„Die Menschen brauchen kein Kirchengebäude, sie brauchen Tröster“

Der Westen Syriens stellte während des Krieges die weitgehend sicherste Region dar. Doch auch hier sind die Auswirkungen des Kriegs zu spüren – zum Beispiel durch die vielen Binnenflüchtlinge, die aus gefährlicheren Gebieten in den Westen geflohen sind. Pastor Musa* aus Safita möchte der Not und dem Leid dieser Menschen begegnen. Deshalb hat er im Nebengebäude seiner Gemeinde ein Hoffnungszentrum gegründet, wo er und sein Team Hilfe unterschiedlichster Art anbieten. Er ist überzeugt: „Die Gemeinde sollte inmitten der Gesellschaft stehen.“
 

Hilfe für Binnenflüchtlinge
Symbolbild: Christen mit muslimischem Hintergrund in einem Hoffnungszentrum im Westen Syriens

Hilfe im alltäglichen Leben

Zum einen sind die Hilfsangebote im Hoffnungszentrum ganz praktischer Art:

Pastor Musa erzählt, dass es viele Familien gibt, die sich nicht versorgen können. Deshalb verteilt seine Gemeinde Essenspakete an 275 Familien in Safita und Umgebung – an Christen ebenso wie an Muslime.

Außerdem sind durch den Krieg viele Männer und Väter – und damit oft die Brotverdiener von Familien – umgekommen. Die zurückbleibenden Witwen haben oft Schwierigkeiten, das Einkommen für ihre Familie zu gewährleisten. Sie müssen versorgt werden und befähigt werden, ein zukunftsfähiges Leben aufzubauen.

Mikrokredite des Hoffnungszentrums ermöglichen es etwa 20 Frauen, eigene kleine Geschäfte zu eröffnen und so auf eigenen Füßen zu stehen.

Daneben bietet die Gemeinde auch medizinische Versorgung an. Es gibt einige Ärzte, die Kranke untersuchen, ohne dafür eine Bezahlung zu erwarten. Pastor Musa betont, dass die Angebote auch für Muslime und andere Nicht-Christen gedacht sind:

„Wenn wir ein sichereres Umfeld in Syrien wollen, müssen wir zu allen Menschen gut sein.“

Gemeinsam durch Leid und Traurigkeit

Doch Pastor Musas Gemeinde begegnet nicht nur den äußeren Schwierigkeiten der Menschen, sondern nimmt sich auch ihres Leids und ihres Schmerzes an:

„Die Menschen brauchen kein Kirchengebäude. Sie brauchen Menschen, die sie trösten und ihnen Frieden bringen. Die Kinder brauchen jemanden, der ihnen Aufmerksamkeit schenkt.“

So bietet das Hoffnungszentrum neben Nachhilfe-Stunden in Englisch, Französisch und Arabisch auch Freizeit- und Ferienaktivitäten für Kinder an. Diese Angebote werden gut angenommen: Bei einem jährlichen Winterklub für Kinder bestand der größte Teil der Teilnehmer – etwa 70% – aus Kindern mit nicht-christlichem Hintergrund. Dort wurden Lobpreislieder gesungen, es wurde gespielt und in der Bibel gelesen.

Außerdem holen Musa und sein Team die Menschen auf einer ganz persönlichen Ebene dort ab, wo sie stehen, um ihr Leid mit ihnen zu tragen. Musa erzählt:

„Wir besuchen die Menschen bei sich zuhause. Wir haben gemerkt, dass viele wegen der Ungerechtigkeit in Traurigkeit leben. Gestern besuchten wir eine Mutter, die drei ihrer vier Söhne im Krieg verloren hat. […] Die Frau weinte die ganze Zeit, als sie ihre Geschichte erzählte. Wer kann hier trösten und helfen? Ich denke, nur Gott kann es!“

Raum für Fragen

Das Engagement des Hoffnungszentrums hat bei der Bevölkerung und lokalen Behörden Türen geöffnet. Die Aktivitäten für Kinder im Sommer dürfen im Hof einer staatlichen Schule stattfinden.

Viele Menschen kommen außerdem nicht nur mit ihren praktischen Anliegen, sondern auch mit ihren geistlichen Nöten und Fragen. Durch die Offenheit der Angebote werden auch Nicht-Christen angesprochen. Wenn der Bezug zum Hoffnungszentrum hergestellt ist, fällt es Muslimen oft leichter, sich mit eigenen Fragen zum Glauben an die Gemeinde zu wenden. „Die Menschen kommen auch mit ihren Fragen über Gott. Sie wollen mehr über Gott, über die Bibel lernen und sie wollen beten,“ berichtet Musa.

„Hier sehen wir, wie ein Traum wahr wird: Menschen kommen mit zerbrochenen Herzen und erfahren Heilung durch unsere Arbeit.“

 

 

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