Länderprofile VAR

Vereinigte Arabische Emirate

47
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Vereinigte Arabische Emirate
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
45
ISO
AE
Karte Vereinigte Arabische Emirate
Christen
1,07
Bevölkerung
9.68
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Privatleben: 12.900
Familienleben: 13.000
Gesellschaftliches Leben: 9.500
Leben im Staat: 11.100
Kirchliches Leben: 12.600
Auftreten von Gewalt: 1.100

Länderprofil Vereinigte Arabische Emirate

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 47 / 60 Punkte (WVI 2019: Platz 45 / 58 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Auch wenn ausländische Christen und Arbeitsmigranten frei in der privaten Ausübung ihres Glaubens sind, erlaubt die Regierung ihnen nicht, zu evangelisieren oder in der Öffentlichkeit zu beten. Weil die Gesellschaft konservativ ist, sind Christen vorsichtig darin, was sie in der Öffentlichkeit sagen und tun. Christen muslimischer Herkunft tragen die Hauptlast der Verfolgung, da sie sowohl von Familienmitgliedern als auch vom weiteren sozialen Umfeld unter Druck gesetzt werden, ihrem christlichen Glauben abzuschwören. Ausländische Muslime, die zum christlichen Glauben konvertieren, sind einem ähnlichen Druck ausgesetzt wie in ihren Heimatländern, da sie häufig in ihren eigenen nationalen oder ethnischen Gemeinschaften leben. Wegen der potenziell schwerwiegenden Folgen ist es für die Konvertiten fast unmöglich, ihren Glaubenswechsel zu offenbaren, weshalb es kaum Berichte gibt, dass Christen wegen ihres Glaubens getötet oder geschädigt wurden.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Christen muslimischer Herkunft, sowohl einheimische als auch ausländische Arbeiter, erleben hohen Druck vonseiten ihrer (Groß-)Familien, Arbeitgeber und der Gesellschaft. Wenn ihr Glaubenswechsel bekannt wird, drohen ihnen der Verlust des Erbes und der elterlichen Rechte, die Zwangsheirat, der Verlust des Arbeitsplatzes oder der Druck, „umsonst“ zu arbeiten. Daher suchen viele von ihnen Asyl in anderen Ländern.
  • Christliche Arbeitsmigranten, insbesondere diejenigen, die als Hausangestellte in emiratischen Haushalten arbeiten, blieben anfällig für (sexuellen) Missbrauch. Obwohl Rassismus eine noch größere Rolle spielt, ist es wahrscheinlich, dass ihr christlicher Glaube ihre Verwundbarkeit noch verstärkt.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 60 Punkten belegen die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) Platz 47 auf dem Weltverfolgungsindex 2020. Der Wert stieg gegenüber dem vorherigen Berichtszeitraum, als die VAE mit 58 Punkten im Weltverfolgungsindex 2019 Rang 45 belegten, um 2 Punkte an. Der durchschnittliche Druck auf Christen ist sehr hoch (11,8 Punkte). Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr (11,3) einen Anstieg um 0,5 Punkte. Der Hauptgrund für diesen Anstieg ist ein höherer Druck auf die Konvertiten emiratischer Herkunft.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung / Ethnisch begründete Anfeindungen

Der Islam beherrscht das private und öffentliche Leben genauso wie den politischen Diskurs in den sieben Emiraten. Folglich werden alle Bürger als Muslime gesehen. Das Gesetz erkennt einen Glaubenswechsel vom Islam zum christlichen Glauben nicht an und offiziell ist die gesetzliche Strafe dafür der Tod. Christen muslimischer Herkunft sehen sich manchmal dazu genötigt, sich wie Muslime zu verhalten und ihren Glauben zu verbergen. Auch wenn es keine Berichte gibt, dass die Todesstrafe gegen christliche Konvertiten je vollzogen wurde, ist allein die Existenz des Gesetzes eine wirkungsvolle Methode der Abschreckung.

Die Stammeskultur ist stark mit dem Islam vermischt und so wird das Verlassen des Islam als Verrat an der Familie verstanden. Im Allgemeinen üben Familien starken sozialen Druck auf ehemalige Muslime aus, damit sie zum Islam zurückkehren, die Region verlassen oder ihren neuen Glauben geheim halten. Außerdem betrachten einige ethnische Araber ausländische Christen als eine Bedrohung für ihre Religion, Kultur und Sprache.

Das Ausmaß der Verfolgung ist für Christen muslimischer Herkunft unterschiedlich. Diejenigen emiratischer Herkunft stehen unter dem höchstem Druck. Für Konvertiten aus dem Islam mit anderen Hintergründen (z.B. aus Pakistan, Indonesien, dem Sudan, Mali sowie aus anderen asiatischen, afrikanischen oder arabischen Ländern) hängt viel von der Reaktion innerhalb der sie umgebenden Gemeinschaft in den VAE ab. Solange sie keine Unruhe stiften, haben sie von der emiratischen Regierung wenig zu befürchten, obwohl ihre emiratischen Arbeitgeber sich dazu entschließen könnten, ihren Arbeitsvertrag zu beenden, was zu einer Abschiebung führen könnte, wenn sie keine andere Arbeit finden. Innerhalb dieser ausländischen Gemeinschaften hängen die Folgen für die Konvertiten mehr von den kulturellen Normen des Heimatlandes als von den kulturellen Praktiken der VAE ab. Für Ausländer ist die Hinwendung zum christlichen Glauben manchmal leichter als in ihrem Heimatland, weil Familie und Verwandte oft weit entfernt sind und der soziale Druck weniger stark ist.

Diktatorische Paranoia

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind keine Demokratie. Das Land wird von einer Dynastie regiert, die verschiedene grundlegende Menschenrechte nicht anerkennt. Die Machthaber üben Druck auf die Gesellschaft aus und lassen keine abweichende Meinung zu. Da sich die Triebkräfte Islamische Unterdrückung und Diktatorische Paranoia zu einem gewissen Grad überschneiden, weist das Regime auch Merkmale Islamischer Unterdrückung auf, indem es die Rechte von Christen gegenüber Muslimen einschränkt, insbesondere was das kirchliche Leben angeht.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung (verbunden mit ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen)

  • Die eigene (Groß-)Familie: Obwohl sie eindeutig mit Fragen der Familienehre vermischt sind, sind stark vertretene islamische Überzeugungen ein wichtiger Grund für Familien, Mitglieder, die den christlichen Glauben annehmen, ins Visier zu nehmen. Der Glaubenswechsel vom Islam zum christlichen Glauben ist gesellschaftlich völlig inakzeptabel. Wer als Muslim dennoch den christlichen Glauben annimmt, riskiert von der Familie ausgestoßen oder sogar getötet zu werden, weil er Schande über sie gebracht hat.
  • Regierungsbeamte: Die Regierung geht gegen jeden Christen vor, der versucht, offen über seinen Glauben zu sprechen, da Missionierung illegal ist und strafrechtlich verfolgt werden kann. Der Glaubenswechsel vom Islam zum christlichen Glauben wird klar abgelehnt, und laut dem Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums 2018 „verweist das Strafgesetz an die Scharia in Angelegenheiten, die in der islamischen Lehre als Verbrechen definiert sind, was nach vielen Auslegungen den Glaubensabfall verbietet“.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Die Stammesführer, zumeist die ältesten Söhne ihrer Familie, haben die Pflicht, die (Groß-)Familie zu schützen, für deren Wohlergehen zu sorgen und die Familienehre zu erhalten. Sie sehen es als ihre Pflicht an, Druck auf Christen muslimischer Herkunft auszuüben, damit diese ihren neuen christlichen Glauben widerrufen, oder sie spornen die Familie an, gegen abtrünnige Mitglieder vorzugehen. Im Falle der ausländischen Gemeinschaften werden deren Leiter Druck gemäß den kulturellen Normen des Heimatlandes ausüben.
  • Gewöhnliche Bürger: Die konservative islamische Gesellschaft ist die größte Gefahr für Christen in den VAE. Die Bürger erwarten von ihren Machthabern eine islamische Regierungsführung, wobei die Scharia die Grundlage der Gesetzgebung ist.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Obwohl die Regierung der VAE alle Predigten in Moscheen streng kontrolliert und eine Politik gegen religiöse Hassreden verfolgt, prägen die muslimischen Religionsführer die Gesellschaft konservativ und ermutigen Familie und Gesellschaft, gegen Konvertiten vorzugehen.

Darüber hinaus bilden die Bürger arabischer Herkunft die oberste soziale Schicht und schauen auf Ausländer herab, vor allem auf die armen und gering qualifizierten Arbeitskräfte aus Südostasien und Afrika. Arbeitnehmer sind an ihre Arbeitgeber gebunden und daher wehrlos gegenüber den Forderungen ihrer Chefs. Diese können niedrig qualifizierte Christen leicht diskriminieren, demütigen oder missbrauchen. Christliche Gastarbeiter werden zum Teil auch von ihren muslimischen Gastarbeiter-Kollegen diskriminiert und schlecht behandelt.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Die Regierung der Emirate duldet keine Kritik, vor allem nicht von (ausländischen) Christen. Ein Bericht der Nichtregierungsorganisation Freedom House aus dem Jahr 2019 hält fest: „Eine Reihe von Gesetzen, die in den letzten Jahren verabschiedet wurden, geben den Behörden einen weiten Ermessensspielraum, um die Äußerungen von Einzelpersonen zu sensiblen Themen zu bestrafen. Das Cyberkriminalitätsgesetz von 2012 [...] führte lange Gefängnisstrafen für vage formulierte Vergehen ein, wie z.B. die Schädigung ‚des Ansehens des Staates oder irgendeiner seiner Institutionen‘. Ein Gesetz zur Terrorismusbekämpfung aus dem Jahr 2014 sieht Strafen einschließlich der Todesstrafe für Vergehen wie ‚Untergraben der nationalen Sicherheit‘ und den Besitz von Material, das sich gegen den Islam wendet oder ihn verunglimpft, vor. Ein Gesetz gegen Hassreden und Diskriminierung aus dem Jahr 2015 enthielt vage formulierte Definitionen und kriminalisierte eine Vielzahl von Aktivitäten zur freien Meinungsäußerung. Diese und andere Strafgesetze wurden aktiv durchgesetzt, auch gegen gewöhnliche Social-Media-Nutzer.“ In dieser Situation müssen Christen jederzeit vorsichtig agieren.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Die Emirate von Abu Dhabi, Dubai und Sharjah beherbergen die meisten der in den VAE lebenden Christen und wenden ein ähnliches Maß an Einschränkungen für Christen und Kirchen an. Sie lassen den ausländischen Christen relativen Freiraum, ihren Glauben zu praktizieren. Die anderen vier Staaten der VAE sind weniger dicht besiedelt und haben einen höheren Anteil an Emiratis; daher sind diese Staaten konservativer. So sind die Emirate Ajman und Umm Al Quwain die einzigen Emirate ohne ausgewiesene Kirchengebäude.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Die Mehrheit der Christen in den Vereinigten Arabischen Emiraten gehört dieser Gruppe an, welche einige Freiheiten genießt, aber auch mit gewissen Einschränkungen konfrontiert ist. Afrikanische und asiatische Migranten haben vergleichsweise weniger Freiheit als westliche, aber mehr Freiheit als christliche Konvertiten, solange sie nicht unter Muslimen evangelisieren.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christliche Konvertiten aus dem Islam sind die Gruppe im Land, die gegen Verfolgung am schutzlosesten ist. Sie stehen unter starkem Druck von Verwandten, Familie und der muslimischen Gesellschaft, da Regierung, Gesetze und Kultur islamisch geprägt sind.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 12.9
Familienleben 13
Gesellschaftliches Leben 9.5
Leben im Staat 11.1
Kirchliches Leben 12.6
Auftreten von Gewalt 1.1

Grafik: Verfolgungsmuster Vereinigte Arabische Emirate

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist sehr hoch (11,8 Punkte). Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr (11,3) einen Anstieg um 0,5 Punkte. Der Hauptgrund für diesen Anstieg ist, dass der Druck auf Konvertiten mit emiratischem Hintergrund etwas zugenommen hat.
  • Obwohl alle Lebensbereiche hohen und sehr hohen Druck aufweisen, ist dieser am stärksten in den Bereichen „Privatleben“, „Familienleben“ und „Kirchliches Leben“, wo er überall bei 12,0 Punkten oder mehr liegt. Dies spiegelt auf der einen Seite die schwierige Situation der christlichen Konvertiten wider, die einem sehr hohen Druck durch ihre (Groß-)Familien ausgesetzt sind. Zum anderen ist es sowohl für solche Konvertiten als auch für ausländische Christen schwierig, kirchliches Leben zu gestalten, da Missionstätigkeit und die Integration von Christen muslimischer Herkunft in die Gemeinde gesellschaftlich nicht akzeptiert sind.
  • Der Wert für das Auftreten von Gewalt ist im Vergleich zum Vorjahr von 1,9 auf nun 1,1 Punkte gesunken. Das geringe Ausmaß der Gewalt gegen Christen ist typisch für die Golfstaaten. Die Regierung braucht nicht gewaltsam gegen Christen vorzugehen, da der gesellschaftliche Druck so hoch ist und Christen Selbstzensur üben. Es gab weniger Berichte über Vorfälle während des Berichtszeitraums zum Weltverfolgungsindex 2020, aber es ist wahrscheinlich, dass es eine Dunkelziffer gibt.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Es ist ein Risiko für Christen, über ihren Glauben mit anderen als mit ihren engsten Familienangehörigen zu sprechen: Die Hauptquellen des Drucks für Christen mit muslimischem Hintergrund sind Familie und Gemeinschaft. Die meisten einheimischen Christen üben sich in der Diskussion von Glaubensfragen mit Familien- und Gemeinschaftsmitgliedern in äußerster Vorsicht. Die Regierung verbietet die Missionierung für eine andere Religion als den Islam; das bedeutet, dass alle Kategorien von Christen vorsichtig sein müssen, wenn sie mit emiratischen Bürgern oder anderen Muslimen über den Glauben sprechen. Widerspruch zum oder Kritik am Islam ist ebenfalls gesetzlich verboten, daher ist die Wahl der richtigen Formulierung bei der Diskussion von Glaubensfragen wichtig.
  • Die Hinwendung zum christlichen Glauben wird stark abgelehnt bzw. ist verboten: Die emiratischen Christen sind einem sehr hohen Druck ausgesetzt und ihre Zahl ist in der Folge sehr gering. Die Ablehnung des Glaubenswechsels ist in den Apostasiebestimmungen des islamischen Rechts verwurzelt und stellt als solche einen permanenten Druck dar. Für nicht-emiratische Konvertiten hängt der Druck von ihrer Gemeinschaft und der Anwesenheit von Familienmitgliedern ab, die oft die gleichen kulturellen Normen wie in ihrem Heimatland anwenden. Da die Familienmitglieder oft weit weg im Heimatland sind, haben einige Konvertiten in den VAE mehr Freiheit als in ihrem Heimatland. Dennoch stehen sie in den meisten Fällen noch immer unter großem Druck.
  • Es ist gefährlich für Christen, ihrem Glauben in schriftlicher Form persönlich Ausdruck zu geben, etwa in Internetblogs oder auf Facebook: Dies ist vor allem ein Risiko für Konvertiten vom Islam zum christlichen Glauben, da eine öffentliche Enthüllung ihres Glaubens zu negativen Auswirkungen durch missbilligende Familien- oder Gemeinschaftsmitglieder führen könnte. Ausländische Christen sind frei, ihren Glauben online auszudrücken, können aber nicht offen missionarisch aktiv sein.
  • Es ist für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen: Christen muslimischer Herkunft sehen sich den größten Risiken gegenüber, da das Zurschaustellen christlicher Symbole zur Entdeckung ihres Glaubens mit entsprechenden Folgen führen könnte. Für die meisten Arbeitsmigranten ist die private Zurschaustellung religiöser Symbole (z.B. als Schmuck) kein Problem – obwohl viele dies aus Respekt vor der lokalen Kultur nur diskret tun würden.

Aufgrund der gravierenden gesellschaftlichen Diskriminierung und Stigmatisierung von Christen ist der Besitz von christlichen Materialien besonders für Muslime gefährlich, die sich für den christlichen Glauben interessieren oder sich bereits zu Jesus Christus bekehrt haben, aber aus Sicherheitsgründen ihren Glauben geheim halten.

Familienleben

  • Kinder christlicher Eltern werden dazu gedrängt, an nichtchristlichem Unterricht oder dem allgemeinen Religionsunterricht teilzunehmen: Islamischer Unterricht ist für alle Schüler an staatlichen Schulen und für muslimische Schüler an Privatschulen obligatorisch. Das bedeutet, dass Kinder von Konvertiten den Islamunterricht besuchen müssen. In den staatlichen Schulen wird für Nichtmuslime kein alternativer Religionsunterricht angeboten. Privatschulen können eine Genehmigung für die Durchführung von nichtislamischem Religionsunterricht für nichtmuslimische Schüler beantragen. Die meisten ausländischen Kinder besuchen Privatschulen, in denen sie vom Islamunterricht befreit sind. Wer sich jedoch keine private Bildung leisten kann, muss den Islamunterricht in den staatlichen Schulen besuchen. Die Beantragung einer Ausnahmegenehmigung könnte, wenn sie gewährt wird, zu sozialer Ausgrenzung durch andere führen.
  • Muslime verlieren nach ihrer Hinwendung zum christlichen Glauben ihren Erbschaftsanspruch: Dies ist ein echtes Risiko für Christen mit muslimischem Hintergrund, da Familienmitglieder sie üblicherweise auf diese Weise bestrafen. In Erbschaftsfällen wird die Scharia angewandt, was bedeutet, dass ein Nichtmuslim nicht von einem Muslim erben kann. Konvertiten mit ausländischer Herkunft können jedoch beantragen, die Gesetze ihres Heimatlandes anzuwenden (das im Falle eines muslimischen Landes auch die Scharia anwenden kann).
  • Christlichen Ehepartnern wird im Falle einer Scheidung das Recht abgesprochen, das Sorgerecht für die Kinder in Anspruch nehmen zu können: Laut dem Bericht des US-Außenministeriums zur Internationalen Religionsfreiheit von 2018 „gilt im Falle einer Scheidung zwischen einem muslimischen Vater und einer nichtmuslimischen Mutter in der Regel die Scharia. Die strenge Auslegung der Scharia – die oft den Vater begünstigt – gilt nicht für das Sorgerecht. Der Vater, der als Vormund gilt, sorgt für das Kind finanziell, während die Mutter […] für die tägliche Betreuung des Kindes sorgt“. Bekannte Konvertiten, ob Ehemann oder Ehefrau, werden jedoch in der Regel nicht als „Nichtmuslim“, sondern als „abtrünniger Muslim“ angesehen und gelten daher nicht als sorgeberechtigt.
  • Christliche Taufen werden be- oder verhindert: Für ausländische Christen steht es den Kirchen frei, Taufen durchzuführen. Für Christen muslimischer Herkunft muss die Taufe im Geheimen durchgeführt werden. Die Taufe ist der ultimative Beweis des Glaubenswechsels. Dieser definitive Religionswechsel ist ein sehr sensibles Thema, besonders für emiratische Konvertiten. Ausländische Konvertiten haben mehr Freiheiten, je nach der Gemeinschaft, der sie angehören.

Der Druck im Familienleben ist derzeit der höchste von allen Lebensbereichen und zeigt sich besonders deutlich in Fällen, die sich um Ehe, Kindererziehung, Erbschaft und Sorgerecht drehen. Interreligiöse Ehen sind nur zwischen einem muslimischen Mann und einer nichtmuslimischen Frau erlaubt. Im Falle einer Scheidung gewährt das Gesetz das Sorgerecht für alle Kinder nichtmuslimischer Frauen, die nicht zum Islam konvertieren, dem muslimischen Vater. Nach dem Gesetz ist eine nichtmuslimische Frau, die nicht konvertiert, auch nicht zum Erwerb der Staatsbürgerschaft berechtigt und kann das Eigentum ihres Mannes nicht erben, es sei denn, sie wird in seinem Testament als Begünstigte genannt.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen stehen unter Beobachtung durch ihr soziales oder privates Umfeld. Sie werden beispielsweise bei der Polizei angezeigt, beschattet, ihre Telefongespräche werden mitgehört, E-Mails gelesen oder zensiert: Es gibt eine starke Überwachung in den VAE, was es wahrscheinlich macht, dass einzelne Christen überwacht werden. Christen ist sehr wohl bewusst, dass ihre (Online-)Aktivitäten beobachtet werden. Dieses Bewusstsein veranlasst Christen, ihr Verhalten anzupassen, insbesondere Konvertiten und diejenigen unter den ausländischen Christen, die über ihren Glauben sprechen möchten.
  • Christen werden unter Druck gesetzt, an nichtchristlichen religiösen Zeremonien oder Gemeinschaftsereignissen teilzunehmen: Von Christen muslimischer Herkunft wird routinemäßig erwartet, dass sie an islamischen Praktiken und Traditionen, insbesondere im familiären Bereich, teilnehmen. Der Monat Ramadan ist das wichtigste religiöse Ereignis, das alle Christen in dieser Hinsicht betrifft. Während Nichtmuslime in bestimmten Restaurants, Einkaufszentren und Hotels essen oder trinken dürfen, müssen christliche Arbeitsmigranten, insbesondere diejenigen, die in geringer bezahlten Jobs arbeiten, tagsüber auf Essen und Trinken verzichten.
  • Christen wird der Zugang zu kommunalen Institutionen aufgrund ihres Glaubens verwehrt: Bekannte Konvertiten emiratischer Herkunft werden von der Gesellschaft gemieden und daher von der Teilnahme an gemeinschaftlichen Aktivitäten und Institutionen ausgeschlossen.
  • Christen werden von ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt, sich von ihrem Glauben loszusagen: Christen muslimischer Herkunft werden von ihren spezifischen Gemeinschaften unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu widerrufen und zum Islam zurückzukehren. Sie werden aller Voraussicht nach aus der Gesellschaft ausgeschlossen, wenn ihr Glaube bekannt wird. Das Ausmaß des Drucks, dem ein Konvertit ausgesetzt ist, hängt von seiner Umgebung ab. Emiratische Konvertiten sind dem höchsten Druck ausgesetzt, während nichtemiratische Konvertiten sich mit den kulturellen Normen ihrer jeweiligen Gemeinschaft auseinandersetzen müssen. Da viele von ihnen jedoch weit weg von zu Hause sind und keine Unruhe stiften wollen (was leicht zu einer Abschiebung durch die Behörden führen könnte), können die Reaktionen weniger heftig ausfallen als in den Heimatländern.

Für Christen in den VAE kann das Gemeinschaftsleben schwierig sein, obwohl der ethnische Hintergrund ebenso wichtig sein kann wie die religiösen Überzeugungen, da im Land ethnische Vorurteile und Rassismus vorherrschend sind.

Leben im Staat

  • Die Verfassung oder eine vergleichbare nationale Gesetzgebung schränkt die Religionsfreiheit gemäß Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein: In der Verfassung der VAE sind der Islam als Staatsreligion und das islamische Recht als Hauptquelle der Gesetzgebung verankert. Sie hält die Freiheit aufrecht, religiöse Zeremonien in Übereinstimmung mit etablierten Bräuchen durchzuführen, vorausgesetzt, dass die religiöse Praxis mit der öffentlichen Ordnung und der Moral übereinstimmt (was bedeutet, dass der Islam oder islamische Lehren nicht kritisiert werden dürfen). Blasphemie und Diffamierung aller Religionen sind verboten, aber nur die islamische Missionierung ist erlaubt. Nach geltendem islamischen Recht ist es Muslimen verboten, ihre Religion zu wechseln. Darüber hinaus gelten für emiratische Staatsbürger islamische Personenstandsgesetze, einschließlich eines Verbots für muslimische Frauen, Nichtmuslime zu heiraten.
  • Christen, Kirchen oder christliche Organisationen werden daran gehindert, öffentlich religiöse Symbole zu zeigen: Die meisten anerkannten Kirchen sind vorsichtig, wenn es darum geht, Symbole, Hinweise und andere Zeichen öffentlich zu zeigen, und vermeiden provokative Botschaften. Unerwünschte Aufmerksamkeit vonseiten der Behörden kann negative Auswirkungen haben, wie z.B. den Verlust der Genehmigung zur Durchführung von Gottesdiensten oder die Erschwerung der Beschaffung von Visa für Gemeindeleiter in der Zukunft. Nicht anerkannte Kirchen, und besonders diejenigen mit Konvertiten unter ihnen, üben sich in noch größerer Vorsicht.
  • Beamte auf lokaler wie nationaler Ebene weigern sich, den Glaubenswechsel einer Person anzuerkennen und dementsprechend im Personalausweis oder staatlichen Personenverzeichnis zu dokumentieren: Der Glaubenswechsel vom Islam zum christlichen Glauben ist verboten. Die Regierung der VAE kann eine Abkehr vom Islam nicht akzeptieren und wird sich daher weigern, den Glaubenswechsel eines emiratischen Staatsbürgers offiziell anzuerkennen. Dies gilt nicht für Konvertiten ausländischer Herkunft, da sie Ausländer sind und sich mit den Vorschriften ihrer eigenen Herkunftsstaaten auseinandersetzen müssen.
  • Christen erleben Einschränkungen in der öffentlichen Meinungsäußerung: Die VAE sind keine Demokratie und die Regierung unterdrückt jeden Widerspruch. Die meisten Christen in den VAE üben vorsichtshalber eine Selbstzensur aus und vermeiden Provokationen, insbesondere in Bezug auf Kritik am Islam oder die Diskussion über Glaubensthemen. Die Regierung wird diejenigen abschieben, die ihrer Meinung nach „Unruhe“ stiften.

Kirchliches Leben

  • Kirchliche Aktivitäten werden überwacht, ver- bzw. behindert oder gestört: Es gibt eine routinemäßige Überwachung der Kirchengrundstücke, manchmal auf sichtbare Weise. Es wird davon ausgegangen, dass dies in erster Linie dem Schutz der Kirchen dient und die Kirchen sind für diesen Schutz dankbar. Dennoch kann die Überwachung auch negativ genutzt werden (z.B. um zu ermitteln, ob Muslime an kirchlichen Aktivitäten teilnehmen). Im Jahr 2018 führte die Behörde zur kommunalen Entwicklung von Dubai eine Kampagne zur strengeren Durchsetzung von Gesetzen durch, die religiöse Versammlungen an nicht genehmigten Orten verbieten. Diese Maßnahme sollte in erster Linie dazu dienen, mögliche radikale muslimische oder politische Gruppen zu kontrollieren. Da jedoch eine sehr große Anzahl von christlichen Gruppen in Dubai entstanden ist, die sich in Schulen, Hotels und anderen Versammlungsorten treffen, hatte dieser Schritt bedeutende Auswirkungen. Viele dieser Gruppen mussten ihre Aktivitäten einstellen.
  • Es ist für Kirchen und christliche Organisationen riskant, gegen Verfolger die Stimme zu erheben: Anerkannte Kirchen müssen vorsichtig sein, weil gute Beziehungen zur Regierung wichtig sind (z.B. für die Beschaffung von Visa für Kirchenleiter). Die Regierungen der Emirate sehen sich selbst als großzügige islamische Gastgeber und jede Kritik wird als respektlos empfunden. Christen muslimischer Herkunft werden von der Regierung als Muslime angesehen, und jede öffentliche Diskussion über ihre schwierige Situation wird als unangemessener Eingriff in die Angelegenheiten einer anderen Religionsgemeinschaft angesehen.
  • Christliche Gemeinschaften werden daran gehindert, Kirchengebäude zu bauen: Der Mangel an Kirchengebäuden (der viele Gemeinschaften dazu zwingt, ein Kirchengebäude mit teilweise mehr als fünfzig anderen Gruppen zu teilen oder einen Konferenzraum in einem Hotel oder einer anderen Versammlungshalle zu nutzen) ist eines der größten Probleme, mit denen ausländische Christen konfrontiert sind. Die Kirchen können selbst kein Land kaufen und müssen die Regierung bitten, ihnen ein Grundstück zuzuweisen. Die Genehmigung zum Bau von Kirchen wird nur in Ausnahmefällen erteilt. Die christlichen Gemeinden in den VAE sind sehr aktiv und viele Kirchen zu haben, könnte den Emiratis unangenehm sein, da sie die Kirchen als eine Bedrohung für den islamischen Charakter des Landes wahrnehmen.
  • Auf allen Ebenen der Verwaltung ist es schwierig, als Kirche eine Registrierung zu bekommen: Es gibt kein einheitliches System der Kirchenregistrierung in den VAE und jedes Emirat bestimmt seine eigenen Verfahren zur Bearbeitung von Anträgen religiöser Organisationen auf Bildung rechtlich anerkannter Körperschaften. Im Allgemeinen braucht eine Kirche ein Kirchengebäude, um Anerkennung zu erhalten. Allerdings werden nur selten neue Baugenehmigungen erteilt. Jede Gruppe, die einen gewissen Grad an Anerkennung wünscht, muss sich daher an eine der bereits etablierten Kirchen wenden, um unter ihrem Dach Unterschlupf zu finden. Einige der anerkannten Kirchen haben mehr als fünfzig verschiedene Gemeinschaften in ihren Gebäuden. Es kommt manchmal vor, dass anerkannte Kirchen sich weigern, neue Gemeinden zu unterstützen, wenn sie befürchten, dass ein Neuankömmling zu freimütig ist oder auf andere Weise Probleme verursachen könnte. Dies stellt eine zusätzliche Herausforderung dar, da die Leiter von Kirchengruppen in den meisten Fällen ein von einer der anerkannten kirchlichen Einrichtungen gesponsertes Visum haben müssen. Dennoch scheint es so zu sein, dass, solange eine registrierte Kirche Kapazitäten hat, es keine Einschränkungen gibt, wen eine registrierte Kirche sonst noch unterstützen darf. Auch die Anzahl der Visa, die für Kirchenleiter erteilt werden, ist großzügig.

Auftreten von Gewalt

Es werden nur selten Fälle von Gewalt gegen Christen berichtet. Das Land wird polizeilich gut überwacht und ist im Allgemeinen friedlich. Zwischenfälle, von denen christliche Arbeitsmigranten betroffen sind, werden jedoch meist nicht berichtet, da niemand ein Interesse daran hat, dass diese an die Öffentlichkeit geraten: Das Opfer will seine Arbeit behalten und die anderen Akteure (etwa die Regierung) zeigen kein Interesse an solchen Angelegenheiten. Zudem ist es manchmal schwer zu erkennen, ob eine Misshandlung allein aufgrund des Glaubens des christlichen Arbeiters geschieht. Im Allgemeinen kann jedoch angenommen werden, dass der Glaube nichtmuslimischer Arbeitsmigranten zu größerer Gefährdung führt.

Es ist weithin bekannt, dass vor allem weibliche Hausangestellte leicht Opfer von (sexuellem) Missbrauch werden können. Es sind jedoch kaum Statistiken verfügbar, da alle involvierten Personen, Organisationen und Staaten kein Interesse daran haben, die Realität abzubilden: Die VAE brauchen die Hausangestellten, haben aber eine Schamkultur und wollen keinen schlechten Ruf riskieren. Die Heimatländer der Hausangestellten brauchen das Geld, das von den tausenden Arbeitsmigranten in den Golfstaaten kommt und wollen ihre ökonomischen Interessen nicht gefährden (obwohl der philippinische Präsident Duterte eine temporäre Reisesperre nach Kuwait verhängt hat, nachdem die Leiche eines philippinischen Hausmädchens in einer Gefriertruhe entdeckt worden war).

Die Arbeitgeber missbrauchter Hausmädchen sind entweder selbst die Täter oder haben kein wahres Interesse an deren Wohlergehen. Die Hausmädchen schämen sich häufig aufgrund des Missbrauchs und wollen nicht als „schmutzig“ angesehen werden, sowohl in den VAE als auch von ihrer Familie in ihrer Heimat. Zudem versorgen viele ihre Familien mit dringend benötigtem Einkommen. Diese sind stolz auf ihre Arbeit in den VAE und die Hausangestellten wollen ihre Familien nicht enttäuschen. Daher ist es sehr schwer, Statistiken und Beweise für sexuellen Missbrauch zu erhalten. Es ist zudem schwierig, zu beweisen, ob der sexuelle Missbrauch aufgrund der Religion des Opfers geschieht.

7. Verfolgungssituation für Männer und Frauen

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Verweigerung des Sorgerechts für Kinder
  • Verweigerung der Staatsbürgerschaft
  • Beschlagnahme von Erbschaft und Besitz
  • Verweigerung des Rechts, einen christlichen Ehepartner zu heiraten (gilt für Christinnen muslimischer Herkunft)
  • (Haus-)Arrest durch die Familie
  • Verhaftung durch die Behörden
  • Einweisung in eine psychiatrische Anstalt
  • Verbale Gewalt
  • Sexuelle Gewalt

Generell sind Frauen in den VAE verwundbar, da häusliche Gewalt und Vergewaltigung in der Ehe ohne rechtliche Konsequenzen erlaubt sind. Die Stammesgesellschaft betrachtet Frauen als „minderwertige“ Mitglieder der Gemeinschaft, die eine männliche Vormundschaft benötigen, und dies wirkt sich auch auf das Ausmaß der Verfolgung aus, die Christinnen muslimischer Herkunft erfahren.

Eine Frau, die zum christlichen Glauben konvertiert, wird sich einem immensen Druck ihrer Familie ausgesetzt sehen, wieder zum Islam zu konvertieren. Wenn sie das nicht tut, kann ein Imam gerufen werden, um sie von ihrer Sünde zu überzeugen, oder sie kann unter Hausarrest gestellt oder in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden. Selbst wenn ein christlicher Mann bereit wäre, sie zu heiraten, ist es Frauen, die aus einem muslimischen Hintergrund kommen, gesetzlich untersagt, einen Nichtmuslim zu heiraten. Außerdem können ein christlicher Mann und eine Christin muslimischer Herkunft nicht einfach eine christliche Trauung außerhalb des Gesetzes durchführen. Da der Islam die Ehe zwischen einem nichtmuslimischen Mann und einer muslimischen Frau nicht für gültig hält, würden beide Parteien einer solchen Verbindung wegen der Aufnahme einer außerehelichen Beziehung verhaftet, vor Gericht gestellt und mit einer Gefängnisstrafe von mindestens einem Jahr belegt werden.

Darüber hinaus gewährt das Gesetz bei christlichen Frauen, die mit einem muslimischen Mann verheiratet sind, im Fall einer Scheidung das Sorgerecht für die Kinder dem muslimischen Vater. Nach dem Gesetz ist eine nichtmuslimische Frau, die nicht zum Islam konvertiert, auch nicht zum Erwerb der Staatsbürgerschaft berechtigt und kann das Eigentum ihres Mannes nicht erben, es sei denn, sie wird in seinem Testament als Begünstigte genannt.

Amnesty International hat darüber hinaus berichtet, dass einige Gesetze zur Verbesserung der Rechte ausländischer Arbeitnehmer ausdrücklich Hausangestellte, von denen viele christliche Frauen sind, ausgeschlossen haben (Amnesty International, Annual Report 2016/17, S. 381). Die Misshandlung von Arbeitsmigranten, einschließlich des sexuellen Missbrauchs, ist ein Anlass zu großer Sorge geworden. Obwohl nicht unbedingt religiös motiviert, gibt es Anzeichen dafür, dass nichtmuslimische Arbeitsmigranten, von denen sehr viele weiblich sind, in größerer Gefahr stehen, Opfer eines solchen Missbrauchs zu werden, als Muslime.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Wirtschaftliche Schikane im Berufs-/Geschäftsleben
  • Vertreibung aus Wohnung/Wohnhaus
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land

In den Vereinigten Arabischen Emiraten werden Männer, die zum christlichen Glauben konvertieren, wahrscheinlich von ihren Familien verlassen und als schandbare soziale Ausgestoßene behandelt. Die familiäre Ablehnung ist nicht nur ein emotionaler Schlag für die Konvertiten, sondern bedeutet auch einen Verlust an sozialem Ansehen. Ohne die finanzielle Unterstützung ihrer Familien oder die notwendigen Verbindungen, um einen Arbeitsplatz zu finden oder zu behalten, ist es äußerst schwierig, in dieser netzwerkbasierten Gesellschaft eine Beschäftigung zu finden. Außerdem wird ein Mann ohne Familie und den damit verbundenen sozialen Status keine Familie finden, die bereit ist, ihrer Tochter die Erlaubnis zu geben, ihn zu heiraten.

Wenn ein Christ muslimischer Herkunft zum Zeitpunkt seines Glaubensübertritts Familie und Arbeit hat, riskiert er, alles zu verlieren: Er verliert per Gesetz automatisch das Sorgerecht für seine Kinder, seine Frau kann sich von ihm scheiden lassen und er kann leicht seine Arbeit verlieren, was schwere Folgen für alle seine Familienmitglieder hat, da Männer traditionell die Versorger in ihren Familien sind.

Für männliche ausländische Christen wird der Druck, den sie aufgrund ihres Glaubens erfahren, höchstwahrscheinlich am Arbeitsplatz erfolgen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Unter den Gemeinschaften von Ausländern haben andere religiöse Minderheiten ein ähnlich hohes Maß an Freiheit wie ausländische Christen.

Schiitische Muslime sind sowohl aus politischen als auch aus religiösen Gründen mit Herausforderungen konfrontiert. Sie erhalten keine vergleichbare Unterstützung durch den Staat wie die Gemeinschaften der sunnitischen Mehrheit (etwa in Form von Zahlung der Gehälter ihrer religiösen Leiter). Der Bericht zur Internationalen Religionsfreiheit 2018 des US-Außenministeriums stellt fest: „Die Regierung ernannte keine Scheichs für die schiitischen Moscheen. Schiitische Gläubige unterhielten und beteten in ihren eigenen Moscheen. Die Regierung betrachtete alle schiitischen Moscheen als privat; sie waren jedoch berechtigt, auf Anfrage einige Gelder von der Regierung zu erhalten.“ [VAE IRFR 2018, S. 9]

9. Der Ausblick für Christen

Islamische Unterdrückung

Die Behandlung von nichtautorisierten Kirchen durch die Behörden in Dubai war in der Vergangenheit sehr hart, und der anhaltende Mangel an Bereitschaft der Regierung von Dubai, Anträge für neue Kirchengebäude zu prüfen, ist ein Grund zur Besorgnis und wird wahrscheinlich auch in anderen Emiraten ein Thema bleiben. Die emiratische Gesellschaft dürfte in den kommenden Jahren konservativ bleiben, und Christen muslimischer Herkunft, sowohl emiratische Staatsangehörige als auch ausländische Arbeitnehmer, werden wahrscheinlich weiterhin einem hohen Druck seitens ihrer (Groß-)Familien, Arbeitgeber und der Gesellschaft ausgesetzt sein.

Diktatorische Paranoia

Es ist nicht wahrscheinlich, dass die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate ihre misstrauische Haltung gegenüber allen Arten von Vereinigungen und Versammlungen, einschließlich Gottesdiensten, ändert. Es wird weiterhin Überwachungen geben und die Regierung wird voraussichtlich auch in Zukunft alles, was öffentliche Unruhe verursachen könnte, einschließlich der Weitergabe des Evangeliums, streng kontrollieren.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für die Vereinigten Arabischen Emirate:

  • Beten Sie, dass Gott mehr Einheimische in seine Kirche in den Vereinigten Arabischen Emiraten ruft. Stellen Sie sich vor, dass Ihre Gemeinschaft nur aus drei Mitgliedern besteht und Sie sich bereits seit langer Zeit treffen, ohne dass mehr Christen dazukommen. Die Leidenschaft und die Hoffnung, einen Einfluss für Christus auf die Gesellschaft zu haben, kann schwinden. Beten Sie, dass Gott die einheimischen Christen mit neuen Brüdern und Schwestern im Glauben segnet.
  • Bitte beten Sie für die Regenten der Vereinigten Arabischen Emirate um Weisheit und Toleranz, damit sie den Bürgern erlauben, ihren Glauben zu ändern.
  • Beten Sie, dass die Regierung in der Lage ist, das Land vor gewaltbereiten und extremistischen Gruppen zu schützen und Konzepte zu entwickeln, die junge Menschen dazu ermutigen, motiviert für das Wohl ihres Landes zu arbeiten.
  • Beten Sie für christliche Konvertiten, die Angst haben, ihren Glauben an Jesus zu offenbaren. Beten Sie für Christinnen muslimischer Herkunft, die ihr Recht auf Besitz und ihre Kinder verlieren.

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