Arbeitsstelle verloren. Bitte beten Sie für diese Christen, dass sie neue Möglichkeiten finden, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
  • Beten Sie, dass die Kirche mehr Freiheit erhält, sich zu versammeln und gemeinsam Jesus anzubeten.

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