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Ehemaliger Muslim verprügelt

Seit der iranische Christ Nasser Ghorbani vor sieben Jahren in die Türkei flüchtete, musste er immer wieder seinen Arbeitsplatz wechseln. Irgendwann fragte ihn einer seiner Kollegen, warum er freitags nicht in die Moschee geht. Spätestens dann kam heraus, dass er Christ ist. Meist verlor er daraufhin seinen Job. Der ehemalige Muslim ist Tischler. Mit seiner Frau Leila – ebenfalls früher eine Muslima - und den drei Töchtern floh er aus dem Iran in die Türkei. Ihre muslimischen Familien hatten erfahren, dass sie sich vom Islam abgewandt haben. "Als Christ kann ich nicht in den Iran zurück. Ich riskiere mein Leben. Wenn sie mich fangen, hängen sie mich gleich auf", ist er sich sicher. Im November vorigen Jahres bekam er eine Anstellung bei einem Istanbuler Möbelhersteller. "Als die Kollegen erfuhren, dass ich Christ bin, behandelten sie mich von da an anders", erinnert er sich. Der Koch in der Kantine gab ihm nur noch Kartoffeln; kein Fleisch mehr. Ein LKW-Fahrer der Firma ging ihn einmal an: "Dein Land ist ein muslimisches Land. Du bist vielleicht Christ geworden, aber du kommst heute mit zum Freitagsgebet."

Heimtückischer Angriff
Ende Mai, an einem Freitag, wollten ihn seine Kollegen mittags zur Moschee bringen. Du wirst deine Gebete verrichten, drohten sie. Nasser Ghorbani weigerte sich. Es war kurz nach Feierabend, als ein Kollege von hinten auf ihn zuging. Unerwartet schlug ihm der LKW-Fahrer gegen die Schläfe. Der Christ ging ohnmächtig zu Boden. Als er wieder zu sich kam, schmerzte sein ganzer Körper. Der Fahrer hatte weiter auf den bewusstlosen Mann eingeschlagen. Kollegen, die den Angriff beobachtet hatten, unternahmen nichts. Nasser Ghorbani ging nicht zur Polizei. Er wollte Fragen über seine Bekehrung und seine Gemeinde vermeiden. Mehrere Christen – allesamt Flüchtlinge aus dem Iran - treffen sich oft in seiner Wohnung. Ein Arzt stellte starke Verletzungen an Rippen, Schultern, seinen Schienbeinen und einem Auge sowie Magenblutungen fest. Der LKW-Fahrer wurde gekündigt. Auch Ghorbani musste sich eine andere Stelle zu suchen. Der zornige Fahrer hatte gedroht, ihn umzubringen. "Vielleicht haben traditionelle Christen in der Türkei weniger Druck. Aber wir, die wir den Islam verlassen haben und Jesus nachfolgen, werden gefeuert", sagte ein Freund, der sich um Ghorbani nach dem Angriff kümmerte.

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