Länderprofil Kenia

Kenia

32
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Kenia
Hauptreligion
Christentum
Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
18
ISO
KE
Karte Kenia
Karte Kenia
Christen
39,41
Bevölkerung
48.47
Islamische Unterdrückung
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 12.000
Familienleben: 10.900
Gesellschaftliches Leben: 10.000
Leben im Staat: 7.900
Kirchliches Leben: 11.700
Auftreten von Gewalt: 9.400
Länderprofil Kenia

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

62 Punkte / Platz 32 (WVI 2017: 68 Punkte / Platz 18)

Vom wem Verfolgung ausgeht

  • Am stärksten treibt die gewalttätige islamistische Gruppe Al Shabaab die Verfolgung von Christen voran. Obwohl die Gruppe in Somalia beheimatet ist, hat sie zahlreiche gezielt gegen Christen gerichtete Angriffe in dem mehrheitlich christlichen Kenia durchgeführt. Die muslimische Minderheit (etwa 10-15 % der Gesamtbevölkerung) ist überwiegend im Nordosten und in der Küstenregion des Landes angesiedelt. Dort fanden auch die meisten Übergriffe statt. Viele Christen sind aus genau diesen Regionen geflohen und in andere Regionen gezogen.
  • Einige der Stammesführer, besonders im Nordosten von Kenia, zeigen eine gegen Christen gerichtete Gesinnung.
  • Die Bemühung der Regierung, den Säkularismus für das gesamte Land durchzusetzen, bringt manche Härten für Kirchen und Christen mit sich, werden sie doch zu Haltungen und Handlungen gezwungen, die ihrem Glauben zuwiderlaufen.
  • Korruption grassiert in Kenia. Bestochene Beamte verschließen dann leicht die Augen vor Aktivitäten von Verfolgern.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

In Kenia sind alle Kategorien von Christen von Verfolgung betroffen. Besonders Christen muslimischer Herkunft im Nordosten und in der Küstenregion des Landes leben unter beständiger Gefahr von Angriffen. Im aktuellen Berichtszeitraum wurden Christen in ihren Dörfern enthauptet. Berichten zufolge hat Al Shabaab die einheimische Bevölkerung unterwandert und Christen ausgespäht. Allerdings stellen auch Organisiertes Verbrechen und Korruption ein ernstes Problem dar. Wenn bestochene Beamte keine Maßnahmen gegen Christenverfolger ergreifen, ermutigt dies andere, die Verfolgung voranzutreiben.

Beispiele

  • In einigen Regionen im Nordosten sowie an der Küste wird Christen der Zugang zu gemeinschaftlich genutzten Ressourcen verweigert.
  • In diesen Regionen werden Christen auch aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen und isoliert.
  • Das Maß an Gewalt, besonders Morde aus Glaubensgründen betreffend, war im Berichtszeitraum zum WVI 2018 sehr hoch. Dutzende Christen starben durch die Hände von Islamisten.
  • Im Zeitraum vom 5.- 8. Juli 2017 wurden sieben Christen ermordet, als Al-Shabaab-Milizen die Dörfer Pandanguo, Jima und Poromoko im Distrikt Lamu angriffen. Die Christen hatten sich geweigert, das islamische Glaubensbekenntnis (Schahada) aufzusagen (das hätte ihren Übertritt zum Islam bedeutet).

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 62 Punkten belegt Kenia Platz 32 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2018. Im Vorjahr belegte Kenia Rang 18 mit 68 Punkten. Obwohl das Land 6 Punkte weniger aufweist, bleibt die Verfolgung von Christen auf sehr hohem Niveau. Zwei der Hauptgründe dafür, dass die Punktzahl Kenias gesunken ist, sind:

  • Die Präsidentschaftswahlen 2017 zwangen Gruppen unterschiedlicher Religionen im Land dazu, sich auf Basis der Stammes- und nicht der Religionszugehörigkeit zusammenzuschließen. So trat Religion an die zweite Stelle und der Druck im Bereich „Leben im Staat“ ließ nach. Ein Experte für die Region schreibt in seiner Analyse der Situation: „Stammesdenken ist in Kenia derart bestimmend, dass Muslime und Christen des gleichen Stammes alle Angelegenheiten, die zwischen ihnen stehen könnten, zur Seite schieben, um jeden Rivalen gemeinsam anzugreifen.“ Dies gilt besonders im Zusammenhang mit Wahlen.
  • Der Druck auf Christen in der Küstenregion (abgesehen von einigen Distrikten) nimmt ab, im gleichen Maß wie sich der Einfluss des „Republikanischen Rats von Mombasa“ abschwächt.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Obwohl die Bevölkerung Kenias überwiegend christlich ist (etwa 81 %), ist Islamische Unterdrückung die Haupttriebkraft der Verfolgung. Etwa 10-15 % der kenianischen Bevölkerung sind Muslime, die meisten davon Sunniten. Der Großteil von ihnen lebt in der Küstenregion und im Nordosten des Landes, sie haben sich jedoch mittlerweile auch in andere Gebiete des Landes ausgebreitet und begonnen, sich gegen die von ihnen empfundene Entrechtung in der kenianischen Gesellschaft zur Wehr zu setzen. Beeinflusst von islamistischen Bewegungen aus dem benachbarten Somalia verfolgen muslimische Politiker, die mehrheitlich muslimische Wahlkreise in Kenia vertreten, das Ziel, die Christen aus ihren Wahlkreisen zu verdrängen. Der nordöstliche Teil des Landes ist stark von Islamischer Unterdrückung betroffen. Dort haben sich einheimische extremistische Muslime mit Kämpfern aus Somalia verbündet. Gemeinsam sind sie für eine massive Christenverfolgung und die Ermordung hunderter Christen allein wegen ihres Glaubens in den letzten Jahren verantwortlich. Ein Analyst der Region betont die Herausforderungen im Nordosten und der Küstenregion und berichtet dazu: „Die östlichen Landesteile mit der Küstenregion stehen aus historischer Sicht schon seit langem unter dem Einfluss des Islam: dort sind zuerst Muslime angelandet – wie an der gesamten Ostküste Afrikas –, noch lange bevor die ersten christlichen Missionare ins Land kamen. Die Distrikte mit mittel- bis sehr starkem Auftreten dieser Triebkraft sind vor allem Mandera, Wajir, Garissa, Lamu, Kilifi und Kwale.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

In Kenia ist Korruption an der Tagesordnung. Auf dem Korruptionsindex von „Transparency International“ vom Januar 2017 belegt Kenia mit 25 von 100 Punkten Platz 145 von 176 aufgeführten Ländern. So gibt es Berichte von kenianischen Soldaten, die zum Kampfeinsatz in Somalia stationiert sind und mit dem Schmuggel von Zucker und Holzkohle gewaltige Gewinne machen. Vor Ort kursieren außerdem Berichte, nach denen der tödliche Angriff von Al Shabaab an der Universität in Garissa 2015 durch bestochene Sicherheitsbeamte ermöglicht wurde, die ihnen dafür Waffen und Munition geliefert haben sollen. Weitere Berichte handeln davon, dass Al Shabaab und ihre Unterstützer durch den Import von Zucker und anderen Gütern über den Seehafen von Kismayo (Somalia) ein Vermögen verdient und den Regierungsbeamten im Gegenzug Millionen von Schilling bezahlt haben sollen. In diesem Kontext muss man die Verfolgung von Christen sehen. Korrupte Beamte ergreifen im Falle von Christenverfolgung keinerlei Maßnahmen gegen die Verfolger, wodurch diese zu weiteren Übergriffen ermutigt werden.

3. Verfolger

Die Hauptbetreiber von Verfolgung in Kenia sind die Anhänger der gewaltbereiten Islamisten der Al Shabaab. Im Nordosten sowie der Küstenregion des Landes hat diese Gruppe Christen ermordet, Kirchengebäude zerstört und Christen zur Flucht aus ihren Heimatorten gezwungen. Ein Analyst des Landes berichtet: „Die mit Al Kaida verbundene Gruppe Al Shabaab ist im Nordosten sowie in der Küstenregion des Landes sehr präsent. Im Mai 2017 entführte sie zwei Lehrer im Dorf Fafi, nahe Garissa – ein Lehrer war Christ und wurde ermordet.“ Auch die muslimische Großfamilie und Leiter auf kommunaler Ebene sind für Verfolgung verantwortlich, besonders im Fall von Konvertiten aus dem Islam. Das gilt in abgeschwächtem Maß auch für einige Regierungsbeamte sowie Anführer ethnischer Gruppen. Durch die verbreitete Korruption im Land leidet die Rechtsstaatlichkeit und für Christen, die Opfer von Verfolgung geworden sind, gibt es kaum Entschädigung.

4. Hintergrund

Für eine vollständige Analyse der gegenwärtigen Situation in Kenia ist es notwendig, auch die Präsidentschaftswahlen und dabei die Rolle des Obersten Gerichtshofes in Kenia im Blick zu haben. Letzterer hat die Wahlen vom August 2017 für ungültig erklärt, die jedoch von internationalen Beobachtern inklusive dem früheren US-Außenminister, John Kerry, als „relativ frei und fair“ eingeschätzt worden waren. Das Gericht hatte erklärt, die Wahl sei nicht entsprechend den in der Verfassung festgelegten Standards abgehalten worden. Die Vorbereitungen der Wahl hatten zu einem Sicherheitsvakuum geführt, welches von Al Shabaab ausgenutzt wurde, indem sie mehrere Nichtmuslime in den Gebieten nahe der somalischen Grenze enthaupteten.

Es ist hervorzuheben, dass die Verfolgung durch Islamische Unterdrückung in Kenia Elemente ethnischer Säuberungen aufweist. Daneben gibt es jedoch eine Reihe anderer Faktoren, die für das Verständnis der Verfolgungssituation relevant sind, welche in der kenianischen Gesellschaft häufig kaum sichtbar stattfindet. Kenias Gesellschaft besteht aus einer hochkomplexen Mischung verschiedener Volksgruppen, was im politischen Tagesgeschäft des Landes eine wichtige Rolle spielt. Des Weiteren ist Kenia ein Land mit einer überwiegend christlichen Bevölkerung und einem deutlich geringeren Anteil von Muslimen. Ungefähr 81 % der kenianischen Bevölkerung sind Christen (oder bezeichnen sich zumindest so), während etwa 10-15 % Muslime sind. Allerdings ist diese muslimische Minderheit in vielen Bereichen des Landes politisch aktiv und einflussreich geworden. Zudem leidet Kenia unter immer wiederkehrenden Ausbrüchen von Gewalt zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen und Stämmen. Diese hat oft eine politische Dimension; die gewaltsamen Ausschreitungen im Nachgang zu den weithin als manipuliert geltenden Wahlen 2007/08 sind ein gutes Beispiel hierfür.

Ein weiterer Faktor, um die derzeitige Verfolgungssituation zu verstehen, ist die Bedeutung der Religion im Land. Bis vor kurzem gab es in Kenia praktisch keine interreligiösen Konflikte. Christen und Muslime schienen in friedlicher Koexistenz zusammenzuleben, doch dies hat sich in den letzten Jahren vollständig verändert. Besonders der Nordosten und die Küstenregion sind zu Brennpunkten islamisch-extremistischer Aktivitäten geworden – die Hauptursache für die zahlreichen religiös motivierten Gewaltakte. Kenia und Somalia teilen sich eine lange Grenze; der Mangel an Frieden und Stabilität in Somalia hinterlässt auch in Kenia seine Spuren. Hinzu kommen die Kampfhandlungen der kenianischen Armee in Somalia. Sehr viele Flüchtlinge aus verschiedenen Nachbarländern, unter anderem Somalia, haben in Kenia Zuflucht gesucht.

Auf der politischen Ebene hat Kenia 2010 eine Volksabstimmung durchgeführt, mit der eine neue Verfassung und eine neue Regierungsstruktur eingeführt wurden. Im Verlauf des vergangenen Jahres hat die Regierung außerdem ihr Programm einer Säkularisierung vorangetrieben, ohne den Christen dabei angemessene Freiräume zu gewähren. So entwirft und implementiert die Regierung neue Leitlinien ohne jede Rücksichtnahme auf grundlegende christliche Werte. Beispiele dafür sind der Bildungsplan, Regelungen zum Thema Geschlechteridentität und andere Gesetze, welche die Kirche hinnehmen muss. Ebenfalls bedeutsam ist das Ausmaß an Korruption, die in staatlichen Institutionen weit verbreitet ist und nachhaltig deren Fähigkeit beeinträchtigt, die Bürger zu schützen. Zu erwähnen bleibt schließlich der „Republikanische Rat von Mombasa“ (MRC), eine Interessengruppe, die das Ziel hat, die Küstenregion und den Nordosten Kenias vom Rest des Landes abzuspalten. Diese Gruppe wurde von der kenianischen Regierung mit extremistischen Vereinigungen wie Al Shabaab in Verbindung gebracht. Viele Kirchen in der Küstenregion wurden bereits zerstört und viele Christen aus dem Gebiet vertrieben. Das komplexe Zusammenspiel all dieser verschiedenen Faktoren in Kenia wurde bei der Analyse für den Weltverfolgungsindex 2018 berücksichtigt.

Für andere religiöse Gruppen im Land liegen keine Berichte hinsichtlich Verfolgung vor. Beobachter sagen jedoch, dass Al Shabaab alle nicht-sunnitischen Gruppen im Visier hat, obwohl die Christen ihr erstes Ziel von Verfolgung darstellen.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Alle christlichen Gruppen In Kenia sehen sich Verfolgung ausgesetzt, die jedoch unterschiedlich stark ist und davon abhängt, wo im Land die Christen leben und zu welcher Kirche sie gehören. Im Nordosten und in der Küstenregion ist die Verfolgung so hart, dass Christen zuweilen den höchsten Preis für ihren Glauben zahlen müssen.

Christen aus traditionellen Kirchen

Traditionelle Kirchen gibt es in allen Teilen des Landes. Die Art und die Intensität der Verfolgung, der diese Christen ausgesetzt sind, hängt davon ab, in welcher Region sie leben. In muslimisch dominierten Gebieten ist die Verfolgung sehr intensiv und wird durch Islamische Unterdrückung verursacht.

Konvertiten (vor allem mit muslimischem Hintergrund)

Diese Christen leben hauptsächlich in muslimisch dominierten Gebieten wie im Nordosten Kenias und in den Küstengebieten (einschließlich Mombasa). Christen muslimischer Herkunft erleben eine andere Art von Verfolgung als Christen nichtmuslimischer Herkunft. Ihre Familien sowie Bekannten und – wenn ihr Glaube bekannt wird – auch Gruppen wie Al Shabaab üben einen starken Druck auf Konvertiten aus, bis hin zu ihrer Ermordung.

Protestantische Freikirchen (z. B. Baptisten, evangelikale, charismatische und Pfingstgemeinden)

Diese Gemeinden sind überall im Land zu finden. Sie sind die aktivste Gruppe von Christen im Land und aus diesem Grund besonders schwerer Verfolgung ausgesetzt.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 12.000
Familienleben: 10.900
Gesellschaftliches Leben: 10.000
Leben im Staat: 7.900
Kirchliches Leben: 11.700
Auftreten von Gewalt: 9.400

Grafik: Verfolgungsmuster Kenia

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen in Kenia hat abgenommen von 11,7 Punkten im WVI 2017 auf 10,5 Punkte aktuell. Durch die Präsidentschaftswahl 2017 wurde Religionszugehörigkeit zu einer zweitrangigen Angelegenheit in der Gesellschaft, was zu einer Abschwächung des Drucks führte.
  • Druck auf Christen betrifft am stärksten den Bereich Privatleben, gefolgt vom Bereich Kirchliches Leben. Christen im Nordosten des Landes bleiben aus Furcht vor Angriffen oft ihren Versammlungen fern. Konvertiten aus dem Islam erleben große Schwierigkeiten, was sich in der hohen Punktzahl im Bereich Privatleben widerspiegelt.
  • Die Punktzahl im Bereich Auftreten von Gewalt ging von 9,6 im WVI 2017 auf 9,4 zurück.

Privatleben

Die Verfolgung, die Christen muslimischer Herkunft durch Islamische Unterdrückung erleben, äußert sich vor allem (wenn auch nicht ausschließlich) im Privatleben. So riskieren sie in den islamisch dominierten Gebieten an der Küste und im Nordosten des Landes ihr Leben, wenn jemand erfährt, dass sie Christen geworden sind. Dabei können die Angriffe sowohl von Familienmitgliedern als auch von anderen Personen aus dem gesellschaftlichen Umfeld ausgehen. Ein Feldforscher erklärt dazu: „Die Küstengebiete und Regionen im Nordosten sind traditionell islamisch … Konvertiten aus dem Islam erfahren Bedrohungen, gewaltsame Übergriffe und weitere Formen von Verfolgung.“

Familienleben

In diesem Bereich leiden Christen muslimischer Herkunft sehr stark. Der Druck äußert sich beispielsweise darin, dass Begräbnisstätten für Christen verweigert, Zwangsehen geschlossen und Kinder von Christen schikaniert werden. Vor allem Christinnen muslimischer Herkunft bekommen sehr große Probleme, wenn sie heiraten und eine Familie gründen wollen. Ihnen drohen oft Zwangsverheiratung und auch Vergewaltigung.

Gesellschaftliches Leben

Christen im Nordosten und in den Küstengebieten sind enormem Druck ausgesetzt. In jüngster Zeit sorgen sie sich wegen der Gefahr der Unterwanderung durch Al-Shabaab-Anhänger. Für diese ist es relativ einfach, von Haus zu Haus zu gehen und Nichtmuslime nach draußen zu rufen, um sie dort zu enthaupten. In der Region ist es üblich, Weideland oder Trinkwasser gemeinschaftlich zu teilen. Doch in muslimisch dominierten Gegenden haben es die Christen in ihrem Wohn- und Lebensumfeld weitaus schwerer. Die Verfolgung geht hauptsächlich von der direkten oder entfernten Verwandtschaft aus (bei Christen muslimischer Herkunft), doch auch nichtchristliche religiöse Anführer und Stammesvorsteher sind daran beteiligt.

Leben im Staat

Auf staatlicher Ebene erleben Christen aller Kategorien Verfolgung. Dafür verantwortlich sind muslimisch geprägte Regierungsbeamte und politische Parteien sowie religiöse Anführer und deren Anhänger (radikalisierte Gruppen mit Anhängern aus der Bevölkerung). Der Einfluss von Organisiertem Verbrechen und Korruption wird in diesem Bereich ebenfalls deutlich. Die Dezentralisierungspolitik, welche das Land seit sieben Jahren betreibt, wirkt sich auch auf die Christen aus; muslimische Politiker betrachten Christen als unbedeutend für ihre politischen Zwecke.

Kirchliches Leben

Der Druck in diesem Bereich steht in direktem Verhältnis zu den Gewalttaten, die von militanten Muslimen in dieser Region verübt werden. Die gezielte Gewalt hat dazu geführt, dass die Christen in ständiger Angst leben. Eine Kirche zu bauen oder sich zu Gemeindeaktivitäten zu treffen, ist in manchen Gegenden gefährlich geworden. Das Zusammenwirken von Islamischer Unterdrückung, Ethnisch begründeten Anfeindungen, Säkularer Intoleranz und Organisiertem Verbrechen und Korruption hat das kirchliche Leben in den letzten Jahren zunehmend schwieriger gemacht. Organisiertes Verbrechen und Korruption hindern die Behörden daran, ihrer Pflicht zum Schutz der Bürger nachzukommen. In den meisten Fällen gewalttätiger Übergriffe auf Christen führte die Polizei keine angemessene Untersuchung durch.

Auftreten von Gewalt

Das Ausmaß der Gewalt, insbesondere hinsichtlich Ermordungen aufgrund des Glaubens, hat sich im aktuellen Berichtszeitraum in den Küstengebieten und den Regionen im Nordosten offensichtlich in seiner Form geändert. Christen wurden (z.B. bei Überfällen) ausgesondert und enthauptet. Auch gingen beispielsweise Al-Shabaab-Anhänger – besonders in der Region Lamu – von Haus zu Haus und forderten Nichtmuslime namentlich auf, aus dem Haus zu kommen, wo sie dann enthauptet oder erschossen wurden. Im aktuellen Berichtszeitraum wurden mehr als 30 Christen erschossen oder enthauptet.

7. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Während des Berichtszeitraums blieb das Ausmaß von gewalttätigen Übergriffen (eingeschlossen Ermordungen aufgrund des Glaubens) sehr hoch. Es besteht keine Hoffnung, dass die kenianische Regierung die kenianischen Christen wirksam schützen wird. Das liegt wesentlich an der institutionalisierten Korruption im Land. Die meisten Vorfälle werden nicht polizeilich untersucht. Sollte in den kommenden Jahren keine Lösung zur Beendigung der offenkundigen Gewalt gefunden werden, die das Leben vieler Christen gefordert hat, könnte dies dazu führen, dass verschiedene Gruppierungen im Land in einen offenen Konflikt gegeneinander treten.

  • Die Verfolgung von Christen in Kenia hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen und es ist anzunehmen, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.
  • Wenn Al Shabaab besiegt werden könnte, würde dies das Ausmaß der Gewalt gegen Christen im Nordosten und in den Küstenregionen reduzieren.
  • Von etwaigen politischen Nebenwirkungen aus der Wahl 2017 würde am ehesten Al Shabaab profitieren.

8. Gebetsanliegen

  • Viele Christen im Nordosten und in der Küstenregion von Kenia sind durch gewaltsame Übergriffe schwer traumatisiert, außerdem erleiden sie viele Feindseligkeiten seitens der muslimischen Gesellschaft. Beten Sie für Gottes heilende Kraft in ihrem Leben und für Mut, ihren Glauben und das Evangelium in einer feindseligen Umgebung auszuleben.
  • Beten Sie, dass Gott die Verfolger der Christen und Anhänger der islamistischen Gruppen zur Buße führt. Beten Sie, dass Jesus sich ihnen offenbart als der Weg, die Wahrheit und das Leben.
  • Bitte beten Sie um Weisheit für Christen, die politisch aktiv sind. Bitten Sie um Schutz und darum, dass ihre Stimme etwas bewirkt.

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