Länderprofil Kasachstan

Kasachstan

47
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Kasachstan
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Präsidialrepublik
Platz Vorjahr
41
Karte Kasachstan
Christen
4,85
Bevölkerung
18.96
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 13.400
Familienleben: 11.600
Gesellschaftliches Leben: 11.100
Leben im Staat: 12.600
Kirchliches Leben: 13.500
Auftreten von Gewalt: 1.700

Länderprofil Kasachstan

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 47 / 64 Punkte (WVI 2021: Platz 41 / 64 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Die Religionsfreiheit wird durch ein im September 2011 eingeführtes Gesetz eingeschränkt. Unter dem Vorwand der Bedrohung durch den militanten Islam kontrolliert die kasachische Regierung streng die Gesellschaft, etwa durch verstärkte Überwachung, Razzien bei Versammlungen und Verhaftungen. Russisch-orthodoxe Kirchen bekommen vonseiten der Regierung am wenigsten Probleme, da sie normalerweise nicht versuchen, Kontakte zur kasachischen Bevölkerung aufzubauen. Die einheimischen Christen mit muslimischem Hintergrund tragen die Hauptlast der Verfolgung durch den Staat, die Familie und das soziale Umfeld.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Die ehemalige Sowjetrepublik Kasachstan erlangte 1991 seine Unabhängigkeit und ist das reichste Land der Region. Seit 2010 ist die Regierung diktatorischer geworden und zeichnet sich durch eine repressive Politik ohne echte Opposition und durch eine strenge Kontrolle der Medien aus. Seit der Machtübernahme durch Präsident Toqajew im Jahr 2019 hat sich die Lage nicht verbessert.

Die Hauptreligion ist der sunnitische Islam. Von Kasachen wird erwartet, dass sie Muslime sind. Deshalb gestaltet sich das Leben für Christen muslimischer Herkunft schwierig, besonders in ländlichen Gebieten. Es wäre jedoch falsch, Kasachstan als muslimisches Land zu bezeichnen. Die meisten Kasachen folgen eher den Traditionen als den Lehren des Islam, und 70 Jahre sowjetischer Atheismus haben ihre Spuren hinterlassen: Die Regierung ist strikt säkular. Eine große russische Minderheit im Norden ist der Grund dafür, dass im Vergleich zu anderen zentralasiatischen Ländern in Kasachstan die größte Anzahl von Christen leben und dass mehr als 90 Prozent aller Christen im Land der Russisch-Orthodoxen Kirche (ROK) angehören.

Die im September 2011 eingeführte Gesetzgebung zu religiösen Angelegenheiten sieht unter anderem vor, dass sich Religionsgemeinschaften neu registrieren müssen, dass nichtregistrierte religiöse Aktivitäten verboten sind, dass die Herstellung und Verbreitung von religiösem Material im Land eingeschränkt ist und dass religiöse Aktivitäten für Kinder, wie etwa Sommerlager, verboten sind. Die Behörden führen Razzien in Gottesdiensten durch, bestrafen Reden, die „religiösen Unfrieden stiften“, und nehmen Personen wegen „illegaler Missionstätigkeit“ fest. Seit 2019 wird das Recht auf Religionsfreiheit mehr respektiert – vorgeschlagene Änderungen, die eine Verschärfung des Gesetzes von 2011 bedeutet hätten, gab die Regierung auf; ein runder Tisch zur Religionsfreiheit, zu dem auch Minderheiten eingeladen wurden, wurde eingerichtet; und die Zahl der Strafverfolgungen wegen religiöser Vergehen ist rückläufig.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

4.847.000

25,6

Muslime

13.477.000

71,1

Atheisten

75.600

0,4

Agnostiker

479.000

2,5

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Zu Rechtsverletzungen gegenüber christlichen Gemeinden durch Regierungsbeamte kommt es überall im Land. Der Druck aus dem muslimischen Umfeld auf christliche Konvertiten ist außerhalb der Großstädte größer.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Diktatorische Paranoia

Nur staatlich kontrollierte religiöse Institutionen sind erlaubt. Die Behörden führen Razzien durch und verhaften Mitglieder nichtregistrierter religiöser Gruppen. Davon betroffen sind insbesondere protestantische Christen, da sie als fremder Einfluss betrachtet werden, der darauf abzielt, das aktuelle politische System zu zerstören.

Islamische Unterdrückung vermischt mit Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

Muslime, die den christlichen Glauben annehmen, sind häufig dem Druck und manchmal der Gewalt ihrer Familien und ihres sozialen Umfelds ausgesetzt. Sie können unter Hausarrest gestellt oder aus ihren Wohnungen vertrieben werden. Kasachische Führungspersönlichkeiten und Behörden betrachten die Hinwendung zum christlichen Glauben als einen Angriff auf die kasachische Identität. Daher halten viele Christen muslimischer Herkunft ihren Glauben geheim.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Die ROK genießt relative Freiheit, da ihre Gemeinden das Evangelium nicht an Kasachen weitergeben und daher nicht als Bedrohung angesehen werden. Darüber hinaus hat die Regierung Kasachstans kein Interesse daran, durch ein Vorgehen gegen die ROK Russland zu provozieren.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Die Regierung legt Konvertiten muslimischer Herkunft Einschränkungen auf und die Familien und das soziale Umfeld üben starken Druck auf sie aus.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Baptistische, evangelikale und pfingstkirchliche Christen sind nicht registriert und die Behörden belegen sie mit Razzien, Drohungen, Inhaftierungen und Geldstrafen, besonders wenn sie das Evangelium weitergeben.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 13.4
Familienleben 11.6
Gesellschaftliches Leben 11.1
Leben im Staat 12.6
Kirchliches Leben 13.5
Auftreten von Gewalt 1.7

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Die Hinwendung zum christlichen Glauben wird als Verrat gegenüber der Familie und der kasachischen Kultur gesehen. In ländlichen Gebieten können Christen muslimischer Herkunft körperliche Gewalt erleiden. Daher sprechen sie nicht über ihren neuen Glauben; und sie verstecken christliche Materialien, die als Beweis für ihren Glaubenswechsel gegen sie verwendet werden könnten. Christen aus protestantischen Freikirchen können leicht von den staatlichen Behörden beschuldigt werden, Evangelisation zu betreiben.

Familienleben

Kinder von Christen werden aufgrund des Glaubens ihrer Eltern diskriminiert, und muslimische Kinder werden oft dazu angehalten, sich nicht mit ihnen zu treffen. Sie werden wahrscheinlich unter Druck gesetzt, gegen den Willen ihrer Eltern am Islamunterricht teilzunehmen. Regelmäßig veranstalten die Schulen staatlich finanzierte öffentliche Zusammenkünfte zur Bekämpfung von „Sekten“. Dabei wird Propaganda gegen religiöse Minderheiten verbreitet, einschließlich evangelikaler Christen. Offiziell ist die Teilnahme an diesen Veranstaltungen freiwillig, allerdings werden alle Kinder nachdrücklich zur Teilnahme aufgefordert. Die Adoption von kasachischen Kindern ist für christliche Familien verboten.

Gesellschaftliches Leben

Christen muslimischer Herkunft werden von ihrer Familie oder ihrem sozialen Umfeld überwacht, verhört und bedroht. Die Behörden vor Ort überwachen nichtregistrierte Kirchen und führen Razzien durch. Ihre Mitglieder werden gegebenenfalls wegen illegaler religiöser Aktivitäten bedroht, mit Geldstrafen belegt oder inhaftiert. Wenn Christen einmal im Strafregister verzeichnet sind, müssen sie sich regelmäßig bei der Polizei melden.

Leben im Staat

Die Verfassung erkennt den staatlich unterstützten Muslimrat und die ROK an – alle anderen Religionsgemeinschaften müssen sich gemäß dem Gesetz von 2011 neu registrieren lassen. Die Prozedur zur Registrierung ist kompliziert und schränkt für nichttraditionelle religiöse Organisationen die Möglichkeiten ein, auf einer offiziellen Grundlage zu arbeiten.

Kirchliches Leben

Religiöse Schulen und Nichtregierungsorganisationen sind nicht zugelassen. Jegliche soziale Arbeit von Christen wird als eine Form von Missionierung angesehen und bekämpft. Der Druck und die Verteilung von religiöser Literatur sind eingeschränkt.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  • 31 Christen und Christinnen muslimischer Herkunft wurden von ihren muslimischen Verwandten und ihrem sozialen Umfeld schikaniert, beispielsweise durch körperliche und psychische Gewalt. Die meisten von ihnen leben in ländlichen Gebieten.
  • Mindestens ein Haus eines Pastors wurde bei einer Razzia durch Beamte im Januar 2021 beschädigt.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

47

63,90

2021

41

64,09

2020

35

63,53

2019

34

63,23

2018

28

62,58

Mit 64 Punkten erreicht Kasachstan die gleiche Punktzahl wie im Vorjahr. An der Verfolgungssituation für Christen hat sich so gut wie nichts geändert. Der Druck in den Bereichen des privaten und kirchlichen Lebens ist sehr hoch. Dies sind Hinweise auf die beiden dominierenden Triebkräfte der Verfolgung in Kasachstan: islamische Unterdrückung und diktatorische Paranoia. Muslimische Familien, Freunde und Dorfbewohner üben vor allem auf Christen muslimischer Herkunft Druck aus, während die Regierung den Kirchen viele Einschränkungen auferlegt.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Nach kasachischem Gesetz sind Männer und Frauen gleichberechtigt. In der Praxis überwiegen jedoch traditionelle Ansichten, welche die Frauen als dem Mann untergeordnet betrachten. Es gibt nur wenige wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt, Polygamie, Kinder- und Zwangsehen, Brautentführungen und der weitverbreiteten häuslichen Gewalt. Christinnen muslimischer Herkunft sind in höherem Maße körperlichen und verbalen Misshandlungen, Belästigungen, Drohungen und Hausarrest ausgesetzt. Die Zwangsverheiratung mit einem Muslim ist keine Seltenheit und wird manchmal nach einer Entführung durchgeführt. Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit und der begrenzten finanziellen Unabhängigkeit ist es für Frauen schwierig, dem Druck und der Verfolgung zu entkommen.

Männer: Männer haben in der Regel mehr Verantwortung im öffentlichen Bereich. Die religiöse Verfolgung, die Männer erfahren, spiegelt diese soziokulturelle Struktur wider. Sie riskieren Verhöre, Bußgelder, Festnahmen und Haftstrafen. Der Militärdienst ist für junge Männer obligatorisch und ist ein zusätzliches potenzielles Risiko, in einem Staat mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit stark kontrolliert zu werden. Christen muslimischer Herkunft sind Druck durch ihre Familien ausgesetzt und erleben in der Regel verbale Belästigungen und Schläge. Auch der Verlust des Arbeitsplatzes ist ein Risiko für Christen muslimischer Herkunft und Gemeindeleiter, weil sich dies wiederum auf ihre Familien auswirkt.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Der kasachischen Verfassung nach ist Kasachstan ein säkularer Staat. Die Behörden schränken nichttraditionelle religiöse Gruppen ein, darunter auch Muslime, die einer anderen Richtung des Islam folgen als der offiziell anerkannten Hanafi-Schule des sunnitischen Islam.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Kasachstan:

  • Um Versorgung für diejenigen, die für christliche Aktivitäten wie die Verbreitung von christlichem Material mit Geldstrafen belegt wurden.
  • Dass der Glaube unserer verfolgten Brüder und Schwestern nicht erschüttert wird, sondern stark bleibt.
  • Dass die kasachischen Behörden die guten Absichten der Christen erkennen und ihnen mehr Freiheit geben, ihren Glauben auszuleben.