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China: Belastungsprobe für Shouwang-Gemeinde

Hausgemeinde will weiter Gottesdienste unter freiem Himmel feiern - Pastoren unter Hausarrest

(Open Doors) - Auch am vergangenen Sonntag wurde die Pekinger Shouwang-Gemeinde daran gehindert, ihren Gottesdienst auf dem Zhongguancun-Platz im Nordosten der chinesischen Hauptstadt zu feiern. Seit April dieses Jahres versammeln sich die Mitglieder an öffentlichen Plätzen, nachdem ihnen gemietete Räume gekündigt worden waren. Ihre Ende 2010 erworbenen Räumlichkeiten in einem Bürogebäude darf die Hausgemeinde nicht beziehen. Der Bauherr verweigert auf staatlichen Druck hin die Herausgabe der Schlüssel. Auch bisherige Vermieter wurden vom Sicherheitsbüro jeweils unter Druck gesetzt, der Gemeinde wieder zu kündigen.

Das Hilfswerk für verfolgte Christen Open Doors bittet um Gebet für die Shouwang-Gemeinde (dt. Leuchtturm). Seit April steht auch der Pastor und Gemeindegründer Jin Tianming unter Hausarrest. Nur durch die Eingangstür seines Hauses hindurch und in Gegenwart von Beamten sind Gespräche erlaubt. Auch vier weitere Pastoren und drei Älteste sind unter Hausarrest. Von Anfang an gingen Sicherheitskräfte hart gegen die Versammlungen an öffentlichen Plätzen in Peking vor, wobei es immer auch zu Verhaftungen kam. So wurden etwa Anfang Juni 14 Christen festgenommen und über Stunden auf Polizeiwachen festgehalten. Wie Shouwang-Mitglieder berichteten, hatten Angehörige staatlicher Kirchen inhaftierte Christen aufgesucht, um sie "zu ermahnen" und zum Verlassen der Shouwang-Gemeinde sowie zum Beitritt in eine staatliche Kirche zu bewegen.

Unter Druck

China: Mitglieder der Shouwang-Hausgemeinde beim Gottesdienst in einem ParkDie 1993 gegründete Hausgemeinde besteht auf die Herausgabe des Schlüssels zu ihrem Eigentum. Bis dahin wollen sich Mitglieder jeden Sonntag unter freiem Himmel versammeln. Dies bedeutet in mehrerer Hinsicht eine Belastungsprobe: Seit April hat die Polizei etwa 300 Personen zeitweise verhaftet; mehrere Christen stehen unter Hausarrest. Ende Mai trennten sich zwei Pastoren und zwei Diakone von der Gemeinde, weil sie weitere Gottesdienste an öffentlichen Plätzen ablehnen. Langsam nimmt die Zahl der Teilnehmer an den Treffen ab. Etliche der 1.000 Shouwang-Mitglieder, darunter Universitätsprofessoren, Ärzte, Anwälte und KP-Parteimitglieder, müssen zusehends mit persönlichen Konsequenzen rechnen. "Einige haben bereits ihren Job oder ihre Mietwohnung verloren oder auch beides", so ein Gemeindemitglied. Auch die "Alle-Nationen-Allianz"-Kirche in Shanghai und die Liangren-Kirche in Guangzhou waren gezwungen, Gottesdienste im Freien abzuhalten, weil sie aus gemieteten Räumen vertrieben wurden.

Solidarität mit Shouwang

Andere chinesische Hausgemeinden lehnen den Widerstand der Shouwang-Gemeinde ab. Ihrer Meinung nach schadet diese Konfrontation mit der Regierung den Hausgemeinden im Allgemeinen. Andere zeigen sich solidarisch und übergaben Anfang Mai eine Petition an den Nationalen Volkskongress. 17 Pastoren und kirchliche Mitarbeiter aus nahezu 20 Hauskirchen in sechs chinesischen Großstädten bitten die oberste Instanz zur Verabschiedung von Gesetzen in China, der Shouwang-Gemeinde den Zugang zu ihrem Eigentum zu gewähren sowie die staatlichen Vorschriften für religiöse Angelegenheiten zu Gunsten der Religionsfreiheit zu reformieren. Einer der Unterzeichner, Wang Wenfeng vom Wenzhou China Theology Forum, sagte in einem Radiointerview: "Ich hoffe, die Regierung bemerkt, dass der Shouwang-Vorfall kein Einzelfall ist. Viele Gemeinden in China wünschen sich genau dasselbe. Die fundamentalste Forderung ist: Lasst zu, dass wir uns offen versammeln." Man habe nichts zu verbergen und der christliche Glaube selbst verlange, mit Nichtchristen, der Gesellschaft und dem Staat offen umzugehen.

Nach Einschätzung von Open Doors leben etwa 85 Millionen Christen in China. Die meisten gehören Hausgemeinden an, die staatlich nicht anerkannt sind. Offiziell erlaubt sind nur die Protestantische und die Katholische Patriotische Drei-Selbst-Bewegung. Im Jahr 2005 stellte die Shouwang-Gemeinde den Antrag auf staatliche Anerkennung. Dieser wurde abgelehnt. Trotz einer Vielzahl von Verbesserungen, insbesondere für staatlich anerkannte Kirchen, führt Open Doors die Volksrepublik noch immer auf einem der vorderen Plätze im Weltverfolgungsindex. Die Liste aus derzeit 51 Ländern zeigt, wo Christen am stärksten verfolgt werden. Aktuell belegt das Land Platz 16.

Gebetsanliegen:

  • Beten Sie für Pastor Jin Tianming und die anderen unter Hausarrest stehenden Christen. Möge Gott sie stärken und ihnen viel Weisheit geben.
  • Beten Sie für jene, die ihre Arbeitsstelle oder Wohnung verloren haben.
  • Beten Sie für die staatlichen Stellen, dass sie mit der Shouwang-Gemeinde in Dialog treten und die Hausgemeinde anerkennen.
  • Beten Sie für die Einheit der Christen in China und besonders innerhalb der Shouwang-Gemeinde. Das staatliche Vorgehen einerseits und die wachsenden inneren Spannungen andererseits sind eine harte Belastungsprobe. Möge die Gemeinde gestärkt daraus hervorgehen.
QuelleOpen Doors/mit Compass Direct

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