Länderprofil Aserbaidschan

Aserbaidschan

50
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Aserbaidschan
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
45
ISO
AZ
Karte Aserbaidschan
Christen
0,32
Bevölkerung
9.92
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 13.200
Familienleben: 9.900
Gesellschaftliches Leben: 9.300
Leben im Staat: 11.100
Kirchliches Leben: 12.400
Auftreten von Gewalt: 1.500

Länderprofil Aserbaidschan

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 50 / 57 Punkte (WVI 2018: Platz 45 / 57 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Diktatorische Paranoia: Religiöse Aktivitäten außerhalb staatlicher und staatlich kontrollierter Institutionen sind nicht erlaubt. Es wird berichtet, dass staatliche Beauftragte alle religiösen Versammlungen infiltriert haben. Pastoren und andere Gemeindeleiter werden regelmäßig zu Gesprächen mit der Polizei gebeten.

Islamische Unterdrückung: Wenn sich Einheimische entschließen, dem christlichen Glauben zu folgen, erfahren sie von ihren Familien, Freunden und der lokalen Gemeinschaft Druck und gelegentlich körperliche Gewalt, mit der sie gezwungen werden sollen, zu ihrem früheren Glauben zurückzukehren.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Der Großteil der Verfolgung von Christen in Aserbaidschan geht von Regierungsbeamten auf verschiedenen Ebenen aus – von der Zentralregierung des Landes, die restriktive Gesetze erlässt, bis hin zu lokalen Behörden und der Polizei, die religiöse Versammlungen durchsuchen, Gläubige festhalten und religiöse Schriften beschlagnahmen. Verfolgung kommt auch aus dem muslimischen Umfeld (Familie, Freunde, Umfeld und lokale Imame), das die Weitergabe des Evangeliums unter Muslimen ablehnt.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Die Regierung von Aserbaidschan überwacht die Aktivitäten religiöser Gruppen sehr genau. Offiziell ist das Land säkular und Religion wird toleriert. Das Überwachungssystem ist jedoch so stark, dass die Christen in Aserbaidschan nicht mehr wissen, wem sie vertrauen können. Die russisch-orthodoxen Kirchen haben die geringsten Probleme mit der Regierung, da sie normalerweise keinen Kontakt mit der aserbaidschanischen Bevölkerung aufnehmen. Es sind die einheimischen Christen mit muslimischem Hintergrund, die die Hauptlast der Verfolgung sowohl durch den Staat als auch durch Familie, Freunde und Umfeld tragen.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Wie die Menschenrechtsorganisation Forum 18 berichtet, führte die Polizei im Bezirk Nizami in Gyanja am 28. Januar 2018 im Sonntagsgottesdienst der Pfingstgemeinde „Stern im Osten“, der im Haus eines Kirchenmitglieds stattfand, eine Razzia durch. Etwa 100 Personen – 40 davon Kinder – waren dort anwesend, als die Polizei kam. Polizisten filmten alle Anwesenden und nahmen ihre persönlichen Daten auf, einschließlich die der Kinder. Nach der Razzia erhielten die von den Kindern besuchten Schulen Anrufe von der Polizei.
  • Forum 18 berichtete auch von einem Schreiben des Leiters der Rechtsabteilung des Staatskomitees vom November 2017 an die Baptistengemeinde in Aliabad, in dem er sie warnte, sich nicht ohne staatliche Zulassung zum Gottesdienst zu treffen. Die Kirche, die seit 1994 vergeblich die offizielle Anerkennung anstrebt, wurde nach einem Polizeieinsatz im November 2016 offiziell geschlossen.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 57 Punkten belegt Aserbaidschan auf dem Weltverfolgungsindex 2019 den 50. Platz. Die Punktzahl ist im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben und es gab keine wesentlichen Veränderungen in Bezug auf Religionsfreiheit und Verfolgung von Christen. Die Regierung hat ihre diktatorische Kontrolle über das Land fortgesetzt.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Diktatorische Paranoia

Religiöse Aktivitäten außerhalb staatlicher und staatlich kontrollierter Institutionen sind nicht erlaubt. Es wird berichtet, dass staatliche Akteure alle Religionsgemeinschaften infiltriert haben. Pastoren und andere Gemeindeleiter werden regelmäßig zu Gesprächen mit der Polizei gebeten. Das hat große Angst verursacht – niemand weiß mehr, wem er vertrauen kann. Infolgedessen wagen es nur wenige, mit Ausländern zu sprechen, und außerhalb des Landes sind nur sehr wenige Informationen über Verfolgung bekannt. Es wurden restriktive Gesetze erlassen, die eine Zulassung vorschreiben. Von Zeit zu Zeit müssen sich alle registrierten Gruppen um eine Neuregistrierung bewerben, ein Prozess, bei dem es immer weniger Gemeinden schaffen, diese Hürde zu nehmen. Das Ausmaß der Unterdrückung in Aserbaidschan ist so hoch, dass es für aserbaidschanische Christen einfacher ist, ihren Glauben im Iran weiterzugeben als im eigenen Land.

Islamische Unterdrückung

Der Druck auf Christen durch islamische Kreise richtet sich insbesondere gegen Christen mit muslimischem Hintergrund. Wenn sich Einheimische entschließen, Jesus nachzufolgen, erfahren sie von ihren Familien, Freunden und dem sozialen Umfeld Druck und gelegentlich körperliche Gewalt, die sie zur Umkehr und Rückkehr zu ihrem früheren Glauben bringen sollen. Einige christliche Konvertiten werden für längere Zeit eingesperrt und geschlagen. Lokale Mullahs predigen gegen sie und sie können schließlich aus ihren Dorfgemeinschaften vertrieben werden. Infolgedessen tun Christen muslimischer Herkunft alles, um ihren neuen Glauben zu verbergen – sie werden zu sogenannten geheimen Gläubigen.

3. Verfolger

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

  • Regierungsvertreter auf allen Ebenen sind die stärksten Verfolger von Christen in Aserbaidschan. Sie haben alle Kirchen infiltriert. Sie laden Pastoren und andere Kirchenführer ein, „auf eine Tasse Tee zur Polizei zu kommen“. Sie überwachen alle religiösen Aktivitäten, führen Razzien bei Versammlungen durch und beschlagnahmen religiöse Schriften.
  • Gewöhnliche Bürger (insbesondere auf lokaler Ebene) überwachen religiöse Aktivitäten und erstatten den Behörden Bericht.
  • In Aserbaidschan sind nur wenige politische Parteien erlaubt. Die Opposition wird ständig unterdrückt. Die Regierungspartei unter Präsident Alijew spielt eine Hauptrolle bei der Unterdrückung der Religionsfreiheit im Land.

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Muslimische Familienmitglieder üben starken Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus. Sie betrachten einen Glaubenswechsel als Verrat, was zu Hausarrest und Schlägen führen kann.
  • Gewöhnliche Bürger auf kommunaler Ebene üben zusätzlichen Druck auf ehemalige Muslime aus, zum Islam zurückzukehren.
  • Muslimische Führer sprechen sich gegen die Hinwendung von Aserbaidschanern zum christlichen Glauben aus. Auch auf kommunaler Ebene besteht ein Zusammenhang zwischen Regierungsbeamten und Druck durch Muslime. Oftmals sind sich aktive Muslime und lokale Beamte gegenseitig bekannt. Deshalb ist der Druck auf Christen mit muslimischem Hintergrund auf kommunaler Ebene stärker als auf der staatlichen, wo Beamte sich als säkular bezeichnen.

4. Hintergrund

Aserbaidschan grenzt an Russland, Georgien, Armenien, die Türkei und den Iran. Das Land ist offiziell ein säkularer Staat. Die Mehrheit der Bevölkerung ist muslimisch. Aserbaidschan ist einzigartig unter den ehemaligen Sowjetrepubliken mit einer großen Mehrheit von Schiiten (85 % der Muslime des Landes) und einer kleinen Minderheit von sunnitischen Muslimen. Die Regierung hat eine negative Haltung gegenüber jeder Form von religiösem „Fanatismus“. Dies gilt auch für die Haltung gegenüber Christen. Der radikale Islam wird als destabilisierender Faktor wahrgenommen.

Die Regierung von Aserbaidschan verwendet viel Mühe darauf, das Land nach außen hin in positivem Licht zu präsentieren. Bei internationalen Treffen zeigen Vertreter Aserbaidschans Propaganda über „das Land der Toleranz“. Kritische Organisationen werden angesprochen, ihre Berichterstattung zu korrigieren. Ausländische Institutionen werden eingeladen, nach Aserbaidschan zu kommen, um sich selbst davon zu überzeugen, wie gut alles ist. Diese Menschen können jedoch nur sorgfältig ausgewählte Aserbaidschaner treffen, die ihnen sagen, dass alles in Ordnung ist und es keine Verfolgung gibt. Gleichzeitig berichten internationale Menschenrechts- und Presseorganisationen weiterhin, dass in Aserbaidschan nach wie vor jede Form von unabhängigem und kritischem Verhalten rücksichtslos geahndet wird.

Aserbaidschan hat eine sehr effektive Taktik zur Kontrolle von Religion: Alle sechs bis sieben Jahre müssen alle religiösen Gruppen eine Neuregistrierung beantragen. Es kann kaum als Zufall bezeichnet werden, dass es jedes Mal weniger Kirchen gelingt, eine Registrierung zu erhalten.

5. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gruppen geben das Evangelium nicht an Aserbaidschaner weiter und können ihren Glauben daher ohne allzu große staatliche Eingriffe leben. Sie werden auch dazu benutzt, die Propaganda des Regimes zu bestätigen, dass Aserbaidschan das „Land der Toleranz“ ist.

Christen muslimischer Herkunft

Ehemalige Muslime tragen die Hauptlast der Verfolgung in Aserbaidschan. Neben den Einschränkungen des Staates stehen sie auch unter starkem Druck von Familie, Freunden und sozialem Umfeld. Die letztgenannten sind für sie bei weitem die mächtigeren Einflüsse.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese Gruppen stehen ganz oben auf der Agenda der Regierung. Sie wurden von Spionen infiltriert und ihre Aktivitäten werden ständig überwacht. Pastoren und Gemeindeleiter sind verpflichtet, sich regelmäßig bei der Polizei zu melden. Aufgrund der wiederholten Zyklen zur obligatorischen Neuregistrierung alle sechs bis sieben Jahre gibt es immer weniger Gemeinden dieser Art.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 13.2
Familienleben 9.9
Gesellschaftliches Leben 9.3
Leben im Staat 11.1
Kirchliches Leben 12.4
Auftreten von Gewalt 1.5

Grafik: Verfolgungsmuster Aserbaidschan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist sehr hoch (11,2 Punkte). Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr (11,0) einen Anstieg um 0,2 Punkte. Der Anstieg erfolgte vor allem im Privat- und Familienleben, ein Hinweis darauf, dass der Druck der muslimischen Gemeinschaft zugenommen hat. Die Indikatoren für den Einfluss des Staates („Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“) sind unverändert geblieben.
  • Der Lebensbereich mit dem höchsten Druck ist das Privatleben. Dies spiegelt die Intensität des Drucks auf Christen muslimischer Herkunft wider.
  • Der Wert für Gewalt ist gering und sinkt von 2,4 Punkten im vergangenen Berichtszeitraum auf 1,5 Punkte im Weltverfolgungsindex 2019. Nur wenige Menschen wagen es, ihre Meinung zu äußern, und so werden aus Aserbaidschan nur sehr wenige gewalttätige Vorfälle gemeldet.

Privatleben

Glaubenswechsel stoßen auf Widerstand von Familie, Freunden und sozialem Umfeld. Christen muslimischer Herkunft müssen vorsichtig sein, wenn sie beten oder Gottesdienst feiern, da sie von ihrer Umgebung ständig überwacht werden. Da der Staat die Verwendung religiöser Schriften im Land mehr oder weniger verbietet, wird der Besitz dieser Materialien zu Problemen führen, wenn sie entdeckt werden. Es ist für christliche Konvertiten riskant, zu zeigen, dass sie Christen sind, da dies entweder vom Staat oder von Familie und Umfeld unerwünschte Aufmerksamkeit erregt. Mit Familienmitgliedern oder einem größeren Personenkreis über den Glauben zu sprechen, ist ein Risikofaktor. Dies gilt ebenfalls vor allem für ehemalige Muslime, aber auch protestantische Christen müssen vorsichtig sein, damit ihre Worte nicht als Evangelisation angesehen werden. Die Familie oder Gemeinschaft kann einen Christen mit muslimischem Hintergrund unter Hausarrest stellen, um den Druck auf ihn zu erhöhen, zum Islam zurückzukehren. In einigen Fällen wird auch körperliche Gewalt angewendet.

Familienleben

Lokale Behörden können die Registrierung von Geburt, Hochzeit und Tod von Christen muslimischer Herkunft behindern, weil sie enge Verbindungen zur örtlichen muslimischen Gemeinschaft haben. Taufen sind immer mit Evangelisation und Bekehrung verbunden und gegen beides gehen der Staat und das soziale Umfeld vor. Der Staat hindert christliche Familien daran, Pflegekinder aufzunehmen. In Aserbaidschan gibt es keinen Religionsunterricht. Alle Erziehung ist streng säkular. Eltern können ihren Glauben nur zu Hause mit ihren Kindern teilen, aber es gibt keine Materialien, die legal erhältlich wären. Trotz der Tatsache, dass Aserbaidschan säkular ist, ist Islamunterricht Teil des Lehrplans, an dem alle Schüler teilnehmen müssen. Christliche Kinder wurden von der Gemeinschaft verleumdet, die auch ihr Bestes tut, um muslimische Kinder davon abzuhalten, mit christlichen Kindern in Kontakt zu treten. Wenn bekannt wird, dass sich jemand entschieden hat, Jesus Christus nachzufolgen, kann es vorkommen, dass die Familie den Christen unter Hausarrest stellt. Wenn eine Person den christlichen Glauben annimmt, werden Familie, Freunde und soziales Umfeld Druck auf den Ehepartner ausüben, sich scheiden zu lassen.

Gesellschaftliches Leben

Christen mit muslimischem Hintergrund werden von Familie, Freunden und sozialem Umfeld (einschließlich des lokalen Imams) bedroht, und der Staat droht nicht registrierten Gläubigen fortwährend. Christliche Konvertiten werden von ihrem Umfeld überwacht und können gezwungen werden, an islamischen Zeremonien und Feiern teilzunehmen. Der Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus ihrer Gemeinschaft, ihren neuen Glauben zu widerrufen, ist in der Regel sehr stark. Vor allem in ländlichen Gebieten werden verschiedene Taktiken angewendet, wie z. B. Schläge, Hausarrest, Zwangsehen und Ausgrenzung. Auf lokaler Ebene können Kinder von ehemaligen Muslimen in ihrer Ausbildung benachteiligt werden. Protestanten werden bei der Betreibung von Geschäften erheblich behindert. Die Verhängung von Bußgeldern ist bei protestantischen Kirchen weit verbreitet. Dies ist die bevorzugte Verfolgungsmethode, mit der die Behörden gegen diese Kirchen vorgehen, bevor sie zu schwereren Formen der Bestrafung (Razzien, Inhaftierungen, Schließung von Kirchen) übergehen. Von Zeit zu Zeit wurden Christen für eine Befragung zur Polizeistation gerufen.

Leben im Staat

Die Verfassung sieht Religionsfreiheit vor, andere Gesetze und Richtlinien schränken diese jedoch in der Praxis ein, insbesondere für Mitglieder einiger religiöser Minderheiten. Die Religionszugehörigkeit wird nicht in offiziellen Dokumenten wie Reisepässen und Personalausweisen festgehalten. Obwohl Christen in der Regel ohne allzu viele Hindernisse ins Ausland reisen können, werden die Repräsentanten für internationale Konferenzen sorgfältig ausgewählt – sie müssen Aserbaidschan als „Land der Toleranz“ präsentieren. Christen werden im Umgang mit Behörden auf allen Ebenen nicht fair behandelt. Wenn bekannt ist, dass eine Person Christ ist, wird sie große Schwierigkeiten haben, einen Arbeitsplatz zu finden, ganz zu schweigen von einer staatlichen Stelle. Die Ansichten eines Christen in der Öffentlichkeit werden wahrscheinlich von der Regierung und der umgebenden islamischen Gesellschaft als „fremd“ und potenziell destabilisierend wahrgenommen. Behörden, die Christen verfolgen, tun dies mit völliger Straffreiheit. Da die aserbaidschanische Justiz nicht unabhängig von der Regierung ist, können Christen keinen fairen Prozess erwarten.

Kirchliches Leben

Aserbaidschan hat eine Methode gefunden, um Kirchen loszuwerden: einfach eine neue Runde der obligatorischen Wiederregistrierungen starten. Immer weniger Kirchen bestehen diese Prüfung. Der Staat überwacht alle religiösen Aktivitäten und hat insbesondere nichtregistrierte Gruppen im Visier. Während sich registrierte Kirchen in ihren Gebäuden treffen können, ist für die Organisation von Veranstaltungen außerhalb dieser Gebäude eine besondere Genehmigung erforderlich. Die Jugendarbeit ist sehr eingeschränkt und alle christlichen Schriften müssen vom Ausschuss für religiöse Angelegenheiten vorab freigegeben werden. In der Praxis bedeutet dies, dass der gesamte Import, Druck und die Verteilung blockiert ist. Ausbildungseinrichtungen für Christen gibt es nicht. Alle Medien sind staatlich kontrolliert und daher für Christen nicht zugänglich. Christen können etwas Sozialarbeit leisten – z. B. in Gefängnissen, in denen es meist eine Kapelle gibt. Nach dem Gesetz ist es Ausländern nicht erlaubt, im Land zu predigen.

Auftreten von Gewalt

Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2019 wurden einige Mitglieder nichtregistrierter Kirchen ohne Prozess festgehalten und verhört, weil sie sich zum Gottesdienst als nichtregistrierte Kirche versammelt hatten. Mindestens 17 Christen wurden von der Polizei bei Razzien in Kirchen oder im Fall von Christen mit muslimischem Hintergrund durch die Familie körperlich drangsaliert.

Eine Übersicht über die wichtigsten Vorfälle finden sich in der „Zusammenfassung“.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Christliche Mädchen und Frauen mit muslimischem Hintergrund sind einem größeren Risiko ausgesetzt, körperliche und verbale Gewalt, Belästigungen, Drohungen, Hausarrest, Diskriminierung und Ablehnung durch Familie und die muslimische Gemeinschaft zu erleben als andere Christinnen. Für Christen anderer Kategorien gibt es keinen Unterschied in der Verfolgung von Männern und Frauen.

In Aserbaidschan basiert das tägliche Leben der einheimischen Bevölkerung auf der islamischen Kultur, in der Frauen im Vergleich zu Männern eine minderwertigere Stellung haben. Von Frauen wird erwartet, dass sie sich ihren Eltern und, wenn sie verheiratet sind, ihren Ehemännern vollständig unterordnen. Aserbaidschan ist auch ein Kaukasusland, in dem Familientraditionen und -regeln streng sind und Ungehorsam gegenüber älteren Familienmitgliedern nicht akzeptabel ist. Dies macht Christinnen mit muslimischem Hintergrund anfälliger für Verfolgung – sowohl als Christen als auch als Frauen, die die bestehende Ordnung in Frage stellen.

Männer

Christliche Männer muslimischer Herkunft sind einem größeren Risiko ausgesetzt, körperliche und verbale Gewalt, Belästigungen, Drohungen, Diskriminierung und Ablehnung durch die Familie und die muslimische Gemeinschaft zu erleben als andere Christen. Männer sind in der Regel das Oberhaupt ihrer Familie und die Hauptverdiener. Wenn ein Christ zur Zielscheibe von Verfolgung (etwa durch Verlust seines Arbeitsplatzes) wird, leidet seine ganze Familie darunter. Wenn er Kirchenleiter ist, die in der Regel Männer sind, wird die Tatsache, dass er Verfolgung erleidet, seine Gemeinde beeinträchtigen und kann zu zunehmender Angst unter den Gemeindegliedern führen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Aserbaidschan schränkt die Religions- und Glaubensfreiheit ein, die mit Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit verknüpft ist. Beamte verhalten sich so, als ob die Rechtsstaatlichkeit, einschließlich der veröffentlichten Gesetze, ihr Handeln nicht einschränkt – zum Beispiel bei der Misshandlung von Personen. Gerichtsverfahren aufgrund angeblicher Straftaten sind oft eklatant mangelhaft, auch finden Gerichtsverhandlungen statt, ohne dass die Angeklagten davon in Kenntnis gesetzt werden. Die Amtsträger erlauben keine rechtlich oder politisch verbindlichen internationalen Menschenrechtsstandards (zu denen Aserbaidschan eine Vertragspartei ist), durch die ihr Handeln eingeschränkt würde. Aserbaidschan hat ein komplexes Labyrinth von „legalen“ Einschränkungen aller Freiheitsrechte aufgebaut, das größtenteils im Geheimen ohne öffentliche Beratung vorbereitet und durch das Parlament geschleust wurde. Ziel scheint es zu sein, alle Aktivitäten in der Gesellschaft staatlich zu kontrollieren und die Ausübung der Menschenrechte von staatlicher Erlaubnis abhängig zu machen. Wie die Menschenrechtsorganisation Forum 18 in einem Bericht vom November 2018 schreibt, hat jede maßgebliche Änderung des Religionsgesetzes, des Strafgesetzbuches und des Verwaltungsgesetzbuches die Religions- und Glaubensfreiheit und andere Freiheiten stärker eingeschränkt. Es gibt keinen Fokus auf eine bestimmte religiöse Gruppe – alle (sunnitischen) Muslime, Christen, Zeugen Jehovas, Juden, Bahai usw. leiden unter einem hohen Maß an staatlicher Überwachung und Unterdrückung.

Beispiele:

  • Laut Berichten wurde ein Muslim im Februar 2018 wegen des Verkaufs von Büchern und Broschüren in einer Moschee im nördlichen Zaqatala-Distrikt bestraft, weil keines davon die Zwangszensur des Staates durchlaufen hatte.
  • Ein anderer Bericht beschreibt, dass die Polizei im April 2018 eine Moschee in einem Wohnhaus im Bezirk Qaradag von Baku durchsuchte und eine große Menge religiöser Literatur beschlagnahmte, die angeblich „Unfrieden stiften“ würde. Beamte befahlen dann die Schließung der Moschee.
  • Im August 2018 wurde laut eines weiteren Berichts ein 18-jähriger Zeuge Jehovas von einem Amtsgericht zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt, weil er den Wehrdienst aus Gewissensgründen verweigert hatte.  
  • Laut Berichten wurden drei Muslime im September 2018 nach einer Hausdurchsuchung verhaftet und wegen religiöser Versammlung in einem Privathaushalt in Agsu bestraft. 

9. Ausblick

Der politische Ausblick

Im April 2018 sicherte sich Präsident Alijew eine vierte Amtszeit, während die Opposition die Wahlen boykottierte. Aufgrund des hohen Ausmaßes an staatlicher Kontrolle und der Schwäche der Opposition besteht in naher Zukunft kaum eine Chance auf einen Regierungswechsel.

Der Ausblick für Christen

Mit Hinblick auf Diktatorische Paranoia: Die derzeitige Regierung übt ein sehr hohes Maß an Kontrolle über das Land aus. Regierungsbeamte auf allen Ebenen sind die stärksten Verfolger von Christen in Aserbaidschan und haben alle Kirchen infiltriert. Pastoren und andere Gemeindeleiter werden regelmäßig zur Polizeistation gebeten, um „eine Tasse Tee zu trinken“. Alle religiösen Aktivitäten werden überwacht, Treffen durchsucht und die Verbreitung religiöser Inhalte verhindert. Die Chancen, dass sich diese Situation in naher Zukunft ändert, sind tatsächlich sehr gering.

Mit Hinblick auf Islamische Unterdrückung: Der Islam ist nicht die Staatsreligion in Aserbaidschan, aber er ist die traditionelle Religion der großen Mehrheit der Bevölkerung, wobei die meisten Aserbaidschaner Schiiten sind. Der Druck auf Christen muslimischer Herkunft zeigt sich im weitreichenden Einfluss von Familie, Freunden und sozialem Umfeld. Die Chancen, dass sich das in naher Zukunft ändern wird, sind ebenfalls so gut wie nicht vorhanden.

Schlussfolgerung

Aufgrund der sehr hohen Stabilität der beiden stärksten Triebkräfte der Verfolgung in Aserbaidschan wird sich die Kirche in diesem Land darauf einstellen müssen, unter anhaltender und erheblicher Überwachung und Druck zu leben.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Aserbaidschan:

  • Beten Sie für die kleinen Kirchen in Aserbaidschan, da die Kirchenmitglieder aufgrund ihres Glaubens unter polizeilichem Druck stehen. Es ist für Christen meist schwieriger, in kleinen Dörfern zu wirken als in den größeren Städten, wo es mehr Anonymität gibt.
  • Viele Christen haben ihren Arbeitsplatz verloren, weil sie sich entschieden haben, Jesus Christus nachzufolgen. Bitte beten Sie dafür, dass sie wieder Geld verdienen können.
  • Beten Sie, dass die Gemeinde mehr Freiheit für Gottesdienste und Versammlungen erfährt.

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