Länderprofil Somalia

Somalia

3
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Somalia
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Bundesrepublik
Platz Vorjahr
2
ISO
SO
Karte Somalia
Karte Somalia
Christen
einige Hundert
Bevölkerung
11.39
Islamische Unterdrückung
Ethnisch begründete Anfeindungen
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 16.000
Familienleben: 16.200
Gesellschaftliches Leben: 16.100
Leben im Staat: 16.300
Kirchliches Leben: 16.400
Auftreten von Gewalt: 10.400
Länderprofil Somalia

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

91 Punkte / Platz 3 (WVI 2017: 91 Punkte / Platz 2)

Von wem Verfolgung ausgeht

Die Verfolgung in Somalia geht hauptsächlich von der extremistisch-militanten Gruppe Al Shabaab und dem im Land vorherrschenden Stammessystem aus. Somalias islamisch geprägtes Clansystem hat einen tiefgreifenden Einfluss darauf, wie sich die Regierung zusammensetzt. Auch Al Shabaab stützt sich auf diese Stammesstrukturen, um Informationen zu sammeln, Mitglieder zu rekrutieren und ihre Ideologie zu verbreiten. Scheichs und Imame werden über diese Strukturen gezwungen, den Dschihad zu lehren – ansonsten drohen ihnen Vertreibung oder Tod. Erschwerend kommt hinzu, dass es organisierte kriminelle Netzwerke gibt, durch die extremistische Gruppen wie Al Shabaab finanziert werden. Die Gesellschaft erwartet, dass jeder Somalier ein Muslim ist. Imame in Moscheen und Koranschulen sowie Al-Shabaab-Führer erklären öffentlich, dass in Somalia kein Platz für den christlichen Glauben, Christen und Kirchen sei. In der Verfassung des Landes ist der Islam als Staatsreligion festgeschrieben und die Regierung verbietet jegliche Weihnachtsfeiern.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Die einzige Gruppe von Christen im Land, die für den Weltverfolgungsindex in Betracht gezogen wird, sind Christen muslimischer Herkunft. Sie werden von Al-Shabaab-Kämpfern als hochrangiges Ziel angesehen und wer von ihnen bisher entdeckt wurde, wurde oft auf der Stelle getötet. Der gewalttätige nichtstaatliche Akteur Al Shabaab hat sich der Lehre des Wahhabismus verschrieben und befürwortet die Scharia als Grundlage zur Regelung aller Lebensbereiche in Somalia. Ausländische islamistische Kämpfer sind ebenfalls im Land präsent, doch die Verfolgung durch die Triebkraft „Islamische Unterdrückung“ geht nicht allein von militanten Gruppen aus. Christen sind auch massiver Verfolgung vonseiten ihrer Familie, (entfernter) Verwandter und ihrer ganzen Gemeinschaft ausgesetzt. Jeder Übertritt zum christlichen Glauben wird als Verrat gegenüber der Familie und dem Clan betrachtet. Falls demzufolge ein Somalier verdächtigt wird, den christlichen Glauben angenommen zu haben, wird er von Familienmitgliedern und Stammesführern schikaniert, bedroht oder sogar getötet. Im Lauf der letzten Jahre scheint sich die Situation verschlechtert zu haben. Islamistische Kämpfer haben ihre Jagd auf Christen, vor allem auf christliche Leiter, verstärkt. Ein Versuch zur Wiedereröffnung einer Kirche in Hargeisa, Somaliland, scheiterte, als die Regierung durch den Druck der lokalen muslimischen Bevölkerung gezwungen wurde, die Kirche wieder zu schließen.

Beispiele

  • Christen im Land müssen ihre Wohnungen und ihre Versammlungsorte immer wieder wechseln.
  • Im Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex 2018 wurden Läden und Betriebe von mutmaßlichen Konvertiten zum christlichen Glauben zerstört und mindestens drei Christen muslimischer Herkunft gezwungen, das Land zu verlassen; mindestens acht mussten ihren Wohnort innerhalb des Landes wechseln.
  • Zudem berichten Kontaktpersonen, dass mindestens 23 Christen aufgrund des Verdachts, Konvertiten zu sein, getötet wurden. Zum Schutz von Familie und Freunden können zu diesen Fällen keine Details veröffentlicht werden.
  • Drei mutmaßliche Konvertiten wurden zwangsverheiratet.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 91 Punkten belegt Somalia Platz 3 auf dem Weltverfolgungsindex 2018. Verstrickt in einen langjährigen Bürgerkrieg, gesellschaftliche Zersplitterung, Stammeskonflikte und islamischen Extremismus, befindet sich das Land einmal mehr unter den ersten zehn Ländern des Weltverfolgungsindex. Der Druck auf Christen ist extrem hoch geblieben und es gab ein hohes Maß an gegen Christen gerichteter Gewalt. Al Shabaab zeigte ihre Macht, indem die Gruppe mehrere Anschläge in der Hauptstadt des Landes verübte.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Die Haupttriebkräfte der Verfolgung im Land sind „Islamische Unterdrückung“ und „Ethnisch begründete Anfeindungen“. Daneben spielen auch „Organisiertes Verbrechen und Korruption“ eine Rolle, welche in enger Verbindung mit den Aktivitäten von Al Shabaab stehen.

Islamische Unterdrückung

Somalia ist eine muslimisch dominierte Nation und die Gesellschaft erwartet, dass alle Somalier Muslime sind. Imame in Moscheen und Koranschulen sowie Al-Shabaab-Führer erklären öffentlich, dass in Somalia kein Platz für den christlichen Glauben, Christen und Kirchen sei. In der Verfassung des Landes ist der Islam als Staatsreligion festgeschrieben. Die Regierung verbietet Christen, Weihnachten zu feiern. Wer dies dennoch tun möchte, muss dabei sehr vorsichtig vorgehen. Die militante islamistische Gruppe Al Shabaab, die sich als gewalttätiger nichtstaatlicher Akteur der Lehre des Wahhabismus verschrieben hat und die Scharia als Grundlage zur Regelung aller Lebensbereiche in Somalia befürwortet, tötet gezielt Somalier, die verdächtigt werden, zum christlichen Glauben konvertiert zu sein. Ausländische islamistische Kämpfer sind ebenfalls im Land präsent. Zudem sind Christen massiver Verfolgung vonseiten ihrer Familie, entfernten Verwandten und ihrer ganzen Gemeinschaft ausgesetzt. Christ zu sein, insbesondere Christ mit muslimischem Hintergrund, ist eine enorme Herausforderung und kann dazu führen, von Extremisten brutal ermordet zu werden.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Der Clan spielt in der somalischen Gesellschaft eine wesentliche Rolle; er regelt die Belange des täglichen Lebens und die Beziehungen der Gemeinschaften untereinander. Außerdem hat die Clanstruktur einen tiefgreifenden Einfluss darauf, wie sich die Regierung zusammensetzt und darauf, wie Wahlen durchgeführt werden. Dies zeigte sich bei den somalischen Wahlen 2017: Der Präsident wurde von einem Parlament gewählt, das wiederum von 14.025 von Clanältesten ernannten Delegierten gewählt worden war. Auch Al Shabaab stützt sich auf diese Stammesstrukturen, um Informationen zu sammeln, Mitglieder zu rekrutieren und ihre Ideologie zu verbreiten. Scheichs und Imame werden über diese Strukturen gezwungen, den Dschihad zu lehren – ansonsten drohen ihnen Vertreibung oder Tod. Nach Ansicht vieler Somalier und Stammesführer muss jeder Somalier Muslim sein, weshalb der Übertritt zum christlichen Glauben als Verrat gegenüber der Familie und dem Clan gilt. Falls demzufolge ein Somalier verdächtigt wird, den christlichen Glauben angenommen zu haben, wird er von Familienmitgliedern und Stammesführern schikaniert, bedroht oder sogar getötet.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

In Somalia herrscht Gesetzlosigkeit. Kriminalität und Korruption greifen ungehindert um sich. Die Regierung kontrolliert nur einige Städte und überlässt den Großteil der ländlichen Gebiete Al Shabaab. Die Miliz erhebt Steuern und finanziert ihre Aktivitäten durch illegalen Handel. Diese Situation hat das Leben für Christen sehr schwierig gemacht, da sie keinerlei Schutz haben. Auf dem Korruptionsindex von Transparency International, der im Januar 2017 veröffentlicht wurde, wird Somalia als schlimmstes Land weltweit aufgeführt.

3. Verfolger

Die Verfolger in Somalia sind diejenigen, die sich der Ideologie des Clansystems und extremistischer militanter Gruppen im Land verpflichtet sehen. Wie bereits erwähnt, erklären muslimische religiöse Führer öffentlich, dass für den christlichen Glauben kein Platz sei; Al-Shabaab-Kämpfer töten Somalier, die verdächtigt werden, zum christlichen Glauben übergetreten zu sein, und von Familie und Gemeinschaft werden Christen muslimischer Herkunft ebenfalls massiv verfolgt. Politische Parteien, auch wenn sie noch nicht so weit entwickelt sind, identifizieren sich ebenfalls mit der Idee, dass Somalia nur für Somalis da ist – und Somali zu sein, heißt Muslim zu sein. Familienmitglieder und die ganze Gesellschaft lehnen auch nur den Gedanken an einen Übertritt zum christlichen Glauben kategorisch ab. Netzwerke von Kartellen organisierter Kriminalität profitieren von der Gesetzlosigkeit in Somalia. Al Shabaab beteiligt sich ebenfalls am illegalen Handel und erhebt unerlaubt Steuern als Einnahmequelle.

4. Hintergrund

Extremistischer Islam ist kein neues Phänomen in Somalia. Im Jahr 1899 schuf Muhammad Abdullah Hassan den Derwisch-Staat (einen sunnitisch-islamischen Staat). Er entschied, ein Kalifat zu errichten, nachdem er gesehen hatte, dass sich somalische Waisen selbst als Katholiken bezeichneten, was er als Verrat an der somalischen Kultur und dem islamischen Glauben betrachtete.

In Somalia war der Islam bereits vor der Verbreitung des christlichen Glaubens fest etabliert. Die kolonialistischen Interventionen Italiens und Großbritanniens lösten heftigen Widerstand gegen das Christentum aus. Hinzu kommt, dass die somalische Gesellschaft auf Clanzugehörigkeit beruht. Das Stammessystem Somalias – die informelle Regierungsform des Landes – ist sehr resistent gegenüber modernen Regierungsmodellen und stabiler als der formelle Aufbau des Staates. In ihren Anstrengungen, die Sicherheit und ihre Regierungsgewalt auszuweiten und gleichzeitig die Beziehungen zu den somalischen Stämmen aufrechtzuerhalten, hat die offizielle Regierung Bürgerrechte und Rechtsstaatlichkeit hintenangestellt. Laut Freedom House sind die Versammlungs-, Religions- und Glaubensfreiheit im Land stark eingeschränkt. Die Regierung lässt außerdem zu, dass sich gegen Christen gerichtete Ansichten im Stammessystem verbreiten. Dies spiegelt sich klar in der Verfassung Somalias wider.

Nach dem Zusammenbruch der Zentralregierung im Jahr 1991 kamen gewalttätige extremistische Gruppen auf. Seit dem Sturz von Ziad Barre 1991 ist Somalia zu einem Rückzugsort für extremistische Dschihadisten geworden, was dazu geführt hat, dass die Gesellschaft sowohl im Land als auch in der umliegenden Region aggressiver und intoleranter gegenüber Christen geworden ist. In den meisten Fällen würden Christen in von Al Shabaab kontrollierten Gebieten in Somalia keinen einzigen Tag in einem Gerichtsprozess überleben oder auch nur die Chance bekommen, „nur“ zur Haft in einem Arbeitslager verurteilt zu werden. Allein der Verdacht, dass jemand Christ sein könnte, führt zu einer raschen öffentlichen Hinrichtung. In diesem Zusammenhang müssen auch die Angriffe von Al Shabaab auf Christen in Kenia gesehen werden. Zudem hat der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) versucht, in Somalia Fuß zu fassen. Der IS hat Al Shabaab umworben, um die Gruppe dazu zu bewegen, sich von Al Kaida zu lösen und sich dem Kalifat des IS anzuschließen. Im April 2016 bekannte sich der IS zu einem Angriff auf Truppen der Afrikanischen Union. Dennoch ist der Versuch einiger Fraktionen innerhalb von Al Shabaab, sich mit dem IS zu verbinden, bisher fehlgeschlagen.

Das derzeitige Regime ist dabei, sich zu etablieren. Die Bundesregierung von Somalia wurde im August 2012 nach dem Ende des Mandats der Übergangsregierung gebildet und durch militärische Gewinne der Streitkräfte der Afrikanischen Union gegen Al Shabaab gestärkt. Allerdings gab es hinsichtlich der Freiheit für Christen keine Fortschritte. Die vorläufige Verfassung schränkt die Religionsfreiheit ein und zeigt einmal mehr, wie rückschrittlich die Situation in Somalia ist. Zum Beispiel wurde Apostasie (der Abfall vom islamischen Glauben) in der vorherigen Übergangscharta nicht als Straftat aufgeführt, wohingegen die jetzige provisorische Verfassung Apostasie explizit verbietet. Um die Clanführer zu beschwichtigen und sich ihrer Unterstützung zu versichern bzw. diese noch zu fördern, hat die Regierung hin und wieder unmissverständliche Anordnungen erlassen; zum Beispiel im Dezember 2015 das Verbot, Weihnachten zu feiern, mit der Erklärung, das christliche Fest habe „nichts mit dem Islam zu tun“. 2017 wählte das Land einen neuen Präsidenten. Doch obwohl im Zusammenhang mit der Wahl neuer Optimismus aufkam, gibt es keine Garantie dafür, dass der Präsident für Minderheiten im Land eintreten wird. Indessen zerstören die häufigen tödlichen Anschläge von Al Shabaab diesen Optimismus wieder.

In Somaliland und der autonomen Provinz Puntland ist die Lage einigermaßen stabil, aber auch dort ist für Christen kein Platz. Die Schließung einer Kirche unmittelbar eine Woche nach der offiziellen Wiederöffnung in Hargeisa, der Hauptstadt von Somaliland, ist ein Beispiel dafür.

In Somalia haben andere religiöse Gruppen als Muslime keine erwähnenswerten Rechte. In Gebieten, die von Al Shabaab kontrolliert werden, hat sich die Situation so extrem verschärft, dass selbst sunnitische Muslime oft in den Untergrund gehen. Wie oben bereits erwähnt, verbieten die Gesetze in Somalia die Verbreitung jeglicher anderen Religion außer dem Islam und untersagen Muslimen, zu einem anderen Glauben zu konvertieren. Die Verfassung legt außerdem fest, dass alle Gesetze den allgemeinen Grundsätzen der Scharia entsprechen müssen. Vor diesem Hintergrund stehen alle anderen Religionen außer dem Islam vor schweren Herausforderungen.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Da sich diese Gruppe auf Militärseelsorger (beispielsweise unter Angehörigen der African Union Mission, AMISOM), Gastarbeiter in Mogadischu und einige Flüchtlinge in Hargeisa (Somaliland) beschränkt, wird sie im Rahmen des Weltverfolgungsindex nicht eigenständig betrachtet. Ihre Situation mit einzubeziehen, würde außerdem das Bild von der allgemeinen Lage im Land verfälschen. Diese Gruppe ist mehr oder weniger isoliert von der brutalen Wirklichkeit, mit der Christen muslimischer Herkunft hier konfrontiert sind. Das bedeutet, dass die meisten der Fragen im Fragebogen in diesem Zusammenhang nicht anwendbar sind. Daher wird diese Gruppe in der Analyse für den Weltverfolgungsindex nicht berücksichtigt.

Christen muslimischer Herkunft

Christen mit muslimischem Hintergrund sind der schlimmsten Verfolgung ausgesetzt und werden von Al-Shabaab-Kämpfern als wichtiges Ziel angesehen. In der jüngsten Geschichte des Landes wurden Konvertiten zum christlichen Glauben (oder Menschen, die im Verdacht standen, Konvertiten zu sein) nach der Entdeckung oft auf der Stelle getötet. Während des Berichtszeitraums für den Weltverfolgungsindex 2018 hat sich die Situation nicht verbessert. Islamistische Kämpfer haben ihre Jagd auf Christen, vor allem auf christliche Leiter, verstärkt. Infolgedessen müssen Christen alles tun, was in ihrer Macht steht, um ihren Glauben geheim zu halten. Gemeinschaft pflegen sie nur in kleinen, isolierten Gruppen. In den letzten Jahren hat sich Al Shabaab aus den großen Städten zurückgezogen und unter die lokale Bevölkerung gemischt. In den Gebieten, die von Al Shabaab kontrolliert werden, sind Christen muslimischer Herkunft besonders in Gefahr.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 16.000
Familienleben: 16.200
Gesellschaftliches Leben: 16.100
Leben im Staat: 16.300
Kirchliches Leben: 16.400
Auftreten von Gewalt: 10.400

Grafik: Verfolgungsmuster Somalia

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Christen in Somalia stehen in allen Lebensbereichen unter höchstem Druck; die durchschnittliche Wertung ist mit 16,2 Punkten gleichgeblieben.
  • Am stärksten ist der Druck im Bereich „Kirchliches Leben“ (da es im Grunde unmöglich geworden ist, ein sichtbares Kirchengebäude im Land zu haben), gefolgt vom Bereich „Leben im Staat“.
  • Die Wertung für das Auftreten von gegen Christen gerichteter Gewalt beträgt 10,4 Punkte im Vergleich zu 10,2 Punkten im Weltverfolgungsindex 2017. Diese Punktzahl ist hauptsächlich auf die Taten der extremistischen islamischen Miliz Al Shabaab zurückzuführen. Die Gruppe hat öffentlich erklärt, dass in Somalia für Christen kein Platz sei.
  • Die Verfolgungssituation in Somalia in ihrer Gesamtheit zeigt, dass es in der Gesellschaft starke Bestrebungen gibt, den christlichen Glauben ganz aus dem Land zu verdrängen.

Privatleben

Christen in Somalia stehen großen Schwierigkeiten gegenüber, wenn sie versuchen, ihrem Glauben entsprechend zu leben. Sie können nur heimlich beten und keine christlichen Materialien oder Symbole besitzen oder mit sich führen, da diese als Beweismaterial gegen sie betrachtet würden, sollten sie gefasst werden. Sie müssen ständig den Ort wechseln, an dem sie sich zum Gottesdienst versammeln. Ihren Übertritt zum christlichen Glauben müssen sie nicht nur vor ihrer erweiterten Familie und den Mitgliedern ihres Clans verstecken, sondern auch vor ihren engsten Angehörigen. Die Familienmitglieder würden nicht nur verständnislos auf den christlichen Glauben reagieren, sondern auch Angst haben, selbst als Konvertiten verdächtigt zu werden. Einem Feldforscher zufolge trauen sich Christen kaum, ihren Glauben in irgendeiner Form auszudrücken: „Es gibt ein weltweites Social-Media-Netzwerk somalischer Christen, und allein einen Post dort zu ‚liken‘, bringt sie ernsthaft in Gefahr.“

Familienleben

Christliche Hochzeiten zu feiern oder christliche Feiertage in der Familie zu begehen, ist nahezu unmöglich. Somalische Kinder sind verpflichtet, am Islamunterricht teilzunehmen und christliche Eltern halten es oft für zu gefährlich, ihre Kinder im christlichen Glauben zu unterrichten. Konvertiten zum christlichen Glauben oder Menschen, die verdächtigt werden, Konvertiten zu sein, sind allen Arten von Diskriminierung ausgesetzt, wenn es um das Sorgerecht für Kinder, Erbrecht oder Scheidungen geht. Um diesen Herausforderungen zu entgehen, halten christliche Familien ihren Glauben meistens so geheim wie möglich.

Gesellschaftliches Leben

Christen muslimischer Herkunft werden von Angehörigen ihrer Gemeinschaft auf verschiedene Weise unter Druck gesetzt. Ein Feldforscher berichtet: „Mutmaßliche Konvertiten erhalten einschüchternde Nachrichten per Anruf von ‚besorgten‘ Mitgliedern der Gemeinschaft oder sogar von Mitgliedern von Al Shabaab, die ihnen sagen, sie hätten Gerüchte über ihren Glaubenswechsel gehört oder ‚widriges‘ [dem Koran widersprechendes] Verhalten beobachtet, und sie ermahnen, dies zu ändern – sonst drohe ihnen der Tod.“ Um solche Bedrohungen und ähnliche Probleme zu überleben, müssen somalische Christen ihren Glauben verstecken, auch um Zugang zu grundlegenden Sozialleistungen oder Bildung zu erhalten. Christinnen müssen sich wie Muslimas kleiden, um ihren Glauben zu verbergen.

Leben im Staat

Dieser Lebensbereich ist entscheidend, wenn es darum geht, die Verfolgung in einem Land zu untersuchen, da Politik und Gesetze auf nationaler oder regionaler Ebene bestimmend dafür sind, wie Dinge auf lokaler Ebene umgesetzt werden. In der Verfassung Somalias ist klar und deutlich dargelegt, dass der Islam die Staatsreligion und die Scharia Ursprung aller Gesetze ist. Es gibt keine Bestimmungen, nach denen Nichtmuslime von der Anwendung der Scharia ausgenommen wären. Beamte auf staatlicher und lokaler Ebene setzen Gesetze durch, welche die Freiheit von Christen stark einschränken, weshalb sie keine andere Wahl haben, als ihren Glauben im Geheimen zu leben.

Kirchliches Leben

Es gibt keine erkennbaren Kirchengebäude im Land. Viele Kirchen wurden in den letzten Jahrzehnten zerstört. In der Vergangenheit scheiterten Versuche, eine katholische Kathedrale in Mogadischu wiederzueröffnen. Eine Kirche in Hargeisa (Somaliland) wurde im aktuellen Berichtszeitraum für eine Woche wiedereröffnet, danach aber wieder geschlossen, nachdem die islamische Gemeinschaft Druck ausgeübt hatte. Kurz gesagt – das kirchliche Leben ist stark eingeschränkt und kann nur im Untergrund stattfinden. Christen versammeln sich im ganzen Land verstreut heimlich in kleinen Gruppen. Diese Hausgemeinden müssen ständig ihren Versammlungsort ändern, um eine mögliche Überwachung durch Al Shabaab und lokale Führungspersonen zu umgehen.

Auftreten von Gewalt

Somalische Christen erleben wegen ihres Glaubens Gewalt vonseiten der Familie, des Clans, von Behörden und Milizen. Al Shabaab hat bereits öffentlich erklärt, „Somalia von allen Christen zu befreien“. Ein Feldforscher erläutert: „Jedes Mal, wenn Christen angegriffen und umgebracht werden, besonders bei Terroranschlägen, wird abgestritten, dass die Betroffenen wegen ihres Glaubens ermordet wurden, damit die Überlebenden, die mit ihnen in Verbindung standen, nicht auch zur Zielscheibe von Gewalt werden.“ Im Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex 2018 wurden mindestens drei Christen muslimischer Herkunft gezwungen, das Land zu verlassen; mindestens acht mussten ihren Wohnort innerhalb des Landes wechseln. Ein Experte für das Land berichtet, dass ungefähr 23 (mutmaßliche) Christen muslimischer Herkunft im Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex 2018 von Al Shabaab ermordet wurden; die Mainstream-Medien haben diese Morde allerdings ignoriert.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Ein Forscher berichtet: „Frauen und Mädchen werden unter Druck gesetzt, Duksi-Unterricht zu besuchen [eine Form der religiösen Erziehung] und von Al Shabaab gebilligte Burkas zu tragen. Manche werden zwangsverheiratet, leiden unter häuslicher Gewalt, werden von ihrem Ehepartner und anderen Familienmitgliedern verprügelt, beschimpft und unter Hausarrest gestellt. Ihnen werden Nahrung und Rechte verweigert, sie verlieren ihre Geschäfte, werden bedroht und dazu gezwungen, sich zu verstecken; einige suchen deshalb Zuflucht außerhalb des Landes. Manchen Frauen wird der Kontakt zu ihren Kindern versagt, manche verlieren ihre Ehemänner und einige werden sogar aufgrund von Verdächtigungen bezüglich ihres Glaubens getötet.“

Männer

Nach Auskunft eines Forschers sind Männer und Jungen, die des Übertritts zum christlichen Glauben verdächtigt werden, extremer Verfolgung ausgesetzt: „Männer und Jungen werden beschimpft, körperlich angegriffen, ihre Geschäfte werden ihnen weggenommen, sie werden mit dem Tod bedroht, gefoltert, lebendig verbrannt und andere erschossen.“

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Somalia ist seit 1993 auf dem Weltverfolgungsindex und wird zweifellos auch weiterhin einen hohen Rang einnehmen. Mit Hilfe der Afrikanischen Union konnte sich die somalische Regierung ein weiteres Jahr halten. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat das Mandat der im Land stationierten Truppen der Afrikanischen Union ein weiteres Mal verlängert. Außerdem haben die USA ihre Luftangriffe gegen Al Shabaab fortgesetzt, wodurch vor allem die Zahl der Anführer der Gruppe vermindert wurde. Der IS wirbt weiterhin um Al Shabaab, bisher jedoch ohne großen Erfolg.

Vor diesem Hintergrund sind die Zukunftsaussichten nicht gerade vielversprechend:

  • Auch wenn die Wahl von Mohamed Abdullahi Mohamed zum neuen Präsidenten Somalias von vielen westlichen Regierungen begrüßt wurde, ist es unwahrscheinlich, dass sich die somalische Regierung als stabil und als Beschützer von Minderheiten im Land erweist.
  • Al Shabaab wird weiterhin gezielt Christen muslimischer Herkunft angreifen.
  • Es ist unwahrscheinlich, dass eines der schwer beschädigten Kirchengebäude jemals wiedereröffnet werden kann.
  • Falls die Truppen der Afrikanischen Union das Land verlassen sollten, würde dies Al Shabaab neu ermutigen, was eine noch größere Bedrohung für die Christen im Land und darüber hinaus darstellen könnte.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Somalia

  • Die Haupttriebkräfte der Verfolgung in Somalia sind Islamische Unterdrückung und Ethnisch begründete Anfeindungen. Organisiertes Verbrechen und Korruption sind ebenfalls im Land präsent. Bitte beten Sie, dass Jesus Christus sein Königreich in Somalia inmitten der schwierigen Umstände baut.
  • Somalische Christen können nicht offen an Versammlungen teilnehmen; selbst Bibellesen ist gefährlich, sowie auch, sich über Jesus im Internet zu informieren, da man dabei entdeckt werden könnte. Beten Sie, dass Gott seine Kinder in Somalia beschützt, die Wege finden müssen, heimlich mehr über ein Leben in der Nachfolge Jesu zu lernen.
  • Danken Sie Jesus für sein Versprechen, seine Gemeinde zu bauen, und beten Sie, dass er weiterhin viele Muslime zu sich zieht. Viele sind auf der Suche. Beten Sie, dass er sich ihnen zu erkennen gibt.

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