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Christen in Indien: Leben mit der Bedrohung

Schikane und Übergriffe auf Christen in mehreren Bundesstaaten

(Open Doors) - In Indien, der größten Demokratie der Welt, gehören Übergriffe gegen Christen weiterhin zum Alltag. Immer wieder werden sie Opfer von radikalen Hindus, denen die wachsenden Gemeinden und evangelistischen Aktivitäten vieler Christen ein Dorn im Auge sind. Das Hilfswerk Open Doors bittet Christen in aller Welt um Gebet besonders für Gemeinden und Hausgruppen in ländlichen Regionen. Derzeit belegt Indien Platz 32 auf dem Open Doors-Weltverfolgungsindex. Im Folgenden ein Überblick über die jüngsten dokumentierten Fälle von Verfolgung in einigen Bundesstaaten.

Bundesstaat Andhra Pradesh (Ostindien): In Amistapur verprügelten Hindu-Extremisten der hindu-nationalistischen Organisation Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS) am 16. August einen Pastor. Sie beschuldigten Pastor Vandala John der Zwangsbekehrung. Wie der Gesamtindische Christenrat (AICC) berichtet, hatten die Extremisten gegen neun Uhr morgens ein christliches Wohnheim für Mädchen verwüstet und die dortige Bibliothek vernichtet. Dem Herbergsvater warfen sie vor, die Bewohnerinnen zum Christentum bekehren zu wollen. Als Pastor John beim Wohnheim eintraf, um den Christen zu helfen, schlugen die Extremisten ihn zusammen.

indische Christen beim GebetBundesstaat Andhra Pradesh (Ostindien): Am 14. August überfielen radikale Hindus im Bezirk Hassan ein Gebetstreffen. Dabei wurden drei Christen hinduistischer Herkunft verletzt. Die drei Konvertiten stammen aus Basavanagudi, Narasipura und Arasikere. Zuvor hatten die Angreifer Gerüchte über Zwangsbekehrungen von Hindus durch Christen verbreitet. Einem Bericht des Globalen Rats indischer Christen (GCIC) zufolge, attackierte der Mob die Christen mit Keulen und Stöcken. Einer der Verletzten namens Raju musste wegen einer schweren Wunde an der Hand im Krankenhaus behandelt werden. Sowohl Opfer als auch Angreifer erstatteten Anzeige, woraufhin ein Polizeiinspektor gemeinsam mit dem verantwortlichen Beamten für das Wohnviertel den Tatort aufsuchte. Sie veranlassten ein Treffen zur friedlichen Beilegung des Konfliktes. Wie der GCIC weiter berichtet, sicherten sie dabei den Christen die Erstattung der Behandlungskosten der Verletzten zu. Auch wurde zugesagt, dass die Christen in ihren eigenen Häusern weiterhin beten dürften. (Symbolfoto: Christen beim Gebet/Open Doors)

Bundesstaat Andhra Pradesh (Ostindien): Im Bezirk Adilabad wurde ein Pastor von Hindu-Pilgern schwer verletzt. Der Vorfall ereignete sich bereits am 10. August. Pastor Swamidas Jula war auf dem Rückweg von einem Besuch, als er in seinem Zugabteil einige Hindus sah, die von einer Pilgerreise kamen. Nachdem er ihnen einige Traktate gegeben und ihnen von Christus erzählt hatte, verhöhnten sie ihn, schlugen ihn und hinderten ihn daran, an seiner Station auszusteigen. Nach AICC*-Angaben raubten sie ihm zudem umgerechnet 42 Euro und sein Mobiltelefon, bevor sie ihn aus dem fahrenden Zug stießen. Fünf Tage lang wurde er wegen gebrochener Arme, Kopf- und Rückenverletzungen im Krankenhaus behandelt. Örtliche Gemeindeleiter halfen ihm, Anzeige gegen die Täter zu erstatten.

Bundesstaat Chhattisgarh (Ostindien): Ende August nahm die Polizei acht Christen fest. Radikale Hindus hatten die sechs Männer und zwei Frauen wegen Zwangsbekehrung angezeigt. Berichtet wurde, dass die Witwe Nevani Bhagat den Pastor Jaikant Badiak aus Jhardkhand und weitere örtliche Pastoren und Christen zum Abendessen und anschließendem Gebetstreffen eingeladen hatte. Als die Gruppe dabei war, das Haus wieder zu verlassen, stürmten die Männer in Begleitung von Medienvertretern herein. Sie brachten Pastor Badiak und sieben andere Christen zur Polizeistation und erstatteten dort Anzeige. Die sechs Männer wurden daraufhin ins Gefängnis nach Jashpur gebracht; die beiden Frauen nach Raigarh. Drei Tage später, am 30. August, kamen die Männer gegen Kaution wieder frei; die Frauen einen Tag später.

Indien: eine Kirche mit Strohdach im Süden Indiens, darin sitzen Christen zusammen zum GottesdienstBundesstaat Karnataka (Südindien): In Mudhol, Bagalkot wurde am 21. August ein Pastor zunächst von Hindu-Extremisten verprügelt und anschließend festgenommen. Nach GCIC*-Angaben leitete Pastor Sangappa Hosamani Shadrak gerade ein Gebetstreffen, als etwa 20 Bajrang-Dal-Anhänger (Jugendflügel des Hindu-Weltrats) hereinstürmten und auf den Pastor einschlugen. Zudem entweihten sie Brot und Wein, die für das Abendmahl bereitstanden. Durch Faustschläge ins Gesicht verlor der Pastor seine Vorderzähne. Die Extremisten zerrten ihn auf die Straße, fesselten ihn an einen Baum und riefen die Polizei. Der Inspektor nahm Pastor Shadrak und andere Christen zur Vernehmung auf die Polizeiwache mit. Shadrak wurde vorgeworfen, gemäß Abschnitt 295 des indischen Strafrechts eine religiöse Stätte entweiht zu haben in der Absicht, Angehörige einer anderen Religion zu beleidigen. Man brachte ihn ins Gefängnis. Erst nach Intervention christlicher Leiter wurde er am nächsten Tag auf Kaution entlassen. (Symbolfoto: Kirche in Südindien/Open Doors)

Bundesstaat Karnataka (Südindien): Bei einer Feier zum indischen Unabhängigkeitstag am 15. August überfielen extremistische Hindus die Mitglieder einer christlichen Gemeinde in Narshipura im Bezirk Hassan. Ein Christ wurde dabei verletzt. Wie der AICC* berichtete, drohten die Angreifer Pastor Annaya und weiteren Gemeindemitgliedern, sie wegen ihres Glaubens an Christus zu töten. Der Pastor ist darüber äußerst besorgt: "Das ist erst der Anfang der bevorstehenden Gewaltakte gegen unsere Gemeinde!" In der vorhergehenden Woche hatten sie bereits zahlreiche Drohungen erhalten. Nun fürchtet Pastor Annaya um sein Leben und das anderer Christen. Gegen die Angreifer wurde Anzeige erstattet.

* AICC: All-India Christian Council (Gesamtindischer Christenrat)
GCIC: Global Council of Indian Christians (Allgemeiner indischer Christenrat)

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