Länderprofil Vietnam

Vietnam

18
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Vietnam
Hauptreligion
Buddhismus
Staatsform
Sozialistische Republik
Platz Vorjahr
17
ISO
VN
Karte Vietnam
Karte Vietnam
Christen
8,37
Bevölkerung
95.42
Kommunistische Unterdrückung
Ethnisch begründete Anfeindungen
Privatleben: 12.400
Familienleben: 8.400
Gesellschaftliches Leben: 12.700
Leben im Staat: 14.200
Kirchliches Leben: 13.800
Auftreten von Gewalt: 7.400
Länderprofil Vietnam

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

69 Punkte / Platz 18 (WVI 2017: 71 Punkte / Platz 17)

Von wem Verfolgung ausgeht

Die Regierung verfolgt die christliche Minderheit von der nationalen Ebene bis hinunter zur lokalen Ebene durch die Gesetze, die sie erlässt und dadurch, wie diese Gesetze vor Ort umgesetzt (und fehlinterpretiert werden). In ihrem Streben danach, die Kulturen ihrer Stämme zu erhalten, grenzen auch Stammesführer Christen aus und sehen diese als Verräter ihrer Kultur und Identität. Ebenso verfolgen Dorfbewohner Christen. Sie schließen sich mit anderen zusammen, um sie zu verprügeln, sie aus ihren Dörfern zu vertreiben oder Gottesdienste zu unterbrechen, indem sie beispielweise die Versammlungsorte mit Steinen bewerfen. Nichtchristliche Verwandte werden ebenfalls zu starken Verfolgern, indem sie Familienbande kappen oder Erbschaften verweigern, in einigen Fällen den christlichen Partner zur Scheidung zwingen und einem christlichen Elternteil das Sorgerecht für die Kinder verweigern.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Christen traditioneller Kirchen, wie die römisch-katholischen Christen, die den Großteil der Christen in Vietnam ausmachen, haben im Allgemeinen mehr Spielräume, abgesehen von der Überwachung, der auch sie unterstehen. Sobald aber Katholiken politisch aktiv werden, ob als Blogger, als Aktivisten gegen Umweltverschmutzung oder ähnlichem, geraten sie in das Fadenkreuz der Behörden und können verhaftet und verurteilt werden. In mehreren Städten und Provinzen gehören den katholischen Gemeinden große Grundstücke, die sich staatliche Stellen einverleiben, um dort zu bauen oder sich finanzielle Vorteile zu verschaffen. Proteste gegen diese Praxis werden unterdrückt.

Konvertiten aus dem Volksglauben und nicht-traditionelle Protestanten werden stärker verfolgt, besonders, wenn sie in den dörflichen Regionen in Zentral- und Nordvietnam leben. Die meisten von ihnen gehören zu den ethnischen Minderheiten des Landes, wie den Hmong, und stehen allen Arten von Verfolgung gegenüber, von sozialer Ausgrenzung über Belästigung und Diskriminierung bis hin zu gewalttätigen Angriffen, bei denen ihre Häuser zerstört und sie aus ihren Dörfern vertrieben werden. In vielen Fällen sind die kommunistischen Behörden nicht direkt involviert, sondern heuern Kriminelle an, um gegen die Christen vorzugehen. Mehrfach flohen Christen ins Ausland und baten um Asyl, z.B. im benachbarten Kambodscha, aber sie wurden auf den Druck Vietnams wieder zurückgeschickt.

Beispiele

  • Christliche Kinder ethnischer Minderheiten werden in Schulen diskriminiert und bekommen nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie andere; außerdem werden ihre medizinischen Bedürfnisse oft ignoriert. Einige können wegen ihres christlichen Glaubens noch nicht einmal eine Schule besuchen. Als Schüler aus einem Stamm im zentralen Hochland zum christlichen Glauben kamen, drohte ihnen ihr Schuldirektor damit, sie der Schule zu verweisen. Lehrer versuchen auch christliche Schüler zu entmutigen, indem sie ihnen sagen, dass sie sowieso keiner als Christen nach ihrem Abschluss einstellen würde; daher sei es besser, dass sie ihren Glauben aufgäben.
  • Die nahezu unendliche Geschichte der christlichen Montagnards, die wegen der Verfolgung die zentralvietnamesischen Provinzen verließen und nach Kambodscha flohen, nahm während des Berichtszeitraums des Weltverfolgungsindex (WVI) 2018 eine neue Wendung. Während mehr als 100 Flüchtlinge zurückgeschickt wurden, wurde im April 2017 berichtet, dass bis März 2017 bereits 50 Montagnards von Kambodscha nach Thailand geflohen waren. Dies zeigt, wie sehr sie der Verfolgung in Vietnam entkommen wollen.
  • Am 7. Juni 2017 griffen Randalierer erneut ein katholisches Kirchengebäude an. Die Gemeinde ist dafür bekannt, offen die Regierung für ihre Reaktion auf das Austreten von Giftmüll im Jahr 2016 zu kritisieren.
  • In den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 wurden in Vietnam mehrere katholische Aktivisten und Blogger sowie protestantische Pastoren eingesperrt. In einem noch nie dagewesenen Schritt wurde ein katholischer Professor nach Frankreich ausgewiesen, sowie ein protestantischer Pastor in die Vereinigten Staaten.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Die Punktzahl Vietnams (69) auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2018 ist zwei Punkte niedriger, als im WVI 2017. Obwohl die Punktzahl für „Auftreten von Gewalt“ um fast vier Punkte fiel, wurde ein Wachsen des Drucks deutlich, der die Vorbereitungen der Christen auf die neue Religionsgesetzgebung widerspiegelt, die am 1. Januar 2018 in Kraft tritt. Druck und Gewalt gegen Christen aus ethnischen Minderheiten gehen unvermindert weiter.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Kommunistische Unterdrückung

Vietnam – oder wie es der offizielle Name besagt: die „sozialistische Republik Vietnam” – ist eines der fünf Länder, die immer noch von einer kommunistischen Partei regiert werden. Der vietnamesische Kommunismus ist mehr als nur Schein, was sich 2016 bei der Einführung der neuen Führung zeigte, die alle Hoffnung auf einen reformorientierten Kurs zunichtemachte. Die Regierung überwacht christliche Aktivitäten und übt einen hohen Druck auf alle Christen aus. Die Katholische Kirche ist mit Abstand die größte christliche Gemeinschaft im Land. Aber die Regierung hat eine angespannte Beziehung zu ihr, da Katholiken mit einer fremden Macht, dem Vatikan, verbunden sind und daher oft als Überbleibsel aus der französischen Kolonialzeit gesehen werden. Vorurteile wie „Katholiken sind französisch und Protestanten amerikanisch” halten sich weiterhin, besonders in den dörflichen Regionen. 2017 zeigte sich diese Behauptung ganz besonders, als zwei Christen mit vietnamesischer Staatsbürgerschaft des Landes verwiesen wurden und ins Exil nach Frankreich und in die USA gehen mussten. Besonders misstrauisch ist die Regierung gegenüber den Minderheiten, die im zentralen und nördlichen Hochland leben und als „Montagnards” bekannt sind. Viele von ihnen sind Protestanten und Berichten zufolge hat sich dort der christliche Glaube weiter ausgebreitet.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Niemand kennt genaue Zahlen, aber die Mehrheit der Christen hat einen Stammeshintergrund und einige Schätzungen besagen, dass 80 Prozent der protestantischen Christen aus einer ethnischen Minderheit stammen, viele von ihnen aus den Hmong oder den Bru. Wenn Dorfbewohner oder Dorfälteste jemanden entdecken, der Christ geworden ist, zwingen sie ihn, den jahrhundertealten Werten und Normen der Gemeinschaft wieder zu folgen. Um die Kultur des Stammes zu bewahren, verstoßen Stammesführer oft die Christen aus den Gemeinschaften und sehen diese als Verräter ihrer Kultur und Identität. Die Gemeinschaft selbst reagiert ebenfalls oft gewalttätig auf diese Christen und schließt sie aus den Dörfern aus. Die Behörden kooperieren mit den lokalen Stammesführern zum Nachteil dieser Konvertiten.

3. Verfolger

Die Regierung verfolgt Christen auf der nationalen, regionalen und lokalen Ebene. Die kommunistische Partei tut dies oft, indem sie die Ideologie stärkt und diejenigen belohnt, die den Kommunismus hochhalten. Gesetze werden erlassen und dann lokal angewendet (und nicht selten missinterpretiert).

Stammesführer sehen Christen als Verräter ihrer Identität an. Um die Stammeskultur zu schützen, schneiden sie die Christen von der Versorgung ab oder werfen diese aus dem Dorf, zerstören ihre Felder und Ähnliches. Dorfbewohner verfolgen Christen auch in Zusammenarbeit mit lokalen Behörden, indem sie Christen verprügeln, sie aus ihren Dörfern werfen oder christliche Versammlungen stören, indem sie beispielsweise Steine auf die Versammlungsorte werfen. Nichtchristliche Verwandte agieren ebenfalls als Verfolger, indem sie Familienbande kappen und Erbschaften verweigern; in manchen Fällen werden christliche Ehepartner zur Scheidung gezwungen und ihnen wird das Sorgerecht für die Kinder vorenthalten.

4. Hintergrund

Vietnam folgt weiterhin der „Doi-Moi“-Politik (wörtlich übersetzt: „Erneuerung“), die im Jahr 1986 mit der Absicht eingeführt wurde, den Wirtschaftssektor zu reformieren und zu verbessern. Dadurch wurden gute Ergebnisse erzielt, das Bruttoinlandsprodukt hat sich binnen der letzten zehn Jahren verdoppelt, außerdem wurden die Armut und die Arbeitslosigkeit verringert. Jedoch hat diese Politik auch ihren Preis. Viele der kommunistischen Führer aus Politik und Militär leben in großem Wohlstand, was die Ideologie des Landes in eine Krise stürzte. Gerade in den Städten ist der Kommunismus mehr zu einer bloßen Phrase geworden und hat wenig mit der Lebenswirklichkeit zu tun. Viele junge Leute haben begonnen, Fragen zu stellen. Allerdings gehen die Behörden immer härter gegen diejenigen vor, die von den Regeln abweichen – besonders gegen Menschenrechtsaktivisten. Viele von diesen sind Christen und wurden schikaniert, zusammengeschlagen, inhaftiert und verurteilt.

Eine zusätzliche Herausforderung stellen die angespannten Beziehungen mit dem großen Nachbarn China dar. Obwohl auch dieses Land dem Namen nach kommunistisch ist, und die Mehrheit der Vietnamesen (Kinh) grundsätzlich ethnische Chinesen sind (Viet Nam bedeutet wörtlich „Land im Süden”, von China im Norden aus gesehen), werden die Beziehungen immer angespannter. Der Hauptstreitpunkt sind Chinas Aktionen im Südchinesischen Meer, welches China grundsätzlich allein für sich beansprucht, Ansprüche aller anderen Staaten außer Acht lassend, obwohl manche davon durch internationales Recht gedeckt sind. China hat in der Vergangenheit nicht nur vietnamesische Schiffe in Gewässern angegriffen, die es für sich selbst beansprucht, es hat auch damit begonnen, auf Riffen und Felsen Gebäude zu errichten, um seinen Anspruch zu unterstreichen. Nach gewalttätigen Reaktionen und der Stationierung von modernen Kurzstreckenraketen auf seinen Inseln im Meer, kamen China und Vietnam im Mai 2017 zu der Übereinkunft, die Spannungen nicht weiter anzuheizen. Ob dies die Beziehungen wieder verbessert, bleibt abzuwarten; die Annäherung an den früheren Erzfeind USA hat sich im Berichtszeitraum nicht fortgesetzt.

Während des 12. Parteikongresses im Januar 2016 wurde eine neue Führung ernannt, wobei der wichtigste und einflussreichste Posten des Generalsekretärs unverändert blieb. Obwohl Premierminister Dung, der für eine liberalere Politik stand, allgemein als logischer Kandidat gesehen wurde, wurde er effektiv aus dem Rennen genommen. Die Führung rief zu einem öffentlichen Dialog zur Regierungsbildung im Mai 2017 auf, aber mit Blick auf die Historie der Regierung, ihren Kritikern nicht zuzuhören, kann hier nicht allzu viel erwartet werden. Menschenrechte und die Religionsfreiheit bleiben ein schwieriges Thema, und es ist bis jetzt noch nicht klar, ob die neue Führung sich um engere Beziehungen zu China bemühen oder ob sie ihre Verbindungen zu den USA stärken wird. In jedem Fall sollten Christen keine größere Freiheit oder Vorteile von dem neuen Religionsgesetz erwarten.

Die kommunistische Regierung agiert gegen alle Religionen: Buddhisten, Caodaisten, Hoa Hoa Buddhisten und Muslime. Dies beginnt bei Belästigungen und kann mit Gefängnisstrafen und Vertreibungen aus Häusern, Dörfern oder, im Berichtszeitraum des WVI 2018, sogar mit der Vertreibung aus dem Land enden. Besonders Mitglieder der ethnischen Minderheiten des Landes stehen hier im Fadenkreuz der Autoritäten.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Da sie keine lokale Gemeinde besuchen können, sind ausländische und eingewanderte Christen unfreiwillig isoliert. Diese Gruppe beinhaltet Gastarbeiter aus Taiwan, Korea und den Philippinen, sie erleben den Druck in Form von Überwachung.

Christen aus traditionellen Kirchen

Dies sind besonders Christen der Römisch-Katholischen Kirche und der Evangelischen Kirche Vietnams (ECVN). Ersterer gelang es, 2016 eine katholische Universität zu eröffnen. Doch zeigen Probleme mit der Beschlagnahmung von Land durch Behörden, die Verhaftung von katholischen Aktivisten und die Ausweisung von katholischen Menschenrechtsaktivisten, dass Christen aus traditionellen Kirchen massiven Problemen gegenüberstehen.

Christliche Konvertiten

Konvertiten kommen entweder aus einem buddhistischen oder einem ethnisch-animistischen Hintergrund und stehen der stärksten Verfolgung gegenüber, nicht nur durch die Behörden, sondern auch durch ihre Familien, Freunde und Nachbarn. Da die meisten von ihnen aus den ethnischen Minderheiten stammen, sind die Behörden ganz besonders argwöhnisch.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese Kategorie besteht größtenteils aus evangelikalen und Pfingstgemeinden. Baptisten, Mennoniten, und viele andere versammeln sich in Hauskirchen. Sie werden streng überwacht und werden auf den verschiedenen Ebenen der Gesellschaft diskriminiert.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 12.400
Familienleben: 8.400
Gesellschaftliches Leben: 12.700
Leben im Staat: 14.200
Kirchliches Leben: 13.800
Auftreten von Gewalt: 7.400

Grafik: Verfolgungsmuster Vietnam

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster:

  • Der Druck auf Christen in Vietnam hat sich nahezu in jedem Bereich erhöht, was zu einem Druck auf sehr hohem Niveau führt. Die Punktzahl stieg von 11,9 vom WVI 2017 auf 12,3 (WVI 2018).
  • Der höchste Druck ist im Bereich „Leben im Staat“ zu finden (extremer Druck), gefolgt von „Kirchliches Leben“ und „Gesellschaftliches Leben“. Der Druck auf Konvertiten ist besonders im Bereich des „Privat- und Familienlebens“ präsent; aber alle Christen stehen einem wachsenden Druck im Bereich „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ gegenüber. Dieser Druck wird durch eine Rückkehr zur kommunistischen Rhetorik bestärkt, durch das neue Religionsgesetz und das fortgesetzte Misstrauen gegenüber Konvertiten sowie allen ethnischen und religiösen Minderheiten.
  • Die Gewalt gegen Christen ist wieder auf ein eher normales Maß mit einer Punktzahl von 7,4 zurückgekehrt (Sie stieg im WVI 2017 stark auf 11,1 an, als drei Christen getötet wurden). Im Berichtszeitraum des WVI 2018 wurden Christen verhaftet und ins Exil nach Frankreich und in die USA gezwungen.

Privatleben

Da Familien in Vietnam, besonders im ländlichen Bereich, üblicherweise mit drei Generationen unter einem Dach leben, müssen christliche Konvertiten ganz besonders vorsichtig sein, wie sie ihren Glauben leben und mit wem sie ihn teilen. Der christliche Glaube wird von den Familienmitgliedern, die einen Ahnenkult betreiben, als Gefahr gesehen, da sie fürchten, dass sich niemand um sie in ihrem jenseitigen Leben kümmern wird. In einigen Fällen warfen Verwandte christliche Familienmitglieder aus der Gemeinschaft und verbannten sie. Außerdem müssen Konvertiten aufpassen, wie sie christliche Literatur aufbewahren. Unter diesen Umständen kann es sehr schwierig sein, andere Christen zu treffen, und in vielen Fällen behindern Familienmitglieder Konvertiten, Gemeinschaft mit anderen Christen zu haben. Dies gilt nicht nur für Konvertiten buddhistischer oder animistischer Herkunft, sondern auch für Christen aus Familien mit starken Bindungen an die kommunistische Partei.

Familienleben

Es gab Berichte, wonach Christen aus Minderheiten ihre Geburtsurkunden vorenthalten wurden und dass in anderen Fällen Beamte sie gezwungen hätten, ihre Nachnamen in „Ho“ (nach dem kommunistischen Revolutionsführer Ho Chi Minh) zu ändern. In mindestens zwei Fällen wurden katholische Hochzeiten von Offiziellen behindert, da diese die „Einheit stören“, wenn sie christliche Symbole im Dorf zeigen. Taufen in den Dörfern müssen heimlich durchgeführt werden, wenn Konvertiten involviert sind, und Begräbnisse müssen nach traditionellem Ritus durchgeführt werden, besonders bei Christen aus den ethnischen Minderheiten. Verheirateten Konvertiten kann die Scheidung drohen, und es ist üblich für Familien, diejenigen zu enteignen, auszuschließen und ihnen die Unterstützung zu versagen, die zum christlichen Glauben übertreten.

Es gab viele Berichte, bei denen Christen um die Beglaubigung von Dokumenten für Ausbildung, Schule und Beruf baten. Aber als die lokalen Behörden herausfanden, dass die Antragssteller Christen waren, weigerten sie sich, die Dokumente zu beglaubigen – besonders, wenn diese Christen in der Vergangenheit Warnungen ignoriert hatten, keine christlichen Versammlungen mehr zu besuchen.

Christliche Kinder werden im Kommunismus an der Schule unterrichtet und zu Hause werden christliche Familien unter Druck gesetzt, an der Verehrung der Ahnen teilzunehmen. Aber die Kinder werden nicht nur einfach im Kommunismus unterrichtet; im zentralen Hochland wurden erwachsene Pastorenkinder unter Druck gesetzt, ihre Eltern dazu zu bringen, nicht mehr zu lehren und zu predigen; sollten sie dies nicht schaffen, würden sie ihren Job verlieren.

Gesellschaftliches Leben

Lokale Gemeinschaften helfen regelmäßig bei der Überwachung von christlichen Aktivitäten. Örtliche Behörden ermutigen die Gemeinschaften, christliche Gruppen in ihrer Tätigkeit zu beschränken, da sie als fremd und gefährlich angesehen werden. Auch das Internet wird massiv überwacht, wie auch die Telefonleitungen einiger Kirchenleiter. Es gibt viele Berichte wonach Christen, besonders aus den ethnischen Minderheiten, staatliche Förderung verweigert wird, sei es in Form von Nothilfe, landwirtschaftlichen Mikrokrediten oder Stipendien. In den Schulen müssen Schüler einem Foto von Ho Chi Minh Respekt zollen. In den dörflichen Regionen müssen sie an Stammesriten teilnehmen. Es wurde von Fällen berichtet, in denen Schulleiter Konvertiten mit einem Schulverweis drohten. Christlichen Schülern wird regelmäßig erzählt, sie sollen ihre Ausbildung aufgeben, da sowieso niemand Christen nach ihrem Abschluss einstellen werde. Es ist sehr üblich, dass Pastoren und Gemeindeleiter von der Polizei vorgeladen und verhört werden. Ein Pastor sagte, er könne die Vorladungen der Polizei bereits „in Kilogramm messen“.

Leben im Staat

Vietnam folgt seiner kommunistischen Ideologie und verehrt den Staatsgründer Ho Chi Minh, oder „Onkel Ho“ wie er liebevoll genannt wird; aber dies ist nicht vergleichbar mit der anbetungsgleichen Verehrung der Führer in Nordkorea. Gegen jedweden Glauben außerhalb der kommunistischen Ideologie wird vorgegangen, und Religion wird durch ein Gesetz namens Dekret 92 unter Kontrolle gehalten. Während das Dekret und zugehörige Erlasse 2017 in Kraft blieben, wurde das umfassende „Gesetz zu Religion und Glaube“ durch die Nationalversammlung angenommen und soll am 1. Januar 2018 in Kraft treten. Während es einige Abschnitte im neuen Gesetz gibt, die als eine Verbesserung für die Christen gesehen werden können, werden die Regularien zur Registrierung ganz sicher den Kirchen große Schwierigkeiten bereiten. Alles in allem wird sich nicht viel ändern, aber das Gesetz könnte einen bürokratischen Alptraum für die Gemeinden schaffen. Die nationalen Personalausweise (wie auch die Aufzeichnungen zur Familie) enthalten einen Abschnitt zur religiösen Zugehörigkeit. Konvertiten haben es schwer, ihre religiöse Zugehörigkeit ändern zu lassen, und die, die es versucht haben, bekamen oft den Eintrag „nicht religiös“ oder bekamen gar keine Dokumente.

Bewegungen von christlichen Leitern werden überwacht, und der Zugang zu Dörfern im Norden und in Zentralvietnam ist eingeschränkt. Die Medien berichten vorurteilsbehaftet, und Hetze gegen Christen gibt es häufig. Zum Beispiel werden Christen als Werkzeug dargestellt, die kolonialistische Ideologie wiedereinzuführen. Täter werden nahezu nie vor Gericht gebracht, und lokale Behörden heuern oft sogar Verbrecher an, um Gewalt gegen Christen auszuüben. Christen, die vor Gericht gingen, bekamen kein faires Verfahren. Ein Beispiel dafür ist die Vielzahl an katholischen Bloggern, die zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden, oder die Proteste, die durch den Formosa-Zwischenfall hervorgerufen wurden, bei dem ein taiwanesisches Stahlwerk eine Naturkatastrophe auslöste und (hauptsächlich katholische) Fischer und Aktivisten auf die Straße gingen, um gegen die Vertuschung durch die Regierung zu protestieren. Als sie versuchten, Gerechtigkeit zu bekommen, schlugen die Behörden zu. Sie wurden mit Schmierkampagnen in den lokalen Medien belegt und beschuldigt, zerstörerische und regierungsfeindliche Aktionen ausgeführt zu haben.

Kirchliches Leben

Kirchen werden streng überwacht und hin und wieder werden Versammlungen verhindert oder gestört. Die Registrierung einer Gemeinde verlangt einen enormen administrativen Aufwand, und es gibt keine Garantie dafür, später auch eine Genehmigung zu erhalten. Dies ist einer der Wege, mit dem die Regierung das Wachstum der Gemeinden kontrolliert und sie so unter der Herrschaft des Kommunismus hält. Selbst Partnergemeinden registrierter Kirchen haben Schwierigkeiten durch die Regierung und lokale Behörden anerkannt zu werden. Die Vergabe von Baugenehmigungen ist im Dekret Nr. 92 geregelt und wird durch die Behörden äußerst streng gehandhabt. Die Beschlagnahmung von Land durch die Behörden geht weiter und besonders die Katholische Kirche hat Probleme, ihren Besitz zu behalten. Sie besitzt verschiedene große Grundstücke (Kirchengebäude, Schulen und Krankenhäuser), besonders in den größeren Städten, und es gab mehr als nur einen Konflikt, als Behörden wiederholt versuchten, diesen Besitz zu beschlagnahmen, angeblich zur Stadtentwicklung.

Das neue Religionsgesetz verlangt von jeder Kirche, dass sie Unterlagen anlegt, die beweisen, dass sie als anerkannte christliche Gruppe registriert ist, die Mitglieder das Recht haben, sich zu versammeln und dass das Grundstück im Besitz der Kirche ist. Dies wird zur Bestätigung an die Behörden geschickt. Dies ist ein extrem langwieriger Prozess, und die Behörden können ganz einfach die Zustimmung verweigern, indem sie angeben, dass dieses Grundstück nicht für religiöse Zwecke gedacht sei, oder es sei ein Wohngebiet, oder dass die Gemeinde keine registrierte religiöse Gruppe sei.

Es gab Berichte, wonach Jugendtreffen gestürmt wurden. Die Veröffentlichung und Verbreitung christlicher Literatur ist möglich, aber hochgradig eingeschränkt. Jedwedes „illegales“ Material wird durch die Polizei konfisziert. Außerdem ist es sehr schwierig, eine Genehmigung zu bekommen, um Ausbildungskurse anzubieten. Zudem müssen jeweils im Oktober alle registrierten Kirchen eine Liste der Themen für ihre Gottesdienste des ganzen kommenden Jahres vorlegen. Das überarbeitete Gesetz zu Glaube und Religion wird diese Dinge sehr wahrscheinlich nicht grundlegend ändern, da das allumfassende Ziel der Regierung bleibt, die Kontrolle zu behalten.

Auftreten von Gewalt

Die nahezu unendliche Geschichte der christlichen Montagnards, die wegen ihrer Verfolgung die zentralvietnamesischen Provinzen verließen und nach Kambodscha flohen, nahm während des Berichtszeitraums des WVI 2018 eine neue Wendung. Während mehr als 100 Flüchtlinge zurückgeschickt wurden, wurde im April 2017 berichtet, dass bis März 2017 bereits 50 Montagnards von Kambodscha nach Thailand geflohen waren. Dies zeigt, wie sehr sie der Verfolgung in Vietnam entkommen wollen. Und während der katholische Journalist und Aktivist Dang Xian Dieu im Februar 2017 ins Exil nach Frankreich gezwungen wurde und Peter Pham Minh Hoang sein Schicksal im Juni 2017 teilte, wurde im Juli 2017 der lutherische Pastor Nguyen Cong Chinh mit seiner Familie in die USA deportiert. Dieser aktuelle Trend zeigt, dass die bereits erwähnte vietnamesische Maxime immer noch einiges an Wahrheit enthält: „Katholiken sind aus Frankreich und Protestanten kommen aus den USA“.

7. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Die wirtschaftliche Doi Moi Politik hat sich nicht auf die sozialen und politischen Bereiche der Gesellschaft ausgeweitet, und dies wird auch nicht für die absehbare Zukunft erwartet. Im Gegenteil, die Restriktionen gegen Dissidenten haben im Berichtszeitraum des WVI 2018 zugenommen und die Träume einer offenen Zivilgesellschaft in Vietnam mit Debatten über politische, ökonomische, soziale und religiöse Themen (wie es in einer demokratischen Gesellschaft üblich ist) sind weit entfernt. Ein weiteres Beispiel dafür ist ein Gesetz aus dem Juni 2017, dass den Behörden die Möglichkeit gibt, Anwälte dazu zu zwingen, Klienten zu melden, die „Verbrechen gegen den Staat“ begangen haben. Wenn man sich vor Augen führt, wie breit dieser Begriff in kommunistischen Ländern ausgelegt wird, können Christen und andere Religionen ganz leicht ins Fadenkreuz dieses Gesetzes geraten.

Weiterhin bleibt zu beobachten, wie das neue Glaubens- und Religionsgesetz, welches im November 2016 verabschiedet wurde, umgesetzt werden wird, jetzt, da es am 1. Januar 2018 in Kraft getreten ist. Christen und andere Religionsgruppen können keine Erleichterungen von diesem Gesetz erwarten, noch erwarten sie irgendwelche greifbaren, positiven Veränderungen. Die Registrierung und der Betrieb von christlichen Kirchen wird mindestens so umständlich sein wie heute schon und den eigenen Glauben zu bezeugen, wird höchstwahrscheinlich gefährlich bleiben.

Unter der „neuen“ Führung werden Bürgerrechte und Religionsfreiheit schwierige Themen bleiben und die Kommunistische Unterdrückung wird weiterhin für die Christen deutlich zu spüren sein. Dieser Druck mag sich sogar noch erhöhen, wenn sich die Beziehungen zum großen Nachbarn China verbessern, ganz besonders, wo das Interesse der USA zu schwinden scheint. Im Gegensatz zu China hat Vietnam Schwierigkeiten abweichende Meinungen im Internet unter Kontrolle zu halten, denn das Land gehört zu den zehn Ländern mit den meisten Facebook Nutzern: 52 Millionen. Aber die Regierung wird weiter danach streben, abweichende Blogger schwer zu bestrafen, wie die Verurteilung des katholischen Bloggers „Mother Mushroom“ zu zehn Jahren Haft im Juni 2017 zeigt. Die Tatsache, dass die vietnamesische Regierung im August 2017 ein früheres hochrangiges Mitglied der Kommunistischen Partei und jetzigen Geschäftsmann, Trinh Xuan Thanh, ehemals Mitarbeiter der staatlichen Ölgesellschaft Petro Vietnam, in Deutschland kidnappte, zeigt den Wagemut der vietnamesischen Führung. Das sind keine guten Nachrichten für irgendeine Form öffentlichen Widerspruchs.

8. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Vietnam

  • Beten Sie für die richtige Begleitung der vielen ethnischen Minderheiten in den dörflichen Regionen, die zum christlichen Glauben finden.
  • Beten Sie für Familienmitglieder, die ihre Verwandten zwingen wollen, zum traditionellen Glauben und seinen Riten zurückzukehren. Beten Sie dafür, dass sie Christus durch ihre christlichen Verwandten erkennen.
  • Mit dem Wachstum der christlichen Minderheit nehmen die Bemühungen der Regierung zu, Kirchen zu überwachen und das Wachstum des christlichen Glaubens einzuschränken. Beten Sie für eine Lockerung der Restriktionen und mehr Freiheit.

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