Länderprofil Jordanien

Jordanien

21
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Jordanien
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Königreich
Platz Vorjahr
27
ISO
JO
Karte Jordanien
Karte Jordanien
Christen
0,13
Bevölkerung
7.88
Islamische Unterdrückung
Ethnisch begründete Anfeindungen
Privatleben: 13.200
Familienleben: 13.300
Gesellschaftliches Leben: 11.500
Leben im Staat: 10.900
Kirchliches Leben: 13.000
Auftreten von Gewalt: 4.300
Länderprofil Jordanien

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

66 Punkte / Platz 21 (WVI 2017: 63 Punkte / Platz 27)

Von wem Verfolgung ausgeht

Die stärkste Verfolgung in Jordanien erleben Christen mit muslimischem Hintergrund, gefolgt von Christen, die mit diesen christlichen Konvertiten arbeiten oder aktiv an der Weitergabe des Evangeliums beteiligt sind. Laut Berichten üben Regierungsbeamte Druck auf Christen mit muslimischem Hintergrund aus, zum Islam zurückzukehren; teilweise wurden sie zuvor von Familienmitgliedern über den Glaubenswechsel informiert. Der stärkste Druck geht von der Familie aus und beinhaltet teilweise sogar körperliche Gewalt und Mord. Die Stammeskultur Jordaniens ist noch immer sehr stark ausgeprägt, und die Anführer ethnischer Gruppen üben ebenfalls häufig Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus, ihren Glauben zu widerrufen. Dies gilt auch für islamische Geistliche und gewöhnliche Bürger, die Christen muslimischer Herkunft noch immer als Muslime ansehen. Laut Berichten überwachen Regierungsbeamte Kirchengemeinden und christliche Organisationen, die in der Evangelisation aktiv sind, und setzen sie unter Druck, diese Aktivitäten zu beenden. Es ist auch Druck von geistlichen Leitern der Orthodoxen und Römisch-Katholischen Kirche vorhanden, wenn es um die Registrierung neuer (freikirchlicher) Gemeinden geht. Sie fürchten, dass jede Art von Weitergabe des Evangeliums an Muslime eine negative Rückwirkung nach sich ziehen könnte, die alle Christen betrifft.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Der Großteil der Christen in Jordanien gehört der Orthodoxen oder Römisch-Katholischen Kirche an. Sie genießen insgesamt ein relativ hohes Maß an religiöser Freiheit, können aber Opfer von Diskriminierung werden, beispielsweise am Arbeitsplatz, oder wenn sie Einschränkungen bei der öffentlichen Verkündigung des Evangeliums erleben. Christen mit muslimischem Hintergrund werden am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt – dennoch nehmen immer mehr Muslime den christlichen Glauben an. Die Situation für diese Gruppe hat sich in den vergangenen Jahren verschlechtert und jedes öffentliche Bekenntnis ihres neuen Glaubens kann ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen, einschließlich körperlicher Gewalt, Verhaftung und Mord. Evangelikale Christen, Baptisten und Pfingstgemeinden spüren ebenfalls starken Widerstand, und jeder Christ, der aktiv das Evangelium verkündet und/oder Christen muslimischer Herkunft hilft, müssen mit Hindernissen und Drohungen in ihrem alltäglichen Leben rechnen. Diese Gemeinden sind nicht von der jordanischen Regierung anerkannt, was in manchen Fällen dazu geführt hat, dass Gewalt gegen Christen nicht strafrechtlich verfolgt wurde.

Beispiele

  • Am 6. Januar 2017 brachen Randalierer in einen Friedhof ein und zerstörten eine Statue der Jungfrau Maria. Generell sind Akte des Vandalismus gegen Kirchen in Jordanien ungewöhnlich. Im Berichtszeitraum gab es jedoch drei Vorfälle, bei denen Kirchengebäude entweder angegriffen oder geschlossen wurden.
  • Es gab im Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex 2018 mehrere Angriffe auf Häuser, die Christen mit muslimischem Hintergrund oder anderen Christen gehörten.
  • Einige Christen muslimischer Herkunft wurden aus Gründen, die direkt oder indirekt mit ihrem Glauben zu tun hatten, verhaftet.
  • Einige christliche Konvertiten wurden laut Berichten von Familienmitgliedern körperlich missbraucht oder mit dem Tode bedroht.
  • Mehrere Christen mit muslimischem Hintergrund mussten ihr Haus verlassen und sich verstecken oder an einem anderen Ort innerhalb oder außerhalb des Landes leben. Einige ausländische Missionare wurden aufgrund ihrer christlichen Aktivitäten dazu gezwungen, das Land zu verlassen.

Beiträge zu Jordanien

Persönliche Berichte Persönliche Berichte
Pator Rashad aus Jordanien
Jordanien
(Open Doors, Kelkheim) – Es begann mit einem einfachen Gebet vor fast zehn Jahren: „Herr, ich habe ein Herz für Muslime. Bitte bringe sie zu mir“, bat Rashad. Es dauerte jedoch nicht lange, bis der junge Pastor erkannte, dass Gott genau das Gegenteil von ihm wollte.
Länderberichte
Jordanien: Kunst hilft heilen

Jordanien: Kunst hilft heilen

05:51 Minuten

Wie eine junge Christin Irakischen Flüchtlingskindern zur Seite steht.

Anschauen

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Gesamtpunktzahl von 66 Punkten befindet sich Jordanien auf Rang 21 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2018 – ein Anstieg von 3 Punkten im Vergleich zum Vorjahr. Es wurden mehr Fälle von Gewalt gegen Christen gemeldet; sie sind der Hauptgrund für den Anstieg der Punktzahl. Diese Fälle von Gewalt richteten sich größtenteils gegen Christen mit muslimischem Hintergrund, aber Christen, die an Evangelisation beteiligt waren, waren ebenfalls betroffen.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

„Islamische Unterdrückung“ ist eine der Haupttriebkräfte der Verfolgung von Christen in Jordanien. Sie wirkt zumeist gewaltfrei. Die Regierung erlegt der Gesellschaft islamische Werte und Gesetze auf, obwohl sie auch weiterhin Toleranz und eine friedliche Koexistenz der Religionen unterstützt. Wird das persönliche Leben betrachtet, erleben Christen mit muslimischem Hintergrund die stärkste Verfolgung. Ihre Familien oder Gemeinschaften können sie ausschließen oder sogar Gewalt gegen sie verüben. Alle Kategorien von Christen können in Jordanien von der Regierung überwacht werden oder sogar unter das Gesetz der Scharia fallen, wenn sie mit einem Muslim oder eine Muslima verheiratet sind oder einen Gerichtsstreit mit einem Muslim haben. Alles in allem betrachtet wird Christen die Illusion der Freiheit gegeben, in der Realität schränken jedoch die islamischen Traditionen, die in der Gesellschaft verwurzelt sind, das christliche Leben in Jordanien ein. Islamische Unterdrückung wirkt auch durch gewalttätige Aktionen von militanten Islamisten. Die Unterdrückung von extremistischen Muslimen ist viel heftiger als die eben beschriebene durch die Regierung. Mehr und mehr Jordanier werden durch die Ideologie des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) radikalisiert, was Christen einer höheren Gefahr aussetzt.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Diese Triebkraft beschreibt, wie versucht wird, den Einfluss jahrhundertealter Normen und Werte aus Stammestraditionen durchzusetzen. „Ethnisch begründete Anfeindungen“ treten oft im Zusammenhang mit traditionellen Religionen auf, im Falle Jordaniens gibt es eine deutliche Vermischung mit dem Islam. Deswegen betrifft sie insbesondere Christen mit muslimischem Hintergrund. Vor allem außerhalb der großen Städte ist die jordanische Gesellschaft eindeutig eine Stammesgesellschaft und im jordanischen Nationalismus verwurzelt. Nach der Massenwanderung von Palästinensern nach Jordanien nach dem Krieg mit Israel im Jahr 1967, teilte sich Jordanien auf in die rein jordanischen „East Banker“ (ursprünglich aus der Region östlich des Jordan) und die palästinensisch-jordanischen „West Banker“, die ihre Wurzeln westlich des Jordan haben. Das Stammessystem hat diese ethnische Teilung offensichtlich gemacht und agiert als sozioökonomisches Sicherheitsnetz. Familien-, Clan- und Stammesbeziehungen erlauben es den East Bankern erfolgreich die Regierung, Wirtschaft und soziale Sphären, inklusive der Arbeitswelt, aber auch die politische und soziale Stellung zu steuern. Aufgrund dieses sozialen Vorteils für die „reinen“ Jordanier ist das Stammesdenken noch mehr in das jordanische Konzept des Nationalismus integriert. So kann es sein, dass Christen mit einem palästinensischen Hintergrund nicht die gleichen Vorteile haben, wie Christen mit „reinem“ jordanischen Hintergrund. Dieses Thema benötigt weitere Untersuchungen und wurde nicht in die Analyse des WVI miteinbezogen. Die Situation von christlichen Konvertiten wurde jedoch berücksichtigt.

3. Verfolger

Im Allgemeinen lobt die christliche Gemeinschaft die jordanische Königsfamilie dafür, einen Geist der Toleranz und der friedlichen Koexistenz zu pflegen. Dennoch sind sie Einschränkungen und Überwachung durch die Regierung ausgesetzt, die informiert sein will, wenn Christen das Evangelium an Muslime weitergeben oder in einer Art und Weise predigen, die die soziale und politische Stabilität gefährden könnte. Die stärkste Verfolgung erleben Christen mit muslimischem Hintergrund. Regierungsbeamte übten Berichten zufolge Druck auf diese christlichen Konvertiten aus, zum Islam zurückzukehren. In einigen Fällen wurden sie zuvor von Familienmitgliedern der Christen informiert. Der stärkste Druck geht von der Familie aus und kann sogar körperliche Gewalt und Mord beinhalten. Die Stammeskultur Jordaniens ist noch immer sehr stark ausgeprägt, und die Anführer ethnischer Gruppen üben ebenfalls häufig Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus, ihren Glauben zu widerrufen. Dies gilt auch für islamische Geistliche, die Christen muslimischer Herkunft noch immer als Muslime ansehen.

Extremistische islamische Bewegungen sind eine weitere Quelle der Verfolgung für Christen – genauso wie für andere Religionsgemeinschaften in Jordanien, inklusive Muslimen. Auch wenn das Level der Verfolgung nicht so hoch ist wie in benachbarten Staaten wie Syrien, dem Irak oder Ägypten, hat der IS bereits versucht, Jordanien anzugreifen. Dies hat bisher jedoch zu wenig Erfolg geführt. Das erste Mal, dass der IS sich zu einem Angriff auf jordanischem Boden bekannte, war am 18. Dezember 2016, als zehn Menschen bei einem Attentat auf die bei Touristen beliebte Kreuzritterburg Kerak starben.

In Jordanien sind einige christliche Denominationen anerkannt und andere nicht – allein die Regierung kann eine christliche Gemeinschaft anerkennen. Einige etablierte Kirchen wollen jedoch verhindern, dass neue, evangelikale Gemeinschaften anerkannt werden und versuchen, den Staat zu beeinflussen, damit eine Anerkennung nicht gelingt.

4. Hintergrund

Jordaniens Gesellschaft besteht aus verschiedenen Volksstämmen, was sich auch im Königshaus abbildet: Der verstorbene König Hussein stammte aus Saudi-Arabien, seine zweite Frau und Mutter des derzeitigen Königs Abdullah II. ist Britin. König Abdullah selbst ist mit einer Palästinenserin verheiratet. Die Bevölkerung besteht überwiegend aus Palästinensern, von denen die meisten nach den arabisch-israelischen Kriegen von 1948 und 1967 ins Land kamen. In den frühen 1950er-Jahren erhielt ein Großteil von ihnen die Staatsbürgerschaft. Palästinensische Jordanier („West Bankers“) werden allerdings im Vergleich zum Großteil der sonstigen Bevölkerung, der von Beduinen abstammt („East Bankers“), und seit Jahrhunderten in diesem Gebiet lebt, benachteiligt. Im Allgemeinen halten letztere dem König die Treue. Jordanien hat viele Flüchtlinge aufgenommen, insbesondere aus dem Irak und Syrien: Im Dezember 2016 schätzte das UN-Flüchtlingshilfswerk die Zahl der Flüchtlinge aus Syrien auf 655.314 und die aus dem Irak auf 60.647. Damit hat Jordanien gemessen an der Einwohnerzahl weltweit die zweitmeisten Flüchtlinge aufgenommen. Da so viele verschiedene Nationalitäten in dem Königreich vertreten sind, ist die Frage, was die nationale Identität eines jordanischen Staatsbürgers eigentlich ausmacht, unklar. Außerdem führt die hohe Anzahl von Flüchtlingen zu wirtschaftlichem, politischem und religiösem Druck und ist so ein potenziell destabilisierender Faktor.

Die Zahl der Christen verringert sich seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1946. Dieser Rückgang liegt in einer niedrigeren Geburtenrate und hohen Auswanderungszahlen begründet. Außerdem kam eine große Zahl muslimischer Flüchtlinge aus dem Irak und Syrien nach Jordanien. Zusammen mit der steigenden Angst vor einem extremistischen Islam und der aktuell sehr angespannten wirtschaftlichen Lage setzt dies Christen, besonders Evangelikale und Christen muslimischer Herkunft, zunehmend unter Druck. Deswegen bleiben viele christliche Gemeinschaften immer mehr unter sich und geben das Evangelium nicht an andere weiter.

Für lange Zeit galt Jordanien in Bezug auf Religionsfreiheit als eines der liberalsten Länder der Region. Für Christen scheint sich dies aber nun zu ändern. Christen aus traditionellen Kirchen genießen zwar noch immer einen relativ hohen Grad an Religionsfreiheit; Christen muslimischer Herkunft hingegen erleben die Auswirkungen des zunehmenden islamistischen Einflusses in der Gesellschaft. Auch Christen, die aktiv an der Weitergabe des Evangeliums beteiligt sind oder Christen muslimischer Herkunft helfen, sind immer stärkerem Druck und Überwachung ausgesetzt.

Andere Religionsgemeinschaften, die in Jordanien Einschränkungen erfahren, sind Schiiten, Drusen und Bahai. Laut Berichten kann es für einen Sunniten sogar stärkeren Druck bedeuten, wenn er Schiit wird, als wenn er den christlichen Glauben annimmt. Bahai sind offiziell nicht anerkannt, dürfen aber ihren Glauben praktizieren. Trauscheine von Bahai werden jedoch vom Amt für Personenstand und Pässe nicht anerkannt. Drusen erleben sozialen Ausschluss und leben in speziellen Gegenden. Wie die Bahai-Religion, ist auch der drusische Glaube nicht von der jordanischen Regierung anerkannt.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Sie stellen die größte Gruppe von Christen in Jordanien. Die meisten von ihnen gehören der Orthodoxen oder der Römisch-Katholischen Kirche an. Grundsätzlich genießen sie ein relativ hohes Maß an Religionsfreiheit, allerdings können Einzelne im Alltag Benachteiligungen erfahren, beispielsweise am Arbeitsplatz.

Christen muslimischer Herkunft

Von allen Christen in Jordanien erleben diejenigen mit muslimischem Hintergrund die stärkste Verfolgung. Wird ihr neuer Glaube bekannt, müssen sie mit Druck von allen Seiten rechnen: von Regierungsbeamten, Anführern ethnischer Gruppen, nichtchristlichen religiösen Leitern, gewalttätigen religiösen Gruppen, gewöhnlichen Bürgern und der eigenen (Groß-)Familie. Die Situation der Christen muslimischen Hintergrunds – deren kleine Zahl stetig wächst – hat sich in den letzten Jahren verschlechtert, verursacht durch Druck vonseiten ihrer Familien und durch die wachsende Aktivität extremistischer islamischer Gruppen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese Gruppe besteht größtenteils aus evangelikalen Christen, Baptisten und Pfingstgemeinden. Nach Christen muslimischer Herkunft erleben die protestantischen Freikirchen den stärksten Widerstand, besonders vonseiten der Regierungsbeamten. Evangelikale Gemeinden werden von der jordanischen Regierung nicht anerkannt. In einigen Fällen wird die Regierung selbst zum Verfolger, indem sie beispielsweise Übergriffe auf Christen ungestraft lässt.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 13.200
Familienleben: 13.300
Gesellschaftliches Leben: 11.500
Leben im Staat: 10.900
Kirchliches Leben: 13.000
Auftreten von Gewalt: 4.300

Grafik: Verfolgungsmuster Jordanien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Insgesamt ist der durchschnittliche Druck auf Christen in Jordanien – insbesondere auf Christen muslimischer Herkunft – sehr hoch (12,4) und im Vergleich zum letztjährigen WVI (12,3) leicht gestiegen. Dieser Anstieg liegt größtenteils an der Verfügbarkeit von mehr Informationen.
  • Der Druck ist am stärksten in den Bereichen „Privatleben“, „Kirchliches Leben“ und „Familienleben“; dort sind die Wertungen sehr hoch. Dies ist typisch für eine Verfolgungssituation, in der Islamische Unterdrückung die Haupttriebkraft der Verfolgung und mit Ethnisch begründeten Anfeindungen vermischt ist.
  • Islamische Unterdrückung als Triebkraft der Verfolgung betrifft vor allem Christen muslimischer Herkunft in den Bereichen „Privatleben“, „Familienleben“ und „Gesellschaftliches Leben“. Sie geht besonders von Familien, lokalen Behörden und nichtchristlichen Leitern aus.
  • Der Wert für „Auftreten von Gewalt“ ist von 1,5 Punkten im WVI 2017 auf 4,3 Punkte im aktuellen Berichtszeitraum gestiegen. Gewalttätige Vorfälle treffen zumeist Christen muslimischer Herkunft; aber auch Christen, die aktiv das Evangelium weitergegeben haben, waren betroffen. Der Grund für den Anstieg der Gesamtpunktzahl von Jordanien liegt in der hier eingeflossenen, höheren Anzahl von Berichten über Gewalt gegen Christen.
  • Der Druck in Jordanien wird durch die gravierende Unterdrückung von Christen muslimischer Herkunft und relative Freiheit für alle anderen Kategorien von Christen charakterisiert, solange letztere nicht versuchen, ihren Glauben an Muslime weiterzugeben oder mit christlichen Konvertiten zu arbeiten.

Privatleben

Hier sind vor allem Christen muslimischer Herkunft betroffen. Sie können ihren Glauben nicht öffentlich ausüben. Jedes kleinste Signal an ihre Umgebung, dass sie Christen sein könnten, kann schwerwiegende Konsequenzen haben. Alle anderen Christen haben mehr Freiheiten, ihren Glauben im Privaten zu leben, solange sie nicht versuchen, das Evangelium an Muslime weiterzugeben.

Familienleben

Besonders Christen muslimischer Herkunft erleben Druck durch die eigene Familie, welcher zu Gewalt oder sogar Mord führen kann. Um Druck auf die Konvertiten auszuüben, informieren einige Familien sogar die Behörden, was zu einer Verhaftung führen kann. Christen mit muslimischem Hintergrund können aufgrund ihres Übertritts zum christlichen Glauben das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren. Der Staat spielt dabei allerdings keine aktive Rolle.

Gesellschaftliches Leben

Auch in diesem Lebensbereich stehen besonders Christen muslimischen Hintergrunds unter Druck, wenn ihr Glaube bekannt wird. Aber auch andere Christen erleben Diskriminierung, zum Beispiel an ihren Arbeitsplätzen in Unternehmen oder im öffentlichen Dienst, wo sie auf unsichtbare Barrieren stoßen und bei Beförderungen übergangen werden. Besonders Christen, die Konvertiten aus dem Islam unterstützen – durch Beratung, Seelsorge und biblische Ausbildung – müssen mit Bedrohungen und Einschränkungen im Alltag sowie mit Überwachung durch ihr Umfeld rechnen.

Leben im Staat

Hier erleben alle Christen Druck, besonders stark sind jedoch wieder Christen muslimischer Herkunft betroffen. Der Islam ist Staatsreligion und die jordanische Verfassung gibt der Scharia eine Vorrangstellung. Fragen des persönlichen oder familiären Status werden von religiösen Gerichten behandelt. Muslime fallen unter die Scharia-Rechtsprechung, es gibt aber auch religiöse Gerichte für historische christliche Gemeinschaften wie Orthodoxe, Katholiken und Anglikaner. In Fällen, in denen eine Partei muslimisch und die andere nichtmuslimisch ist, wird der Fall vor einem Scharia-Gericht verhandelt. Scharia-Gerichte erkennen den Glaubenswechsel von Muslimen zum christlichen Glauben nicht an und behandeln sie weiterhin als Muslime. Auch Kinder (unter 18 Jahren) von Christen muslimischer Herkunft werden vom Staat weiterhin als Muslime angesehen. Beim Erbrecht gilt ausschließlich die islamische Gesetzgebung, ungeachtet des Glaubens der Betroffenen. Christen können nicht von einer muslimischen Familie erben. Der Glaubenswechsel weg vom Islam wird vom Staat nicht anerkannt, und das öffentliche Missionieren von Muslimen verstößt gegen die Regierungspolitik. Muslime, die Christen werden, fallen weiterhin unter die Gerichtsbarkeit der Scharia, was bedeutet, dass ihre Ehen annulliert werden können. Es ist auch möglich, dass sie das Sorgerecht für ihre Kinder oder sogar ihre Bürgerrechte verlieren. Berichten zufolge wurden Christen mit muslimischem Hintergrund vom Geheimdienst bezüglich ihres Glaubens verhört und mit Anklagen vor Gericht und anderen möglichen Konsequenzen bedroht. Zudem wurden ihnen Belohnungen, wie zum Beispiel berufliche Chancen, für eine Rückkehr zum Islam versprochen. Weiter wurde berichtet, dass Behörden Arbeitszeugnisse verweigerten, die für Bewerbungen und Firmengründungen notwendig waren. Arbeitgebern wurde aufgetragen, Christen muslimischer Herkunft zu entlassen. Diejenigen, die Christen muslimischer Herkunft angreifen, können mit Straffreiheit rechnen.

Kirchliches Leben

Christen mit muslimischem Hintergrund erfahren auch im Bereich des kirchlichen Lebens den größten Druck. Dennoch müssen auch andere Christen, besonders aus protestantischen Freikirchen, mit gewissen Einschränkungen leben. Für Christen muslimischer Herkunft ist jede Form des öffentlichen und legalen kirchlichen Lebens unmöglich. Im Vergleich zu anderen Ländern der Region ist das Kirchenleben jedoch generell weniger eingeschränkt – besonders für Christen aus traditionellen Kirchen. Dies lässt sich unter anderem daran erkennen, dass es eine Reihe von anerkannten, schon lange bestehenden Kirchen im Land gibt. Evangelikale Gemeinden haben Schwierigkeiten, eine Registrierung zu erhalten. Baugenehmigungen für Kirchen sind schwer zu erhalten, und es gibt alle Arten subtiler Diskriminierung. Berichten zufolge werden Aktivitäten evangelikaler Gemeinden und von Untergrundgemeinden (in denen sich Christen muslimischer Herkunft treffen) von der Geheimpolizei überwacht. Eine öffentliche Verteilung von christlicher Literatur ist nicht erlaubt, der Verkauf ist ausschließlich an offiziell genehmigten Orten möglich.

Auftreten von Gewalt

  • Es gab im Berichtszeitraum drei Vorfälle, bei denen Kirchengebäude angegriffen oder geschlossen wurden, und am 6. Januar 2017 brachen Randalierer in einen Friedhof ein und zerstörten eine Statue der Jungfrau Maria. Allgemein sind Akte des Vandalismus gegen Kirchen in Jordanien ungewöhnlich.
  • Es gab im Berichtszeitraum für den WVI 2018 mehrere Angriffe auf Häuser, die Christen mit muslimischem Hintergrund oder anderen Christen gehörten.
  • Einige Christen muslimischer Herkunft wurde aus Gründen, die direkt oder indirekt mit ihrem Glauben zu tun hatten, verhaftet.
  • Einige christliche Konvertiten berichteten, dass sie von Familienmitgliedern körperlich missbraucht oder mit dem Tode bedroht wurden.
  • Mehrere Christen mit muslimischem Hintergrund mussten ihr Haus verlassen und sich verstecken oder an einem anderen Ort innerhalb oder außerhalb des Landes leben. Einige ausländische Missionare wurden aufgrund ihrer christlichen Aktivitäten dazu gezwungen, das Land zu verlassen.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

In Jordanien sind von allen Kategorien von Christen Frauen, die früher Muslimas waren, am stärksten von Verfolgung wegen ihres Glaubens betroffen. Auch andere Christinnen sind Ungleichheit ausgesetzt, beispielsweise wenn ihr Ehemann zum Islam konvertiert. Im Fall von Christinnen muslimischer Herkunft stammt der Druck zumeist von ihrer Familie. Leben sie noch bei der Familie, riskieren sie, unter Hausarrest gestellt oder sogar sexuell missbraucht oder vergewaltigt zu werden, wenn ihr Glaube entdeckt wird. Zwangsehen sind in Jordanien nicht ungewöhnlich, Frauen, die sich dem christlichen Glauben zuwenden, sind jedoch besonders davon bedroht, unfreiwillig verheiratet zu werden. Dadurch soll die Schande von der Familie abgewendet, und die Frau zurück auf den „richtigen Weg“ geführt werden.

Christinnen muslimischer Herkunft können offiziell keinen Christen heiraten. Selbst wenn sie im Ausland heiraten, erkennt der Staat die Ehe nicht an. Christliche Frauen können allgemein nur dann einen muslimischen Mann heiraten, wenn sie zum Islam konvertieren. Dies verlangt das religiöse Registrierungssystem. Dies macht es besonders schwierig, wenn eine christliche Frau, die keinen muslimischen Hintergrund hat, einen christlichen Konvertiten heiraten möchte, da ihr zukünftiger Mann vom Staat weiter als Muslim betrachtet wird. Sind Frauen mit einem nichtchristlichen Mann verheiratet und wenden sich dem christlichen Glauben zu, riskieren sie Missbrauch und Todesdrohungen, was einige dazu zwingt zu fliehen. Sie sind außerdem Reisebeschränkungen ausgesetzt. Reiseverbote können sowohl von den Behörden als auch von der Familie auferlegt werden, beispielsweise, wenn sie eine Frau, die Christin geworden ist, davon abhalten wollen, das Land zu verlassen. Wird dieses Verbot verletzt, kann die Frau wegen „Reisens ohne Erlaubnis“ vor Gericht verklagt werden. Christinnen muslimischer Herkunft riskieren es außerdem, dass eine Scheidung erzwungen wird. Bei all diesen Angelegenheiten ist die Haltung der Familie bzw. der Familie des Ehemanns entscheidend.

Der Internationale Bericht über religiöse Freiheit des US-Außenministeriums von 2016 notiert: „Jedes Mitglied der Gesellschaft kann eine Beschwerde wegen Apostasie gegen ein solches Individuum (eine vom Islam abgefallene Person) einreichen. In Fällen, die von einem Scharia-Gericht entschieden werden, können Richter die Ehen von Konvertiten annullieren, das Sorgerecht für Kinder auf ein muslimisches Familienmitglied übertragen oder das Kind als Mündel des Staates deklarieren und den Besitz der Person einem muslimischen Familienmitglied zusprechen.“ Werden ein muslimischer Mann und eine nichtmuslimische Frau geschieden, verliert die Frau automatisch das Sorgerecht für ihre Kinder, wenn sie das siebte Lebensjahr erreichen. Dies trifft auf muslimische Frauen nicht zu. Konvertiert eine geschiedene Christin zum Islam, kann sie das Sorgerecht für ihre Kinder wiedererlangen und das Erbe von ihrem Mann erhalten. Dies übt einen großen Druck auf geschiedene christliche Frauen aus, zum Islam zu konvertieren. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass es sehr schwierig für Christinnen muslimischer Herkunft und für Christinnen, deren Mann zum Islam konvertiert ist, eine Familie aufzubauen.

Männer

Diskriminierung am Arbeitsplatz betrifft alle Kategorien von Christen, besonders diejenigen, die im öffentlichen Dienst stehen. In der traditionell geprägten und von Stammesdenken durchzogenen jordanischen Gesellschaft werden Männer als Versorger der Familie betrachtet, was wichtige Auswirkungen auf christliche Familien haben kann.

Unter dem Gesetz der Scharia sind Ehen zwischen muslimischen Frauen und nichtmuslimischen Männern nicht erlaubt. Damit die Ehe legal ist, muss der Mann zum Islam konvertieren. Dies macht eine legale Ehe zwischen einem Mann, der kein Konvertit ist, und einer Christin mit muslimischem Hintergrund unmöglich. Die Scharia-Gesetzgebung bestimmt ebenfalls, dass ein christlicher Mann zum Islam konvertieren muss, wenn seine Frau zum Islam konvertiert ist, damit die Ehe bestehen bleiben kann.

Führt der Druck auf christliche Familien dazu, dass sie das Land verlassen, hat dies negative Auswirkungen auf die zukünftige Leiterschaft der Christen im Land, da Orthodoxe und Katholische Kirchen weniger Männer zur Verfügung haben, die geschult werden und leitende Positionen einnehmen können.

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Die „Economist Intelligence Unit“ erwartet, dass König Abdullah II. noch einige Jahre an der Macht bleibt und „kleinere politische Reformen und Modernisierungen“ fördern wird, jedoch „seine wesentliche Macht nicht abtreten wird. Die Oppositionsaktivitäten werden weitergehen, es werden sich jedoch auch islamistische Parteien stärker in die Politik einschalten.“ Der König möchte die Gesellschaft modernisieren und führt Maßnahmen ein, die religiösen Minderheiten wie Christen helfen sollen. 2017 wiederholte er seinen Wunsch, „die Existenz und Identität von arabischen Christen zu schützen“. Maßnahmen oder Vorschläge, Gleichheit zwischen Muslimen und Christen zu fördern, wie die Anpassung von Schulbüchern, spalten jedoch das Königreich und trafen bereits auf viel Widerstand, insbesondere von konservativen Muslimen wie der Islamischen Aktionsfront (IAF), die den politischen Arm der Muslimbruderschaft in Jordanien darstellt.

Die IAF erlangte trotz einer geringen Wahlbeteiligung und einem Wahlgesetz, dass den Einfluss der Stimmen aus großen Städten, in denen Islamisten und Jordanier mit palästinensischer Herkunft sehr präsent sind, verringert, einen unerwarteten Sieg bei den Kommunalwahlen im August 2017. Solche Wahlsiege können die Triebkraft Islamische Unterdrückung verstärken, indem indirekt der Druck auf Christen und andere, deren Ansichten nicht mit einem extremistischen Islam übereinstimmen, erhöht wird.

Die Triebkraft Ethnisch begründete Anfeindungen scheint sich derzeit nicht stark zu verändern. Laut „Arab Youth Survey“ wird die Jugend Jordaniens stärker von Gleichaltrigen und den Medien beeinflusst als von patriarchischen oder religiösen Autoritäten. Deswegen versucht die Regierung, den Einfluss extremistischer islamischer Gruppierungen zu schwächen und ihnen zuvorzukommen. Sollte diese Verringerung des Kontakts zwischen der Jugend und ihren Familien bzw. religiösen Leitern sich weiter verstärken, könnten Ethnisch begründete Anfeindungen auf lange Sicht geschwächt werden.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Jordanien

  • Bitte beten Sie für die Christen muslimischer Herkunft, die von der Polizei verhört werden und diejenigen, die von ihren Familien missbraucht oder verschleppt wurden. Beten Sie dafür, dass Jesus sie schützt und heilt.
  • Beten Sie, dass die Flüchtlingskrise eine Gelegenheit für viele darstellt, das Evangelium zu hören.
  • Bitte beten Sie für Muslime, dass sie von der Liebe ihrer christlichen Nachbarn überwältigt und zu Christus gezogen werden.

Alle Felder müssen ausgefüllt werden. Die E-Mail wird über Ihr E-Mail-Programm verschickt.

Drucken Herunterladen