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Christen nach zwölf Jahren Haft endlich frei

Nach fast zwölf Jahren unschuldig im Haft sind im mexikanischen Bundesstaat Chiapas 20 Gefangene, darunter 18 Christen, freigelassen geworden. Die Männer wurden wegen Beteiligung am Massenmord an 45 Indianern im Dezember 1997 in der Ortschaft Acteal verurteilt. Sie erhielten Haftstrafen von bis zu 36 Jahren. Der Oberste Gerichtshof hob am 12. August die Urteile wegen schwerwiegender Prozessfehler auf. So sollen Staatsanwälte Aussagen frei erfunden und Beweise illegal erlangt haben. Die Richter beanstandeten auch, dass es keine Dolmetscher für Tzotzil sprechende Angeklagten gab. Derzeit befinden sich die Freigelassenen in einem Hotel. Nach Angaben von Mitarbeitern des Hilfswerks für verfolgte Christen Open Doors wollen 13 von ihnen mit staatlicher Hilfe ein kleines Geschäft eröffnen. Sie waren vor ihrer Verurteilung Kaufleute. Sieben wollen ein Stück Land in Chiapas kaufen. Das Gericht will die Prozesse von 33 weiteren Gefangenen in den kommenden Monaten überprüfen. Sechs Verfahren sollen neu aufgerollt werden.

Briefe schenkten Hoffnung
Weltweit haben Hunderte Christen jahrelang den Gefangenen ermutigende Briefe und Karten geschrieben und für sie gebetet. Dazu hatte Open Doors aufgerufen. "Ich danke euch und allen Christen weltweit für ihre bedingungslose Unterstützung und die Besuche im Gefängnis", sagt der 60-jährige Alonso López Entzin, "Im Gefängnis fühlten wir uns oft allein. Bitte sendet meine Grüße und meinen Dank an alle, die für uns gebetet haben." Die Männer saßen in einem Hochsicherheitsgefängnis. Ihre Familien konnten sie zwei bis drei Mal im Jahr besuchen. Open Doors versorgte die Gefangenen mit Lebensmitteln und medizinischer Hilfe. Die Familien konnten mit Hilfe des Werkes zudem zudem regelmäßig ein Fahrzeug mieten, um ihre Männer zu besuchen.

Hintergrund:
In der Ortschaft Acteal im mexikanischen Bundesstaat Chiapas drangen am 22. Dezember 1997 schätzungsweise 100 bewaffnete Menschen in eine Kirche ein und ermordeten 45 Tzotzil-Indianer; darunter 18 Kinder und 22 Frauen. Mehrere wurden verletzt. Die Hintergründe der Bluttat sind unklar: So sollen die Bewohner von Acteal Sympathisanten der Guerillaorganisation "Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung" (EZLN) sein, die sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung einsetzt. Es wird gemutmaßt, dass hinter der Tat eine paramilitärische Gruppe steckt, die von der Regierung unterstützt wurde. Die Regierung wiederum geht von einem Massaker nach lokalen Streitigkeiten aus. Die Suche nach den Beteiligten an der Tat endete mit der Festnahme und Inhaftierung von 90 Menschen, von denen viele unschuldig sind - darunter 35 evangelikale Gläubige aus den Gemeinden des Verwaltungsbezirks Chenalho. Die Ermittlungen ergaben keine rechtsgültigen Beweise, die die Verhaftung der unschuldigen Männer gerechtfertigt hätte. Trotz der vielen dokumentierten Verstöße gegen eine ordentliche Prozessführung war die Verteidigung der Inhaftierten nicht erfolgreich. In den vergangenen Monaten hatten Verwandte der Inhaftierten Bürgerproteste für deren Freiheit organisiert und mehrere Jahre lang befanden sich an presbyterianischen Kirchen Spruchbänder, auf denen Gerechtigkeit für die fälschlich Verurteilten gefordert wurde.

mit Informationen von Compass Direct

 

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