Länderprofil Usbekistan

Usbekistan

16
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Usbekistan
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
16
ISO
UZ
Karte Usbekistan
Karte Usbekistan
Christen
0,35
Bevölkerung
30.69
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 15.500
Familienleben: 12.100
Gesellschaftliches Leben: 13.000
Leben im Staat: 13.100
Kirchliches Leben: 16.000
Auftreten von Gewalt: 3.500
Länderprofil Usbekistan

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

73 Punkte / Platz 16 (WVI 2017: 71 Punkte / Platz 16)

Von wem Verfolgung ausgeht

Die Verfolgung von Christen in Usbekistan geht hauptsächlich von zwei Akteuren aus – dem Staat und der muslimischen Gesellschaft. Die Verfolgung vonseiten des Staats zeigt sich dadurch, dass Polizei, Geheimdienste und die lokalen Mahalla-Behörden religiöse Aktivitäten durch verschiedene Methoden überwachen (Häuser verwanzen, Telefonate abhören, Gruppen unterwandern etc.) und auch Gottesdienste besuchen. Staatliche Behörden führen regelmäßig Razzien bei nichtregistrierten Gemeinden durch. Die generell islamisch geprägte Gesellschaft macht das Leben für Christen muslimischer Herkunft besonders schwierig.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Alle christlichen Gemeinschaften erfahren auf die eine oder andere Art Verfolgung. Russisch-Orthodoxe Kirchen bekommen vonseiten der Regierung am wenigsten Probleme, da sie normalerweise nicht versuchen, Kontakte mit der usbekischen Gesellschaft aufzubauen. Die Hauptlast der Verfolgung tragen die usbekischen Christen muslimischer Herkunft, sowohl vonseiten des Staats als auch vonseiten ihrer Familien, Freunde und der Gesellschaft. Nichtregistrierte christliche Gemeinden, leiden immer wieder unter Polizeirazzien, Bedrohungen, Verhaftungen und Geldstrafen.

Präsident Islam Karimov starb am 2. September 2016, ihm folgte der Hardliner Shavkat Mirziyaev. Für die Christen hat sich nichts verändert: es gibt Razzien in Hausgemeinden, christliches Material wird konfisziert, sie werden verhört und es gibt weiterhin Inhaftierungen von Christen. Christen mit muslimischem Hintergrund erfahren weiterhin Druck und Gewalt von ihren Familien, Freunden und der Gesellschaft.

Beispiele

  • Die usbekische Regierung hat eine besondere Abteilung, die religiöse Aktivitäten überwacht und religiöse Literatur zensiert.
  • Für neue Gemeinden ist es schwierig, sich registrieren zu lassen, und die Registrierungsgesetze für bereits bestehende religiöse Gemeinschaften werden immer restriktiver.
  • Am 24. März 2017 veranlassten die staatlichen Behörden eine Razzia in einer Wohnung in Taschkent, in der sich fünf Protestantinnen trafen, um über den christlichen Glauben zu sprechen. Bücher, Computer und Kamera wurden konfisziert. Die Gruppenleiterin bekam im April 2017 vom Bezirksgericht eine Geldstrafe, die fünfmal so hoch war wie der monatliche Mindestlohn, weil sie „nichtautorisierte religiöse Aktivitäten durchführte“. Quellen vor Ort berichten, dass eine der anwesenden Frauen eventuell die Behörden informiert haben könnte.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 73 Punkten steht Usbekistan auf Platz 16 des Weltverfolgungsindex (WVI) 2018. Dies bedeutet einen Anstieg um 2 Punkte im Vergleich zum WVI 2017. Obwohl die Regierungsverantwortung in anderen Händen liegt, hat sich für die Christen in Usbekistan nicht viel verändert. Die Christen leiden weiterhin unter einem sehr hohen Maß an Kontrolle durch die autoritäre Regierung – besonders im Privatleben und im kirchlichen Leben.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Diktatorische Paranoia

Außerhalb staatlich geführter und staatlich kontrollierter Institutionen sind keine religiösen Aktivitäten erlaubt. Protestanten werden oft als „Extremisten“ bezeichnet, da sie ihren Glauben nicht in staatlich sanktionierten Strukturen ausüben. Üblicherweise werden protestantische Gemeinden als Teil einer ausländischen Sekte betrachtet, die nur ein Ziel hat, nämlich das derzeitige politische System auszuspionieren und zu zerstören. Aus dieser Perspektive heraus müssen sie nicht nur kontrolliert werden, sondern notfalls auch ausgelöscht werden. Die Sicherheitsbehörden haben Überwachungsmaßnahmen entwickelt, um diese „Extremisten“ zu entdecken. Dies hat auch auf die Christen und die Gemeinden Einfluss.

Islamische Unterdrückung

Wenn Usbeken (die Muslime sind) sich zum christlichen Glauben bekehren, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass sie Druck, in einigen Fällen auch körperliche Gewalt, von ihren Familien, Freunden und der Gesellschaft vor Ort erfahren, die sie zwingen wollen, zu ihrem früheren Glauben zurückzukehren. Manche von ihnen werden von ihren Familien für lange Zeit eingesperrt, geschlagen und eventuell sogar von der Gesellschaft ausgestoßen. Mullahs vor Ort predigen gegen sie und erhöhen somit den Druck. Daher tun diese Christen alles, um ihren Glauben zu verbergen.

3. Verfolger

Regierungsbeamte und politische Parteien sind die Verfolger, welche durch die Haupttriebkraft der Verfolgung, Diktatorische Paranoia, motiviert werden. Sie sind für den Druck verantwortlich, der von den Behörden angeordnet wird.

Die Verwandtschaft, Anführer ethnischer Gruppen, nichtchristliche religiöse Leiter und normale Bürger sind die Verfolger, die den Druck erzeugen, der von der islamischen Gesellschaft auf Christen mit muslimischem Hintergrund ausgeübt wird. Diese Verfolger sind durch die Triebkraft Islamische Unterdrückung beeinflusst.

4. Hintergrund

Usbekistan ist eine der härtesten Diktaturen in Zentralasien. Das Regime tut alles Erdenkliche, um an der Macht zu bleiben – alle Formen von Opposition und jede Abweichung von der Norm werden unbarmherzig bestraft. Seit dem Tod von Präsident Islam Karimov am 2. September 2016 hat sich dies nicht geändert. Der christliche Glaube wird als ein fremder und destabilisierender Faktor betrachtet. Zusätzlich erfahren Christen mit muslimischem Hintergrund auch noch Druck von ihrem sozialen und kulturellen Umfeld.

Die Regierung nutzt die Existenz von extremistischen islamischen Gruppen, um ihre totale Kontrolle über die Gesellschaft zu rechtfertigen, indem sie erklärt, dass diese eine konstante Bedrohung für das Land seien – was jedoch völlig übertrieben ist. Bisher sind nur sehr wenige Dschihadisten aus den Kriegsgebieten in Syrien, dem Irak und Afghanistan nach Usbekistan zurückgekehrt, wenn dies überhaupt vorgekommen ist.

Der Geheimdienst überwacht sehr genau alle religiösen Aktivitäten im Land und Informanten wurden in alle religiösen Gruppierungen eingeschleust. Treffen von Hausgemeinden sind oft das Ziel von Razzien und die dort Anwesenden werden dann belästigt, eingesperrt, verhört oder bekommen Geldstrafen; wenn in den Räumlichkeiten religiöses Material gefunden wird, wird es konfisziert und zerstört. Christen werden oft zu kurzen Gefängnisstrafen von bis zu 15 Tagen durch die Polizei verurteilt. Nur selten bekommen Christen langfristige Gefängnisstrafen.

Christen sind nicht die einzige Religionsgemeinschaft, die in Usbekistan verfolgt wird. Alle religiösen Gruppen werden gleich behandelt – Christen bekommen keine „besondere“ Behandlung. Beispiele für andere verfolgte Gruppen sind einige muslimische Gruppierungen und Jehovas Zeugen.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Die Russisch-Orthodoxe Kirche hat sich an die Einschränkungen, die die Regierung schafft, angepasst und wird deshalb mehr oder weniger in Ruhe gelassen. Ihre Gottesdienste werden eventuell überwacht, können aber ungestört abgehalten werden und ihre Mitglieder können sich treffen, ohne Angst haben zu müssen, verhaftet zu werden. Das Drucken oder Importieren von christlichem Material ist jedoch beschränkt.

Christen muslimischer Herkunft

Christen mit muslimischem Hintergrund tragen in Usbekistan die Hauptlast der Verfolgung. Neben dem Leid, das sie vonseiten des Staates erfahren, werden sie auch durch ihre Familien, Freunde und die Gesellschaft stark unter Druck gesetzt. Letzteres ist für sie bei weitem schwerer zu ertragen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Nach den Konvertiten ist diese Gruppe von Christen die am zweitstärksten verfolgte – ganz besonders dann, wenn die Gemeinde nicht registriert ist. Baptisten, Evangelikale und pfingstkirchliche Gruppen leiden unter Razzien, Bedrohungen, Verhaftungen und Geldstrafen.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 15.500
Familienleben: 12.100
Gesellschaftliches Leben: 13.000
Leben im Staat: 13.100
Kirchliches Leben: 16.000
Auftreten von Gewalt: 3.500

Grafik: Verfolgungsmuster Usbekistan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterungen zum Verfolgungsmuster

  • Die durchschnittliche Punktzahl des Drucks auf Christen in Usbekistan beträgt 13,9 Punkte, ein Anstieg um 0,5 im Vergleich zum Berichtszeitraum des WVI 2017.
  • Im kirchlichen Leben ist der Druck extrem hoch (16,0 Punkte) und auch im Privatleben – besonders für Christen muslimischer Herkunft (15,5 Punkte). Dies kann man direkt mit den beiden Triebkräften der Verfolgung in Verbindung bringen, die in Usbekistan vorherrschen: Diktatorische Paranoia und Islamische Unterdrückung.
  • Die Gewalt beläuft sich auf 3,5 Punkte, was um 0,7 Punkte weniger ist als im WVI 2017. Der Grund hierfür ist, dass weniger Vorfälle gemeldet wurden.

Privatleben

Ein Religionswechsel führt zu den heftigsten Reaktionen des sozialen und kulturellen Umfelds. Er wird als schändliche Beleidigung für die Ehre einer Familie betrachtet. Da auf diese Art und Weise auch soziale Unruhe entsteht, steht dieses Thema auch ganz oben auf der der Beobachtungsliste des Staates und seiner Vertreter. Oft gehen Nachbarn zur Polizei, wenn sie mitbekommen, dass jemand sich zum Christentum bekehrt hat und zu Hause seinen Glauben praktiziert. In manchen Gegenden ist es illegal, eine Bibel zu besitzen, mancherorts ist nur eine einzige Bibel erlaubt. Sich zum christlichen Glauben zu bekennen (z.B. indem man christliche Symbole offen zeigt) ist ebenso gefährlich. Es ist nicht nur für Konvertiten gefährlich, über ihren neuen Glauben mit Familienmitgliedern zu reden, auch für Mitglieder traditioneller Kirchen, die einer freikirchlichen Gemeinde beigetreten sind, ist dies riskant, wenn es für sie auch weit weniger gefährlich ist. Zuhause eingesperrt zu werden ist für Christen muslimischer Herkunft eine recht häufige Konsequenz – Familien üben diese Art von Druck aus, um die Christen zur Glaubensaufgabe zu zwingen.

Familienleben

Christen muslimischer Herkunft bekommen immer wieder Probleme bei der Registrierung von Geburten, Todesfällen oder Hochzeiten bei den örtlichen Behörden, da die Beamten dort oft Muslime aus dem lokalen Umfeld sind. Es gibt Beispiele, dass christliche Beerdigungen von lokalen Behörden nicht registriert wurden. Der Druck auf christliche Konvertiten, sich nicht taufen zu lassen, ist immens, da dies oft als das endgültige Zeichen betrachtet wird, dass jemand den Islam verlassen hat. In usbekischen Familien können Verwandte (z.B. Großvater, Großmutter) ein Kind zwingen, zur Moschee zu gehen, auch wenn die Eltern Christen sind. Durch die starke Propaganda gegen „Sekten“ in den Medien, in Schulen und Hochschulen, sind junge Leute oft Kindern von evangelikalen Christen feindlich gesinnt. Es sind Fälle bekannt, in denen ein Ehepartner ins Ausland fliehen musste, weil der andere im Gefängnis war. In solch einem Fall sind die Familien sehr lange voneinander getrennt. Es kam auch vor, dass der Ehepartner zur Scheidung gedrängt wurde.

Gesellschaftliches Leben

Bedrohungen und Beeinträchtigungen erfahren Christen aus verschiedenen Quellen. Zuerst kommt der Druck vonseiten der Verwandtschaft und der Gesellschaft, aber besonders diejenigen Christen, die aktiv evangelisieren, können auch von der örtlichen Gemeinschaft und den Behörden bedroht werden. Zwei Gruppen sind für die Überwachung von Christen verantwortlich: die Verwandtschaft/das Umfeld (als eine Art soziale Kontrolle), aber auch die Behörden verschiedener Ebenen. Wenn ein Arbeitgeber herausfindet, dass sein Angestellter ein aktiver Christ ist, kann er diesem sofort kündigen. Vom NSS (dem Usbekischen Geheimdienst) weiß man, dass er christliche Ladenbesitzer erpresst. Es gibt eine lange Liste von Anschuldigungen, für die Christen Geldstrafen bekommen können – und auch häufig bekommen: z.B. für illegale Versammlungen, für den Besitz christlicher Literatur oder dafür, dass sie christliche Lieder auf ihrem Handy haben. Menschen, die als Christen bekannt sind, müssen sich immer wieder auf der Polizeistation am Ort melden. Damit will man sie einschüchtern.

Leben im Staat

Die Verfassung und einige Gesetze garantieren Religionsfreiheit, aber nicht ohne erhebliche Einschränkungen. Der Staat überwacht besonders aktive Pastoren. Wenn es eine Razzia bei Versammlungen oder in Privathäusern gibt, werden alle Anwesenden verhört – oft auf sehr harte Art und Weise. Bürger brauchen ein Ausreisevisum, wenn sie das Land verlassen wollen, aber wenn bekannt ist, dass jemand Christ ist, werden ihm solche Visa manchmal nicht genehmigt. Derzeit können Christen, die als solche bekannt sind, auch keine Anstellung beim Staat bekommen. Für alle Christen, die nicht der Russisch-Orthodoxen Kirche angehören, kann das Vertreten christlicher Ansichten in der Öffentlichkeit zu Androhungen von Repressalien sowohl von der Regierung als auch von der usbekischen Bevölkerung vor Ort führen. Die staatlich kontrollierten Medien produzieren regelmäßig Berichte, in denen sie evangelikale Christen angreifen. Reklametafeln, Flyer und andere öffentliche Informationen über die Gefahren von Sekten und Missionaren erschienen im Berichtszeitraum im Norden des Landes. In Usbekistan gibt es keine fairen Gerichtsverfahren. Die Justiz ist nicht unabhängig und die internationale Beobachtung von Gerichtsprozessen, in die Christen verwickelt sind, wird durch viele politische Hürden erschwert.

Kirchliches Leben

Christliche Versammlungen werden oft verhindert oder es werden Razzien durchgeführt. Es ist fast unmöglich, sich als neue Gemeinde registrieren zu lassen – in den letzten 17 Jahren wurde keine einzige neue Gemeinde registriert. Alle religiösen Aktivitäten werden genauestens überwacht. Ebenso ist es fast unmöglich, eine Erlaubnis für den Neubau von Gemeinderäumen zu bekommen, und die Instandhaltung von bereits existierenden Gebäuden wird sehr erschwert (ausgenommen für die Russisch-Orthodoxe Kirche). Die wenigen registrierten Gemeinden müssen ihre Aktivitäten innerhalb ihrer Gebäude organisieren; Aktivitäten außerhalb sind verboten. Viele Gemeinden vermeiden christliche Symbole, um Konflikte zu vermeiden. Unter dem Religionsgesetz müssen alle religiösen Materialien der Regierung zur Genehmigung vorgelegt werden. In der Praxis heißt das, dass deren Import, der Druck und das Verteilen verhindert wird. Wohltätigkeitsarbeit ist äußerst beschränkt, nur die Russisch-Orthodoxe Kirche darf dies organisieren. Ein Gesetz des Ministerkabinetts aus dem Jahr 2003 formuliert neue Registrierungsanforderungen für Nichtregierungsorganisationen, womit die Aktivitäten von christlichen Körperschaften eingeschränkt werden, und das Religionsgesetz aus dem Jahr 1998 verbietet „Aktionen, die auf den Glaubenswechsel von Gläubigen einer Religion in die andere ausgerichtet sind (Konversion), ebenso jegliche andere Form der Missionierung“.

Auftreten von Gewalt

Es wurde in Usbekistan relativ wenig Gewalt gegen Christen ausgeübt. Keine Christen wurden getötet und keine Kirchen zerstört oder beschädigt. Jedoch wurden 15 Christen gefangen genommen und etwa 10 von ihnen wurden zu kurzen Haftstrafen verurteilt. Von 11 christlichen Frauen wurde berichtet, dass sie sexuelle Belästigung (physisch oder verbal) durch Polizeibeamte erlitten. Mehr als 10 Christen litten unter physischer Gewalt, mehr als 10 Immobilien (Häuser etc.) von Christen wurden beschädigt. Mehr als 10 Christen mussten in Zufluchtshäuser gehen – die meisten von ihnen waren Christen mit muslimischem Hintergrund. Mindestens eine Person (eine Russin) wurde des Landes verwiesen, weil sie sich mit anderen Protestanten zu einem Gottesdienst in Taschkent traf.

Weitere Beispiele:

  • Die usbekische Regierung hat eine besondere Abteilung, die für die Überwachung religiöser Aktivitäten zuständig ist und die religiöse Literatur zensiert.
  • Es ist schwierig, sich als neue Gemeinde registrieren zu lassen und die Registrierungsregelungen für bereits bestehende religiöse Gemeinschaften werden immer schwieriger.
  • Am 24. März 2017 führten Staatsbeamte eine Razzia in Taschkent durch, wo sich fünf Protestantinnen trafen, um über den christlichen Glauben zu reden. Bücher, Computer und Kamera wurden konfisziert. Die Gruppenleiterin bekam eine Geldstrafe über fünf Monatsmindestlöhne durch ein Bezirksstrafgericht im April 2017, weil sie „eine unerlaubte religiöse Aktivität durchführte“. Quellen vor Ort berichten, dass eine anwesende Frau eventuell eine Informantin für die Behörden war.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Das tägliche Leben des usbekischen Volks ist stark vom Islam geprägt, weshalb Frauen gegenüber Männern benachteiligt werden. Von Frauen wird erwartet, dass sie sich ihren Eltern und, wenn sie verheiratet sind, ihren Männern unterwerfen. Dies macht sie im Verfolgungsfall verletzlicher – sowohl als Christinnen als auch als Frauen, die die bestehende Ordnung in Frage stellen. Christliche Frauen und Mädchen erleiden verbalen und physischen Missbrauch, Drohungen, Schläge, Verhaftung, Verhöre, Konfiszierungen, Geldstrafen, Gefängnisstrafen, den Verlust des Arbeitsplatzes, Diskriminierungen, Ausschluss, Hausarrest, Zwangsheirat, Gewalt in der Familie und Vergewaltigungen, Erniedrigungen, Scheidung, Verstoßung und den Verlust von Besitz.

Männer

Gemeindeleiter sind normalerweise Männer; sie sind größtenteils auch die Familienoberhäupter und die Hauptverdiener. Wenn ein Christ Verfolgung erfährt – durch Geld- oder Gefängnisstrafe – dann leidet seine ganze Familie mit. Der Verlust der Arbeitsstelle hat Auswirkungen auf die ganze Familie. Wenn ein Mann der Leiter einer Gemeinde ist, dann hat seine Verfolgung Einfluss auf die gesamte Gemeinde und erzeugt Angst. Christliche Männer und Jungen erleiden verbalen und physischen Missbrauch, Drohungen, Schläge, Verhaftung, Verhöre, Konfiszierungen, Geldstrafen, Gefängnisstrafen, den Verlust des Arbeitsplatzes, Diskriminierungen, Ausschluss, Hausarrest, Erniedrigungen, sie erhalten Anwaltsschreiben, werden verstoßen, es kommt zu Scheidung oder Verlust von Besitz.

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Der usbekische Präsident Islam Karimov starb am 2. September 2016. Nach kurzer Zeit folgte ihm Premierminister Shavkat Mirziyaev ins Amt. Es ist unwahrscheinlich, dass dies irgendeine Veränderung für die Christen im Land bringt: die staatlichen Institutionen (Polizei, Geheimdienst, lokale Mahalla-Behörden) werden auch weiterhin religiöse Aktivitäten durch verschiedene Mittel und Wege überwachen (durch das Verwanzen von Häusern, das Abhören von Telefonaten, das Unterwandern von Gruppen, den Besuch von Gottesdiensten etc.). Razzien bei Hausgemeinden, das Konfiszieren von religiösem Material sowie Verhöre und Verhaftungen von Christen werden wahrscheinlich weitergehen wie bisher. Auch der Druck auf und die Gewalt gegen Konvertiten vonseiten der Familien, Freunde und Gesellschaft wird wahrscheinlich weiter ausgeübt werden, vielleicht sogar noch in verstärktem Maß.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Usbekistan

  • Usbekistan ist eine der strengsten Diktaturen in Zentralasien. Die usbekische Regierung wird alles dafür tun, um an der Macht zu bleiben. Alle Formen der Opposition und Abweichungen von der Norm werden angegriffen, dazu zählt auch der christliche Glaube. Beten Sie für Veränderung und für Akzeptanz der Christen in Usbekistan.
  • Beten Sie für Baptisten, Evangelikale und Christen aus Pfingstkirchen, die bedroht werden, Opfer von Razzien werden, Geldstrafen bekommen oder ins Gefängnis müssen. Keine christlichen Aktivitäten neben den vom Staat organisierten und staatlich kontrollierten Institutionen sind erlaubt.
  • Beten Sie für die Menschen, die erst kürzlich zum christlichen Glauben gekommen sind und die unter Hausarrest von ihren muslimischen Familien stehen, die sie zur Rückkehr zum Islam bringen wollen. Beten Sie für die christlichen Frauen, die gegen ihren Willen verheiratet wurden, dass sie trotzdem Gottes Führung für ihr Leben vertrauen können.

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