Länderprofil Katar

Katar

27
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Katar
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Absolute Monarchie
Platz Vorjahr
20
ISO
QA
Karte Katar
Karte Katar
Christen
0,21
Bevölkerung
2.34
Islamische Unterdrückung
Ethnisch begründete Anfeindungen
Diktatorische paranoia
Privatleben: 13.400
Familienleben: 12.900
Gesellschaftliches Leben: 11.700
Leben im Staat: 11.300
Kirchliches Leben: 14.100
Auftreten von Gewalt: 0.000
Länderprofil Katar

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

63 Punkte / Platz 27 (WVI 2017: 66 Punkte / Platz 20)

Von wem Verfolgung ausgeht

Christen erfahren Verfolgung auf allen gesellschaftlichen Ebenen: Die Regierung, die Kommune und selbst die eigene Familie können gefährlich für Christen sein, insbesondere für Christen mit muslimischem Hintergrund. Keine andere Religion wird neben dem Islam akzeptiert, und die Gesetze der Scharia schreiben viele Regeln für das persönliche, familiäre und gesellschaftliche Leben vor. Die Gesellschaft Katars ist konservativen islamischen Werten verpflichtet, die von gewöhnlichen Bürgern und der Regierung durchgesetzt werden. Die Staatsreligion ist der strikt konservative wahhabitische Islam.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Es gibt zwei Gruppen von Christen in Katar, die streng voneinander getrennt sind. Die größere Gruppe stellen die Gemeinschaften ausländischer christlicher Gastarbeiter dar. Die Regierung erlaubt ihnen in der Öffentlichkeit nur an bestimmten Plätzen, die sich außerhalb der Hauptstadt Doha befinden, Gottesdienst zu feiern. Muslimen das Evangelium zu verkünden, ist streng verboten und kann zu Strafverfolgung und Ausweisung aus dem Land führen. Viele dieser Gastarbeiter müssen unter ärmlichen Bedingungen leben und arbeiten, ihr christlicher Glaube lässt sie noch verletzlicher werden. Trotz der Lebensbedingungen wachsen diese christlichen Gemeinschaften.

Die andere Gruppe besteht aus Christen mit muslimischem Hintergrund. Diese Konvertiten müssen die Hauptlast der Verfolgung tragen, egal, ob sie Einheimische oder nach Katar eingewandert sind. Die meisten einheimischen Christen haben den Glauben an Jesus im Ausland angenommen. Sie sind sowohl Druck von Familienmitgliedern als auch von ihrer Gemeinschaft ausgesetzt, ihren Glauben zu widerrufen. Konvertiten mit Migrationshintergrund sind ebenfalls hohem Druck ausgesetzt und werden von ihrem sozialen Umfeld in den Unterkünften für Gastarbeiter kontrolliert. Auch ihre Arbeitgeber können als Verfolger auftreten. Sowohl einheimische als auch ausländische Christen muslimischer Herkunft riskieren Diskriminierung, Belästigung, polizeiliche Überwachung und alle Arten von Einschüchterung durch gewalttätige Gruppen. Ein Religionswechsel vom Islam weg wird zudem nicht offiziell anerkannt und führt sehr wahrscheinlich zu rechtlichen Problemen in Belangen des persönlichen Status und Besitzes. Dennoch gibt es sehr selten Berichte von Christen, die wegen ihres Glaubens verhaftet, verletzt oder getötet wurden.

Beispiele

World Watch Monitor berichtete im Februar 2017 über die harten Bedingungen für christliche Gastarbeiter in Katar. 2022 findet die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar statt. Das Land scheint fest entschlossen zu sein, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Es möchte wie ein modernes, glamouröses, erfolgreiches Land aussehen, das jeden willkommen heißt, der sein Geld ausgeben und eine gute Zeit haben will. Dies kann jedoch nicht die andere Seite Katars verbergen – ein zutiefst intolerantes Land für alle Nicht-Muslime, das tief in extrem reiche Katarer und Hunderttausende, oft ausgebeutete Arbeitskräfte, die größtenteils aus Asien stammen, gespalten ist.

Beiträge zu Katar

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Die Gesamtwertung für Katar ist mit 63 Punkten drei Punkte niedriger als auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2017. Trotz dieses Rückgangs bleiben die Christen in Katar, insbesondere Christen mit muslimischem Hintergrund, unter sehr hohem Druck durch Regierung und Gesellschaft. Auch eine Verfeinerung bei der Bewertung der Situation von Christen muslimischer Herkunft führte zu diesem Rückgang. Es wurden zudem weniger Fälle von „Auftreten von Gewalt“ im Berichtszeitraum gemeldet.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Die Staatsreligion Katars ist ein streng wahhabitischer Islam. Während Muslime die Freiheit haben, ihren Glauben öffentlich auszuleben, müssen nichtmuslimische Gruppen wie Christen ihren Glauben in Privathäusern oder dafür ausgewiesenen Örtlichkeiten ausüben. Missionierung ist gesetzlich verboten und wird mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet. Kritik am Islam wird bestraft. Die Abwendung vom Islam zu einer anderen Religion wird als Abfall vom Islam verstanden, was verboten und gesellschaftlich nicht akzeptabel ist. Das Familienrecht wird durch die Scharia, die islamische Gesetzgebung, bestimmt. Nahezu alle Staatsbürger Katars sind per Definition entweder sunnitische oder schiitische Muslime.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Charakteristisch für diese Triebkraft sind Bemühungen, die prägende Kraft traditioneller Werte und Normen zu erhalten, die in einer Stammeskultur entstanden sind, und diese dann Christen aufzuzwingen. In Katar sind „Ethnisch begründete Anfeindungen“ sehr stark mit dem Islam verflochten. Dies betrifft besonders Christen mit muslimischem Hintergrund.

Diktatorische Paranoia

Katar ist eine absolute Monarchie und wird von einem Emir regiert, der ein Nachkomme der katarischen Königsfamilie ist. Die Regierung schuf einen Wohlfahrtsstaat mit vielen finanziellen Vorteilen für katarische Staatsbürger. Die Regierung erwartet im Gegenzug Gehorsam und lässt keinen Widerspruch zu. Außerdem versucht die Regierung wegen der geringen Zahl von Staatsangehörigen im Vergleich zu einer sehr hohen Zahl von ausländischen Gastarbeitern, das Land islamisch zu halten. Obwohl es ausländischen Christen relativ freisteht, ihren Glauben auszuleben, überwacht die Regierung alle Aktivitäten. Das Land ist gut überwacht; die vielen Gastarbeiter müssen sich vorsichtig verhalten, da sie leicht aus dem Land verwiesen werden können.

3. Verfolger

Islamische Unterdrückung

Die konservative islamische Gesellschaft ist die größte Gefahr für Christen in Katar. Arbeitnehmer sind an ihre Arbeitgeber gebunden und daher wehrlos gegenüber den Forderungen ihrer Chefs. Diese können ausländische Christen leicht diskriminieren, demütigen oder missbrauchen, insbesondere die armen und nicht gut ausgebildeten Arbeiter aus Südostasien und Nordafrika. Christliche Gastarbeiter sind außerdem Diskriminierungen und Misshandlungen von muslimischen Gastarbeitern ausgesetzt.

Als Muslim den christlichen Glauben anzunehmen, ist in Katar gesellschaftlich nicht akzeptabel. Die Regierung geht gegen jeden Christen vor, der versucht, das Evangelium mit Muslimen zu teilen, da Missionierung illegal ist und strafrechtlich verfolgt werden kann. Es wurden keine Christen offiziell wegen Missionierung belangt, einige wurden in den vergangenen Jahren jedoch ohne Prozess aus dem Land ausgewiesen.

Katar ist bekannt dafür, den Wahhabismus ausbreiten zu wollen, der eine ultrakonservative Form des Islam darstellt. Auch wenn das Land versucht, offen und modern zu wirken, hat diese strikte Interpretation des Islam Katar fest im Griff. Dies zeigt sich daran, dass sowohl Gesellschaft als auch Regierung die Lehren des Wahhabismus in der Öffentlichkeit durchsetzen, indem beispielsweise Kleiderordnungen festgelegt werden, der Konsum von Alkohol nahezu verboten ist, die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird (Verbot der Kritik am Islam), und andere Religionsgemeinschaften dazu gezwungen werden, ihren Glauben nur privat zu leben.

Dazu kommen konservative islamische Geistliche wie Yusuf al-Qaradawi, der Millionen von Zuschauern über den in Katar ansässigen Nachrichtensender Al Jazeera hat. Auch wenn er nicht den Wahhabismus vertritt, wird er als wichtige intellektuelle Stimme der Muslimbruderschaft angesehen und hat es klar ausgedrückt, dass Apostasie (der Abfall vom Islam) seiner Meinung nach mit dem Tod bestraft werden sollte.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Da „Ethnisch begründete Anfeindungen“ deutlich mit „Islamischer Unterdrückung“ vermischt sind, ist es schwer, hier bestimmte Verfolger zu identifizieren. Die Familienehre ist jedoch ein uraltes Konzept, und die Beschmutzung derselben durch den Übertritt vom Islam zum christlichen Glauben ist in der katarischen Gesellschaft nicht akzeptabel. Christliche Konvertiten riskieren es, von ihren Familien ausgestoßen oder sogar getötet zu werden.

Diktatorische Paranoia

Die Regierung Katars erlaubt keine Kritik, besonders nicht von (ausländischen) Christen. Das Land ist gut überwacht, und Sicherheitskräfte kontrollieren alle Aktivitäten in Katar. Gastarbeiter, die sich negativ gegenüber der Regierung äußern, werden sehr wahrscheinlich abgeschoben.

4. Hintergrund

Seit der Erklärung der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1971 hat Katar massive ökonomische, gesellschaftliche und politische Änderungen durchlaufen. Einst eine arme Fischernation, hat sich Katar durch die Ausbeutung der ergiebigen Öl- und Gasfelder zu einem wohlhabenden und modernen Land entwickelt.

Bis Juni 2017 schien Katar eine stabile Nation zu sein, die freundschaftliche Beziehungen zu den USA und Saudi-Arabien, aber auch dem Iran, der Hamas und der Hisbollah unterhielt. Abgesehen von einigen Protesten im Internet sorgte der Arabische Frühling für keine Unruhen in Katar, trotz der aktiven Rolle, die das Land in den Bewegungen des Arabischen Frühlings in anderen Ländern einnahm. Dies änderte sich plötzlich als einige Golfstaaten und Ägypten, angeführt von Saudi-Arabien, am 5. bzw. 6. Juni 2017 alle diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit Katar abbrachen. Seitdem sind alle Land- und Seegrenzen zwischen Katar und Saudi-Arabien, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten geschlossen. Die offizielle Begründung für den Boykott Katars ist die angebliche Unterstützung von terroristischen Gruppen durch das Land.

Die konservativen und mehrheitlich wahhabitischen Katarer stehen der Demokratie nicht positiv gegenüber. Sie nehmen sie als westliches Konzept wahr, das zu schwierigen Situationen führt, wie in mehreren demokratisierten arabischen Ländern zu beobachten war. Ungewöhnlich für die Region ist, dass keine soziale oder wirtschaftliche Unzufriedenheit zum Ausdruck kommt, da der Staat seinen Reichtum großzügig verteilt. Diese materialistische Sättigung führt zu politischer Apathie.

Die große Anzahl ausländischer Arbeitskräfte spielt eine große Rolle in Katar. Sie machen mehr als 80 Prozent der Einwohner des Landes aus, was die weltweit höchste Rate von Zuwanderern im Verhältnis zu Einheimischen darstellt. Die in Katar lebenden Ausländer werden von Katarern im Allgemeinen als Sklaven betrachtet und behandelt, insbesondere diejenigen aus Afrika und Asien. Die Arbeitsbedingungen für die Arbeitsmigranten sind mitunter unmenschlich und gefährlich; viele von ihnen werden unterbezahlt, leben in unzureichenden Behausungen (u.a. in unhygienischen und überfüllten Lagern für Arbeiter) und sind häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch ausgesetzt. Einige Arbeiter sind bereits an ihrem Arbeitsplatz ums Leben gekommen. Zwangsarbeit und Menschenhandel sind bedeutende Probleme.

Laut dem Internationalen Bericht zur Religionsfreiheit in Katar von 2016 sind nur sunnitische und schiitische Muslime sowie sechs christliche Denominationen offiziell als religiöse Gruppen anerkannt. Andere Gruppen wie Hindus, Buddhisten, Anhänger der Bahai-Religion und andere christliche Denominationen durften ihren Glauben zwar im privaten Rahmen ausleben, hatten jedoch keinen Ort, um sich mit anderen Glaubensgeschwistern zu treffen.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Zwei der vier im Weltverfolgungsindex untersuchten Kategorien von Christen existieren in Katar:

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Die Intensität der Verfolgung ist innerhalb dieser Kategorie unterschiedlich. So haben ungebildete Arbeitsmigranten aus Entwicklungsländern (z.B. Bauarbeiter) einen niedrigeren sozialen Status und werden meist schlechter behandelt als Ausländer aus dem Westen, die als Facharbeiter beschäftigt sind. Daher werden Migranten aus Asien und Afrika ungeachtet ihrer Religion generell schlecht behandelt. Ist ein Arbeitsmigrant Christ, muss er mitunter zusätzliche Diskriminierungen erdulden. Dazu gehört massiver Druck, zum Islam zu konvertieren. Nichtmuslimische Migranten dürfen ihren Glauben nicht öffentlich ausüben. Viele von ihnen haben keine Möglichkeit, einen Gottesdienst in dem speziellen Komplex zu besuchen, der von der Regierung in der Wüste außerhalb der Hauptstadt Doha zur Verfügung gestellt wurde. Die christliche Gemeinschaft der Arbeitsmigranten wächst, da viele Arbeiter während ihres Aufenthalts den christlichen Glauben annehmen. Am Kirchenstandort herrschen bereits Verkehrsstaus und Parkplatznot. Viele Christen gehen davon aus, dass der Komplex bald zu klein sein wird, um alle Christen in Katar aufnehmen zu können, die sich zu den Gottesdiensten versammeln. Eine positive Entwicklung 2015 war die Vergabe von Grundstücken an die kürzlich registrierten Kirchen der libanesischen Maroniten und die philippinische evangelikale Gemeinschaft, damit Kirchen gebaut werden können. Der Bau muss innerhalb von drei Jahren abgeschlossen sein.

Christen muslimischer Herkunft

Christen mit muslimischem Hintergrund werden in Katar stark verfolgt. Sie gelten als vom Islam Abgefallene, sind Diskriminierungen und Belästigungen vonseiten der Gesellschaft ausgesetzt und riskieren sogar, für ihren Glauben von ihrer Familie getötet zu werden. Apostasie ist zudem ein Verbrechen und kann mit der Todesstrafe belegt werden. Seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1971 wurden allerdings keine Exekutionen oder andere offizielle Strafen für die Abkehr vom islamischen Glauben registriert. Fast alle Katarer, die sich für den christlichen Glauben entschieden haben, sind im Ausland zu diesem Glauben gekommen. Die meisten kehren aus Furcht nicht in ihr Land zurück. Der Großteil der Christen mit muslimischem Hintergrund sind Arbeitsmigranten. Der Druck auf beide Gruppen (einheimische und ausländische Christen muslimischer Herkunft) ist sehr hoch. Einheimische stehen stark unter der Kontrolle ihrer Familien. Sie sind sowohl von Familienmitgliedern als auch von ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu widerrufen. Ausländische Arbeiter muslimischer Herkunft erleben Druck von ihrem Umfeld in den Camps, in denen die Arbeiter leben. Auch ihre muslimischen Arbeitgeber können als Verfolger auftreten.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 13.400
Familienleben: 12.900
Gesellschaftliches Leben: 11.700
Leben im Staat: 11.300
Kirchliches Leben: 14.100
Auftreten von Gewalt: 0.000

Grafik: Verfolgungsmuster Katar

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Die durchschnittliche Wertung für den Druck auf Christen ist weiterhin sehr hoch, auch wenn sie im aktuellen Berichtszeitraum von 13,2 auf 12,7 Punkte leicht gesunken ist.
  • Die Wertung im Bereich „Kirchliches Leben“ ist extrem hoch, was unterstreicht, dass die Kirche in Katar als religiöse Gruppe keine öffentliche Rolle spielen darf. Die sehr hohen Wertungen in den Bereichen „Privatleben“ und „Familienleben“ reflektieren die Situation von Christen muslimischer Herkunft.
  • Der Wert für „Auftreten von Gewalt“ ist von 0,4 Punkten im WVI 2017 auf 0,0 Punkte im aktuellen Berichtszeitraum gesunken. Im vergangenen Berichtszeitraum wurde berichtet, dass einige Visa von Christen nicht verlängert wurden. Auch wenn dies im aktuellen Berichtszeitraum sehr wahrscheinlich ebenfalls passiert ist, gab es keine dementsprechenden Meldungen an Open Doors. Die sehr geringe Wertung für Gewalt zeigt zwei Dinge: Zunächst ist der starke Druck auf Christen auf eine Weise institutionalisiert, dass die katarische Regierung keinen Grund hat, gewalttätig gegen sie vorzugehen. Zum Zweiten verhindern die hohe Kontrolle vonseiten der Gesellschaft und Regierung, dass gewalttätige Akte der Verfolgung öffentlich werden.
  • Die Verfolgungssituation in Katar wird durch eine puristische Form des Islam und eine starke Kontrolle der Gesellschaft bestimmt.

Privatleben

Christen muslimischer Herkunft – egal ob einheimisch oder eingewandert – können ihren Glauben nicht öffentlich ausleben. Jeder Hinweis auf ihre Hinwendung zum christlichen Glauben kann schwerwiegende Konsequenzen für sie haben. Ausländische Christen aus dem Westen haben mehr Freiheiten, ihren Glauben privat auszuleben, solange sie das Evangelium nicht an Muslime weitergeben. Arbeitsmigranten müssen ihren Glauben mit Vorsicht leben. Die Freiheit im Bereich „Privatleben“ hängt für sie von der Einstellung und Religion ihrer Arbeitskollegen ab, mit denen sie zusammen in den gleichen Unterkünften leben und in denen es häufig so gut wie keine Privatsphäre gibt. Im Fall von Hausangestellten, die zumeist Frauen sind, kommt es zudem auf die Einstellung ihres Arbeitgebers an.

Familienleben

Alle Katarer gelten als Muslime. Für eine muslimische Familie ist es eine große Schande, wenn eines ihrer Mitglieder den Islam verlässt. Christen muslimischer Herkunft stehen in erheblicher Gefahr, zur Wiederherstellung der Familienehre ermordet zu werden. Wenn ihre Familien oder ihr gesellschaftliches Umfeld ihren Glauben entdecken, drohen ihnen körperliche Gewalt oder die Verbannung. Daher bleiben viele Christen muslimischer Herkunft aus Angst vor Gerüchten oder Verrat anonym. Für ausländische Christen ist es schwierig, in einem zum Großteil islamisch geprägten Umfeld in Übereinstimmung mit ihrem Glauben zu leben und ihre Kinder aufzuziehen.

Gesellschaftliches Leben

Alle Christen stehen durch alle möglichen Diskriminierungen mehr oder minder unter Druck, ihrem Glauben abzuschwören. Christliche Arbeitsmigranten können an ihrem Arbeitsplatz schikaniert und diskriminiert werden; Christen muslimischer Herkunft werden es in jedem Fall, wenn ihr Glaube bekannt wird. Diskriminierung vonseiten der Behörden betrifft alle Christen. Christlichen Eltern ist es erlaubt, ihre Kinder zu Hause ihrem Glauben entsprechend zu erziehen, aber sowohl in öffentlichen als auch privaten Schulen ist nichtmuslimischer religiöser Unterricht verboten.

Leben im Staat

Das Rechtssystem basiert auf der Scharia, und die Hinwendung zu einer anderen Religion als dem Islam ist illegal. Nichtmuslime stehen bei Fällen, in denen es um das Sorgerecht geht, unter dem Recht der Scharia. Andere Fälle, die den persönlichen Status betreffen, wie Scheidungen und Erbfälle, werden jedoch unter dem Zivilrecht behandelt. Muslime haben mehr Rechte als Anhänger anderer Religionen. Besonders Christen muslimischer Herkunft erleben starken Druck vonseiten der Behörden, wenn ihr christlicher Glaube bekannt wird. Ertappen die Behörden Arbeitsmigranten und ausländische Christen dabei, wie sie das Evangelium mit Muslimen teilen, kann dies zu ihrer Verhaftung und Ausweisung führen.

Die Regierung hat ein Zentrum für interreligiösen Dialog finanziert, das aktiv religiöse Toleranz fördert. Diese politische Einrichtung scheint jedoch keinen wirklichen Unterschied für Christen in Katar zu machen. Während des Ramadan betont die Regierung die Wichtigkeit des Fastens und anderer religiöser Pflichten, die auch für Nichtmuslime gelten sollen. Jeder, der dabei gesehen wird, wie er während der Tageszeit isst oder trinkt, kann verhaftet werden.

Kirchliches Leben

Ausländische Christen können sich nur privat oder an dafür ausgewiesenen Orten versammeln. Äußere Zeichen des Glaubens, wie Kreuze an Kirchengebäuden, sind verboten. Es gibt in Katar sechs registrierte und viele nicht registrierte Gemeinden, die die große Gruppe der Arbeitsmigranten betreuen. Christen mit muslimischem Hintergrund dürfen ihre Gottesdienste nicht besuchen. Die offizielle Registrierung einer Kirche ist schwierig. Die meisten Kirchen befinden sich in einem Außenbezirk der Hauptstadt Doha. Dies führt zu einer Bildung von Ghettos. Unter dem Vorwand, ihre Sicherheit gewährleisten zu wollen, werden die Kirchen zudem streng überwacht. Laut Berichten versucht die Regierung mithilfe der Sicherheitsleute auch zu überwachen, ob Muslime versuchen, die Gottesdienste zu besuchen. Die Veröffentlichung, der Import und die Verteilung von religiösem Material werden stark reguliert. Die Kirchengemeinden dürfen selbst kein Material mehr importieren, sondern sind auf säkulare Buchhandlungen angewiesen. Ein positives Signal für die Christen vonseiten der katarischen Behörden war die Erteilung von Baugenehmigungen für Kirchen der libanesischen maronitischen Gemeinde und der philippinischen evangelikalen Gemeinschaft im Jahr 2015. Es wurde jedoch bisher keine Kirche gebaut. Nicht registrierte Kirchen werden zumeist nicht am Gottesdienst gehindert.

Auftreten von Gewalt

Im Berichtszeitraum gab es keine Berichte von gewalttätigen Vorfällen, die gegen Christen gerichtet waren. Besorgniserregend bleibt die Situation ausländischer Arbeitsmigranten. Laut Amnesty International sind besonders Hausangestellte ohne jeden Arbeitsschutz und daher ihren Arbeitgebern ausgeliefert. Open Doors befürchtet, dass christliche Arbeiter, besonders Frauen, noch stärker betroffen sind und wegen ihres Glaubens diskriminiert werden. Derzeit gibt es jedoch keine klaren Bestätigungen für eine Behandlung von ausländischen christlichen Arbeitern, die auf Verfolgung beruht. In naher Zukunft wird dieses Feld weiterer Untersuchung unterzogen.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Christinnen sind dem Risiko von Entführungen, Vergewaltigungen oder anderen Formen des Missbrauchs ausgesetzt. Laut dem Koran dürfen muslimische Männer mit jeder Frau schlafen, „die seine rechte Hand besitzt“. Dies schließt seine Frauen und Sklavinnen mit ein. Frauen, die in Katar als Hausangestellte arbeiten, werden oft als Teil dieser Kategorie gesehen. In vielen katarischen Haushalten gibt es Hausangestellte, von denen viele Christen sind. Dadurch sind sie in den Augen vieler Katarer noch weniger wert und sind so noch mehr dem Risiko sexuellen Missbrauchs ausgesetzt. Dies führt zu tiefen traumatischen Erfahrungen vieler Christinnen in Katar.

Männer

Meist sind christliche Männer die Versorger ihrer Familien und tragen daher am Arbeitsplatz die Hauptlast der Diskriminierungen. Männer können in den Unterkünften für ausländische Arbeiter schnell Opfer von Diskriminierungen werden.

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Trotz der politischen Krise mit Saudi-Arabien und seinen Verbündeten scheint die politische, soziale und wirtschaftliche Situation Katars nicht instabil zu sein – auch wegen der reichlichen finanziellen Reserven. In mancherlei Hinsicht scheint die Krise mehr ein Machtspiel zu sein, das nicht darauf hinzielt, zu einem bewaffneten Konflikt zu werden. Auf der anderen Seite könnte die Blockade Katars Wirtschaft auf lange Sicht schaden, was die wirtschaftliche Situation für alle ausländischen Arbeitskräfte betreffen könnte, zu denen auch viele Christen gehören.

Eine große Herausforderung für das Land ist es, seine kulturellen und religiösen Standards inmitten rapider Modernisierung und Entwicklung zu halten. Während der Vorbereitungen für die Fußballweltmeisterschaft 2022 hat die beklagenswerte Behandlung von Arbeitsmigranten in Katar mehr und mehr die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit erregt. Durch Druck aus dem Westen führt das Land kleine – aus der Sicht von Menschenrechtsorganisationen: kosmetische – Reformen in den Arbeitsbedingungen für ausländische Arbeiter durch. Trotz des Drucks, die Situation der Menschenrechte zu verbessern, werden keine bedeutenden Verbesserungen in dem streng islamischen Land erwartet, das für die umfassende Kontrolle seiner Gesellschaft bekannt ist. Demnach werden in naher Zukunft auch keine bedeutenden Veränderungen in der Religionsfreiheit für Christen erwartet.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Katar

  • Bitte beten Sie, dass christliche Arbeiter aus dem Ausland in der Lage sind, ihren Arbeitgebern, die sie ausnutzen, die Liebe Jesu zu zeigen.
  • Beten Sie für Christen muslimischer Herkunft, die ihren Glauben nicht mit ihren muslimischen Familienmitgliedern teilen können, dass sie Weisheit und Urteilsvermögen bekommen, wie sie ihren Glauben mitteilen können.
  • Bitte beten Sie, dass die Katarer zu Jesus gezogen werden, durch jedes Mittel, das der Herr Jesus Christus dafür für notwendig hält.

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