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Christen in Syrien: Angst vor einem zweiten Irak

(Open Doors) – Mitarbeiter des überkonfessionellen Hilfswerks Open Doors konnten jüngst Christen in Syrien besuchen und mit ihnen über ihre Situation inmitten der anhaltenden Protestbewegung sprechen. Dabei wurde vor allem die Furcht der christlichen Minderheit deutlich, Syrien könnte zu einem zweiten Irak werden. Dort droht die Gemeinde Jesu auszusterben. Daher bittet Open Doors um Gebet für die Christen in Syrien.

"Kirchenleiter wollen neutral bleiben und sind sehr zurückhaltend in der Kommentierung der seit fünf Monaten anhaltenden Protestbewegung und dem Vorgehen der Regierung", berichtet ein Open Doors-Mitarbeiter. "Sie baten uns, nicht alles zu glauben, was in westlichen Medien berichtet wird. Genauso, wie sie nicht allem trauen, was syrische Medien melden." Eine freie Presse gebe es in dem Land nicht, doch werde auf beiden Seiten unausgewogen berichtet.

Bedrohte Freiheit
Syrien: eine Kirche in der Altstadt von Aleppo/Open DoorsChristen verschiedener Konfessionen versicherten Open Doors, dass sie für Versöhnung und die Wiederherstellung der Ordnung in Syrien beten. An Protesten beteiligten sie sich nicht. Die Kirche in Syrien, mit rund 1,9 Millionen Christen die zweitgrößte christliche Minderheit im Nahen Osten, ist in einer sensiblen Lage: Christen waren bislang etablierter Teil der Gesellschaft und fühlten sich sicher. Religiösen Minderheiten wurden deutlich mehr Freiheiten gelassen als in anderen arabischen Staaten. Es gibt in Syrien keine offizielle Staatsreligion, wohl aber muss der Präsident Muslim sein. Verfassungsrechtlich wird anderen Religionsgruppen die Freiheit garantiert, ihre Religion auszuüben und ihre Gottesdienste zu feiern. Das Evangelium darf jedoch nicht an Muslime weitergegeben werden. Muslime, die Christen geworden sind, können familiären Druck aufgrund ihrer Hinwendung zum Christentum erfahren. Wenngleich sich auch syrische Christen politische Reformen wünschen, fürchten sie, im Fall eines Umsturzes als erstes ins Visier von Islamisten zu geraten, gelten sie doch als Unterstützer der alawitischen Assad-Regierung. Denn eine Öffnung der Gesellschaft würde auch radikalen Kräften mehr Spielraum geben. Das könnte zur Folge haben, dass sie gegen die christliche Minderheit als schwächstes Glied der Kette vorgehen würden. "Wir wollen nicht, dass es uns ähnlich ergeht wie den Christen im Irak", sagten einheimische Gemeindeleiter gegenüber Open Doors. Unter dem Regime Saddam Husseins lebten Christen in relativem Frieden. Doch heute sind sie dem Terror islamischer Extremisten ausgesetzt, die das Land offenbar von "Ungläubigen" säubern wollen. (Foto: Kirche in Aleppo/Open Doors)

Besorgniserregende Vorzeichen?
Infolge der andauernden Protestbewegung gegen Machthaber Assad kam es auch sporadisch zu Feindseligkeiten gegen Christen und andere religiöse Minderheiten. So wurde von anti-christlichen Parolen ("Alle Christen in den Libanon") auf Schildern bei Demonstrationszügen berichtet. In einem überwiegend von Christen bewohnten Dorf forderten radikale Muslime die Christen auf, den Freitag statt den Sonntag als "heiligen Tag" zu feiern. Auch wurden Christen unter Druck gesetzt, Landstücke an Muslime statt an Christen zu verkaufen. Wenngleich diese Vorfälle zu Unruhe unter Christen geführt haben, beobachtet Open Doors derzeit noch keine gezielte Verfolgung aufgrund ihres Glaubens. Doch scheinen dies besorgniserregende Vorzeichen zu sein.

Gestärkter Glaube
Inmitten dieser unsicheren Zeit gibt es auch Zeichen der Hoffnung. So berichtete Leah, eine junge syrische Christin, wie wichtig ihr in den vergangenen Monaten das Gebet geworden ist: "Ich sah Christen, die zusammen für ihr Land fasteten und beteten, und ich verstand: Dies ist der Leib Jesu. Mein Glaube wurde gestärkt, denn ich bin nicht allein. Ich habe gelernt, Syrien noch mehr zu lieben und nicht nur für mich selbst zu beten, sondern auch für meine Landsleute."

Gebetsanliegen:

  • Beten Sie für die Christen in Syrien. Aufgrund der unsicheren Lage sind viele schon ins Ausland geflohen. Ein Pastor aus Aleppo erzählte: "Auf die Straße zu gehen, ist gefährlich. Niemand will ein Risiko eingehen."
  • Beten Sie um Weisheit für syrische Kirchenleiter, wie sie ihre Gemeinden durch diese schwierige Zeit führen können.
  • Beten Sie auch für irakische Christen, die nach Syrien geflohen sind. Obwohl die Lebensbedingungen dort für die meisten prekär sind, glaubten sie sich in Sicherheit.
  • Beten Sie für die syrische Regierung.

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