Länderprofil Bhutan

Bhutan

33
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Bhutan
Hauptreligion
Buddhismus
Staatsform
Königreich
Platz Vorjahr
30
ISO
BT
Karte Bhutan
Christen
0,02
Bevölkerung
0.79
Religiös motivierter Nationalismus
Ethnisch begründete Anfeindungen
Privatleben: 11.900
Familienleben: 11.600
Gesellschaftliches Leben: 12.400
Leben im Staat: 11.400
Kirchliches Leben: 13.100
Auftreten von Gewalt: 1.100
Länderprofil Bhutan

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

62 Punkte / Platz 33 (WVI 2017: 61 Punkte / Platz 30)

Von wem Verfolgung ausgeht

In ihren Anstrengungen, die nationale Identität und Einheit zu bewahren, unterdrücken oder eliminieren die Regierungsbehörden „ausländische“ Elemente, zu denen auch der christliche Glaube gezählt wird. Die Regierung hält die buddhistischen Überzeugungen als nationales Erbe des Landes aufrecht. Die Verschmelzung ethnischer Überzeugungen mit dem Buddhismus hat Buddhisten (und manchmal auch hinduistische Leiter) dazu veranlasst, Christen zu verfolgen. Dies gilt insbesondere für die Christen im zentralen und östlichen Teil des Landes. Christen buddhistischer Herkunft werden auch von Mitgliedern der eigenen Familie verfolgt.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Der Buddhismus (zum Teil mit traditionellen Religionen vermischt) wird als nationales Erbe angesehen und so wird von allen Bhutanern erwartet, dass sie dem Buddhismus folgen. Wer sich dem christlichen Glauben zuwendet, wird zumindest mit Misstrauen beobachtet; in den meisten Fällen wird jedoch versucht, die Person dazu zu bewegen, wieder ihrer alten Religion zu folgen. Religiöse Leiter, die Kommune und Familie der Person arbeiten hier häufig zusammen. Lokale Behörden verweigern Christen sogenannte Unbedenklichkeitsbescheinigungen oder machen es ihnen sehr schwer, eine solche zu erhalten. Diese werden für Kredite, die Registrierung von Besitztümern, Bewerbungen und die Erneuerung von Ausweisen benötigt.

Es gibt keine Kirche, die offiziell vom Staat anerkannt ist. Es gab Debatten über die Möglichkeit einer Registrierung verschiedener Gruppen, die jedoch zu keinem Ergebnis geführt haben. Das bedeutet, dass Christen sich illegal zum Gottesdienst versammeln müssen, Taufen nicht öffentlich durchgeführt werden können und christliche Beerdigungen häufig verweigert werden.

Beispiele

  • Verwandten dreier Christen, die wegen ihres Glaubens in Haft sind, wurde verboten, sie im Gefängnis zu besuchen. Zwei Hauskirchen mussten geschlossen werden oder die Versammlungen einstellen, nachdem sie von den Behörden verwarnt und bedroht worden waren. Aus Sicherheitsgründen können diese Fälle nicht genauer ausgeführt werden.
  • Eine Tradition von Farmern in Bhutan ist das gemeinschaftliche Bepflanzen und Ernten, bei dem mehrere Farmer die Arbeit und den Ertrag miteinander teilen. Christen werden hiervon zumeist ausgeschlossen.

Beiträge zu Bhutan

Blickpunkt Buddhismus
Auch wenn der Buddhismus als bunte und friedliche Religion gilt, sind viele Christen in buddhistisch geprägten Ländern starker Verfolgung ausgesetzt. Wir möchten, dass diesen Geschwistern wieder mehr Beachtung zukommt und wollen deswegen ihre Geschichten weitergeben.
Persönliche Berichte Persönliche Berichte
Symbolbild
Bhutan
(Open Doors, Kelkheim) – Nur etwa zweieinhalb Prozent der Bevölkerung des Königreichs Bhutan sind Christen. Der Buddhismus gilt als entscheidender Bestandteil der nationalen Identität, der Übertritt zu einer anderen Religion ist gesetzlich verboten.
Hintergrundinformationen
Buddhismus und Christenverfolgung

Buddhismus und Christenverfolgung

03:47 Minuten
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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Bhutan belegt mit einer Wertung von 62 Punkten Platz 33 auf dem Weltverfolgungsindex 2018. Dies ist eine Steigerung von einem Punkt im Vergleich zum vergangenen Berichtszeitraum. Obwohl sich der Wert für Gewalt im Berichtszeitraum etwa halbiert hat, weil keine Christen für ihren Glauben verhaftet wurden, ist der Druck auf Christen gestiegen, insbesondere in den Bereichen „Privatleben“ und „Familienleben“. Dies reflektiert die noch schwieriger gewordene Situation für Christen mit buddhistischem oder animistischem Hintergrund, die in der Gesellschaft nicht anerkannt und deswegen vernachlässigt werden (etwa, wenn sie von anderen Farmern gemieden werden oder bestimmte Dokumente nicht von den Behörden ausgestellt bekommen).

2. Triebkräfte der Verfolgung

Religiös motivierter Nationalismus

Die beständige Betonung des Buddhismus in der Form des Mahayana als geistliches Erbe des Landes macht der christlichen Minderheit das Leben schwer. Bhutan ist seit Jahrhunderten ein buddhistisches Königreich. Selbst nach der Bildung einer konstitutionellen Monarchie im Jahr 2001 und der Einführung demokratischer Wahlen im Zuge der neuen Verfassung im Jahr 2008 wird dem Buddhismus weiterhin eine dominierende Rolle im Land eingeräumt. Gemäß Artikel 3(1) der Verfassung ist der Buddhismus „das geistliche Erbe Bhutans“, der unter anderem „die Grundsätze und Werte des Friedens, der Gewaltlosigkeit, des Mitgefühls und der Toleranz“ fördert. Dementsprechend gilt der Buddhismus offiziell nicht ausdrücklich als Staatsreligion. Stattdessen definiert die Verfassung Bhutan als säkularen Staat und bejaht religiöse Toleranz. Allerdings sieht dies in der Realität oft anders aus. Der Buddhismus ist stark in den Alltag der Menschen eingeflochten und in politischen, gesellschaftlichen, kulturellen und sogar wirtschaftlichen Dynamiken des Landes deutlich sichtbar. Dies wird beispielsweise an den sogenannten „Dzongs“ deutlich. Dies sind administrative Zentren mit einer Abteilung für politische Verwaltung, und einer weiteren für religiöse Autoritäten, zu der häufig auch buddhistische Tempel und Unterkünfte für Mönche gehören. Bis heute ist es keiner einzigen Gemeinde gestattet, ein offizielles Kirchengebäude zu errichten. Deshalb sind alle christlichen Gemeinschaften nach wie vor Untergrundgemeinden. Besonders in ländlichen Gebieten stellen sich buddhistische Mönche gegen die Gegenwart von Christen, während die Behörden nichts unternehmen, um Christen zu schützen. Stattdessen stehen sie meist eher auf der Seite der Mönche.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Auch Schamanen des traditionellen animistischen Bön-Glaubens üben Druck auf Christen aus. Obwohl die meisten Bürger nicht ausschließlich diesem Glauben anhängen, halten sie besonders in ländlichen Gebieten an bestimmten Riten und Traditionen fest. Christliche Konvertiten, die sich weigern, daran teilzunehmen, werden unter Druck gesetzt und ausgegrenzt. Die Vermischung von Stammesglauben und Buddhismus hat besonders in den zentralen und östlichen Teilen des Landes zur Verfolgung von Christen geführt.

3. Verfolger

In ihren Anstrengungen, die nationale Identität und Einheit zu bewahren, unterdrücken oder eliminieren die Regierungsbehörden „ausländische“ Elemente, zu denen auch der christliche Glaube gezählt wird. Die Regierung hält die buddhistischen Überzeugungen als nationales Erbe des Landes aufrecht. Es wird nicht klar zwischen Religion und Staat getrennt. Die Regierung arbeitet so quasi auf zwei Ebenen: Einerseits sind Regierungsbeamte Verfolger, da sie die Staatsmacht ausüben, auf der anderen Seite sind sie Nachfolger des Buddhismus und des spirituellen Erbes des Landes. Buddhistische (und manchmal auch hinduistische) religiöse Leiter treten ebenfalls als Verfolger auf. Die Verschmelzung ethnischer Überzeugungen mit dem Buddhismus führt zu weiterer Verfolgung. Christen, die sich weigern, sowohl dem buddhistischen Glauben als auch den traditionellen Ritualen zu folgen, geraten noch leichter in Schwierigkeiten. Dies gilt insbesondere für die Christen im zentralen und östlichen Teil des Landes. Für Christen buddhistischer Herkunft sind Familienmitglieder ebenfalls Verfolger.

4. Hintergrund

Bhutan ist eingezwängt zwischen den zwei großen Nachbarn Indien (im Süden) und China (im Norden). Das Land taucht nicht sehr oft in den internationalen Schlagzeilen auf, es sei denn die beiden Nachbarstaaten beschließen, ihre Kräfte an der viel umstrittenen Grenze zu messen, wie von Juni bis August 2017 geschehen. Bhutan entschied, sich so ruhig wie möglich zu verhalten. Einige Berühmtheit erlangte das Land für seine Einführung des Bruttonationalglücks (BNG), das den Grad der Zufriedenheit aller Staatsbürger misst. Die Demokratie wird mehr und mehr gefestigt, allerdings geschieht dies in einem Umfeld, in dem alle Parteien die Vorherrschaft des Buddhismus anerkennen und dem König gegenüber loyal sind. Die Situation von Christen, die unter den Bhutanern eine kleine Minderheit darstellen, blieb dabei unverändert: Sie haben noch immer keine formale Anerkennung erhalten.

Bhutan sieht sich großen wirtschaftlichen Herausforderungen gegenüber und muss Wege finden, der jungen Generation des Landes eine Perspektive zu geben. Dies hat sich im aktuellen Berichtszeitraum erneut als dringend erwiesen. Das Land ist stark vom Tourismus abhängig. Sowohl die Anzahl der Touristen als auch die Einnahmen durch ausländische Währungen scheinen sich stabilisiert zu haben. Es wird jedoch immer schwieriger, jungen Erwachsenen eine Karriereperspektive im Tourismusbereich zu bieten.

Je nachdem, wie sich die Wirtschaft weiterentwickelt, könnte sich dies entsprechend auf die christliche Minderheit auswirken. Sollte sich das Land in wirtschaftlichen Schwierigkeiten wiederfinden, wird Bhutan möglicherweise sein buddhistisches Kulturerbe noch stärker betonen, was die Anerkennung der wachsenden christlichen Minderheit in weite Ferne rücken ließe. Wenn sich die wirtschaftliche Lage aber positiv entwickelt, könnte dies die Betonung des buddhistischen Erbes Bhutans abmildern und die Anerkennung der christlichen Gemeinschaft möglich machen.

Neben der christlichen Gemeinschaft werden auch die winzige muslimische Minderheit in Bhutan und die Hindus, die nepalesische Volkszugehörigkeit haben, nicht anerkannt und so häufig vernachlässigt.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Die sehr wenigen ausländischen Christen schließen sich zumeist den bestehenden Hauskirchen an und werden daher nicht als eigenständige Kategorie im Weltverfolgungsindex betrachtet.

Christen aus traditionelle Kirchen

Die ersten christlichen Spuren in Bhutan können auf jesuitische Missionare zurückgeführt werden, die Paro bereits 1626 erreichten. Im 19. Jahrhundert existierte eine kleine Gemeinschaft der Römisch-Katholischen Kirche in Bhutan unter der indischen Diözese von Darjeeling, die es auch heute noch gibt.

Christen mit buddhistischem, hinduistischem oder Stammeshintergrund

Christen mit buddhistischem, hinduistischem oder Stammeshintergrund erleben Verfolgung vonseiten ihrer Familie, Freunde und Nachbarn.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Zu dieser Gruppe gehören evangelikale und pfingstliche Christen. Es gibt Gemeinschaften wie Brüdergemeinden und El Shaddai. Sie sind jedoch nicht anerkannt und können daher von den Behörden unter Druck gesetzt werden. Dies kann sich in Überwachung, Durchsuchungen oder sogar Festnahmen und Inhaftierungen äußern.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 11.900
Familienleben: 11.600
Gesellschaftliches Leben: 12.400
Leben im Staat: 11.400
Kirchliches Leben: 13.100
Auftreten von Gewalt: 1.100

Grafik: Verfolgungsmuster Bhutan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

Der durchschnittliche Druck auf Christen in Bhutan bleibt auf einem sehr hohen Level und ist im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2017 von 11,8 Punkten auf 12,1 Punkte gestiegen.

  • Der Druck ist am stärksten in den Bereichen „Kirchliches Leben“, „Gesellschaftliches Leben“ und „Privatleben“. Der Druck auf Christen mit buddhistischem Hintergrund ist in den Bereichen „Privatleben“ und „Familienleben“ besonders hoch. In den Bereichen „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ sind alle Christen Druck ausgesetzt. Dieser Druck wird dadurch verstärkt, dass die christliche Minderheit weiterhin vernachlässigt wird, ob im alltäglichen Leben, oder wenn sie nicht als Gemeinschaft anerkannt wird.
  • Der Wert für das Auftreten von Gewalt, die sich gegen Christen richtet, hat sich fast halbiert und ist von 2,0 Punkten im Weltverfolgungsindex 2017 auf 1,1 Punkte im aktuellen Berichtszeitraum zurückgegangen. Keine Christen wurden wegen ihres Glaubens festgenommen oder verurteilt.

Privatleben

Der Übertritt zu einer anderen Religion wird grundsätzlich abgelehnt und ist meist verboten. In Übereinstimmung mit Sektion 463 (A) des Strafgesetzbuchs Bhutans ist Konversion verboten. Sie legt fest, dass ein Glaubenswechsel aus Nötigung oder anderen Anreizen eine Straftat darstellt. „Nötigung“ und „andere Anreize“ sind dabei nicht eindeutig definiert. Der Übertritt zu einer anderen Religion wird sowohl von der Familie und der Gemeinschaft, als auch von religiösen Obrigkeiten und dem Staat strikt abgelehnt. Sogenannte „Zwangskonversion“ gilt als Straftat, wobei der Begriff „Zwang“ Interpretationsspielraum bietet. In der Praxis ist der Glaubenswechsel in den meisten Fällen einfach verboten. Sogar das bloße Verteilen von Traktaten mit dem Evangelium, ohne darüber zu sprechen oder jemanden in die Kirche einzuladen, kann zu einer Verhaftung führen. Christliche Konvertiten müssen daher sehr bedacht sein, wie sie ihren Glauben leben, vor allem, wenn sie die einzigen Christen in ihrer Familie sind. Dann kann es für sie bereits gefährlich sein, zuhause christliche Symbole zu zeigen. Christen treffen sich meist in gemieteten Räumlichkeiten – das kann zu Schwierigkeiten führen, wenn der Hausbesitzer Buddhist ist. In ländlichen Gebieten werden Konvertiten, von denen bekannt ist, dass sie dem christlichen Glauben folgen, oft genauestens beobachtet.

Familienleben

Im Falle einer Entdeckung ihres neuen Glaubens drohen Christen mit buddhistischem, hinduistischem und Stammeshintergrund die Scheidung (wenn sie verheiratet sind) und der Verlust des Erbrechts. Öffentliche Taufen sind illegal und daher nicht durchführbar. Eine christliche Beerdigung zu organisieren, ist ebenfalls sehr schwierig oder oftmals gar unmöglich. Üblicherweise beerdigen Christen ihre verstorbenen Familienmitglieder daher im benachbarten Indien.

Vielen Christen wurde aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit die Ausstellung eines elektronischen Personalausweises verwehrt. Dieses Problem betrifft besonders Christen mit buddhistischem Hintergrund. Für den Alltag benötigen alle Bürger eine sogenannte Unbedenklichkeitsbescheinigung, die von den örtlichen Behörden ausgestellt wird, um zu zeigen, dass das Dorf keine Probleme mit der Person hat. Dieses Dokument wird benötigt, um Kredite zu beantragen, Besitz zu registrieren, sich auf Arbeitsplätze zu bewerben und Ausweise zu erneuern. Christen wird oft keine Bescheinigung ausgestellt oder es wird ihnen sehr schwergemacht, eine zu erhalten.

Kinder von Christen müssen in der Schule den Buddhismus lernen und praktizieren und erleben Druck vonseiten der Lehrer und Mitschüler. Während des aktuellen Berichtszeitraums musste ein Interview mit einem christlichen Schulkind, das von seinen Klassenkameraden gemobbt wurde, abgebrochen werden, da es deutlich traumatisiert war. Christliche Konvertiten werden manchmal von ihren Familien isoliert und daran gehindert, sich mit anderen Christen zu treffen. Verwandten dreier Christen, die sich wegen ihres Glaubens in Haft befinden, wurde verboten, sie im Gefängnis zu besuchen.

Gesellschaftliches Leben

Christliche Konvertiten erfahren starken Druck vonseiten ihrer Familie, Freunden und Nachbarn, die oft damit drohen, sie den lokalen Behörden zu melden, wenn sie ihren christlichen Glauben nicht widerrufen. Traditionell werden in Bhutan Aussaat und Ernte als Dorfgemeinschaft durchgeführt. Christen sind von dieser Praxis allerdings ausgeschlossen und können mit keinerlei Hilfe rechnen. Die anderen Dorfbewohner machen es Christen oft sehr schwer: Wenn sie nicht an religiösen Feierlichkeiten teilnehmen und zu ihnen beitragen, setzen sie sich damit noch größeren Schikanen aus. Um zur Schule zugelassen zu werden, benötigen Kinder ein Empfehlungsschreiben des Dorfoberhauptes oder der lokalen Regierungsbehörde. Solch ein Schreiben zu erhalten, ist oft schwierig für Christen, und wenn sie es erhalten, werden ihre Kinder in der Schule diskriminiert. Sie erhalten schlechtere Noten, was ihnen wiederum den Zugang zu höherer Bildung erschwert. In den Schulen muss jeder an buddhistischen Ritualen teilnehmen. Christen werden zudem immer wieder dazu aufgefordert, an traditionellen religiösen Festen in ihrer Gemeinschaft teilzunehmen. Außerdem sind Christen, die ein Geschäft eröffnen wollen, oft von staatlichen Subventionen ausgeschlossen.

Leben im Staat

Die Verfassung schützt den Mahayana-Buddhismus als geistliches Erbe der Nation. So wird der Buddhismus als Staatsreligion behandelt und alle religiösen Institutionen haben die Pflicht, dieses spirituelle Erbe Bhutans zu fördern. Am 24. Mai 2011 erließ die Regierung einen Zusatz zu diesem Gesetz, der eine Anti-Konversions-Klausel beinhaltet. Dies wurde ins Strafgesetzbuch aufgenommen, um Artikel 7(4) der Verfassung des Königreichs Bhutan zu erfüllen, der besagt, dass „ein bhutanischer Staatsbürger das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit“ haben soll: „Keine Person soll durch Nötigung oder Beeinflussung dazu gezwungen werden, einem anderen Glauben anzugehören.“ Abschnitt 463 (A) des Strafgesetzbuches (Zusatz) von Bhutan 2011 sagt aus: „Ein Angeklagter ist schuldig des Vergehens, andere zu einem anderen Glauben bewegt zu haben, wenn er sich dabei der Nötigung oder einer Art der Beeinflussung bedient hat, um die Bekehrung zu einem anderen Glauben zu erreichen.“ Abschnitt 463 (B) fügt hinzu: „Das Vergehen, andere zu einem anderen Glauben zu überreden, wird als Ordnungswidrigkeit behandelt“, was in Bhutan mit ein bis drei Jahren Gefängnis bestraft werden kann. Es ist Christen nicht erlaubt, öffentlich christliche Symbole zu zeigen. Es sind keine christlichen Zivilgesellschaftsorganisationen erlaubt. Christen werden vor Gericht oft zu schweren Strafen verurteilt, auch dann, wenn es kaum Beweise gibt, die die Klage stützen. Die wenigen christlichen Beamten stehen unter starkem Druck, an buddhistischen Riten teilzunehmen und zu Festen beizutragen. Weigern sie sich, werden sie unter Druck gesetzt, zurückzutreten, wie im aktuellen Berichtszeitraum geschehen. Wird ein Christ einer „unethischen Konversion“ für schuldig befunden, hat er keine Chance, eine der oben beschriebenen Unbedenklichkeitsbescheinigungen zu erhalten.

Kirchliches Leben

Das Thema Registrierung bleibt für die Christen in Bhutan das größte Problem. Ohne offizielle Registrierung sind christliche Gemeinden faktisch illegal. Zwar erklärt die Landesregierung, dass Christen sich treffen dürfen, ihre Versammlungen werden jedoch zum Teil von Dorfbewohnern gestört oder ihre Legalität wird auf Dorf- oder Bezirksebene infrage gestellt. Christen, die sich in religiösen Angelegenheiten mit den Behörden in Verbindung setzen, werden regelmäßig diskriminiert. Christliche Gemeinschaften, die sich bei der Kommission für religiöse Angelegenheiten (CRO) registrieren lassen wollen, bekommen zumeist keine Antwort. Bis heute wird keine christliche Gemeinschaft im Land offiziell anerkannt.

Im aktuellen Berichtszeitraum führte dies dazu, dass eine Hauskirche geschlossen werden musste und andere Hauskirchen ihre Versammlungen einstellen mussten. Die Regierung beschränkt die Treffen weiterhin auf Privathaushalte, um das Wachstum des christlichen Glaubens einzuschränken und die Gruppen in Abhängigkeit vom Vermieter zu halten. Manchen Christen ist es gelungen, einen größeren Versammlungsort zu mieten, aber alle laufen Gefahr, entdeckt zu werden, und manche wurden bereits von den Behörden aufgesucht. Es gab Vorfälle, bei denen Christen mit ernsthaften Konsequenzen gedroht wurde, wenn sie sich weiterhin träfen. Dementsprechend treffen sich viele Christen entweder sehr früh am Morgen oder sehr spät abends und lassen dabei die Lichter im Haus aus, um keinen Verdacht zu erregen. In Bhutan können keine Bibeln oder anderes christliches Material produziert werden und der Import ist nicht erlaubt, auch wenn immer wieder Material in kleinen Mengen nur für den privaten Gebrauch ins Land gebracht wird.

Auftreten von Gewalt

Die Verfolgung ist in Bhutan nicht sehr gewalttätig. Es gab Fälle, in denen Christen für Missionierung verurteilt wurden. Sie wurden jedoch 2016 freigelassen. Wie bereits im Bereich „Kirchliches Leben“ aufgeführt, mussten zwei Hauskirchen geschlossen werden oder ihre Versammlungen einstellen, weil sie Warnungen und Drohungen von den Behörden erhalten hatten. Aus Sicherheitsgründen können diese Vorfälle nicht im Detail beschrieben werden.

7. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Die Entscheidung Bhutans, sich während des militärischen Kräftemessens Chinas und Indiens zwischen Juni und August 2017 ruhig zu verhalten und nicht den Anschein zu erwecken, das Land könnte sich auf eine Seite stellen, muss als weise Entscheidung gesehen werden. Das Überleben Bhutans könnte davon abhängen, die Wünsche und Bedürfnisse Chinas und Indiens in Einklang zu bringen. Die Spannungen sind jedoch noch nicht Geschichte. Kurz nachdem die Situation für beendet erklärt wurde, erklärte die chinesische Armee Indien, aus dieser Erfahrung gelernt zu haben. Es scheint also wahrscheinlich, dass die Nervosität in der Region anhält. Dies könnte dazu führen, dass die Behörden den ausländischen Beziehungen mehr Beachtung schenken als der Innenpolitik.

In einer Situation, in der Bhutan seinen einzigartigen Platz in der Region zeigen muss, ist es sehr wahrscheinlich, dass das Land dies tut, indem es sich auf sein außergewöhnliches religiöses und kulturelles Erbe beruft. In dieser Situation wird die christliche Gemeinschaft in Bhutan vermutlich nicht den Schutz und den Raum bekommen, den sie benötigt. Die Zukunft der Christen wird weiterhin dadurch bestimmt, wie sich der „Religiös motivierte Nationalismus“ die Haupttriebkraft der Verfolgung in Bhutan, entwickelt.

8. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Bhutan

  • Bitte beten Sie für Christen buddhistischer Herkunft, die mit ihrer Entscheidung für Jesus das Anti-Konversionsgesetz gebrochen haben. Bitte beten Sie, dass die Christen in der Verfolgung gestärkt werden und näher zusammenrücken.
  • Der Buddhismus ist seit Jahrhunderten das spirituelle Erbe Bhutans, wie auch in der Verfassung verankert. Durch bürokratische Mittel werden Christen abgelehnt und verfolgt. Bitte beten Sie, dass die Christen durch die Kraft des Heiligen Geistes die Macht des Buddhismus überwinden.
  • Bitte beten Sie für christliche Konvertiten, die von ihrer Familie, Freunden und Nachbarn stark unter Druck gesetzt werden, ihren Glauben aufzugeben. Beten Sie, dass sie angesichts der Verfolgung die Liebe bewahren und dass Jesus die Herzen der Menschen in ihrem Umfeld berührt, dass diese sich für das Evangelium öffnen.

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