Kuba

Weltverfolgungsindex
2018
ISO
CU

Land unter Beobachtung

Kuba

 

Kuba

 

Triebkräfte der Verfolgung

Kommunistische Unterdrückung

Durch die schrittweise Öffnung für den Weltmarkt haben die wesentlichen sozialistischen Aspekte des Regimes an Bedeutung verloren. Dies war ein großer Schritt weg von der ursprünglichen Staatspolitik. Doch das Land wird immer noch auf Grundlage kommunistischer Thesen regiert, und das Konzept eines paternalistischen Staats ist nach wie vor vorhanden. So gilt weiterhin das sozialistische Wirtschaftsmodell, das vor allem zentral gesteuert wird und in dem die Unternehmen dem Staat gehören. Somit können die Bürger keine Geschäfte oder Betriebe gründen, unabhängiger Journalismus wird zensiert und Gewissensfreiheit sowie die meisten bürgerlichen und sozialen Rechte im Allgemeinen werden eingeschränkt.

Diktatorische Paranoia

In der Praxis ist Kuba eine kommunistische Diktatur geworden, in der die Regierung unter Raul Castro das private und öffentliche Leben der Kubaner zu kontrollieren versucht und in der jedes Anzeichen von Widerstand durch Christen und andere untersucht und streng geahndet wird. Der Wunsch nach einem System vollständiger Kontrolle hat dazu geführt, dass Bürgerrechte sehr stark eingeschränkt und verletzt werden. Wenn jemand die Leiter und ihre Macht in Frage stellt oder ihnen widerspricht, sei es wegen seines Glaubens oder aus anderen Gründen, wird er oder sie unbarmherzige Schikane erfahren und als Feind des Regimes vom Staat ins Visier genommen.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Weil das Gesetz streng angewendet wird und Strafen sehr hoch ausfallen, gibt es im Land kaum kriminelle Netzwerke. Doch Korruption ist auf jeder Ebene ein Teil des Alltags geworden. Nicht nur gibt es keinerlei System, das die Verwaltung der Konten der hochrangigen Beamten reguliert, einschließlich ihrer Vergünstigungen, sondern die meisten Bürger sind gezwungen, mit dem, was sie zur Verfügung haben, „Lösungen“ zu finden. Der Schwarzmarkt und die Bestechung von Beamten sind oft die einzige Möglichkeit, wie Dinge erledigt werden können. Um überleben zu können, kann niemand dies umgehen, auch nicht die Christen. Wenn also die Regierung ein Verfahren gegen Christen einleiten will, dann ist es ein Leichtes, ihnen vorzuwerfen, auf dem Schwarzmarkt eingekauft zu haben.  

Säkulare Intoleranz

Die Regierung schränkt Gruppen ein, die für Menschenrechte einstehen, und stellt sich selbst als Standard aller Normen und Werte dar. Wer eine abweichende Ansicht vertritt, wird als Feind des Regimes angesehen.

 

Verfolger

  • Verfolgung geht vor allem von der Regierung und ihren Beamten aus. Da das Regime auf allen Ebenen die alleinige Kontrolle behalten will, sind auch die Christen von seiner Agenda betroffen, da die Behörden sowohl das öffentliche Leben der Kubaner als auch ihr Privatleben kontrollieren wollen. Die Regierung möchte alle Aktivitäten auf der Insel kontrollieren, auch kirchliche. Dies geschieht durch das Amt für religiöse Angelegenheiten (ORA), das auch den Inhalt der Predigten streng überwacht und zensiert. Hauptsächlich erhält die Regierung ihren Einfluss, indem sie die Kinder und Jugendlichen indoktriniert. Diese Methode ist äußerst effektiv, um zukünftige Unterstützer zu gewinnen. Aus diesem Grund ist die staatliche Schulbildung für alle verpflichtend. Es gibt keinen anderen Bildungsweg in Kuba.
  • Es gibt aber auch Verfolger innerhalb der Gesellschaft. Dazu gehören normale Bürger, die mit der kommunistischen Partei sympathisieren und sich verpflichtet fühlen, die Behörden von Handlungen zu unterrichten, die sich „gegen die Grundsätze des Regimes“ richten. Andere religiöse Gruppen wie die „Santeros“ (sie praktizieren die animistisch geprägte Religion Santeria) üben Rache an Menschen, die sich zu Jesus Christus bekehrt haben. Verfolgung kann auch von der Großfamilie ausgehen, wenn sie ihren „abtrünnigen“ Verwandten verraten und beschuldigen, weil sie sonst Repressalien vom Staat befürchten müssen. Schließlich geht Verfolgung auch von der kommunistischen Partei Kubas aus und zwar besonders dann, wenn Anträge oder Vorschläge im Namen gewöhnlicher Bürger als Ausrede genutzt werden, um eine Strafe auszustellen oder Anzeige zu erstatten.

 

Betroffene Kategorien von Christen

  • Alle Kirchenformen sind von der staatlichen Kontrolle beeinträchtigt. Im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2017 gab es im jüngsten Berichtszeitraum mehr Verhaftungen von Christen, die an nichtregistrierten Versammlungen teilgenommen haben, und von Christen, die sich offen gegen das Regime ausgesprochen haben. Außerdem haben manche Christen, die man für Regierungsgegner hielt, ihre Arbeitsstelle verloren. Säkulare Ideologien haben zudem mehr an Einfluss gewonnen, seitdem im Bildungsbereich Inhalte der LGBT-Interessengruppe mit einfließen.
  • Am 20. Februar 2017 hat die Polizei erneut mehr als 50 „Damen in Weiß“ auf ihrem Weg zum Gottesdienst festgehalten. Die „Damen in Weiß“ sind eine friedliche Oppositionsbewegung, die im Jahr 2003 von weiblichen Angehörigen 75 inhaftierter Regierungskritiker gegründet wurde. Diese Frauen protestieren gegen die Verhaftungen, indem sie jeden Sonntag in weiß gekleidet an katholischen Messen teilnehmen (weiß ist das Symbol des Friedens) und anschließend gemeinsam schweigend durch die Straßen laufen.
  • Am 20. März 2017 wurde der Leiter der „Christlichen Befreiungsbewegung“ (MCL) zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem er Fidel Castro kurz nach dessen Tod öffentlich kritisiert hatte.
  • Ebenfalls am 20. März 2017 wurde ein zwanzigjähriger kubanischer Student, der aus den Vereinigten Staaten zurückgekehrt war, unter dem Vorwurf des Terrorismus am Flughafen von der Polizei festgenommen und später von der Universität ausgeschlossen. Er gehörte einer christlichen akademischen Gesellschaft an und hatte einen Bericht über die Verletzung der Religionsfreiheit in Kuba bei der Kommission der Vereinigten Staaten zur internationalen Religionsfreiheit (USCIRF) eingereicht.

 

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