Fragen zur Erhebung

Fragen zur Erhebung

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1. Was hat die Erhebung bislang bewirkt?

Durch die Erhebung haben christliche Flüchtlinge über Vertrauenspersonen die Möglichkeit erhalten, ihre Erlebnisse öffentlich zu machen und in ihrer Not wahrgenommen zu werden. Darüber hinaus hat die Veröffentlichung der Erhebung zu einer großen Medienresonanz geführt und damit dazu beigetragen, auf das Problem aufmerksam zu machen. Dies wiederum hat in einzelnen Fällen dazu geführt, dass die verantwortlichen Politiker durch den Druck der Medien begonnen haben, erste Maßnahmen zu einem verbesserten Schutz der christlichen Flüchtlinge umzusetzen.

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2. Sind die befragten Christen vertrauenswürdig?

Ja, denn die betroffenen Flüchtlinge sind ein großes Risiko eingegangen, indem sie ihren Fall geschildert haben. Wenn die Täter aus der Veröffentlichung der Erlebnisse Rückschlüsse auf die Identität der Befragten ziehen könnten, würde für diese das Risiko weiterer Übergriffe steigen. Angesichts dessen liegt es fern, davon auszugehen, dass die befragten Christen ohne Not unseriöse Antworten geben würden, die sie in Gefahr bringen.

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3. Warum kamen so viele Fälle aus einer einzigen Gemeinde?

(Diese Frage bezieht sich auf die Veröffentlichung der ersten Ergebnisse der Erhebung im Mai, wobei eine große Zahl der Befragten aus der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) Berlin-Steglitz von Pfarrer Dr. Gottfried Martens stammte.)

Die Erklärung ist simpel: Zunächst einmal ist die SELK Berlin-Steglitz eine der Kirchen, die deutschlandweit die umfangreichste Arbeit unter Flüchtlingen betreibt. Darüber hinaus herrschte hier offenbar das größte Vertrauen: Der zuständige Pfarrer Martens ist mit der Thematik bestens vertraut und hat einen zuverlässigen Schutzraum bereitgestellt, der gerne genutzt wurde.

Das trifft übrigens generell zu: Die umfangreichsten Rückläufe zu der Erhebung kamen von dort, wo die Betroffenen sich sicher fühlen und die lokalen Kontaktpersonen das größte Vertrauen genießen.

Die erweiterte Erhebung zeigt deutlich, dass die Rückläufe nicht nur aus wenigen Gemeinden stammen, sondern aus allen Teilen Deutschlands (Berlin stellt nur noch 19,41% aller Fälle). Dazu beigetragen hat, dass wir auch durch unsere Partner zahlreiche Fragebögen erhalten haben (vor allem vom ZOCD, außerdem AVC und der EMG).

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4. Kann man von „systematischen“ oder „flächendeckenden“ Übergriffen sprechen?

Für Open Doors ist nicht die entscheidende Frage, ob die Übergriffe systematisch oder flächendeckend sind – es geht vor allem darum, aufzuzeigen, dass es religiös motivierte Übergriffe auf christliche Flüchtlinge und andere religiöse Minderheiten gibt und dass es sich dabei keineswegs um Einzelfälle handelt, sondern eine bundesweit auftretende Problematik.

Tatsache ist aber, dass sich in verschiedenen Aufnahmeeinrichtungen islamisch geprägte Strukturen herausgebildet haben. Hierbei handelt es sich nicht um Strukturen im Sinne einer übergeordneten Planung mit festem Personal und etablierten Befehlsketten. Im täglichen Miteinander und durch das Bestreben, die eigene Kultur zu bewahren, werden gewohnte und geforderte Verhaltensweisen aus den Heimatländern gelebt. Über viele dieser Muster berichtet Open Doors in den Länderprofilen des Weltverfolgungsindex. Wenn wir in diese – zumeist muslimisch dominierten – Herkunftsländer schauen, herrscht dort keine Religionsfreiheit. Der Grund hierfür ist die Denkweise, dass Nichtmuslime als Ungläubige unrein sind. Sie ist im Koran verankert und deshalb auch unter gemäßigten Muslimen weit verbreitet, auch wenn die tätlichen Übergriffe in erster Linie von extremistischen Muslimen verübt werden. Es gibt vereinzelt Beispiele von Muslimen, die das Unrecht benannt haben, was Nichtmuslimen angetan wird, und sich damit von diesen Taten distanziert haben. Dennoch ist das System des Islam und die daraus resultierende Denkweise die entscheidende Grundlage vieler Übergriffe, die sehr viele Flüchtlinge miteinander teilen. Angreifer handeln aus Überzeugung, nicht aus einer Stimmung heraus (wie sie z. B. durch beengten Wohnraum oder Traumatisierungen entstehen können). Dies wird in vielen alltäglichen Situationen deutlich, wenn zum Beispiel Nichtmuslimen der Zutritt zu Gemeinschaftsräumen (wie Küchen und Bädern) verwehrt wird mit der Begründung, sie seien „unrein“. Dass die äußeren Umstände die Entstehung von Konflikten begünstigen oder auch gelegentlich Auslöser für Übergriffe sind, darf nicht von der tieferliegenden Ursache ablenken.

Unsere Aussage ist selbstverständlich nicht, dass jeder christliche Flüchtling verfolgt wird. Doch die Zahl von Übergriffen ist beträchtlich. Beispielsweise wurden in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Rotenburg an der Fulda 32 Fälle in einer einzigen Flüchtlingsunterkunft dokumentiert. (Dort wurde daraufhin ein Schutzraum geschaffen, in dem die Betroffenen Vertrauen zu den Ansprechpartnern hatten – ausführliche Informationen finden Sie in der dazu erstellten Broschüre.)

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5. Genügt die Erhebung wissenschaftlichen Ansprüchen?

Der Fragebogen wurde in Zusammenarbeit mit einem promovierten Mathematiker und Statistiker sowie der Arbeitsgruppe zum Weltverfolgungsindex erstellt. Innerhalb des Berichts zur Erhebung ist der Fragebogen veröffentlicht und das Vorgehen detailliert beschrieben worden. Es handelt sich um eine Primärerhebung (ähnlich Wahlprognosen) mit der Besonderheit, dass die Anonymität der Befragten zu deren Schutz gewahrt wurde.

Es gibt keine annähernd vergleichbare Untersuchung zu diesem Thema – selbst das BAMF hat bei einer Studie zur Situation der Flüchtlinge nur 123 Betroffene befragt und dabei das Thema religiöse Minderheiten bzw. Religionsfreiheit nur am Rand gestreift. (Entsprechende Untersuchungen der Großkirchen waren nicht zielführend, da weder Zahlen noch Belege veröffentlicht wurden – dennoch wurde daraus die Schlussfolgerung gezogen und publiziert, dass religiös motivierte Übergriffe „vergleichsweise selten“ vorkämen. Dies deckt sich jedoch nicht mit den Erkenntnissen der erweiterten Erhebung, die aktuell erstellt wurde.)

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6. Wie ist Open Doors politisch verortet?

Open Doors verfolgt keine politische Agenda. Die Satzung von Open Doors verpflichtet uns zum Einsatz für verfolgte Christen weltweit, unabhängig davon, wo sie sich befinden. Wir helfen immer auf der Basis der Bedürfnisse verfolgter Christen, ohne dabei politische Ziele anzustreben. Folglich arbeiten wir auch in Deutschland keiner politischen Gruppierung oder Partei zu, sondern es geht um die Betroffenen.

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7. Werden Islam- und Ausländerfeindlichkeit durch die Erhebung geschürt?

Der Grund für die Durchführung der Erhebung sind die herrschenden Missstände. Das Anliegen und die Berufung von Open Doors bestehen darin, sich für bedrängte und verfolgte Christen einzusetzen. Wir sind nicht für das verantwortlich, was andere daraus machen, sondern wir sind den betroffenen Menschen verpflichtet.

Wer das herrschende Unrecht aus politischen oder anderen Beweggründen verharmlost, verschweigt oder für eigene Zwecke missbraucht, ermutigt die Täter in ihrem Tun und macht sich mitschuldig am Leid der Betroffenen. Gerade weil die Politik das Thema nicht aufgegriffen und das Problem beim Namen genannt hat, ist es zu der Dynamik gekommen, die wir jetzt erleben.

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8. Wie steht Open Doors zu Muslimen und dem Islam?

Open Doors unterscheidet bewusst klar zwischen dem Thema „Islam“ und den Muslimen als von Gott geliebten Menschen. Anhand des Weltverfolgungsindex wird sehr deutlich, dass die Haupttriebkraft für Verfolgung der extremistische Islam ist. Es gibt im Islam keine Religionsfreiheit. Allerdings ist es wichtig, das Wertesystem des Islam zu verstehen, um Muslime nicht pauschal zu verurteilen. Und selbstverständlich gibt es zahlreiche liberale Muslime, die nicht alle Aspekte dieses Wertesystems unterstützen.

Lesen Sie zu dieser Frage auch die Stellungnahme von Markus Rode, Leiter Open Doors Deutschland: „Wie verfolgte Christen den Islam erleben“.

 

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