Länderprofil Saudi-Arabien

Saudi-Arabien

12
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Saudi-Arabien
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Königreich
Platz Vorjahr
14
ISO
SA
Karte Saudi-Arabien
Karte Saudi-Arabien
Christen
1,41
Bevölkerung
32.74
Islamische Unterdrückung
Ethnisch begründete Anfeindungen
Diktatorische paranoia
Privatleben: 14.900
Familienleben: 13.700
Gesellschaftliches Leben: 14.200
Leben im Staat: 15.500
Kirchliches Leben: 16.400
Auftreten von Gewalt: 4.100
Länderprofil Saudi-Arabien

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

79 Punkte / Platz 12 (WVI 2017: 76 Punkte / Platz 14)

Von wem Verfolgung ausgeht

Allgemein ist eine ablehnende Haltung gegenüber Christen (und allem, das als nichtmuslimisch wahrgenommen wird) bei saudi-arabischen Bürgern sehr häufig zu finden. Muslime, die den christlichen Glauben annehmen, erleben Verfolgung hauptsächlich aus ihrer erweiterten Familie. Dies kann sogar Morddrohungen beinhalten. Regierungsvertreter schaffen und erhalten ein striktes islamisches System, in dem Christen als Bürger zweiter Klasse behandelt werden, und jede Anbetungsstätte einer anderen Religion als die des Islam verboten ist. Islamische Führer erlegen allen Menschen, die nach Saudi-Arabien kommen, strenge islamische Gesetze auf, auch Christen. Sie sind insbesondere ein Problem für Christen muslimischer Herkunft, die noch immer als Muslime angesehen werden.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Die meisten Christen, die in Saudi-Arabien leben, sind ausländische Christen und Arbeitsmigranten, die nur zeitweise im Land leben. Der Großteil der ausländischen Christen stammt aus Ländern mit niedrigen oder mittleren Einkommen wie Indien, den Philippinen und afrikanischen Ländern. Die asiatischen und afrikanischen Gastarbeiter werden nicht nur ausgebeutet und schlecht bezahlt; aufgrund ihrer ethnischen Herkunft und ihres geringen sozialen Status sind sie regelmäßig körperlicher und verbaler Gewalt ausgesetzt – ihr christlicher Glaube kann dabei ebenfalls eine Rolle spielen. Ausländische Christen sind in ihren Möglichkeiten, sich zum Gottesdienst zu versammeln und ihren Glauben mit Muslimen zu teilen, extrem eingeschränkt. Ihnen drohen Verhaftung und Ausweisung. Die wenigen Christen muslimischer Herkunft stehen jedoch unter noch stärkerem Druck. Dennoch wächst die kleine Zahl der saudi-arabischen Christen und diese Christen werden immer mutiger darin, ihren Glauben weiterzugeben, etwa im Internet oder in christlichen (Satelliten-)Fernsehprogrammen. Das öffentliche Zeugnis der Christen hat häufig zu ernsthaften Konsequenzen vonseiten ihrer Familien oder der Behörden geführt.

Beispiele

  • Viele Christen muslimischer Herkunft stehen unter enormem Druck vonseiten ihrer Familien und haben Angst vor gewalttätigen Reaktionen, sollte ihr christlicher Glaube bekannt werden. Christen muslimischer Herkunft stehen in der großen Gefahr, wegen Apostasie (Abfall vom Islam) zum Tode verurteilt zu werden. In den vergangenen Jahren wurde jedoch kein Fall einer Exekution aus diesem Grund bekannt. Die Gefahr eines außergerichtlichen Mordes besteht jedoch, wenn die Familie versucht, ihre Ehre zu schützen.
  • Mehrere ausländische Christen wurden im Berichtszeitraum verhaftet und kurzzeitig festgehalten, nachdem ihre christliche Kleingruppe bei einer Durchsuchung entdeckt wurde. Einige einheimische Christen wurden verhaftet und fälschlich beschuldigt, einer extremistischen Gruppierung anzugehören.
  • Drei Hauskirchen wurden Berichten zufolge geschlossen, nachdem sie von der Polizei durchsucht wurden.
  • Sowohl einheimische als auch ausländische Christen riskieren, aufgrund ihres Glaubens verhaftet, körperlich misshandelt und bedroht zu werden. Mehrere Christen sahen sich gezwungen, das Land wegen ihres Glaubens oder wegen Aktivitäten, die mit ihrem Glauben zu tun hatten, zu verlassen.
  • Vergewaltigungen und sexuelle Belästigung bleiben ein gewaltiges Problem in Saudi-Arabien und Christinnen, die als Hauspersonal arbeiten, sind besonders gefährdet.

Beiträge zu Saudi-Arabien

Persönliche Berichte Persönliche Berichte
Symbolbild
Saudi-Arabien
„Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.“ Jamila* kann das ganze Gewicht dieser alten Worte Jesu an seine Jünger gut ermessen. Die biblischen Berichte über den Mann aus Nazareth faszinierten die 20-jährige Frau aus Saudi-Arabien.
Nachrichten Nachrichten
Weihnachtsdekoration bei einem geheimen Treffen von Christen in Saudi-Arabien
Saudi-Arabien
(Open Doors, Kelkheim) – Weihnachten feiern im streng islamischen Saudi-Arabien – offiziell ist das unmöglich. Doch finden im Land lebende Christen dennoch Wege, dieses für sie und Christen weltweit so wichtige Fest zu begehen
Nachrichten Nachrichten
Saudi-Arabien
Saudi-Arabien
(Open Doors, Kelkheim) – Am 14. November empfingen der saudi-arabische König Salman bin Abdulaziz sowie Thronfolger Mohammad bin Salman das Oberhaupt der maronitischen Kirche im Libanon, Bechara Boutros Rai.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 79 Punkten nimmt Saudi-Arabien Rang 12 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2018 ein. Der Anstieg von 3 Punkten im Vergleich zum WVI 2017 erklärt sich durch einen Anstieg in der Anzahl der gewalttätigen Übergriffe auf Christen. Dazu zählen eine höhere Anzahl von Christen, die verhaftet wurden, Hauskirchen, die geschlossen wurden, und Christen, die aus dem Land fliehen mussten. Die Wertung für den Druck auf Christen bleibt insgesamt mehr oder weniger konstant in Saudi-Arabien – einem der wenigen Länder auf der Welt, in denen Kirchengebäude verboten sind.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Das Wüstenkönigreich wird durch die Lehre des Wahhabismus bestimmt, einer puristischen und strengen Auslegung des Islam. Andere Religionen dürfen ihren Glauben nicht öffentlich praktizieren. Saudi-Arabien wacht über die heiligen islamischen Städte, Mekka und Medina, welche die Geburts- und Begräbnisstätten von Mohammed sind, dem zentralen Propheten des Islam. Im eigenen Land bekämpft die saudische Regierung den islamischen Terrorismus, weil dieser zur Bedrohung für die Herrschaft der königlichen Familie werden kann. Dennoch finanzieren private Spenden aus Saudi-Arabien militante islamistische Gruppierungen außerhalb des Landes und sind eine der Haupteinnahmequellen für sunnitische Milizen auf der ganzen Welt, beispielsweise in Syrien und im Irak. Saudi-Arabiens Rechtssystem gründet auf der islamischen Rechtsprechung, der Scharia. Apostasie – der Abfall vom Islam und die Hinwendung zu einer anderen Religion – kann mit dem Tod bestraft werden, sollte der Konvertit seine Bekehrung nicht widerrufen

Ethnisch begründete Anfeindungen:

Typisch für diese Triebkraft ist, dass sie dazu führt, dass Druck ausgeübt wird, um den fortwährenden Einfluss jahrhundertealter Normen und Werte aus Stammestraditionen oder ethnischen Volksgruppen in Gemeinschaften und Haushalten durchzusetzen. Ethnisch begründete Anfeindungen sind im Falle Saudi-Arabiens deutlich mit dem Islam vermischt. Dies betrifft vor allem die Christen muslimischer Herkunft.

Diktatorische Paranoia:

Die saudische Monarchie hat die allumfassende Macht und absolute Autorität im Land. So kann der Monarch jedes Gesetz, das er wünscht, umsetzen, solange es mit der Scharia und dem Koran übereinstimmt. In einem unerwarteten Schritt beförderte König Salman seinen Sohn im Juni 2017 zum Kronprinzen. Nach Ansicht von Beobachtern unternahm er diesen Schritt, um die monarchische Vorherrschaft der Familie zu bewahren und nicht aufgrund einer genauer definierten Vision für das Land. Die beiden obersten Autoritäten des Landes haben viele Veränderungen vorgenommen, von denen in Saudi-Arabien lebende Ausländer im Allgemeinen betroffen sind. Darunter sind auch Christen, die durch diese Änderungen aber nicht gezielt ins Visier genommen wurden. Ein Beispiel dafür ist die Erhöhung der Visagebühren für alle Angehörigen von in Saudi-Arabien lebenden Ausländern.

3. Verfolger

Die folgenden Personengruppen sind in mittlerem, hohem oder sehr hohem Maß an der Verfolgung von Christen in Saudi-Arabien beteiligt: Regierungsbeamte von lokaler bis zu nationaler Ebene, Anführer ethnischer Gruppen, nichtchristliche religiöse Leiter von lokaler bis zu nationaler Ebene, gewöhnliche Bürger und (Groß-)Familien. Christen mit muslimischem Hintergrund sind starkem Druck vonseiten ihrer (Groß-)Familien ausgesetzt, die auch Morddrohungen, Ehrenmorde und dauerhaften Hausarrest beinhalten können. Regierungsbeamte schaffen und bewahren ein strenges islamisches System, das Christen als Menschen zweiter Klasse behandelt, und allen anderen Religionen außer dem Islam Orte zur Ausübung ihres Glaubens verweigert. Islamische Führer versuchen, allen Menschen, die nach Saudi-Arabien kommen, strenge islamische Gesetze aufzuerlegen, einschließlich der Christen. Islamische Leiter sind auch ein Problem für Christen muslimischer Herkunft (die noch immer als Muslime gelten), sowie für schlecht bezahlte ausländische christliche Arbeiter, die ständig unter Druck gesetzt werden, zum Islam zu konvertieren. Besonders betroffen sind hier diejenigen, die isoliert von anderen Christen leben, weil sie in saudischen Privathäusern arbeiten. Schließlich verursachen gewöhnliche Bürger Druck vor allem auf Christen muslimischer Herkunft, da es unter saudischen Bürgern im Allgemeinen eine negative Haltung gegenüber Christen und allem, was nicht islamisch ist, gibt.

4. Hintergrund

In nur wenigen Jahrzehnten hat sich Saudi-Arabien zu einem der größten Erdölexporteure der Welt entwickelt. Diese Entwicklung hat eine große Zahl ausländischer Arbeitskräfte ins Land gelockt, darunter auch Christen. Der wirtschaftliche Erfolg hat zu einer gegenseitigen Abhängigkeit mit der westlichen Welt geführt, da von dort der Großteil der Nachfrage nach dem Öl kommt. Dies hat starke politische und militärische Beziehungen zur Folge; so dürfen etwa eine Reihe von US-Militärstützpunkten weiterhin im Land operieren und im Mai 2017 wurde ein umfangreiches Waffenabkommen unterzeichnet. Seit 2015 führt Saudi-Arabien die militärische Intervention im Bürgerkrieg im Jemen an, angeblich um eine Stabilisierung der jemenitischen Regierung bemüht. Angesichts der saudi-arabischen Luftangriffe auf Flughäfen, Häfen, Krankenhäuser, Schulen und Begräbnisse, die die aktuell größte humanitäre Katastrophe der Welt verursachen, ist es wahrscheinlicher, dass Saudi-Arabien versucht, mit allen Mitteln zu verhindern, dass der südliche Nachbar des Landes unter schiitische Kontrolle gerät.

Um seine Abhängigkeit von der Erdölindustrie zu verringern, versucht das Königreich, seine Wirtschaft zu diversifizieren und mehr Arbeitsplätze für Saudis zu schaffen, wie in dem ehrgeizigen Plan für sozioökonomische Reformen mit dem Titel „Vision 2030“ dargelegt ist. Dieses Strategiepapier, das im April 2016 veröffentlicht wurde, unterstreicht auch deutlich die stolze islamische Identität des Landes und die Führungsrolle des saudischen Königreichs in der islamischen Welt. Saudi-Arabien durchläuft einen erheblichen gesellschaftlichen Wandel. Das Internet spielt bei dieser Entwicklung eine wichtige Rolle, was auch zu größeren Möglichkeiten für christliche Dienste im Internet führen könnte. Allerdings dürfte diese Entwicklung mit einer höheren Überwachung des Internets in Saudi-Arabien einhergehen. In einem weiteren Versuch, die enttäuschende Wirtschaftsleistung und die Kosten für den Krieg im Jemen zu kompensieren, hat Saudi-Arabien die Visagebühren für Ehepartner und Kinder ausländischer Arbeitskräfte erhöht. Da dies für viele Gastarbeiter zu teuer wird, verlassen viele schlechtbezahlte christliche Arbeiter das Land, was sich auf die Kirche auswirkt. Mehrere Gemeindeleiter berichten, dass 20-25 Prozent ihrer Gemeindemitglieder das Land bereits verlassen haben. Dies wird sich negativ auf die christliche Gemeinschaft im Land auswirken und zu einem wachsenden Mangel an Gemeindeleitern und Mitgliedern führen. Andererseits scheint die Zahl der Christen mit muslimischem oder hinduistischem Hintergrund zu steigen. Sie wiegt jedoch nicht die Zahl der Christen auf, die das Land verlassen.

Unter der wachsenden Rolle von Internet, sozialen Medien und Satellitenfernsehen hat sich die Jugendkultur Saudi-Arabiens stark verändert. So wächst die Kluft zwischen der großen jüngeren Generation und dem alternden Monarchen ständig. Die Mehrheit der Bevölkerung ist jünger als 30 Jahre alt und insbesondere junge Frauen sehnen sich nach mehr Freiheit, ohne von der Religionspolizei eingeschränkt zu sein. Die Entscheidung des verstorbenen Königs Abdullah bin Abdul-Aziz Al Saud, Wahlen für Frauen zu öffnen, und die Erlaubnis für Frauen, Autofahren zu dürfen, sind Schritte in diese Richtung. Es gibt ein erhebliches Maß an Jugendarbeitslosigkeit, das zum Teil auf das schwache Bildungssystem des Landes und fehlenden Arbeitseifer zurückzuführen ist. Diese Faktoren haben zu weitverbreiteter gesellschaftlicher Unzufriedenheit geführt, die junge Menschen dazu bringen kann, sich einem extremistischen Islam zuzuwenden. Die Lage wird zusätzlich durch eine Gesellschaft verschärft, die zwischen einer reichen Elite und einer armen Mehrheit gespalten ist. Auf der anderen Seite ist die gesellschaftliche Unzufriedenheit nichts Neues und wurde in der Vergangenheit durch hohe finanzielle Zuwendungen an die Bevölkerung beschwichtigt, etwa Zuwendungen für die Wohnbaufinanzierung. Die Unzufriedenheit im Land existiert seit mindestens 20 Jahren (einschließlich zivilen Ungehorsams, der sich zum Beispiel durch illegales Autofahren von Frauen zeigt). Darüber hinaus hat die Internetrevolution auch die islamischen Geistlichen erreicht: Mehrere Imame haben eigene Twitter-Profile und viele Follower. Die Zahl der Christen muslimischer und anderer religiöser Herkunft wächst, zusammen mit ihrem Mut, ihren neuen Glauben mit anderen zu teilen.

Eine weitere große religiöse Minderheit, die in Saudi-Arabien mit Diskriminierung und Verfolgung konfrontiert ist, sind schiitische Muslime. Von saudischen Herrschern wurden sie für den größten Teil der saudischen Geschichte bis heute als Ketzer gesehen und im Justizsystem, im Bildungswesen, in Regierungspositionen und bei religiösen Aktivitäten diskriminiert. Schiiten wünschen sich eine größere politische Partizipation und mehr religiöse Toleranz. Nach den konfessionellen Spannungen in der Region, einschließlich des Krieges gegen die vom Iran unterstützten Rebellen im Jemen, schwindet die Hoffnung der Schiiten auf Toleranz und Pluralismus.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Die meisten Christen in Saudi-Arabien sind Ausländer oder Arbeitsmigranten, die für eine bestimmte Zeit im Land leben und arbeiten. Dies schließt sowohl Christen aus Ländern der westlichen Welt als auch aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen wie Indien, den Philippinen oder aus afrikanischen Ländern ein. Die asiatischen und afrikanischen Gastarbeiter werden nicht nur ausgebeutet und schlecht bezahlt; aufgrund ihrer ethnischen Herkunft und ihres geringen sozialen Status sind sie regelmäßig körperlicher und verbaler Gewalt ausgesetzt und stehen unter ständigem Druck, zum Islam zu konvertieren. Ausländische Christen sind in ihren Möglichkeiten, sich zum Gottesdienst zu versammeln und ihren Glauben zu teilen, extrem eingeschränkt. Ihnen drohen dabei Verhaftung und Ausweisung.

Christliche Konvertiten

Christliche Konvertiten haben größtenteils einen muslimischen Hintergrund. Es gibt nur wenige saudische Christen muslimischer Herkunft im Land, und meist müssen sie ihren Glauben streng geheim halten. Viele von ihnen sind durch christliches Satellitenfernsehen zum Glauben gekommen oder nachdem Jesus Christus sich ihnen in Träumen und Visionen offenbart hat. Einige von ihnen berichteten, dass sie in dem aufrichtigen Wunsch, Gott zu gehorchen, den Hadsch (die islamische Pilgerreise) nach Mekka unternahmen und dabei eine göttliche Offenbarung erhielten, die sie auf Jesus verwies. Das Internet ermöglicht es Einheimischen, Zugang zu christlichem Material zu erhalten, obwohl dessen Nutzung in Saudi-Arabien von den Behörden streng kontrolliert wird. Dennoch wächst die kleine Anzahl der Christen mit muslimischem Hintergrund weiter, und sie werden immer mutiger darin, ihren Glauben weiterzugeben, auch im Internet und in christlichen Fernsehprogrammen. Das öffentliche Zeugnis der Christen hat bereits öfter zu ernsten Konsequenzen vonseiten der Familien oder der Behörden geführt.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 14.900
Familienleben: 13.700
Gesellschaftliches Leben: 14.200
Leben im Staat: 15.500
Kirchliches Leben: 16.400
Auftreten von Gewalt: 4.100

Grafik: Verfolgungsmuster Saudi-Arabien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Der Durchschnittswert für den Druck auf Christen bleibt auf dem gleichen extrem hohen Niveau wie im WVI 2017 (14,9 Punkte).
  • Die Werte sind in allen Lebensbereichen extrem hoch, außer im Bereich „Familienleben“. Der Wert für diesen Bereich ist niedriger, weil ausländische Christen und Arbeitsmigranten in diesem Bereich kaum oder zumindest weniger Druck erleben als die einheimischen Christen muslimischer Herkunft. Der Grund dafür ist, dass die Familien der christlichen Migranten oft nicht mit ihnen in Saudi-Arabien leben.
  • Der höchste Druck wird in den Bereichen „Kirchliches Leben“, „Leben im Staat“ und „Privatleben“ ausgeübt, was typisch für eine Situation ist, bei der Islamische Unterdrückung die Haupttriebkraft der Verfolgung darstellt und mit Diktatorischer Paranoia verknüpft ist.
  • Der Druck, der von Islamischer Unterdrückung, vermischt mit Ethnisch begründeten Anfeindungen, ausgeht, ist vor allem in den Bereichen „Privatleben“, „Familienleben“ und „Gesellschaftliches Leben“ präsent. Vor allem auf Christen mit muslimischem Hintergrund wird er durch ihr soziales Umfeld ausgeübt.
  • Der Wert für das „Auftreten von Gewalt“ stieg von 1,7 Punkten im WVI 2017 auf 4,1 Punkte im aktuellen Berichtszeitraum an, da mehr Berichte von gewalttätigen Übergriffen registriert wurden. Eine höhere Anzahl an Christen wurde verhaftet, christliche Treffen wurden angegriffen, und Christen mussten aus religiösen Gründen aus dem Land fliehen. Christen verhalten sich normalerweise äußerst vorsichtig, um ernsthafte Folgen zu vermeiden. Dadurch bleibt der Wert für „Auftreten von Gewalt“ auf einem relativ niedrigen Niveau.
  • Die Verfolgungssituation in Saudi-Arabien zeichnet sich dadurch aus, dass die Gesellschaft und die Regierung einen starken Druck auf alle Bürger ausüben, von denen erwartet wird, dass sie Muslime sind.

Privatleben

Christen mit muslimischem Hintergrund können ihren Glauben nicht öffentlich ausleben. Jedes Indiz ihres neu gewonnenen Glaubens kann ernsthafte Konsequenzen haben. Ausländische Christen haben etwas mehr Freiheit, ihren Glauben privat auszuleben, solange sie ihn nicht mit Muslimen teilen. Christliche Arbeitsmigranten müssen sich vorsichtig verhalten, die Verfolgung hängt von der Haltung und der Religion anderer Arbeitsmigranten ab, die mit ihnen in der gleichen Unterkunft leben. Besonders gefährdet ist christliches weibliches Hauspersonal, das in saudischen Häusern arbeitet, in denen es keinen Kontakt mit anderen Christen haben kann, missbraucht werden kann und unter konstantem Druck steht, zum Islam zu konvertieren.

Familienleben

Alle Saudis werden als Muslime betrachtet. Es ist eine große Schande für eine Familie, wenn sich eines ihrer Familienmitglieder vom Islam abwendet. Christen muslimischer Herkunft stehen in großer Gefahr, einem Ehrenmord zum Opfer zu fallen oder körperlich misshandelt zu werden, wenn ihre Familien oder ihr gesellschaftliches Umfeld von ihrem Glauben erfahren. Einige sind deshalb aus dem Land geflüchtet. Christliche Hochzeiten können in Saudi-Arabien nicht öffentlich gefeiert werden. Christen mit muslimischem Hintergrund müssen deshalb nach islamischem Brauch heiraten. Sie können ihre Kinder nicht amtlich als Christen registrieren lassen oder ihnen offensichtlich christliche Namen geben. In der Schule sind Kinder von Christen muslimischer Herkunft gezwungen, am Islamunterricht teilzunehmen. Im Fall einer Scheidung, Fragen des Sorgerechts und bei Erbschaften werden Christen muslimischer Herkunft häufig benachteiligt.

Gesellschaftliches Leben

Alle Christen werden mehr oder weniger durch Diskriminierung unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzuschwören. Christliche Konvertiten werden an ihrem Arbeitsplatz diskriminiert und schikaniert, wenn bekannt wird, dass sie Christen sind. Ein großer Teil der saudischen Gesellschaft hat starke Vorbehalte gegenüber anderen Religionen. Viele Gastarbeiter, einschließlich Christen, werden durch ihre Arbeitgeber verbal angefeindet, körperlich misshandelt und manchmal sexuell missbraucht. Internationalen Schulen ist es verboten, an nichtislamischen Feiertagen wie Weihnachten und Neujahr Ferien zu geben. Schulen, die diese Sperre missachten, riskieren den Verlust ihrer Lizenz.

Leben im Staat

Religionsfreiheit ist weder in der Verfassung des Königreichs noch in sonstigen wesentlichen Gesetzen erwähnt. Das Rechtssystem basiert auf der Scharia; die Abkehr vom Islam zu einer anderen Religion kann mit dem Tod bestraft werden. Muslime haben mehr Rechte als Anhänger anderer Religionen. Besonders Christen muslimischer Herkunft erleben starken Druck seitens der Behörden, wenn ihr neuer Glaube bekannt wird. Ausländische Christen und Arbeitsmigranten bekommen große Probleme, wenn sie unter Muslimen missionieren; Verhaftung und Ausweisung können die Folge sein.

Kirchliches Leben

In Saudi-Arabien gibt es keine Kirchengebäude. Christliche Gottesdienste können nur im Verborgenen abgehalten werden. Die Regierung erkennt das Recht von Nichtmuslimen auf ein privates Glaubensleben zwar an, doch die Religionspolizei (Muttawa) respektiert dieses Recht oft nicht. Die Versammlungsfreiheit ist durch die strikte Trennung der Geschlechter stark eingeschränkt; sie verbietet Männern und Frauen aus verschiedenen Familien, gemeinsam im selben Raum Gottesdienste zu feiern. Tun sie es doch, riskieren sie es, verhaftet, auf brutale Weise körperlich durchsucht, ins Gefängnis gesteckt, ausgepeitscht, deportiert und manchmal auch gefoltert zu werden. Da es hierzu kein ausformuliertes Recht gibt, bleibt der Status privater religiöser Feiern vage und kann eigentlich nur aus Verlautbarungen in den Medien abgeleitet werden. Das Bezeugen des christlichen Glaubens gegenüber Muslimen, Schulungen in der Bibel sowie deren Veröffentlichung oder Import in Arabisch sind illegal. Das gilt auch für anderes christliches Material.

Auftreten von Gewalt

Im Berichtszeitraum des WVI 2018 gab es mehr Berichte von Gewalt, die sich gegen Christen richtete, als im Jahr zuvor. Dadurch stieg der Wert für das Auftreten von Gewalt und auch die Punktzahl für Saudi-Arabien insgesamt an. Drei Hauskirchen wurden geschlossen, nachdem sie von der Polizei durchsucht wurden. Zwölf Christen wurde festgenommen, die meisten von ihnen, als sie an einem Gottesdienst teilnahmen. Andere waren Christen mit muslimischem Hintergrund, die fälschlich beschuldigt wurden, Verbindungen zu extremistischen Gruppierungen zu haben. Sie alle wurden während des Berichtszeitraums wieder freigelassen.

Es sahen sich auch mehr Christen wegen ihres Glaubens dazu gezwungen, das Land zu verlassen, als im vergangenen Berichtszeitraum. Die meisten von ihnen waren Christen mit muslimischem Hintergrund, die Morddrohungen erhalten hatten. Einige andere waren Arbeitsmigranten, die wegen ihres Glaubens festgenommen wurden und deren Aufenthaltsgenehmigung deswegen nicht verlängert wurde. Wie in den vergangenen Jahren bleiben Vergewaltigungen und sexuelle Belästigungen ein enormes Problem in Saudi-Arabien. Christliche Arbeitsmigranten aus Asien und Afrika, insbesondere weibliches Hauspersonal, sind dem ausgesetzt. Laut Feldforschern leiden „abertausende“ Hausmädchen unter körperlichem und sexuellem Missbrauch. Dieses Thema erfährt nicht genug Beachtung und sollte weiter untersucht werden.

Viele Christen muslimischer Herkunft stehen unter starkem Druck seitens ihrer Familie oder anderen und haben Angst vor gewalttätigen Reaktionen, sollte ihr christlicher Glaube bekannt werden. Auch wenn Konvertiten riskieren, wegen Apostasie zum Tode verurteilt zu werden, gab es in den vergangenen Jahren keine bekanntgewordenen Fälle von offiziellen Exekutionen aus diesem Grund. Es besteht jedoch die Gefahr eines außergerichtlichen Mordes, wenn die Familie versucht, ihre Ehre zu schützen.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

In einem Land, in dem alle Bürger als Muslime gelten, sind Christinnen mit muslimischem Hintergrund besonders verwundbar. Wenn ihre Bekehrung bekannt wird, riskieren sie Gewalt, Hausarrest und Zwangsverheiratung. In der strikt islamischen Gesellschaft Saudi-Arabiens werden Frauen streng überwacht. Sie müssen auf den Ruf der Familie achten – jedes unerwünschte Verhalten kann der Ehre ihrer Familie schaden, was als todeswürdige Sünde angesehen wird. Das Verlassen des Islam ist eines der größten Verbrechen, die eine Muslima begehen kann. Das Rechtssystem Saudi-Arabiens basiert auf der Scharia und Apostasie (Abfall vom Islam) wird mit dem Todesurteil geahndet. Ist sie verheiratet, riskiert eine Christin mit muslimischem Hintergrund die Scheidung und den Verlust des Sorgerechts für ihre Kinder. Das bedeutet zudem den Verlust eines sozialen Sicherheitsnetzes und von Schutz. In Anbetracht dessen ist es nicht verwunderlich, dass viele weibliche christliche Konvertiten letzten Endes das Land zu ihrer eigenen Sicherheit verlassen.

Es ist bekannt, dass asiatische und afrikanische Arbeiter häufig unter körperlichem und sexuellem Missbrauch durch ihren Arbeitgeber leiden. Christen und Arbeiter, die einer anderen nichtislamischen Religion angehören, sind in dieser Hinsicht besonders verwundbar. Unter ihnen sind Frauen noch stärker von Missbrauch bedroht. Dies hängt stark mit der untergeordneten Stellung der Frau in der saudischen Gesellschaft zusammen sowie ihrem ungeschützten Status als Frauen, die alleine außerhalb ihres Hauses arbeiten. So dürfen beispielsweise saudische Frauen nicht ohne Begleitung eines männlichen Verwandten das Haus verlassen.

Männer

Abweichungen vom als normal geltenden Verhalten werden schnell bemerkt, und männliche Konvertiten zum christlichen Glauben erfahren Druck von Familie und Gesellschaft.

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

In ihrer jährlichen Prognose erwartet die „Economist Intelligence Unit“, dass Kronprinz Mohammed bin Salman „seine Macht weiter ausbaut, was sich im November 2017 durch die Massenverhaftung ranghoher Mitglieder der königlichen Familie erneut gezeigt hat. Die Rivalität Saudi-Arabiens mit dem Iran wird die Außenpolitik des Königreichs dominieren. Gleichzeitig werden im Zeitraum der Prognose erneut Terrorangriffe dschihadistischer Gruppen erwartet. Der sparsame Umgang mit Steuergeldern wird anhalten, aber selbst bei langsam wieder anziehenden Ölpreisen wird die Regierung weiterhin erhebliche neue Schulden machen.“

Kronprinz Mohammed bin Salman hat einige soziale Restriktionen gelockert, die die Jugend des Landes beeinflussen. So werden zum ersten Mal seit 35 Jahren Kinos geöffnet, und Frauen dürfen ab dem Juni 2018 selbst Auto fahren. Dieser scheinbare Wechsel zu einer jüngeren, toleranteren Leitung des Landes, weg von den traditionellen Wurzeln ist ein Versuch, die große Gruppe der jungen saudischen Generation zu besänftigen, die nach mehr Freiheit verlangt. Seit König Salman an der Macht ist, wurde außerdem die Macht der Religionspolizei verringert. Zudem verkündigte der Kronprinz im Oktober 2017, das Königreich müsse „zu einem moderaten Islam zurückkehren, der allen Religionen und der ganzen Welt gegenüber offen ist“. Die Christen vor Ort hoffen, dass dies tatsächlich zu mehr Toleranz gegenüber anderen Religionen führt, insbesondere, wenn er in naher Zukunft als König regiert. Auf der anderen Seite ist es genau dieser Kronprinz, der den Krieg im Jemen begann, der zur derzeit größten humanitären Krise der Welt führte und zur Verfolgung der dortigen Christen beigetragen hat.

Der kontinuierlich sinkende Ölpreis zwingt Saudi-Arabien dazu, nach anderen Einkommensmöglichkeiten zu suchen. Dazu gehört auch der lokale und internationale Tourismus, der auch eine Rolle bei der Öffnung des Landes spielen und für mehr Toleranz sorgen könnte. Dennoch ist der ultra-konservative Islam in Saudi-Arabien immer noch sehr lebendig und aktiv und wird keine allzu umfassenden gesellschaftlichen Veränderungen zulassen. Reformen könnten sogar zu einer Polarisierung der Gesellschaft führen, was in einer Zunahme der Verfolgung von Minderheiten (einschließlich Christen) durch ultra-konservative Elemente resultieren könnte.

Auf internationaler Ebene wird der Machtkampf mit dem Iran um Einfluss in der Region – vor allem im Jemen und in Syrien – voraussichtlich Saudi-Arabiens außenpolitische Agenda bestimmen. Aufgrund dieses Machtkampfes und der Konfrontation mit militanten islamistischen Gruppen könnte die Regierung dazu geneigt sein, der Aktivität von Christen weniger Aufmerksamkeit zu schenken. Es ist zu erwarten, dass die schwerwiegenden religiösen Einschränkungen, die typisch sind für Verfolgung durch Islamische Unterdrückung, die mit Ethnisch begründeten Anfeindungen vermischt ist, auch weiterhin massiven Druck für die religiösen Minderheiten, einschließlich Christen, bedeuten.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Saudi-Arabien

  • Bitte beten Sie dafür, dass Saudis, die vor kurzem die Wahrheit des Evangeliums angenommen haben, im Glauben an Jesus Christus wachsen und reifen. Bitte beten Sie auch dafür, dass sie andere unterrichten können, damit das ganze Land den Namen Jesus Christus erkennt.
  • Beten Sie, dass saudische Christen Wege finden, das Evangelium mit ihren Familienmitgliedern zu teilen. Beten Sie, dass die Familienmitglieder die Wahrheit suchen und nicht mit Zorn reagieren.
  • Das Wüstenkönigreich ist bestimmt vom Wahhabismus, einer puristischen und strengen Interpretation des Islam. Es ist verboten, andere Religionen offen zu praktizieren. Das Verlassen des Islam kann mit dem Tode bestraft werden. Bitte beten Sie, dass muslimische Saudis Jesus kennenlernen.

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