Länderprofil Indonesien

Indonesien

38
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Indonesien
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
46
ISO
ID
Karte Indonesien
Karte Indonesien
Christen
31,93
Bevölkerung
263.51
Islamische Unterdrückung
Religiös motivierter Nationalismus
Privatleben: 10.300
Familienleben: 11.000
Gesellschaftliches Leben: 11.500
Leben im Staat: 10.000
Kirchliches Leben: 9.300
Auftreten von Gewalt: 6.900
Länderprofil Indonesien

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

59 Punkte / Platz 38 (WVI 2017: 55 Punkte / Platz 46)

Von wem Verfolgung ausgeht

Einige islamische Führer verbreiten Hass gegen Christen und andere religiöse Minderheiten durch ihre Lehren in den Moscheen, aber dies geschieht ebenso in den Massenmedien. Mehrere konservative muslimische Parteien, z.B. die PKS, sind bekannt dafür, ihre Agenda für eine islamische Nation voranzutreiben. Es sind zumeist ihre Vertreter, die hinter dem Entwurf und der Verabschiedung von der Scharia inspirierter Vorschriften stehen, inklusive derer im Bildungssektor. Dennoch sind islamische Interessengruppen wie die FPI noch einflussreicher. Sie können Hunderttausende auf die Straße bringen, zuletzt zu sehen in den großen Demonstrationen (regelmäßig zwischen September 2016 bis Mai 2017) gegen Basuki Tjahaja Purnama, genannt „Ahok”, den christlichen Gouverneur von Jakarta, wegen angeblicher Blasphemie. Dies ist auch der Grund, warum die Regierung an sich auf der nationalen Ebene nicht der Verfolger ist, obwohl sie im August 2017 bekanntgegeben hat, die Blasphemiegesetzgebung des Landes zu verschärfen. Die meisten Probleme treten auf einer lokalen Ebene in Konfrontationen mit den islamistischen Interessengruppen auf.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Viele Christen muslimischer Herkunft erleiden Verfolgung durch ihre Familie. Doch die Stärke der Verfolgung ist unterschiedlich. Sie findet größtenteils in Form von Isolation, Beschimpfungen usw. statt. Nur ein kleiner Prozentsatz der Konvertiten erlebt physische Gewalt wegen ihres christlichen Glaubens. Das Ausmaß der Verfolgung hängt auch davon ab, wo dies passiert. Es gibt bestimmte Brennpunkte wie Westjava oder Aceh, in denen islamistische Gruppen stark sind und großen Einfluss auf Gesellschaft und Politik ausüben.

Sobald festgestellt wird, dass eine Kirche evangelisiert, wie es viele evangelikale und Pfingstgemeinden tun, bekommt sie Probleme mit islamistischen Gruppen. Typischerweise erleben protestantische Freikirchen zudem Schwierigkeiten, wenn sie Genehmigungen für den Bau einer Kirche bekommen wollen. Selbst wenn sie alle rechtlichen Vorgaben erfüllen (inklusive gewonnenen Gerichtsverfahren), werden sie oft von den Behörden ignoriert. Es gab Berichte, dass auch katholische Kirchen Schwierigkeiten hatten, Genehmigungen für Bauten zu bekommen. Insgesamt hat sich die Situation der Christen in den letzten Jahren verschlechtert.

Beispiele

  • Am 13. November 2016 warf ein Angreifer einen Brandsatz auf das Gelände der Oikumene Church in Samarinda, Ost-Kalimantan. Er tötete damit ein zwei Jahre altes Mädchen, drei andere wurden verwundet, alle jünger als 4 Jahre.
  • Am 9. Mai 2017 wurde der christliche Gouverneur von Jakarta zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren verurteilt, auf Grund eines angeblichen Falles von Blasphemie bei einer Rede im September 2016.
  • Es gab mehrere Berichte aus unterschiedlichen Teilen des Landes, in denen Personen, die Christen geworden waren, durch ihre Familie eingesperrt wurden und ihnen ihre Mobiltelefone abgenommen wurden. Die meisten werden für einige Wochen isoliert und aus dem Haus geworfen, wenn deutlich wird, dass der Übertritt ernstgemeint ist.
  • Kinder von Christen stehen oft Ausgrenzung und Beschimpfungen gegenüber. In einigen Regionen verbieten muslimische Familien ihren Kindern regelmäßig, mit christlichen Kindern zu spielen. Sie werden als Ungläubige bezeichnet und werden immer wieder von islamischen Religionslehrern verhöhnt und gezwungen, in der letzten Reihe des Klassenraumes zu sitzen.

Beiträge zu Indonesien

Persönliche Berichte Persönliche Berichte
Verteilung von Hilfsgütern an betroffene Christen
Indonesien
Starke Erdbeben forderten mehr als 2.000 Todesopfer in Indonesien. Eine mehrheitlich christliche Region wurde stark getroffen – aber bei der Versorgung mit Hilfsgütern benachteiligt. Ein Team von Open Doors war vor Ort und half.
Persönliche Berichte Persönliche Berichte
Pastor Yonathan
Indonesien
Kurz nach dem Anschlag auf ihre Kirche rief Pastor Yonathan die Gemeinde zum Gebet zusammen. „Wir müssen mehr denn je Gottes Nähe suchen“, so sein Aufruf an die versammelte Gruppe. Bei Anschlägen auf drei Kirchen kamen am Sonntag mindestens 14 Christen ums Leben.
Nachrichten Nachrichten
Kirche in Indonesien
Indonesien
Am Morgen des 11. Februar drang im indonesischen Yogyakarta (Java) ein bewaffneter Mann in die katholische St.-Lidwina-Kirche ein. Er griff mehrere Gläubige an und verletzte drei von ihnen, darunter den 81-jährigen Karl-Edmund Prier, einen aus Weinheim stammenden Jesuitenpater.
Gesichter der Verfolgung - TV
Michael aus Indonesien - Gesichter der Verfolgung

Michael aus Indonesien - Gesichter der Verfolgung

23:00 Minuten
Indonesien

Mit sichelartigen Messern wurde Pastor Michael in Indonesien lebensgefährlich verletzt. Die...

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Indonesiens Punktzahl im WVI 2018 von 59 Punkten zeigt einen Anstieg von fünf Punkten im Vergleich zum WVI 2017. Der Druck auf Christen hat sich in allen Lebensbereichen erhöht. Dies gilt für alle Kategorien von Christen, was sich wohl am besten in den von islamistischen Gruppen organisierten großen Demonstrationen gegen Basuki Tjahaja Purnama, genannt „Ahok” zeigt, Jakartas christlichen Gouverneur chinesischer Abstammung. Letzterer wurde im Mai 2017 verhaftet und wegen angeblicher Blasphemie zu zwei Jahren Haft verurteilt. Dies schockierte die Christen im Land, die seither noch mehr Angriffen gegenüberstehen.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Indonesien ist ein Land, das durch seine Vielfalt gesegnet und gleichzeitig herausgefordert ist. Es hat die größte muslimische Bevölkerung der Welt. Die vorherrschende Art des Islam ist eher tolerant, was den Minderheiten etwas Freiraum gibt (oft als „Islam Nusantara“ oder „Insel-Islam“ bezeichnet, was sich auf die einmalige Topographie des Landes mit über 17.000 Inseln und seiner Vielfalt bezieht). In Bezug auf die Geographie als auch die Religion des Landes ist Indonesien eines der de-zentralisiertesten Länder der Erde.

Obwohl die Verfassung Indonesiens Religionsfreiheit zusichert, unterstehen verschiedenste Regionen des Landes zahllosen islamischen Zusatzgesetzen, in der Provinz Aceh gilt sogar die Scharia. Islamistische Gruppen haben ihren Einfluss ausgeweitet, was sich im Berichtszeitraum des WVI 2018 zeigte, als die „Hizb-ut Tahrir Indonesia“ und die Islamische Verteidigungsfront (FPI) zu Straßenprotesten gegen Ahok aufriefen, den (christlichen) Gouverneur von Jakarta chinesischer Abstammung. Sie schafften es nicht nur, Wähler dazu zu bringen, ihn nicht mehr wiederzuwählen, sondern auch so viel Druck auf die Gerichte und die Gesellschaft auszuüben, dass er zu zwei Jahren Haft wegen angeblicher Blasphemie verurteilt wurde. Diese Organisationen bedienen sich strikter religiöser Auslegungen, um die Einführung der Scharia und die Verletzung der Rechte religiöser Minderheiten zu rechtfertigen. Sie werden von Politikern und ihren Parteien benutzt, um Vorteile zu erlangen, obwohl die Regierung im Mai 2017 entschied, die Hizb-ut Tahrir zu verbieten. Indonesiens Universitäten sind bekannt dafür, dass sie Brutstätten islamistischer Radikalisierung sind. Mehr und mehr Geld aus Saudi-Arabien gelangt ins Land, das zwar für Bildungszwecke genutzt wird, gleichzeitig aber den Effekt hat, dass mit ihm die wahhabitische Ideologie ins Land kommt. Nicht nur Christen leiden unter den islamistischen Gruppen, auch muslimische Minderheiten wie die Ahmadis sind betroffen.

Religiös motivierter Nationalismus

Indonesien ist eines der vielfältigsten Länder in der Welt, sei es im Bereich der Sprache, der Bevölkerung oder der Religion. Ein weiteres Beispiel dafür ist die überwiegend hinduistische Insel Bali. Wird ein Hindu Christ, ist er starkem Druck durch Familie, Freunden und Nachbarn ausgesetzt, wieder zum Glauben seiner Vorväter zurückzukehren.

3. Verfolger

Die Verfolgung geht von islamistischen Führern aus, die in ihren Lehren in der Moschee und auch in den Massenmedien den Hass gegen Christen schüren. Mehrere konservativ-muslimische Parteien, z.B. die PKS, sind bekannt dafür, ihre Agenda einer islamischen Nation voranzutreiben. Ihre Repräsentanten in der Gesetzgebung stehen oft hinter dem Entwurf und der Verabschiedung von Vorschriften, die durch die Scharia inspiriert sind (auch im Bereich der Bildung), obwohl sie nur einen kleinen Wählerkreis haben. Mehr Einfluss haben islamistische Interessengruppen wie die FPI. Sie können Hunderttausende für Straßendemonstrationen mobilisieren, zudem werden sie von einigen Politikern benutzt, um in Wahlen einen Vorteil zu erlangen. Die Regierung selbst tritt auf der nationalen Ebene nicht als Verfolger in Erscheinung. Die Schwierigkeiten treten auf, wenn es darum, geht, nationale Vorschriften auf lokaler Ebene umzusetzen und wenn es zu Konfrontationen mit den islamistischen Interessengruppen kommt.

4. Hintergrund

Präsident Joko Widodo, genannt „Jokowi“, sah sich im Berichtszeitraum des WVI 2018 großen Herausforderungen gegenüber. Der Sturz des Gouverneurs von Jakarta (bereits oben erwähnt) war auch ein Warnschuss für Ahoks langjährigen Verbündeten Jokowi und weist auf eine bereits jetzt schon aufgeheizte Atmosphäre vor den Wahlen im Jahr 2019 hin. Während Jokowis Zustimmungswerte mit 60% immer noch erstaunlich hoch sind, wenn man berücksichtigt, dass seine erste Amtszeit als Präsident nun zu Ende geht, dürfte für ihn die größte Herausforderung die abflauende Wirtschaft werden. Aber er wird auch persönlich angegriffen werden, wie sich schon im Juli 2017 zeigte, als sein 22 Jahre alter Sohn wegen Blasphemievorwürfen von der Polizei vorgeladen wurde. Die Tatsache, dass Gouverneur Ahok die erste Runde der Statthalterwahlen in Jakarta gewann, trotz aller Proteste islamistischer Gruppen, zeigt, dass die Menschen genug von der Korruption haben und wollen, dass Politiker den Lebensstandard ihrer Wähler verbessern und nicht ihre eigenen Taschen füllen. Die Person, die ein manipuliertes Video von Ahoks Rede online gestellt und den Aufschrei verursacht hatte, wurde im November 2017 zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt.

Indonesien hat immer noch mit der fortgesetzten Bedrohung durch gewaltbereite Islamistengruppen zu kämpfen. Im Juli 2017 tötete ein Bombenanschlag drei Polizeibeamte, weitere Anschläge konnten verhindert werden. Einfach nur extremistische Gruppierungen zu verbieten wird nicht genug sein, besonders da nun Kriegsveteranen von den Schlachtfeldern des „Islamischen Staates“ im Irak und in Syrien zurückkehren, und nicht alle von ihnen werden gleich an den aktuellsten Kampfplatz für islamistische Kämpfer weiterreisen: Marawi auf den Philippinen.

Andere religiöse Gruppen, die ebenfalls unter Verfolgung leiden, sind die muslimischen Minderheiten der Ahmadis und der Schiiten. Auch sie sind in den Fokus der Behörden und islamistischer Gruppen geraten. Angehörige traditioneller einheimischer Religionen wurden bisher nicht von den Behörden anerkannt, dies mag sich aber durch ein Urteil des Verfassungsgerichts ändern (siehe „Leben im Staat“).

5. Betroffene Kategorien von Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Diese Gruppen sind üblicherweise nicht von den einheimischen indonesischen Christen getrennt, sondern schließen sich deren Gemeinden an, weshalb sie im WVI keine separate Kategorie bilden.

Christen aus traditionellen Kirchen

Dies sind zum Beispiel die römisch-katholische Kirche, aber auch die Kirchen verschiedener Ethnien (wie die Batak Christian Protestant Church). Sie werden überwacht und erfahren Verfolgung, sobald festgestellt wird, dass sie wachsen. Die traditionellen Kirchen in den ärmeren Regionen wie Papua, East Nusa Tenggara und Mentawai sehen sich aggressiven Islamisierungsversuchen ausgesetzt, besonders unter Kindern, da die islamischen Missionierungsbemühungen sich verstärken.

Christliche Konvertiten

Christliche Konvertiten sind meist muslimischer Herkunft (aber nicht ausschließlich) und stehen der schwersten Verfolgung gegenüber, besonders in den Brennpunkten. Dort werden sie genauestens überwacht und versuchen, sich unbemerkt in die dortige Gesellschaft einzufügen. Wenn ihr Glaubenswechsel bekannt wird, werden sie unter Druck gesetzt, ihren neuen Glauben aufzugeben. Der Druck kommt von Familie, Freunden und lokalen Behörden. Ein weiterer Verfolger sind islamistische Gruppen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Die bedeutendsten Gemeinden dieser Kategorie sind Baptisten, evangelikale und Pfingstgemeinden. Sie machen sich durch ihre oftmals leidenschaftliche Verkündigung der christlichen Botschaft verdächtig, was dazu führt, dass sie zum Ziel sowohl für die Menschen im Umfeld als auch von islamistischen Gruppen werden. Eine Kirche zu bauen oder zu renovieren kann mit vielen Schwierigkeiten behaftet sein – die Behörden müssen eine Genehmigung ausstellen und islamistische Gruppen sowie Nachbarn werden oft versuchen, die Bauarbeiten zu behindern (auch katholische Kirchen können die gleichen Probleme hinsichtlich der Baugenehmigungen bekommen).

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 10.300
Familienleben: 11.000
Gesellschaftliches Leben: 11.500
Leben im Staat: 10.000
Kirchliches Leben: 9.300
Auftreten von Gewalt: 6.900

Grafik: Verfolgungsmuster Indonesien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Insgesamt hat sich der Druck auf Christen in Indonesien in allen Lebensbereichen erhöht, was dazu führt, dass sich der durchschnittliche Druck auf einem hohen Niveau bewegt. Der Punktwert stieg von 9,6 im WVI 2017 auf 10,4 Punkte im WVI 2018 an (verglichen mit dem WVI 2017 stieg der Druck am meisten im Bereich des Familienlebens, dicht gefolgt vom Druck im Leben im Staat).
  • Am höchsten ist der Druck im gesellschaftlichen Leben und im Familienleben, gefolgt vom Privatleben. Dieses Muster ist typisch für eine Situation, in der Christen muslimischer Herkunft die meiste Verfolgung zu ertragen haben. Der Anstieg der Punktzahl im Bereich „Leben im Staat“ (von 8,9 Punkten im WVI 2017 auf 10,0) spiegelt sowohl den wachsenden Einfluss der islamistischen Gruppen in der Politik wider, als auch die striktere Umsetzung der Blasphemiegesetzgebung gegen einen prominenten Politiker und Christen.
  • Die Punktzahl für physische Gewalt gegen Christen blieb auf dem gleichen Wert wie im WVI 2017, allerdings begann der Berichtszeitraum des WVI 2018 mit einem Anschlag auf eine Kirche in Samarinda, bei dem ein zweijähriges Kind getötet wurde. Darüber hinaus wurden andere Kirchen geschlossen, beschädigt oder zerstört.

Privatleben

Während Christen aus traditionellen Kirchen angstfrei ihr Leben als Christen führen können, ist die Situation von Christen muslimischer Herkunft eine ganz andere. Sie müssen jederzeit vorsichtig sein, wie sie Gottesdienst feiern, besonders, wenn sie der einzige Christ in ihrer Familie sind. Bibeln und andere christliche Literatur müssen sorgfältig versteckt werden und sie können nur heimlich gelesen werden, um Konflikte zu vermeiden. Gemeinschaft mit anderen Christen kann unter diesen Umständen schwierig werden, da sie sich und Menschen in ihrem Umfeld in Gefahr bringen. In den Städten oder christlichen Enklaven ist die Situation eine andere. Andererseits stehen in den Brennpunkten Indonesiens auch andere Christen Beschränkungen beim Feiern von Gottesdiensten und dem Leben ihres Glaubens gegenüber. In diesen Gebieten werden Christen und bekannte Konvertiten streng überwacht, letztere werden unter Hausarrest gestellt und körperlich wie psychisch misshandelt. Dies geschieht am häufigsten in den Brennpunkten wie Aceh, Ostjava, Banten, Westjava und Westsumatra.

Familienleben

Konvertiten zum christlichen Glauben müssen üblicherweise ihre Kinder als zur Mehrheitsreligion zugehörig anmelden. Ihre Religionszugehörigkeit zu ändern wirft oft Fragen auf, verursacht Verdächtigungen und Druck des Umfelds und hin und wieder auch der lokalen Behörden. Zudem werden sie so den Behörden und den erstarkenden islamistischen Gruppen bekannt. Wenn ein Glaubenswechsel entdeckt wird, wird der Konvertit mit Scheidung oder dem Verlust des Erbes bedroht, was auch Christen hinduistischer Herkunft widerfährt. Eine Taufe, eine Hochzeit oder eine Beerdigung zu organisieren kann in den Brennpunkten besonders für Konvertiten schwierig bis unmöglich werden. Christen, die in christlichen Enklaven oder den großen Städten leben, können für ihre Kinder eine christliche Bildung bekommen. Allerdings gibt es in den Provinzen, in denen Christen die Minderheit stellen, mehr Probleme. Kinder von Christen werden generell gezwungen, den Islamunterricht zu besuchen und werden in diesem Fach auch geprüft; dies liegt zum Teil auch an einem Mangel an christlichen Lehrern. Christliche Schüler und Studenten werden regelmäßig benachteiligt. Viele muslimische Familien verbieten ihren Kindern, mit christlichen Kindern zu spielen. Konvertiten können von ihren Familien isoliert und sogar von ihnen verstoßen werden.

Gesellschaftliches Leben

Menschen, die Christen werden, können einem starken Druck von Familie, Freunden und Nachbarn ausgesetzt sein, ihren christlichen Glauben zu widerrufen, obwohl der Glaubenswechsel vom Gesetz her nicht verboten ist. Hauptsächlich in Regionen wie Aceh und anderen Brennpunkten erleben Christen sowohl in ihrem privaten als auch im geschäftlichen Leben Diskriminierung und werden bedrängt, den Regeln der Scharia zu folgen. In diesen Regionen werden die Aktivitäten von Christen durch Nachbarn und islamistische Gruppen streng überwacht. In manchen Teilen Indonesiens errichten Bauunternehmer Wohnkomplexe nur für muslimische Bewohner und Nichtmuslimen ist es verboten, ein Haus oder eine Wohnung in diesem Komplex zu kaufen. 2017 erreichten uns Berichte, wonach Ärzte christliche Patienten nicht anfassen wollten und keine Hausbesuche bei christlichen Dorfbewohnern machen wollten, da es für Muslime als verboten (haram) gelte, Christen zu berühren. Kinder christlicher Eltern erleben Diskriminierung durch Eltern und Mitschüler, ihnen werden Stipendien verweigert und sie erhalten im Religionsunterricht schlechtere Noten. Dies geschieht, um diese Schüler davon abzuhalten, die Mindestvoraussetzungen zu erfüllen, um Beamte im öffentlichen Dienst zu werden. Daher gelangen auch nur wenige Christen in den öffentlichen Dienst und viele erleben Diskriminierung in ihrem beruflichen Leben. Viele Kirchen in Indonesien werden gezwungen, „uang keamanan“ (Schutzgeld) an radikale Gruppen zu bezahlen, damit sie sonntags Gottesdienste feiern können.

Leben im Staat

Die Verfassung schränkt die Freiheit von Christen nicht ein; aber sie erkennt nur sechs Glaubensrichtungen an: Islam, Katholizismus, Protestantismus, Hinduismus, Buddhismus und den Konfuzianismus. Dennoch machte das Verfassungsgericht in einem Urteil vom 7. November 2017 klar, dass alle Religionen gleichwertig behandelt werden müssen, die traditionellen einheimischen Stammesreligionen mit eingeschlossen. Die Gesetzgebung auf der lokalen Ebene schränkt aber die Religionsfreiheit weiter ein. Die Einstellung gegenüber Christen ist zumeist negativ und selbst in den toleranteren Städten wie Jakarta werden Beamte des öffentlichen Dienstes wegen ihres Glaubens diskriminiert. Christliche Organisationen können frei gegründet werden, aber manche islamischen Organisationen fördern negative Presse über sie. Obwohl das Land über eine freie und vielfältige Medienlandschaft verfügt, starteten mehrere islamische Medien Schmutzkampagnen und verbreiteten Angst und Hass gegen Christen. Ein Beispiel dafür ist die Kampagne gegen Chinesen. Dies zeigte sich als sehr erfolgreich gegen den ethnisch chinesischstämmigen Gouverneur von Jakarta: Er landete im Gefängnis und die Kampagne veranlasste die Regierung sogar dazu, die Ausweitung eines neuen Entwurfes des Blasphemiegesetzes vorzuschlagen. Dies führte bei Christen zu Fragen: Wenn schon ein solch hochrangiger und gut vernetzter Politiker wie Ahok solch falschen Anschuldigungen nicht entkommen kann, wie soll es erst dem Durchschnittschristen gehen?

Kirchliches Leben

Kirchen stehen massiven Problemen bei der Registrierung von Gemeinden und dem Bau von Kirchengebäuden gegenüber. Basierend auf einem gemeinsamen Erlass der Minister vom Jahr 2006 können Kirchen nur aktiv werden, wenn 1.) ihre Versammlung mindestens 90 Mitglieder hat, 2.) sie die Zustimmung von 60 Nachbarn eines anderen Glaubens hat und 3.) die Erlaubnis sowohl des Leiters des Regierungsbezirks (der Verwaltungseinheit unterhalb einer Provinz) als auch des Forums zur Harmonie der Religionen bekommen hat. Viele Kirchen haben Schwierigkeiten, diese Genehmigung zu erhalten, selbst wenn sie alle anderen Voraussetzungen erfüllen. Und wenn es ihnen gelingen sollte, die Genehmigung zu erhalten, gibt es keine Garantie dafür, dass die Regierung oder die lokale Polizeibehörde sie schützen werden. In einem Fall stellte eine Gemeinde den Antrag vor fünf Jahren und erhielt nie eine Antwort der Behörden. In anderen Fällen blockierten radikale Gruppierungen einfach den Eingang der Kirchengebäude und behinderten den Zutritt. Einer Untersuchung der nationalen Menschenrechtskommission (Komnas HAM) zufolge haben 85% der religiösen Gebäude keine richtige Zulassung, besonders in den ländlichen Gebieten. Dies beinhaltet Moscheen, Kirchen und religiöse Gebäude anderer Religionen. Bevor eine Kirche gebaut werden kann, verlangt die Lokalregierung von Aceh 150 Unterschriften von Nachbarn eines anderen Glaubens. In der Provinz Banten wurde ein provinzieller Erlass durch den Gouverneur ausgestellt, der die Anwesenheit von Kirchen verbietet und fordert, dass christliche Treffen nur in der Hauptstadt Serang stattfinden dürfen. Allgemein ist es kein Problem, christliche Literatur und Bibeln herzustellen und zu verbreiten, aber es gibt in den Brennpunkten Ausnahmen, wo die Verteilung von Bibeln an Nichtchristen als Missionierung verstanden werden kann.

Auftreten von Gewalt

Der Berichtszeitraum des WVI 2018 begann traurigerweise mit dem Anschlag am 13. November 2016 auf eine Kirche in Samarinda, bei dem ein zweijähriges Kleinkind getötet und drei andere Kinder verletzt wurden. Im Mai 2017 wurde Ahok, Jakartas christlicher Gouverneur chinesischer Herkunft, verhaftet und zu zwei Jahren Haft wegen angeblicher Blasphemie verurteilt.

7. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Indonesien stehen sehr interessante und vielleicht entscheidende Zeiten bevor. Die Tatsache, dass ethnische und religiöse Zugehörigkeiten für politische Vorteile benutzt wurden, ohne Rücksicht auf die Konsequenzen, hat viele Indonesier schockiert und dem internationalen Ansehen Indonesiens als ein Land geschadet, das sich um eine tolerante Form des Islam bemüht. Zudem gibt es noch mehr besorgniserregende Anzeichen. Propaganda des „Islamischen Staates“ (IS) wurde bei Schulkindern gefunden, so werden sie schon früh indoktriniert. Der staatliche „Saudi Fund for Development“ wird 14 Milliarden US-Dollar an sozialer Hilfe (u.a. Gelder für Firmen, Bildung und Religion) in Indonesien ausschütten, dadurch wird sich der intolerante und radikale wahhabitische Islam auf der Insel weiter ausbreiten. Im August 2017 rief der neu gewählte Gouverneur von Jakarta, Anies Rasyid Baswedan, die islamistische Gruppierung FPI nur dazu auf, die religiöse und kulturelle Vielfalt zu schützen, was es schwer macht zu glauben, dass islamistische Gruppierungen in irgendeiner Weise beschränkt werden. Dies gilt, obwohl mindestens einer der Leiter derzeit in einem potentiellen Skandal verwickelt ist: FPI-Führer Rizieq Shihab, der in Saudi-Arabien studierte und unlängst dorthin reiste, wurde vorgeworfen, in einen Fall von Pornografie verwickelt zu sein. Indonesiens größte islamische Organisation, Nadhlatul Ulama (NU), ist in einen Konflikt über ihre theologische Ausrichtung verwickelt. Viele jüngere islamische Geistliche sehen die relativ liberale Form des Islam Nusantara („Insel-Islam“) als nicht kompatibel mit der klassischen islamischen Theologie und ihren Lehren an. Mehrere dieser jungen Geistlichen haben nun eine Gruppe innerhalb der NU gegründet, die sich selbst der „Wahre Weg“ nennt. All dies zeigt, dass in Indonesien sowohl Islamische Unterdrückung als auch Organisiertes Verbrechen und Korruption stärker werden.

Obwohl Präsident Jokowi für seine Entschlossenheit gefeiert wurde, in die Entwicklung des ganzen Landes zu investieren (und nicht nur in den Westen, sondern auch in den als unterentwickelt bezeichneten Osten wie Papua), ist er leider sehr still, was religiöse Themen angeht. Einige Beobachter meinen, er wolle auf Nummer Sicher gehen, da er schnell zu einem Ziel für die gleichen politischen Gegner werden kann, die Ahok gestürzt haben. Mit Blick auf die wachsende Kluft zwischen islamistischen Gruppen, der moderaten muslimischen Mehrheit und religiösen Minderheiten in der Gesellschaft hat die Regierung Medienkampagnen zum Thema „Ein Indonesien“ gestartet, und damit den alten Nationalslogan der Einheit-in-Verschiedenheit wiederbelebt. Der Erfolg dieser Kampagnen an der Basis ist höchst fraglich: Der neu gewählte Gouverneur von Jakarta zum Beispiel widersprach diesem Versuch offenbar, indem er in seiner Antrittsrede sagte: „Wir Indigenen wurden unterdrückt, zur Seite gedrängt. Nun ist es an der Zeit für uns, die Herren in unserem Land Indonesien zu werden.“ Gleichzeitig wurden die Ergebnisse einer Befragung aus dem Oktober 2017 unter Universitätsstudenten und Highschool-Schülern veröffentlicht, in der rund ein Viertel der Befragten zustimmten, dass die Ideologie des „Islamischen Staates“ würdig sei, dafür zu kämpfen, und dass ein Kalifat das bevorzugte Staatssystem sei. Dies alles zeigt, dass Indonesien in der Gefahr steht, seinen Ruf zu verlieren, einer toleranten Form des Islam zu folgen. Vor dem Hintergrund, dass 2018 und 2019 große Wahlen anstehen, bleibt abzuwarten, ob die Politiker der Versuchung widerstehen können, sich islamistischer Extremisten zu bedienen, um ihre Wählerbasis zu erweitern. Moderate muslimische Organisationen wie Nadhlatul Ulama oder Muhammadiyah müssen zudem aktiver werden.

8. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Indonesien

  • Beten Sie für die christlichen Kinder in den Schulen der streng islamischen Regionen, die oft Diskriminierung bei der Notengebung erleben. Dies verwehrt ihnen den Zugang zu zukünftigen Berufen in der Regierung. Beten Sie um Ermutigung, Trost und Hoffnung für die Schüler und dafür, dass sie in ihrem Glauben stark bleiben können.
  • Beten Sie für Christen muslimischer Herkunft, die unter großem Druck stehen, ihren Glauben zu widerrufen. Beten Sie, dass sie Zugang zu Bibeln und christlicher Gemeinschaft bekommen. Beten Sie für die christlichen Versammlungen, die kein Gemeindegebäude bekommen können.
  • Indonesien ist das größte muslimische Land der Erde. Beten Sie, dass viele der indonesischen Muslime Jesus Christus kennenlernen.

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