Länderprofil Eritrea

Eritrea

6
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Eritrea
Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
10
ISO
ER
Karte Eritrea
Karte Eritrea
Christen
2,54
Bevölkerung
5.48
Konfessioneller Protektionismus
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 15.200
Familienleben: 14.500
Gesellschaftliches Leben: 15.800
Leben im Staat: 16.100
Kirchliches Leben: 15.200
Auftreten von Gewalt: 9.400
Länderprofil Eritrea

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

86 Punkte / Platz 6 (WVI 2017: 82 Punkte / Platz 10)

Von wem Verfolgung ausgeht

Seit 1993 übt das autoritäre Regime unter der Führung von Präsident Isaias Afewerki uneingeschränkte Macht in Eritrea aus. Die Regierung tut alles, um ihre Macht zu erhalten und hat Christen verhaftet, angegriffen und getötet, weil sie sie als „Agenten des Westens“ und damit als eine Bedrohung für den Staat und die Regierung ansieht. Ungefähr die Hälfte der eritreischen Bevölkerung besteht aus Muslimen. Diese wohnen zum großen Teil in der Tiefebene entlang der Küste des Roten Meeres und der Grenze zum Sudan. Viele von ihnen zeigen (zum Teil auch aufgrund der wachsenden Präsenz des militanten Islam in der Region) eine Tendenz zum Extremismus. Christen in diesen Teilen des Landes sind somit in einer besonders schwierigen Lage, insbesondere, wenn sie muslimischer Herkunft sind. Eritreische Muslime verstehen sich zuerst als Muslime, dann als Eritreer. Eine Hinwendung zum christlichen Glauben gilt als Verrat der Gemeinschaft, der Familie und des islamischen Glaubens. Die Eritreisch-Orthodoxe Kirche (EOC) hat eine lange Tradition im Land und setzt Christen anderer Konfessionen und Gemeinden manchmal unter Druck (siehe Abschnitt „Triebkräfte der Verfolgung“).

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

In Eritrea sind alle im Weltverfolgungsindex (WVI) aufgeführten Kategorien von Christen von Verfolgung betroffen. Die Intensität der Verfolgung und die Verfolger variieren jedoch. Verhaftungen und das Verschwindenlassen von Christen treten häufig auf. Christen werden zwangsweise vom Militär eingezogen, und insbesondere Protestanten habe große Probleme, Sozialleistungen vom Staat zu erhalten.

Christen, die nicht den traditionellen Kirchen angehören, sind stärkster Verfolgung sowohl von der Regierung als auch durch die EOC ausgesetzt. Sowohl Christen mit muslimischem Hintergrund als auch Christen, die die EOC verlassen und sich einer protestantischen Freikirche angeschlossen haben, werden von ihren Familien und der Gesellschaft misshandelt.

Sicherheitskräfte der Regierung führten viele Durchsuchungen von Häusern durch und verhafteten hunderte Christen. Häuser, die als Versammlungsorte fungierten, und christliches Material wurden beschädigt beziehungsweise konfisziert. Dieser extreme Druck und die vom Staat gebilligte Gewalt hat einige Christen dazu gebracht, aus dem Land zu fliehen.

Beispiele

  • Der Druck, den die EOC ausübt, geht zum Teil auf theologische Unterschiede zwischen den Konfessionen zurück, hat aber auch historische Wurzeln. Die gut organisierte Eritreisch-Orthodoxe Kirche mit ihrer langen Tradition und historischen Anerkennung betrachtet andere christliche Denominationen als „Neuankömmlinge“. Den geistlichen Leitern der EOC gilt Eritrea als Heimat der Orthodoxen Kirche, in der Eritreas christliche Tradition begründet ist, und neben der andere Denominationen – insbesondere Pfingstkirchen – keinen legitimen Platz haben.
  • Im Berichtszeitraum starb eine christliche Mutter in Haft.
  • Sicherheitskräfte der Regierung führten im Berichtszeitraum zahlreiche Hausdurchsuchungen bei Christen und Hauskirchen durch und verhafteten hunderte Christen. Diese Christen werden von dem Regime unter äußerst schlechten Umständen festgehalten, einige von ihnen in Schiffscontainern, die in der Sonne brütend heiß werden.
  • Tausende Christen wurden in den vergangenen Jahren verhaftet und eingesperrt. Manche von ihnen sind noch nach zwölf Jahren im Gefängnis. Einige der Gefängnisse und Gefangenenlager sind die Polizeistationen in der Hauptstadt Asmara, Mai Sirwa, Adi Abieto, Keren, Assab, Hashferai, Barentu, Mai Idaga und Alla. Viele der Christen werden gezwungen, stundenlang in gewerblich genutzten Blumenfeldern zu arbeiten. Einige namentlich bekannte Christen, die seit über zehn Jahren inhaftiert sind, heißen: Haile Naigzhi, Leiter der Eritrea Full Gospel Church (inhaftiert seit 2004); Kiflu Gebremeskel, Gründer und Pastor der Southwest Full Gospel Church (seit 2004); Million Gebreselasie, Dr. med. und Pastor der Massawa Rhema Church (seit 2004); Tekleab Menghisteab, Dr. med. und Priester (seit 2004); Gebremedhin Gebregiorsis, Priester (seit November 2004), Kidane Weldou, Pastor der Full Gospel Church (vermisst seit 2005, aber vermutlich inhaftiert) und Abune Antonios, Patriarch der Eritreisch-Orthodoxen Kirche (unter Hausarrest seit 2007).

Beiträge zu Eritrea

Reportage Reportage
Eritrea
Eritrea
Überwacht, unterdrückt und eingesperrt: Christen im „Nordkorea Afrikas“
Informationen für den Gemeindebrief Informationen für den Gemeindebrief
Eritrea
Eritrea
(Open Doors, Kelkheim) – Aaron* hatte nicht glauben können, dass Christen in Eritrea wegen ihres Glaubens verfolgt werden, bis er selbst für drei Jahre ins Gefängnis geworfen wurde, weil er Hausversammlungen abgehalten hatte.
Länderberichte
Eritrea

Eritrea: Im Nordkorea Afrikas

05:12 Minuten

Das gefährliche Leben von Christen im sogenannten Nordkorea Afrikas. John und Ruth erzählen uns von...

Anschauen

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 86 Punkten belegt Eritrea Platz 6 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2018. Das entspricht einem Anstieg von 4 Punkten im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2017. Dies ist hauptsächlich auf einen Anstieg im Wert für das Auftreten von Gewalt zurückzuführen. Sicherheitskräfte der Regierung durchsuchten viele Gebäude von Christen. Dabei wurden christliche Materialien konfisziert und einige Hauskirchengebäude beschädigt. Hunderte Christen wurden in Gefangenenlager gebracht. Eine christliche Mutter starb in der Gefangenschaft. Mehr als zehn christliche Leiter vegetieren unter grauenvollen Haftbedingungen dahin. Es wird berichtet, dass es Tausende politische Gefangene in Eritrea gibt – unter ihnen befinden sich ebenfalls viele Christen.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Konfessioneller Protektionismus

Die Eritreisch-Orthodoxe Kirche (EOC) hat eine lange Tradition in Eritrea und setzt Christen anderer Konfessionen und Gemeinden häufig unter Druck. Dahinter stehen zum einen theologische Unterschiede zwischen den Konfessionen, zum anderen aber auch ganz pragmatische Überlegungen. Die gut organisierte EOC mit ihrer langen Tradition und historischen Anerkennung betrachtet andere christliche Denominationen als „Neuankömmlinge“. Den geistlichen Leitern der EOC gilt Eritrea als Heimat der Orthodoxen Kirche, in der Eritreas christliche Tradition begründet ist und neben der andere Denominationen – insbesondere Pfingstkirchen – keinen legitimen Platz haben. Ein Feldforscher sagt dazu: „Es gibt große Vorbehalte unter orthodoxen Christen, Mitchristen, die einer anderen Denomination angehören, als Christen zu akzeptieren. Diese Vorbehalte manifestieren sich in unterschiedlichen Formen in verschiedenen Teilen des Landes. Während der Grund hierfür zum großen Teil in theologischen Differenzen besteht, spielt die Angst, der prägende Einfluss, welchen die Orthodoxe Kirche seit Jahrhunderten auf das Leben der Bürger des Landes hat, könnte verloren gehen, dabei eine große Rolle.“

Diktatorische Paranoia

Seit dem Referendum von 1993 ist Eritrea eine unabhängige Nation, in der die People’s Front for Democracy and Justice (PFDJ) unter der Führung von Präsident Isaias Afewerki uneingeschränkte Macht ausübt. Das Regime ist ein absolut autoritäres System, das alles tut, um seine Macht zu erhalten: Christen wurden verhaftet, angegriffen und getötet, weil sie als „Agenten des Westens“ und damit als Bedrohung für den Staat und die Regierung gesehen werden. Quellen im Land weisen darauf hin, dass der Präsident seinen Sohn darauf vorbereitet, seine Nachfolge anzutreten. Ein Experte für Eritrea sagt: „Nach Jahrzehnten des blutigen Krieges um die Unabhängigkeit, der für den Tod zehntausender Menschen sowie die Verletzungen Tausender weiterer verantwortlich ist, war das letzte, was die Bevölkerung erwartet hätte, dass die neue machthabende Partei ein weiteres unterdrückerisches Regime darstellen würde. Dennoch formte die PFDJ entgegen ihrer Versprechungen während des bewaffneten Kampfes ein absolut autoritäres Regime, in dem keine abweichende Meinung geduldet wird. Das wichtigste Ziel der Partei ist, um jeden Preis an der Macht zu bleiben.“ In diesem Kontext verfolgt die Regierung Christen.

Islamische Unterdrückung

Ungefähr die Hälfte der eritreischen Bevölkerung besteht aus Muslimen. Diese wohnen zum großen Teil in den Tiefebenen entlang der Küste des Roten Meeres und der Grenze zum Sudan und viele zeigen (zum Teil auch aufgrund der wachsenden Präsenz des militanten Islam in der Region) eine Tendenz zum Extremismus. Christen in diesen Teilen des Landes sind somit in einer besonders schwierigen Lage, insbesondere, wenn sie muslimischer Herkunft sind. Eritreische Muslime verstehen sich zuerst als Muslime, dann als Eritreer. Eine Hinwendung zum christlichen Glauben gilt als Verrat an der Gemeinschaft, der Familie und des islamischen Glaubens. Ein Experte stellt fest: „Diese Triebkraft ist in den Hochländern nicht so stark verglichen mit den abgelegenen Teilen des Landes, in denen der Großteil der Bevölkerung Muslime sind. Obwohl extremistische Gruppen einen islamischen Staat formen wollen, wurde die Verbreitung solcher Vorstellungen durch die Regierung verhindert, die extremistische Gruppierungen nicht duldet, da sie in ihnen eine Gefährdung ihrer Macht sieht. Trotzdem bedrohen einige solcher Gruppen das christliche Leben, insbesondere derer, die in den Tiefebenen des Landes leben. Christen können ihren Glauben dort nicht frei ausüben und es ist nicht einfach, die Schulen von extremistischen Lehren dieser Gruppen zu befreien.“

Organsiertes Verbrechen und Korruption

Eritrea ist eines der korruptesten Länder der Welt. Laut dem im Januar 2017 veröffentlichten Bericht von Transparency International belegt Eritrea Rang 164 von 176 Ländern. Dies betrifft insbesondere das Militär, das viele Bereiche des Lebens in dem Land kontrolliert. Ein Experte sagt: „Die Armee ist der stärkste Sektor der Regierung, und Korruption und der Missbrauch von Macht greifen auf verschiedenen Ebenen um sich. Ein Beispiel ist, dass von Christen Bestechungsgelder verlangt werden, ertappt man sie bei einem Fluchtversuch. Können sie diese Gelder nicht bezahlen, droht ihnen willkürliche Gefangenschaft oder sogar der Tod.“

3. Verfolger

Die stärkste Gruppe von Verfolgern stellen in Eritrea Regierungsbeamte dar. Sie belästigen und verhaften Christen kontinuierlich, insbesondere die Christen, deren Denomination nicht von der Regierung anerkannt wird. Ein weiterer Verfolger ist die EOC. Sie ist die älteste christliche Gemeinschaft im Land und die meisten Christen des Landes gehören ihr an. Die EOC übt einen großen Einfluss auf viele Bereiche des Lebens aus. Das Problem dabei ist, dass die Kirche neue christliche Gemeinden im Land nicht willkommen heißt, insbesondere Pfingstgemeinden. Es ist nicht zu leugnen, dass die Leiter der Orthodoxen Kirche aktiv versuchen, die Ausbreitung anderer Glaubensgemeinschaften zu verhindern. Muslimische religiöse Leiter spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in der Verbreitung einer gegen Christen gerichteten Haltung unter ihren Anhängern, was wiederum zu Verfolgung geführt hat. Auch Familienmitglieder und Dorfvorsteher sind Verfolger, vor allem von Christen muslimischer Herkunft. Die herrschende Partei PFDJ ist ein weiterer Verfolger, der hinter vielen Schwierigkeiten für Christen in Eritrea steht. Dies ist mit den Netzwerken von Korruption im Militär und in der Partei verbunden, die das Leben für viele Eritreer und insbesondere für Christen sehr schwer machen. Sie haben niemanden, der für ihre Rechte eintreten würde.

4. Hintergrund

Auch das „Nordkorea Afrikas“ genannt, befindet sich Eritrea unter den schlimmsten Ländern, was Religions- und Pressefreiheit, Rechtsstaatlichkeit und andere Menschenrechte angeht. Seit 2002 ist Eritrea auf dem WVI, seit 2004 unter den ersten 20 und auf dem WVI 2016 nahm es sogar den dritten Platz ein. Das eritreische Regime ist absolut autoritär und duldet keine nichtregistrierten Organisationen, keine freie Meinungsäußerung oder Widerspruch. Kein Ort im ganzen Land kann als sicher bezeichnet werden, wovon die Zahl der Flüchtlinge aus Eritrea in Europa und weltweit zeugt. Der Umstand, dass viele das Land verlassen, kommt der Regierung sehr gelegen, da die Flüchtenden ansonsten diejenigen wären, die von der Regierung Veränderungen und Reformen einfordern würden. Es ist zudem aus finanzieller Sicht von Vorteil für die Regierung, da Eritreer im Ausland eine Auslandssteuer zahlen müssen.

Laut einem Artikel von Reporter ohne Grenzen vom April 2016 befinden sich 11 eritreische Journalisten ohne Anhörung oder Prozess in Haft: „Eritrea missachtet systematisch das Recht auf freie Meinungsäußerung und Information. Für Journalisten ist es das größte Gefängnis Afrikas.“ Der Präsident des Landes steht auf der Liste der „Feinde der Pressefreiheit“ von Reporter ohne Grenzen. Auf der Rangliste für Pressefreiheit liegt Eritrea seit neun Jahren auf dem letzten Platz – noch hinter Somalia, dem Sudan, China und dem Iran.

Die eritreische Regierung hat klar zum Ausdruck gebracht, dass im Land ausschließlich die offiziell anerkannten Religionsgruppen arbeiten dürfen: der sunnitische Islam, die Eritreisch-Orthodoxe, die Römisch-Katholische und die Lutherische Kirche. Für andere christliche Konfessionen ist es sehr schwer, im Land aktiv zu sein, und daher tragen sie die Hauptlast der Verfolgung. Die Einführung eines Registrierungssystems 1997 machte eine große Zahl christlicher Gemeinden illegal. Außer den obengenannten, offiziell anerkannten Religionsgemeinschaften mussten alle übrigen einen Antrag stellen, um registriert zu werden. Nach einiger Zeit wurde ihnen mitgeteilt, dass sie die Voraussetzungen erfüllen – eine Lizenz wurde jedoch nie ausgestellt. Der Versuch der Regierung, alle religiösen Institutionen zu kontrollieren, fand seinen Höhepunkt in der Amtsenthebung des Patriarchen der Eritreisch-Orthodoxen Kirche, der seit 2007 unter Hausarrest steht.

Der Machtmissbrauch seitens der Regierung und die daraus resultierenden Härten führten zu Unzufriedenheit in der Bevölkerung, die letztlich 2013 in einem Staatsstreich gipfelte. Dieser Versuch schlug jedoch fehl und Präsident Afewerki gab dem Westen und Äthiopien die Schuld für den Putschversuch. Dadurch nahm auch die Verfolgung der Christen stark zu, die von der Regierung als „Agenten des Westens“ bezeichnet wurden. Dieser Vorfall ermöglichte es außerdem Muslimen, der Regierung nach dem Motto „Dein Feind ist auch mein Feind“ näher zu kommen.

Eritrea wird zudem anhaltend beschuldigt, den Aufstieg und die Verbreitung eines extremistischen Islam am Horn von Afrika zu unterstützen, um einen politischen Vorteil zu gewinnen. Die Sanktionen der UN gegen Eritrea wegen der Unterstützung islamistischer Kämpfer in der Region – besonders der Aufrüstung von Al Shabaab – zeigen, dass die eritreische Regierung auch ein Komplize der Christenverfolger außerhalb Eritreas ist, indem sie Mittel und Methoden der Verfolgung an extremistische Gruppierungen weitergibt. Zudem pflegt Eritrea starke Verbindungen zu der islamischen Regierung des Sudan und steht Staaten wie Katar, dem Iran und Saudi-Arabien, in denen Christen verfolgt werden, in Bezug auf Kultur, Grundsätze und Geografie nahe. Viele Christen verlassen Eritrea über die Nachbarländer Sudan, Äthiopien und Ägypten und werden zu einer leichten Beute für Menschenhändler, vor allem in der Wüste Sinai. Einige von ihnen wurden gefangen genommen und 2015 in Libyen von Anhängern des Islamischen Staates (IS) enthauptet. Tausenden gelang jedoch die gefährliche Reise per Boot über das Mittelmeer nach Europa.

Auf internationaler Ebene ist Eritrea eines der beiden afrikanischen Länder, die vom Außenministerium der Vereinigten Staaten von Amerika wegen starken Verstoßes gegen die Religionsfreiheit am 29. Februar 2016 als „Country of Particular Concern“ (besonders Besorgnis erregendes Land) eingestuft wurden. Deshalb stellten Robert P. George und Thomas J. Reese von der USCIRF (US-Kommission für internationale Religionsfreiheit) die Frage: „Könnte Eritreas ‚Akte in puncto Verbrechen gegen die Menschenrechte und Religionsfreiheit‘ einen Verweis an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag rechtfertigen?“ Ein Untersuchungsausschuss des UN-Menschenrechtsausschusses regte ebenfalls an, die eritreische Regierung vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag anzuklagen. Die Regierung vermutet, dass der Bericht des Untersuchungsausschusses nur mit Hilfe von Informanten in Eritrea möglich war.

Außer den Christen erleben auch Angehörige anderer religiöser Minderheiten Verfolgung. Hier sind beispielsweise Muslime zu nennen, die sich gegen die Regierung stellen, sowie die Zeugen Jehovas.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Alle vier im WVI erfassten Kategorien von Christen sind in Eritrea vertreten. Die verschiedenen Kategorien sind in unterschiedlichen Ausmaßen und Formen von Verfolgung betroffen.

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Aufgrund des von der Regierung ausgeübten Drucks sinkt die Zahl der ausländischen Christen zunehmend. Diese Christen haben Schwierigkeiten, sich im Land frei zu bewegen und andere Christen zu treffen.

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gruppe ist die größte im Land und umfasst die Eritreisch-Orthodoxe Kirche, Anglikaner, die Evangelisch-Lutherische sowie die Römisch-Katholische Kirche. Die Christen aus traditionellen Kirchen leben hauptsächlich in den überwiegend von Christen bewohnten Gebieten in Zentral- und Süderitrea. Sie erleiden Verfolgung durch „Islamische Unterdrückung“ und die Regierung.

Konvertiten

Diese Gruppe schließt sowohl Christen, die traditionelle Kirchen (insbesondere die Eritreisch-Orthodoxe) verlassen und sich protestantischen Freikirchen angeschlossen haben, als auch Christen mit muslimischem Hintergrund ein. Der ersten Kategorie widerfährt Verfolgung durch die EOC, der zweiten Kategorie durch ihre muslimischen Familien und die muslimische Gesellschaft.

Protestantische Freikirchen

Diese Gruppe erfährt die stärkste Verfolgung im Land. Baptisten, Evangelikale und Pfingstgemeinden werden als „Agenten des Westens“ angesehen. Pfingstgemeinden werden besonders hart von Regierungsbeamten und der EOC verfolgt.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 15.200
Familienleben: 14.500
Gesellschaftliches Leben: 15.800
Leben im Staat: 16.100
Kirchliches Leben: 15.200
Auftreten von Gewalt: 9.400

Grafik: Verfolgungsmuster Eritrea

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen in Eritrea bleibt extrem hoch (15,4) und ist im Vergleich zum Vorjahr (15,3) leicht angestiegen.
  • Alle Lebensbereiche weisen einen extrem hohen Wert auf, am stärksten im Bereich „Leben im Staat“ (16,1). Dies ist ein Hinweis darauf, dass das Vorgehen der Regierung für die Verfolgung von Christen im Land hauptverantwortlich ist.
  • Der Wert für Gewalt ist von 5,0 im WVI 2017 auf 9,4 Punkte im aktuellen Berichtszeitraum gestiegen. Dieser starke Anstieg von über 4 Punkten ist auf vermehrte Hausdurchsuchungen durch Sicherheitskräfte der Regierung zurückzuführen. Diese Durchsuchungen führten zu der Beschlagnahmung christlicher Materialien und teilweise zur Beschädigung von Hauskirchengebäuden. In den vergangenen Jahren wurden tausende Christen verhaftet und eingesperrt. Viele sind in Gefangenschaft gestorben. Viele Christen müssen aufgrund ihres Glaubens weiter im Gefängnis ausharren. Im aktuellen Berichtszeitraum starb eine christliche Mutter im Gefängnis.

Privatleben

Die Regierung macht den Alltag für jeden sehr kompliziert und greift stark in das Privatleben ein. Viele Häuser von Christen wurden im Berichtszeitraum Ziel von Durchsuchungen, die zu Verhaftungen und der Beschlagnahmung von christlichem Material führten. Die Einschränkung der Religionsfreiheit gegen Christen geht soweit, dass Beamte Häuser nur aufgrund des Verdachts durchsuchen lassen, der Bewohner gehöre einer der sogenannten „neuen Formen des Christentums“ an. Die regierende Partei strebt danach, den Alltag von Angehörigen der christlichen Minderheiten zu überwachen. Kader und Sicherheitskräfte der Partei können Privathäuser ohne richterliche Genehmigung durchsuchen. Das Ziel sind dabei vor allem Christen, die sich im Geheimen zum Gebet treffen. Der private Besitz von christlichen Materialien wie der Bibel, Bibellexika, theologischen Büchern, CDs mit Predigten oder Shirts mit christlichen Aufdrucken werden von der Partei als Verrat angesehen und führt häufig zu willkürlicher Gefangenschaft für eine unbestimmte Zeit, ohne dass ein Gericht darüber entscheiden muss.

Familienleben

Für Christen in Eritrea steht das Familienleben auf dem Spiel. Familien zerfallen, weil Familienmitglieder durch die Regierung verhaftet und verschleppt werden. Manche Familienmitglieder sind gezwungen, aus dem Land zu fliehen und lassen schutzbedürftige Verwandte zurück. Der „Konfessionelle Protektionismus“ führt außerdem zur Verweigerung von Erbschaften und familienbezogenen Rechten für Christen. Die „Islamische Unterdrückung“ führt dazu, dass Christen in Regionen, die hauptsächlich von Muslimen dominiert werden, vielfältige Schwierigkeiten erleben. Beispielsweise können Christen muslimischer Herkunft keine öffentliche christliche Heirat durchführen, und im Todesfall werden sie nach muslimischem Ritus begraben. Planen Christen eine Hochzeit, starten die Probleme bereits bei der Suche nach einem Ort für die Feier. Die meisten Hallen werden von der Regierung kontrolliert. Weil sie Angst vor Konsequenzen vonseiten der Regierung haben, vermieten Hallenbesitzer nicht an Protestanten. Die meisten Besitzer sind jedoch auch selbst nicht bereit, ihre Halle für eine protestantische Hochzeitsfeier zur Verfügung zu stellen. Ein anderes Problem ist die Suche nach einem Pastor, der die Trauung durchführt. Es ist zu Vorfällen gekommen, bei denen das Hochzeitspaar, der Pastor und Gäste verhaftet wurden. Pastoren, die nicht der EOC angehören, riskieren ihre persönliche Freiheit, wenn sie ein protestantisches Paar trauen. Auch nach der Hochzeit erkennt das Land die Ehe nicht an, da nicht registrierte Kirchen nicht die Erlaubnis haben, Hochzeiten durchzuführen.

Gesellschaftliches Leben

Es ist bekannt, dass die Regierung Nachbarn anwirbt, um alle christlichen Aktivitäten im Ort auszuspionieren. Daraus ergeben sich zunehmend seltsame Allianzen: Beispielsweise überwachen Muslime die Aktivitäten protestantischer freikirchlicher Christen in ihrer Region im Auftrag der Regierung, vor allem jedoch die Missionstätigkeit unter Muslimen. Um ein Geschäft betreiben zu können, müssen Christen einen Nachweis über ihren Militärdienst vorweisen können. Außerdem haben Christen keinen Zugang zu weiterführenden Schulen und höherer Bildung, wenn sie nicht für den Militärdienst registriert sind. Durch die Art, wie das gesellschaftliches Leben in Ostafrika gelebt wird, ist es unmöglich, dass der Glaube keinen Auswirkungen auf den Alltag der Christen hat. Weil sie Angst haben, dass ihre Kinder auch Christen werden könnten, erlaubt der Großteil der muslimischen Familien seinen Kindern nicht, mit Kindern von christlichen Konvertiten zu spielen. Drohungen und Hindernisse sind in ländlichen Gegenden stärker. In den meisten Fällen offenbaren Christen dort nicht ihren Glaubenswechsel, weil sie Angst vor Diskriminierung haben. In manchen Fällen geht der ausgeübte Druck auf christliche Konvertiten so weit, dass sie dazu gezwungen werden, ihrem neuen Glauben abzuschwören oder die Dorfgemeinschaft zu verlassen. Es gab auch Fälle, in denen christlichen Konvertiten der Zugang zu grundlegenden Bedürfnissen wie Gesundheitsfürsorge, Trinkwasser und Schulen für die Kinder verwehrt wurde.

Leben im Staat

Unter anderem wegen der extrem eingeschränkten Religionsfreiheit wird Eritrea als das „Nordkorea Afrikas“ bezeichnet und wurde vom Außenministerium der Vereinigten Staaten als „Country of Particular Concern“ („besonders Besorgnis erregendes Land“) eingestuft. Aus diesem Grund ist der Wert für den Bereich „Leben im Staat“ von allen Lebensbereichen des WVI am höchsten. Die Regierung hat klar zum Ausdruck gebracht, dass nur offiziell anerkannte Religionsgruppen im Land geduldet sind und aktiv sein dürfen. Der Patriarch der Eritreisch-Orthodoxen Kirche wird von der Regierung ernannt und jeder Widerspruch eines religiösen Oberhauptes kann zu dessen Amtsenthebung und Verhaftung führen, wie es im Jahr 2007 geschah. Das Land ist dafür bekannt, dass es Christen zwingt, gegen ihr Gewissen zu handeln. Gemäß Artikel 6 der Bekanntmachung zum Wehrdienst Nr. 82/1995 vom Jahr 1995 ist jeder eritreische Staatsbürger zwischen 18 und 50 Jahren verpflichtet, am Wehrdienst teilzunehmen. Die Bekanntmachung lässt keine Ausnahme für Bürger zu, die sich aus religiösen Gründen nicht einschreiben wollen. Religiöse Gruppen erleben demnach große Schwierigkeiten, wenn sie den Dienst verweigern oder abbrechen.

Der oben beschriebene Druck wird dadurch verstärkt, dass sich der Staat weigert, andere religiöse Gruppen als die vier bisher registrierten anzuerkennen. Diese Verweigerung wird von lokalen Leitern und der Polizei als Rechtsgrund genutzt, um Christen, die zu nicht registrierten Gemeinschaften gehören, zu belästigen und einzuschüchtern. Es geschieht sehr häufig, dass Parteikader und Polizei Bürger, die sie verdächtigen, einer nicht registrierten religiösen Gruppe anzugehören, verhaften und verhören. Bestätigt sich der Verdacht, wird er oder sie in den meisten Fällen in eines der Arbeitslager gebracht, die sich in entlegenen Regionen des Landes befinden. Nach der Entlassung aus einer solchen, ungerechtfertigten Haft wird der Person befohlen, ihren Glauben zu widerrufen und sich in regelmäßigen Abständen bei der Polizei zu melden. Versäumt die Person es, sich bei der Polizei einzufinden, wird sie erneut eingesperrt.

Kirchliches Leben

Religiöse Gruppen müssen sich in Eritrea entweder registrieren lassen oder ihre Tätigkeit einstellen. Eine offizielle Registrierung zu erlangen ist jedoch nahezu unmöglich. Häufig kommt es zu Razzien bei geheimen Treffen von Christen, was zeigt, dass die Regierung über einen ausgedehnten Geheimdienstapparat verfügt. Christen von nicht offiziell registrierten Gemeinden müssen ständige Beschattung fürchten. Seit der Unabhängigkeit Eritreas konnten Christen aus protestantischen Freikirchen noch nie in Freiheit und ohne das Risiko, verhaftet, eingesperrt oder sogar getötet zu werden, beten. Die Regierung mischt sich zudem in die Ernennung religiöser Leiter ein. Beispielsweise steht der Eritreisch-Orthodoxe Patriarch, Abune Antonios, seit Mai 2007 unter Hausarrest. Darüber hinaus können religiöse Gruppen keine Dokumente/Materialien drucken oder verteilen, ohne vorher die Erlaubnis der Religionsbehörde erhalten zu haben. Seit 2002 haben die Behörden von keiner weiteren Gruppe neben den vier bisher anerkannten religiösen Gruppen (Eritreisch-Orthodoxe Kirche, Lutherische Kirche, Römisch-Katholische Kirche und Islam) die Registrierung akzeptiert.

Auftreten von Gewalt

Mehr als 300 Christen wurden während des Berichtszeitraums zum WVI 2018 verhaftet. Diese Christen werden von dem Regime unter äußerst schlechten Umständen festgehalten, einige von ihnen in Schiffscontainern, die in der Sonne brütend heiß werden. Tausende Christen wurden in den vergangenen Jahren verhaftet und eingesperrt. Einige von ihnen sind noch nach zwölf Jahren im Gefängnis. Einige der Gefängnisse und Gefangenenlager sind die Polizeistationen in der Hauptstadt Asmara, Mai Sirwa, Adi Abieto, Keren, Assab, Hashferai, Barentu, Mai Idaga und Alla. Viele der Christen werden gezwungen, stundenlang in gewerblich genutzten Blumenfeldern zu arbeiten. Einige namentlich bekannte Christen, die seit über zehn Jahren inhaftiert sind, heißen: Haile Naigzhi, Leiter der Eritrea Full Gospel Church (inhaftiert seit 2004); Kiflu Gebremeskel, Gründer und Pastor der Southwest Full Gospel Church (seit 2004); Million Gebreselasie, Dr. med. und Pastor der Massawa Rhema Church (seit 2004); Tekleab Menghisteab, Dr. med. und Priester (seit 2004); Gebremedhin Gebregiorsis, Priester (seit November 2004), Kidane Weldou, Pastor der Full Gospel Church (vermisst seit 2005, aber vermutlich inhaftiert) und Abune Antonios, Patriarch der Eritreisch-Orthodoxen Kirche (unter Hausarrest seit 2007). Eine Mutter von drei Kindern starb während des Berichtszeitraums im Gefängnis.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Christinnen sind enormen Herausforderungen ausgesetzt. Sowohl Christinnen, die die EOC verlassen und sich protestantischen Freikirchen angeschlossen haben als auch Christinnen mit muslimischem Hintergrund werden zwangsverheiratet und dazu gezwungen, ihren neuen Glauben zu widerrufen. Frauen werden ebenfalls zum verpflichtenden Militärdienst eingezogen, Männer sind davon jedoch noch stärker betroffen.

Männer

Männliche Christen sind in Eritrea vor allem Opfer des verpflichtenden Militärdienstes. Aus diesem Grund versuchen viele junge Eritreer, aus dem Land zu fliehen.

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Dem Protest internationaler Menschenrechtsorganisationen und dem Bericht über Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch die Regierung Eritreas des UN-Menschenrechtsausschusses zum Trotz musste sich das Regime bisher noch nicht für seinen umfangreichen Katalog an Menschenrechtsverletzungen verantworten, geschweige denn ernsthafte Konsequenzen auf sich nehmen. Stattdessen sucht das Land nach Wegen, wieder stärkere Beziehungen mit westlichen Ländern zu knüpfen. Angesichts früherer Entwicklungen ist folgendes Szenario wahrscheinlich:

  • Unterdrückte und verfolgte Eritreer werden weiterhin aus dem Land fliehen.
  • Die eritreische Regierung wird an ihrem autoritären Kurs festhalten und Christen aus protestantischen Freikirchen weiterhin als „Agenten des Westens“ einstufen.
  • Die eritreische Regierung wird weiterhin alle Eritreer dazu zwingen, Wehrpflicht zu leisten und für lange Zeit in der Armee zu dienen, ohne das Recht auf Kriegsdienstverweigerung zu achten.
  • Die Eritreisch-Orthodoxe Kirche und extremistische Muslime werden weiterhin christliche Konvertiten verfolgen.
  • Es ist unwahrscheinlich, dass die inhaftierten Christen freigelassen werden, wenn sie nicht eine Erklärung unterschreiben, in der sie ihren Glauben widerrufen.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Eritrea

  • Großer Druck geht vom Präsidenten Isaias Afewerki und seiner Regierung aus. Bitte beten Sie, dass der Präsident das wahre Leben in Christus findet. Beten Sie für Gottes Eingreifen in Eritrea. Die einheimische Kirche wünscht ihrer Regierung nichts Böses, sondern betet, dass die Herzen der Regierenden verändert werden.
  • Tausende Christen wurden in den vergangenen Jahren verhaftet und inhaftiert. Einige von ihnen sind selbst nach elf oder zwölf Jahren noch im Gefängnis. Bitten beten Sie für Durchhaltevermögen für unsere Brüder und Schwestern unter den furchtbaren Umständen, und dass sie selbst in dieser Umgebung ein Licht für ihre Wärter und Mitgefangenen sein können.
  • Beten Sie für Gottes überfließende Gnade für die, die in die Fußstapfen der verhafteten Leiter der Gemeinden treten. Beten Sie, dass Gott sie für ihren Dienst ausrüstet, die Kirche in all den Schwierigkeiten zu leiten.
  • Bitte beten Sie, dass der Heilige Geist die Flüchtlinge aus Eritrea tröstet, von denen viele aus wirtschaftlichen Gründen und vor dem erweiterten Militärdienst geflohen sind.

Alle Felder müssen ausgefüllt werden. Die E-Mail wird über Ihr E-Mail-Programm verschickt.

Drucken Herunterladen