„Gott hat uns gesagt, dass er der Vater für jeden von uns sein wird“

Die Geschichte eines Jungen aus Äthiopien, der seinen Vater wegen des Glaubens an Jesus verloren hat

Motuma Kemede und seine Familie waren die einzigen Christen in ihrem Dorf im Westen Äthiopiens. Trotz der ständigen Beleidigungen und Bedrohungen versuchte Motuma, den anderen Dorfbewohnern immer wieder in Liebe zu erklären, warum er und seine Familie nicht an den animistischen Ritualen teilnahmen. Doch sie konnten ihn nicht verstehen.

Im August 2013 brachen einige Männer aus dem Dorf in sein Haus ein und ermordeten Motuma vor den Augen seiner Frau und seiner acht Kinder.

Kurze Zeit nach dieser Nacht, die für die Familie alles veränderte, besuchte ein Team von Open Doors sie. Motumas schwangere Witwe Buze und ihre Kinder waren am Boden zerstört und tief traumatisiert. Doch am tiefsten hatte es den jungen Wasihun getroffen, einen der Söhne von Motuma und Buze.

Wasihun beim Besuch von Open Doors im August 2013

 

Open Doors hat die Familie seit dem Tod von Motuma mit Lebensmitteln und den Schulgebühren der Kinder unterstützt. Buze wurde dabei geholfen, ein eigenes Einkommen aufzubauen. Sie besuchte auch ein Seminar zur Trauma-Seelsorge mit anderen christlichen Witwen.

Mitarbeiter von Open Doors besuchen die Familie regelmäßig. Durch die Unterstützung der weltweiten Gemeinde können sie bei jedem Mal sehen, wie neue Hoffnung im Leben der Familie wächst. Ein Besuch im März 2017 zeigt eindrücklich die Situation von Wasihun und seiner Familie.

Als sich das Team dem Haus nähert, sieht Wasihun es schon von weitem. Er und seine jüngeren Geschwister rennen auf die Mitarbeiter zu und schlingen ihre Arme um sie. „Es ist so gut, euch zu sehen!“, ruft Wasihun. Durch die Rufe ihrer Kinder weiß auch Buze, dass das Team angekommen ist. „Danke, dass ihr da seid“, begrüßt sie die Mitarbeiter.

Gemeinsam setzen sie sich auf eine Bank vor dem spärlich eingerichteten Haus. Wasihun und seine jüngeren Geschwister finden das Gespräch der Erwachsenen schnell langweilig und beginnen, mit ihren improvisierten Spielsachen zu spielen, die sie liegen lassen haben, als sie das Team begrüßt haben.

Wasihun mit zwei seiner Geschwister

 

Während des Mittagessens sprechen wir auch über die Nacht, in der Motuma ermordet wurde. Es wird klar, dass Wasihun sich erinnert, als wäre es erst gestern gewesen. „Es hat geregnet. Wir haben den ganzen Tag gearbeitet und sind erst spät nach Hause gekommen. In dieser Nacht sind Männer gekommen und haben ihn umgebracht.“

Sein Vater war Wasihuns Held. „Mein Vater hat mir Kleidung gekauft, mich mit zur Kirche genommen und mir erlaubt, dass ich ihm bei der Arbeit helfe. Ich habe ihn geliebt! Er hat mich geliebt! Er hat auf mich aufgepasst.“

Inzwischen ist Wasihun elf Jahre alt und weiß nicht, ob er ein Kind oder ein Mann sein soll. Obwohl das Spiel, das er vorher mit seinen Geschwistern gespielt hat, eher für sie war als für ihn, hatte er Spaß daran – mehr als er vermutlich zugeben würde. Aber er ist ein verantwortungsbewusster Junge und will nicht, dass wir uns Sorgen um ihn machen. Nach der Schule hilft Wasihun seiner Mutter, indem sich um die Tiere kümmert und das Heu einbringt.

„Ich war geschockt, als ich sehen musste, wie mein Vater getötet wurde. Aber Gott hat uns getröstet und uns gesagt, dass er der Vater für jeden von uns sein wird.“

Der nun elfjährige Wasihun beim Besuch 2017

 

Seine Schwester Bachu ist jedoch nicht ganz überzeugt, dass es Wasihun so gut geht: „Mein Bruder stand unserem Vater sehr nahe. Er will nicht seine wahren Emotionen zeigen. Er möchte nicht, dass wir uns Sorgen machen, weil er manchmal sehr traurig ist.“

Bachu ist inzwischen eine junge Frau mit starkem Glauben geworden. Sie erklärt:

„Seit dem Tod meines Vaters hat Gott mehr und mehr zu uns gesprochen und uns zugesagt, dass er uns liebt. Gott tröstet uns. Gott hat uns gesagt, dass er unser Vater sein wird. Er wird uns seine Güte inmitten der Verfolgung noch stärker zeigen. Wir fürchten, dass es immer Menschen geben wird, die etwas gegen uns haben. Aber wenn sie uns einschüchtern wollen, gehen wir auf die Knie und bitten Gott, uns Geduld zu geben!“

Wasihuns ältere Schwester Bachu

 

Wasihuns Mutter Buze erzählt später: „Ich glaubte, ich wäre verloren ohne meinen Mann. Ich machte mir solche Sorgen um meine Kinder. Ich wusste nicht, wie ich sie aufziehen und beschützen sollte.“

Zusätzlich zu ihren Sorgen war Buze im dritten Monat schwanger, als ihr Mann ermordet wurde. „Die Schwangerschaft war hart in diesen Zeiten der Trauer. Aber Gott hat das Baby beschützt und sie wurde ohne Probleme geboren.“ Chera Sena ist inzwischen drei Jahre alt und der Sonnenschein der Familie. Sie füllt das Zuhause mit Wärme und Gelächter und bringt jeden dazu, ihr seine Aufmerksamkeit zu schenken.

Bachu, Buze und Wasihun

 

„Eure Anwesenheit bedeutet mir mehr als alles andere. Sie lässt mich spüren, dass ich Brüder und Schwestern habe, die sich um uns kümmern. Ich habe noch immer Hoffnung, weil ihr mich unterstützt habt. Ich kann mir das Leben ohne eure Hilfe nicht vorstellen – ich hätte mit neun Kindern nicht überlebt.“

Buze bedankt sich bei den Unterstützern von Open Doors

Bitte beten Sie weiterhin für Wasihun, seine Geschwister und seine Mutter! Die Familie braucht auch weiterhin unsere Unterstützung im kraftraubenden Alltag ohne den Vater. Mehr Gebetsanliegen für Kinder der verfolgten Kirche finden Sie auf der Themenseite Blickpunkt Kinder.

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