Länderprofil Libyen

Libyen

7
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Libyen
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
11
ISO
LY
Karte Libyen
Karte Libyen
Christen
0,04
Bevölkerung
6.41
Islamische Unterdrückung
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 15.200
Familienleben: 15.300
Gesellschaftliches Leben: 14.200
Leben im Staat: 15.700
Kirchliches Leben: 15.500
Auftreten von Gewalt: 10.400
Länderprofil Libyen

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

86 Punkte / Platz 7 (WVI 2017: 78 Punkte / Platz 11)

Von wem Verfolgung ausgeht

Extremistische islamische Gruppen und organisiertes Verbrechen sind die beiden Hauptursachen der Christenverfolgung in Libyen. Christen sind hier eine sehr kleine Minderheit, die sich hauptsächlich aus Ausländern zusammensetzt, die auf der Suche nach Arbeit sind oder über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollen. Christliche Migranten aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara sehen sich seitens der alteingesessenen Bevölkerung nicht nur mit Intoleranz, sondern auch mit rassistischen Vorurteilen konfrontiert. Extremistische islamische Gruppen, die sich seit dem Sturz des Gaddafi-Regimes im Jahr 2011 stark ausgebreitet haben, sind eine zusätzliche Gefahrenquelle für Christen in Libyen. Auch gesellschaftlicher Druck und Verfolgung durch Mitglieder der unmittelbaren und erweiterten Familie sind ein Problem. Die herrschende Anarchie und der Bürgerkrieg haben die Situation für die Christen verschlimmert. Die mangelnde Strafverfolgung derer, die gewalttätige Übergriffe gegen Christen verüben, verstärkt das Problem zusätzlich.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Auf libysche Christen muslimischer Herkunft wird seitens ihrer Familie und der gesamten Gemeinschaft sehr gewalttätiger und intensiver Druck ausgeübt, ihrem neuen Glauben abzuschwören. Ausländer aus anderen Teilen des Kontinents werden ebenfalls von verschiedenen extremistischen islamischen Gruppierungen und organisierten kriminellen Gruppen angegriffen. Sie entführen Christen, und es gab auch Fälle, in denen Christen auf sehr brutale und schockierende Weise getötet wurden. Doch selbst wenn ihnen ein solches Schicksal erspart bleibt, werden Christen aus dem Afrika südlich der Sahara schikaniert und von extremistischen Islamisten bedroht. Christen, die in der Öffentlichkeit ihren Glauben bekennen und versuchen, das Evangelium mit anderen zu teilen, laufen ebenfalls Gefahr, verhaftet und misshandelt zu werden. Das Fehlen einer Zentralregierung, die Recht und Ordnung im Land durchsetzt, hat die Lage für Christen prekär gemacht. Das Ausmaß der Gewalt gegen Christen in Libyen ist sehr hoch und sie sind einer sehr gewalttätigen, unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung ausgesetzt.

Beispiele

  • Mehrere koptische Christen, die versuchten, nach Ägypten zurückzukehren, wurden in einem Gefängnis auf dem Flughafen von Tripolis für zwei Wochen festgehalten und zweimal täglich während der Zeit der Inhaftierung ausgepeitscht. Mindestens einer von ihnen war bereits seit mehr als zwei Wochen als Geisel in Bengasi in Gefangenschaft, bis seine Familie ein Lösegeld zahlte.
  • Im November 2016 wurden zwei ägyptische Christen in Libyen von einer Gruppe namens „Ansar al-Sharia“ wegen ihres Glaubens hingerichtet.
  • Auch wenn der Bericht von Amnesty International den Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex (WVI) 2018 nicht abdeckt, gibt er einen klaren Hinweis darauf, was Christen derzeit durchmachen: Ein 26-Jähriger aus Eritrea, der in einem Gefangenenlager in al-Zawiya festgehalten wurde, wird mit den Worten zitiert: „Sie hassen Christen. Wenn du Christ bist, kann ich nur sagen: Gott helfe dir, wenn sie es herausfinden … Wenn sie ein Kreuz oder eine [religiöse] Tätowierung sehen, schlagen sie dich noch stärker.“ Ein anderer ehemaliger Häftling aus Nigeria sagte, dass Wachen im Gefangenenlager in Misrata die Männer nach Religion getrennt und die Christen dann ausgepeitscht haben. Ein 22-jähriger Mann aus Eritrea, der in der Haft geschlagen wurde, nachdem sein Boot abgefangen worden war, sagte: „Sie schlugen mich, nahmen mein Geld und warfen meine Bibel und das Kreuz, das ich um meinen Hals trug, weg … Zuerst prüfen sie, ob man Geld in den Taschen hat, dann nehmen sie ein elektrisches Kabel und peitschen dich aus.“

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Libyen verzeichnet auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2018 einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um 8 Punkte auf 86 Punkte und belegt damit Rang 7. Dieser Anstieg ist direkt auf die Zunahme der Gewalt gegen Christen zurückzuführen, insbesondere in Bezug auf Migranten auf Durchreise, die ohnehin sehr schlecht behandelt werden. Dazu waren im aktuellen Berichtszeitraum mehr Informationen vorhanden. Die allgemein herrschende Anarchie hat sich ebenfalls fortgesetzt und trägt zu den beklagenswerten Bedingungen bei, unter denen Christen in Libyen leben müssen.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Diese Triebkraft äußert sich auf vielfältige Weise. Der Islam ist tief verwurzelt in Libyens Kultur, deshalb erleben Muslime, die sich dem christlichen Glauben zuwenden, großen Druck seitens ihrer Familien und der Gesellschaft. Nach dem Sturz Gaddafis haben verschiedenste islamistische Gruppen praktisch freie Hand und gewinnen kontinuierlich mehr Einfluss und Kontrolle über die Gesellschaft.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Dies ist die zweite Triebkraft der Verfolgung in Libyen. Korruption ist so weit verbreitet, dass sie wesentlich zum anhaltenden Verfall der Rechtsstaatlichkeit und zur mangelnden Strafverfolgung beiträgt. Diese Triebkraft ist eng verknüpft mit Islamischer Unterdrückung, da einige der militanten islamischen Gruppierungen als organisierte kriminelle Gruppen arbeiten, beispielsweise im Menschenhandel.

3. Verfolger

In Libyen gibt es verschiedene Gruppen, von denen Verfolgung ausgeht. Gewöhnliche Bürger, die sich intoleranten und extremistischen Auslegungen des Islam verschrieben haben, tragen zur Verfolgung von Christen insbesondere im Privatleben, im Familienleben und im gesellschaftlichen Leben bei. Die Verfolgung wird durch eine Vielzahl militanter islamischer Gruppen verschärft, die einen beträchtlichen Teil des libyschen Territoriums kontrollieren. Diese Gruppen sind für die gewaltsamsten Formen der Verfolgung verantwortlich und agieren völlig ungestraft, da es keine Zentralregierung gibt, die auch nur den Anschein von Recht und Ordnung im Land sicherzustellen vermag. Hinter beiden Gruppen von Verfolgern steht die Lehre und der Einfluss von extremistischen wahhabitischen Imamen. Diese religiösen Führer sind deshalb ebenfalls als Verfolger von Christen zu betrachten.

Kriminelle Gruppen, die Menschenhandel und Entführungen mit Lösegeldforderung betreiben, sind ebenfalls stark an der Verfolgung beteiligt. Diese Gruppen wenden unterschiedlichste Strategien an, um Einwanderer zu berauben, die versuchen, über Libyen nach Europa zu kommen. Viele werden nicht nur unter Lösegeldforderung als Geiseln genommen, sondern in die Sklaverei verkauft, und viele Frauen werden Opfer von sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen.

4. Hintergrund

Libyen befindet sich derzeit in einem Zustand der Anarchie, wobei mindestens drei Regierungen miteinander konkurrieren. Der anhaltende Bürgerkrieg zwischen verschiedenen militanten Gruppen, welche mit den drei rivalisierenden Regierungen verbündet sind, bedeutet, dass das Land weiterhin ein Zufluchtsort für extremistische islamische Gruppen bleiben wird, die darauf hinarbeiten, die ganze Region zu destabilisieren. Der anhaltende Zustand der Anarchie macht es wahrscheinlich, dass Christen in Libyen weiterhin verfolgt werden, und er bietet auch eine Ausgangsbasis für militante Gruppen, die Christen in den Nachbarländern angreifen wollen. Leider scheint kein Ende des Bürgerkrieges und der Instabilität in Sicht, die Libyen seit dem Arabischen Frühling 2011 im Griff haben. Obwohl sich Fayez al-Sarradsch (der Leiter der von den Vereinten Nationen unterstützten Einheitsregierung mit Sitz in Tripolis) und General Chalifa Haftar (der Anführer der Streitkräfte, die dem Parlament in Tobruk im Osten Libyens die Treue halten) auf einen Entwurf für ein Friedensabkommen geeinigt haben, das von Italien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten unterstützt wird, gibt es viele Zweifel, ob dieses Abkommen tatsächlich umgesetzt werden kann.

Nach dem Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen (UNDP Human Development Index), der die Länder nach ihrem sozioökonomischen Status bewertet, liegt Libyen auf Platz 102 von 188 Ländern. Obwohl Libyen früher zu den Ländern Afrikas gehörte, die vergleichsweise besser abschnitten, ist die Gesamtleistung des Landes seit Beginn der Aufstände im Arabischen Frühling 2011 stetig zurückgegangen. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass der Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung schwieriger und deren Qualität schlechter geworden sind. Der anhaltende Bürgerkrieg hat zur Einstellung der Ölexporte und von Sozialdienstleistungen geführt, die vor Ausbruch des Konflikts durch den Staat finanziell unterstützt wurden. Von den verschiedenen Konfliktparteien werden riesige Geldsummen für Rüstungsgüter ausgegeben, und die Gewalt hat zu weitreichenden Zerstörungen geführt, so dass der Wiederaufbau Jahre dauern wird.

Libyen ist ein klassischer „failed state“, ein gescheiterter Staat, geworden. Mehr als ein halbes Jahrzehnt nach dem Arabischen Frühling wurden die Träume von einem offenen und demokratischen Land durch ein alptraumhaftes Szenario ersetzt, in dem ein Flickenteppich militanter Gruppen verschiedene Teile des Landes kontrolliert und um die Vorherrschaft kämpft. Die Situation hat sich im Laufe der Jahre nicht gebessert; und es ist schwer zu erkennen, wie der Konflikt in naher Zukunft gelöst werden könnte. In der Zwischenzeit hat der Konflikt die Verwundbarkeit der Christen im Land erhöht.

Migranten, die beim Versuch, Europa zu erreichen, abgefangen werden, werden in 24 Haftanstalten in ganz Libyen festgehalten, die von der Abteilung zur Bekämpfung irregulärer Migration (DCIM) betrieben werden, die nominell dem libyschen Innenministerium unterstehen. In der Praxis werden viele der Haftanstalten allerdings von Angehörigen bewaffneter Gruppen geführt, unter denen Menschen aller Glaubensrichtungen leiden. Gewalt, Sklaverei und sexueller Missbrauch sind weit verbreitet. Die Inhaftierten sind schutzlos, da es in Libyen kein nationales Asylrecht oder -system gibt. Im stark islamisierten Kontext Libyens sind christliche Migranten besonders verwundbar.

Ibadi-Muslime, die nicht zu den sunnitischen oder schiitischen islamischen Traditionen gehören, werden von Gruppen wie dem Islamischen Staat (IS) und anderen militanten sunnitischen Gruppierungen mit gewalttätigen Angriffen verfolgt. (Kinder dieser extremistischen Gruppen werden mithilfe von Lehrbüchern unterrichtet, die vom Wahhabismus beeinflusst sind.)

5. Betroffene Kategorien von Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Christliche Gastarbeiter (die meisten von ihnen kommen aus dem Afrika südlich der Sahara und einige aus Ägypten) dürfen ihre eigenen Kirchen haben, libysche Bürger dürfen an diesen Gottesdiensten jedoch nicht teilnehmen. Bereits unter der despotischen Herrschaft Gaddafis war die Lage der Christen sehr hart. Ausländische Christen beziehungsweise christliche Gastarbeiter haben eine gewisse Freiheit, doch nicht-arabische Afrikaner erleiden doppelte Verfolgung: aus rassistischen und auch aus religiösen Gründen.

Christen muslimischer Herkunft

Die sehr kleine Gruppe libyscher Christen hält ihren Glauben geheim. Sie können keine Gottesdienste in offiziellen Kirchen besuchen. Ihre Anzahl ist sehr gering, doch mit dem Aufkommen christlicher Fernseh- und Internetangebote auf Arabisch wächst das Interesse am christlichen Glauben. Wie in den meisten muslimischen Ländern ist die Abkehr vom Islam mit starkem sozialen Druck verbunden. Christen muslimischer Herkunft sind ständig von ihrer Familie bedroht. Die meisten libyschen Christen wagen nicht, sich mit anderen Christen zu treffen, denn alle religiösen Versammlungen – ausgenommen islamische – sind für Libyer verboten.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 15.200
Familienleben: 15.300
Gesellschaftliches Leben: 14.200
Leben im Staat: 15.700
Kirchliches Leben: 15.500
Auftreten von Gewalt: 10.400

Grafik: Verfolgungsmuster Libyen

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Der Druck auf Christen in Libyen ist in allen Lebensbereichen extrem hoch. Der durchschnittliche Druck stieg von 14,6 Punkten im Vorjahr auf 15,2 Punkte im aktuellen Berichtszeitraum. Dies zeigt: Je länger die Anarchie und Instabilität in Libyen anhalten, desto schlimmer wird die Situation für Christen.
  • Der Druck ist in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ am höchsten. Das liegt daran, dass islamistische Gruppierungen weite Teile des Landes kontrollieren und als offizielle Autoritäten auftreten. Dadurch wird auf Kirchen und einzelne Christen (insbesondere Christen mit muslimischem Hintergrund) enormer Druck ausgeübt. Sie stehen konstant in der Gefahr, gewalttätig angegriffen zu werden.
  • Der Wert für „Auftreten von Gewalt“ ist von 5,4 Punkten auf 10,4 angestiegen. Wie bereits festgestellt, ist dieser Anstieg zum Teil darauf zurückzuführen, dass mehr Informationen zu Übergriffen gegen durchreisende Migranten verfügbar waren. Diese Migranten werden generell schlecht behandelt, Christen werden jedoch herausgegriffen und erfahren eine noch schlimmere Behandlung.

Privatleben

Christen muslimischer Herkunft werden in dieser sehr konservativen Gesellschaft von ihren Familien ausgeschlossen. Wegen der kontinuierlichen Unterdrückung und Intoleranz seitens Familie und Gesellschaft wagen sie kaum, über ihren Glauben zu sprechen. Viele von ihnen sehen sich gezwungen, über eine Flucht aus dem Land nachzudenken.

Familienleben

Eine der großen Herausforderungen für Christen muslimischer Herkunft ist, einen Ehepartner zu finden. In Libyen gilt das traditionelle islamische Recht, wonach ein nicht-muslimischer Mann zum Islam konvertieren muss, um eine Muslima heiraten zu können. Die Islamisten in Libyen sind so extremistisch ausgerichtet, dass sie sogar Sufis (Sufi = Anhänger einer mystischen Strömung des Islam) verfolgen.

Gesellschaftliches Leben

Die Lage ist für Christen in Libyen so gefährlich geworden, dass es fraglich ist, ob es auf Dauer noch Christen im Land geben wird. Ein britischer Experte ging so weit zu behaupten: „Wir haben die christliche Präsenz im Land verloren, aufgrund des täglichen Drucks, der religiösen Spannungen sowie der Gewalt gegen Christen.“ Wenn Christen ihre religiösen Überzeugungen nicht verbergen, ist die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben im heutigen Libyen sehr riskant, da sie einem hohen Gewaltrisiko ausgesetzt sind.

Leben im Staat

Unter der Herrschaft von Gaddafi ging Verfolgung am stärksten vom Regime und den Geheimdiensten aus. Gegenwärtig sind hauptsächlich islamistische Bewegungen wie der IS für Druck auf und Gewalt gegen Christen verantwortlich in einem Land, dessen Zentralregierung kraftlos ist und in dem es keine Rechtsstaatlichkeit gibt. Auch kriminelle Banden üben Druck auf Christen aus.

Kirchliches Leben

Ein normales kirchliches Leben gibt es für Christen libyscher Herkunft nicht. Gastarbeiter dürfen Gottesdienste feiern, jedoch mit erheblichen Sicherheitsrisiken. Die Einfuhr christlicher Literatur inklusive Bibeln auf Arabisch ist streng verboten. Auch das erschwert das Wachstum der einheimischen Gemeinden. Muslime zur Annahme des christlichen Glaubens zu bewegen und andere missionarische Aktivitäten sind offiziell verboten.

Auftreten von Gewalt

Das Ausmaß der Gewalt gegen Christen in Libyen ist sehr hoch. Aufgrund der politischen Instabilität und dem Fehlen von Recht und Ordnung im Land sind Christen einer sehr gewalttätigen, unmenschlichen und entwürdigen Behandlung ausgesetzt. Auch wenn der Bericht von Amnesty International den Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex (WVI) 2018 nicht abdeckt, gibt er einen klaren Hinweis darauf, was Christen derzeit durchmachen: Ein 26-Jähriger aus Eritrea, der in einem Gefangenenlager in al-Zawiya festgehalten wurde, wird mit den Worten zitiert: „Sie hassen Christen. Wenn du Christ bist, kann ich nur sagen: Gott helfe dir, wenn sie es herausfinden … Wenn sie ein Kreuz oder eine [religiöse] Tätowierung sehen, schlagen sie dich noch stärker.“ Ein anderer ehemaliger Häftling aus Nigeria sagte, dass Wachen im Gefangenenlager in Misrata die Männer nach Religion getrennt und die Christen dann ausgepeitscht haben. Ein 22-jähriger Mann aus Eritrea, der in der Haft geschlagen wurde, nachdem sein Boot abgefangen worden war, sagte: „Sie schlugen mich, nahmen mein Geld und warfen meine Bibel und das Kreuz, das ich um meinen Hals trug, weg … Zuerst prüfen sie, ob man Geld in den Taschen hat, dann nehmen sie ein elektrisches Kabel und peitschen dich aus.“

  • Mehrere koptische Christen, die versuchten, nach Ägypten zurückzukehren, wurden in einem Gefängnis auf dem Flughafen von Tripolis für zwei Wochen festgehalten und zweimal täglich während der Zeit der Inhaftierung ausgepeitscht. Mindestens einer von ihnen war bereits seit mehr als zwei Wochen als Geisel in Bengasi in Gefangenschaft, bis seine Familie ein Lösegeld zahlte.
  • Im November 2016 wurden zwei ägyptische Christen in Libyen von einer Gruppe namens „Ansar al-Sharia“ wegen ihres Glaubens hingerichtet.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Christliche Frauen und Mädchen sind besonders sexuellen Belästigungen und Vergewaltigungen ausgesetzt. Zusätzlich zu den physischen Schmerzen und Verletzungen, die solche Angriffe mit sich bringen, erleiden die Opfer und ihre Familien und Freunde Traumata, mit den daraus resultierenden emotionalen Problemen.

Männer

Zwangsarbeit und Formen der Sklaverei sind weitverbreitete Arten der Verfolgung, die männliche Christen in Libyen erleiden. Männer werden zudem verprügelt, gefoltert und gedemütigt.

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Wegen der weiterhin großen Bedeutung lokaler, auch islamistischer Milizen sowie des Fehlens einer zentralen Regierung, die im ganzen Land Autorität hat, wird sich die Lage der Christen in absehbarer Zukunft wohl kaum verbessern. Die weitverbreitete Straflosigkeit bei Übergriffen gegen Christen wird wahrscheinlich weiter anhalten. Auch wenn die Bedeutung und militärische Stärke des IS im vergangenen Berichtszeitraum abgenommen hat, bleibt doch der Einfluss anderer militanter islamistischer Gruppen in Libyen bestehen. Die Existenz rivalisierender Regierungen in Ost- und Westlibyen, die Verbreitung von Stammesdenken und die Tatsache, dass das Land mit allen Arten von Waffen überflutet ist, machen die Zukunftsaussichten für Libyen und damit auch für die Christen im Land sehr düster.

Jede Hoffnung auf eine Besserung der Lage in Libyen hängt von der Verbesserung der politischen Bedingungen und der Sicherheitslage des Landes ab. Es ist zu hoffen, dass die Nationale Einheitsregierung fähig sein wird, Autorität zu gewinnen und Recht und Ordnung im Land wiederherzustellen. Wenn dies geschähe (auch wenn es nicht zwangsläufig Religionsfreiheit für die Christen in Libyen bedeuten würde), könnte sich für die Christen die Gefahr zumindest der entsetzlichsten Formen der Verfolgung verringern. Langfristig gesehen wird die Art der politischen Ordnung, die aus dem momentanen Friedens- und Übergangsprozess erwächst, ein entscheidender Faktor für die künftige Religionsfreiheit von Christen in Libyen sein.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Libyen

  • Bitte beten Sie, dass Gott die Pläne der extremistischen islamischen Gruppen durchkreuzt, indem er den Islamisten seine Barmherzigkeit, Gnade und Autorität zeigt.
  • Beten Sie für die wachsende Gemeinde von Christen muslimischer Herkunft in Libyen, besonders für die, die von der Gemeinschaft mit anderen Christen abgeschnitten sind. Bitte beten Sie für die libyschen Christen, die quer über Europa verstreut sind. Einige von ihnen leiden weiterhin an Verfolgung durch ihre Familien.
  • Bitte beten Sie, dass viele das Evangelium durch arabisches Fernsehen und Sendungen im Internet hören können. Beten Sie für die neuen Christen um Schutz und darum, dass sich Möglichkeiten auftun, wie sie im Glauben wachsen können.

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