Länderprofile VAR

Vereinigte Arabische Emirate

45
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Vereinigte Arabische Emirate
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Föderation autonomer Emirate
Platz Vorjahr
40
ISO
AE
Karte Vereinigte Arabische Emirate
Christen
1,23
Bevölkerung
9.54
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Ethnisch begründete Anfeindungen
Privatleben: 12.800
Familienleben: 12.000
Gesellschaftliches Leben: 9.100
Leben im Staat: 10.500
Kirchliches Leben: 12.200
Auftreten von Gewalt: 1.900

Länderprofil Vereinigte Arabische Emirate

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 45 / 58 Punkte (WVI 2018: Platz 40 / 58 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Islamische Unterdrückung: Der Islam beherrscht das private und öffentliche Leben genauso wie den politischen Diskurs im Königreich. Um die Todesstrafe, gesellschaftliche Stigmatisierung und andere Strafen zu vermeiden, sind Christen muslimischer Herkunft manchmal dazu gezwungen, sich wie Muslime zu verhalten und ihren Glauben zu verbergen oder in ein anderes Land auszureisen, in dem ein Glaubenswechsel gestattet ist. Evangelisation ist verboten, jedoch können nichtmuslimische Gruppen sich in dafür vorgesehenen Gebäuden oder in Privathäusern zum Gottesdienst treffen.

Diktatorische Paranoia: Das Land wird von einer Dynastie regiert, die Druck auf die Gesellschaft ausübt und keine abweichende Meinung zulässt. Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Vereinigungsfreiheit sind eingeschränkt.

Ethnisch begründete Anfeindungen: Islamische Normen und Werte, die sich in einem Stammeskontext herausgebildet haben, wie etwa die Familienehre, werden Christen aufgezwungen. Das betrifft besonders Christen mit muslimischem Hintergrund.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Die Gesellschaft der Emirate ist relativ tolerant gegenüber Gemeinschaften von ausländischen Christen und diese sind auch recht frei darin, Gottesdienste in dafür vorgesehenen Gebäuden oder Privathäusern durchzuführen. Im Gegensatz dazu stehen Konvertiten vom Islam zum christlichen Glauben unter großem Druck. Sie werden hauptsächlich von ihren Familien und ihrem sozialen Umfeld verfolgt, sodass es für die Regierung überflüssig ist, gegen sie vorzugehen. Auf diese Weise kann die Regierung aktiv religiöse Toleranz fördern, während sie gleichzeitig den Islam als einzig wahre Religion aufrechterhält.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Auch wenn ausländische Christen und Arbeitsmigranten frei in der privaten Ausübung ihres Glaubens sind, erlaubt die Regierung es ihnen nicht, zu evangelisieren oder in der Öffentlichkeit zu beten. Weil die Gesellschaft konservativ ist, sind Christen vorsichtig darin, was sie in der Öffentlichkeit sagen und tun. Christen muslimischer Herkunft tragen die Hauptlast der Verfolgung, da sie sowohl von Familienmitgliedern als auch vom weiteren sozialen Umfeld unter Druck gesetzt werden, ihrem christlichen Glauben abzuschwören. Dieser starke Druck macht es Christen muslimischer Herkunft so gut wie unmöglich, ihren Glaubenswechsel bekannt zu machen. Aus diesem Grund gibt es kaum Berichte über Christen, die wegen ihres Glaubens angegriffen oder getötet wurden.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Christen muslimischer Herkunft, sowohl einheimische als auch ausländische Arbeiter, erleben hohen Druck vonseiten ihrer (Groß-)Familien, Arbeitgeber und der Gesellschaft. Es gab Fälle, bei denen solche Christen ihre Erbansprüche verloren, ihnen das Sorgerecht entzogen wurde, sie zwangsverheiratet wurden, ihre Arbeitsstelle verloren oder sie unter Druck gesetzt wurden, ohne Entlohnung zu arbeiten. Viele von ihnen suchen Asyl in anderen Ländern.
  • Während des Berichtszeitraums wurde mindestens einer Christin mit muslimischem Hintergrund eine Zwangsehe angedroht. Einige christliche Konvertiten mussten aufgrund des Drucks in ein anderes Emirat fliehen, einige weitere wurden finanziell unter Druck gesetzt und dazu gezwungen, ihren Glauben zu widerrufen.
  • Es gibt in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu wenige Kirchengebäude, um dem Bedarf gerecht zu werden – vor allem, weil es seit Kurzem schwieriger geworden ist, nicht für Gottesdienste vorgesehene Gebäude wie Hotels und Schulen für Versammlungen zu nutzen, was zuvor toleriert worden war. Obwohl die regierenden Familien der Emirate Land für den Bau von Kirchen gestiftet haben, ist es nach wie vor schwierig, neue Kirchen zu gründen. Religiöse Organisationen sind nicht dazu verpflichtet, sich bei der Regierung registrieren zu lassen, aber es fehlt ihnen eine eindeutige rechtliche Zuordnung. Das führt für viele Gruppen zu einem unklaren Rechtsstatus und zu Schwierigkeiten bei der Ausführung bestimmter administrativer Funktionen, einschließlich von Bankgeschäften oder der Unterzeichnung von Mietverträgen.
  • Es werden nur selten Fälle von Gewalt gegen Christen berichtet. Das Land wird polizeilich gut überwacht und ist im Allgemeinen friedlich. Zwischenfälle, von denen christliche Arbeitsmigranten betroffen sind, werden jedoch meist nicht berichtet, da niemand ein Interesse daran hat, dass diese an die Öffentlichkeit geraten: Das Opfer will seinen Job behalten und die anderen Akteure (etwa die Regierung) zeigt kein Interesse an solchen Angelegenheiten. Zudem ist es manchmal schwer zu erkennen, ob eine Misshandlung allein aufgrund des Glaubens des christlichen Arbeiters geschieht. Im Allgemeinen kann jedoch angenommen werden, dass der Glaube nichtmuslimischer Arbeitsmigranten, einschließlich Christen, zu größerer Verwundbarkeit führt.
  • Laut dem „International Religious Freedom Report“ des US-Außenministeriums für 2017 blockieren die beiden größten Internetdienstanbieter, die beide mehrheitlich im Besitz der Regierung sind, weiterhin islamkritische und von der Regierung als extremistisch angesehene Webseiten, einschließlich muslimischer Webseiten; auch blockieren die Dienstanbieter weiterhin Webseiten zu religiösen Themen, unter anderem mit Informationen über den jüdischen und den christlichen Glauben und atheistische Vorstellungen sowie mit Berichten ehemaliger Muslime, die den christlichen Glauben angenommen haben. Auf diese Weise wird das Internet von der Regierung aktiv zensiert – dies zwingt Christen dazu, dabei vorsichtig zu sein, ihren Glauben online zum Ausdruck zu bringen.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 58 Punkten belegen die Vereinigten Arabischen Emirate Platz 45 auf dem Weltverfolgungsindex 2019. Im Vorjahr hatte das Land ebenfalls 58 Punkte. Darin zeigt sich die Stabilität der derzeitigen Situation für Christen im Land.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Der Islam beherrscht das private und öffentliche Leben genauso wie den politischen Diskurs im Königreich. Folglich werden alle Bürger als Muslime gesehen. Das Gesetz des Königreiches erkennt einen Glaubenswechsel vom Islam zum christlichen Glauben nicht an und offiziell ist die gesetzliche Strafe dafür der Tod. Christen muslimischer Herkunft sehen sich manchmal dazu genötigt, sich wie Muslime zu verhalten und ihren Glauben zu verbergen. Auch wenn es keine Berichte dazu gibt, dass die Todesstrafe gegen christliche Konvertiten je vollzogen wurde, ist allein die Existenz des Gesetzes eine wirkungsvolle Methode der Abschreckung. Die Stammeskultur ist stark mit dem Islam vermischt und so wird das Verlassen des Islam als Verrat an der Familie verstanden. Generell üben Familien starken sozialen Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus, um sie dazu zu bewegen, zum Islam zurückzukehren, die Region zu verlassen oder nicht über ihren neuen Glauben zu sprechen. Zudem betrachten einige ethnische Araber ausländische Christen als Bedrohung für ihre Sprache, da Arabisch als heilige Sprache des Koran gesehen wird, und auch für ihre Religion und Kultur.

Diktatorische Paranoia

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind keine Demokratie. Das Land wird von einer Dynastie regiert, die verschiedene grundlegende Menschenrechte nicht anerkennt. Die Machthaber üben Druck auf die Gesellschaft aus und lassen keine abweichende Meinung zu. Da sich die Triebkräfte Islamische Unterdrückung und Diktatorische Paranoia zu einem gewissen Grad überschneiden, weist das Regime auch Merkmale Islamischer Unterdrückung auf, indem es die Rechte von Christen gegenüber Muslimen einschränkt, insbesondere was das kirchliche Leben angeht.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

Die konservative islamische Gesellschaft ist die größte Bedrohung für Christen in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Bürger erwarten von ihren Machthabern eine islamische Regierungsführung, wobei die Scharia die Grundlage der Gesetzgebung ist. Die Regierung geht gegen jeden Christen vor, der versucht, das Evangelium weiterzugeben, da Missionierung illegal ist und strafrechtlich verfolgt werden kann. Der Glaubenswechsel vom Islam zum christlichen Glauben ist gesellschaftlich völlig inakzeptabel. Wer als Muslim dennoch den christlichen Glauben annimmt, riskiert, von der Familie ausgestoßen oder sogar getötet zu werden, weil er Schande über sie gebracht hat. Darüber hinaus bilden die Bürger arabischer Herkunft die oberste soziale Schicht und schauen auf Ausländer herab, vor allem auf die armen und gering qualifizierten Arbeitskräfte aus Südostasien und Afrika. Arbeitnehmer sind an ihre Arbeitgeber gebunden und daher wehrlos gegenüber den Forderungen ihrer Chefs. Ausländische christliche Gastarbeiter werden so leicht Opfer von Diskriminierungen, Demütigungen und Misshandlungen durch ihre Arbeitgeber; aber auch von ihren muslimischen Gastarbeiter-Kollegen werden sie diskriminiert und schlecht behandelt.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

Die Regierung der Emirate duldet keine Kritik, vor allem nicht von (ausländischen) Christen. Die US-amerikanische Menschenrechtsorganisation „Freedom House“ berichtete 2017: „[…] die lokale Medienlandschaft wird streng kontrolliert. Nahezu alle Medien, die das emiratische Publikum erreichen, sind entweder im Besitz der Behörden oder stark von ihnen beeinflusst. Personen, die Onlineplattformen gebrauchen, um abweichende Ansichten oder sensible Informationen zu veröffentlichen, sind seit Jahren willkürlich und ohne gesetzliche Grundlage inhaftiert oder mit kaum ordentlichen Gerichtsverfahren strafrechtlich verfolgt worden.“ In diesem Umfeld müssen Christen immer vorsichtig vorgehen.

4. Hintergrund

Die Vereinigten Arabischen Emirate bestehen aus sieben Emiraten, die eigene Herrscher haben und Anfang der 1970er-Jahre in einer Föderation vereint wurden. Jedes Emirat hat einen Sitz im Obersten Herrscherrat – der obersten Autorität in Bezug auf Verfassung, Exekutive und Gesetzgebung. Die Emirate sind keine Demokratie; die Machthaber üben Druck auf die Bevölkerung aus und lassen keine abweichende Meinung zu. Alle politischen Entscheidungen liegen bei den dynastischen Herrschern der sieben Emirate und es gibt keinen Raum für die Stimme des Volkes. Die Religions-, Presse-, Versammlungs-, Vereinigungs- und Meinungsfreiheit sind im Königreich stark eingeschränkt.

Im Gegensatz zum Golfstaat Bahrain scheint die Welle der Aufstände des „Arabischen Frühlings“ von 2011 die Vereinigten Arabischen Emirate kaum beeinflusst zu haben. Dies ist bemerkenswert, da die emiratische Gesellschaft mehr auf Stammesloyalität als auf demokratischen Normen beruht. Die Bevölkerung scheint jedoch der Regierung zu vertrauen – deren großzügige Verteilung des Ölreichtums spielt dabei offensichtlich eine bedeutende Rolle. Die Emirate sind pro Kopf gemessen der viertreichste Staat der Welt und besitzen die sechstgrößten Ölreserven der Welt. Das hat zu einer großen Zahl von Einwanderern geführt. Nur 15 Prozent der Bevölkerung sind Staatsbürger. Das Land hat Strategien zur wirtschaftlichen Strukturdiversifikation entwickelt und umgesetzt, um eine zu starke Abhängigkeit vom Öl zu vermeiden.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Die Mehrheit der Christen in den Vereinigten Arabischen Emiraten gehört dieser Gruppe an, welche einige Freiheiten genießt, aber auch mit gewissen Einschränkungen konfrontiert ist. Afrikanische und asiatische Migranten haben vergleichsweise weniger Freiheit als westliche, aber mehr Freiheit als christliche Konvertiten, solange sie nicht unter Muslimen evangelisieren.

Christen muslimischer Herkunft

Christliche Konvertiten sind die Gruppe im Land, die gegen Verfolgung am schutzlosesten ist. Sie stehen unter starkem Druck von Verwandten, Familie und der muslimischen Gesellschaft, da Regierung, Gesetze und Kultur islamisch geprägt sind.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 12.8
Familienleben 12
Gesellschaftliches Leben 9.1
Leben im Staat 10.5
Kirchliches Leben 12.2
Auftreten von Gewalt 1.9

Grafik: Verfolgungsmuster Vereinigte Arabische Emirate

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist sehr hoch (11,3 Punkte), ging jedoch gegenüber 11,6 Punkten im vergangenen Jahr etwas zurück. Der Hauptgrund für diese Verbesserung ist, dass laut Berichten der Druck auf nichteinheimische Christen muslimischer Herkunft etwas geringer war.
  • Obwohl alle Lebensbereiche hohen und sehr hohen Druck zeigen, ist dieser am stärksten in den Bereichen „Privatleben“, „Familienleben“ und „Kirchliches Leben“, wo er überall bei 12,0 Punkten oder mehr liegt. Dies spiegelt auf der einen Seite die schwierige Situation der christlichen Konvertiten wider, die einem sehr hohen Druck durch ihre (Groß-)Familie ausgesetzt sind. Zum anderen ist es sowohl für solche Konvertiten als auch für ausländische Christen schwierig, kirchliches Leben zu gestalten, da Missionstätigkeit und die Integration von Christen muslimischer Herkunft in die Gemeinde gesellschaftlich nicht akzeptiert sind.
  • Der Wert für das Auftreten von Gewalt ist im Vergleich zum Vorjahr von 0,2 auf nun 1,9 Punkte gestiegen. Es gab mehr Berichte über Vorfälle, und die Situation von (weiblichen) Hausangestellten konnte präziser bewertet werden. Auch wenn dies zu einem Anstieg der Wertung führte, ist es möglich, dass das Auftreten von Gewalt in den vergangenen Jahren unvollkommen erfasst wurde.

Privatleben

Der Druck auf Christen, insbesondere solche muslimischer Herkunft, ist in diesem Lebensbereich am stärksten. Der Glaubenswechsel vom Islam zu einer anderen Religion ist verboten. Aufgrund der gravierenden gesellschaftlichen Diskriminierung und Stigmatisierung von Christen ist der Besitz von christlichen Materialien besonders für Muslime gefährlich, die sich für den christlichen Glauben interessieren oder sich bereits bekehrt haben, aber aus Sicherheitsgründen ihren Glauben geheim halten.

Familienleben

Der Druck ist in diesem Lebensbereich ebenfalls sehr stark und wird vor allem bei Angelegenheiten wie Ehe, Kindererziehung, Erbrecht und Sorgerecht sichtbar. Interreligiöse Ehen sind nur zwischen einem muslimischen Mann und einer nichtmuslimischen Frau erlaubt. Im Falle einer Scheidung gewährt das Gesetz das Sorgerecht für alle Kinder nichtmuslimischer Frauen, die nicht zum Islam konvertieren, dem muslimischen Vater. Nach dem Gesetz ist eine nichtmuslimische Frau, die nicht konvertiert, auch nicht zum Erwerb der Staatsbürgerschaft berechtigt und kann das Eigentum ihres Mannes nicht erben, es sei denn, sie wird in seinem Testament als Begünstigte genannt.

Gesellschaftliches Leben

Für Christen in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist das Leben in der Gesellschaft nicht einfach. Der ethnische Hintergrund kann jedoch genauso wichtig sein wie die religiösen Überzeugungen. In einer sehr konservativen und islamischen Gesellschaft ist es herausfordernd, Christ zu sein. Ein Experte für das Land berichtet: „Es gibt keine spezifischen Gesetze oder gebräuchliche Verfahren, die es Christen verwehren, kommunale oder ähnliche Einrichtungen zu nutzen. Allerdings schränken sich Christen häufig aus Sicherheitsgründen selbst ein. Dies hat zur Folge, dass der bereits existierende gesellschaftliche Missbrauch und die Diskriminierung Christen und andere Nichtmuslime daran hindern, öffentliche Einrichtungen und Foren zu nutzen, weil sie sich nicht sicher fühlen.“

Zudem werden christliche Konvertiten aller Voraussicht nach aus der Gesellschaft ausgeschlossen, wenn ihr Glaube bekannt wird.

Leben im Staat

Der Islam ist die Staatsreligion der Vereinigten Arabischen Emirate und die Gesetzgebung basiert überwiegend auf der Scharia. Gerichte wenden daher ebenfalls Gesetze an, die auf islamischem Recht basieren. Christen müssen daher ihr Leben auf eine Weise führen, die von anderen bestimmt wird – zum Beispiel dürfen sie währen des Ramadan nicht in der Öffentlichkeit essen oder trinken. Christen ist es auch nicht erlaubt zu missionieren, während Muslime dazu ermutigt werden, dies zu tun. Generell sind (soziale) Medien dem Islam gegenüber positiv eingestellt und gegenüber Christen voreingenommen.

Kirchliches Leben

Da es eine beträchtliche Zahl ausländischer Christen im Land gibt, bestehen mehr als zwei Dutzend offizielle Kirchen. Die Zahl der bestehenden Kirchen reicht für die große Zahl der Christen im Land jedoch nicht aus. Außerdem erlaubt es die Regierung den Gemeinden nicht, in der Öffentlichkeit Gottesdienst zu feiern, zu predigen oder zu beten. Darüber hinaus ist die Gesellschaft der Emirate konservativ und zwingt Kirchen, sich im öffentlichen Ausdruck ihres Glaubens zurückzuhalten. Sie müssen auch im Kontakt mit der muslimischen Bevölkerung sehr vorsichtig sein, vor allem weil alles, was als Missionierung von Muslimen ausgelegt werden könnte, strengstens verboten ist. Kirchen von ausländischen Christen müssen sehr vorsichtig sein, wenn sie Christen muslimischer Herkunft in ihre Gemeinden aufnehmen.

Im Gegensatz zu vorherigen Jahren ist die Regierung in Dubai im aktuellen Berichtszeitraum gegen Versammlungen in nicht dafür vorgesehenen Gebäuden wie Hotels oder Tagungsstätten vorgegangen. Auch wenn Quellen angeben, dass diese Vorgehensweise nicht religiös motiviert war, sondern in Übereinstimmung mit Gesetzen der öffentlichen Ordnung geschah, ist das Fehlen von Kirchengebäuden und Orten für Gottesdienste das tieferliegende Problem, das die Regierung aber nicht zu beschäftigen scheint.

Auftreten von Gewalt

Das geringe Ausmaß der Gewalt gegen Christen ist typisch für die Golfstaaten. Die Regierung braucht gar nicht gegen Christen vorzugehen, da der gesellschaftliche Druck so hoch ist und Christen Selbstzensur üben. Beispiele für das Auftreten von Gewalt gegen Christen finden sich im Abschnitt „Zusammenfassung“.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Christliche Frauen sind in den Vereinigten Arabischen Emiraten nach wie vor besonders verwundbar, da Frauen allgemein als minderwertig gegenüber Männern behandelt werden. Stammesstrukturen beeinflussen, wie stark christliche Konvertiten die Verfolgung zu spüren bekommen: Diese Verfolgung betrifft Frauen und Mädchen stärker, entsprechend ihres niedrigeren Status und ihrer geringeren Freiheiten innerhalb der Kultur. Eine wichtige Einschränkung, der Christinnen muslimischer Herkunft ausgesetzt sind, ist, dass sie keinen Nichtmuslim heiraten dürfen. Amnesty International berichtete auch, dass einige Gesetze zur Verbesserung der Rechte ausländischer Arbeiter die zumeist weiblichen Hausangestellten ausdrücklich davon ausgeschlossen haben. Die Misshandlung und der sexuelle Missbrauch von Arbeitsmigranten wurde daher zu einem auch international wichtigen Thema. Obwohl nicht in erster Linie religiös motiviert, gibt es Anzeichen dafür, dass nichtmuslimische Arbeitsmigranten, von denen sehr viele weiblich sind, in größerer Gefahr stehen, Opfer eines solchen Missbrauchs zu werden, als Muslime.

Männer

Männliche Christen aus dem Ausland erleben Druck wegen ihres Glaubens vor allem im Bereich ihrer Arbeit. Für männliche Konvertiten ist der Einfluss ihres Glaubens viel weitgehender; höchstwahrscheinlich werden sie von ihren Familien verstoßen, was eine größere soziale Ausgrenzung nach sich zieht: 1.) Ihre Familien werden sie nicht mehr unterstützen; 2.) sie verlieren den Zugang zu Gütern des täglichen Bedarfs, die sie von der Familie erhalten haben; 3.) eine Arbeit in der beziehungsorientierten Kultur der Vereinigten Arabischen Emirate zu finden wird schwieriger; und 4.) keine Familie wird ihrer Tochter erlauben, einen Mann zu heiraten, der seine Familie nicht respektiert.

Hat ein christlicher Konvertit eine Familie und einen Arbeitsplatz, bevor er seinen Glauben wechselt, ist es wahrscheinlich, dass er seine Arbeitsstelle verliert. Das hat starke Auswirkungen auf seine Familienmitglieder, da Männer fast immer die Hauptverdiener der Familie sind. Ein Experte für das Land erklärt: „Meistens sind Männer und Jungen die Alleinverdiener, und deshalb tragen sie die Hauptlast der Diskriminierung, um ihren Familien zu helfen.“ Es ist aber auch nicht unwahrscheinlich, dass ein Konvertit auch das Sorgerecht für seine Kinder und seine Frau durch Scheidung verliert.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Unter den Gemeinschaften von Ausländern haben andere religiöse Minderheiten ein ähnlich hohes Maß an Freiheit wie ausländische Christen. Bemerkenswert ist beispielsweise, dass der Bau des ersten Hindu-Tempels im Nahen Osten genehmigt wurde, der 2020 in Abu Dhabi fertiggestellt werden soll. Analysten stellen vor allem heraus, wie stark man einer polytheistischen Religion entgegenkommt. Schiitische Muslime sind sowohl aus politischen als auch aus religiösen Gründen mit Herausforderungen konfrontiert. Sie erhalten keine vergleichbare Unterstützung durch den Staat wie die Gemeinschaften der sunnitischen Mehrheit (etwa in Form von Gehältern ihrer religiösen Leiter). Der „International Religious Freedom Report“ für 2017 des US-Außenministeriums meint: „Die Regierung erlaubte weiterhin das private Leben des Glaubens [...] und erteilte im Einzelfall Genehmigungen, Gotteshäuser zu bauen.“

9. Ausblick

Der politische Ausblick

Es kann politische Stabilität erwartet werden, da die Herrscher der Emirate sich gegenseitig unterstützen. Es gibt keine nationalen Wahlen und politische Parteien sind verboten, weshalb die Bürger keine Möglichkeit haben, ihre Regierung zu ändern. Regierungsposten werden hauptsächlich nach Stammesloyalitäten besetzt. Die Mehrheit der Bevölkerung scheint nicht sehr politisch interessiert oder engagiert zu sein. Eine großzügige Verteilung des Wohlstands scheint die Bevölkerung derzeit zu beschwichtigen, auch wenn die historisch bedingt ärmeren nördlichen Emirate mit ihren Forderungen nach politischen Veränderungen ein gewisses Risiko darstellen. Im Allgemeinen scheinen die Vereinigten Arabischen Emirate im Vergleich zu ihren regionalen und direkten Nachbarstaaten stabil und liberal zu sein. Ein liberalisierender Trend in der Einstellung der Gesellschaft scheint sich insbesondere unter der jüngeren Generation fortzusetzen. Dazu betonen weiterhin die Rhetorik und auch gewisse Handlungen der Bundesbehörden, dass die Emirate ein Land religiöser Toleranz sind.

Der Ausblick für Christen

Mit Hinblick auf Islamische Unterdrückung: Die Behandlung nicht genehmigter Kirchen durch die Behörden in Dubai ist besorgniserregend. Obwohl Quellen darauf hinweisen, dass das jüngste Vorgehen nicht religiös motiviert war, wurde es als „unbarmherzig und gefühllos“ beschrieben. Die fortwährende Weigerung der Regierung Dubais, Anträge für den Bau neuer Kirchengebäude zu prüfen, ist ein Grund zur Sorge und wird sich vermutlich auch in anderen Emiraten fortsetzen.

Mit Hinblick auf Diktatorische Paranoia: Es ist nicht wahrscheinlich, dass die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate ihre misstrauische Haltung gegenüber allen Arten von Vereinigungen und Versammlungen, einschließlich Gottesdiensten, ändert. Es wird weiterhin Überwachungen geben und die Regierung wird voraussichtlich auch in Zukunft alles, was öffentlichen Aufruhr verursachen könnte, einschließlich die Weitergabe des Evangeliums, streng kontrollieren.

Schlussfolgerung

Die Vereinigten Arabischen Emirate genießen trotz der zunehmend unruhigen Situation in der Region Stabilität. Es bleibt abzuwarten, ob die selbstbewusstere Positionierung des Landes in der Region (etwa in Bezug auf die Politik gegenüber Somalia, dem Jemen, Katar und anderen) dazu führt, dass der Einfluss der Emirate als progressive islamische Nation gesichert wird, oder ob solche Vorstöße sich als nicht erfolgreich erweisen und damit die Form des Islam, den die Emirate abbilden wollen, beschädigt wird. Sollten sie nicht erfolgreich sein oder das Land in regionalen Konflikten versanden, könnten die Emirate einer steigenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung entgegenblicken. Daraus könnte ein steigender Einfluss konservativerer religiöser Fraktionen erwachsen. Dieses Szenario scheint jedoch momentan nicht sehr wahrscheinlich zu sein. Dringender sind die wirtschaftlichen Herausforderungen, besonders für Dubai. Die Notwendigkeit, weitere internationale Investoren anzulocken, könnte die Offenheit und Toleranz gegenüber religiöser und kultureller Vielfaltsicherstellen. Eine Quelle beschreibt es so: „Wir können uns an einer guten Portion Religionsfreiheit erfreuen. Das Land ist der Welt gegenüber offen. Das ist gleichzeitig das Geheimnis der Entwicklung dieses Landes.“

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für die Vereinigten Arabischen Emirate:

  • Beten Sie, dass Gott mehr Einheimische in seine Gemeinde der Vereinigten Arabischen Emirate ruft. und die einheimischen Christen mit neuen Brüdern und Schwestern im Glauben segnet.
  • Bitte beten Sie für die Herrschenden in den Vereinigten Arabischen Emiraten um Weisheit und Toleranz, damit sie den Bürgern erlauben, ihre Religion zu wechseln.
  • Beten Sie, dass die Regierung in der Lage ist, das Land vor gewaltbereiten und extremistischen Gruppen zu schützen; bitten Sie darum, dass Konzepte entwickelt werden, die junge Menschen ermutigen, motiviert für das Wohl ihres Landes zu arbeiten.
  • Beten Sie für christliche Konvertiten, die Angst haben, ihren Glauben an Jesus zu offenbaren. Beten Sie für Christinnen muslimischer Herkunft, die ihr Recht auf Besitz und ihre Kinder verlieren.

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