Seminar „Trauma-Seelsorge für Gemeindehelfer“

Trauma Seminar für syrische Christen
Trauma-Seminar für syrische Christen


Atempause für die Helfer

Syrische Gemeinden begannen schon kurz nach Beginn des Bürgerkriegs 2011, sich der vielen vertriebenen und traumatisierten Menschen anzunehmen. Das Vorbild Jesu vor Augen, begegnen die Christen so gut sie können den enormen äußeren und inneren Nöten ihrer Landsleute. Doch ihr selbstloser Einsatz fordert den zumeist ehrenamtlichen Helfern viel ab. Open Doors hat gerade für diese Helfer ein Programm eingerichtet, um ihnen eine Atempause zu verschaffen und sie gleichzeitig für ihre so wichtige Aufgabe zu schulen.

 

Abstand vom Schrecken des Krieges

Die Traumaseminare finden im Libanon für kleine Gruppen von Gemeindehelfern statt, die eine knappe Woche abseits von Krieg, Angst und Flüchtlingselend verbringen. Die Reise zu den Seminaren ist nicht ungefährlich, mehrere Stunden Wartezeit an der Grenze werden dabei gerne in Kauf genommen. Angekommen nimmt sich die Gruppe jeden Tag Zeit, einen Bibeltext zu betrachten. Schon beim Austausch darüber kommt zur Sprache, welche Lasten, Ängste oder Fragen den Einzelnen bewegen. Später beginnt die Gruppenarbeit, dann folgen Lehreinheiten über Grundlagen von Trauma-Seelsorge. Es ist eine Mischung aus Unterricht und Gelegenheiten, die eigenen Erlebnisse und Sorgen zu verarbeiten.

 

Auto bringt die Seminar-Teilnehmer nach Hause nach Damaskus, Syrien
Heimfahrt vom Trauma-Seminar

 

Christin liest ermutigenden Brief
Christin aus Syrien liest beim Trauma-Seminar eine der etwa 400 Karten aus einer Schreibaktion


Ein Ausflug ohne Heckenschützen

Unter besonderem Druck stehen auch christliche Eltern, die ihre Kleinkinder unter anderem aus Sicherheitsgründen zu Verwandten außerhalb ihrer Heimatstadt bringen und nun meistens getrennt von ihnen leben müssen. Die Sorge um ihre Kinder, für die die Trennung unverständlich ist, begleitet sie ständig. Sie selbst dienen weiter den Menschen in der Stadt – eine doppelte Last. Täglich hören sie in den Kirchen oder auch bei Hausbesuchen den Berichten Hilfesuchender zu: Viele mussten den Tod geliebter Menschen verkraften, deren Überreste sie mitunter selbst eingesammelt haben.

Allein die fortwährende Beschäftigung mit solchen Erlebnissen anderer birgt die Gefahr eines „Sekundärtraumas“. Durch kreatives Arbeiten und gemeinsame Freizeitaktivitäten können alle abschalten, die Daueranspannung weicht langsam. So wird ein Abendessen im Restaurant schon deshalb zum Highlight, weil sich auf der Fahrt dorthin niemand vor Heckenschützen ducken muss.

Wie wichtig die Seminare sind, lässt sich am Beispiel eines Vaters verdeutlichen, der seinen Sohn bei einem Bombenangriff verlor. Kurze Zeit später kamen Freunde aus seiner Gemeinde, um den am Boden zerstörten Mann zu trösten. In bester Absicht sagten sie zu ihm: „Hör auf zu weinen, vertraue einfach dem Herrn! Er ist mit dir und wird dir wieder Freude geben.“ Anschließend suchte der Mann Hilfe bei seinem Pastor. Dieser hatte ein Trauma-Seminar von Open Doors besucht und war sensibler. Er tröstete den Mann und versicherte ihm, dass seine Reaktion völlig normal sei und es wichtig sei zu trauern.

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