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Afghanistan: Wenn der Sohn nur noch als Verräter gilt

Christen muslimischer Herkunft werden häufig von der eigenen Familie verstoßen

 

(Open Doors) - Die Familie ist in Afghanistan die wohl stärkste Institution in der Gesellschaft. Üblicherweise wird innerhalb der Verwandtschaft verheiratet; Ehen zwischen Cousins und Cousinen werden bevorzugt. Das Wort der Väter oder der männlichen Ältesten ist Gesetz. Die soziale Kontrolle durch die Familie bzw. die weitere Verwandtschaft ist extrem hoch. Es gilt, jegliche Schande, die das Ansehen der Familie beschädigen könnte, abzuwenden. Als drastische Verletzung der Familienehre gilt beispielsweise, wenn ein muslimischer Afghane Christ wird. Denn ein Glaubenswechsel ist in dieser vom Islam geprägten Kultur nicht erlaubt. Die Ehre der Familie und besonders des Vaters muss wiederhergestellt werden. Solange der "Abtrünnige" nicht umkehrt, wird ihm jegliche Beziehung versagt. Das musste auch Fawad* schmerzlich erfahren.

"Deine Entscheidung hat Folgen"

Afghanistan: Frauen vor einer Hütte/Open DoorsSeit er den Mut aufgebracht und von seinem neuen Glauben erzählte hatte, ist Fawad das "schwarze Schaf" in der Familie. Wieder einmal wollte er bei einem Besuch seinem Vater zeigen, dass sein Glaube an Jesu ihn positiv verändert hat. Er erzählt Open Doors: "Viele Dinge gingen mir auf dem Weg zum Haus meines Vaters durch den Kopf. Er hat mich heftig verprügelt, weil ich nun ein Nachfolger Jesu bin. Als ich ins Haus eintrat, war offensichtlich, dass er mich nicht sehen wollte. Ich wünschte ihm 'Salam' (Gottes Frieden) und küsste seine Hand, doch er reagierte abweisend und verließ hastig den Raum. Das versetzte mir einen Stich ins Herz. Auch die Stimmung zwischen meiner Mutter und den Schwestern und Brüdern war angespannt. Sie waren gegen mich."

Fawad erzählt weiter: "Schließlich setzte mein Bruder Wakil* an und beschimpfte mich als Verräter, und dass ich dem Weg der Ungläubigen folge. Die Christen hätten die Bibel verfälscht. Daraufhin fragte ich, ob er den Koran gelesen habe. Er gab zu, es nicht getan zu haben. Ich wollte mit ihm über Sünde und Gottes Gnade sprechen, doch er erwiderte, Muslime seien ohne Sünde. Also blickte ich in den Raum und fragte die anderen, ob sie wirklich ohne Sünde seien. Niemand antwortete. Aufgebracht zeigte mein Bruder auf die Kalaschnikow, zwei Pistolen und ein Paar Handschellen in der Ecke des Zimmers. Die Drohung war deutlich. Er wollte mir Angst einjagen, doch ich blieb ruhig. In diesem Moment konnte Wakil nicht mehr leugnen, dass Jesu mein Leben verändert hat. Früher hätte ich nicht so verhalten reagiert. Meine Schwester blickte mich an und sagte: 'Fawad, was du getan hast, wird Konsequenzen haben. Du hast dich entschieden, also musst du auch mit den Folgen leben."

Wenngleich Fawad nicht bereut, Christ geworden zu sein, leidet er sehr unter dem Bruch mit seiner Familie. Ein großer Teil der afghanischen Glaubensgeschwister könnte Fawads Geschichte in ähnlicher Weise erzählen.

Bitte stellen Sie sich mit Ihrem Gebet hinter die Christen in Afghanistan.

  • Beten Sie für Fawad und die anderen Christen in Afghanistan. Beten Sie für Versöhnung mit ihren Familien.
  • Beten Sie um Stärke für die afghanischen Glaubensgeschwister angesichts der andauernden Verfolgung. Ein immenser Druck lastet auf ihnen, ihrem Glauben an Jesus den Rücken zu kehren.
  • Danken Sie für die wenigen Christen in Afghanistan und beten Sie für ihr geistliches Wachstum.

*Name geändert

 

QuelleSymbolfoto Afghanistan/Open Doors

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