Länderprofil Mexiko

Mexiko

39
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Mexiko
Hauptreligion
Christentum
Staatsform
Föderale Republik
Platz Vorjahr
41
ISO
MX
Karte Mexiko
Karte Mexiko
Christen
124,87
Bevölkerung
130.22
Ethnisch begründete Anfeindungen
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Säkulare Intoleranz
Privatleben: 8.300
Familienleben: 7.600
Gesellschaftliches Leben: 12.100
Leben im Staat: 10.700
Kirchliches Leben: 9.700
Auftreten von Gewalt: 10.400
Länderprofil Mexiko

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

59 Punkte / Platz 39 (WVI 2017: 57 Punkte / Platz 41)

Von wem Verfolgung ausgeht

Es gibt verschiedene Formen von Verfolgung in Mexiko und der Mangel an Schutz für Christen resultiert aus der starken Korruption in allen Ebenen der Regierung. Die gewalttätigste Dimension der Verfolgung sind Angriffe von kriminellen Gruppen gegen Priester und Pastoren. Stammesführer sind ebenso für Angriffe auf Christen, besonders Konvertiten, verantwortlich. Zudem ist die säkulare Ideologie in der Gesellschaft dominanter geworden, indem ideologische Interessensvertretungen (wie die LGBTI-Bewegung) an Einfluss gewonnen haben. Diese Bewegungen versuchen, religiöse Äußerungen aus dem öffentlichen Leben zu drängen, besonders bei den Themen Familie und Schutz des ungeborenen Lebens. Auf der anderen Seite genießt die römisch-katholische Kirche immer noch bestimmte Privilegien und dies schafft Situationen des Konflikts und des Nachteils für andere christliche Bewegungen, besonders neuere Bewegungen wie die Pfingstgemeinden oder die katholische Erneuerungsbewegung.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Alle Kirchen sind durch Verfolgung betroffen, aber nicht alle erleben die gleiche Art und Intensität der Verfolgung. Säkulare Intoleranz beispielsweise betrifft alle Christen und diejenigen, die ihre christlichen Überzeugungen in öffentlichen Debatten vertreten, sind häufig Opfer von Schikane, Kritik und Gespött. Anderswo geraten Kirchen ins Fadenkreuz, die in Gebieten aktiv sind, die vom organisierten Verbrechen kontrolliert werden. Hier greifen kriminelle Gruppen Kirchen an, sprechen Todesdrohungen aus und ermorden christliche Leiter mit dem Ziel, Christen einzuschüchtern oder zum Schweigen zu bringen. Diese Angriffe erfolgen, wenn christliche Dienste als Bedrohung ihrer Ziele wahrgenommen werden. Eine ganz andere Situation erleben christliche Konvertiten aus Stammesgemeinschaften, in denen es nicht ungewöhnlich ist, dass christliche Familien dafür bestraft werden, die Stammesgewohnheiten aufzugeben und daher aus ihren Häusern vertrieben werden. Nicht zuletzt sind christliche Denominationen außerhalb der katholischen Kirche betroffen, da sie nicht die gleichen Privilegien genießen und ihnen dadurch gezeigt wird, wie unterlegen sie sind.

Beispiele

  • Im Jahr 2017 sahen sich Mitglieder der einheimischen Gemeinschaften aus Chiapas und Jalisco, die zum evangelischen Glauben gewechselt waren, wirtschaftlichen Sanktionen, der Verweigerung des Zugangs zu Basisdienstleistungen und des Ausschlusses aus der Gemeinschaft ausgesetzt. In einigen Fällen wurden Christen ohne Grund eingesperrt und litten unter psychischer Misshandlung.
  • Einem Bericht vom 6. Juli 2017 zufolge wurde ein römisch-katholischer Priester in einer Kirche der Kommune von Los Reyes La Paz, Bundesstaat Mexiko, ermordet. 18 Priester wurden seit dem Amtsantritt von Präsident Enrique Peña Nieto im Jahr 2012 ermordet. Der katholischen Hilfsorganisation „Kirche in Not“ zufolge steht Mexiko im sechsten Jahr in Folge auf Platz eins der Länder mit den meisten Angriffen auf römisch-katholische Priester, mit den meisten Toten dort, wo Priester in den Gegenden des Drogenschmuggels arbeiten.
  • Im Juni 2017 verkündete der „Mexican National Council for the Prevention of Discrimination“ (CONAPRED) offiziell, dass Umorientierungstherapien, die für Homosexuelle angeboten werden (z.B. durch die christliche Organisation Exodus Latin America) eine Form der Gewalt und Diskriminierung gegenüber der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität darstellten. Dieses Urteil hindert christliche Eltern daran, auf solche Therapien zurückzugreifen, um ihren Kindern zu helfen.

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Als mehrheitlich christliches Land steht Mexiko häufig nicht im Fokus, wenn es um Christenverfolgung geht. Doch trotz vieler lebendiger Gemeinden können viele Christen ihren Glauben nicht frei leben.
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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Die Punktzahl auf dem Weltverfolgungsindex 2018 für Mexiko beträgt 59, ein Anstieg um zwei Punkte gegenüber dem Weltverfolgungsindex von 2017. Dieser Anstieg kann mit einem Anstieg der Intensität und der Häufigkeit der Verfolgung von Christen in den Stammesgemeinschaften erklärt werden, sowie einer tieferen Analyse der Faktoren, die mit der säkularen Intoleranz in Verbindung stehen.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Ethnisch begründete Anfeindungen

Die Stammesbevölkerung repräsentiert ungefähr 21,5 % der mexikanischen Bevölkerung und ist größtenteils in ländlichen Gebieten entlang der südlichen Grenze des Landes (Oaxaca, Yucatan and Chiapas) sowie den Gebieten im mittleren Westen (Hidalgo, Guerrero, Puebla and Jalisco) angesiedelt. Diese Gemeinschaften unterstehen traditionellen Stammesgesetzen und -gebräuchen, daher ist die Einmischung des Staates minimal. Stammesführer versuchen, einen bestimmten Lebensstil gemäß den Gebräuchen ihrer Vorfahren zu erzwingen, bei dem oft alter einheimischer Glaube mit Einflüssen aus dem Katholizismus vermischt ist. An Stellen, an denen die Stammesgebräuche und diese Vermischung abgelehnt werden (z.B. durch evangelische Christen), folgt die Bestrafung auf dem Fuße, da eine solche Zurückweisung als ernsthafter Angriff auf die Weltsicht und das Wohlergehen der Gemeinschaft gewertet wird. Wenn sich ein Mitglied einer solchen Gemeinschaft entscheidet Christ zu werden (üblicherweise evangelischer Christ), beginnen die lokalen Autoritäten damit, diesen Konvertiten dazu zu drängen, seinen neuen Glauben zu widerrufen und bauen Druck auf ihn auf, indem sie ihn mit Geldstrafen belegen, ihn isolieren oder seine Familie von der Nutzung gemeinsamer Dienstleistungen auszuschließen. Viele werden wegen ihres Glaubens eingesperrt und bis zum Tode geschlagen. Die Behörden der Regierung mischen sich in diese Fälle nicht ein, da sie diese einfach als Unstimmigkeiten zwischen Mitgliedern der Stammesgemeinschaften betrachten und nicht als ernsthafte Verletzung der Menschenrechte.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Kriminalität und Korruption sind die größten Probleme in Mexiko. Mit ihrem Anwachsen haben die Ineffizienz und die Unzulänglichkeit der staatlichen Aktivitäten ebenfalls zugenommen. In dem damit einhergehenden Klima der Straflosigkeit gibt es noch weniger Schutz für die Bürger. Die Gewalt der kriminellen Gruppen betrifft hauptsächlich praktizierende Christen, die eine Bedrohung für das von den kriminellen Banden hervorgerufene Chaos und Anarchie darstellen, besonders in den sogenannten "Narco-States" (den Bundesstaaten, die von den Drogenkartellen beherrscht werden).

Regelmäßig gibt es Fälle von Erpressung, auch von Pastoren und Priestern. Auch werden regelmäßig Drohungen gegen Kirchen ausgesprochen, damit sie ihre Gottesdienste einstellen und aufhören, sich zu engagieren. Ganz besonders, wenn sie versuchen, junge Menschen mit dem Evangelium zu erreichen, Rehabilitationsprogramme für Drogenabhängige einrichten oder Leuten die christliche Botschaft weitergeben, die mit dem Drogenhandel in Verbindung standen (oder immer noch stehen). Von diesen Drohungen sind nicht nur christliche Leiter betroffen. Andere Christen können ebenfalls Opfer von Angriffen werden (entweder gegen sie oder ihr Eigentum), wenn sie ihren Glauben offen leben. Selbst die Gefahr, entführt zu werden erhöht sich schlicht durch die Teilnahme an Gottesdiensten. Junge Christen stehen in der besonderen Gefahr, durch Banden rekrutiert zu werden. Außerdem gibt es eine weitverbreitete und ausgefeilte Überwachung der Aktivitäten der Gemeinden durch Drogenkartelle.

Säkulare Intoleranz

Der internationale Druck auf Mexiko (besonders durch die UN und die Organisation Amerikanischer Staaten OAS), den christlichen Einfluss aus der öffentlichen Politik zu entfernen, hat sich nicht verringert, sondern im Gegenteil hat er während der Regierung von Präsident Peña Nieto an Boden gewonnen. Seit 2012 sind Gesetzesvorhaben und Vorschriften zur Verbreitung liberaler Ideologien im Land angeregt worden, sogar gegen den Willen der Bürger, insbesondere bei Themen in Verbindung des Schutzes ungeborenen Lebens und der Familie. Diese Situation betrifft besonders Christen, die bei dem Versuch, ihre religiösen Überzeugungen und ihren Glauben zu verteidigen, ausgelacht, verleumdet und öffentlich attackiert werden. Jede Form von Religionsausübung im öffentlichen Raum wird als Angriff auf die Prinzipien des Säkularismus (Trennung von Kirche und Staat) gewertet, dadurch wird die Religion auf das Privatleben beschränkt. Diese Sicht auf den Säkularismus ist weit verbreitet und die Kritik an öffentlichen glaubensbedingten Aktivitäten (wie Prozessionen oder Demonstrationen, die durch religiöse Gruppen organisiert werden und politische Aussagen von christlichen Leitern) wächst, besonders wenn sie sich auf die Politik beziehen (z.B. wenn ein Christ Teil einer Regierungsbehörde wird).

3. Verfolger

Anführer ethnischer Gruppen

Stammesführer und religiöse Führer der Indigenen lehnen jede Form von religiösem Ausdruck ab, der den alten Gebräuchen der Gemeinschaft widerspricht, da dies als Affront gegen die gesamte Stammesgemeinschaft gewertet wird. Einige indigene Religionsgruppen reagieren daher mit Gewalt gegen Christen. Diese Einstellung führt dazu, dass auch andere Mitglieder der Gemeinschaft und die eigene (erweiterte) Familie sich von christlichen Praktiken abwenden und sie ablehnen, gemäß ihren Verpflichtungen gegenüber ihrer ethnischen Gruppe und in der Gefahr, sonst mit Geldstrafen belegt oder strafrechtlich verfolgt zu werden. So werden die Rechte der christlichen Bevölkerung verletzt, durch ein fehlendes Handeln der Regierung und einer Missinterpretation von "indigener Autonomie".

Verfolger im Bereich Säkulare Intoleranz

Die säkulare Ideologie in der Gesellschaft wurde stark durch ideologische Interessenverbände (wie die LGBTI Bewegung) beeinflusst und wurde in der Praxis durch die Regierung selbst (durch Parteien, die sich eindeutig mit diesen ideologischen Gruppen identifizieren) umgesetzt und sind auch ein Resultat des Einflusses multilateraler Organisationen. Alle diese Akteure versuchen, christliche Werte aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen, insbesondere bei den Themen Ehe, Familie und Schutz des ungeborenen Lebens. Da religiöse Handlungen mittlerweile als etwas Persönliches und Spirituelles (in der Art des New Age) gesehen werden, hat sich die ehemals positive Einstellung der Gesellschaft gegenüber dem christlichen Glauben in eine Haltung der Gleichgültigkeit und Ablehnung gewandelt.

Verfolger im Bereich Organisiertes Verbrechen und Korruption

Die brutalste Form der Verfolgung zeigt sich bei den Angriffen krimineller Gruppen gegen Kirchenleiter. In vielen Fällen sind Regierungsbeamte direkt an der Schikane von Christen beteiligt. Durch diese Zusammenarbeit ermöglichen sie Straflosigkeit für Vergehen und Verbrechen gegen Christen. Zudem ist die Angst vor Vergeltungsmaßnahmen eine Brutstätte für Straflosigkeit, begründet in der hohen Korruption im Land (angeführt von einem Großteil der politischen Parteien). Diese Angst motiviert die Gesellschaft und die eigene (erweiterte) Familie dazu, indirekt Komplizen der Mafia zu werden: Sie werden gezwungen mit kriminellen Netzwerken zusammenzuarbeiten, indem sie christliche Aktivitäten überwachen oder schweigen, wenn es zu Gewalt kommt. Einige kriminelle Gruppen stehen mit dem "Santeria" Kult in Verbindung, der sich ebenfalls gegen den christlichen Glauben stellt.

4. Hintergrund

Die neuere Geschichte Mexikos zeigt ein Land, dessen Demokratie durch den Legitimitätsverlust seiner Regierungsstellen geschwächt wurde, mit fehlender Sicherheit, einer scheiternden Wirtschaft, ein Wachstum an organisierter Kriminalität und fehlendem Zugang zu Sozialleistungen und Gerechtigkeit. Vor diesem Hintergrund haben christliche Leiter eine einflussreiche Rolle in der Gesellschaft übernommen.

Im Jahr 2012 bedeutete der Beginn der Regierungszeit von Präsident Enrique Peña Nieto die Rückkehr der Institutional Revolutionary Party (PRI) an die Macht. Allerdings verliert diese Partei jetzt an Unterstützung, wie die Wahlergebnisse der Jahre 2016 und 2017 zeigen. Die Regierung von Präsident Peña Nieto hat viel an Macht verloren und nur wenig Spielraum, die Probleme des Landes anzugehen, von den Korruptions- und Geldwäscheskandalen ganz zu schweigen, in die Familien von Regierungsmitgliedern verwickelt sind. Dies hat zu einem generellen Misstrauen gegenüber der Politik und öffentlichen Institutionen geführt und das Vertrauen in christlicher Leiter gestärkt, die eher zur konservativen Seite zählen.

Die Gewalt durch kriminelle Gruppen hat zugenommen (besonders in den Grenzgegenden, wo der Drogenmissbrauch vorherrscht). Dem Armed Conflict Survey 2017 zufolge ist Mexiko (nach Syrien) das Land mit den meisten Morden und ist bekannt für Menschenhandel, Erpressung und Entführungen. Diese Gewalt ist der Hauptgrund für die Binnenflucht der Menschen, aber sie ist nicht der einzige Faktor. Der Anstieg von Arbeitslosigkeit und die hohe Armutsrate haben viele mexikanische Familien dazu gezwungen, in anderen Gegenden der Republik mit größerer wirtschaftlicher und sozialer Stabilität nach Chancen zu suchen.

In den letzten Monaten ist die Wirtschaft des Landes eingebrochen. Im Januar 2017 stand der mexikanische Peso bei 21,75 USD. Donald Trump verkündete im Wahlkampf restriktive Maßnahmen im Handel mit Mexiko sowie eine aggressivere Kontrolle bei der Einwanderung. Dies verursachte eine Panik bei Investoren, was einen Niedergang der nationalen Wirtschaft mit sich brachte.

Die Situation der schlechten Regierungsführung betrifft das Leben aller Mexikaner. Die Ungleichheit innerhalb der mexikanischen Bevölkerung hat sich erhöht, was sowohl eine fehlende Politik als auch die große Hingabe der Kirchen in ihrer Berufung zur Versorgung der Armen unterstreicht. Dies resultierte in regelmäßigen Angriffen gegen Kirchenmitglieder, einhergehend mit Straffreiheit (durch die Regierung) gegenüber den Tätern.

Christen sind nicht die einzige religiöse Gruppe, die Intoleranz gegenübersteht. Die Feindseligkeiten gegen Gruppen wie die Zeugen Jehovas und die Mormonen hat ebenfalls zugenommen.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Die römisch-katholische Kirche (die immer noch die Mehrheitsreligion darstellt) und kleine orthodoxe, presbyterianische und anglikanische Gemeinschaften machen diese Kategorie aus. Diese Gemeinschaften sind besonders von den Konsequenzen des organisierten Verbrechens sowie des hohen Maßes an Korruption betroffen, wie auch von der Intoleranz von Gesellschaft und Regierung gegenüber dem Zeigen christlichen Glaubens im öffentlichen Leben.

Christen anderer Herkunft (Konvertiten)

Diese Kategorie beinhaltet Konvertiten aus anderen christlichen Denominationen, Christen mit einer kriminellen Vergangenheit (in der Mafia) und Christen die den religiösen Praktiken ihrer Stammesgemeinschaften den Rücken gekehrt haben. In all diesen Fällen werden sie unter Druck gesetzt, ihren neuen Glauben und ihren neuen Lebensweg zu verlassen. Dieser Druck erfolgt meist in der Form von Drohungen, von Gewalt, Ausschluss oder sogar Tod, wenn die Forderungen der Stammes- oder kriminellen Führer nicht erfüllt werden.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese Kategorie beinhaltet Baptisten, Evangelikale oder Pfingstgemeinden, sowie die katholische Erneuerungsbewegung. Sie sind besonders durch das fehlende Verständnis für die religiöse Vielfalt im Land betroffen, was zu einer größeren Verwundbarkeit der neueren christlichen Gemeinschaften führt. Dies ist besonders dann der Fall, wenn sich diese Gesellschaften in Gegenden engagieren, die vom organisierten Verbrechen betroffen sind oder wenn sie sich in einheimischen Gemeinschaften engagieren, die die Gegenwart anderer religiöser Denominationen ablehnen.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 8.300
Familienleben: 7.600
Gesellschaftliches Leben: 12.100
Leben im Staat: 10.700
Kirchliches Leben: 9.700
Auftreten von Gewalt: 10.400

Grafik: Verfolgungsmuster Mexiko

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen in Mexiko ist auf einem hohen Niveau und stieg von 8,4 im Weltverfolgungsindex 2017 auf 9,7 auf dem Weltverfolgungsindex 2018.
  • Der Druck ist in den Bereichen „Gesellschaftliches Leben“ (sehr hoch: 12,1), „Leben im Staat“ (hoch: 10,7) und „Kirchliches Leben“ (hoch: 9,7) am höchsten, da hier eine Kombination von Druck von kriminellen Gruppen, indigenen Leitern und Beamten des Staates gegen Christen und die Kirche im Allgemeinen wirkt.
  • Der Punktwert für „Auftreten von Gewalt“ ist mit 10,4 sehr hoch, hat sich aber gegenüber dem Wert von 14,4 des Weltverfolgungsindex 2017 verringert. Obwohl sich das Niveau und die Häufigkeit der Gewalt nicht merklich verringert haben, sind die Arten der Gewalt andere. Es gab weniger Berichte von Angriffen auf Geschäfte und Firmen von Christen und (besonders in den Stammesgemeinschaften) nahm die Zahl der Christen ab, die zu Gefängnisstrafen, Arbeitslager, etc. wegen ihres Glaubens verurteilt wurden.

Privatleben

Organisiertes Verbrechen, Korruption und Ethnisch begründete Anfeindungen als Triebkräfte der Verfolgung haben zu einem erhöhten Druck im Privatleben mexikanischer Christen beigetragen. Kartelle und die Drogenmafia verbieten ihren Mitgliedern Christen zu sein oder zu werden, da dies ihrer eigenen Ideologie und ihren Zielen widersprechen, und diese gefährden würde. Die Unterdrückung von Christen mit einem Stammeshintergrund erreicht die persönliche Ebene durch den Druck durch die (unmittelbare oder erweiterte) Familie und kann auch die Forderung beinhalten, das eigene Zuhause zu verlassen. Dieser Druck hindert Christen auch daran, Gemeinschaft miteinander zu haben, da sie unter dem konstanten Risiko stehen, angegriffen zu werden, weil sie als "Gefahr" wahrgenommen werden (da sich z.B. ihr christlicher Glaube weiter unter den Mitgliedern der Gemeinschaft verbreiten könnte).

Familienleben

Es gab Fälle, in denen die Registrierung von Geburten, Ehen und Todesfällen von christlichen Konvertiten (oder ihrer Kinder - in Fällen von Geburten) durch indigene Gemeinschaften verhindert wurden. Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen nach christlichem Ritus wurden behindert oder durch kommunale Autoritäten verboten, mit dem Ziel, eine Zunahme dieser öffentlichen Feiern, die den Gebräuchen der Gemeinschaft widersprechen, zu unterbinden und als eine Form der Bestrafung derer, die Christen geworden sind. Diese Repressalien betreffen auch die Kinder, da die Stammesführer versuchen sie davon abzuhalten dem Glauben ihrer Eltern zu folgen. Sie werden daher diskriminiert und stehen unter einem hohen Risiko von ihren Verwandten getrennt zu werden, um in einer nichtchristlichen Familie groß gezogen zu werden. Dadurch, dass die Regierung hauptsächlich für alle öffentlichen Vorschriften - besonders im Bereich der Bildung - zuständig ist und vor dem Hintergrund, dass in allen Bereichen der Regierung eine wachsende säkulare Intoleranz existiert, entsteht ein starker Widerspruch gegen das Recht der Eltern, ihre Kinder gemäß ihres eigenen Glaubens und ihrer Überzeugungen zu erziehen. Hinzu kommt, dass Verbrechen und Korruption auch zur Trennung von Familien führen, da Christen gezwungen sind, einen sicheren Ort zum Leben anderswo zu suchen, wenn die Gefahr besteht, von einer kriminellen Gruppe angegriffen zu werden.

Gesellschaftliches Leben

Die Triebkraft der Ethnisch begründeten Anfeindungen ist offensichtlich, besonders wenn Christen grundlegende Dienstleistungen (z.B. Wasser, elektrischer Strom, Bildung, etc.) verweigert, und sie vom gemeinschaftlichen Leben und dem Zugang zu gemeinsam genutzten Ressourcen ausgeschlossen werden. Außerdem stehen Christen dem konstanten (und wachsenden) Druck gegenüber, ihren christlichen Glauben aufzugeben; sei es in der Form der beruflichen Diskriminierung, Hindernisse für christliche Geschäftsleute, der Verhängung von "Geldstrafen" als Schutzgeld, Verhöre oder Meldeauflagen bei den Behörden. Dies kommt nicht nur in den Stammesgemeinschaften vor, sondern auch in Gebieten, die von Drogenkartellen dominiert werden. Hier zeigt sich die Triebkraft Organisiertes Verbrechen und Korruption.

Leben im Staat

In diesem Lebensbereich werden verschiedene Triebkräfte auf verschiedenen Ebenen sichtbar.

  • Ethnisch begründete Anfeindungen: Christen stehen hier Stammesautoritäten gegenüber, die keine Abweichungen von ihren Gesetzen und Gebräuchen zulassen. Auch wenn diese christlichen Überzeugungen zuwiderlaufen.
  • Organisiertes Verbrechen und Korruption: Christen werden gezwungen, die Aktivitäten dieser Organisationen zu finanzieren oder davon abzusehen, ihren Glauben öffentlich zu zeigen, da sie dies der Gefahr eines Angriffs aussetzt.
  • Säkulare Intoleranz: Das christliche Bekenntnis in der Öffentlichkeit ist verboten oder wird abgelehnt, besonders im Bereich der Politik, wo es als Angriff auf die säkularen Prinzipien des Staates gesehen wird.

Diese Erscheinungsformen des Drucks gegen Christen stehen in der Gefahr, als "normal" oder als Konsequenz anderer Probleme, wie der generellen Gewalt durch die Drogenkartelle, verharmlost zu werden. Andererseits werden viele dieser Fälle von Verfolgung ganz einfach ignoriert, da sie sich nur auf Glaubensangelegenheiten beziehen. Wo solcher Verfolgung nicht der richtige Stellenwert zugemessen wird, wird es weniger Verständnis für die zugrundeliegenden Probleme geben, was höchstwahrscheinlich dazu führt, dass voreingenommene Urteile gefällt werden und für die Täter weiter Straflosigkeit besteht.

Kirchliches Leben

In diesem Lebensbereich werden verschiedene Triebkräfte auf verschiedenen Ebenen sichtbar.

  • Ethnisch begründete Anfeindungen und Organisiertes Verbrechen und Korruption: Christliche Kirchen werden von ihrem Umfeld überwacht. Kirchen versuchen ihre Aktivitäten frei auszuüben (zum Beispiel mit Jugendlichen und in wohltätigen Einrichtungen), aber sie haben Schwierigkeiten, die Sicherheit ihrer Leiter in gewalttätigen Gegenden (in denen die Drogenkartelle operieren) oder in einem feindlich gesinnten Umfeld (in Stammesgemeinschaften) zu gewährleisten.
  • Säkulare Intoleranz: Sie ist vor allem in städtischen Gebieten präsent, wo schnell christliche Aktivitäten als Akte der sexuellen Diskriminierung und der Hetze verurteilt werden.

Auftreten von Gewalt

Die Gewalt in Mexiko ist ein großes Problem und betrifft besonders aktiv praktizierende Christen, die regelmäßig Ziele für Angriffe sind. Sie sind viel einfacher zu identifizieren als der Rest der Bevölkerung. So ist zum Beispiel bekannt, in welcher Kirche sie sich regelmäßig treffen. Das Risiko angegriffen zu werden, ist für Pastoren und Priester noch höher. Tatsächlich hat Mexiko den schlechtesten Ruf in ganz Lateinamerika, was die Ermordung von römisch-katholischen Priestern durch kriminelle Gruppen in ihren Territorien angeht. Andererseits gab es im Süden des Landes (Chiapas) gewalttätige Angriffe gegen Christen, die nicht den religiösen Praktiken der Stammesgemeinschaften folgten. Diese Christen wurden unter starkem Druck durch die Stammesführer gesetzt, ihren Glauben abzuschwören und in einigen Fällen wurden Christen ohne Grund eingesperrt und litten unter psychischer Misshandlung. Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2018 gab es sogar Angriffe außerhalb dieser Gebiete: So wurde bisher angenommen, dass die Kathedrale in Mexiko City und die Mexican Episcopal Conference die unwahrscheinlichsten Orte für solche Angriffe seien. Jedoch wurden im Berichtszeitraum beide zum Ziel von Angriffen, in einem Fall sogar tödlich.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Frauen und junge Mädchen stehen durch Vorschriften und die Gesetzgebung in Bezug auf die Förderung von Abtreibungen in Fällen von sexueller Gewalt und Schwangerschaften von Teenagern in größerer Gefahr, da dies eine Straflosigkeit der Täter begünstigt (und zudem Ärzte dazu zwingt, diese Prozedur durchzuführen). Zudem bestehen in den ärmsten Gegenden des Landes Bedingungen, um Hilfen von der Regierung zu erhalten - dies beinhaltet, dass Vorschriften zur Empfängnisverhütung akzeptiert werden müssen (einschließlich der Ligatur der Eileiter).

Da Mexiko eines der Länder mit der höchsten Rate an Menschenhandel ist, sind Frauen ein leichtes Ziel für die Anwerbung, besonders in Gebieten, die von der Mafia oder den Drogenkartellen kontrolliert werden, wo Mädchen und Frauen entführt wurden und als Sexsklavinnen oder in der Prostitution endeten.

Männer

Es gibt kein Gesetz, das christliche Männer anfälliger macht für Verfolgung. Dennoch sind junge Männer in den Gebieten, die von kriminellen Gruppen oder Drogenkartellen kontrolliert werden, der Indoktrinierung und der verpflichtenden Mitgliedschaft in solchen Gruppen ausgesetzt. In einigen Fällen, bedingt durch den wirtschaftlichen und den sozialen Kontext, akzeptieren junge Männer dies als ihr unausweichliches Schicksal und wer dies nicht akzeptiert - ob er Christ ist oder andere Gründe hat - wird verfolgt, bedroht und häufig entführt.

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

  • Die Situation der Regierung von Präsident Peña Nieto hat sich in den letzten Monaten nicht verbessert. Der Präsident und die Partei waren nicht in der Lage, auf die Nöte der mexikanischen Bevölkerung zu reagieren; es gab Menschenrechtsverletzungen, Korruptionsskandale und ein unzureichendes Management der Wirtschaft. Dies alles trägt zum Aufkommen neuer Leiter in der Gesellschaft bei, was zum einen als Risiko und zum anderen als Chance gesehen werden kann. Ein Risiko, da einige der neuen Leiter einen extrem säkularen Standpunkt haben, der die Kriminalisierung von Gegnern erlaubt, wenn diese andere religiöse Überzeugungen haben. Andere wiederum könnten das politische Schicksal des Landes positiv beeinflussen. Basierend auf dem Vertrauen, dass die mexikanische Bevölkerung christlichen Institutionen entgegenbringt, ist es möglich, dass eine neue Regierung in der Lage ist, Familie und ungeborenes Leben zu schützen. Damit dies passieren kann, ist es notwendig, die Ausbreitung der säkularen Ideologie aufzuhalten und sicherzustellen, dass Christen ihren Glauben frei leben können und aktiv an den politischen Diskussionen des Landes teilnehmen können.
  • Die politische Instabilität des Landes begünstigt kriminelle Aktivitäten. Wenn nicht rigorose Maßnahmen im Kampf gegen Drogenschmuggel ergriffen werden und eine umfassende Reform der Lokalbehörden erfolgt - die zur Ausbreitung der kriminellen Aktivitäten beitragen und die Ausübung von Gerechtigkeit behindern -, wird die Kultur der Straflosigkeit weiterbestehen. Diese Straflosigkeit verhindert die Anzeige und die Durchführung von Gerichtsverfahren gegen kriminelle Gruppen und trägt zum Fehlen des Schutzes von Christen in ländlichen wie städtischen Gegenden bei.
  • Die Grenzen der indigenen Autonomie sind nicht klar, besonders im Bereich des Schutzes der Rechte des Einzelnen. Daher werden die Sanktionen und Attacken gegen christliche Konvertiten in Stammesgemeinschaften solange nicht aufhören, bis die Behörden ihrer Pflicht nachkommen, die Einzelnen bei Fällen von Menschenrechtsverletzungen zu schützen. Zudem müssen die Behörden anfangen, Gerechtigkeit zu üben, indem sie die Vorfälle nicht einfach als Fälle von religiösen Meinungsverschiedenheiten abzutun, sondern alle Facetten dieser Konflikte zu betrachten und somit in vollem Umfang das Recht auf Religionsfreiheit zu beachten. Dieses fehlende Verständnis für die Bedeutung der Religionsfreiheit als Menschenrecht ist nicht nur eine Angelegenheit der mexikanischen Behörden, sondern auch für die internationalen Menschenrechtsinstitutionen (z.B. UNO und OAS), die das Leben in den Stammesgemeinschaften nicht umfänglich wahrnehmen.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Mexiko

  • Beten Sie für die Herzen derer, die Teil von Drogenkartellen sind. Sie entführen, terrorisieren und töten sogar Christen, wenn sie ihren illegalen Machenschaften im Wege stehen. Beten Sie, dass sie Jesus kennenlernen und dadurch positive Änderungen in Mexiko herbeiführen.
  • Beten Sie für die Christen, denen der Zugang zu grundlegenden Sozialleistungen und Ressourcen verweigert wird. Einige von ihnen leiden unter Inhaftierung und Vertreibung. Beten Sie für Gottes Versorgung und Gnade. Beten Sie für die Beamten, besonders in Chiapas, Hidalgo und Oaxaca.
  • Mexiko ist eines der Länder mit der weltweit stärksten Gewalt. Beten Sie für den körperlichen Schutz der verfolgten Christen in Mexiko.

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