Länderprofil Sri Lanka

Sri Lanka

44
Weltverfolgungsindex
2018
Sri Lanka
Hauptreligion
Buddhismus
Staatsform
Unitarische Präsidialrepublik
Platz Vorjahr
45
ISO
LK
Karte Sri Lanka
Karte Sri Lanka
Christen
1,93
Bevölkerung
20.91
Religiös motivierter Nationalismus
Konfessioneller Protektionismus
Privatleben: 11.100
Familienleben: 7.600
Gesellschaftliches Leben: 10.500
Leben im Staat: 11.300
Kirchliches Leben: 10.100
Auftreten von Gewalt: 6.900
Länderprofil Sri Lanka

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

57 Punkte / Platz 44 (WVI 2017: 55 Punkte / Platz 45)

Von wem Verfolgung ausgeht

Die Verfolgung geht hauptsächlich von extremistischen buddhistischen Gruppen aus, die manchmal von (lokalen) Beamten unterstützt werden. Während die Wahl einer neuen Regierung im Jahr 2015 zu einer leichten Abnahme der Aktivitäten der Gruppierung Bodu Bala Sena (BBS) geführt hat, sind andere Bewegungen wie Sinha Le aktiv geworden und haben an Stärke gewonnen. Sie beanspruchen Sri Lanka als buddhistische, singhalesische Nation; diese Ideologie propagierten sie auch mit einer groß angelegten Aufkleber-Kampagne. BBS hat sich in eine politische Partei umgewandelt, die aber bis jetzt nicht besonders erfolgreich war. Obwohl sich die BBS eher darauf konzentriert, die muslimische Minderheit zu attackieren, werden Christen und ihre Kirchen ebenfalls häufig angegriffen. Familienangehörige sowie Dorfvorsteher in den ländlichen Gegenden beschimpften christliche Konvertiten und verlangten von ihnen, das Dorf zu verlassen.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Christen buddhistischer oder hinduistischer Herkunft leiden unter der stärksten Verfolgung. Von der Familie und der Gesellschaft werden sie schikaniert, diskriminiert und ausgegrenzt. Sie werden unter Druck gesetzt, ihren christlichen Glauben zu widerrufen, da ihr Glaubenswechsel als Verrat betrachtet wird: Von allen Singhalesen (die Mehrheit in Sri Lanka) wird erwartet, dass sie Buddhisten sind. Ebenso wird unter der tamilischen Minderheit im Nordosten des Landes erwartet, dass alle Hindus sind. Die christliche Minderheit wird teilweise toleriert, aber christliche Konvertiten nicht. Zudem geraten protestantische Freikirchen häufig ins Visier von Nachbarn und oftmals auch buddhistischen Mönchen und lokalen Beamten, die sie auffordern, die Kirchengebäude, die jene als illegal ansehen, zu schließen. Immer wieder führt dies schließlich dazu, dass sich Mobs bilden, die gegen die Kirchen protestieren und sie angreifen, besonders in den ländlichen Gebieten.

Beispiele

  • An den meisten staatlichen Schulen gibt es keinen christlichen Religionsunterricht und so sind christliche Schüler gezwungen, am buddhistischen oder hinduistischen Unterricht teilzunehmen. Es gab zudem Berichte, nach denen Kinder gezwungen wurden, an buddhistischen Ritualen teilzunehmen.
  • Am 5. Januar 2017 attackierte ein Mob, der anscheinend von einem buddhistischen Mönch angeführt wurde, das Kithu Sevana Prayer Center in Paharaiya im nordwestlichen Sri Lanka. Der dortige Gemeindeleiter berichtete: „Erst bedrohten sie uns mit Worten. Dann kamen sie mit Knüppeln, Eisenstangen und Messern und zerstörten alles.“
  • Im März 2017 verschaffte sich eine Gruppe von 50 Personen, unter ihnen buddhistische Mönche, Zutritt zur Christian Fellowship Church in Ingiriya im Distrikt Kalatura. Sie verlangten, dass die Christen aufhören sollten, Gottesdienste zu feiern, und bezichtigten sie, den Frieden zu stören. Als der Pastor von der Polizeistation nach Hause zurückkehrte, erwartete ihn vor seinem Haus ein Mob und die Fenster seines Hauses waren eingeschlagen.
  • Der Erzbischof von Colombo, Malcolm Kardinal Ranjith, behauptete im Juni 2017 öffentlich, es habe keine Angriffe oder erzwungenen Schließungen von Kirchen im Land gegeben. Vor dem Hintergrund gut dokumentierter Fälle von Angriffen auf Kirchen im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2018 scheint er nur Katholiken als Christen zu betrachten.

Beiträge zu Sri Lanka

Blickpunkt Buddhismus
Auch wenn der Buddhismus als bunte und friedliche Religion gilt, sind viele Christen in buddhistisch geprägten Ländern starker Verfolgung ausgesetzt. Wir möchten, dass diesen Geschwistern wieder mehr Beachtung zukommt und wollen deswegen ihre Geschichten weitergeben.
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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Die Punktzahl Sri Lankas hat sich von 55 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2017 auf 57 erhöht. Dies ist eine deutliche Tendenz seit dem WVI 2016, als das Land nicht unter den 50 Ländern war, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Die Hoffnungen von Sri Lankas religiösen und ethnischen Minderheiten nach den Wahlen im Januar 2015 wurden enttäuscht. Die Regierung tendiert mehr und mehr zu einem nationalistischen Buddhismus und unterstützt ihn, wenn auch nicht so offen wie die vorherige Regierung unter Rajapaksa. Während sich die Punktzahl für das Auftreten von Gewalt nur um 0,2 Punkte erhöht hat, nahm der Druck vor allem in den Bereichen „Privatleben“ und „Leben im Staat“ deutlicher zu. Die Situation für Christen buddhistischer, muslimischer oder hinduistischer Herkunft ist im Bereich des Privatlebens schwieriger geworden, und alle Christen (besonders die, die keine Katholiken sind) erlebten mehr Schwierigkeiten im Bereich „Leben im Staat“. Als ein römisch-katholischer Kardinal öffentlich im Fernsehen behauptete, dass es keine Verfolgung von Christen in Sri Lanka gäbe, bezeichnete er damit Protestanten im Grunde als Lügner oder als Nichtchristen (für mehr Informationen siehe Abschnitt „Triebkräfte der Verfolgung“).

2. Triebkräfte der Verfolgung

Religiös motivierter Nationalismus

Die Demokratische Sozialistische Republik Sri Lanka ist ein säkularer Staat. Dennoch stellt die Verfassung den Buddhismus an die erste Stelle und sieht ihn offensichtlich als Staatsreligion an. Kapitel 2 der Verfassung verlangt: „Die Republik Sri Lanka soll dem Buddhismus den obersten Platz einräumen und dementsprechend soll es die Pflicht des Staates sein, die Buddha Sasana (buddhistische Lehre) zu schützen und zu fördern, während gleichzeitig sichergestellt wird, dass allen Religionen die Rechte der Artikel 10 und 14(1)(e) zugestanden werden.“ Diese Vorschrift aus Artikel 9 wurde im neuen Verfassungsentwurf unverändert stehen gelassen. Die Rechte in Bezug auf Religions- und Glaubensfreiheit, die in den Artikeln 10 und 14 zugesichert werden, können allerdings eingeschränkt werden, was auch auf subtile Weise geschieht, wie im Abschnitt „Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt“ aufgezeigt wird.

Die Vorrangstellung des Buddhismus ist immer noch eine weitverbreite Vorstellung im Land. Jeder Singhalese wird als Buddhist betrachtet und so werden nicht nur tamilische Christen als Bürger zweiter Klasse behandelt, sondern auch singhalesische Christen werden misstrauisch beäugt und vielfach verleumdet und attackiert. Täter sind nicht nur staatliche Behörden, was schon der Name „Ministerium für religiöse Angelegenheiten und buddhistische Sasana“ vermuten lässt, sondern auch buddhistische Mönche und Lokalbehörden. Extremistische buddhistische Gruppen, namentlich die Bodu Bala Sena (BBS, übersetzt „buddhistische Streitkräfte“) und die Sinhala Ravaya (SR), werden durch buddhistische Mönche angeführt und sind bekannt dafür, Mobs zu Angriffen auf die muslimische Minderheit sowie auf Christen aufzustacheln. Obwohl sie nicht mehr so präsent sind, wie sie es vor dem Regierungswechsel im Januar 2015 waren, ist ihr Einfluss immer noch lebendig und die Angriffe auf christliche Gemeinden gehen im selben Maße weiter. Die Vorrangstellung des Buddhismus ist im Alltag religiöser Minderheiten wie der Muslime und Christen weiterhin sehr stark spürbar, aber es sind nicht mehr die BBS oder SR, die dies vorantreiben.

Konfessioneller Protektionismus

Es mag überraschend sein, dass bei Sri Lanka eine neue Triebkraft der Verfolgung in Erscheinung tritt. Im Juni 2017 behauptete der römisch-katholische Erzbischof von Colombo, Kardinal Ranjith, öffentlich, dass es keine Angriffe oder erzwungenen Schließungen von Kirchen im Land gegeben hätte. Es scheint so, als betrachte er nur Katholiken als Christen. Diese Auffassung wurde einige Tage später vom Justizminister des Landes aufgegriffen: Er setzte ebenfalls einfach den christlichen Glauben mit dem Katholizismus gleich, schloss folglich protestantische Denominationen aus und schlussfolgerte dementsprechend, dass es keine Angriffe gegen Christen in Sri Lanka gegeben habe. Dies ist eine völlige Missachtung der gut dokumentierten Einträge in der Datenbank zu gewalttätigen Übergriffen, welche von der Nationalen Christlichen Evangelischen Allianz von Sri Lanka (NCEASL) gepflegt wird. Allein für Januar bis Oktober 2017 wurden 43 Fälle dokumentiert.

3. Verfolger

Die Hauptverfolger sind extremistische buddhistische Gruppen und Regierungsbeamte, häufig auf der lokalen Ebene. Obwohl die Wahl einer neuen Regierung im Jahr 2015 zu einer Reduzierung der Aktivitäten der BBS geführt hat, haben andere Bewegungen wie SR an Stärke gewonnen. Sie beanspruchen Sri Lanka als buddhistische, singhalesische Nation; diese Ideologie propagierten sie auch mit einer groß angelegten Aufkleber-Kampagne. BBS hat sich in eine politische Partei umgewandelt, die bis jetzt aber auf politischem Gebiet nicht viel Einfluss erlangen konnte. Oftmals beschimpften Familienangehörige sowie Dorfvorsteher in den ländlichen Gegenden christliche Konvertiten und verlangten von ihnen, das Dorf zu verlassen. Politische Parteien neigen dazu, sich Rufen zum Schutz des buddhistischen Erbes des Landes anzuschließen, da dies Stimmen sichert.

4. Hintergrund

Um den Buddhismus Sri Lankas zu verstehen, ist es hilfreich, das traditionelle Dreieck Sri Lankas zu verstehen: Das singhalesische Leben hat drei Bezugspunkte, nämlich den Tempel, das Dorf und den Teich (als Symbol für Bewässerung und Landwirtschaft). Nichts sollte in dieses Dreieck eindringen; daher wird alles, was von außerhalb kommt, mit Misstrauen betrachtet. Die buddhistischen Gruppen Sri Lankas beschäftigen sich daher weniger mit den philosophischen Themen des Buddhismus, die im Westen so populär sind, sondern eher mit dem Kampf darum, dieses traditionelle Dreieck zu bewahren. Alle Aktivitäten der BBS und SR können vor diesem Hintergrund als Versuche gesehen werden, Angriffe auf diese Sicht der Gesellschaft abzuwehren. Selbst gewalttätige Zusammenstöße und Ausschreitungen gegen die muslimische Minderheit (wie sie sich im Jahr 2014 ereigneten und, in geringerem Maße, im Mai 2017) sowie Angriffe gegen Christen können mit diesem Wunsch nach der Erhaltung des Dreiecks erklärt werden. Muslimische und christliche Minderheiten werden als Bedrohung wahrgenommen. Dies zeigte sich ebenso bei einem anderen Vorfall im Mai 2017: In einer an den Minister für nationales Zusammenleben gerichteten Rede kritisierte der leitende Mönch der BBS, Galagoda Aththe Gnanasera Thero, die Anwesenheit von „christlichen Missionaren“ und erklärte sie gewissermaßen zu legitimen Zielen.

Im Laufe der letzten Jahre war Sri Lanka von zwei Triebkräften der Verfolgung betroffen, zum einen von Religiös motiviertem Nationalismus und zum anderen von Diktatorischer Paranoia. Sri Lankas jüngste Geschichte ist geprägt durch einen 26-jährigen Bürgerkrieg, der erst 2009 blutig beendet wurde. In diesem Bürgerkrieg kämpfte die überwiegend hinduistische Minderheit der Tamilen, größtenteils in den nördlichen und östlichen Provinzen des Landes beheimatet, um Unabhängigkeit. Die „Tamil Tigers“ (oder LTTE) erlangten weltweite Bekanntheit. Sowohl die Truppen der Regierung als auch die LTTE begingen Kriegsverbrechen und eine der größten Herausforderung ist nun, wie mit diesem Erbe umgegangen werden soll. Eine Versöhnung, sei es durch nur innerstaatliche Bemühungen oder mit internationaler Hilfe, ist immer noch in weiter Ferne.

Eine weitere wichtige Frage, die mit diesem Thema verbunden ist, ist die nach der Demilitarisierung des Landes. Durch den langen Bürgerkrieg und die ständig zunehmenden geschäftlichen Aktivitäten der Armee bestehen die Streitkräfte derzeit aus ungefähr 300.000 Soldaten. Es wird schwierig sein, diese Soldaten wieder in das Zivilleben zu integrieren – und es ist sehr wahrscheinlich, dass einige Teile der Armee diese lukrativen Möglichkeiten nicht verlieren möchten, besonders wenn sie mit einer Ermittlung hinsichtlich Kriegsverbrechen konfrontiert werden könnten.

Schließlich bleibt die Frage, wie extremistische buddhistische Gruppen wie die BBS und die SR in der Zukunft handeln werden. Es sah aus, als ob sie aus dem Nichts gekommen wären, und sie wuchsen in kürzester Zeit (die BBS hielt ihre erste nationale Versammlung im Juli 2012 ab). Während die meisten ihrer Führer natürlich bereits bekannt und sogar vorher schon politisch aktiv waren, war der Einfluss der Gruppen und die Radikalität gegenüber religiösen Minderheiten beispiellos. Ihre Aktivitäten blieben unbehindert, sodass der Vorwurf, die vorherige Regierung – besonders der Verteidigungsminister – habe diese Gruppen zumindest stillschweigend unterstützt, an Glaubwürdigkeit gewinnt. Die Tatsache, dass der bereits oben erwähnte leitende Mönch der BBS im Juni 2017 auf Kaution freigelassen wurde (obwohl die Anklagen wegen Aufstachelung zu religiösen Hass und Volksverhetzung gegen die muslimische Minderheit kristallklar waren), ist ein besorgniserregendes Signal für die religiösen Minderheiten Sri Lankas. Das Gerichtsverfahren gegen ihn wurde mehrfach vertagt und macht nur langsame Fortschritte.

Wie bereits erwähnt, richtet sich die Kampagne der buddhistisch-nationalistischen Mönche nicht nur gegen die Christen, sondern auch stark gegen die muslimische Minderheit des Landes. Im November 2017 kam es in der südlichen Provinz Galle zu weiteren gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Buddhisten und Muslimen, was zeigte, dass sich die massive Gewalt von 2014 in den folgenden Monaten wiederholen könnte.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Gemeinschaften ausländischer Christen und Arbeitsmigranten werden hier nicht als eigenständige Kategorie gewertet, da sie sich in die anderen Kirchen integrieren.

Christen aus traditionellen Kirchen

Dies sind Gruppen wie die römisch-katholische Kirche und die acht Denominationen, die zum Nationalrat der Christen gehören. Sie erleben weniger Verfolgung oder Gewalt, sind aber von der Gesamtatmosphäre der buddhistischen Vormachtstellung betroffen und werden manchmal daran gehindert, Kirchengebäude zu errichten.

Christen buddhistischer/muslimischer/hinduistischer Herkunft (Konvertiten)

Gemeinschaften von Christen buddhistischer, muslimischer oder hinduistischer Herkunft sind mit häufigen Anfeindungen und auch gewalttätigen Angriffen konfrontiert. Neue christliche Konvertiten werden meist als Verräter angesehen und daher von den Menschen in ihrem Umfeld bedrängt, verbal und körperlich angegriffen und gemieden. Dies passiert zumeist in ländlichen Gebieten und war in der Vergangenheit nur in den südlichen Provinzen und in den nördlichen Zentralprovinzen des Landes deutlich sichtbar. Mit dem Ende des Bürgerkriegs breitete sich diese Tendenz aber auch in die nördlichen und östlichen Provinzen Sri Lankas aus.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Evangelikale, Baptisten- und Pfingstgemeinden sind oft von gewalttätigen Angriffen betroffen, doch seit den letzten Wahlen gehen diese von anderen Tätern aus. Während zuvor die meisten Angriffe von den großen buddhistisch-extremistischen Gruppen ausgingen, werden die Angriffe jetzt meist von buddhistischen Mönchen des Dorfes und lokalen Regierungsbeamten angeführt, welche Christen rechtliche Beschränkungen auferlegen oder gewalttätige Vorfälle gegen sie vertuschen. Zwar haben sich die Verfolger geändert, aber die grundsätzliche Situation bleibt im Großen und Ganzen dieselbe.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 11.100
Familienleben: 7.600
Gesellschaftliches Leben: 10.500
Leben im Staat: 11.300
Kirchliches Leben: 10.100
Auftreten von Gewalt: 6.900

Grafik: Verfolgungsmuster Sri Lanka

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Insgesamt ist der Druck auf Christen in Sri Lanka hoch geblieben, die Punktzahl stieg von 9,6 im WVI 2017 auf 10,1 im WVI 2018.
  • Der Druck ist am stärksten in den Bereichen „Gesellschaftliches Leben“, „Leben im Staat“ und „Privatleben“. Während der Druck im Bereich „Leben im Staat“ typisch für Länder ist, die von Religiös motiviertem Nationalismus betroffen sind, deutet der Druck im Privatleben und im gesellschaftlichen Leben auf Schwierigkeiten für christliche Konvertiten aus anderen Religionen hin. Im Bereich „Kirchliches Leben“ ist der Druck ebenfalls hoch, was die zahlreichen Vorfälle widerspiegelt, bei denen Mobs – häufig angeführt von buddhistischen Mönchen und unterstützt durch lokale Beamte – vor Kirchen auftauchten, den Gottesdienst störten und die Schließung der Kirche verlangten.
  • Die Wertung für Gewalt gegen Christen ist stabil geblieben, sie erhöhte sich nur von 6,7 Punkten im WVI 2017 auf 6,9 im WVI 2018. Kirchen und Grundstücke von Pastoren wurden angegriffen. Es gab auch Berichte von Christen, die körperlich angegriffen wurden, und zwei Pastoren mussten ihre Dörfer verlassen und sich für eine Zeit verstecken.

Privatleben

Christen buddhistischer Herkunft erleben Widerstand von ihren Familien und Verwandten. Auch andere Menschen aus ihrem Umfeld wenden sich gegen sie. Christen muslimischer und hinduistischer Herkunft erleben ebenfalls diese Art von Widerstand. Deshalb stellt selbst die persönliche Anbetung ein Risiko für die Konvertiten da und viele fürchten Anfeindungen aus der eigenen Familie. Es kann für Christen, die mit nichtchristlichen Familienangehörigen zusammenleben, gefährlich sein, christliche Materialien zu besitzen, besonders wenn sie in Gebieten mit starker buddhistischer Präsenz leben. Im Berichtszeitraum des WVI 2018 sind die sozialen Medien zu einem neuen Werkzeug extremistischer Buddhisten geworden, um Christen zu verfolgen. Wenn buddhistische Gruppierungen Christen angriffen, filmten sie oft die Christen und luden die Videos auf Facebook hoch. Sie stellten ihre Angriffe als Mittel da, Gerechtigkeit herbeizuführen; Christen und Pastoren werden als Verräter dargestellt, die darauf aus sind, das buddhistische Erbe des Landes zu untergraben. Pastoren, die auf diese Weise angegriffen wurden, sind so eingeschüchtert, dass es ihnen nun nahezu unmöglich ist, etwas online zu posten oder ihrem Glauben in irgendeiner schriftlichen Form Ausdruck zu verleihen. Für christliche Konvertiten ist es riskant, mit anderen über ihren neuen Glauben zu sprechen, besonders für Christen muslimischer Herkunft. Treffen von Konvertiten (und auch von anderen Christen) stehen in der Gefahr, unterbrochen zu werden. Dorfbewohner, Polizeibeamte und lokale buddhistische Mönche überwachen die Aktivitäten der Christen in ihren Dörfern, um herauszufinden, wann sie Angriffe gegen sie anzetteln können, oder um Fehler zu finden, die sie den Christen vorwerfen können.

Familienleben

Evangelikalen und unabhängigen Kirchen wird die Möglichkeit verweigert, Trauungen in ihren Kirchengebäuden abzuhalten – was den Kirchen Sri Lankas traditionell erlaubt ist. Christliche Konvertiten erleben Diskriminierung und Schikanen, werden aber normalerweise nicht dazu gedrängt, sich scheiden zu lassen. Die Änderung der Religion im Personalausweis oder im Reisepass stellt ebenfalls kein Problem dar. Daher ist die Punktzahl für diesen Lebensbereich vergleichsweise gering. Taufen von Erwachsenen stoßen auf Widerstand, besonders wenn sie öffentlich abgehalten werden. In ländlichen Gegenden dürfen Christen nicht auf dem öffentlichen Friedhof beerdigt werden. Christliche Bestattungen wurden von buddhistischen Mönchen, hinduistischen Dorfbewohnern und sogar von Regierungsbeamten (auch von Polizisten) im Berichtszeitraum des WVI 2018 verweigert. Christliche Kinder an staatlichen Schulen wurden routinemäßig dazu gezwungen, buddhistischen und hinduistischen Ritualen beizuwohnen. Zudem wurden christliche Kinder von Lehrern und Direktoren bestraft, in manchen Fällen sogar mit einer Geldstrafe, wenn Rituale der Mehrheitsreligion nicht eingehalten wurden. An den Schulen ist Religion ein Pflichtfach. Obwohl es erlaubt ist, seine eigene Religion zu studieren, zwingt der Mangel an christlichen Lehrern die meisten christlichen Kinder dazu, den buddhistischen Unterricht zu besuchen, was zu Schikanen, Mobbing und schlechten Noten führt. In einem Fall verweigerte ein Direktor einem protestantischen Schüler nicht nur die Aufnahme in seine Schule, sondern gab den Eltern den Rat, ihr Kind zu Hause zu behalten, obwohl die Eltern ihm sagten, dass es sonst keine andere staatliche Schule nahe ihres Dorfes gebe.

Gesellschaftliches Leben

Wie bereits erwähnt, geht der stärkste Druck im Berichtszeitraum des WVI 2018 nicht von den buddhistisch-extremistischen Gruppen aus, sondern von lokalen buddhistischen Mönchen (die natürlich von der Ideologie der extremistischen Gruppen beeinflusst sind und die Reinheit ihres lokalen buddhistischen Dreiecks bewahren wollen – siehe Abschnitt „Hintergrund“). In Gegenden, wo Hindus und Buddhisten in der Mehrheit sind, werden Christen oft zum Ziel von Einschüchterung und sozialer Ausgrenzung, häufig wird ihnen der Zugang zu kommunalen Ressourcen wie Brunnen und elektrischem Strom verweigert. Zu Zeiten hinduistischer Feierlichkeiten werden Christen von Hindus geächtet, weil sie nicht an den Aktivitäten teilnehmen. Oft werden Christen von den Dorfbewohnern überwacht und behindert und bisweilen sogar gewaltsam angegriffen. Im Berichtszeitraum des WVI 2018 gab es mehrere Vorfälle, bei denen sich Dorfbewohner, buddhistische Mönche oder Nachbarn bei der Polizei oder lokalen Regierungsbeamten über die Aktivitäten von Pastoren und Gemeinden in ländlichen Gebieten beschwerten. Meistens begannen dann die Polizisten damit, die Kirche für eine gewisse Zeit regelmäßig zu besuchen oder die Pastoren über ihre Aktivitäten zu befragen. Christen werden häufig unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu widerrufen, und gelegentlich kommt es zu Boykotts gegen von Christen betriebene Geschäfte. Im Berichtszeitraum des WVI 2018 gab es Vorfälle, in denen Regierungsbeamte Pastoren den Zugang zu Wasser und elektrischem Strom verweigerten, einzig und allein deshalb, weil diese Christen waren. Christlichen Schulkindern wurde die Aufnahme in staatliche Schulen verweigert, obwohl sie alle Anforderungen erfüllten.

Leben im Staat

Obwohl die im Januar 2015 gewählte Regierung die extremistischen buddhistischen Gruppen nicht mehr offen unterstützt, bleibt der Druck in diesem Lebensbereich erheblich, besonders da die Regierung dazu tendiert, den Buddhismus wieder zu unterstützen. Dem Buddhismus wird eine religiöse Vorrangstellung im neuen Verfassungsentwurf eingeräumt, und die wenigen Christen in Regierungspositionen (oder die mit der Regierung zusammenarbeiten) erleben Diskriminierung von Nationalisten. Christen werden in den Medien negativ dargestellt. Im Juli 2017 sagte der christliche Anwalt Lakshan Dias, der Christen rechtliche Unterstützung anbietet, in einer Fernsehtalkshow deutlich, dass es im Land immer noch Christenverfolgung gebe. Dies führte zu heftigen Äußerungen sowohl des Ministers für Buddha Sasana als auch des Präsidenten (sowie einiger anderer extremistischer buddhistischer Gruppen): Alle behaupteten, dass Lakshan Dias und die NCEASL Verräter seien und den Namen des Landes beschmutzt hätten (siehe Abschnitt „Konfessioneller Protektionismus“ oben).

Angriffe gegen Christen bleiben ungestraft. Es gibt ein übliches Muster vor gewaltsamen Angriffen: Der Angreifer veröffentlicht falsche Anschuldigungen in den Medien (z. B. ein Pastor erzwinge Glaubenswechsel), welche wiederum den Angriff rechtfertigen. Die Täter bleiben ungestraft und in den meisten Fällen werden die Christen gezwungen, die Gerichtsverfahren gütlich zu lösen. Positiv ist, dass Pastoren sich trauen, Klagen einzureichen und ihre verfassungsmäßigen Rechte einzufordern.

Kirchliches Leben

Mobs, Mönche, Dorfbewohner, Polizei und lokale Behörden unterbrechen weiterhin die Treffen von Christen, stellen die Rechtmäßigkeit ihrer Aktivitäten infrage und bringen diese Fälle vor die höheren Autoritäten. Oft werden christliche Dorfbewohner aufgefordert, all ihre Aktivitäten einzustellen und/oder das Dorf zu verlassen. Die Registrierung wird oft als Druckmittel gegen christliche Kirchen benutzt. Ein 2008 veröffentlichtes Rundschreiben des „Ministeriums für Buddha Sasana und religiöse Angelegenheiten“ findet immer noch Anwendung. Es verlangt von religiösen Gemeinschaften, Gotteshäuser registrieren zu lassen, und fordert eine vorherige Genehmigung für alle Neubauten. Obwohl dieses Rundschreiben keine Rechtsgültigkeit besitzt und nur für Kirchen gelten würde, die nach 2008 eröffnet wurden, benutzen lokale Behörden, buddhistische Mönche und Mobs dieses Schreiben, um ihre manchmal sehr gewalttätigen Aktionen gegen Christen zu rechtfertigen. In der derzeitigen Situation schenken lokale Behörden und Gerichte Pastoren auch dann kein Gehör, wenn diese sich über die Anwendung des Rundschreibens beschweren. Generell bleibt es schwierig, ein Kirchengebäude in einer ländlichen Gegend zu bauen oder zu renovieren, da es das sri-lankische Dreieck stört, welches im Abschnitt „Hintergrund“ beschrieben wurde.

Auftreten von Gewalt

Von Januar bis Oktober 2017 gab es eine Serie von mindestens 43 Angriffen gegen Kirchen (teilweise unter Beteiligung von Regierungsbeamten); in einigen Fällen kam es auch zu physischer Gewalt gegen Personen. Für den gesamten Berichtszeitraum des WVI 2018 verzeichnete die NCEASL 65 Übergriffe. Mindestens 17 Christen wurden Opfer körperlicher Gewalt und mindestens fünf Häuser von Pastoren wurden beschädigt oder zerstört. Im Berichtszeitraum des WVI 2018 wurden zwei Pastoren und ihre Familien gezwungen, ihre Häuser zu verlassen und sich zu verstecken. Darüber hinaus wurden weitere Vorfälle erfasst, bei denen Pastoren und Christen angewiesen wurden (oder ihnen geraten wurde), ihre Heimatstädte oder Dörfer zu verlassen, wenn sie mit ihren christlichen Aktivitäten fortfahren wollten.

7. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Obwohl es zunehmend unwahrscheinlicher aussieht – Sri Lanka hat noch immer das Potential, eines der positiven Beispiele des Weltverfolgungsindex zu werden. Wenn die Regierung endlich Schritte unternimmt, religiöse Minderheiten (Muslime und Christen) in ihre Politik zu integrieren, und die Kraft findet, entschieden gegen jeden vorzugehen, der religiösen Hass antreibt, kann sich die Situation verbessern. Christen sind eine der sehr wenigen gesellschaftlichen Gruppen, welche die große ethnische Spaltung der Insel durchkreuzen; viele protestantische Kirchen haben sowohl singhalesische als auch tamilische Mitglieder. Dies ist eine einmalige Gelegenheit, um Brücken zu bauen und als Vorbild zu dienen. Dennoch bereiten ethnische Spannungen auch den Kirchen manchmal Schwierigkeiten.

Die nationale Versöhnung bleibt eine der größten Herausforderungen des Landes. Da die meisten sozialen Netzwerke auf religiöser wie auch ethnischer Zugehörigkeit basieren, ist die Herausforderung groß, da die ethnischen und religiösen Gruppen ihr Misstrauen überwinden und Wege für die Zukunft finden müssen. Es ist nicht klar, wer diesen Prozess anführen könnte. Die Politik der buddhistischen Vorrangstellung ist in dieser Hinsicht nicht sehr hilfreich gewesen.

Vorerst wird der Religiös motivierte Nationalismus weiterhin eine wichtige Rolle nicht nur in Sri Lankas Politik, sondern auch in der Gesellschaft und den Familien spielen. Die Regierung versprach zuletzt am 17. November 2017, dass sie sich den buddhistischen Werten der Buddha Sasana verpflichtet fühlt. Die Tatsache, dass sich das Land größtenteils auf China als wichtiger Teil dessen Projektes „One Belt, One Road“ verlässt (sichtbar zum Beispiel im Juli 2017, als China in die wirtschaftliche Weiterentwicklung des Hambantota-Hafens investierte), bedeutet, dass Menschenrechte, Religions- und Glaubensfreiheit eingeschlossen, wahrscheinlich eine untergeordnete Rolle in der zukünftigen Politik des Landes spielen werden.

8. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Sri Lanka

  • Beten Sie für die Pastoren in Sri Lanka, die verspottet und deren Gottesdienste immer wieder von Nachbarn gestört werden. Bitte beten Sie dafür, dass sie an ihrem Glauben festhalten und dass Jesus sie stärkt, wenn sie sich schwach fühlen.
  • Bitte beten Sie für die Kinder aus christlichen Familien, die in der Schule benachteiligt, schikaniert und gezwungen werden, an buddhistischen bzw. hinduistischen Ritualen teilzunehmen. Bitten Sie Jesus, dass er ihnen beisteht, sie tröstet und ermutigt.
  • In Sri Lanka hat eine extremistische politische Gruppe mit dem Namen „Sinha Le“ („Löwenblut“) seit Anfang 2016 an Bedeutung gewonnen. Diese Gruppe verbreitet Hass gegen die Minderheiten im Land. Nicht nur Christen sind betroffen, sondern auch Muslime und Hindus. Bitte beten Sie für Sri Lanka, dass die Akzeptanz für Minderheiten in diesem Land vorherrscht.

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