Länderprofil Malediven

Malediven

13
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Malediven
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
13
ISO
MV
Karte Malediven
Karte Malediven
Christen
einige Hundert
Bevölkerung
0.38
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 15.200
Familienleben: 15.500
Gesellschaftliches Leben: 13.500
Leben im Staat: 15.800
Kirchliches Leben: 16.700
Auftreten von Gewalt: 1.100
Länderprofil Malediven

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

78 Punkte / Platz: 13 (WVI 2017: 76 Punkte / Platz: 13

Von wem Verfolgung ausgeht

Die Regierung der Malediven besteht darauf, dass das Land nach konservativen islamischen Prinzipien geführt wird, und dass alle Staatsbürger Muslime sein müssen. Deshalb gibt es keine Religionsfreiheit, mit Ausnahme von ausländischen Christen, die ihren Glauben jedoch nur in absoluter Privatsphäre, hinter verschlossenen Türen praktizieren dürfen, und die daher sehr streng überwacht werden. Berichten zufolge haben die meisten aufgehört, sich zu versammeln, da es die Aufmerksamkeit der Behörden zu sehr auf sich gezogen hat. Hinzu kommt, dass sich die Regierung in festgefahrenen Auseinandersetzungen mit oppositionellen Kräften befindet und daher gegen jede vermeintliche Bedrohung schnell und heftig durchgreift. Extremistische Islamprediger und Geistliche, sowohl einheimische als auch aus dem Nahen Osten, üben strenge sozio-religiöse Kontrolle aus und beeinflussen andere mit ihren extremen Ansichten des Islam. Das macht es Christen (besonders ehemalige Muslime) unmöglich, ihren christlichen Glauben in irgendeiner Art und Weise zu zeigen. Zu groß ist die Angst, überwacht oder gar den staatlichen Behörden überstellt zu werden.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Trotz der geringen Bevölkerungszahl – die Malediven bestehen aus 1700 kleinen Inseln – haben sie doch eine der stärksten Bevölkerungsdichten der Welt, besonders auf der Hauptinsel Malé. Die Bewohner bilden eng verwobene zusammenhängende Inselgemeinschaften, die zugleich so gut aufeinander achtgeben, dass jegliche Veränderungen eines Mitglieds sofort auffallen. Das gilt auch für religiöse Dinge. Eine Konversion zu Jesus Christus würde sehr schnell den muslimischen Leitern oder den Behörden mitgeteilt werden. Ausländische Christen, die vor allem in der Touristik arbeiten und aus Indien oder Sri Lanka stammen, werden ebenfalls intensiv beobachtet, was eine Zusammenkunft unter Christen sehr erschwert.

Beispiele

  • Weil die Sicherheit der Christen nicht gefährdet werden darf und es nur sehr wenige Christen auf den Malediven gibt, sind Beispiele rar. Im Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2018 können die Beschlagnahme von Bibeln bei der Einreise, sowie die Inhaftierung und Abschiebung von Christen genannt werden.
  • In einem Land, in dem laut Artikel 9(d) der Verfassung Nicht-Muslime keine Staatsbürger werden dürfen, und dementsprechend der Druck extrem hoch ist, und Menschen, denen die Konversion zum christlichen Glauben nachgewiesen werden kann, ihr Bürgerrecht verlieren und Strafen für die Verletzung der Scharia erhalten, ist es nicht schwer, sich vorzustellen, dass sich Konvertiten gut versteckt halten. Einige maledivische Christen haben daher ihr Land verlassen, um dem enormen Druck zu entfliehen.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Die Steigerung um 2 Punkte im Vergleich zum Weltverfolgungsindex (WVI) 2017 liegt vor allem an dem erhöhten Druck auf Christen im Bereich „Familienleben“ und „Kirchliches Leben“. Während Ersteres ehemalige Muslime betrifft, die praktisch gar keine Möglichkeit haben, ihren christlichen Glauben auszuleben, sind vom Letzteren ausländische Christen (häufig Arbeitsmigranten) betroffen, denen kaum Gelegenheiten gegeben werden, einen gemeinsamen Gottesdienst zu feiern, ohne befürchten zu müssen, abgeschoben oder verhaftet zu werden. Aus diesem Grund sind die Malediven eines der wenigen Länder, das im Bereich „Kirchliches Leben“ die maximal erreichbare Punktzahl hat.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Die islamische Regierung betrachtet sich weiterhin als Beschützerin des Islam und hat eine Reihe von Gesetzen erlassen, die es einem Malediver grundsätzlich verbieten, sich vom Islam abzuwenden und einer anderen Religion beizutreten. Ein Malediver ist Muslim; da gibt es keinen Raum für Abweichungen. Eine Hinwendung zum christlichen Glauben würde weitreichende Folgen haben, u.a. den Verlust des Bürgerrechts. Offiziell gibt es keine maledivischen Christen, nur im Land wohnende ausländische Christen. Die wachsende Islamisierung wurde im Berichtszeitraum des WVI 2018 deutlich, als es einen öffentlichen Aufschrei besorgter Eltern gab, weil in einem Sozialkundebuch der Klassen 1-4 zwei christliche Kirchen abgebildet waren. Die Bücher waren kurz zuvor von der neuen Schulleitung der „Gateway International Schools“ eingeführt worden, ohne eine Genehmigung des zuständigen maledivischen Ministeriums abzuwarten. Eine örtliche Nachrichtenwebseite brachte den Vorwurf, die Schule sei ein „Einstieg (engl. „Gateway“), um Malediver in Christen zu verwandeln.” Die Bücher mussten vom Markt genommen werden. Die Berufung eines extremistischen Geistlichen in den höchsten islamischen Rat im Dezember 2016 passt ebenfalls zu den Beobachtungen. Hier wird die schwierige Situation deutlich, in der sich die maledivischen Christen befinden. Als eine Firma im Berichtszeitraum des WVI 2018 Schweizer Armeemesser verschenkte, wurde berichtet, dass alle Beschäftigten das weiße Logo von den Messern gekratzt hatten, weil es aussah wie ein Kreuz.

Diktatorische Paranoia

Politische Freiheiten sind weiterhin umkämpft. Im August 2017 wurden Mitglieder der Opposition daran gehindert, das Parlament zu betreten. Präsident Yameen versucht, sich die Gunst der Wählerstimmen zu sichern, indem er sich auf das Thema Religion konzentriert. In seiner vierten Rede zur Lage der Nation kündigte er das Programm zur „Förderung islamischer Einheit und Pflege des religiösen und nationalen Geistes“ für die Bevölkerung an. Religionsfreiheit ist weiterhin undenkbar, besonders da der „Schutz der Religion“ einzig als Schutz des Islam gedacht ist. Der Schutz vor dem Angriff auf die „religiöse Einheit“ ist deshalb besorgniserregend, da der Wortlaut erkennen lässt, dass die Behörden sich gegen jede wahrgenommene Abweichung von ihrem Verständnis des Islam stellen werden. Diese Gesetze und die Rhetorik zeigen nicht nur, dass der Islam um jeden Preis beschützt werden wird, sondern dass „Islamische Unterdrückung“ mit „Diktatorischer Paranoia“ verknüpft ist. Hier wird der Islam benutzt, um politische Freiheiten einzuschränken (mehr dazu unter „Aktuelle Einflüsse”).

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Korruption ist auf den Malediven auf allen Ebenen der Regierung stark vertreten und es gibt fast nichts, das man nicht mit einem angemessenen Bestechungsgeld, Gefälligkeiten und/oder Androhungen bekommen könnte. Verträge und andere Übereinkünfte können nach Gutdünken gebrochen werden. Regierungsbeamte heuern junge Männer aus Straßenbanden an, die für sie die Drecksarbeit erledigen (Menschen zusammenschlagen, Eigentumsdelikte gegen bestimmte Zielgruppen, Handel mit Schmuggelware, um Bargeld zu generieren). Viele Straßenbanden werden von Regierungsbeamten aller Ebenen kontrolliert, die es besonders auf jene abgesehen haben, die etwas gegen die Regierung oder den strikten Islam einzuwenden haben. Auch extremistische Islamisten, die Christen und Atheisten aufspüren wollen, haben Kontakte und Einfluss bei Gangs und korrupten oder brutalen Polizeinetzwerken. Einige Kriminelle (Einzelpersonen oder in einer Bande) handeln zu ihrem eigenen Vorteil, aber ohne konkrete Absicht, Anarchie zu fördern.

3. Verfolger

Die Regierung der Malediven besteht darauf, dass das Land anhand konservativer islamischer Prinzipien geführt wird, und dass jeder Staatsangehöriger Muslim sein muss. Daher gibt es keine Religionsfreiheit, außer für ausländische Arbeiter, die jedoch streng überwacht werden und so stark eingeschüchtert sind, dass sie sich kaum mehr trauen, selbst hinter geschlossenen Türen sich zu versammeln. Zudem befindet sich die Regierung in einem anhaltenden politischen Machtkampf und geht daher noch schneller und stärker gegen jede empfundene Bedrohung vor. Extremistische Islamprediger und Geistliche, sowohl einheimische als auch aus dem Nahen Osten, üben strenge sozio-religiöse Kontrolle aus und beeinflussen andere mit ihren extremen Ansichten des Islam. Das macht es für Christen (besonders ehemalige Muslime) unmöglich, ihren christlichen Glauben in irgendeiner Art und Weise erkennen zu lassen. Zu groß ist die Angst, überwacht oder gar den staatlichen Behörden überstellt zu werden. Wie bereits erwähnt, tun sich extremistische Muslime mit kriminellen Banden zusammen, um Christen und Atheisten und jeden, der in Verdacht steht, einer zu sein, aufzuspüren.

4. Hintergrund

Die Malediven sind in Aufruhr. Weltweit haben sie das Image des paradiesischen Urlaubsziels. Dabei folgt das Land einer strengen Form des Islam und hat mit Unruhen und vielfältigen politischen Herausforderungen zu kämpfen. Nicht einmal einen Monat nach seiner Festnahme im März 2015 wurde der ehemalige Präsident Mohammed Nasheed ohne faires Gerichtsverfahren zu dreizehn Jahren Gefängnis verurteilt. Wer dagegen protestierte, wurde entlassen. Dies betraf auch etliche hochrangige Politiker, wie den Verteidigungsminister und den Vizepräsidenten. Im Januar 2016 wurde dem ehemaligen Präsidenten Nasheed gestattet, für eine ärztliche Behandlung nach London zu reisen, wo ihm im Mai 2016 politisches Asyl gewährt wurde. Kurz darauf gründete er gemeinsam mit mehreren (hauptsächlich ebenfalls im Exil lebenden) Politikern eine Plattform mit dem Namen „United Maldives Opposition“. Auch wenn diese Plattform nicht in allem geeint ist, so hat sie doch dazu geführt, die regierende Partei „Progressive Party of Maldives“ (PPM) weiter zu destabilisieren. Die PPM hat einige schwerwiegende Teilungen mitgemacht und Präsident Yameen hat sogar seine Mehrheit im Parlament verloren. Am Ende seiner Amtszeit im Oktober 2016 führte er einen Austritt aus dem Commonwealth herbei. Das macht deutlich, wie schnell sich die Lage der Menschenrechte verschlechtert.

Im Mai 2017 konnte die Opposition bei den Lokalwahlen einen wichtigen Sieg erringen. Im Juli 2017 sind zehn Parlamentsmitglieder aus der Regierungspartei ausgetreten und zur Opposition übergewechselt. Dieser Schritt wurde jedoch nicht vom Verfassungsgericht anerkannt, stattdessen hat es die Abgeordneten des Parlaments verwiesen. Der Ausschluss von Politikern aus dem Parlament, die dadurch auch an der ihnen übertragenen politischen Arbeit gehindert werden, ist ein klarer Beweis für den brüchigen Zustand der Malediven. Scheinbar ist die Regierung in einem Zustand der Diktatorischen Paranoia und verhält sich nach dem Motto, „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“ Jede Kritik und Warnung der internationalen Gemeinschaft werden in den Wind geschlagen.

Nach Schätzungen der Regierung von August 2016 beheimaten die Malediven mehr als 130.000 ausländische Arbeitnehmer, von denen der größte Teil im Tourismus arbeitet. Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung (ca. 382.000 im Jahr 2018) ist dies eine überraschend hohe Zahl. Vor allem, da die einheimische Nichtregierungsorganisation „Transparency Maldives” die Arbeitsmigranten eher auf 200.000 schätzt. Anhand dieser Zahlen ist es keine Überraschung, dass laut einer offiziellen Berechnung der Regierung im Jahr 2011 der Menschenhandel (die Vermittlung illegaler Arbeiter) nach dem Tourismus den lukrativsten Sektor ausmacht. Hier wird auch deutlich, dass nicht allein die sehr kleine Anzahl maledivischer Christen von der fehlenden Religionsfreiheit betroffen ist, sondern auch die Christen unter den ausländischen Arbeitnehmern. (Die große Zahl ausländischer Arbeiter bringt gewisse soziale Probleme mit sich, die unter „Ausblick“ näher besprochen werden.)

Es gibt keine anerkannten religiösen Minderheiten irgendeiner Art auf den Malediven. Alle Staatsbürger sind gesetzlich dem muslimischen Glauben verpflichtet. Wer nachweislich eine andere Religion oder Philosophie als den Islam unterstützt (z.B. christlicher Glaube, Hinduismus, Buddhismus, Atheismus), wird genauso verfolgt wie die Christen. So ziehen es die meisten von ihnen vor, im Ausland zu leben, um nicht Gefängnis oder gar den Tod zu riskieren. Atheisten oder Menschen, die man für Atheisten hielt, sind für ihre Überzeugungen bereits getötet worden (siehe „Ausblick“)

5. Betroffene Kategorien von Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Sie stammen häufig aus Indien, Sri Lanka oder Bangladesch. Sie werden engmaschig überwacht. Doch solange sie strengstens unter sich bleiben, dürfen sie sich zu Gottesdiensten versammeln. Ausländische Christen haben keinen Kontakt zu maledivischen Christen muslimischer Herkunft.

Christen muslimischer Herkunft

Sie erleben die stärkste Verfolgung, da sie – offiziell – gar nicht existieren. Im allgemeinen Verständnis ist jeder Malediver ein Muslim. Wer den Islam verlässt, verliert seine Staatsbürgerschaft.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 15.200
Familienleben: 15.500
Gesellschaftliches Leben: 13.500
Leben im Staat: 15.800
Kirchliches Leben: 16.700
Auftreten von Gewalt: 1.100

Grafik: Verfolgungsmuster Malediven

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Der Druck auf die Christen in den Malediven ist in allen Lebensbereichen bis auf „Leben im Staat“ gestiegen. Der durchschnittliche Druck ist somit extrem hoch. Im Vergleich zum WVI 2017 (15,1 Punkte) ist er auf 15,3 Punkte im WVI 2018 gestiegen.
  • Am stärksten ist der Druck im „Kirchlichen Leben“, wo die maximale Punktzahl erreicht wurde. Das liegt an der absoluten Unmöglichkeit für die Christen, sich zu treffen. Selbst ausländische christliche Gastarbeiter organisieren aus Furcht vor den Folgen keine Gottesdienste. Auch in den Bereichen „Leben im Staat“, „Familienleben“ und „Privatleben“ ist die Wertung sehr hoch. Der Druck auf ehemalige Muslime ist besonders im „Privatleben“ und „Familienleben“ sehr intensiv. Jeder Politiker betont ohne Unterlass, die Malediven für 100 Prozent muslimisch zu halten. So bleibt praktisch gesehen absolut kein Raum für Abweichungen.
  • Die Wertung für „Auftreten von Gewalt“ gegen Christen ist von 0,7 im WVI 2017 auf 1,1 gestiegen. Jedoch ist die Verfolgung auf den Malediven bislang nicht sehr gewalttätig gewesen.

Privatleben

Jeder Malediver, der nicht so lebt, wie es dem von der Regierung festgelegten islamischen Lebensstil entspricht, wird bestraft. Ehemalige Muslime müssen stets äußerste Vorsicht walten lassen, um ihren Glauben möglichst gut zu verbergen. Bibeln und andere christliche Schriften müssen sorgfältig versteckt und können nur heimlich gelesen werden, weil die Familien den Glauben an Jesus Christus niemals akzeptieren würden, und der Besitz christlicher Literatur mit Gefängnis bestraft werden kann. Selbst für christliche Ausländer ist es gefährlich, christliche Schriften zu besitzen – vor allem in der Landessprache Dhivehi oder in größeren Mengen – da dies den Verdacht der Behörden weckt, die Schriften würden zur Evangelisation von Einheimischen verwendet. Tatsächlich werden beim Betreten des Landes alle Einreisenden dazu verpflichtet, alle nicht-muslimischen Schriften anzugeben. Das Gesetz verbietet ausländischen Christen, anderen von ihrem Glauben zu erzählen. Dies ist sogar in den Arbeitsverträgen festgelegt. Unter diesen Umständen ist es eine besondere Herausforderung, sich mit anderen Christen zu treffen. Sowohl die Christen selbst, als auch jegliche geheimen Zusammenkünfte werden dadurch gefährdet. In einem Fall ist von zwei engen Freunden die Rede, die beide lebendige Christen waren, die jedoch aus Angst ihren Glauben voreinander geheim hielten. Theoretisch sind private Treffen erlaubt, doch müssen die Teilnehmer sehr vorsichtig sein. Die Menschen werden immer mehr bedroht, weshalb sich viele Christen lieber gar nicht mehr treffen wollen.

Im November 2016 kam von religiösen Gelehrten die Aussage: „Wer Religionsfreiheit auf den Malediven haben will, sollte in ein anderes Land ziehen, das diese Freiheit gewährt. Es steht Menschen, die einer anderen Religion angehören wollen, frei, das Land zu verlassen. Es ist nur Nicht-Muslimen erlaubt, andere Glaubensrichtungen auszuüben. Verlässt ein Muslim den Islam ist das Gotteslästerung. Tun sie nicht Buße, sollen sie getötet werden“. Und im Dezember 2016 sagte der Verteidigungsminister: „Die Regierung der Malediven hat alle nötigen Schritte unternommen, um sicherzustellen, dass die Malediven zu 100 Prozent muslimisch bleiben. Ein wichtiger Schritt zum Schutz der Religion auf den Malediven besteht darin, den Islam als Staatsreligion in der Verfassung zu verankern. Jeder ist nur dann ein Malediver, wenn er an Allah glaubt. Gesetze, die dem Islam widersprechen, dürfen auf den Malediven nicht verabschiedet werden. Deshalb wird der Islam auf den Malediven sehr gut geschützt“.

Familienleben

Artikel 9(d) der Verfassung legt fest, dass ein Nicht-Muslim kein Staatsbürger der Malediven werden darf. Dementsprechend können Malediver, denen der Glaube an Jesus Christus zur Last gelegt wird, ihre Staatsbürgerschaft verlieren und nach den Gesetzen der Scharia bestraft werden. Da jeder Malediver Muslim sein muss, ist eine Registrierung für Konvertiten gänzlich ausgeschlossen. Ausländischen Christen ist es verboten, religiöse Handlungen (wie christliche Hochzeiten, Beerdigungen und Taufen, wobei letztere nur unter äußerster Geheimhaltung erfolgen können) in der Öffentlichkeit abzuhalten. In Artikel 36(c) der Verfassung heißt es: „Das Bildungssystem ist bestrebt, Gehorsam und Liebe zum Islam zu vermitteln.“ Kinder von ehemaligen Muslimen müssen zum Islamunterricht, während die Kinder christlicher Ausländer davon befreit sind. Die einheimische Menschenrechtsorganisation Maldivian Democracy Network beschrieb in einem Bericht aus dem Jahr 2015, dass islamische Schulbücher Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit schürten und den „Dschihad“ bzw. den Krieg gegen alle, die angeblich den Islam „behindern“, verherrlichten. Ehemalige Muslime entscheiden sich häufig dafür, ihren neuen Glauben nicht mit ihren Kindern zu teilen, aus Angst, diese könnten anderen versehentlich vom Glaubenswechsel der Eltern erzählen. Wenn christliche Konvertiten entdeckt werden, werden sie häufig unter Druck gesetzt, sich scheiden zu lassen und verlieren sowohl das Sorgerecht für ihre Kinder als auch ihre Erbrechte. Darüber hinaus werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit von ihren Familien isoliert.

Gesellschaftliches Leben

Die gesellschaftliche Kontrolle ist auf den Malediven extrem stark, da die Bevölkerungsdichte, besonders in der Hauptstadt Malé, eine der höchsten in der Welt ist. Christlichen Arbeitsmigranten ist es nicht erlaubt, ihren Glauben öffentlich zu praktizieren und ausländische Christen muslimischer Herkunft haben praktisch keine Privatsphäre. Stattdessen versuchen ihre Arbeitskollegen sie mit Druck zum Islam zu bekehren. Sie versuchen ihnen zu beweisen, dass Jesus nicht der Erlöser sei. Dafür setzen sie teils sogar Geld ein oder stellen eine Beförderung in Aussicht. In ihrem Bemühen, ihren Glauben zu verstecken, versuchen Christen muslimischer Herkunft, sich möglichst an die Menschen um sich herum anzupassen. Dies schließt sowohl ihre Kleidung ein als auch Besuche in der örtlichen Moschee. Jeder Einheimische, der die Moschee nicht besucht, wird zur Rede gestellt. Ausländische Christen haben mehr Freiheit, aber es gibt Zeiten, in denen sie sich anpassen müssen, zum Beispiel während des Ramadan, bei dem sie in der Öffentlichkeit nichts trinken und essen dürfen.

Leben im Staat

Die Verfassung und andere Gesetze schränken die Religionsfreiheit ein. Die Verfassung erklärt den sunnitischen Islam zur offiziellen Staatsreligion – mit Verweis darauf, dass das Land zu „100 Prozent“ muslimisch sei. Die Regierungsvorschriften basieren auf dem islamischen Recht. Darauf sind die Malediven nicht wenig stolz. Eine der Vorschriften lautet: „Es ist illegal, eine andere Religion außer dem Islam zu verbreiten.“ Strafen für Verstöße bewegen sich von Hausarrest bis hin zu zwei bis fünf Jahren Gefängnis, abhängig von der Schwere des Vergehens. Ist der Schuldige ein Ausländer, wird er in der Regel abgeschoben. Jegliche Meinungen, die der gängigen Auffassung vom Islam widersprechen (sogar moderate islamische Stimmen) erfahren harsche Kritik und sogar Gewalt. Besonders jetzt, wo das „Verleumdungsgesetz“ in Kraft getreten ist, das eine eigene Klausel gegen anti-islamische Äußerungen beinhaltet, ist die Redefreiheit der Christen noch stärker eingeschränkt und ein Verstoß kann bis zu sechs Monate Gefängnis nach sich ziehen.

2017 veröffentlichte die „Maldives Broadcasting Commission“ (MBC) einen Bericht über eine Beschwerde, die gegen eine Aussage des Präsidenten Yameen vom 1. Mai 2016 eingereicht wurde. Damals sagte er „Wir sind nicht Allahs Zweitsöhne, sondern wir sind Menschen wie in jedem anderen Land auch.“ Laut Beschwerde seien Yameens Worte unislamisch, da die Behauptung, Gott habe Kinder, laut Islam eine Gotteslästerung ist. Interessanterweise berichtete die MBC, dass das Islamministerium diese Aussage als Widerlegung für Juden und Christen verstanden habe, die glaubten, Gott habe Kinder gezeugt, die „damit beschäftigt sind, den Fortschritt und die Weiterentwicklung der Malediven zu behindern.“ Daher, so die Kommission, habe diese Aussage nicht gegen die Veröffentlichungsvorschriften verstoßen.

Kirchliches Leben

Für Malediver ist es illegal, Christ zu werden. Ganz zu schweigen davon, sich als Kirchengemeinde zu versammeln. Ausländische Christen haben etwas größere Freiheit, solange sie ihren Glauben nicht öffentlich leben. Es ist vorgekommen, dass öffentliche Versammlungen von Christen rigoros aufgelöst wurden. Ausländische Gemeinden werden aus Angst davor überwacht, dass sie die Einheimischen evangelisieren könnten. Im Dezember 2015 erließ die Regierung ein Verbot, weihnachtliche Feiern in Gästehäusern der bewohnten Inseln abzuhalten mit der Begründung, dass dies gegen den Islam und die maledivische Kultur verstieße.

Die „Lokale Regierungsbehörde“ (LGA) – unter der Leitung von Heimatminister Umar Naseer – wandte sich mit einem Schreiben an die Präsidenten der Inseln, an die Atollräte und die Bürgermeister von Malé und Addu mit der Bitte, die Besitzer von Gästehäusern aufzufordern, keine weihnachtlichen Feiern für Touristen abzuhalten. In dem Brief hieß es, dass die Weihnachtszeit eine Hauptsaison für den Tourismus sei und der Behörde bekannt geworden sei, dass „Touristen zu Weihnachten Feierlichkeiten auf den Malediven durchführten“. Nicht-islamische Literatur wird als Schmuggelware angesehen und muss bei der Einreise am Zoll angegeben werden. Demnach können christliche Schriften nicht importiert oder gar innerhalb des Landes produziert werden. Die Ausbildung christlicher Leiter ist undenkbar und christliche Gemeinschaften dürfen keine ausländischen Gemeindearbeiter anstellen.

Auftreten von Gewalt

Aufgrund von Sicherheitserwägungen gibt es hierzu keine detaillierten Informationen. Es wurde im Berichtszeitraum vom WVI 2018 von Vorfällen berichtet, dass bei der Einreise Bibeln konfisziert wurden. Auch wurden Christen festgenommen und abgeschoben.

7. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Die Malediven entwickeln sich immer mehr zu einem unruhigen Land. Gesellschaftliche Freiheiten werden nach und nach eingeschränkt. Dazu gehören auch (soziale) Medien, wie die schockierende Ermordung des bekannten Bloggers Yameen Rasheed im April 2017 in der Hauptstadt Malé zeigte. Mit der Tatsache, dass die Regierung den Islam auch weiterhin unter Schutz stellt und dies auch immer wieder betont, ist offensichtlich, dass sich die Situation religiöser Minderheiten, und besonders die der Christen, noch verschlechtern wird.

Die jüngere Generation der Inselbewohner fühlt sich laut eines Berichts der Weltbank vom Oktober 2014 immer mehr „entrechtet und ausgeschlossen“ und „abgeschnitten vom Gesellschaftsgefüge“. Die wachsende Globalisierung, das Internet und wirtschaftliche Expansion haben „jungen Frauen und Männern da draußen eine Welt gezeigt, die neue Vorstellungen und Werte mit sich bringt und ihnen sehr stark bewusstmacht, was sie alles erreichen können“, so der Report. „Doch sowohl männliche als auch weibliche Jugendliche sind mit den Fesseln der begrenzten Inselwirtschaft konfrontiert, sie werden kaum gefördert, und es fehlt gesellschaftliches Engagement. Sie haben mit strengen Verhaltensnormen und immer konservativer werdenden Werten zu kämpfen und wachsen in einem unzureichenden Bildungs- und Berufsbildungssystem heran, das sie nur unzureichend auf den Arbeitsmarkt vorbereitet.“ Der Bericht argumentiert, diese Probleme verwehrten vielen jungen Maledivern den „Eintritt ins Erwachsensein“. Diese sozialen Probleme führen zu einer wachsenden Radikalisierung. Das belegen die Zahlen der Malediver, die sich den Kämpfen im Irak und in Syrien angeschlossen haben. Ein Beobachter bezeichnet die Malediven sogar als ein „an den Terrorismus verlorenes Paradies“. Auch wenn das vielleicht etwas übertrieben ist, so haben die Malediven doch eine der höchsten pro-Kopf-Quoten von Terroristen, die im Ausland kämpfen. Die Regierung ist sich der Bedrohung zwar äußerst bewusst, doch setzt sie weiterhin auf eine schwere Bestrafung derer, die es wagen, interne Staatsangelegenheiten dieser Art zu veröffentlichen, wie geschehen im Juni 2017. Zudem betont die Regierung gerne den Status, „100 Prozent muslimisch“ zu bleiben, weiterhin zu beschützen. Sowohl der Verteidigungsminister als auch der Präsident äußerten sich im November 2017 dahingehend, die Malediven seien das Ziel „ideologischer Kreuzzüge“ gegen den Islam.

Es gibt noch eine große Frage, mit der die Malediven konfrontiert sind, nämlich ihre Beziehung zu Saudi-Arabien. Dies hat mit der wachsenden Islamisierung des Landes zu tun, denn häufig kommt das Geld für die großen Projekte aus dem saudischen Königreich. In Vorbereitung auf einen Besuch des saudischen Königs auf den Malediven im März 2017 hieß es, die Regierung habe Pläne, das Faafu-Atoll für eine Summe von zehn Milliarden US-Dollar zu verkaufen, damit Saudi-Arabien es zu einem Äquivalent der französischen Riviera entwickeln könne. Allerdings hat diese durchgesickerte Information den König scheinbar so verstimmt, dass er seinen Besuch verschoben hat. Es wird sich noch herausstellen müssen, ob die Beziehung zu diesem starken Sponsor beeinträchtigt bleiben wird. Nimmt man diese Information mit den politischen Unruhen zusammen, wird deutlich, dass die Verfolgungstriebkräfte Islamische Unterdrückung und Diktatorische Paranoia miteinander verknüpft sind und sich gegenseitig beeinflussen.

8. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für die Malediven

  • Dass Gott den Christen, die ihren Glauben im Verborgenen leben müssen, Wege zeigt, Gemeinschaft mit anderen Christen zu haben. Beten Sie, dass sie Zugang zu einer Bibel haben können, die nach maledivischem Recht als Schmuggelgut gilt.
  • Als Malediver ist man Muslim. Beten Sie für jeden Malediver, dass er oder sie einen Traum oder eine Vision von Jesus hat, und sie zu Christen geführt werden, die mutig genug sind, das Evangelium mit ihnen zu teilen.
  • Viele Malediver wollen das Land aufgrund der Einschränkungen ihrer Freiheit verlassen. Oft suchen sie Trost im Rauchen oder in Drogen. Einheimische Medien berichten, dass der Drogenmissbrauch das größte soziale Problem des Landes geworden ist. Bitte beten Sie, dass sich die Malediver zu Jesus wenden, um wahre Freiheit zu erleben.
  • Beten Sie, dass die heimlichen Christen in der Nachfolge Jesu angeleitet werden können. Dies ist riskant und eine große Herausforderung. Bitten Sie, dass Gott Antworten und Lösungen schenkt, wie Hindernisse überwunden werden können, und Christen geistlich gestärkt und Christus immer ähnlicher werden.

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