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Auch Christen unzufrieden mit dem Wahlergebnis

Auch viele Christen aus der iranischen Hauptstadt Teheran und anderen Städten erkennen das Ergebnis der Präsidentschaftswahl vom 12. Juni nicht an. Junge Christen schlossen sich den Großdemonstrationen für den Oppositi-onsführer Mir Hossein Mussawi an. Nach amtlichen Informationen wurde Machmud Achmadinedschad erneut zum Präsidenten der Islamischen Republik gewählt.

Seit dem Amtsantritt Ahmadinedschads vor vier Jahren hat sich die Lage der christlichen Minderheit im Land verschlechtert. In jüngster Zeit gab es Verhaftungswellen von Christen. Seit Jahren belegt der Iran einen 3. Platz auf dem Open Doors-Weltverfolgungsindex. Die Christen dort berichten von unverminderter Unfreiheit und Verfolgung. Besonders ehemalige Muslime müssen sich oft heimlich in Hausgemeinden treffen.

Seit Tagen protestieren Mussawi-Anhänger in mehreren Städten und werfen der Regierung Wahlbetrug vor. Junge Demonstranten riefen: "Achmadinedschad ist ein Diktator” oder "Wir wollen keine Regierung der Gewalt”.

Open Doors-Sprecher John Fox bat 29 Christen um eine Einschätzung der Wahl. "Wir können unsere Beobachtungen nicht verallgemeinern, aber von den befragten Christen aus Teheran, Shiraz und Isfahan haben alle Mussawi gewählt", so Fox.

"Selbst, wenn Mussawi Präsident wird, ist das keine Garantie, dass sich die Dinge ändern werden", sagt John Fox. "Von den 475 registrierten Kandidaten ist Mussawi einer von vier Kandidaten, die zur Wahl zugelassen wurden. Also passt er zu den Vorstellungen der religiösen Leiter und befürwortet das derzeitige islamische System. Doch der Protest ist eine ernste Warnung an Mussawi, wirklich an Reformen zu arbeiten, sollte er möglicherweise zum neuen Präsidenten gewählt werden."

"Ich habe Mussawi gewählt", sagt Goudarz*, "denn er ist aufgeschlossener und demokratischer eingestellt als Achmadinedschad. Nun hoffen und beten wir, dass wir bald Neuwahlen haben werden. Wenn es dazu kommt, wäre es der erste nationale Sieg in 30 Jahren Diktatur. Dann schuldet die nächste Regierung den Bürgern mehr Freiheit."

Firouzeh* sagte: "Das ist eine ganz neue Erfahrung und wir wissen nicht, was geschehen wird. Achmadinedschad sagt, er ist der gewählte Präsident, aber die Menschen sagen ‚Nein!’ und die Liberalen, gestärkt durch die internationale Unterstützung fürchten auch nicht, für ihren Protest zu sterben. Sollte Achmadinedschad Präsident bleiben, sind wir nicht sicher, wie sich das auf die Kirche im Iran auswirkt. Beides wäre möglich: Mehr Druck, um die Kirche zu kontrollieren oder größere Freiheiten, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Wir müssen abwarten."
Ein Befragter sagte gegenüber Open Doors: "Mussawi hat mehr Religionsfreiheit versprochen und ich hoffe, er lügt nicht."

Daryush* aus Shiraz berichtete: "Die Mehrheit der Menschen, mit denen ich gesprochen habe, sagen, das Wahlergebnis sei gefälscht. Ein Freund, der in Shahe Cheragh, einem überwiegend von konservativen Muslimen bewohnten Gebiet von Shiraz lebt, sagte mir, selbst dort hätte eine große Zahl für Mussawi gestimmt".

Saeed* sagte: "Ich weiß natürlich nicht von allen Christen, wen sie gewählt haben, aber ich habe von keinem gehört, dass er für Achmadinedschad gestimmt hat. Mehrere Kirchenleiter und andere Christen mittleren Alters haben nicht gewählt. In größeren Städten gingen auch junge Christen auf die Straße und demonstrierten mit und auch Gläubige aus den Dörfern haben sich ihnen angeschlossen."

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