Länderprofil Tadschikistan

Tadschikistan

22
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Tadschikistan
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
35
ISO
TJ
Karte Tadschikistan
Karte Tadschikistan
Christen
0,06
Bevölkerung
8.86
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 13.300
Familienleben: 11.300
Gesellschaftliches Leben: 11.800
Leben im Staat: 11.800
Kirchliches Leben: 12.900
Auftreten von Gewalt: 4.300
Länderprofil Tadschikistan

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

65 Punkte / Platz 22 (WVI 2017: 58 Punkte / Platz 35)

Von wem Verfolgung ausgeht

Am stärksten geht die Verfolgung der Christen in Tadschikistan von Regierungsbeamten unterschiedlicher Ebenen aus – angefangen bei der Zentralregierung des Landes, die ihre strenge Gesetzgebung den örtlichen Behörden und der Polizei vorschreibt. Diese führen daraufhin Razzien bei religiösen Versammlungen durch, nehmen Christen fest und beschlagnahmen religiöse Schriften. Außerdem werden Christen von ihrem muslimischen Umfeld verfolgt (Familien, Freunde, Gesellschaft, örtliche Imame), die etwas dagegen haben, dass Christen unter den Muslimen evangelisieren.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Alle Christen sind von irgendeiner Art der Verfolgung betroffen. Russisch-orthodoxe Kirchengemeinden haben die geringsten Probleme mit der Regierung, da sie für gewöhnlich keinen Kontakt zur tadschikischen Bevölkerung suchen. Die einheimischen Christen mit muslimischem Hintergrund sind am stärksten von Verfolgung betroffen, sowohl durch den Staat als auch durch Familie, Freunde und Gesellschaft.

Die Regierung setzt alle „abweichenden“ Gruppen, also auch die Christen, stark unter Druck. Sie übt zusätzlichen Druck auf die christliche Minderheit aus, indem bestehende Gesetze verschärft und konsequent umgesetzt werden. Besonders das Jugendgesetz lässt Christen (und andere betroffene religiöse Minderheiten) in Unklarheit darüber, was erlaubt ist und was gegen das Gesetz verstößt. In den letzten Monaten ist die Regierung anderen autoritären Regierungen in Zentralasien immer ähnlicher geworden. Es ist daher zu erwarten, dass sich die Situation für die Christen in Zukunft verschlimmern wird. Der Druck vonseiten des sozialen Umfelds (meist auf Christen muslimischer Herkunft) wird unvermindert anhalten.

Beispiele

  • Im Februar 2017 startete die Regierung eine Reihe von Razzien in den Gemeinden der Sunmin Sunbogym (Gute Nachricht der Gnade), einer protestantischen Kirche in der nördlichen Region Sogd. Es wurden christliche Gesangbücher und andere Schriften beschlagnahmt.
  • Am 10. April 2017 verhaftete die Geheimpolizei Pastor Bakhrom Kholmatov der Sunmin Sunbogym Gemeinde in der Regionalhauptstadt Chudschand. Er befindet sich noch immer im Gewahrsam der Geheimpolizei unter dem Tatvorwurf „Extremismus“.
  • Im Jahr 2017 hat die Behörde in Duschanbe zwei Vorschulen geschlossen. Eine wurde geschlossen, nachdem Beamte ein christliches Gesangbuch fanden, die andere anscheinend deshalb, weil dort Protestanten angestellt waren.

Beiträge zu Tadschikistan

Pastor Bahrom
Bahrom Kholmatov, Pastor einer evangelischen Gemeinde in Tadschikistan, wurde unter falschen Anschuldigungen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Bitte ermutigen Sie ihn und seine Familie mit einer Karte oder einem kurzen Brief!
Nachrichten Nachrichten
Tadschikistan
Tadschikistan
(Open Doors, Kelkheim) – In den vergangenen Tagen begann der Gerichtsprozess gegen einen tadschikischen Pastor, der vor drei Monaten bei einer Polizeirazzia in seiner Gemeinde verhaftet worden war. Die Christen in Tadschikistan werden von den staatlichen Behörden immer stärker unter Druck gesetzt.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 65 Punkten steht Tadschikistan auf Platz 22 des Weltverfolgungsindex (WVI) 2018; im Vergleich zum WVI 2017 entspricht dies einer Steigerung von 7 Punkten. In allen Lebensbereichen ist der Druck sehr stark. Der Bereich „Auftreten von Gewalt“ steigt um 2,4 Punkte von niedrigem zu hohem Niveau. Die tadschikische Regierung unter Präsident Emomalij Rahmon hat die Gesetzgebung zur Religionsfreiheit verschärft und das Ausmaß von Überwachung religiöser Gemeinschaften erhöht. Die Anzahl gewaltsamer Übergriffe (z.B. Polizei-Razzien, Beschlagnahmung religiöser Schriften, Verhaftungen, Verhöre und körperliche Gewalt) ist gestiegen. Durch die Entscheidung, einzelne Gemeinschaften zugewanderter Christen nicht in einer separaten Kategorie in der WVI Analyse aufzuführen, ist eine bessere Darstellung der Situation des Landes möglich geworden, jedoch hat dies auch zu einem Anstieg in der Wertung beigetragen.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Diktatorische Paranoia

Außerhalb der vom Staat genehmigten und beaufsichtigten Einrichtungen ist keine religiöse Aktivität erlaubt. 2015 erhöhten die Behörden den Druck noch weiter; es gab mehr Razzien bei Versammlungen, und Christen wurden verhört. Es kommt sehr häufig vor, dass Mitglieder protestantischer Kirchengemeinden pauschal als Anhänger einer fremdartigen Sekte angesehen werden, deren einziges Ziel es ist, die bestehende Regierung auszuspionieren und zu zerstören. Unter diesem Gesichtspunkt müssen sie nicht nur kontrolliert, sondern nötigenfalls ausgerottet werden. Die Überwachung betrifft auch den Religionsunterricht, ungeachtet der Religion.

Islamische Unterdrückung

Wenn sich Einheimische (muslimischer Zugehörigkeit) zu Jesus Christus bekehren, werden sie wahrscheinlich Druck und gelegentlich auch körperliche Gewalt durch ihre Familien, Freunde und der örtlichen Gemeinschaft erleben, die eine Rückkehr zum ursprünglichen Glauben erzwingen wollen. Einige Christen muslimischer Herkunft werden von ihren Familien für lange Zeit eingesperrt und geschlagen und können schließlich von der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Örtliche Mullahs predigen gegen Christen, was den Druck noch verstärkt. Deshalb halten viele Christen muslimischer Herkunft ihren Glauben geheim.

3. Verfolger

Die Triebkraft der Verfolgung von Christen in Tadschikistan ist vor allem „Diktatorische Paranoia“, die von Regierungsbeamten und politischen Parteien ausgeht. Eine weitere Triebkraft der Verfolgung ist „Islamische Unterdrückung”. So geht Druck von der Großfamilie, nichtchristlichen religiösen Leitern und normalen Bürgern aus, der sich besonders gegen ehemalige Muslime wendet.

4. Hintergrund

Tadschikistan ist das einzige zentralasiatische Land mit persischer Landessprache. Kulturell gesehen hat das Land größere Ähnlichkeit mit dem Iran und Afghanistan als andere zentralasiatische Länder. Tadschikistan ist eines der ärmsten Länder dieser Region und sehr abhängig von den Geldzuwendungen derer, die im Ausland arbeiten. Geschätzte zwanzig Prozent der Bevölkerung arbeiten in Russland oder Kasachstan. Einerseits stellen die Überweisungen der Arbeitsmigranten sicher, dass etwa sechzig Prozent der Bevölkerung mit diesem Geld ihren Alltag bewältigen können. Andererseits bringt es hohe soziale Kosten mit sich – Familien werden auseinandergerissen, und die Kinder wachsen mit wenigen männlichen Verwandten auf.

Tadschikistans Grenze zu Afghanistan ist 1.200 km lang. Dies hat zahlreiche Auswirkungen: a) es gibt einen ausgedehnten Drogenhandel von Afghanistan über Tadschikistan in den Westen; b) Tadschiken (die auch in Afghanistan leben) sind in islamistische Kämpfe verwickelt; c) was auf der anderen Seite der Grenze passiert, hat große Auswirkungen auf Tadschikistan. Da die meisten westlichen Truppen Afghanistan verlassen haben, ersucht Tadschikistan Hilfe bei Russland. Das Land hat Militärstützpunkte als Gegenleistung für Grenzkontrollen durch russische Soldaten angeboten.

Am 1. März 2015 fanden in Tadschikistan Parlamentswahlen statt. Bis zu diesem Zeitpunkt war es das einzige Land in der Region, welches eine anerkannte Oppositionspartei hatte – eine religiös fundierte: die „Partei der islamischen Wiedergeburt Tadschikistans“. Schon bald nach den Wahlen, die wie erwartet von Präsident Emomalij Rahmon gewonnen wurden, traten deutliche Veränderungen im Land ein. Innerhalb weniger Monate wurde die Oppositionspartei verboten. Immer mehr restriktive Gesetze wurden erlassen – auch im Bereich Religion. Die Regierung Tadschikistans ist dadurch viel mehr auf einer Linie mit den anderen diktatorischen Regimen in Zentralasien.

Christen sind nicht die einzige Glaubensgruppe, die von der Regierung verfolgt werden. Muslime, Juden und Zeugen Jehovas sind alle gleichermaßen davon betroffen. Alle religiösen Aktivitäten stehen unter Beobachtung.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gemeinschaften, von denen die größte von der Russisch-Orthodoxen Kirche (ROK) gebildet wird, verbreiten das Evangelium nicht unter den Tadschiken. Sie können ihrer Religion nachgehen, da sie von der Regierung nicht für bedrohlich gehalten werden. Darüber hinaus hat die tadschikische Regierung kein Interesse daran, Russland zu provozieren, indem sie die Russisch-Orthodoxe Kirche angreift.

Christen muslimischer Herkunft

Christen muslimischer Herkunft tragen die Hauptlast der Verfolgung in Tadschikistan. Neben einigen staatlichen Einschränkungen stehen sie zusätzlich unter enormem Druck durch Familie, Freunde und Gesellschaft, wobei für sie der gesellschaftliche Druck wohl der schlimmste ist. Übertritte zum christlichen Glauben werden als Verrat am Volk, am Staat und an der Religion der Väter angesehen und gelten zudem als Schande für die Familie.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Nach Christen mit muslimischem Hintergrund ist diese Gruppe die am zweitstärksten verfolgte Gruppe von Christen (besonders, weil sie aktiv evangelisieren). Baptisten, evangelikale und pfingstkirchliche Gemeinschaften erleben häufig Razzien, Bedrohungen, Inhaftierungen und Geldstrafen durch die Behörden.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 13.300
Familienleben: 11.300
Gesellschaftliches Leben: 11.800
Leben im Staat: 11.800
Kirchliches Leben: 12.900
Auftreten von Gewalt: 4.300

Grafik: Verfolgungsmuster Tadschikistan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Unter dem Gesichtspunkt aller Lebensbereiche ist der durchschnittliche Druck auf Christen von 11,2 Punkten im WVI 2017 auf 12,2 Punkte gestiegen.
  • Der Druck ist mit 13,3 Punkten am stärksten im Bereich „Privatleben“ (besonders für ehemalige Muslime) gefolgt von „Kirchliches Leben“ mit 12,9 Punkten. Dieses Ergebnis steht im direkten Zusammenhang mit den beiden Triebkräften der Verfolgung, die in Tadschikistan vorliegen: Islamische Unterdrückung und Diktatorische Paranoia.
  • Der Wert für „Auftreten von Gewalt“ gegen Christen ist mit 4,3 Punkten im Vergleich zum Vorjahr (1,9 Punkte) beachtlich gestiegen, da es häufiger zu körperlicher Gewalt gegen Christen und Polizei-Razzien usw. gekommen ist.

Privatleben

Ein Glaubenswechsel ist gesetzlich nicht verboten, trotzdem bleibt eine Bestrafung für Konvertiten, besonders durch Familienmitglieder, meist nicht aus. Für Christen muslimischer Herkunft ist es äußerst riskant, in ihrer Privatsphäre christliche Handlungen durchzuführen, und es ist bekannt, dass sie Schläge erhielten und dazu gezwungen wurden, ihrem neuen Glauben abzuschwören. Ehemalige Muslime halten christliche Schriften und Symbole meist versteckt, da sie Repressalien durch ihre Familie befürchten müssen. Doch auch andere Christen bringen sich dadurch in Gefahr, da der Besitz christlicher Literatur und das Zeigen christlicher Symbole als Form der Evangelisation angesehen werden könnten. Konvertiten müssen auch bei der Nutzung von christlichem Radio, Fernsehen oder Webseiten große Vorsicht walten lassen, um nicht von ihren Familien, Freunden oder ihrem sozialen Umfeld entdeckt zu werden. Christen muslimischer Herkunft, die mit Familienmitgliedern oder anderen Personen über ihren neuen Glauben sprechen, müssen befürchten, dass die Familie alles daran setzen wird (manchmal in Form von Hausarrest), den Konvertiten zum alten Glauben zurückzubringen.

Familienleben

Die Religionszugehörigkeit einer Person wird in offiziellen Dokumenten nicht registriert, doch gelegentlich behindern lokale Behörden (die von ortsansässigen Muslimen geführt werden) die Registrierung von Geburten, Hochzeiten oder Todesfällen von Christen muslimischer Herkunft. Auch verhindern muslimische Familien und Behörden Hochzeiten oder Taufen von ehemaligen Muslimen. Seit August 2011 ist jede religiöse Aktivität für Jugendliche unter 18 Jahren streng verboten. Christliche Jugendarbeit kann nur noch im Geheimen stattfinden, und es gab Razzien während Kinderfreizeiten im Sommer. Kinder und Teenager dürfen nicht zur Sonntagsschule gehen oder am Religionsunterricht teilnehmen. Islamische Themen hingegen sind Teil des Lehrplans, und alle Kinder sind verpflichtet, diesen Unterricht zu besuchen. Oft werden die Kinder von Christen in der Schule vor den anderen Kindern gedemütigt. In einigen Fällen wurden die Ehepartner der Konvertiten durch Drohungen zur Trennung gezwungen, und Christen muslimischer Herkunft stehen in der Gefahr, ihr Erbrecht zu verlieren.

Gesellschaftliches Leben

Auf gesellschaftlicher Ebene werden Christen muslimischer Herkunft und Protestanten konstant überwacht. Christen muslimischer Herkunft stehen unter starkem Druck (durch Bedrohungen und Belästigungen), ihren neuen Glauben aufzugeben. Protestanten müssen sehr vorsichtig sein, wenn sie evangelisieren oder ihnen wird Gewalt angedroht. Für gewöhnlich werden die Ehen von den Eltern des Brautpaares arrangiert. Ehemalige Muslimas laufen Gefahr, von den Eltern entführt und mit einem muslimischen Mann zwangsverheiratet zu werden. Sie alle stehen unter dem Druck, an islamischen Zeremonien und Festen teilnehmen zu müssen. Kinder von Christen muslimischer Herkunft sind in der Schule gesellschaftlichem Druck ausgesetzt, da sie oft von ihren Lehrern und Mitschülern lächerlich gemacht werden. Christen, deren Glaube bekannt ist, haben geringere Karrieremöglichkeiten, und eine Anstellung bei lokalen Behörden ist undenkbar. Lokale Einrichtungen und Behörden verhindern, dass Christen (und allen voran Christen muslimischer Herkunft) ein eigenes Geschäft betreiben können. Viele müssen in Tadschikistan Bestechungsgelder und Schutzgelder bezahlen, wobei dies nicht ausschließlich auf Christen zutrifft. Die lokalen Polizeibehörden verhören Christen regelmäßig.

Leben im Staat

Der Staat stellt sich selbst als säkular dar. Die Verfassung schützt zwar die Religionsfreiheit, doch in Wirklichkeit schränkt die Regierung mit ihrer Politik die Religionsfreiheit ein. Einige lokale und regionale Führungskräfte schaffen bürokratische Hürden für Christen, welche die Registrierung von Kirchengemeinden beeinträchtigen können. Es gibt keine Alternative zum obligatorischen Militärdienst, und wer ihn verweigert, wird inhaftiert. Ein im Juli 2012 erlassenes Gesetz verbietet es tadschikischen Bürgern, ins Ausland zu gehen, um dort eine religiöse Ausbildung zu erhalten, selbst zu unterrichten oder Beziehungen zu ausländischen religiösen Organisationen aufzubauen. Protestantischen Christen werden Posten im öffentlichen Dienst verweigert, da sie als ausländischer Einfluss angesehen werden, der nicht vertrauenswürdig sei und die tadschikische Gesellschaft bedrohe. Seit März 2015 wird gegen alle Nichtregierungsorganisationen hart durchgegriffen. Tätigkeiten, die mit Gemeindearbeit, Jugendarbeit und der Veröffentlichung von religiösen Schriften zu tun haben, sind von der Regierung eingeschränkt und zensiert worden. Regierungsangestellte und alle Mitglieder der Gesellschaft können Christen belästigen, festnehmen oder verhören, ohne dafür strafrechtlich belangt zu werden. Christen werden vor Gericht ungerecht behandelt.

Kirchliches Leben

Alle christlichen Aktivitäten werden überwacht. Nur registrierte Gruppen dürfen überhaupt existieren, Gebäude besitzen, Versammlungen abhalten, religiöses Material besitzen etc.; eine Registrierung ist extrem schwierig, doch ohne sie gilt die Gruppe als illegal und wird polizeilich verfolgt. Die Gesetze vom August 2011 verbieten jegliche Art von Jugendarbeit. Da ca. 50 Prozent aller Christen in Tadschikistan Jugendliche sind, hat dies weitreichende Konsequenzen. Der „Rat für religiöse Angelegenheiten“ muss alle Predigten sowie christliches Material genehmigen. Schulungen für religiöse Leiter können ebenfalls nur von registrierten Gruppen (von denen es nur sehr wenige gibt) durchgeführt werden. Manchmal können nicht-registrierte Gruppen solche Schulungen unter dem Schirm registrierter Gruppen durchführen. Die Medien in Tadschikistan werden vom Staat kontrolliert und sind somit für Christen unzugänglich. Zugang zum Internet ist nur über staatliche Anbieter möglich. Die Regierung erlaubt Christen weder, ihre eigenen Schulen, Organisationen oder Einrichtungen zu gründen noch gemeinnützige, humanitäre, medizinische Vereine oder Kulturverbände zu eröffnen. Sämtliche ausländische Kontakte zu einheimischen religiösen Gruppen sind als Teil des harten Durchgreifens gegen extremistische Religionsausübung verboten.

Auftreten von Gewalt

Mindestens drei Kirchengemeinden und zwei Schulen, die in Verbindung zu christlichen Gruppen stehen, wurden im Berichtszeitraum des WVI 2018 von den Behörden durchsucht. Zweifellos hat es noch mehr dieser Vorfälle gegeben, doch ein Mangel an Informationen bleibt ein Problem. Vier Christen sind für kurze Zeit inhaftiert worden, weil sie Schriften verteilt hatten. Pastor Kholmatov wurde im Juli 2017 zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Circa 20 Christen wurden geschlagen. Zwei ehemalige Muslimas haben sich vor ihren muslimischen Ehemännern und Familien verstecken müssen. Ein Christ hat sich vor der Polizei versteckt gehalten, allerdings wurde kein Christ zur Ausreise aus Tadschikistan gezwungen.

Beispiele:

  • Im Februar 2017 startete die Regierung eine Reihe von Razzien in den Gemeinden der protestantischen „Sunmin Sunbogym“ (Gute Nachricht der Gnade) Kirche in der nördlichen Region Sogd. Es wurden christliche Gesangbücher und andere Schriften konfisziert. Am 10. April 2017 wurde Bakhrom Kholmatov, Pastor der Sunmin Sunbogym Gemeinde in der Regionalhauptstadt Chudschand, von der Geheimpolizei verhaftet. Er befindet sich noch immer im Gewahrsam der Geheimpolizei unter dem Tatvorwurf „Extremismus“.
  • In diesem Jahr (2017) hat die Behörde in Duschanbe zwei Vorschulen geschlossen. Eine wurde geschlossen, nachdem Beamte ein christliches Gesangbuch fanden, die andere anscheinend deshalb, weil dort Protestanten angestellt waren.
  • Am 20. Juli 2017 wurde Pastor Bakhrom Kholmatov der protestantischen „Sunmin Sunbogym (Gute Nachricht der Gnade) Kirche laut einem Bericht von Forum 18 für drei Jahre inhaftiert. Der 42-jährige politische Häftling Kholmatov, der verheiratet ist und drei Kinder hat, befand sich nach seiner Verhaftung am 10. April im Gewahrsam der NSC Geheimpolizei. Während der Gerichtsverhandlung wurde er in eine polizeiliche Haftanstalt verbracht. Seitdem ist er in ein unbekanntes Gefängnis verlegt worden.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

In Tadschikistan basiert der Alltag der Einheimischen auf der Kultur des Islam, so dass Frauen im Vergleich zu Männern eine niedere Stelle einnehmen. Von Frauen wird die völlige Unterordnung gegenüber ihrer Familie und, wenn verheiratet, ihres Ehemannes vorausgesetzt. Dadurch sind sie eher Verfolgungen ausgesetzt, sowohl als Christinnen als auch als Frauen, die die bestehende Ordnung infrage stellen. Die staatliche Behörde verbietet das Tragen religiöser Kleidung und Symbolen. So ist es auch Muslimas nicht gestattet, einen Hidschab zu tragen. Bei einigen Baptisten- und Pfingstgemeinden ist es für verheiratete Frauen traditionell üblich, ein Kopftuch zu tragen. Dieses Kopftuch unterscheidet sich von dem muslimischer Frauen, doch stellt es für sie eine potentielle Gefahr dar, festgenommen zu werden. Es wurde jedoch noch von keinem Fall berichtet.

Männer

Gemeindeleiter sind meist Männer, und Männer sind normalerweise das Oberhaupt ihrer Familie und Hauptverdiener. Wird ein christlicher Mann zur Zielscheibe von Verfolgung (z.B. per Geldstrafe oder Gefängnis), leidet die ganze Familie. Der Verlust der Arbeit oder des Einkommens zieht die ganze Familie in Mitleidenschaft. Ist der Mann ein Gemeindeleiter, wird seine Verfolgung negative Auswirkungen auf die Gemeinde haben und Ängste verursachen. Verfolgung durch den Staat beinhaltet Razzien, Durchsuchungen, Inhaftierungen, Verhöre, Beschlagnahmungen, Geldstrafen und Gefängnis. Im Polizeigewahrsam erleiden Männer verbale und körperliche Gewalt, und sie werden unter Druck gesetzt, als Informant zu arbeiten. Als ehemaliger Muslim wird ein christlicher Mann von seiner Familie mit Schlägen, Drohungen, Hausarrest, Demütigungen, Vertreibung und Ehescheidung rechnen müssen.

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Die Regierung übt starken Druck auf alle „von der Norm abweichenden“ Gruppen aus, Christen eingeschlossen. Indem die Regierung die bestehenden Gesetze verschärft und diese strikt anwendet, übt sie zusätzlichen Druck auf die christliche Minderheit aus. Besonders das neue Jugendgesetz lässt Christen (und andere betroffene religiöse Minderheiten) in Unklarheit darüber, was erlaubt ist und was gegen das Gesetz verstößt. Das Regime gleicht in jüngster Zeit immer mehr anderen repressiven Regierungen in Zentralasien – deshalb ist davon auszugehen, dass sich die Situation für Christen in Zukunft noch verschlimmern wird. Der Druck vonseiten des sozialen Umfelds (meist auf Christen muslimischer Herkunft) wird unverändert anhalten.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Tadschikistan

  • Bitte beten Sie für die Christen, die von den Behörden überwacht werden, und die von ihren Familien geschlagen und unter Druck gesetzt werden, ihren Glauben zu widerrufen. Beten Sie dafür, dass sie in dieser Verfolgung stark bleiben.
  • Das Regime in Tadschikistan übt großen Druck auf „abweichende“ Gruppierungen wie Christen aus. Durch die Verschärfung von bereits bestehenden Gesetzen und ihre strikte Durchsetzung setzt die Regierung die christliche Minderheit unter großen Druck. Bitte beten Sie, dass dieser Druck sich lockert, und dass das Land sich mehr für den christlichen Glauben öffnet.
  • Christen werden als Extremisten angesehen, da sie ihren Glauben außerhalb der vom Staat genehmigten Strukturen leben. Bitte beten Sie, dass sich diese Sicht auf Christen ändert.

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