Länderprofil Kasachstan

Kasachstan

28
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Kasachstan
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
43
ISO
KZ
Karte Kasachstan
Karte Kasachstan
Christen
4,58
Bevölkerung
18.06
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 12.800
Familienleben: 10.000
Gesellschaftliches Leben: 10.200
Leben im Staat: 12.200
Kirchliches Leben: 13.700
Auftreten von Gewalt: 3.700
Länderprofil Kasachstan

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

63 Punkte / Platz 28 (WVI 2017: 56 Punkte / Platz 43)

Von wem Verfolgung ausgeht

Die beiden primären Verfolger von Christen in Kasachstan sind der Staat und die muslimische Umgebung. Die Verfolgung durch den Staat zeigt sich in Form der Überwachung religiöser Aktivitäten sowie dem Beobachten von Gottesdiensten durch Polizei, Geheimdienste und lokale Behörden. Häufig besuchen sie zu diesem Zweck Gottesdienste. In regelmäßigen Abständen finden in nichtregistrierten Kirchen Razzien durch staatliche Behörden statt. Die allgemein vorherrschende islamische Kultur erschwert insbesondere das Leben von Christen mit muslimischem Hintergrund.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Alle Gemeinschaften von Christen in Kasachstan erleben in unterschiedlicher Form Verfolgung. Mitglieder der Russisch-Orthodoxen Kirche erfahren vonseiten der Regierung die wenigsten Schwierigkeiten, da sie normalerweise nicht versuchen, Kontakt mit der kasachischen Bevölkerung aufzunehmen. Die einheimischen Christen muslimischer Herkunft tragen die Hauptlast der Verfolgung sowohl vonseiten des Staats als auch durch Familie, Freunde und die Gesellschaft.

Die Religionsfreiheit wurde durch Gesetze aus dem September 2011 bereits beschnitten und die Regierung in Kasachstan arbeitet beständig daran, mehr Kontrolle über die gesamte Gesellschaft zu erlangen. Das bedeutet eine Zunahme der Überwachung, Razzien bei Veranstaltungen und Festnahmen von Christen. Die Regierung nutzt die Bedrohung durch den extremistischen Islam als Vorwand, um immer mehr Freiheiten einzuschränken. Es deutet also alles darauf hin, dass sich die Situation der christlichen Minderheit in Kasachstan zunehmend verschlechtert; ihre Zukunft sieht besorgniserregend aus. Der Druck, den das soziale Umfeld auf Christen (insbesondere mit muslimischem Hintergrund) ausübt, wird sich vermutlich nicht verändern.

Beispiele

  • Am 13. September 2016 wurden zwei baptistische Christen aus Taldyqorghan, Mikhail Lozovoi und Nadezhda Pikalina, jeweils zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie im Juni 2016 bei einem Besuch in einem Dorf im Osten Kasachstans unzensierte religiöse Literatur an andere weitergegeben hatten. Sie legten Berufung gegen die Geldstrafen ein, diese wurde allerdings durch das Gericht im Oktober beziehungsweise November 2016 abgelehnt.
  • Während eines Gottesdienstes am Sonntagmorgen des 28. Mai 2017 führte die Polizei eine Razzia in einer Baptistengemeinde in der Stadt Taras im Süden Kasachstans durch. Die Polizei nahm 20 Männer und eine der Frauen mit auf die örtliche Polizeiwache. Hier wurden ihnen Fingerabdrücke abgenommen, sie wurden fotografiert und mit ihren Adressen und anderen persönlichen Daten registriert. Acht der anwesenden Christen wurden ohne Gerichtstermin mit einer Geldbuße belegt.
  • Yklas Kabduakasov, Mitglied der Siebenten-Tags-Adventisten, leistete im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2018 weiterhin eine zweijährige Strafe in einem Arbeitslager ab, zu der er im Dezember 2015 verurteilt worden war. Ursprünglich war er verhaftet worden, weil er mit Studenten, die von der Geheimpolizei rekrutiert worden waren, über seinen Glauben sprach.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 63 Punkten stieg die Punktzahl für Kasachstan im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2017 um sieben Punkte an. Die Situation für Christen hat sich verschlechtert, was hauptsächlich an der großen Anzahl gewaltsamer Vorfälle liegt: Razzien in christlichen Haushalten, das Beschlagnahmen religiösen Materials, Festnahmen und Befragungen. Ebenso hat die körperliche Gewalt merklich zugenommen. Das Land, das in Bezug auf Verfolgung bisher eines der gemäßigteren Länder in der Region war, passt sich in dieser Hinsicht immer stärker an die anderen zentralasiatischen Länder an. Durch die Entscheidung, isolierte Gemeinschaften ausländischer Christen nicht als eine eigene Kategorie in der Auswertung des Weltverfolgungsindex zu führen, ergibt sich eine bessere Darstellung der Situation im Land, allerdings führte auch dies zu einem Anstieg der Punktzahl.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Diktatorische Paranoia

Außerhalb der staatlich geleiteten und vom Regime kontrollierten Institutionen sind keine religiösen Aktivitäten erlaubt. Seit dem Jahr 2015 hat sich der Druck der Behörden verstärkt und während des aktuellen Berichtszeitraums gab es eine Zunahme von Razzien bei Veranstaltungen sowie Befragungen und Festnahmen von Christen. Es ist üblich, dass Mitglieder protestantischer Kirchen als Angehörige einer fremdartigen Sekte betrachtet werden, deren einzige Ziele das Ausspionieren und die Zerstörung des aktuellen politischen Systems sind. Aus dieser Sichtweise müssen diese Christen nicht nur unter Kontrolle gehalten, sondern wenn nötig, sogar ausgemerzt werden.

Islamische Unterdrückung

Wenn muslimische Kasachen sich dem Glauben an Jesus Christus zuwenden, erfahren sie vonseiten ihrer Familie, Freunde und Nachbarschaft starken Druck bis hin zu physischer Gewalt. Damit sollen sie gezwungen werden, zu ihrem früheren Glauben zurückzukehren. Manche Christen werden von ihren Familien für längere Zeit eingesperrt und geschlagen. Es kommt auch vor, dass sie aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Lokale Mullahs wenden sich in ihren Predigten gegen diese Christen und üben so zusätzlichen Druck auf sie aus. Dies alles führt dazu, dass Christen muslimischer Herkunft ihren Glauben möglichst geheim halten.

3. Verfolger

Regierungsbeamte und politische Parteien können unmittelbar mit „Diktatorischer Paranoia“ als Triebkraft der Verfolgung in Verbindung gebracht werden. Sie verursachen die Unterdrückung seitens der Behörden. Die eigene Großfamilie, nichtchristliche religiöse Leiter und gewöhnliche Bürger sind die Verfolger, die mit der Triebkraft „Islamische Unterdrückung“ zusammenhängen. Hiervon sind besonders Christen mit muslimischem Hintergrund betroffen.

4. Hintergrund

Präsident Nasarbajew altert zusehends (er wurde am 6. Juli 1940 geboren) und ist Berichten zufolge gesundheitlich angeschlagen. Bislang ist unklar, wer seine Nachfolge antreten wird. Vermutlich wird der künftige Präsident einen ähnlichen Hintergrund wie Nasarbajew haben, sodass keine große Veränderung zu erwarten ist.

Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt ist die große russische Minderheit im Norden des Landes. Laut der Volkszählung aus dem Jahr 2009 sind 23,7 Prozent der Gesamtbevölkerung Kasachstans russischer Herkunft. Diese Tatsache bereitet dem Regime angesichts der machtbewussten Politik der russischen Regierung unter Präsident Putin ebenfalls einige Kopfschmerzen. Die Geschehnisse auf der Krim und in der Ostukraine zeigen, dass die Sorgen Kasachstans nicht unbegründet sind.

Eine wachsende Gruppe islamischer Extremisten, die im Oktober 2011 kleinere Bombenanschläge verübt hat, verstärkt die Sorgen des Landes zusätzlich. Behördenangaben zufolge kämpfen bereits 300 kasachische Dschihadisten an der Seite des „Islamischen Staates“ (IS) in Syrien und dem Irak. Inoffizielle Quellen sprechen von deutlich höheren Zahlen. Das Regime nutzt diese Informationen und übertreibt die Gefahren sogar, um die zunehmende Kontrolle der Gesellschaft und weitere Einschränkungen von Freiheiten rechtfertigen zu können.

Christen sind nicht die einzige religiöse Gruppe, die Verfolgung durch den Staat erfährt. Da alle religiösen Aktivitäten beobachtet werden, erleben Muslime, Juden und Zeugen Jehovas ähnlich starken Druck wie Christen.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Ausländische Christen oder Arbeitsmigranten

Ausländische Christen in Kasachstan versammeln sich eher in isolierten Gruppen und werden daher im Weltverfolgungsindex nicht als eigene Kategorie gewertet.

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gruppen, von denen die Russisch-Orthodoxe Kirche mit Abstand die größte darstellt, geben das Evangelium nicht unter Kasachen weiter. Da das kasachische Regime sie nicht als Gefahr einstuft, können sie weitgehend ungestört agieren. Darüber hinaus hat die Regierung Kasachstans kein Interesse daran, Russland zu provozieren, indem sie gegen die Russisch-Orthodoxe Kirche vorgeht. Die Vorkommnisse im Osten der Ukraine dienen als warnendes Beispiel.

Christen muslimischer Herkunft

Christen mit muslimischem Hintergrund tragen die Hauptlast der Verfolgung in Kasachstan. Abgesehen von Beeinträchtigungen seitens des Staates, werden sie auch von Familie, Freunden und Gesellschaft unter starken Druck gesetzt, was für sie bei weitem das Schlimmere ist.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Besonders Mitglieder protestantischer Freikirchen (beispielsweise Baptisten, evangelikale Christen und Pfingstgemeinden) erleben eine stärker werdende Verfolgung. Unter ihnen betrifft es vor allem die nichtregistrierten Gruppen, die aktiv das Evangelium verbreiten. Alle Christen dieser Kategorie leiden unter Razzien, Drohungen, Inhaftierungen und Geldstrafen durch die Behörden.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 12.800
Familienleben: 10.000
Gesellschaftliches Leben: 10.200
Leben im Staat: 12.200
Kirchliches Leben: 13.700
Auftreten von Gewalt: 3.700

Grafik: Verfolgungsmuster Kasachstan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Die durchschnittliche Wertung, die den Druck auf Christen in Kasachstan verdeutlicht, ist im Vergleich zum Vorjahr von 11,0 Punkten auf 11,8 Punkte angestiegen.
  • Wie das Diagramm veranschaulicht, ist die Verfolgung im Bereich „Kirchliches Leben“ mit 13,7 Punkten am stärksten. Es folgt der Bereich „Privatleben“ (besonders für Christen mit muslimischem Hintergrund) mit 12,8 Punkten. Dies steht in direkter Verbindung mit den zwei Haupttriebkräften der Verfolgung, die in Kasachstan vorherrschen: Islamische Unterdrückung und Diktatorische Paranoia.
  • Die Punktzahl für das Auftreten von Gewalt ist im Vergleich zur Wertung des Weltverfolgungsindex 2017 (1,3 Punkte) auf 3,7 Punkte angestiegen. Es gab unter anderem mehrere Berichte über körperliche Gewalt, Razzien in christlichen Haushalten und Festnahmen.

Privatleben

Die Hinwendung von Menschen zum christlichen Glauben löst oft heftige Reaktionen aus. Christen mit muslimischem Hintergrund vermeiden es, ihren Glauben oder christliche Symbole öffentlich zu zeigen, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Der Staat ist außerordentlich empfindlich, was die Ausbreitung „nichttraditioneller“ Religionen ohne staatliche Anerkennung angeht. Protestantische Christen sind das Hauptziel der staatlichen Überwachung und Überprüfung. Razzien gegen Organisationen und Personen aus dem protestantischen Bereich, bei denen die Behörden christliche Materialien und Bücher beschlagnahmen und den Eigentümern Geldstrafen auferlegen, sind nicht unüblich. Wenn Christen muslimischer Herkunft in ihrem Verwandtenkreis oder sozialen Umfeld Glaubensthemen ansprechen, entstehen dadurch fast immer Konflikte. Da sie von der Gemeinschaft genau beobachtet werden, ist es für Christen muslimischer Herkunft schwierig, sich mit anderen Christen zu treffen. Sie laufen Gefahr, von ihrer Familie eingesperrt zu werden. Damit sollen sie dazu gezwungen werden, ihren neuen Glauben zu widerrufen. Der kasachische Geheimdienst (KNB) überwacht alle Christen, die nicht dem russisch-orthodoxen Glauben angehören.

Familienleben

Ein äußerst wichtiger Schritt für kasachische Christen muslimischer Herkunft ist die Taufe, die sehr häufig zu Konflikten mit muslimischen Verwandten führt. Islamische Friedhöfe erlauben zwar die Beerdigung von Christen, allerdings nur unter der Bedingung, dass die Bestattung nach islamischen Riten abgehalten wird. Die Religionsfreiheit im Land wird immer weiter eingeschränkt und die Überwachung durch Sicherheitskräfte nimmt immer stärker zu. Für protestantische Christen wurde die Situation besonders durch ein Gesetz aus dem Jahr 2011 erschwert, das Aktivitäten von staatlich nicht anerkannten religiösen Gruppen verbietet. Kinder protestantischer Christen werden aufgrund des christlichen Glaubens der Eltern oftmals belästigt oder diskriminiert. Schulen und andere Bildungsinstitutionen verwenden staatliche Gelder für die Organisation von Propagandaveranstaltungen zur Bekämpfung von „Sekten“, was evangelikale Gemeinden einschließt. Angeblich ist die Teilnahme an diesen Veranstaltungen freiwillig, allerdings wird jeder Bürger nachdrücklich zur Teilnahme aufgefordert. Wenn Christen mit muslimischem Hintergrund sich weigern, ihren neuen Glauben zu widerrufen, kann es passieren, dass die Familien versuchen, eine Scheidung zu erzwingen oder ihnen das Sorgerecht für die Kinder zu entziehen. Es gab Gerichtsverfahren, bei denen christlichen Konvertiten das Erbrecht entzogen wurde.

Gesellschaftliches Leben

In ländlichen Gegenden überwacht die örtliche Gemeinschaft bekannte Christen muslimischer Herkunft; in lokalen Institutionen werden nur Muslime akzeptiert. Damit sie zum „Glauben ihrer Väter“ zurückkehren, wird zeitweise immenser Druck auf Christen mit muslimischem Hintergrund ausgeübt. Es kommt vor, dass christliche Kinder und Jugendliche in der Schule Beleidigungen und Propaganda ausgesetzt sind; bislang wurde jedoch niemand allein aufgrund seines christlichen Glaubens von einer Schule verwiesen. Während es bei einfachen Schulabschlüssen im Allgemeinen keine Probleme gibt, kann es für aktive Christen schwierig sein, Zugang zu beruflicher Bildung oder höheren Bildungswegen zu erlangen. Auch unter staatlichen Angestellten werden Christen verstärkt diskriminiert, was vor allem einheimische Kasachen betrifft. So kann es beispielsweise passieren, dass Lehrern gekündigt wird, wenn sie eine protestantische Kirche besuchen. Solche Vorfälle sind bei Exekutivorganen an der Tagesordnung. Im Januar 2015 wurden Änderungen des Strafgesetzbuchs wirksam. Durch diese Änderungen wurden neue Bußgelder und Strafen eingeführt, die unter anderem Strafen bis zu sechs Jahren Gefängnis beinhalten. Gruppen, welche nichtsatzungsgemäße Aktivitäten durchführen, müssen mit derartigen Strafen rechnen. Davon sind auch christliche Versammlungen betroffen.

Leben im Staat

Die Regierung macht durch ihre Praxis deutlich, dass sie den Islam für die kasachische Bevölkerung und den orthodoxen Glauben für die Slawen als richtig betrachtet und alle anderen Glaubensrichtungen für überflüssig hält. Obwohl die Religionsfreiheit durch die Verfassung geschützt ist, wird dieser Schutz faktisch nur den Religionen beziehungsweise Gruppen gewährt, die durch das Gesetz von 2011 als „traditionell“ anerkannt werden. Zu diesen Gruppen gehören Sunniten der hanafitischen Schule, die Russisch-Orthodoxe Kirche, die Römisch-Katholische Kirche, Lutheraner und Juden. Protestantische Freikirchen gehören nicht dazu und laufen Gefahr, verfolgt zu werden, wenn sie öffentliche Aktivitäten im Zusammenhang mit ihrem Glauben durchführen. Durch das Gesetz von 2011 ist es kleineren religiösen Gruppen zudem deutlich erschwert worden, sich registrieren zu lassen. Die kasachischen Medien sind Christen gegenüber generell negativ eingestellt. Es gab einige Veröffentlichungen, die speziell gegen protestantische Freikirchen und Christen muslimischer Herkunft gerichtet waren. Protestantischen Christen wurde vorgeworfen, sie seien keine Kasachen und ihr Glaube sei sowohl anti-islamisch als auch anti-christlich. Infolgedessen beschuldigten Vertreter der religiösen und ethnischen Gemeinschaften, denen die christlichen Konvertiten früher angehört hatten, ihre ehemaligen Weggefährten der Blasphemie.

Kirchliches Leben

Zur Registrierung einer religiösen Vereinigung sind fünfzig Mitglieder mit kasachischer Staatsangehörigkeit erforderlich. Nichtregistrierte Kirchen sind streng verboten. Zusätzlich gibt es spezielle Anforderungen für kirchliche Gebäude und das Land, auf dem sie gebaut werden. In der Vergangenheit wurden die Gottesdienste oder Versammlungen von Christen protestantischer Freikirchen häufig gestört und sie mussten Bußgelder zahlen, da ihre Gotteshäuser nicht offiziell vom Staat anerkannt waren. Gerichte interpretieren alle Arten von religiösen Tätigkeiten als illegale Missionstätigkeit, sobald sie außerhalb eines registrierten kirchlichen Gebäudes stattfinden. Das Gesetz verlangt von registrierten Kirchen, das Einverständnis beider Elternteile von Kindern unter 18 Jahren vorzulegen, damit diese an kirchlichen Veranstaltungen teilnehmen dürfen. Das Drucken, Importieren, Verteilen und Verkaufen aller religiösen Materialien bedarf einer Erlaubnis des Staatlichen Religionsausschusses. Eine solche Erlaubnis können nur registrierte Kirchen beantragen. Nach dem Gesetz dürfen Organisationen, Einrichtungen oder Schulen nicht auf religiöser Grundlage agieren. Religiösen Gruppen ist es generell untersagt, gemeinnützige, humanitäre, medizinische, soziale oder kulturelle Einrichtungen beziehungsweise Vereine zu gründen.

Auftreten von Gewalt

Während des aktuellen Berichtszeitraums gab es keine Berichte über getötete Christen. Zwei Hauskirchen wurden beschädigt. Vierzig Christen wurden festgenommen, vier Christen wurden verurteilt – drei Christen zu einer kurzzeitigen Gefängnisstrafe. Pastor Bakhytzhan Kashkumbayev wurde bereits am 18. Februar 2014 zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt. In zwei Fällen wurde von körperlicher Belästigung von Christen berichtet und in 22 Fällen wurde Eigentum von Christen beschädigt. Acht Betriebe von Christen wurden angegriffen. Ein Christ musste untertauchen und ein Christ aus Indien wurde abgeschoben.

Weitere Beispiele:

  • Während eines Gottesdienstes am Sonntagmorgen des 28. Mai 2017 führte die Polizei eine Razzia in einer Baptistengemeinde in der Stadt Taras im Süden Kasachstans durch. Die Polizei nahm 20 Männer und eine der Frauen mit auf die örtliche Polizeiwache. Hier wurden ihnen Fingerabdrücke abgenommen, sie wurden fotografiert und mit ihren Adressen und anderen persönlichen Daten registriert. Acht der anwesenden Christen wurden ohne Gerichtstermin mit einer Geldbuße belegt.
  • Yklas Kabduakasov, Mitglied der Siebenten-Tags-Adventisten, leistete im Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex 2018 weiterhin eine zweijährige Strafe in einem Arbeitslager ab, zu der er im Dezember 2015 verurteilt worden war. Ursprünglich war er verhaftet worden, weil er mit Studenten, die von der Geheimpolizei rekrutiert worden waren, über seinen Glauben sprach.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

In Kasachstan ist die islamische Kultur Basis für das alltägliche Leben der einheimischen Bevölkerung und diese weist Frauen im Vergleich zu Männern eine untergeordnete Position zu. Von Frauen wird die totale Unterordnung erwartet, entweder gegenüber ihren Eltern oder, wenn sie verheiratet sind, gegenüber ihren Männern. Das macht sie angreifbarer für Verfolgung – sowohl als Christen, aber auch als Frauen, die die bestehende Ordnung in Frage stellen. Muslimische Frauen, die den christlichen Glauben annehmen, stehen in einem größeren Risiko, körperliche und verbale Übergriffe sowie Belästigungen, Drohungen, Hausarrest, Diskriminierung und Ablehnung durch die Familie oder das muslimische Umfeld zu erfahren, als andere weibliche Christen. Bei anderen Christen gibt es in der Verfolgung keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern.

Männer

In Kasachstan sind normalerweise Männer die Leiter von Kirchen; ebenso sind sie in den meisten Fällen das Familienoberhaupt und Hauptverdiener für die Familienmitglieder. Wenn ein christlicher Mann von Verfolgung betroffen ist und zum Beispiel eine Geldstrafe erhält oder inhaftiert wird, leidet darunter seine ganze Familie. Auch der Verlust des Arbeitsplatzes und damit des Einkommens betrifft immer die gesamte Familie. Wenn ein christlicher Mann Leiter einer Kirche ist, hat seine Verfolgung ebenfalls Auswirkungen auf die Kirche und verursacht Angst. Der verpflichtende Militärdienst für junge Männer bedeutet ein besonders hohes Risiko für Verfolgung. Das Risiko für körperliche und verbale Übergriffe sowie Belästigungen, Drohungen, Diskriminierung und Ablehnung durch die Familie und das muslimische Umfeld ist für christliche Jungen und Männer mit muslimischem Hintergrund höher als für andere männliche Christen.

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Die Religionsfreiheit wird bereits durch Gesetze aus dem Jahr 2015 beschnitten und das Regime in Kasachstan arbeitet beständig daran, mehr Kontrolle über die gesamte Gesellschaft zu erlangen. Dies führt zu einer stärkeren Überwachung, Razzien bei Veranstaltungen und Festnahmen von Christen. Die Regierung nutzt die Bedrohung durch den extremistischen Islam als Vorwand, um immer weitere Freiheiten einzuschränken. Es deutet also alles darauf hin, dass sich die Situation der christlichen Minderheit in Kasachstan zunehmend verschlechtert; ihre Zukunft sieht besorgniserregend aus. Der Druck, den das soziale Umfeld auf Christen (insbesondere mit muslimischem Hintergrund) ausübt, wird sich vermutlich nicht verändern.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Kasachstan

  • Beten Sie für diejenigen, die geschlagen und inhaftiert wurden, weil sie den Islam verlassen haben und nun Jesus Christus nachfolgen.
  • Beten Sie für die Behörden, die den christlichen Glauben unterdrücken oder auslöschen wollen.
  • Bitte beten Sie, dass die christlichen Leiter, die unter Überwachung stehen, in Christus Frieden und Ruhe erfahren können.

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