Länderprofil Russische Föderation

Russische Föderation

41
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Russland
Hauptreligion
Christentum
Offizielle Staatsform
Präsidialrepublik
ISO
RU
Karte Russische Föderation
Christen
118,13
Bevölkerung
143.97
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Konfessioneller Protektionismus
Privatleben: 12.500
Familienleben: 8.400
Gesellschaftliches Leben: 10.700
Leben im Staat: 10.400
Kirchliches Leben: 12.000
Auftreten von Gewalt: 5.700

Länderprofil Russische Föderation

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 41 / 60 Punkte (WVI 2018: Platz 99 / Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Islamische Unterdrückung: Im Kaukasus kämpfen islamische Milizen gegen das russische Militär, um ein muslimisches Emirat zu errichten. Der Islam gewinnt auch in Tatarstan immer mehr an Einfluss und bedroht das kirchliche Leben.

Diktatorische Paranoia: Die Gesetzgebung in der Russischen Föderation wird ständig angepasst und um weitere Einschränkungen ergänzt. Die Regierung begünstigt weiterhin die Russisch-Orthodoxe Kirche zulasten anderer christlicher Gruppen.

Konfessioneller Protektionismus: Wenn nichtorthodoxe Denominationen ihren Glauben weitergeben wollen, wird das mit Misstrauen beobachtet. Diese christlichen Gruppen werden als fremd in Russland angesehen.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Die Christenverfolgung geht in der Russischen Föderation hauptsächlich vom muslimischen Umfeld aus. Familie und Freunde von Christen muslimischer Herkunft, das weitere soziale Umfeld und muslimische Lehrer lehnen die Evangelisation unter Muslimen gerade in Regionen mit muslimischer Mehrheit ab (d. h. im Nordkaukasus und dem Gebiet um die Stadt Kasan in Zentralrussland). Auch Regierungsbeamte üben Druck auf Christen aus, vor allem durch die Einführung und Durchsetzung von einschränkenden Gesetzen.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Viele ethnische Russen aus den Republiken Dagestan, Tschetschenien, Kabardino-Balkarien und Karatschai-Tscherkessien verließen wegen der Kämpfe ihr Zuhause. Die Mitgliederzahlen der Kirchen sanken dementsprechend. Russisch-orthodoxe Kirchen bekommen vonseiten der Regierung die wenigsten Probleme. Nichtregistrierte Kirchen, die das Evangelium aktiv weitergeben, können mit Hindernissen wie Überwachung und Verhören rechnen. Die einheimischen Christen muslimischer Herkunft in den mehrheitlich muslimischen Regionen sind am stärksten von Verfolgung betroffen, durch Familie, Freunde und Gesellschaft. In einigen Gebieten müssen sie ihren Glauben aus Angst, getötet zu werden, geheim halten.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Am 18. Februar 2018 griff ein militanter Muslim eine Gruppe russisch-orthodoxer Christen in Kizlyar (Dagestan) an. Fünf Christinnen wurden getötet und weitere fünf verletzt. Der „Islamische Staat“ (IS) bekannte sich in einer von Amaq (der Nachrichtenagentur der Gruppe) veröffentlichten Meldung zu dem Anschlag. Die Meldung gab keine Belege an, um diese Behauptung zu untermauern.
  • Am 20. Mai 2018 griffen militante Muslime die russisch-orthodoxe Erzengel-Michael-Kirche in Grosny (Tschetschenien) an und töteten einen Christen. Der Priester der Kirche, Pater Sergiy, sagte, die Gottesdienstbesucher hätten Schüsse von außerhalb und Allahu-Akbar-Rufe gehört.
  • Die Strafverfolgungsbehörden erhöhen den Druck auf die Protestanten in der Region Nischni Nowgorod. Sie nutzen sowohl die sogenannte „anti-missionarische“ Ergänzung eines Gesetzes als auch das Einwanderungsgesetz, um Kirchen und ihre Mitglieder für solche Aktivitäten wie das Einladen von Studenten zu Partys und das Veröffentlichen von Videos mit Anbetungsmusik in sozialen Netzwerken zu bestrafen. Die Richter verhängten Geldstrafen und ordneten die Abschiebung zweier afrikanischer Christen aus Russland an, die an der medizinischen Hochschule in Nischni Nowgorod studierten, weil sie in Videos auf dem sozialen Netzwerk VK zu sehen gewesen waren oder Videos dort geteilt hatten. Die zwei abgeschobenen Studenten durften bis zum Abschluss ihres letzten Examens bleiben, mussten aber zum 30. Juni 2018 das Land verlassen.

Meldungen und Beiträge zur Russischen Föderation

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Zwei christliche afrikanische Studenten wurden kürzlich zu Geldstrafen verurteilt und abgeschoben, weil sie auf Videos von Gottesdiensten im Internet zu sehen waren. Grundlage für die Anklage ist das sogenannte „Anti-Missions-Gesetz“.
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Nachrichten - Russland - 06_10_2016
Russische Föderation
Zweieinhalb Monate sind vergangen, seitdem am 20. Juli in Russland ein neues Religionsgesetz verabschiedet wurde. Offiziell soll es dazu dienen, durch die Überwachung extremistischer Gruppen den Terrorismus zu bekämpfen.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Zum ersten Mal seit 2011 ist die Russische Föderation wieder auf dem Weltverfolgungsindex (WVI). Mit 60 Punkten belegt das Land Platz 41. Im Vorjahr war die Wertung um 9 Punkte geringer und das Land damit nicht unter den 50 Ländern, in denen Christen am stärksten verfolgt werden, sondern als „Land unter Beobachtung“ gelistet.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Im Kaukasus ist dies die wichtigste Triebkraft der Verfolgung. In den verschiedenen Republiken in den nördlichen Ausläufern des Kaukasus (Dagestan, Tschetschenien, Inguschetien, Kabardino-Balkarien und Karatschai-Tscherkessien) kämpfen militante Muslime gegen das russische Militär, um ein muslimisches Emirat zu errichten. Viele ethnische Russen haben die Region aufgrund der Gewalt verlassen. Die Mitgliederzahlen der Kirchen sanken ebenso. Christen muslimischer Herkunft müssen ihren Glauben aus Angst, getötet zu werden, geheim halten. Auch in Tatarstan (dessen Hauptstadt Kasan an der Wolga ist) ist diese Triebkraft wirksam. In dieser Region, etwa 800 Kilometer östlich von Moskau, wächst der Einfluss des Islam.

Diktatorische Paranoia

Die Gesetzgebung in der Russischen Föderation wird ständig angepasst und um weitere Einschränkungen ergänzt. Die Regierung begünstigt weiterhin die Russisch-Orthodoxe Kirche zulasten anderer christlicher Gruppen.

Konfessioneller Protektionismus

Die Russisch-Orthodoxe Kirche wird als genuin russisch angesehen; wohingegen der römisch-katholische und besonders der protestantische Glaube als westlich und fremd gelten. Straßenevangelisation von nichtorthodoxen Konfessionen ist nicht willkommen. Besonders nichttraditionelle christliche Gemeinschaften gerieten wegen sogenannten „Schafestehlens“ (des Abwerbens von Mitgliedern der orthodoxen Kirche) und „falscher Lehre“ ins Visier der Russisch-Orthodoxen Kirche.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Anführer ethnischer Gruppen: Es gibt eine enge Verbindung zwischen Religion und Nationalismus in den muslimisch geprägten Regionen Russlands; die Annahme des christlichen Glaubens wird ernsthaft bekämpft.
  • Muslimische religiöse Leiter gehen ebenso gegen Konversion zum christlichen Glauben vor.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Diese tritt insbesondere in den muslimisch geprägten Gebieten (Nordkaukasus und an der mittleren Wolga) als Verfolger auf, wobei vor allem Konvertiten zum christlichen Glauben betroffen sind.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Staatliche Vertreter auf verschiedenen Ebenen überwachen bestimmte christliche Gruppen und erlegen Restriktionen auf. Die Gesetzgebung in der Russischen Föderation wird ständig angepasst und um weitere Einschränkungen ergänzt.
  • Bürger in ganz Russland begegnen offen evangelistischen Aktivitäten protestantischer Christen mit Widerstand.
  • Politische Parteien: Obwohl die Russische Föderation ein (gewähltes) Parlament hat, wird sie völlig von der Partei Einiges Russland von Präsident Putin beherrscht. Ihre Vertreter verschärfen die existierenden Gesetze und ergänzen diese um neue Restriktionen.

Ausgehend von Konfessionellem Protektionismus

  • Christliche religiöse Leiter: Die Russisch-Orthodoxe Kirche hat eine negative Einstellung gegenüber anderen Denominationen und beschuldigt sie des „Schafestehlens“. Jedoch hat sie nicht den Status einer Staatskirche.
  • Gewöhnliche Bürger: Bisweilen ermutigen orthodoxe Priester die Bürger, gegen Protestanten vorzugehen.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Russisch-orthodoxe Christen begegnen einer Hinwendung zum protestantischen Glauben mit Widerstand.
  • Politische Parteien: Die Russisch-Orthodoxe Kirche hat eine besondere Stellung bei den Politikern in der Russischen Föderation.

4. Hintergrund

Die Russische Föderation ist flächenmäßig das größte Land der Erde. Sie umfasst von Europa im Westen bis hin zur Beringstraße im Osten elf Zeitzonen. Nach fast 80 Jahren unter kommunistischer Ideologie ist sie heute ein säkulares Land, in dem Religion eine vergleichsweise kleine Rolle spielt.

Der Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 wird zunehmend als immenser Schlag gegen das russische Prestige gesehen. Die Russische Föderation versucht ihre frühere Position als Weltmacht wieder einzunehmen. Um den Einfluss über ehemalige „Kolonien“ im Kaukasus und in Zentralasien wiederzugewinnen, nutzt das Land verschiedene Taktiken. Beispiele dafür sind die wirtschaftliche Unterstützung der ärmsten Ländern Zentralasiens (Kirgisistan und Tadschikistan) und im Kaukasus (Armenien); militärische Unterstützung von Tadschikistan; spezielle Öl- und Gasabkommen mit Weißrussland und der Ukraine; der russisch-nationalistische Einfluss in Moldawien, der Ukraine und Kasachstan; Militärmanöver im Kaukasus und der Abschluss verschiedener Abkommen mit China, um die eigene Abhängigkeit von der EU und den USA zu verringern.

Für Christen – besonders solche, die nicht der Russisch-Orthodoxen Kirche angehören – ist die Situation im Land seit der Einführung einer ganzen Reihe von Gesetzen seit 2012 immer schwieriger geworden.

5. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 verlor der Staat seinen atheistischen Eifer, und Christen wurden nicht mehr so massiv verfolgt. Häftlinge, die aufgrund ihres Glaubens im Gefängnis waren, wurden entlassen und die meisten Gemeinden, die traditionellen christlichen Kirchen angehören, konnten mehr oder weniger frei agieren. Das hatte ein Aufleben des christlichen Glaubens in Russland zur Folge, wobei der Staat die Russisch-Orthodoxe Kirche bevorzugte. (Andere christliche Denominationen erfahren größere Schwierigkeiten. Beispielsweise wird es im Vergleich mehr Energie, Mittel und Zeit erfordern, eine protestantische Kirche zu registrieren, da Christen durch den Geheimdienst auf mögliche Kontakte zum Westen überprüft werden. Wenn Beziehungen zum Westen entdeckt werden, kann der Registrierungsantrag einer protestantischen Kirche sehr wohl abgelehnt werden.)

Christen muslimischer Herkunft

Diese Christen werden am meisten von Muslimen im Kaukasus unterdrückt. In dieser Gegend sind alle Christen mit Gewalt und Druck konfrontiert, doch ehemalige Muslime tragen die Hauptlast. Christen muslimischer Herkunft aus Tschetschenien oder Dagestan beispielsweise werden als Verräter der nationalen Identität betrachtet. Der christliche Glaube wird mit den russischen Besetzern verbunden, die in dem Guerilla-Krieg bekämpft werden, der nun schon Jahrzehnte anhält. In den vergangenen Jahren mussten Dutzende Christen muslimischer Herkunft ihre Häuser verlassen und in sogenannten Zufluchtshäusern unterkommen. Es gestaltet sich als sehr schwierig für sie, nach Hause zurückzukehren.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese christlichen Gemeinschaften gerieten häufig wegen angeblichen Abwerbens von Mitgliedern ins Visier der Russisch-Orthodoxen Kirche. Jene betrachtet protestantische Gemeinschaften oft als Sekten, die falsche Lehren verbreiten. Der Staat sieht diese Gruppen als nichtrussische, westliche Spione an. In muslimischen Gegenden werden Christen häufig Ziel von Anfeindungen, da sie verdächtigt werden, das Evangelium aktiv weiterzugeben.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

 

Privatleben 12.5
Familienleben 8.4
Gesellschaftliches Leben 10.7
Leben im Staat 10.4
Kirchliches Leben 12
Auftreten von Gewalt 5.7

 

Grafik: Verfolgungsmuster Russische Föderation

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen erreicht ein hohes Maß und stieg von 9,9 Punkten im Vorjahr auf 10,8 Punkte beim WVI 2019. Der Anstieg betrifft alle Lebensbereiche außer dem Familienleben. Dies weist darauf hin, dass der Druck sowohl durch die Regierung (bezogen auf die Bereiche „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“) als auch durch die muslimische Gemeinschaft (bezogen auf die Bereiche „Privatleben“ und „Gesellschaftliches Leben“) in der Russischen Föderation gestiegen ist.
  • Der Lebensbereich mit dem größten Druck ist das Privatleben, was den sehr hohen Druck auf Christen muslimischer Herkunft widerspiegelt, der durch ihr muslimisches Umfeld ausgeübt wird.
  • Die Wertung für das Auftreten von Gewalt hat nun die Kategorie „sehr hoch“ erreicht, nachdem sie von 2,0 Punkten beim WVI 2018 auf 5,7 Punkte beim WVI 2019 gestiegen ist. Der starke Anstieg ist hauptsächlich auf zwei Anschläge gegen Christen im Nordkaukasus zurückzuführen, bei denen sechs Christen getötet und zwei Kirchengebäude zerstört wurden.

Privatleben

In Russland gibt es eine Region, in der ein sehr konservativer Islam dominiert: der Nordkaukasus. Hier ist der Druck auf alle Christen sehr hoch, besonders aber auf jene muslimischer Herkunft. Die Hinwendung zum christlichen Glauben wird stark abgelehnt. Viele Christen muslimischer Herkunft haben in den letzten Jahrzehnten diese Region verlassen, während die, die geblieben sind, extrem vorsichtig sein müssen, nicht auf ihren christlichen Glauben aufmerksam zu machen – z. B. indem sie offen christliche Symbole tragen, christliche Materialien nutzen oder christliche Medien konsumieren. Es ist sehr gefährlich, mit der Familie oder Gästen über den christlichen Glauben zu reden oder sich mit anderen Christen zu treffen. Christen werden sowohl durch den Staat (den russischen Inlandsgeheimdienst FSB) als auch – in Regionen mit muslimischer Mehrheit – durch das persönliche Umfeld überwacht. Wenn jemandes Hinwendung zum christlichen Glauben entdeckt wird, wird die Familie Druck auf diese Person ausüben, ihren neuen Glauben aufzugeben. Zunächst wird die Familie die Person einsperren und sehr starken Druck auf sie ausüben, den Glauben zu widerrufen – wenn das nicht hilft, könnte die Person sogar getötet werden.

Familienleben

Für ehemalige Muslime sind im Nordkaukasus jegliche christlichen Zeremonien (einschließlich der Taufe) unmöglich. Es gab bisher keine Probleme, Christen muslimischer Herkunft zu beerdigen. Dies liegt jedoch daran, dass das Umfeld nicht wusste, dass die Verstorbenen Christen geworden waren. Kinder gemäß dem christlichen Glauben zu erziehen ist für ehemalige Muslime im Nordkaukasus mit Schwierigkeiten verbunden, da von allen Kindern erwartet wird, den Islam kennenzulernen. Kinder von für ihren Glaubenswechsel bekannten Christen muslimischer Herkunft müssen einen Prozess der „Umerziehung“ durch die erweiterte Verwandtschaft durchlaufen, damit sie den „richtigen“ Weg, ein Tschetschene (und somit ein Muslim) zu sein, kennenlernen. Im Nordkaukasus gab es Fälle, bei denen Christen mit muslimischem Hintergrund von ihren Familien unter Hausarrest gestellt wurden, um sie dazu zu bringen, ihren neuen christlichen Glauben zu widerrufen. Ehepartner von Konvertiten zum christlichen Glauben werden unter Druck gesetzt, die Scheidung einzureichen. Auch die Kinder können Christen muslimischer Herkunft weggenommen werden. Christliche Konvertiten können zudem ihre Erbrechte verlieren.

Gesellschaftliches Leben

Im Nordkaukasus werden Christen (besonders jene muslimischer Herkunft) in Geschäften, am Arbeitsplatz, in Schulen und an Universitäten häufig mit Misstrauen behandelt. Neuere protestantische Gruppen werden durch die Behörden streng überwacht, doch im Nordkaukasus werden Christen muslimischer Herkunft noch dazu von ihren Familien kontrolliert. Ihnen droht Entführung. Sie werden als Verräter behandelt. Außerdem ist es ihnen nicht erlaubt, an gemeinschaftlichen Aktivitäten teilzunehmen. Sie sehen sich oft Problemen an ihrem Arbeitsplatz ausgesetzt. Wenn bekannt wird, dass ein Muslim den christlichen Glauben angenommen hat, werden die Familie, Freunde und das soziale Umfeld maximalen Druck auf diese Person ausüben, damit sie ihren Glauben widerruft. Dies schließt Todesdrohungen mit ein. Es gibt Berichte über christliche Studenten, die von muslimischen Studentengruppen bedroht und geschlagen wurden. Christen wurden gezwungen, sich zum Verhör bei der Polizei zu melden. Diese Verhöre führten zuweilen zu Geld- oder anderen Strafen, die mit dem Glauben der Christen und den religiösen Aktivitäten, an denen sie teilnahmen, begründet wurden.

Leben im Staat

Offiziell ist die Russische Föderation ein säkularer Staat, doch in den muslimisch geprägten Regionen biedern sich politische Führer offen dem sunnitischen Islam an. Im Nordkaukasus können Christen kein öffentliches Amt innehaben. Seit 2012 hat eine neue Gesetzgebung die Kirchen beeinträchtigt – vor allem die nichtorthodoxen Kirchen – und es ist offensichtlich, dass die Regierung die Russisch-Orthodoxe Kirche bevorzugt, zum Nachteil anderer Denominationen (die oftmals als fremd angesehen werden). In russischen Fernsehsendern und in den Printmedien gibt es eine andauernde Kampagne gegen Sekten und Evangelikale, die zusammen mit Satanisten und Scientologen kritisiert werden.

Kirchliches Leben

Christen muslimischer Herkunft müssen ihren Glauben vollständig geheim halten und werden durchgehend daran gehindert, sich zu treffen. In der Russischen Föderation insgesamt ist es derzeit nicht besonders problematisch, sich als Kirche zu registrieren. Gemeinden, die sich nicht registrieren lassen, tun dies bewusst nicht, um sich dadurch dem Einfluss des Staates zu entziehen. Alle Christen im Nordkaukasus werden davon abgehalten, christliche Veranstaltungen innerhalb und außerhalb ihrer Gebäude zu organisieren. Der FSB (als Inlandsgeheimdienst die Nachfolgeorganisation des KGB) überwacht die Aktivitäten der Kirchen (sowohl der registrierten als auch der nichtregistrierten). Religiöse Materialien, die als „extremistisch“ angesehen werden, werden nicht nur überprüft, sondern auch konfisziert. Pastoren und andere christliche Leiter haben den Nordkaukasus verlassen, da sie zur Zielscheibe geworden sind. Im Nordkaukasus ist es unmöglich, christliche Literatur zu drucken, auch kann diese nicht in die Region importiert werden. Des Weiteren ist es in dieser Region für christliche Gruppen nicht möglich, wohltätige, humanitäre, medizinische, soziale oder kulturelle Institutionen oder Vereine zu gründen.

Auftreten von Gewalt

Für gewöhnlich ist die Zahl der gewaltsamen Übergriffe in der Russischen Föderation relativ gering und wenige Christen (wenn überhaupt) werden getötet. Der Berichtszeitraum zum WVI 2019 erwies sich als anders. Neben weiteren Vorfällen wurden sechs russisch-orthodoxe Christen bei Anschlägen militanter Islamisten auf Kirchen in Dagestan und Tschetschenien getötet und zwei afrikanische Christen wurden im Juni 2018 aus der Russischen Föderation abgeschoben.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

In den muslimischen Regionen Russlands basiert der Alltag auf der islamischen Kultur, die Frauen einen untergeordneten Status zuordnet. Von Frauen wird erwartet, dass sie sich ihren Eltern oder ihrem Ehemann (wenn sie verheiratet sind) vollständig unterordnen. Dies macht sie im Verfolgungsfall verletzlicher – sowohl als wegen ihres christlichen Glaubens als auch als Frauen, die die bestehende Ordnung in Frage stellen.

Männer

Aufgrund des wachsenden Patriotismus in Russland (der zum Teil auf dem Militarismus und der Erinnerung an den Großen Vaterländischen Krieg aufbaut – das ist die russische Bezeichnung für den Zweiten Weltkrieg) wird es für junge Männer immer populärer, in der Armee zu dienen. Christen, die sich anstelle des Militärdienstes für einen Zivildienst entscheiden, riskieren es, diskriminiert zu werden.

Männer sind die Familienoberhäupter und für gewöhnlich die Haupternährer. Wenn ein Christ Verfolgung erfährt – durch Geld- oder Gefängnisstrafe – leidet seine ganze Familie mit. Der Verlust der Arbeitsstelle hat ebenfalls Auswirkungen auf die ganze Familie. Kirchenleiter sind zudem normalerweise Männer – wenn diese auf irgendeine Weise verfolgt werden, hat dies oft eine negative Auswirkung auf die Kirche und verbreitet Angst unter den Kirchenmitgliedern.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Die Verfassung garantiert Religionsfreiheit, gleiche Rechte unabhängig von der religiösen Überzeugung sowie das Recht, seine Religion auszuüben und zu bekennen. Das Gesetz erklärt, dass Regierungsbeamte die Aktivitäten einer religiösen Vereinigung verbieten können, wenn diese die öffentliche Ordnung verletzt oder an „extremistischen Aktivitäten“ beteiligt ist. Das Gesetz bezeichnet das Christentum, den Islam, das Judentum und den Buddhismus als die vier „traditionellen“ Religionen des Landes und erkennt die besondere Rolle der Russisch-Orthodoxen Kirche an. Es unterscheidet zwischen „religiösen Gruppen“, welche das Recht haben, Gottesdienste abzuhalten, aber viele andere Aktivitäten nicht durchführen dürfen, und zwei Kategorien von „religiösen Organisationen“, welche durch die Registrierung bei der Regierung einen legalen Status erlangen, der ihnen die Erfüllung verschiedener religiöser und ziviler Funktionen gewährt. Der Oberste Gerichtshof entschied, die Aktivitäten der Zeugen Jehovas als „extremistisch“ zu kriminalisieren, wodurch er ihre Aktivitäten und Schriften faktisch verbot, und ordnete die Auflösung ihres Hauptquartiers an. Die Behörden setzten ihre Praxis fort, Menschen wegen angeblichen „Extremismus“ zu verhaften und mit Geldstrafen zu belegen, die kleineren religiösen Gruppen oder Organisationen angehören.

Beispiele

  • Im Februar 2018 berichtete Asia News, dass der Bau einer Mormonenkirche in Novosibirsk entgegen eines Urteils des Obersten Gerichtshofs verboten wurde.
  • Im April 2018 berichtete Forum 18, dass die Zeugen Jehovas sich einer Welle von Gerichtsverfahren gegenübersahen; ein Jahr, nachdem der Oberste Gerichtshof der Russischen Föderation entschied, ihre Aktivitäten zu verbieten.
  • Im Mai 2018 veranlassten Beamte 28 Razzien in Wohnungen von Zeugen Jehovas, wobei sie oft den Einlass erzwangen, die Bewohner mit Waffen bedrohten sowie Literatur und andere Gegenstände beschlagnahmten.
  • Im Oktober 2018 belegte ein Gericht in Krasnoyarsk einen 24-jährigen Muslim mit einer hohen Geldstrafe, weil er sich mit anderen getroffen hatte, um die Werke des verstorbenen türkischen islamischen Theologen Said Nursi zu studieren.

9. Ausblick

Die politische Perspektive

Die Regierung von Präsident Wladimir Putin hatte in den vergangenen Jahren keine bedeutende Opposition. Die verfassungsgemäßen Beschränkungen der Zahl der Amtsperioden eines Präsidenten wurden beseitigt. In absehbarer Zeit werden keine politischen Veränderungen erwartet.

Der Ausblick für Christen

Mit Hinblick auf Islamische Unterdrückung: Es besteht die Gefahr, dass sich die Aktivitäten militanter Islamisten in Tschetschenien und Dagestan, den Republiken des nördlichen Kaukasus, fortsetzen.

Mit Hinblick auf Diktatorische Paranoia: Da es keinen Regierungswechsel geben wird, kann das, was in den vergangenen fünf Jahren geschehen ist, als Richtschnur dafür betrachtet werden, was in Zukunft erwartet werden kann: namentlich weitere gesetzliche Restriktionen und ein wachsender Nationalismus.

Mit Hinblick auf Konfessionellen Protektionismus: Die Russisch-Orthodoxe Kirche hat unter der gegenwärtigen Gesetzgebung eine besondere Stellung inne. Die jüngsten Auseinandersetzungen zwischen dem Moskauer Patriarchat und dem Patriarchat von Konstantinopel über die Autorität über die orthodoxe Kirche in der Ukraine werden die Russisch-Orthodoxe Kirche noch näher zur Regierung von Präsident Putin treiben. Die Abneigung gegen alle nichtorthodoxen religiösen Aktivitäten in der Russischen Föderation wird wahrscheinlich zunehmen.

Schlussfolgerung

In den Regionen der Russischen Föderation mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit wird der Druck von Muslimen auf Christen muslimischer Herkunft und Protestanten, die ihren Glauben aktiv weitergeben, sehr hoch bleiben. Die Regierung Russlands wird voraussichtlich die Religionsfreiheit weiter einschränken. Widerstand dagegen ist kaum zu erwarten – und definitiv nicht von der Russisch-Orthodoxen Kirche.

10. Gebetanliegen

Bitte beten Sie für die Russische Föderation:

  • Ein Großteil des Drucks auf Christen in der Russischen Föderation (auch in der Kaukasus-Region) geht von der Regierung aus, die restriktive Gesetze erlässt. Beten Sie um Gottes Leitung für die russischen Christen, dass sie die staatlichen Gesetze verstehen und befolgen können, ohne ihre evangelistischen Aktivitäten einzustellen.
  • Christliche Aktivitäten werden oft vom Staat überwacht und Sicherheitskräfte führen häufig Razzien in Gottesdiensten durch (besonders in der Kaukasus-Region). Beten Sie um Schutz für die Gemeindemitglieder, die verhaftet und von der Polizei verhört werden.

 

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