Länderprofil Kuweit

Kuwait

34
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Kuwait
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Emirat
Platz Vorjahr
38
ISO
KW
Kuwait
Kuwait
Christen
0,43
Bevölkerung
4.10
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Ethnisch begründete Anfeindungen
Privatleben: 13.400
Familienleben: 12.600
Gesellschaftliches Leben: 11.600
Leben im Staat: 10.900
Kirchliches Leben: 12.300
Auftreten von Gewalt: 0.400
Länderprofil Kuwait

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

61 Punkte / Platz 34 (WVI 2017: 57 Punkte / Platz 38)

Von wem Verfolgung ausgeht

Christen erleben Verfolgung auf allen Ebenen der Gesellschaft: Die Regierung, die örtliche Gemeinschaft und sogar die eigene Familie können für Christen gefährlich sein, besonders für Christen muslimischer Herkunft. Keine andere Religion als der Islam wird als akzeptabel angesehen. Die Gesellschaft Kuwaits ist konservativen islamischen Normen verpflichtet, die von einfachen Bürgern, extremistischen islamischen Gruppen und einer Regierung durchgesetzt werden, die sich den Forderungen der Extremisten beugen wird, solange ihre Machtbasis nicht bedroht ist.

Die Vorstellung, dass Religion vom gesellschaftlichen und politischen Leben getrennt werden kann, ist für Kuwaiter kaum nachvollziehbar. Die Scharia umfasst eine Vielzahl von Regeln für das persönliche, familiäre und gesellschaftliche Leben. Obwohl die Verfassung eine Bestimmung zur Religionsfreiheit enthält, hält sie auch fest, dass die Inanspruchnahme der Religionsfreiheit nicht gegen bestehende Bräuche, die öffentliche Ordnung oder die öffentliche Moral verstoßen darf. Somit lässt sie wenig Raum für ein christliches Gemeindeleben.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten haben relative Freiheit, sich zum Gottesdienst zu versammeln. Allerdings sind die vorhandenen Räumlichkeiten, die als Orte für gottesdienstliche Versammlungen registriert sind, sehr klein im Verhältnis zur Anzahl der Menschen, die sich zu einem Gottesdienst versammeln möchten. Laut einer anonymen Quelle kommt es sogar zu Streitigkeiten zwischen verschiedenen christlichen Gruppen über die Nutzung der überlaufenen Kirchengebäude. Es ist äußerst schwierig, Räumlichkeiten für eine christliche Versammlung zu finden.

Christen muslimischer Herkunft tragen die Hauptlast der Verfolgung, da sie sowohl von Familienmitgliedern als auch der Gesellschaft unter Druck gesetzt werden, ihrem christlichen Glauben abzuschwören. Sie laufen Gefahr, diskriminiert, belästigt, von der Polizei überwacht und von bewaffneten Gruppen auf verschiedene Arten eingeschüchtert zu werden. Darüber hinaus wird ein Glaubenswechsel weg vom Islam nicht offiziell anerkannt und führt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu rechtlichen Problemen in Bezug auf den Personenstand und Eigentumsangelegenheiten. Ermordungen, Verhaftungen oder Verletzungen von Christen wegen ihres Glaubens werden hingegen kaum jemals berichtet.

Beispiele

  • Die Regierung schreibt islamischen Religionsunterricht für alle Schüler an staatlichen und privaten Schulen vor. Den christlichen Glauben zu unterrichten, ist verboten, selbst für rechtlich anerkannte christliche Gruppen.
  • Nach dem aktuellen Jahresbericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (Amnesty International Report 2016/17) haben die Behörden die Einschränkungen des Rechts auf freie Meinungsäußerung weiter verschärft. Ein neues Gesetz zur Internetkriminalität hat die Meinungsäußerung im Internet noch stärker eingeschränkt, indem es Kritik an der Regierung, der Justiz und anderen unter Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren stellt. Dies gibt einen Eindruck davon, in welch restriktiver Umgebung Christen leben müssen.
  • Im gleichen Bericht schreibt Amnesty International, dass das kuwaitische Parlament vor kurzem ein Gesetz über elektronische Medien verabschiedet hat, das alle Online-Publikationen, einschließlich Online-Zeitungen, Social Media und Blogs, reguliert und eine Regierungslizenz als rechtliche Pflicht vorschreibt, damit sie weiter betrieben werden dürfen. Dieses Gesetz grenzt nicht nur die ohnehin schon eingeschränkte Meinungsfreiheit weiter ein, es beschneidet auch die Religionsfreiheit und macht es noch schwieriger, das Evangelium online weiterzugeben, wenn man bedenkt, dass (laut Verfassung) „die Inanspruchnahme der Religionsfreiheit nicht gegen bestehende Bräuche, die öffentliche Ordnung oder die öffentliche Moral verstoßen darf“.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Kuwait wird im Weltverfolgungsindex 2018 mit 61 Punkten bewertet. Dies bedeutet einen Anstieg um vier Punkte im Vergleich zum vergangenen Berichtszeitraum, der auf folgende zwei Faktoren zurückzuführen ist: Anders als im Weltverfolgungsindex 2017 wurden einige gewaltsame Vorfälle berichtet. Zudem wurde die Methodik zur Analyse der Situation von Konvertiten verfeinert, was zu dem Anstieg beigetragen hat.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Wie in vielen Ländern der Region ist „Islamische Unterdrückung“ die Haupttriebkraft hinter der Verfolgung von Christen in Kuwait. Sie wirkt sowohl auf der nationalen wie auch auf der lokalen gesellschaftlichen Ebene. Angesichts der sehr unsicheren Lage in der gesamten Region ist die Gesellschaft generell sehr konservativ geworden. Kuwaits Gesetze und seine Verfassung bestätigen diesen konservativen Charakter. Laut Verfassung ist der Islam die Staatsreligion und das islamische Recht (Scharia) ist eine wichtige Quelle der Gesetzgebung. Die Regierung schreibt den islamischen Religionsunterricht für alle Schüler in staatlichen und privaten Schulen vor. Den christlichen Glauben zu unterrichten, ist verboten, selbst für rechtlich anerkannte christliche Gruppen. In der Vergangenheit waren viele Kuwaiter gegenüber nichtmuslimischen Einwohnern tolerant eingestellt; aufgrund des wachsenden Einflusses extremistischer Muslime, die keine Christen im Land haben wollen, hat sich dies jedoch merklich geändert. Auch wenn der „Islamische Staat“ (IS) weitgehend besiegt ist, ist sein Einfluss weiterhin vorhanden und unter der beachtlichen Zahl sunnitischer Extremisten auf nennenswerte Resonanz gestoßen. Es gab kuwaitische Bürger, die an der Seite des IS im Irak und in Syrien kämpften.

Diktatorische Paranoia

Die Regierung Kuwaits ist in vieler Hinsicht sehr restriktiv. Obwohl das Land eines der stärksten Parlamente in der Region hat, wird das tägliche Leben immer noch durch die herrschende königliche sunnitische Familie bestimmt. Im Jahr 2016 erhielten zwei ehemalige Parlamentsmitglieder, die der Regierung und ihren Verbündeten kritisch gegenüberstanden, Gefängnisstrafen. Hinter den meisten der Einschränkungen durch die Regierung steht die „Diktatorische Paranoia“, da der Regent des Landes nicht will, dass seine Macht in irgendeiner Weise bedroht wird. Die Meinungsfreiheit, die Pressefreiheit und die Vereinigungsfreiheit sind eingeschränkt. Eine Kirche registrieren zu lassen, ist eine sehr komplizierte und langwierige Prozedur. Nicht nur Christen sind der Unterdrückung durch die Regierung ausgesetzt, auch andere Minderheiten wie Schiiten werden diskriminiert und müssen sich vorsichtig verhalten.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Typisch für diese Triebkraft der Verfolgung sind Situationen, in denen jahrhundertealte Normen und Werte, die sich in einem Stammeskontext herausgebildet haben (wie beispielsweise die Familienehre) Christen aufgezwungen werden. Im Fall von Kuwait verbinden sich „Ethnisch begründete Anfeindungen“ mit dem Islam. Dies beeinflusst insbesondere Christen muslimischer Herkunft.

3. Verfolger

Islamische Unterdrückung

Trotz ihrer strengen Herrschaft kommt der starke Druck auf Christen nicht in erster Linie von der Regierung. Am meisten müssen Christen die Mitglieder der konservativen kuwaitischen Gesellschaft fürchten. Es gibt im Land eine deutliche Spaltung zwischen Kuwaitern (die per definitionem Muslime sind) und den vielen Arbeitsmigranten, umso mehr, wenn letztere Christen sind. Dementsprechend sind Christen angesichts der bereits bestehenden Diskriminierung und Schikane seitens der Gesellschaft häufig aus Sicherheitsgründen sehr zurückhaltend.

Ausländische christliche Arbeiter müssen sich vorsichtig verhalten, doch Christen muslimischer Herkunft tragen die Hauptlast der Verfolgung. Ein Glaubenswechsel weg vom Islam wird nicht offiziell anerkannt und wird wahrscheinlich zu rechtlichen Problemen in Bezug auf Personenstand und Eigentumsfragen führen.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Obwohl es keine strafrechtliche Sanktion für die Hinwendung zum christlichen Glauben gibt, ist diese sozial inakzeptabel. Wer sich dem christlichen Glauben zuwendet, wird höchstwahrscheinlich durch Familienmitglieder aus seiner Heimat vertreiben, da diese den Glaubenswechsel nicht nur als Angriff auf den Islam, sondern auch auf die Familienehre betrachten.

Diktatorische Paranoia

Die kuwaitische Regierung duldet keine Kritik, vor allem nicht von (ausländischen) Christen. Wie die US-amerikanische Menschenrechtsorganisation „Freedom House“ berichtet: „Journalisten und Social-Media-Nutzer, die den Emir oder Saudi-Arabien beleidigt haben sollen, werden oft strafrechtlich verfolgt, und die Regierung unternimmt weiterhin Anstrengungen, um die Kritik an ihren Handlungen und ihrer Politik zu ersticken.“

Das Land ist gut überwacht und die Sicherheitskräfte überwachen die Aktivitäten im Land. Ausländische Christen, die sich gegen die Regierung aussprechen, riskieren es, ausgewiesen zu werden.

4. Hintergrund

Kuwait liegt am westlichen Teil des Persischen Golfs und grenzt im Süden an Saudi-Arabien, im Norden an den Irak und im Nordosten an den Iran. Kuwait ist einer der Golfstaaten mit engen Verbindungen zum Westen. Obwohl Kuwait eines der kleinsten Länder im Nahen Osten ist, hat es eine starke, auf Ölexport basierende Wirtschaft und ist eines der reichsten Länder der arabischen Welt. Von den ungefähr vier Millionen Einwohnern sind mehr als die Hälfte Einwanderer. Die Wirtschaft ist relativ offen, mit Erdölreserven von Milliarden von Barrels – mehr als sechs Prozent der weltweiten Vorkommen. Kuwait ist eine konstitutionelle Monarchie, deren Staatsoberhaupt der Emir der al-Sabah-Familie ist und die als erstes arabisches Land am Golf ein gewähltes Parlament hatte.

Die Gesellschaft Kuwaits ist konservativ. Das islamische Recht (Scharia) umfasst ein breites Spektrum von Regeln für das persönliche, familiäre und gesellschaftliche Leben. Obwohl Kuwait einige der wichtigsten Menschenrechtskonventionen der Vereinten Nationen unterzeichnet hat, etwa den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (1996) und den Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (1996), ist die Verfassung in Bezug auf die Religionsfreiheit voller Widersprüche. Einerseits gewährt sie Religionsfreiheit, doch hält sie auch fest, dass die Inanspruchnahme der Religionsfreiheit nicht gegen bestehende Bräuche, die öffentliche Ordnung oder die öffentliche Moral verstoßen darf. Die Regierung hat durch die traditionelle, konservative Stammesgesellschaft des Landes sehr erfolgreich liberale und linksorientierte Gruppen ausgeschaltet. Davon wurden auch andere religiöse Minderheiten schwer in Mitleidenschaft gezogen.

In den letzten Jahren hat der IS ein feindliches Umfeld für religiöse Minderheiten in der Region geschaffen. Einige Kuwaiter haben sich der Gruppe angeschlossen. Auch wenn der IS in Syrien und im Irak militärisch besiegt ist, könnte es Jahrzehnte dauern, um das Erbe des IS wieder zu beseitigen: die Radikalisierung der Bevölkerung und insbesondere der Jugendlichen in der Region. Es ist schwierig, vorherzusagen, was mit der Kirche und den Christen in Zukunft geschehen wird.

Andere nichtchristliche religiöse Gruppen wie Hindus, Buddhisten und Sikhs haben eine gewisse Freiheit, ihren Glauben im Privaten auszuleben, obwohl ihnen Versammlungsstätten fehlen und es immer noch schwierig ist, die Erlaubnis zum Bau neuer Einrichtungen zu erhalten. Jedoch werden sie staatlich überwacht. Konservative Gruppen im Parlament betrachten alle nichtmuslimischen religiösen Aktivitäten mit Argwohn und treten ihnen entgegen, wenn sie die Gelegenheit haben.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Zwei der vier im Weltverfolgungsindex unterschiedenen Kategorien von Christen sind in Kuwait präsent:

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Den größten Teil der in Kuwait lebenden Christen machen Ausländer und Arbeitsmigranten aus. Sie haben gewisse Freiheiten, Gottesdienste zu feiern. Allerdings sind die bestehenden Gottesdiensträume sehr klein für die Anzahl derer, die sich dort versammeln. Die extremen Schwierigkeiten, Grundstücke für Gottesdiensträume zu erlangen, sind eine zusätzliche Last.

Laut dem Länderbericht zur Internationalen Religionsfreiheit des US-amerikanischen Außenministeriums über Kuwait gibt es sieben offiziell anerkannte christliche Kirchen: Die Nationale Evangelische Kirche, die Römisch-Katholische Kirche, die Griechisch-Katholische Kirche, die Koptisch-Orthodoxe Kirche, die Armenisch-Orthodoxe Kirche, die Griechisch-Orthodoxe Kirche und die Anglikanische Kirche. Einige religiöse Gemeinschaften ohne offiziell registrierten Gottesdienstraum gaben an, dass sie ohne Einmischung der Regierung Gottesdienste durchführen konnten, vorausgesetzt, dass sie ihre Nachbarn nicht stören und keine Gesetze in Bezug auf Versammlung und Missionierung verletzen. Die Regierung gestattet solchen Gruppen, in gemieteten Villen, Privathäusern oder Einrichtungen genehmigter Kirchen zu arbeiten.

Christen muslimischer Herkunft

Christen mit muslimischem Hintergrund stehen vielen einschüchternden Herausforderungen gegenüber. Sie laufen Gefahr, diskriminiert, belästigt, von der Polizei überwacht und von bewaffneten Gruppen auf jede Art eingeschüchtert zu werden. Darüber hinaus wird ein Glaubenswechsel weg vom Islam nicht offiziell anerkannt und führt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu rechtlichen Problemen in Bezug auf den Personenstand und Eigentumsangelegenheiten. Für Christen muslimischer Herkunft sind die Hauptverfolger die Familie, Menschen in ihrem Umfeld, extremistische Muslime und, in geringerem Maße, die Behörden.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 13.400
Familienleben: 12.600
Gesellschaftliches Leben: 11.600
Leben im Staat: 10.900
Kirchliches Leben: 12.300
Auftreten von Gewalt: 0.400

Grafik: Verfolgungsmuster Kuwait

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen in Kuwait bleibt sehr hoch. Die Punktzahl ist von 11,4 Punkten im Weltverfolgungsindex 2017 auf 12,2 Punkte im aktuellen Berichtszeitraum gestiegen. Dieser Anstieg ist auf Verfeinerungen in der Analyse der Situation von Christen muslimischer Herkunft zurückzuführen.
  • Der Druck ist am stärksten in den Bereichen „Privatleben“ und „Familienleben“, was die schwierige Situation von Christen muslimischer Herkunft aufzeigt.
  • Die Wertung für das Auftreten von Gewalt stieg von 0 Punkten im Weltverfolgungsindex 2017 auf 0,4 Punkte an, da einige gewaltsame Vorfälle berichtet wurden.
  • Die Verfolgungssituation in Kuwait wird insgesamt angeheizt durch eine Gesellschaft und eine Regierung, die zunehmend von extremistischen islamischen Bewegungen beeinflusst werden.

Privatleben

In einer sehr konservativen Gesellschaft, die das Verlassen des Islam als einen Verrat an den Familienwerten betrachtet, ist eine Hinwendung zum christlichen Glauben immer schwierig. Obwohl das Gesetz den Glaubenswechsel formell nicht verbietet, legen sowohl die Gesellschaft als auch die Regierung denjenigen, die konvertieren möchten, Steine in den Weg. Zum Beispiel werden sie kein offizielles Dokument bekommen, in dem ihr neuer Glaube verzeichnet ist. Daneben wird sämtliche (religiöse) Literatur verboten, die als beleidigend gegenüber dem Islam erachtet wird. Für Konvertiten zum christlichen Glauben, die mit ihren Familien zusammenleben (sei es die Kernfamilie oder die erweiterte Familie), ist es schwierig, Gott anzubeten oder christliche Materialien zu besitzen, denn sie müssen darauf achten, alles zu vermeiden, was als beleidigend aufgefasst werden könnte.

Familienleben

Besonders für Christen muslimischer Herkunft ist es sehr herausfordernd, als christliche Familie zu leben. Die im Land vorherrschenden Umstände erlegen auch den Familien von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten Einschränkungen auf und sie müssen gleichermaßen in der Öffentlichkeit sehr vorsichtig sein. Es ist schwierig und sogar gefährlich, über ihren Glauben zu sprechen, da jede Art von Missionierung streng verboten ist. Davon abgesehen tragen Christen muslimischer Herkunft in Bezug auf das familiäre Leben die Hauptlast der Verfolgung. Verstorbene Christen mit muslimischem Hintergrund werden oft nach islamischem Ritus auf muslimischen Friedhöfen begraben und es gibt nur sehr wenige Anlagen für Ausländer. Taufen müssen sehr diskret durchgeführt werden, da öffentliche Taufen schwere Beschimpfungen und Belästigungen sowohl vonseiten der Familie als auch des gesellschaftlichen Umfelds nach sich ziehen können. Das Gesetz schränkt auch ein, wer wen heiraten kann – eine Muslima darf keinen Nichtmuslimen heiraten, solange er nicht zum Islam konvertiert. Diese Gesetze haben bedeutende Auswirkungen auf Fragen des Sorgerechts und von Erbschaften. Christen muslimischer Herkunft erhalten oft überhaupt keinen Anteil am Erbe ihrer verstorbenen Eltern, da ihre Abwendung vom Islam der Familie Schande gebracht hat.

Gesellschaftliches Leben

In kuwaitischen Gemeinschaften werden Christen als Bürger zweiter Klasse, Fremde und Ungläubige angesehen und werden oft direkt oder indirekt von gemeinschaftlichen Aktivitäten ausgeschlossen. Während des Ramadan ringen Christen mit der impliziten Forderung von Regierung und Gesellschaft, zu fasten. Ständig wird auf Christen muslimischer Herkunft Druck ausgeübt, ihren Glauben zu widerrufen. Des Weiteren stehen Christen im Bildungsbereich Herausforderungen gegenüber. Die Regierung fordert islamischen Religionsunterricht für alle Schüler an öffentlichen Schulen und auch an Privatschulen, die einen oder mehrere muslimische Schüler haben. Gleichzeitig jedoch verbietet das Gesetz organisierten Religionsunterricht für andere Glaubensrichtungen als den Islam.

Leben im Staat

Die Verfassung erklärt, dass der Islam die Staatsreligion ist. Die Religionsfreiheit, wie sie in der Verfassung verankert ist, entspricht nicht dem internationalen Standard, da sie sich lediglich auf die Beachtung religiöser Riten fokussiert, die nicht den Sitten Kuwaits, und damit dem Islam, widersprechen dürfen. Es gibt Gesetze gegen Missionierung, und die Regierung setzt sie auch durch. Davon abgesehen folgt die Regierung dem Kurs, den sunnitischen Islam zu fördern, indem sie sunnitische Moscheen und Imame sowie sunnitische Ausbildung und Lehre finanziert. Auch wenn Kuwait demokratische Wahlen abhält, ist es undenkbar, dass ein Nichtmuslim sich um ein öffentliches Amt bewerben könnte. Verschiedene extremistische Gruppen (sowie konservative Parlamentsmitglieder) streben danach, jeden nichtmuslimischen Einfluss, wie etwa Weihnachtsfeiern, aus dem Land zu tilgen.

Kirchliches Leben

Was in den anderen Lebensbereichen geschieht (vor allem im „Leben im Staat“), hat einen tiefgreifenden Einfluss auf das kirchliche Leben, welches in Kuwait eingeschränkt ist. Um zum Beispiel ein Stück Land zu kaufen, um dort eine Kirche zu errichten, muss der Käufer ein Bürger Kuwaits sein. Für Christen muslimischer Herkunft wäre es sehr gefährlich, ein Stück Land zum Bau einer Kirche zu kaufen, da ihr Glaubenswechsel dadurch öffentlich bekannt werden würde. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Gemeinden, die eine Genehmigung zum Bau einer Kirche beantragen, Jahre darauf warten müssen. Ein Experte für das Land bemerkt: „Die meisten der anerkannten christlichen Kirchen sehen ihre Gebäude als unzureichend an, um ihren Gemeinden zu dienen, und haben erhebliche Probleme, ordnungsgemäße Genehmigungen der städtischen Behörden zu bekommen, um neue Gebäude zu bauen. Die städtischen Behörden haben religiöse Versammlungen in Privatgebäuden unterbunden und Vermieter unter Druck gesetzt, die Räumlichkeiten an nicht registrierte Kirchengemeinden vermietet hatten.“ Abgesehen vom Erwerb von Gemeinderäumlichkeiten ist auch der Vertrieb von religiösem Materialien eingeschränkt, die nur innerhalb der eigenen Gemeinde verteilt werden dürfen. Die Regierung gestattet Kirchen, religiöse Materialien zu importieren, doch nur unter der Bedingung, dass deren Inhalt den Islam nicht beleidigt. Zeichen und Symbole dürfen nicht von außen sichtbar an Kirchengebäuden angebracht werden. Die Regierung verbietet nichtmuslimischen Missionaren, im Land zu arbeiten und den christlichen Glauben an Muslime weiterzugeben.

Auftreten von Gewalt

Abgesehen vom geringen Maß an „Auftreten von Gewalt“ gegen Christen, ist Kuwait ein typischer Golfstaat. Die Regierung braucht gar nicht gegen Christen vorzugehen, da der gesellschaftliche Druck so hoch ist, und die Christen den Vorgaben der Regierung Folge leisten. Es ist nicht einfach, gesicherte Berichte über Gewalt aus dem Land zu bekommen. Jedoch berücksichtigt Open Doors die schwierige Situation der Arbeitsmigranten, die in niedrigqualifizierten Berufen tätig sind. Nach Amnesty International sind diese Arbeiter „weiterhin mit Ausbeutung und Missbrauch im Rahmen des offiziellen ‚Kafala‘-Systems der Bürgschaft konfrontiert.“ Open Doors befürchtet, dass christliche Arbeiter, insbesondere Frauen, noch verwundbarer sind und wegen ihres Glaubens diskriminiert werden. Jedoch gibt es derzeit keine eindeutigen Anzeichen für Misshandlungen von christlichen Arbeitsmigranten, die mit ihrem Glauben in Zusammenhang stehen. Dieser Bereich wird demnächst ausführlicher untersucht werden.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Nach Angaben des „Tahirih Justice Center“ soll häusliche Gewalt, insbesondere gegenüber Frauen, in Kuwait weit verbreitet sein. Häusliche Gewalt wird als Familienangelegenheit betrachtet; es gibt keine spezifischen Gesetze zur häuslichen Gewalt, und es ist höchst unwahrscheinlich, dass die Behörden dagegen vorgehen. Außerdem ist die Rolle der Frau in der Gesellschaft sehr eingeschränkt und Frauen dürfen ihren Ehepartner oft nicht selbst wählen. In einer solchen Atmosphäre ist es nicht schwer, sich vorzustellen, was mit christlichen Hausangestellten geschehen kann. Im März 2017 wurde ein schockierendes Video veröffentlicht, in dem ein äthiopisches Hausmädchen aus dem Fenster fällt; die Frau, die sie filmt, versucht nicht, sie zu retten.

Männer

Männer sind besonders an ihrem Arbeitsplatz Diskriminierung und Feindseligkeiten ausgesetzt. Arbeitsmigranten sind durch das ‚Kafala‘ genannte System der Bürgschaft an ihre Arbeitgeber gebunden, das sowohl Männer als auch Frauen in die Gefahr bringt, regelrecht versklavt zu werden. Das kann zum Zerbrechen ihrer Familien führen.

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Die Zukunft Kuwaits ist wie die anderer Länder der Region untrennbar mit der politischen Situation der Region verbunden. Der Nahe Osten und die Golfregion sind unberechenbarer denn je. Auch wenn der IS militärisch besiegt ist, bleibt sein Einfluss bestehen. Der Aufstieg des sunnitischen Extremismus war nicht nur für die Christen in der Region, sondern auch für die einzelnen Staatsoberhäupter und die internationale Gemeinschaft ein Thema. Länder mit sunnitischer Bevölkerungsmehrheit, einschließlich Kuwait, sind wachsam, um sicherzustellen, dass solche extremistischen militanten Gruppen ihre Netzwerke nicht in ihrem Land aufbauen. Solange Kuwait jedoch seine Offenheit für die Weltwirtschaft bewahrt, werden ungeachtet des bestehenden Drucks wahrscheinlich weiterhin Christen in das Land kommen. Trotz der Unruhen in der Region (wie der Katar-Krise und des anhaltenden Bürgerkriegs im Jemen) war Kuwait im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2018 politisch stabil und es gab keinen massiven Anstieg der Verfolgung. Die Angst unter Christen (vor allem unter Christen muslimischer Herkunft) wird jedoch bleiben, da das Umfeld im Land nach wie vor feindselig ist. Die Gesellschaft wird wahrscheinlich noch konservativer werden und die Regierung wird vermutlich zulassen, dass sich diese Entwicklung fortsetzt (solange sie ihre Macht nicht bedroht sieht), um die extremistischen islamischen Gruppen in der Gesellschaft zu beschwichtigen. Dennoch dürften christliche Arbeitsmigranten weiterhin auf Arbeitssuche ins Land kommen.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Kuwait

  • Laut der Verfassung ist der Islam Staatsreligion Kuwaits und das islamische Recht ist eine wichtige Quelle der Gesetzgebung. Beten Sie, dass sich das Land für wahre Religionsfreiheit öffnet.
  • Beten Sie, dass Familienangehörige von Christen muslimischer Herkunft an ihnen die Liebe Christi erkennen. Beten Sie, dass die Christen Mut und Weisheit bekommen, wie sie ihren Glauben mit den Menschen in ihrem Umfeld teilen können.
  • In der Gesellschaft werden Christen als Bürger zweiter Klasse, Fremde und Ungläubige betrachtet. Ihnen wird die Teilnahme an gemeinschaftlichen Aktivitäten verwehrt. Beten Sie, dass die christliche Gemeinschaft nicht entmutigt wird und weiterhin in ihrem muslimischen Umfeld die Liebe Jesu weitergibt.

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