Länderprofil Jemen

Jemen

9
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Jemen
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
9
ISO
YE
Karte Jemen
Karte Jemen
Christen
einige Tausend
Bevölkerung
28.12
Islamische Unterdrückung
Ethnisch begründete Anfeindungen
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 16.700
Familienleben: 16.600
Gesellschaftliches Leben: 16.400
Leben im Staat: 16.500
Kirchliches Leben: 16.700
Auftreten von Gewalt: 2.600
Länderprofil Jemen

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

85 Punkte / Platz 9 (WVI 2017: 85 Punkte / Platz 9)

Von wem Verfolgung ausgeht

Die folgenden Verfolger sind im Jemen aktiv: Regierungsbeamte auf allen Ebenen von der lokalen bis zur nationalen Ebene, gewalttätige religiöse Gruppen, die eigene (Groß-)Familie, Anführer ethnischer Gruppen und nichtchristliche religiöse Leiter auf der lokalen bis zur nationalen Ebene.

Die Regierungsbeamten erschaffen und erhalten ein streng islamisches System, welches alle Einwohner als Muslime behandelt. In vielen Regionen sind durch die saudisch geführte Militärintervention Machtvakuen entstanden, welche es Gruppierungen wie dem Islamischen Staat (IS) und Al-Kaida-Ablegern ermöglichen, ihren Aktionsradius zu vergrößern und Christen sogar umzubringen (sowohl jemenitische Christen mit muslimischem Hintergrund als auch ausländische Christen). Auch Entführungen kommen vor, wobei sich finanzielle und christenfeindliche Motive mischen. Konvertiten vom Islam zum Christentum leiden am meisten unter Gewalt und Druck durch ihre Verwandtschaft, aber auch durch Stammesführer, wenn ihr neuer Glaube bekannt wird. Laut Berichten spielen lokale Imame eine Rolle bei der Anstiftung zu Angriffen auf Christen.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

So wie auch die anderen Jemeniten leiden die Christen unter der weltweit schlimmsten humanitären Krise, die aktuell im Land herrscht. Jemenitische Christen werden fortlaufend auf eine beispiellose Art und Weise schikaniert. Sie ziehen von einem Gebiet ins andere, auf der Suche nach etwas Sicherheit inmitten der ständigen Luftangriffe und des Mangels an Wasser und Nahrung. In diesem Kontext macht sie ihr Glaube zusätzlich angreifbar, da die Nothilfe meistens durch islamische Organisationen und örtliche Moscheen verteilt wird und diese jeden diskriminieren, der nicht der muslimischen Frömmigkeit entspricht. Dies ist eine ernsthafte Bedrohung für die Existenz der Christen und anderer Nichtmuslime. Zudem bemühen sich Regierungsbeamte trotz der chaotischen Kriegssituation, Christen einzuschüchtern.

Die Kirche im Jemen besteht hauptsächlich aus Gemeinschaften jemenitischer Christen muslimischer Herkunft. Immer noch gibt es ausländische Christen und Arbeitsmigranten, insbesondere aus Afrika und Asien, wenn auch die meisten das Land aufgrund des verheerenden Krieges verlassen haben. Sie sind sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene mit Schikanen und Diskriminierung durch die Gesellschaft konfrontiert und sogar mit offener Gewalt. Christen muslimischer Herkunft droht noch härtere Verfolgung, sie müssen ihren Glauben tatsächlich im Verborgenen leben. Sie sind mit Verfolgung durch die Behörden konfrontiert (einschließlich Inhaftierung und Verhören) sowie durch die Familie und islamisch-extremistische Gruppierungen, die „Abgefallene“ mit dem Tod bedrohen, wenn sie nicht wieder zum Islam zurückkehren. Trotz der Unsicherheit des Krieges wächst Berichten zufolge die Gemeinde von Christen muslimischer Herkunft.

Beispiele

  • Seinen Glauben privat zu leben ist für Christen sowohl in den Gebieten, die von islamischen Extremisten kontrolliert werden, als auch in den von sunnitischen Streitkräften mit Unterstützung Saudi-Arabiens und deren westlichen Verbündeten „befreiten“ Gebieten besonders riskant geworden. „Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel“ (AQAP) und der „Islamische Staat“ (IS) können in großen Teilen des Landes frei agieren.
  • Im Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex 2018 wurden keine Ermordungen von Christen wegen ihres Glaubens gemeldet. Die Situation vor Ort ist jedoch aufgrund des Bürgerkrieges sehr chaotisch, was das Erfassen von gewaltsamen Vorfällen gegen Christen erschwert. Mehrere Male sind einheimische Gläubige durch die Flucht in ein anderes Gebiet dem Tod entronnen.
  • Eine der größten Bedrohungen für Christen ist, entführt zu werden. Pater Tom Uzhunnalil, der im März 2016 bei einem Angriff auf ein Pflegeheim für Senioren und Behinderte in Aden entführt worden war, wurde im September 2017 freigelassen.
  • Mindestens zehn christliche Familien mussten aus Glaubensgründen ihre Häuser verlassen und in ein anderes Gebiet innerhalb des Landes umsiedeln. Da eine durchschnittliche Familie im Jemen aus sieben Personen besteht, betrifft dies also mindestens 70 Menschen.
  • Druck durch Familienangehörige hat eine Handvoll isolierter jemenitischer Christen muslimischer Herkunft dazu bewegt, das Land zu verlassen.

Beiträge zu dem Jemen

Informationen für den Gemeindebrief Informationen für den Gemeindebrief
Jemen
Jemen
(Open Doors, Kelkheim) – Vor mehr als zwei Jahren schalteten sich der Iran und Saudi-Arabien aus machtpolitischen Erwägungen in den Krieg im Jemen ein, um die jeweils schiitischen bzw. sunnitischen Muslime im Kampf um die Vorherrschaft im Land zu unterstützen.
Nachrichten Nachrichten
Jemen
Jemen
(Open Doors, Kelkheim) – Nach der Freilassung von Pater Tom Uzhunnalil (58) zeigten sich indische Christen und Politiker froh und erleichtert. »Wir sind begeistert.
Länderberichte
Wie geht es den Christen im Jemen?

Wie geht es den Christen im Jemen?

02:09 Minuten
Jemen

Ein verheerender, komplexer Krieg erschüttert seit 3 Jahren den Jemen. Die herrschende...

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 85 Punkten belegt der Jemen Platz 9 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2018, dieselbe Wertung und Platzierung wie auf dem WVI 2017. Obwohl die Gesamtpunktzahl gleich geblieben ist, haben sich die Werte für Druck und Gewalt verändert. Die Zahl der gemeldeten gewaltsamen Vorfälle ging zurück, während der allgemeine Druck infolge des Bürgerkriegs zunahm (siehe Abschnitt „Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt“). Wie andere Zivilisten leiden auch die Christen im Jemen stark unter dem Krieg, wozu auch der zunehmende Einfluss islamisch-extremistischer Kämpfer gehört, was die ohnehin schon verwundbare Lage einheimischer Christen noch verschärft. Die meisten ausländischen Christen und Arbeitsmigranten haben das Land verlassen und hinterlassen nun eine Kirche, die hauptsächlich aus einheimischen Christen mit muslimischem Hintergrund besteht.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Die Verfassung des Jemen erklärt den Islam zur Staatsreligion und bestimmt die Scharia als Rechtsgrundlage. Missionierung durch andere Religionen als den Islam ist verboten. Muslimen ist es verboten, zu einem anderen Glauben überzutreten; Jemeniten, die den Islam verlassen, droht die Todesstrafe. Durch den Krieg ist der Einfluss von militanten islamistischen Gruppierungen wie dem „Islamischen Staat“ (IS) und Al Kaida erheblich gewachsen. Sie treiben Verfolgung am stärksten voran und greifen gezielt Christen an, um sie zu töten.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Das Stammesdenken hat im Jemen weiterhin eine hohe Bedeutung und die Autorität der Regierung ist oft der traditionellen Stammesregierung untergeordnet. Der Islam ist mit der ethnischen Identität verflochten. Es gibt viele Gebiete im Jemen, in denen Stammesälteste Recht und Gesetz gemäß ihren islamischen Traditionen durchsetzen, unabhängig davon, was die staatliche Verfassung oder Regierung sagen. Die Regierung mischt sich meist nicht in Konflikte zwischen den Stämmen ein, nicht einmal, wenn Menschen dabei verletzt oder gefangen genommen werden. Da die Regierung inzwischen die Kontrolle über große Teile des Landes verloren hat, hat sich ihr Einfluss auf die Stämme weiter verringert. Stammesgesetze und -bräuche verbieten es Stammesmitgliedern, den Stamm zu verlassen. Frauen dürfen nicht außerhalb des Stammes heiraten, insbesondere nicht einen Christen. Verstöße gegen diese Regeln können mit Tod oder Verbannung bestraft werden. Ein politischer Beobachter fasst die Situation folgendermaßen zusammen: „Der Islam ist die übergreifende Identität aller Stämme im Jemen und es ist der Stamm, der oft die vergeltende ‚Gerechtigkeit‘ denen gegenüber übt, die den Islam verlassen wollen.“

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Diese Triebkraft beschreibt eine Verfolgungssituation, in der Gruppen oder Einzelpersonen ein Klima der Straflosigkeit, Anarchie und Korruption als Mittel zur Selbstbereicherung schaffen. Korruption greift in der Regierung im Jemen seit langem um sich. Die Regierungsbehörden sind mit verschiedenen Stämmen verbunden, die große Bevorzugung erfahren. Ausländische Christen – die es im Jemen kaum noch gibt – sind durch diese kriminellen Machenschaften besonders gefährdet, wie z. B. durch Entführungen mit Lösegeldforderungen. In solchen Fällen spielt neben dem Glauben die vermutete Vermögenslage der betroffenen Christen eine Rolle. In dem derzeitigen Chaos und der Gesetzlosigkeit des Bürgerkrieges hat diese Triebkraft nun mehr Raum zur Entfaltung.

3. Verfolger

Als Verfolger sind im Jemen aktiv: Regierungsbeamte auf allen Ebenen von der lokalen bis zur nationalen Ebene, gewalttätige religiöse Gruppen, die eigene (Groß-)Familie, Anführer ethnischer Gruppen und nichtchristliche religiöse Führer auf der lokalen bis zur nationalen Ebene. Durch ausländische Interventionen, wie die durch die saudisch geführte Koalition, sind Machtvakuen entstanden, welche es Gruppierungen wie dem Islamischen Staat (IS) und Al-Kaida-Ablegern ermöglichen, ihren Aktionsradius zu erweitern und Christen sogar umzubringen (sowohl jemenitische Christen mit muslimischem Hintergrund als auch ausländische Christen). Entführungen finden ebenfalls statt und können sowohl auf finanziellen als auch auf religiösen (d. h. christenfeindlichen) Motiven beruhen, die oft schwer zu trennen sind. Konvertiten vom Islam zum Christentum leiden meist unter Gewalt und Druck von ihrer Großfamilie, aber auch von Stammesführern, wenn ihr neuer Glaube entdeckt wird. Laut Berichten spielen nichtchristliche religiöse Führer wie Imame eine Rolle bei der Anstiftung zu Angriffen auf Christen.

Externe Streitkräfte wie die von Saudi-Arabien geführte Koalition sowie der Zustrom von Waffen aus dem Westen haben ein andauerndes Machtvakuum verursacht, das es islamisch-extremistischen Gruppen wie AQAP (Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel) und dem IS ermöglicht hat, Christen ungestraft ins Visier zu nehmen. Dies ist – zusammen mit den Waffen aus dem Westen, die in die Hände von Milizen geraten – eine der größten Bedrohungen für die jemenitische Kirche.

4. Hintergrund

Der Jemen befindet sich in einem komplexen und verheerenden Krieg zwischen den schiitischen Huthi-Rebellen und Anhängern der international anerkannten Regierung des Jemen. In den Versuchen, die Regierung gegen die Huthi-Rebellen, die angeblich vom Iran unterstützt werden, wiederherzustellen, bombardiert das sunnitische Saudi-Arabien den Jemen aus der Luft und zerstört Wohngebiete, Infrastruktur, Krankenhäuser und Weltkulturerbestätten.

Bei dieser Militäroperation wird Saudi-Arabien aktiv von zehn überwiegend sunnitisch-muslimischen Nationen unterstützt und mit Waffen aus dem Westen ausgerüstet. Sunnitische extremistische Gruppen wie Al Kaida und der Islamische Staat (IS) nutzen das Chaos, um ihren Herrschaftsbereich auszudehnen und ihre Kontrolle auszubauen. Während der Konflikt andauert, laufen immer mehr Länder Gefahr, in den Kampf um die regionale Vorherrschaft zwischen Saudi-Arabien und dem Iran verwickelt zu werden, der die religiösen Gräben im Nahen Osten weiter vertiefen würde. Der Jemen ist ein relativ junges Land, zu dem sich der traditionell geprägte Nordjemen und der kommunistische Südjemen nach Jahren des Konfliktes erst 1990 vereinten. Allerdings ist die separatistische Bewegung im Süden recht stark und fordert weiterhin die Unabhängigkeit.

Seit der Amtsenthebung des ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh im Jahr 2012 hat der Jemen politische Unruhen und Gewalt erlebt. In dem Machtvakuum kämpfen Milizen und Rebellen – einschließlich Gruppen, die mit Al Kaida und dem IS verbunden sind ­– darum, Gebiete unter ihre Kontrolle zu bringen. Im März 2015, nach der Übernahme des Flughafens in Jemens Hauptstadt Sanaa (einschließlich wichtiger Ministerien und einer erfolgreichen Einnahme der nördlichen Regionen), zwang die als Huthi bekannte schiitische Rebellengruppe den Präsidenten Abd Rabbuh Mansour Hadi und seine Regierung ins Exil nach Saudi-Arabien. Im Juli 2015 erlangten regierungstreue Kräfte und Milizen aus dem Süden die Kontrolle über Aden von den Huthis zurück, unterstützt von Truppen und Luftangriffen der von Saudi-Arabien geführten Koalition, die im März 2015 begannen. Im September 2015 kehrte Präsident Hadi nach Aden zurück. Inzwischen scheint der Einfluss von Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) weiter zu wachsen, da die Organisation ihre territoriale Kontrolle im südlichen Jemen ausweitet. Dem IS angegliederte Gruppen sind ebenfalls in dem vom Krieg zerrütteten Land präsent und greifen seit März 2015 sowohl schiitische als auch mit der Regierung in Verbindung stehende Ziele an.

Unterdessen kämpft der Jemen mit einer schrecklichen humanitären Krise. Seit Beginn des Krieges im März 2015 wurden mehr als 10.000 Jemeniten getötet und 3,1 Millionen Menschen vertrieben. In einer Pressemitteilung des United Nations News Center, die am 28. August 2017 veröffentlicht wurde, wurde das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) wie folgt zitiert: „Inmitten anhaltender Gewalt kollabieren die Wasser- und Abwassersysteme, und mehr als die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen des Jemen sind außer Betrieb.“ Berichten zufolge sind fast 15 Millionen Menschen von sauberem Wasser und dem Zugang zu medizinischer Grundversorgung abgeschnitten. „Schätzungsweise 385.000 Kinder leiden an schwerer akuter Unterernährung, wodurch sie einem erhöhten Risiko für akute wässrige Diarrhö und Cholera ausgesetzt sind.” Wie alle Jemeniten leiden auch die Christen unter den Auswirkungen des Krieges. Einige von ihnen mussten ihre Wohnorte verlassen und sind nun über das ganze Land verstreut.

Es gibt im Jemen auch eine kleine Gruppe von Bahai. Sie erfahren ebenfalls Verfolgung. Extremistische Muslime betrachten sie als Ungläubige, andere diskriminieren sie, weil sie angeblich Verbindungen zum Iran haben, wo die Religion im 19. Jahrhundert entstand. Bahai werden im Jemen gelegentlich inhaftiert, misshandelt und gefoltert.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Früher waren die meisten Christen im Jemen ausländische Gastarbeiter (aus Nordafrika, dem Westen, Süd- und Ostasien sowie arabischen Ländern) oder Flüchtlinge (hauptsächlich Äthiopier). Diese Christen waren mehrheitlich römisch-katholisch oder Anglikaner (sowie einige Orthodoxe im Falle der äthiopischen Flüchtlinge). Nahezu alle westlichen Einwanderer haben das Land infolge des verheerenden Krieges aus Sicherheitsgründen verlassen. Christliche Gastarbeiter, vor allem aus Afrika und auch aus Asien, sind weiterhin im Land, obwohl auch schon viele von ihnen gegangen sind. Christliche Arbeitsmigranten sind seitens der Gesellschaft auf lokaler und nationalen Ebene Belästigungen und Diskriminierung und durch islamisch-extremistische Bewegungen sogar offener Gewalt ausgesetzt.

Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten)

Mindestens 95 Prozent der jemenitischen Kirche besteht aus Konvertiten aus dem Islam. Sie werden schwer verfolgt und müssen ihren Glauben im Verborgenen leben. Sie sind mit Verfolgung durch Behörden (einschließlich Inhaftierungen und Verhören), Familien und islamisch-extremistische Gruppen konfrontiert, die den „Abtrünnigen“ mit dem Tode drohen, wenn sie sich nicht wieder dem Islam zuwenden. Die Zahl der einheimischen Christen muslimischer Herkunft wird auf wenige Tausend geschätzt, wächst aber Berichten zufolge aufgrund des Krieges und der Instabilität. In der derzeitigen Kriegssituation geht die Verfolgung hauptsächlich von militanten islamistischen Gruppierungen und der Familie aus.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 16.700
Familienleben: 16.600
Gesellschaftliches Leben: 16.400
Leben im Staat: 16.500
Kirchliches Leben: 16.700
Auftreten von Gewalt: 2.600

Grafik: Verfolgungsmuster Jemen

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen im Jemen ist extrem hoch (16,6 Punkte) und ist gegenüber dem WVI 2017 (15,9) noch gestiegen. Der extreme Druck erklärt sich durch den Krieg und die Ausreise der meisten ausländischen und eingewanderten Christen. Infolgedessen konzentriert sich die WVI-Recherche nur auf einheimische Christen; sie erleben die stärkste Verfolgung.
  • Der Druck ist in allen Lebensbereichen extrem hoch. Sowohl im Bereich „Privatleben“ als auch im kirchlichen Leben wurde die höchstmögliche Punktzahl (16,7) erreicht, direkt gefolgt von dem Bereich „Familienleben“ mit 16,6 Punkten. Dies ist typisch für eine Situation, in der es vor allem Christen mit muslimischem Hintergrund gibt, in einem Land, in dem Islamische Unterdrückung die Haupttriebkraft der Verfolgung ist und keinen Raum für offene kirchliche Aktivitäten oder private Anbetung lässt.
  • Das Ausmaß der Gewalt gegen Christen sank von 5,9 Indexpunkten im WVI 2017 auf 2,6. Im Berichtszeitraum des WVI 2018 gab es keine Berichte über Christen, die wegen ihres Glaubens getötet wurden, oder über Angriffe auf christliche Gebäude. Mindestens 70 Christen zogen innerhalb des Landes um, und eine Familie von Konvertiten verließ das Land wegen religiöser Verfolgung. Seelische Gewalt, einschließlich Morddrohungen, betrafen mindestens 20 Konvertiten aus dem Islam.
  • Die allgemeine Verfolgung im Jemen entspricht der gegenwärtigen chaotischen und gesetzlosen Kriegssituation, in der die einheimischen Christen besonders verwundbar sind.

Privatleben

Christen mit muslimischem Hintergrund können ihren Glauben nicht offen praktizieren. Jeder Verdacht, dass sie Christen sein könnten, kann schwerwiegende Folgen haben. Die persönliche Verehrung Gottes ist für Christen in Gebieten, die von extremistischen Muslimen kontrolliert werden, oder in Gebieten, die von sunnitischen Truppen „befreit“ wurden, besonders riskant geworden. Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) und der IS kontrollieren weite Teile des Landes.

Familienleben

Alle Jemeniten gelten als Muslime. Für eine muslimische Familie bringt es Schande, wenn eines ihrer Mitglieder den Islam verlässt. Für Konvertiten zum christlichen Glauben besteht höchste Gefahr, einem Ehrenmord oder anderer physischer Gewalt zum Opfer zu fallen, wenn ihre Familien oder ihr soziales Umfeld ihren Glauben entdecken. Christliche Hochzeiten können im Jemen nicht öffentlich gefeiert werden und Konvertiten müssen daher nach islamischem Brauch heiraten. Konvertiten können ihre Kinder nicht als Christen registrieren lassen, und in der Schule sind ihre Kinder verpflichtet, islamischen Unterricht zu besuchen. Im Falle einer Scheidung wird Christen mit großer Wahrscheinlichkeit das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen, wenn andere Familienmitglieder Muslime sind.

Gesellschaftliches Leben

Alle Christen sind grundsätzlich bedroht durch die islamische Gesellschaft im Jemen, insbesondere durch AQAP und den IS. Das schreckt die Christen natürlich davon ab, ihre Religion in irgendeiner Weise öffentlich bekannt zu machen. Da der Glaubenswechsel offiziell als illegal gilt, werden Christen mit muslimischem Hintergrund von der lokalen islamischen Gemeinschaft gezwungen, ihre Bekehrung den Behörden zu melden. Christinnen muslimischer Herkunft gelten nach wie vor als Muslimas und es wird erwartet, dass sie einen Schleier tragen. Sie laufen auch Gefahr, zwangsverheiratet oder unter Hausarrest gestellt zu werden, wenn ihr neuer Glaube entdeckt wird. In der gegenwärtigen humanitären Krise sind Konvertiten aus dem Islam in ihrem sozialen Umfeld zusätzlich verwundbar, da die Nothilfe meist über muslimische Mitarbeiter säkularer Organisationen und lokaler Moscheen verteilt wird, die mutmaßlich alle, die nicht als fromme Muslime gelten, diskriminieren. Außerdem ist Vetternwirtschaft stark verbreitet, was eine ernsthafte Bedrohung für das Überleben von Christen und anderen Nichtmuslimen darstellt.

Leben im Staat

Muslime haben mehr Rechte als Anhänger anderer Religionen. Das Land hält sich an die strengsten Interpretationen des Islam. Die Abwendung vom Islam ist durch den Islam selbst und die staatliche Gesetzgebung verboten. Konvertiten droht die Todesstrafe, wenn ihr neuer Glaube entdeckt wird (obwohl sie in der Regel nicht von der Regierung, sondern von extremistischen Muslimen durchgeführt wird, wovor die Regierung die Augen verschließt). Obwohl sie den größten Teil ihrer Aufmerksamkeit auf politische Ereignisse konzentrieren, setzten Regierungsbeamte ihre Bemühungen fort, Christen einzuschüchtern, selbst inmitten der chaotischen Kriegssituation. Unterdrückung kommt vor allem von islamischen Kämpfern, die auch in größerer Freiheit agieren können. Diese Unsicherheit, die durch islamisch-extremistische Bewegungen verursacht wird, macht den Jemen sehr instabil. Gegenwärtig leiden Christen besonders unter der Gesetzlosigkeit im Land und unter schiitischen Rebellen oder Gruppen, die mit Al Kaida oder dem IS verbunden sind und große Teile des Landes beherrschen. Es wird angenommen, dass alle Christen von extremistischen Muslimen überwacht werden und auch ein spezifisches Angriffsziel für diese militanten islamischen Gruppen werden können.

Kirchliches Leben

Die vier offiziellen Kirchen im Jemen, die sich alle in Aden befanden und für ausländische Gastarbeiter oder Flüchtlinge (insbesondere aus Äthiopien) gebaut worden waren, wurden während des Bürgerkriegs zerstört (teilweise durch gezielte Angriffe). Es gibt keine funktionsfähigen Kirchengebäude mehr. Christen mit muslimischem Hintergrund ist es nicht erlaubt, ihre eigenen Versammlungen abzuhalten, weshalb sie an geheimen Orten zusammenkommen. Muslimen das Evangelium weiterzugeben ist illegal; biblische Schulungen, der Druck und der Import von Bibeln und anderer christlicher Literatur in arabischer Sprache sind nahezu unmöglich.

Auftreten von Gewalt

Im Gegensatz zum letzten Jahr gab es keine Berichte von Christen, die ohne Gerichtsverfahren aufgrund ihres Glaubens ermordet oder inhaftiert wurden. Auch wurden keine Vorfälle gemeldet von Kirchen oder christlichen Gebäuden, die geschlossen oder angegriffen wurden. Die wenigen Kirchen des Landes bleiben geschlossen, nachdem sie zuvor angegriffen wurden, was sowohl mit dem Bürgerkrieg als auch mit Christenverfolgung in Zusammenhang stand. Die Situation vor Ort ist sehr chaotisch, da aufgrund des Bürgerkriegs gewaltsame Übergriffe auf Christen nur sehr lückenhaft erfasst werden können. Mehrmals sind einheimische Christen dem Tod entkommen, indem sie an andere Orte gezogen sind.

  • Mindestens zehn Familien von Konvertiten, insgesamt etwa 70 Personen, mussten aus religiösen Gründen innerhalb des Landes umgesiedelt werden. Jedoch bleiben Jemeniten, die ihren christlichen Glauben in Gemeinschaft mit anderen einheimischen Gläubigen praktizieren, standhaft.
  • Eine christliche Familie mit muslimischem Hintergrund ist wegen religiöser Verfolgung aus dem Land geflohen. Wenn Konvertiten das Land verlassen, liegt das oft daran, dass sie isoliert sind und sich der Präsenz einer einheimischen Gemeinschaft von Christen mit muslimischem Hintergrund nicht bewusst sind, die ihnen hätte helfen können, ihren Wohnsitz zu verlagern und in Sicherheit zu leben.
  • Der indische Salesianer-Priester Pater Tom Uzhunnalil war während des Großteils des Berichtszeitraums zum WVI 2018 immer noch entführt. Er wurde bei einem Angriff auf ein katholisches Alten- und Behindertenheim im März 2016 gefangen genommen. Im September 2017 wurde er freigelassen.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

In einer Kultur, in der die Unterdrückung von Frauen normal ist, sind Christinnen mit muslimischem Hintergrund zusätzlich verwundbar. Stammesgesetze und -bräuche erlauben es ihnen nicht, einen Christen zu heiraten; die Bestrafung für Ungehorsam kann Tod, Vertreibung oder Hausarrest sein. In einem öffentlichen Fall, über den in lokalen Zeitungen berichtet wurde, wurde eine junge Frau, deren Glaube an Christus entdeckt wurde, in ein Heim für psychisch Kranke eingewiesen. Es ist üblich, dass Christinnen muslimischer Herkunft mit Muslimen zwangsverheiratet werden, wenn ihr Glaube bekannt wird. Die lokale Gemeinschaft von Konvertiten begegnet dieser Situation, indem sie Ehen mit anderen Christen muslimischer Herkunft arrangiert. Auch drohen Christinnen muslimischer Herkunft Vergewaltigung und sexuelle Belästigung. Aus diesem Grund tragen Christinnen muslimischer Herkunft in der Regel weiterhin die traditionelle muslimische Kleidung zu ihrer eigenen Sicherheit und ihrem Schutz. Im Vergleich zu Männern sind Frauen, die sich für den christlichen Glauben interessieren oder sich neu dem christlichen Glauben zugewandt haben, mit größeren Einschränkungen konfrontiert beim Zugang zu Jüngerschaftstraining, Gemeinschaft mit anderen Christen und bezüglich Gelegenheiten zur Taufe – es sei denn, sie haben einen nahen männlichen Verwandten, der ihnen die Teilnahme an diesen Aktivitäten erleichtern kann. Dies liegt daran, dass die Familien die Aktivitäten der weiblichen Mitglieder des Haushalts außerhalb des Hauses genau beobachten, während Männer kommen und gehen können, ohne Rechenschaft darüber abzulegen, wie sie ihre Zeit außerhalt des Hauses verbringen.

Männer

Während Frauen mit größeren Einschränkungen der Möglichkeiten in Bezug auf Jüngerschaft, Gemeinschaft und Taufe konfrontiert sind, besteht für Männer ein größeres Risiko des Märtyrertodes. Frauen können zwar in der Wohnung eingesperrt, mit einem muslimischen Extremisten zwangsverheiratet, geschlagen oder in ein Heim für psychisch Kranke eingewiesen werden, aber sie werden seltener getötet, wenn ihr Glaube von Familienmitgliedern oder lokalen Behörden entdeckt wird. Dies ist auf die Annahme zurückzuführen, dass Frauen unwissend oder geistig unterlegen sind, so dass sie als weniger verantwortlich für ihren Irrtum angesehen werden. Unterdessen werden Männer eher von islamistischen Gruppierungen angegriffen, von den lokalen Behörden inhaftiert und sind im Allgemeinen häufiger mit Verfolgung in der Öffentlichkeit konfrontiert. Da Frauen bereits aufgrund ihres Geschlechts von der Teilnahme am Berufsleben ausgeschlossen sind, betrifft Diskriminierung oder Verfolgung am Arbeitsplatz vor allem männliche Konvertiten. Ein Christ, dessen Ehefrau keine Christin ist, wird seinen Glauben wahrscheinlich weniger mit anderen teilen, da er befürchten muss, dass seine Kinder muslimisch erzogen werden, wenn er aufgrund seines Glaubens getötet werden oder im Falle einer Scheidung das Sorgerecht für seine Kinder verlieren sollte.

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Der Krieg im Jemen hat zu einem höheren Maß an Gewalt und Gesetzlosigkeit geführt, eine Situation, durch welche die Unterdrückung von Minderheiten, einschließlich Christen, noch verstärkt werden könnte. Nach Angaben eines Leiters einer im Land tätigen Nichtregierungsorganisation wurden in den Gebieten, die durch Truppen der von Saudi-Arabien angeführten Koalition beherrscht waren oder befreit wurden, als Folge davon oft die Christen vor Ort von extremistischen Sunniten angegriffen.

Auf politischer Ebene rechnet die „Economist Intelligence Unit“ (EIU) in naher Zukunft nicht mit dem Abschluss eines Friedensabkommens, zumal das „Rebellen-Bündnis zwischen den Huthis und dem ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh zusammengebrochen ist, was zu Kämpfen in der Hauptstadt Sanaa und dem Tod von Herrn Saleh geführt hat.“ Eine dauerhafte Pattsituation wird erwartet, zumal die Huthis nun den größten Teil von Sanaa kontrollieren. Die Komplexität des Konflikts wird noch dadurch erhöht, dass der Wunsch des Südens nach Unabhängigkeit sich verstärkt, was zu weiteren Konflikten führen könnte. Unterdessen befindet sich das ärmste Land des Nahen Ostens inmitten einer verheerenden humanitären Katastrophe, und es wird lange dauern, bis es sich davon erholt haben wird. Vorerst könnte sich die humanitäre Krise noch verschärfen, da sich die Kämpfe wahrscheinlich noch verschlimmern werden.

In einer von Krieg und Anarchie geprägten Situation gedeihen Organisiertes Verbrechen und Korruption, und unter den gegenwärtigen Umständen wird erwartet, dass diese Triebkraft der Verfolgung noch weiter an Einfluss gewinnen wird. Während Ethnisch begründete Anfeindungen den Krieg im Jemen angeheizt haben, dürfte der Konflikt die Menschen auch dazu zwingen, sich noch mehr auf ihre eigenen Stämme zu stützen, was den Druck auf und die Überwachung von Christen erhöht. Im ganzen Land vertiefen sich die religiösen und ethnischen Gräben, die ein wichtiges Hindernis für Frieden und Stabilität darstellen.

Analysten der EIU erwarten, dass islamisch-extremistische Milizen „während der Jahre 2017–2021 eine Bedrohung bleiben werden.“ Da islamische Milizen ein wichtiger Faktor der bedeutendsten Triebkraft der Verfolgung im Jemen, der Islamischen Unterdrückung, sind, verheißt dies nichts Gutes bezüglich der Religionsfreiheit für die religiösen Minderheiten im Jemen, insbesondere für die Christen. Die Situation ist besonders heikel, da die Mehrheit der christlichen Gemeinschaft (geschwächt durch das Abwandern ausländischer Christen) aus einheimischen Christen mit muslimischem Hintergrund besteht. Andererseits wird inmitten der Unsicherheit des Krieges berichtet, dass sich mehr Muslime als je zuvor Christus zuwenden.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für den Jemen

  • Der Krieg, den Saudi-Arabien im Jemen führt, hilft den Islamisten von Al Kaida und dem IS, sich frei im Jemen zu bewegen. Sie sind Christen gegenüber extrem aggressiv. Bitte beten Sie dafür, dass Gott die Herzen der Extremisten mit seiner Liebe anrührt, damit sie das Evangelium annehmen.
  • Bitte beten Sie dafür, dass Gott durch die heimlichen Versammlungen der Christen muslimischer Herkunft geehrt wird und dass die Christen ihren jemenitischen Landsleuten dienen können.
  • 80 Prozent der Jemeniten sind auf Hilfsleistungen angewiesen. Die Nothilfe wird größtenteils durch die Stammes- und Familienstrukturen verteilt, von denen Christen zumeist ausgeschlossen sind. Bitte beten Sie, dass die Christen die benötigte Hilfe erhalten.

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